März 17th, 2020

Flying High Across the Sky/ Endless Grind Berichte aus #71, 1998

Posted in artikel by Jan

Ok, ich lege also mal los:

D: Jörg, wo sollen wir da anfangen. Am Besten auf der Autobahn. Bin ich also mit Al von Frankfurt nach Hannover hochgefahren (natürlich, um Leute zu treffen und nicht wg. Dem Konzert), und das erste von 4 Konzerten mit 11 Bands in zwei Tagen war also dieses Flying High Across the sky -Dingens. Zugegebenermaßen will ich Euch die endgültige Wertung gleich zu Beginn mitteilen: Scheiße bleibt Scheiße, auch wenn Skaten draufsteht.

Der Ort, ein altes Schwimmbad im Hannoveraner Stadtwald oder so was, war eigentlich sehr schön, eben Bäume und so Dingens, die man als Städter ja eher selten sieht. Der Eintrittspreis war wohl eine schlichte Unverschämtheit, zumal das Nichtspielen von Samiam weder den Leuten gesagt wurde noch es einen Einfluß auf den Preis hatte. 6 Mark für ein großes Bier wäre (rein theoretisch) eigentlich gar nicht so schlimm, wenn man nicht immer so viele davon trinken müßte. Und dann die Bands. Oh mein Graus. Ignite haben nach 10 Minuten aufgehört, weil der Sänger einen Frosch bzw. eine Kröte im Hals hatte, und hat sich noch händeschüttelnd von seinen Unity-Fritzen verabschiedet.
Dann kamen Thumb, und so etwas gehört eigentlich verboten – bzw. was will man da überhaupt, Dreckscheiße. Zu allem Überfluß (es gibt auch halbwegs Amüsantes zu berichten) ist dann noch ein Spacken vonne Rykers zur Zugabe auf die Bühne gekraxelt, und die Ansage ging so ‚und jetzt covern wir noch was von einer Superband, nämlich (Kreischen) Minor Threat.’ Größter Einsatz des Wochenendes seitens Al, dem es direkt aus dem Herzen in die Stimmbänder schoß: ‚Das dürft ihr nicht!‘, womit eigentlich alles zu diesem Ding gesagt ist. Ach ja, die Tendencies haben auch gespielt, na und? Jörg, was sagst Du? Ich hör nix!!

J: Ja, Daniel dem kann ich mich nur anschließen. Allerdings bin ich so spät gekommen, daß ich die Amphibien in irgendwelchen Rachenräumen wohl verpaßt habe. Als ich eintraf, erklommen gerade THUMB die Bühne und wahrlich die sind Grotten schlecht. Mein lieber Herr Gesangsverein waren die langweilig und dann noch diese besagte Coverversion. Daniel Du hast ja noch schonenderweise verschwiegen, daß die da skratchen und einen Rap-Part eingebaut haben. Das war schon schwer zu verdauen. Eigentlich dachte ich ja auch dort eine Skate Show zu sehen (So war es ja auch angekündigt), aber da wohl ein oder zwei Tropfen Wasser die Haut eines wichtigen Menschen benetzten, wurden diese fix eingepackt (ist ja auch gefährlich! Diese Warmduscher).

Naja, dann sollten endlich SUICIDAL TENDENCIES anfangen. Bis dahin vertrieb ich mir die Zeit damit Al zu suchen, der irgendwo mit meinem Bier herum irrte. Also, ich fand die sechs Mark für 0,5 Liter schon etwas viel, immerhin hatte ich schon 3 oder 4 intus und hab noch nichts davon gemerkt, aber schon 24 .- abgedrückt. Das beste war dann noch diese Bierzapffrau, die mir trotz eines vorhandenen Bechers jedesmal den Pfand neu abziehen wollte. Scheiß Trick, aber bei den Sparleuchten, die da rumliefen, haben die bestimmt nochmals 300.- extra eingenommen.

Achja , ich wollte ja was zu ST sagen. Ich hatte schon einige Probleme, meine Begeisterung für diese Band vor den anderen Trustlern zu rechtfertigen, aber ich war dabei ein Jugendwunsch zu erfüllen. Ja, ja das klingt pathetisch, aber die erste ST Platte, war meine erste LP und live hatte ich sie noch nie gesehen. Zu meinem entzücken, spielten sie dann auch fast nur Lieder der ersten beiden Platten, d.h. es wurde geknüppelt. Also, ich fand das gut! Und Du Daniel?

DS: Jörg, du Wahnsinniger! Lüg’ mich nicht an,. Deine erste Platte sei die ST gewesen. Mein erste Platte im Popsektor war eine Best of Cliff Richard, nebenbei bemerkt. Na, irgendwie hatten die Tendencies vorne auch einen Scheißsound, so daß es hinten, bei den Bierständen, eher gemütlich war. Gut war eigentlich dann der Ortswechsel ins Chez Heinz zu Rantanplan. Mensch Meier, da gab’s ne Trinkhalle, die hat die halbe Nacht offen. Doch doch, so doll iss Hannover. Und dann haben wir auch ein schönes Tanzbein geschwungen und alles wargut, bis Dich der eine Typ boxen wollte, wa. Naja, halb so wild, dann erst einmal ratz-fatz usw. . Stimmt, jetzt, wo Du es gesagt hast, wo waren eigentlich die Skater bei dem Ding in Hannover? (Wahrscheinlich ist es aber auch nur Wunschdenken, daß alle Skater total coolel Typen sind, die Hot Water Music hören und Tag ein Tag aus Jever saufen, in Realität hören die alle U2 und so was und trinken Milch.) Auf nach Bremen! Jörg, der Paß in den freien Lauf, leg’ los, Alter.

J: Ok, Ok, aber das war wirklich meine erste LP. Vorher hab ich immer nur Singles gekauft. Ich war doch klein und da wollte ich auch kleine Platten und außerdem bekam ich immer so wenig Taschengeld, daß reichte dann immer nur für Singles (schnief…aufdietränendrüsedrück), aber um dich zu beruhigen meine erste Single war Kim Wilde “Cambodia”. Ach ja, die Stänkerer im Chez Heinz. Schön, daß Du darauf verzichtest hast meinen faux pas zu erwähnen. Ich (dicke Eier wie immer) wollte die beiden Streithähne lässig trennen, zieh die so auseinander und schwupps hatte ich ein doppelt so großes Problem, denn nun hatten plötzlich beide Parteien was gegen mich, aber nach etwas knutschen, versprechen mal ein imaginäres Bier zu trinken und Daniels heldenhaftes “dazwischengehen” war die Situation schnell wieder normal.

Nun zum Endless Grind 2. Also als wir in Celle, oder jedenfalls einen Ort in der Nähe Celles, unsere Reise begannen war das perfekte Wetter, um so einen event zu genießen, aber so auf halber Strecke brach das Grauen über uns herein. Blitze, Donner, 2 Meter Sicht, Sturmfluten und Erdbeben. Sogar meine Aufmunterungsversuche, wie “in Bremen scheint (hust) immer die Sonne” wirkten immer unglaubwürdiger. Dem war dann auch nicht so. In Bremen hat es aus Kübeln gegossen und außer den Veranstaltern und ein paar Verrückten (z.B. wir) war da kaum jemand. Naja, mußten wir eben etwas Bier trinken, d.h. Du nicht Daniel, oder?

D: Das Foto ist gestellt, das ist eine Lüge…naja… irgendjemand mußte ja abends den rappelvollen Herrn Schulha wieder sicher ins Bunte Haus nach Celle fahren. Nee, die Stimmung war ja anfänglich reichlich mies. Aber wider Erwarten wurde es dann doch noch schön und schwupps war auch alles trocken und die Leute fingen an rumzufahren. Schade fand’ ich dabei, daß es genau die gleichen Fahrer (auch die Angereisten) waren wie letztes Jahr. Da wußte ich dann immer schon im voraus, jetzt mußt Du gucken, der kann was, und so. Aber am Anfang, der Hochsprung, den find ich nicht so prickelnd für die Zuschauer. Den Street Wettbewerb schlägt so schnell gar nix.

Da gab es eine Menge toller Tricks zu bewundern, und vor allem die notwendige Moderation fällt mir hierbei ein, da es hier nur vor Anglizismen kracht, zB sind die Kampfrichter keine Kampfrichter oder Schiedsrichter, sondern ‘dschadsches’- lustelig, wie Torsten sagen würde. Nee, ganz klar, der Skatejam in Bremen war viel cooler, umsonst, zwei Bands (Clay Wheels & Strether), ca. 200 Leute, Super-Atmosphäre, nur, bevor jetzt wieder gleich die üblichen Gesichter den üblichen Scheiß’ erzählen: Das Ganze ist zwar vom Blurr Fanzine ins Leben gerufen, letztlich aber liegt die Sache beim Schlachthof Bremen und zumindest im Vorjahr war das Ganze auch von der Stadt Bremen gefördert, also nix autonom oder autark. Dennoch war es eben ‘echt’ und das Ding in Hannover eben ‘unecht’. Vielleicht kommt ja ein wenig von der coolen Kacke auf den Fotos rüber…. wa Jörg

J: Jo, hoffe ich auch. Hat mich auch erschrocken, wo die alle auf einmal hergekommen sind. Aber als sie da waren ging es gut ab. Jetzt wo Du es sagst, fällt mir auch auf, daß das fast die selben Skater wie im letzten Jahr waren. Mit dem Skaterslang kam ich auch nicht so richtig klar. Da wo ich sagen würde “er ist hingefallen und hebt sein Rollbrett auf”, sagen die “super Three-sixtie mit boneless Tailgrab”. Aha!? Wenn dem so ist, von mir aus. Aber was heißt “boneless” in diesem Zusammenhang? Ist der so oft gestürzt, daß er keine echten Knochen mehr im Leib hat? Letztes Jahr war ich ja auch mal Judge, hehe ich, der nichts vom Skaten versteht. Ich hab das eigentlich nur gemacht, weil die Judges immer umsonst saufen können. Nach jedem Skater wurde dann beraten, wieviele Punkte er bekommen sollte.

Da fielen dann schon mal Klopfer, wie “der war super”, wenn er sich gerade mal so auf dem Brett halten konnte. Naja, egal. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Events ist für mich ganz klar die Schwerpunktsetzung der Veranstalter. Beim Flying High ging es mehr um Musik, und die Skater, so sie denn da waren, je ne sais pas, waren Verzierung, und beim Endless Grind war die Musik “nur” Pausenfüller, und es ging primär ums Skaten. Alles in allem ist das Endless Grind mucho stylischer, will sagen einfach netter, intimer als so eine Großveranstaltung, wie das Flying High. Man hatte nie das Gefühl Besucher einer Veranstaltung zu sein, sondern man war dabei, sozusagen ein Teil davon. Also 1:0 für das Grind. Bleibt abzuwarten, ob dies im nächsten Jahr wieder so ist! Ne, Daniel?

D: Ein Fehler Jörg – Bei dem Flying High ging’s nur ums Geld. Oder? Also in Bremen bin ich nächstes Jahr wieder dabei. Würde aber, im aktuellen nigerianischen WM Fieber, das Ding 4:0 fürs Endless Grind werten. Hop. Außerdem möchte ich diese Trustausgabe der Zylinderkopfdichtung von Anjas Polo widmen. Wir kamen lange gut miteinander aus.

Text: Jörg Warrs & Daniel Röhnert

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