März 2nd, 2015

FAUST (#145, 12-2010)

Posted in interview by Jan

Müssen wir an dieser Stelle etwas über Faust sagen, über deren Geschichte und Bedeutung? Ich fürchte schon. Dabei bin ich eigentlich nicht der Richtige, dies zu tun. Weshalb es hier keinen längeren Aufsatz gibt über die Geschichte der Rockmusik in unseren Breiten- und Längengraden, über all die Musiker, die sich in den letzten 15 Jahren auf Faust, Neu!, Kraftwerk, Can und andere bezogen, mal mehr als vage hörbar, mal eher, weil es vielleicht auch zum guten Ton gehörte.

Faust werden zwar bei Wikipedia und anderswo als Kraut-Rock-Band geführt – aber das war ja ohnehin ein weniger musikalischer als zumal anfangs gar polemischer kulturhistorischer Begriff, der ungefähr alles bezeichnete, was um 1970 und danach von Deutschen, also Krauts, produzierte Rockmusik war. Die hatte oft sehr viel mit dem gemeinsam, was anderswo produziert wurde (lange Stücke, Konzeptalben, Psychedelik, Prog), barg dann aber eben auch Schätze, die heute noch glänzen wie am ersten Tag, wohl auch, weil sie eben aufgrund einer gewissen Sperrigkeit einfach nicht so abgegriffen wirken wie andere Dinge (Beispiel: Birth Control). Enter Faust.

Die arbeiteten Slapp Happy (aus dem Umfeld von Henry Cow) und dem Minimalisten Tony Conrad zusammen, waren ohnehin zu weird für den damaligen Mainstream (für den heutigen sind sie es wohl auch) und gingen nach fünf Jahren 1975 ihrer Wege, gaben sich also gar nicht mehr die Gelegenheit, ihre epochalen Werke zu verdünnen und zu verdummen. Dass Faust seit Anfang der 1990er Jahre wieder aktiv sind, begründet Hans Joachim Irmler im Interview ebenso wie die Intervalle und geografischen Distanzen, die zwischen Faust-Veröffentlichungen liegen. Oder lagen? Das wird man abwarten müssen. Anlass für das schon vor ein paar Monaten stattgefundene Telefongespräch mit Jochen Irmler war das Album „Faust Is Last“, auf dem die Band verblüffend frisch und inspiriert klingt. Mittlerweile erschienen auch die vergriffenen ersten Faust-Alben wieder.

***

Während des Vorgeplänkels erklärt Irmler mir, wo er gerade ist, nämlich in seinem Studio an der Donau, die bekanntlich lang ist…

Hans: Die Frage ist, wo fängt sie an, ich würde mal sagen: Donaueschingen ist vielleicht 40 Kilometer von hier.

Donaueschingen ist ja ein einigermaßen legendärer Ort…

Hans: Ich weiß nicht, ob’s für dich so ist. Mittlerweile ist es aber nicht mehr so toll. Vor ein paar Jahren war ich noch mal da, als Cecil Taylor gespielt hat. Da dachte ich, geh ich halt nochmal hin. Aber das ist so ätzend da. Das ist so eine trostlose Turnhalle oder so. Da muss man sich schon ganz in die Musik hineinversenken, dann geht das. Cecil Taylor ist natürlich ein alter Held. Das war ein total schönes Konzert. Wenn jemand mit 80 noch so hinterm Klavier sitzt – schön! Aber sonst ist es halt ein bisschen, naja… Wir machen ja hier das Klangbad-Festival und das ist natürlich genau das Gegenteil von dieser Trostlosigkeit.

Es gibt ja auch einen Film zum Klangbad-Festival…

Hans: Ja, das dauert bei uns alles immer so lange. Für das Album haben wir vier Jahre oder mehr gebraucht. Das liegt an mir. Ich bin so langsam. Aber bei Faust gibt es keinen Zeitdruck mehr. Soll ich die Charts stürmen, oder was?

Ich find die Platte toll. Ich hatte ein wenig den Überblick verloren, was war denn das letzte, was ihr vorher rausgebracht habt?

Hans: Das war die Sache mit Dälek.

Und das letzte reine Faust-Album war „Ravvivando“.

Hans: Ja. Das war auch ein bisschen ein Damokles-Schwert. Das war extrem erfolgreich, und das hat bei mir dazu geführt, dass ich gesagt habe: Oh, das kannste so nicht machen, so nicht machen. Deswegen hat es auch so lange gedauert, einen Pfad zu finden, auf dem ich aufrecht gehen kann und sagen: Das ist kein Oldie oder eine zweite ‚Ravvivando‘, sondern es ist einfach was Neues.

Ich finde, dass das Album ziemlich frisch klingt. Es gibt natürlich Kontinuitäten wie einen gewissen Humor, den Cluster-Witz

Hans: Hahahaha… Das ist ja nur 15 Sekunden lang. Da sind alle Stücke darin, deshalb ja auch ‚Kluster‘ für Cluster, und ich dachte: Why not? Wer kann uns das schon übelnehmen…

Irgendwo hab ich auch noch Pink Floyd rausgehört…

(Irmler lacht schallend)

Da bin ich wahrscheinlich der erste, der das sagt…

Hans: Es sind extrem viele Zitate drin. Einer der Aufhänger war: Wir machen kein Best of, sondern eigentlich, was wir ohnedies bei Konzerten versuchen, die ganze Zeit, in der wir Musik machen, findet sich in der Musik. Pink Floyd, gebe ich zu, kann man schwer richtig verbraten, die sind halt so wie sie sind. Aber das ist für mich etwas, womit ich großgeworden bin. Kurz bevor wir mit Faust angefangen haben, war Pink Floyd ganz groß gewordem. Ich spreche jetzt nicht von ‚The Wall‘ oder sowas.

Richtig, ihr greift da ein Thema aus der Syd-Barrett-Phase auf. Bei der Formation, die die neue Platte aufgenommen hat, bist du der einzige von damals.

Hans: Zappi Diermaier und ich haben 1989 nochmal beschlossen, uns wieder zusammenzutun, weil wir die Musik damals so übel fanden, dass wir nicht anders konnten. Dann sind wir mal wieder auf Peron gestoßen, der irgendwie in Frankreich lebte, und haben den gefragt, ob er auch mitmachen will. Wir haben in den Neunzigern dann zwei Jahre als Trio gearbeitet und sind dann in die Staaten, wo ich allerdings nicht mitgegangen bin, nur meine Tapes. Da ist dann schon Steve dazugekommen, der immer noch bei uns ist. Man kann ja ncht wirklich erwarten, dass die Toten auch noch mitspielen.

Es gab mal in der Testcard einen längeren Artikel, in dem die ganze Faust-Nord/Faust-Süd-Geschichte aufbereitet wurde. Und dann hab ich versucht rauszufinden, was heute ist…

Hans: Ich finde die Idee supergut: Wir sind immer die bösen Buben gewesen, dann lass uns das doch weiterhin machen. Es gibt einfach Faust, und Faust kann mal das oder das sein. Das mag viele irritieren, aber warum soll’s das nicht geben? Faust war von Anbeginn an ein Projekt. Ich hab heute noch so paar Comics, wo wir mal versucht haben, uns darzustellen. Und da sind immer mindestens zwei Formationen: die lustigen Natives und die Kopflastigen.

iese beiden Sorten sind mindestens immer aufgetreten. Kurz gesagt: Es waren von Anbeginn an sechs Individuen. Und das Individuum an sich macht den Faust aus. Entgegen landläufiger Meinung sind wir eben nicht so eine gecastete Boygroup gewesen. Ich fänd’s natürlich toll, wenn Polydor damals schon so schlau gewesen wäre… Schade eigentlich, für Polydor jedenfalls.

(Exkurs: Weil der Musikjournalist Uwe Nettelbeck bei erwähntem Label seinerzeit einen hochdotierten Vertrag für die Band herausschlug, wurde offenbar geargwöhnt, es handele sich bei Faust um gar keine „richtige“ Band, habe das Geld nicht verdient etc. Näheres dazu weiter unten.)

Am Anfang gab es allerdings, auch wenn Faust ein Projekt war, aber nicht zwei Formationen. Ihr habt zusammen gearbeitet über einen längeren Zeitraum. Das hat sich schon irgendwann geändert…

Hans: Ja, eigentlich hat sich das schon 1974 ganz deutlich abgezeichnet. Ich bin dann weggegangen aus England, weil ich keinen Bock hatte, mich da vor einen Karren spannen zu lassen. Darauf ist der Gitarrist auch gegangen. Das war der Beginn des vorläufigen Endes von Faust, wenn man so will. Danach sind Werke veröffentlicht worden, z.b. bei Recommended Records, die eigentlich sowieso schon vorhanden waren.

Dann haben sich alle in alle Winde verstreut, du weißt schon: Familiengründung, etwas über sich selbst herausfinden und so weiter. Das war dann knapp 15 Jahre das, was wir gemacht haben. Ich weiß ja nicht, was du über die Musik der 80er denkst, aber da wurde es schwierig für mich, stille zu halten.

Ich hab ja die 80er eher mit Black Flag, Hardcore, SST verbracht.

Hans: Das verstehe ich, aber hier im europäischen Raum war das schon ein bisschen… Mein Gott, die Lynn-Drums waren cool, aber sonst.

Zur Neuen Deutschen Welle habt ihr auch nicht getaugt…

Hans: Komisch, nicht? Obwohl, ehrlich gesagt mochte ich die wirklich. Jedenfalls ist es, wenn man sich so lange kennt wie wir, wie in einer Ehe. Da gibt es Affinitäten und Schwierigkeiten noch und nöcher. Mal nennt man einen Bruder, mal eher nicht. Nach 40 Jahren muss man sich da nicht wundern.

Die meisten Ehen sind da ja auch schon längst geschieden. Bei Bands werden Sachen wie Fremdgehen nicht so hoch gehängt.

Hans: Stimmt. Das ist schwierig, man wird ja mit den Jahren schrulliger. Du mit deinen Anfang 40 müsstest jetzt auch langsam in die Gegend kommen, wo du da auch Dinge feststellst, dass es nicht mehr so einhergeht… Das fängt schon damit an, dass man nicht mehr anderer Leute Zahnbürsten benutzen mag und so weiter, hahaha… Um nochmal auf Faust und Faust zurückzukommen…

Die Faust („C’est Com…Com…Complique“ mit Diermaier und Peron, also „Faust Nord“ – Anm. d. V.) haben ja letztes Jahr eine Platte gemacht. Ich hatte ein bissl Panik, dass die nicht gut wäre. Und wenn die nicht gut gewesen wäre, hätte ich die jetzige nicht gemacht. Aber ich fand die okay, und insofern haben wir die Platte eben veröffentlicht. Und wenn du sagst, dass es dir gefällt, bin ich nicht unglücklich, das zu hören.

Das klingt ein bisschen abgeklärt…

Hans: Das ist ein gutes … ich scheu mich, dazu Produkt zu sagen. Da ist so viel Feuer dahinter, wie es am Anfang war. Auch wenn ich jetzt vielleicht etwas anders darüber spreche. Ich hab mich nach ‚Ravvivando‘ schon schwer getan, einen gangbaren Weg zu finden, der munter und frisch ist, wo man aber auch sagt: Das kann man sich anhören, ohne dass es zu bizarr ist.

Ich habe euch 1994 oder 1995 in Bremen auf dem Überschall-Festival gesehen. Das war ein nachhaltig beeindruckender Auftritt. Ich hab kurz vor dem Interview bei Facebook gepostet, ob jemand Fragen an Faust habe. Einer sagte: „Schöne Grüße und Danke für das Heu!“

Hans: Hahahaha! Ich bereue da nichts. Der grundlegende Gedanke war, dass man während der Show diesen Stallmief mal ändern kann. Und wir haben lange probiert, auch mit Duftessenzen, aber es hat nichts so gut funktioniert wie diese Mischung aus Heu und Silage, die noch etwas intensiver ist als das Heu selber.

Ich weiß noch, dass einem die Tränen kamen.

Hans: Haben wir da nicht schon diesen Nebel gemacht? Das haben wir gemacht, damit wir keine Zugabe spielen mussten, hahaha…

Da war also nichts in dem Heu?

Hans: Nein, das war voll bio, würde man heute sagen. Der Nebel war wie Tränengas. Wir haben gedacht, wir spielen einen Set und danach ist Schluss. Man kann keine Zugabe zu einer kompletten Sache liefern. Und weil die Leute da so ein bisschen halsstarrig waren, sind wir halt auf die Idee gekommen mit diesem Rauch. Das haben wir dann weltweit benutzt, und es hat immer den wunderbaren Effekt gehabt: Wir mussten keine Zugaben spielen.

Und was war nun in dem Rauch?

Hans: Darüber möchte ich nicht sprechen.

Droht noch Strafverfolgung?

Hans: Nein, so schlimm war es nicht, aber es ist ein Konzentrat im Verhältnis zu diesem Trockeneiszeug. Und es wirkt eben auch, als ob es wirklich brennt. In einigen Orten haben wir das festgestellt. 1996 haben wir in London mit demselben Effekt gearbeitet, und da kam die Feuerwehr und wollte groß löschen. Davon gibt es auch einen Film, wo man völlig aufgelöste Bodyguards sieht und weinende und lachende Zuschauer. Alle haben gleichermaßen gehustet, wir übrigens auch.

Es war immer oberste Pflicht: Wir gehen zum Schluss von der Bühne. Der Rauch war allerdings so dicht, dass du wirklich nichts mehr gesehen hast. Bei einer Show hat der Zappi den Weg von der Bühne nicht mehr gefunden. Zehn Minuten später ist er sehr verstört wieder aufgetaucht. Als der Rauch sich verzogen hatte, hat man gesehen, dass er sein komplettes Schlagzeug plattgemacht hat, weil er immer im Kreis gelaufen ist…

Erinnere ich mich richtig, dass damals im Rahmen des Sets Dinge auch plangemäß kaputt gingen?

Hans: Wahrscheinlich schon… Ein Klavier vielleicht?

Nachdem wir ein wenig über dieses und jenes und Bremen geplaudert haben, unterhielten wir uns noch über das Klangbad-Festival.

Hans: Die Geschichte des Festivals ist sehr schrullig. Ich hab hier das Studio gebaut, und weil das so ein Riesending ist, hab ich halt nix Besseres gewusst als im Internet die Frage zu stellen: Wer ist so verrückt und hilft mir beim Bau des Studios? Da sind 40 Leute gekommen aus aller Herren Länder. 2003 haben wir begonnen, das zu bauen. Und dann haben wir gedacht, wenn alles fertig bist, machen wir eine Party, laden Bands und Leute ein. Das war, wenn man so will, das erste Festival. Dieses Jahr war das zum siebten Mal. Damals waren hier 200 Leute.

Von Festival kann man da noch nicht wirklich reden. Aber die Leute meinten: Das machste doch wohl weiter! Im Jahr drauf waren dann ungefähr doppelt so viel wie im Vorjahr, und im Grunde verdoppelt es sich seither jedes Jahr. Das kostet natürlich eine Schweinegeld, aber jetzt sind wir ungefähr da, wo es sich mit etwas Glück rechnet. Letztes Jahr haben wir 14-1500 Besucher pro Tag gehabt. Jetzt kommen auch schon Leute aus Übersee, letztes Jahr waren ein paar Amerikaner da, vielleicht 40. Wir hatten einen hier, der wegen des Festivals aus Israel gekommen war. Das ist schon verblüffend. Das ist ein extrem romantisches Dörfchen, wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich eine Burg. Hier ist Disapora.

Wie weit ist die nächste Stadt weg. Ist das Stuttgart?

Hans: Stuttgart kennen wir nicht. Die nächste große Stadt ist Ulm. Wenn man hier das Fenster aufmacht… (er tut’s, man hört das Rauschen) Das ist ein Stock tiefer vom Studio. Die Donau ist hier natürlich noch klein, aber wild. Das ist 60 km von Ulm weg. Romantik pur.

Auf dem diesjährigen Festival hattet ihr sogar These New Puritans. Das ist ja schon deutlich ein anderer Charakter als Schiphorst (das „andere Faust-Festival“, natürlich im Norden). Fast schon mainstreamig…

Hans: Ich lege eben großen Wert drauf, Bands hier zu haben, wo ich denke, nächstes Jahr sind die groß und berühmt.

Deswegen spielen Faust auch nicht, aber Cluster.

Hans: (lacht) Genau. Ich finde es schon wichtig, den Leuten, die hier herkommen, Tendenzen hinzulegen. Es sind sowieso immer ganz schräge Vögel darunter. Letztes Jahr waren La Brass Banda hier, die noch kein Schwein kannte, dieses Jahr sind die ja schon fragwürdig. Die könnten wir uns nicht mehr leisten.

Aber wenn jemand erfolgreich ist.. Die Rolling Stones würde ich mich nicht entblöden zu fragen, ob sie kommen, aber dafür ist hier zu wenig Platz… Nein, es ist total schön, einen Spagat zu machen und doch eine Schulterschluss hinzukriegen mit neuen Tendenzen, sagen wir mal so.

Ich hab die Schiene (Nord-Süd) ja schon aufgemacht… Verhält man sich da bewusst auch als Festivalmacher zueinander? Ihr wisst doch bestimmt, was auf dem jeweils anderen Festival läuft.

Hans: Also ich nicht. Das kann ich nicht machen. Wenn ich das tu, bin ich nicht mehr wie ich bin. Das will ich nicht. Das ist so in etwa wie mit der Platte. Natürlich weiß ich gelegentlich, was da war, aber das hat mit mir eigentlich nichts zu tun. Du musst dir auch nochmal überlegen, ob du die ‚Faust Nord‘ nennen willst. Wir haben da mal viel drüber gelacht, von wegen Aldi Nord und Aldi Süd. Eigentlich finde ich Faust an sich ausreichend. Aber du musst das ja schreiben…

Warum hattet ihr eigentlich die Idee, eine letzte Platte anzukündigen, eine letzte Platte zu machen? Man weiß ja, wenn Bands sowas sagen, dass man nun zwei Jahre Ruhe hat bis zur nächsten Reunion…

Hans: Das mit der letzten Platte ist natürlich im Titel etwas drin. Wir haben ja ein Jahr nur am Titel rumgebastelt. Und dass wir dann auf ‚Faust Is Last‘ gekommen sind… Wenn man das im Englischen betrachtet, heißt es ja auch nicht wirklich die Letzte. Es impliziert das ein bisschen und spielt damit herum. Es kann ja auch sein. Ich hab ganz viele tolle Projekte am Laufen. Und Faust ist eine Herausforderung, bei der man irgendwann vielleicht auch ausbrennt. Weil man immer noch ein bisschen Avantgarde sein muss und doch nicht zu weit vorne. Das ist sehr schwierig.

In der Pressemitteilung war es zumindest als finales Werk angekündigt…

Hans: Nicht wirklich, aber es ist denkbar für mich. Warum soll ich bis zu meinem 70. Geburtstag Faust machen müssen. Aber Konzerte will ich auf jeden Fall weitermachen. Ich habe das Glück, dass ich in einer Band mit so tollen Musikern spielen darf, da wäre ich ja blöd, wenn ich das nicht weiterhin machen würde. Aber eine Platte ist für mich schon heftig. Das ist ja ein Dokument, das Bestand hat, da muss man eigentlich immer überlegen, wo man steht, wo man hinwill. Insofern ist das etwas, das man hinterfragen muss.

Ist das eine Reflexionsebene, die es bei euch immer schon gegeben hat?

Hans: Ja, eigentlich schon. Ich finde auch, dass wir viel erreicht haben. In Deutschland eigentlich nix, aber vieles, was aus dem Ausland nach Deutschland kommt ist Faust-infiziert. Damon Albarn ist Faust-Fan, die Flaming Lips sind Fans von uns. Hier tut man sich da immer schwer, vor allem die Journaille.

Noch heute muss die Spex verlauten lassen: „Die Deutschen hören keinen Kraut-Rock“…

Hans: Ich finde das Wort auch bescheuert. Es ist ja ein Stück von uns, auch wenn Amon Düül behaupten, sie hätten das erfunden – von mir aus. Ich kann nur sagen, dass Ian MacDonald, der schon gestorben ist, den Begriff bekannt gemacht hat. Das war 1973, als wir ‚Faust IV‘ gemacht haben. Es war damals boshaft gemeint. Die Deutschen waren eben unbeliebt, und Prog konnten wa ooch nicht, das konnten die Engländer viel besser… Ach ja… Eine schöne Geschichte ist es trotzdem.

Nun kamen eure ersten beiden Platten gerade nochmal raus.

Hans: Wir machen auch unsere erste Single nochmal.

Dass Universal eure Platten gerade jetzt neu auflegt, ist das so ein Kalkül, dass man sich an die Aufregung um eure neue Platte hängt?

Hans: Ich sehe das nicht negativ. Why not? Das ist ja nichts, wofür man sich schämen muss.

Ist das auf eure Initiative passiert?

Hans: Ja, wir machen da schon lange dran rum, dass es mal ordentlich wird.

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Interview: Stone

Faust-Homepage
Wikipedia
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