März 16th, 2007

FUCK FOR FOREST (#116, 02-2006)

Posted in interview by jörg

über Fuck For Forest bin ich bei ARTE gestolpert. Der kurze Bericht über Leona Johansson und Tommy Hol Ellingsen lief just in dem Moment, als ich mich am Telefon mit meinem Heftkoordinationspartner über diese Themenausgabe auseinander gesetzt habe. Und weil der immer soviel quasseln kann, konnte ich ihn erst gegen Ende des Berichts abwürgen. Die ganzen Informationen hatte ich also verpasst

Ein paar Monate später: Die Internet Recherche machte mir Fuck For Forest weder unsympathisch, noch liess sie Leona und Tommy als durchgeknallt erscheinen, und so wagte ich mich ins Hauptquartier dieser wirklich aussergewöhnlichen Umweltschutzorganisation in Berlin.

Schliesslich hatte ich in den 80ern auch mal versucht, Bäume vor dem Frankfurter Flughafen zu retten. Die Startbahn West wurde dann aber doch gebaut. Mit Porno- oder Sexdarstellungen hatte ich allerdings bislang noch nie soviel zu tun gehabt, weil mich das lieber in meinem eigenen Bett interessiert hat Und wer dieses Interview brav zu Ende liest, stösst vielleicht sogar ganz unvermittelt auf eine Jobperspektive für die Zukunft

Ich muss gestehen, dass ich mir nicht unbedingt Pornofilme anschaue

Leona: Was wir mit Fuck For Forest (FFF) versuchen, ist einen netten und interessanten Weg zu finden, die Natur zu schützen, denn wir denken, dass die meisten Sachen schon zu lange gemacht wurden. Die Botschaft war in den 80ern klarer, aber jetzt ist sie immer und immer wieder wiederholt worden, die Leute wissen, dass die Welt Scheisse ist. Wir wollten einen lustigeren Weg finden, der Spass, Erregung und Naturschutz kombiniert, und wir mögen Sex.

Auf eine Art haben wir die Pornoindustrie analysiert und wir haben gesehen, dass die ziemlich viel Geld macht, das war jedoch nicht das wesentliche. Die wesentliche Sache war, unseren eigenen Weg zu finden, mit dem wir uns wohl gefühlt haben, um tatsächlich etwas mit der Welt zu machen. Und Sexualität ist etwas, was wir mögen, wir mögen es, miteinander Sex zu haben und damit zu experimentieren. Und das ist kein Porno! Das ist Sex haben. Wenn du Fotos mit deinem Freund aufnimmst, ist das Porno oder sind das lediglich private Fotos, wenn ihr Sex habt?

Ok, in der Pornodebatte kenne ich mich natürlich auch nicht aus….

Leona: Ich auch nicht. Das habe ich nur gesagt, weil du das Gespräch damit angefangen hast, dass du mit Porno nicht viel am Hut hast. Und ich auch nicht, in Bezug auf FFF ist es wirklich egal.

Was ich damit sagen wollte war, dass ich mir keinen Film auf euerer Homepage angeschaut habe, weil ich zum einen keine Mitgliedschaft habe und andererseits meinen Interviewpartnern vor dem Interview nicht dabei zuschauen wollte, wie sie es auf meinen Computer treiben

Leona: Das ist ein wenig traurig, denn manchmal stellen wir Sachen in unseren Filmen dar, die nicht in anderen erotischen Ausdruckformen zu finden sind. Dann hättest Du was darüber gelernt, wie wir arbeiten, und das unterscheidet sich total zu dem, wie die Leute in der erotischen Industrie sich damit befassen.

Während meiner Recherche habe ich über einen der Filme gelesen, dass es dort zu sehen gibt, was alles mit einem Maiskolben angestellt werden kann. Das war sehr inspirierend

Tommy: Ja, und es gibt so einen Minimaiskolben. Wir benutzen eigentlich einen grossen und einen kleinen Maiskolben dann für den Arsch. Beide sind wirklich perfekt für diese Sache. Wir versuchen Spass mit Sex zu haben

Leona: Sex auszuprobieren. Ja, experimentieren. Wir haben auch einen sexuellen Film gemacht, der auf den Krawallen zum 1. Mai in Berlin aufgebaut ist, in dem wir die Strassen mit Liebe zu heilen versuchen. Leona verhält sich sehr sexuell zusammen mit den Demonstranten, das ist sehr nett. Eine Menge Polizei ist da und sie läuft auf der Strasse, spielt sich an den Brüsten herum und sagt „Fuck for Forest“, zeigt ihnen ihre Brüste

Waren das die echten Krawalle?

Leona: Ja, es ist echt, mit heulenden Ambulanzwagen

Und du bist wirklich so vor denen herumgelaufen?

Leona: Ja, habe ihnen meine Brüste gezeigt

Du bist mutig!

Tommy: Wir haben auch diese Szene mit dem Dildo in der Strasse gedreht und die ganzen Demonstranten und Polizisten liefen vorbei und waren am Herumschreien, Sachen explodierten während ich weiterfilmte und auch beiseite hüpfen musste wegen der Explosionen. Das ist wirklich ein grossartiger Film, total ungeplant und daher das, was er ist. Es war geplant, dorthin zu gehen.

Leona: …es war unser erstes Mal, dass wir am 1. Mai mit so einer Situation konfrontiert waren, mit totalem Chaos, Sachen, die explodieren und wir haben versucht, das zu filmen Unseren Freunden um uns herum sagten wir, dass wir da reingehen wollten in dieses Durcheinander und es irgendwie ein bisschen aufbrechen

Deswegen seid ihr nicht nach Berlin gezogen, oder? Warum sonst?

Leona: Berlin ist ein netter Ort. Es ist ein aufgeschlossener, toleranter Ort, du findest eine Menge unterschiedlicher Leute aus verschiedenen Richtungen, die versuchen kreativ oder politisch zu sein. Wegen der Geschichte und auch politischen Geschichte gibt es hier eine Menge zorniger Leute, und ich mag Leute, die die Schnauze voll haben von der idiotischen Art der Menschheit sich untereinander und die Welt zu behandeln. Es gibt hier eine sehr starke Geschichte, die ich im Boden fühlen kann und die mich lebendig macht.

Könnt ihr den Tag in euerem Leben beschreiben, an dem ihr morgens aufgewacht seid und beschlossen habt, Filme zu drehen und diese über das Internet für Geld zu zeigen?

Leona: Das war nicht nur ein Tag Diese Entscheidung wurde in Norwegen gefällt, und es war nicht nur ein Tag, sondern baute auf vielen unterschiedlichen Sachen auf. Unsere Naturverbundenheit war schon eine lange Zeit vorher da, und ich habe sie vorher in verschiedenen Formen ausgedrückt, die nichts mit Sexualität zu hatte. Eine lange Zeit war das Theater, dann politisches Theater, und ich war immer daran interessiert, einen Weg zu finden, etwas zu ändern. In Norwegen ist Sexualität auf gewisse Weise tabu.

Du kannst darüber reden, ein wenig zeigen, aber keine Penetration oder explizitere Szenen, was ich als normalen Sex bezeichnen würde; was du eben tust, wenn du Sex hast. Wir haben über die Bedeutung von Sexualität in dieser Gesellschaft geredet und dass die Leute, wenn sie offener für ihre sexuelle Seite wären, fähig wären, sich untereinander besser zu behandeln und eine stärkere Beziehung dafür bekämen, was natürlich ist um sie herum. Dann haben wir versucht, ok, vielleicht können wir Sexualität auf politische Art nutzen, denn Sexualität ist gewöhnlich in den Medien, der Pornoindustrie und Mode als Tauschobjekt dargestellt.

So muss es jedoch nicht sein, weil ich weiss, wenn ich Sex habe, dass ich nicht an Geld denke, sondern daran, dass es etwas Schönes und Angenehmes ist. So ist es natürlich nicht immer, wie bei allem im Leben. Wir wollten nur zeigen, dass Sexualität etwas Schönes sein kann und damit positive Energien schafft. Es war ein Prozess und kein Aufwachen mit FFF. Wir hatten auch noch andere Ideen, das Interesse gespürt, etwas zu tun, haben jedoch noch nicht gewusst, wie wir das in der Zukunft umsetzen wollten. Einmal war es Performance.

Dann haben wir darüber nachgedacht, was für uns am wichtigsten ist, und kamen zu der Schlussfolgerung, dass die wichtigste Sache für uns ist, die Natur zu schützen. Du kannst viele Sachen machen, Menschen helfen, Tieren, aber die Natur ist auf eine Art die Verbindung. Sie ist etwas, was alle brauchen, Menschen und Tiere. Sie stellt die Grundlage des Lebens dar.

Wie habt ihr beiden euch getroffen?

Leona: Wir haben uns in Dänemark auf einem Rock-/Popfestival, dem Roskilde-Festival, getroffen. Es war früher einmal ein Rockfestival, aber jetzt ist es zu einem Popfestival transformiert worden, was eigentlich ganz gut so war, denn sonst hätten wir uns nie getroffen. Wir waren beide im Chill Out und von allem gelangweilt. Dann traf ich sie und das war das einzige Nette an dem Festival.

Wie charmant was war dann das zuerst verbindende Element: Sex oder ökoaktivismus?

Leona: Als wir uns trafen, war es Sex, wir hatten keine Zeit, die Welt zu diskutieren. Das waren sexuelle Zündfunken  ich glaube nicht, dass es so lange gedauert hat, nachdem wir uns trafen, bis wir tatsächlich Sex miteinander hatten. Dann begannen wir uns füreinander zu interessieren und sie zog zu mir nach Norwegen. Wir sprachen von Anfang an immer über Wege, unsere Ausdrucksform zu finden. Ich war ein alternativer Lehrer für Video und Sound bei Leuten von 16 – 20, die Probleme mit der Gesellschaft hatten, wie z.B. Drogen-, Gang- oder Familienprobleme, aber war wirklich ein alternativer Ort, wir haben die Leute dazu bekommen, kreativ zu arbeiten.

Die Leute, die dort arbeiten waren gegen das System, dies aber war eine Schule innerhalb des Systems und wir haben es geschafft, dass die Leute, die niemals einer Autoritätsperson zugehört hätten, etwas lernen wollten. Dort waren Musiker, kreative Leute und Künstler versammelt, ein erstaunlicher Ort. Wir bekamen daraufhin eine Menge Geld von der Regierung um neues Equipment zu kaufen und danach wollten sie alles kontrollieren.

Dann fühlte ich mich nicht mehr wohl in meinem Job dort. Es ist immer ein Prozess in Sachen involviert zu werden, wenn du darüber glücklich bist und versuchst, etwas zu tun. Und ich habe gefühlt, dass ich dort etwas bewegt habe. Leona aber war vielleicht nicht so glücklich darüber, was sie gemacht hatte.

Was war das?

Leona: Ich bin nach Norwegen gezogen und war in einem Kindergarten beschäftigt.

Ihr habt das schon angeschnitten, aber noch mal gefragt: Warum habt ihr diesen Weg gewählt, um für ökoaktivismus öffentliches Interesse zu erregen, im Vergleich zu Greenpeace, deren Aktionen öffentlichkeitswirksam sind?

Leona: Sie bekommen nicht mehr soviel Aufmerksamkeit. Wir denken, dass die Arbeit, die andere Organisationen leisten, grossartig ist. Ich sehe aber auch, dass viele Leute genug davon haben, ständig die gleichen negativen Informationen zu bekommen. Wenn du Fernsehen schaust, siehst du Krieg, Naturzerstörung. Du bekommst soviel davon, dass du zur Sitcom umschaltest, um lachen zu können. Es geht so schnell aus deinem System und kann sich dort nicht festsetzen aufgrund der ständigen Overload.

Wie also einen Weg finden, das etwas aufzuweichen und humoristischer zu gestalten? Und da ist Sexualität das, wozu jeder Mensch einen Bezug hat, es kommt nie aus der Mode in den nächsten Jahren. Und es scheint so, als ob die Leute grösseres Interesse an Sex als an Umweltschutz haben. Also benutzen wir das, um sie auszutricksen, indem wir versuchen, unsere Webseite mit Informationen und alternativen Denkweisen zu kombinieren.

Wir sehen, dass wir Leute erreichen können, die ansonsten unerreichbar wären, weil sie niemals auf eine Umweltschutzseite gehen würden, sondern nur zu einer Pornoseite. Es ist ein grossartiger Weg, diesen Leuten einige Informationen zu geben. Einige Leute sagen, denkt ihr nicht, dass die nur auf euere Seite gehen, um sich einen runterzuholen, und das alles ist, woran sie denken. Grossartig, wenn sie zu unserer Seite gehen wollen, dann haben wir die Möglichkeit, sie zu ändern.

Das ist etwas, was ich fragen wollte: Fühlt ihr euch nicht manchmal komisch, wenn ihr daran denkt, dass wirklich eklige Leute vor dem Computer sich zu eueren Filmen einen runterholen?

Leona: Darüber denke ich überhaupt nicht nach. Alle Menschen brauchen Sexualität, selbst die die eklig sind.

Sorry

Leona: Ich denke darüber auch nicht wirklich nach.

Ich habe über euere Schwierigkeiten mit den grossen Umweltschutzorganisationen in Norwegen und Niederlanden gelesen, werdet ihr in der Zwischenzeit von ihnen besser akzeptiert?

Leona: Es ist immer noch ein grosses Durcheinander. Sie sind hilfreicher und helfen und mit Kontakten. und um unser eigenes Projekt zu machen. Wir hatten am Anfang beschlossen, FFF als Ausdrucksform zu versuchen und wussten nicht, ob das überhaupt funktioniert. Also haben wir zu Beginn Umweltschutzorganisationen in Norwegen kontaktiert, ihnen diese Idee unterbreitet und gefragt, ob sie das Geld nehmen würden, wenn etwas daraus wird. Die erste Organisation, mit der wir sprachen, hat uns aus dem Büro geworfen, aber die Rainforest Foundation in Norwegen sagte, es ist ein gutes Projekt, natürlich nehmen wir euer Geld. Dann bekamen wir jedoch zuviel Aufmerksamkeit und sie kalte Füsse.

Aber das war unser Fundament, daher waren wir allein, wir dachten anfangs nicht, dass das so gut funktionieren würde. Jetzt gerade sind wir in der Situation, dass wir genauso stark sind, wir sind eine alternative Umweltschutzbewegung. Wir haben über 100.000 Euro auf einem Bankkonto, die wir sofort für die Natur einsetzen können, und es ist nicht vernünftig, dies über eine andere Organisation zu machen, denn dort bleibt ein Teil auch für die Verwaltung hängen. Wir wollen unseren Mitgliedern und den Leuten exakt aufzeigen, was wir tun, vor Ort Hilfsprojekte aufbauen, lokalen Projekten direkte Hilfe zukommen lassen und versuchen die Kontakte zu nutzen, die wir im Verlauf des letzten Jahres, seit wir das tun, gesammelt haben.

Als wir damit anfingen, war es ein Ausdruck und jetzt plötzlich ist es eine richtige Organisation mit all den Sachen, die getan werden müssen. Es geht nicht mehr darum, einfach nur Sex und Spass zu haben. Plötzlich ist es wirklich ernst, aber am Anfang wollten wir einen lustigen Weg finden, die Natur zu schützen. Es ist so schnell passiert, und wir sind nur zwei Personen, die das Herz der Organisation ausmachen, aber wir versuchen sie auszubauen und hoffen, dass es in Zukunft leichter wird. Einfach nur E-Mails zu beantworten, war auf einmal plötzlich zuviel, Kontakte aufrecht zu erhalten zu Leuten, Geld an jemanden zu senden, den wir nicht kennen. Wenn es eine grosse Organisation wäre, hätte es eine Struktur gegeben, es ist auch nicht einfach für uns, Leuten zu vertrauen.

Wäre es akzeptabel gewesen, wenn ihr das Geld anonym gespendet hättet?

Leona: Das wäre total undenkbar für uns, denn wir könnten nicht sagen, dass wir das Geld irgendwem gegeben hätten, dann hätten wir es uns selbst geben können. Wir müssen unseren Mitgliedern und jedem, der nicht an uns glaubt, beweisen, dass wir wirklich das tun, was wir tun.

Warum Regenwald und keine Wale?

Tommy: Wale als Teil der Natur sind auch wichtig, aber wir wollten mit dem Regenwald anfangen, weil er das Leben symbolisiert und von woher das Leben kommt. Es gibt dort eine Menge Energie. Regenwald sehe ich als einen Inbegriff für alle Natur, denn der Regenwald ist wirklich sehr, sehr wichtig für das ökosystems des ganzen Planeten. Es gibt dort eine Menge unerforschter Pflanzen, neue Tiere entstehen, es ist eine Art Geburtsplatz allen Daseins, ein sehr kraftvoller Ort. Bei FFF steht der Regenwald eher als Symbol für unsere Sorgen über die Natur im Allgemeinen. Wir sind offen für andere Projekte.

Leona: Im Regenwald gibt es auch so viele Pflanzen, wenn du dort nur ein kleines Stück rodest, sterben Pflanzen aus. Jeden Tag sterben so viele Arten aus, und die Leute wissen es nicht mal. Das Biosystem ist dort so einzigartig, wenn du einen Teil davon wegnimmst, kannst du es nie wieder zurückbekommen.

Spielt Musik eine Rolle in eueren Filmen? Welche Musik?

Leona: Wir benutzen meistens experimentelle Electronica. Das passt zu dem spielerischen Ausdruck, den wir in den Sexteilen haben. Ich weiss nicht, du hättest es dir anschauen sollen, es ist schwer, zu beschreiben. Wir haben auch Metal und Punk benutzt, aber einen ganzen Film hindurch wird das zu aggressiv, das Gefühl dahinter zu aggressiv, also ist es nett, davon nur kleine Stücke zu benutzen.

Gibt es einen Künstler, von dem ihr euch einen Soundtrack für einen euerer Filme wünschen würdet?

Tommy: Das ist eine sehr schwere Frage. Als ich jünger war, konnte ich eher sagen, diese Musik mag ich und diese und diese. Musik ist so surreal für mich, sie basiert sehr stark auf die Art von Gefühl, die ich gerade habe. Also mag ich so viele unterschiedliche Arten von Musik und wenn ich mir aussuchen könnte, welcher Künstler für FFF ein Lied schreiben würde, sollte es ein kommerziell erfolgreicher Künstler sein, damit eine Menge Leute davon hören würden.

Leona: Alles zusammengefasst, wenn wir Björk bekämen. Ja, Björk ist gut. Sie ist experimentell und sehr bekannt. Die aktuelle Musikszene halte ich für langweilig. Ich würde Black Sabbath nehmen, aber sie spielen nicht mehr. Es gibt nicht so viele zeitgenössische Künstler, die ich wirklich gut finde, eher aus den 80ern und 70er.

Die nächste Frage müsst ihr nicht unbedingt beantworten: Was ist euer liebster persönlicher Ficksoundtrack, wenn ihr es privat macht, ich nehme an, das tut ihr?

Tommy: Norwegischen Black Metal (Riesengelächter) Ich mag keine softe Musik, sondern Rockmusik.

Leona: etwas mit Energie

Tommy: Vielleicht sollten wir dann mehr von dieser Musik in unseren Filmen benutzen. Ich glaube wir kümmern uns nicht wirklich darum.

Leona: Ich will dazu keine softe Ambientmusik hören.

Was hat Kristopher Schau mit euch zu tun?

Leona: Wir hatten einen Bühnenauftritt mit ihm und seiner Band Cumshots. Er ist so etwas wie ein Jackass Komödiant und hat diese Hardcore Band. Wir haben nach Leuten gesucht, die auf gewisse Weise unseren Ausdruck repräsentieren, und es gab eine Rap-Gruppe aus Norwegen, sehr politisch und zornig, und die Cumshots. Beide wollten uns helfen, Kristopher Schau hat zuerst geantwortet.

Sie sollten auf dem Quart-Festival in Kristiansand spielen, ein hässliches, kommerzialisiertes Festival. Es repräsentiert soviel, was ich hasse, und auch der Ort ist der doppelmoralischste Ort in ganz Norwegen, genannt der Bible Belt. So war dieses Festival und das, wofür es steht und wo es stattfindet, perfekt für unseren Ausdruck. Als sie Quart-Festival sagten, dankte ich Gott, es war ein Geschenk von irgendetwas Spirituellem. Wir konnten nicht mehr nein, sondern mussten es tun.

Wurde das Lied extra für eueren Auftritt arrangiert?

Leona: Nein, der Songs wurde nicht extra für uns geschrieben, den hatten sie schon. Er handelt davon, wie viel du eigentlich tun kannst mit nur einem elementaren Fick. Er hat also mit unserem ganzen Konzept zusammengepasst. Es war eigentlich nur ein Zufall.

Wie konntet ihr sexuell erregt werden vor mehreren tausend Leuten?

Leona: Zuerst haben wir uns ein bisschen aufgewärmt im Hinterraum Wir hatten Sex im Hinterraum und haben nur auf unser Stichwort gewartet, um auf die Bühne zu rennen. Aber ich hätte das niemals ausserhalb von FFF tun können. Weil ich wusste, was ich tue und die Absicht kannte, war es sehr wichtig für mich. Ich sah es als eine grossartige Gelegenheit, hatte niemals die Zeit deswegen nervös zu werden, denn es lief die ganze Zeit in eine natürliche Richtung. Plötzlich waren wir auf der Bühne, wir fickten, es funktionierte. Ich weiss nicht, einige Monate vorher hätte ich nicht sagen können, ob ich dazu fähig wäre, aber ich hatte auch keine Angst vor gar nichts, als ich es tat. Wir hatten keine Zeit, darüber nachzudenken. Wir haben das FFF Banner gemalt und zu der Zeit ist soviel passiert

Aber ihr hattet bestimmt Zeit, zu üben

Leona: Das hat uns soviel bedeutet, diesen Ausdruck an die öffentlichkeit zu bringen.

Gibt es andere norwegischen Bands, mit denen ihr euch verbunden fühlt? Turbonegro, JR Ewing?

Leona: Ich fand Turbonegro gut, als sie Punkrock waren und kein Glamrock, jetzt mag ich sie nicht mehr. Ihre letzten drei Alben waren nur Müll, davor machten sie tolle Musik. Wir haben sie tatsächlich angeschrieben und gefragt, ob wir eine schwule Sexshow bei einem ihrer Gigs machen könnten. Wir dachten, dass sie dieses Jahr (2005 – Anm. d. Verf.) auf dem Quart-Festival spielen würden, also sagte ich, lass uns eine Folge davon machen und einfach sehen, wie sie auf ein schwules Paar reagieren. Das hätte Spass gemacht, jeder hätte angefangen zu schreien in Kristiansand.

Wie wählt ihr euere Schauspieler aus?

Leona: Wir wählen sie nicht aus, sie wählen uns. Wir gründen uns auf offene Sexualität und glauben, dass mit der Sexualität zu experimentieren sowie sexuell offener zu sein, die Welt ändern kann. Wir können nur hoffen, dass die Leute uns kontaktieren, Leute zu treffen, die unser Konzept mögen oder ein Paar, das Sex mit uns alleine oder zusammen haben will. Die ganze Zeit versuchen wir Anzeigen zu schreiben und publik zu machen, meistens klappt es, wenn wir Leute treffen oder Freundschaften, Verbindungen zu ihnen knüpfen, das ist Teil unserer Philosophie.

Habt ihr Leute schon mal abgelehnt, weil sie vielleicht keinen Sinn für FFF hatten, sondern nur für Sex?

Leona: Nein, wenn sie es nur wegen des Sexes tun und sich nicht um die Natur scheren, kümmert es uns auch nicht. Wenn sie Spass mit Sex haben und FFF helfen wollen, ihnen aber die Natur egal ist, sind wir damit glücklich. Wir können unsere Gefühle für die Natur darstellen und sie den sexuellen Teil. Niemand muss das gleiche wissen, glauben oder denken. Wir repräsentieren nur die Organisation und versuchen sie auszubauen.

Wir haben sehr viele männliche Singles abgelehnt, die gedacht haben, wie seien ein Kontaktbüro. Die fragten, ob sie vorbeikommen könnten und Sex mit unseren Mädels haben könnten Aber so funktioniert das nicht, wir können niemanden etwas vorschreiben oder sagen so was zu tun. Manchmal verstehen die Leute das einfach nicht.

Wir fangen auch damit an, Werbung in Berlin zu verteilen, weil wir jemanden suchen, der mit uns zusammenlebt und uns die ganze Zeit hilft. Wir suchen einen Assistenten. Weil wir soviel zu tun haben. Wir brauchen jemanden, der uns mit Kameras und dem ganzen Kram hilft, und eine beständigere Gruppe. Alle Freunde, die wir bislang trafen und uns mit FFF halfen, haben Jobs, Schule, irgendwas, was sie zurückhält. Und unser Projekt ist so gross, dass wir jemanden brauchen, der wirklich das Gefühl hat, dass dies eine Möglichkeit ist, etwas Kreatives zu machen und auch mit sexuellen Ausdruckmöglichkeiten experimentieren will. So jemanden suchen wir im Moment gerade. Wir suchen aber auch Leute in Berlin, die Magazine designen können, denn wir möchten eine Strassenzeitung kreieren und brauchen dazu einige Leute.

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Kontakt: info@fuckforforest.com

Interview: Andrea Stork

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