März 20th, 2019

ESEL (#68, 1998)

Posted in interview by Thorsten

Die Befreiung des Bass

Manche Menschen haben einfach fast immer Pech, sie sitzen grundsätzlich im falschen Bus, verpennen irgendwelche Termine oder treten in den einzigen Haufen Hundescheiße in einem Kilometer Umkreis. Zu dieser Art von Menschen gehört eigentlich auch der Autor dieses ach so tollen Textes. – Naja, manche werden sich nun fragen,warum dieser Tölpel jetzt darüber schreibt. Tja, dieses Interview mit Esel fällt teilweise wieder einmal in die Rubrik „dumm gelaufen“, und ist eine weitere Trophäe in meiner Sammlung. Die Vorraussetzungen für das Gespräch waren schon äußerst übel: Der Tipper dieses Artikels litt zum Zeitpunkt des Interviews an derber Heiserkeit, aufgrund eines örtlichen Festes, und hatte eigentlich auch nicht vor, ein Interview zu führen.
Beste Vorraussetzungen also. Aber dafür waren Esel umso besser.
Esel, das ist eine noch relativ junge Band aus Kassel. Das Besondere an Esel ist, neben dem seltsamen Namen, daß die Band aus zwei Bassisten und einem Schlagzeuger besteht. Während der eine Bass seine normalen Läufe spielt, macht der Zweite eher Geräusche, die an einen japanischen Science Fiction Film erinnern. Zusammen mit dem Schlagzeug ergibt dieses dann eine mehr oder weniger abgedrehte „Tanzmusik“, die auf jeden Fall „rockt“.
Das „Interview“ fand Ende August im „wunderschönen“ Höxter im ostwestfälischen Ländle statt. Naja, kurzum wurde zu Papier und Stift gegriffen um ein Paar Aussagen der Drei festzuhalten.
Das Ergebnis ist dieser „Text“, da ich leider kein Steno mitschreiben konnte. Lest am Besten selbst :

Wer oder was sind „Esel“?

Esel sind Jan, Rhythmus – Bass und Gesang, Robert, Schlagzeug, und Florian, der 2. Bass („Spaß und Spielerei“). Die ursprüngliche Besetzung der Band hatte nur einen Bassisten und einen Gitarristen. Der Mann an den sechs Saiten ist dann irgendwann aus bis heute unbekannten Gründen ausgestiegen. Über eine Anzeige kam dann Florian zur Band. Die eigentliche Idee der Band war, eine Art von „Tanzmusik“ zu machen, Musik zu der man sich jedenfalls bewegen kann.
Diese Formation besteht so jetzt erst seit wenigen Monaten, und der Auftritt in Höxter war erst der 3. gemeinsame dieser Art. Das Set stand zwar schon vorher fest, war aber nur für einen Bass und Schlagzeug gedacht, so daß dem 2.Bass „Spaß und Spielerei“, also die vielen gitarrenähnlichen Effekte, zufielen. Die beiden Auftritte davor waren auf der „Rockumenta“, einem größeren Konzert zur Dokumenta, und auf einem Musikwettbewerb in Frankfurt, noch zusammen mit dem Gitarristen. Den Auftritt bei dem Wettbewerb fanden Esel jedoch nicht so hervorragend, da dort alles zu „groß und durchorganisiert“ war.

Woher kommt eigentlich der Name „Esel“?

Der Name kommt noch vom Gitarristen her. Er hatte eine eigenartige, „störrische und hakende Art“ zu spielen, so wie Esel eben sind. Von daher drängte sich der Name fast auf. Außerdem ist er kurz und prägnant. Zuerst denkt man bei dem Namen zwar an Punk à la Wizo, aber dafür ist die Überraschung nachher, wenn man sie hört, um so größer.

Was hören Esel eigentlich gerne?

Vor allem Drum & Bass sind inspirierend, genauso wie alle anderen groovenden Sachen. Allerdings fällt Florian, auch „Diplom – Esel“ genannt, da ein wenig aus der Rolle. Er hört gerne Death – Metal und Jazz, so wie andere „rockige Sachen“. Böse Zungen behaupteten an diesem Abend auch, er spiele lieber Fußball als Bass, jedoch konterte der „Diplom – Esel“ mit den Argumenten, daß er der einzige Arbeitende der Band sei, und als Einziger „normal“ aussehe.

Wie sind sie Songs von Esel?

Naja, die Texte haben eigentlich wenig Inhalt. Es sind nur irgendwann aufgeschriebene Gedanken. Sie sind live allerdings nicht improvisiert. Meistens handeln sie beispielsweise von irgendwelchen außergewöhnlichen Leuten und sind so geschrieben, daß sich der Zuhörer seinen eigenen Gedanken darüber machen kann. Allerdings dient die Stimme meist nur als zusätzliches Instrument, teilweise auch verzerrt. Die Musik ist eher minimalistisch gehalten, so wie der sparsam eingesetzte Text. Es soll meistens jedenfalls kein normaler Songaufbau vorherrschen, nach dem bekannten Strophe – Refrain, Strophe – Refrain Schema.

Was erwarten Esel von der Zukunft?

1. Wollen sie die Weltherrschaft an sich reißen (Da schau‘ einer her!)
2. Wollen sie alle eine Freundin finden.
3. Wollen sie nicht in irgendwelche Schubladen gesteckt werden. Allerdings mögen sie die
Hamburger Schule, von der sie beeinflußt wurden, und wollen vielleicht mal diese Art von
Musik machen.
4. Würden sie gerne eine Platte machen und von der Musik leben.
Die letzten Worte von Esel:

„Esel sind für alle da.“

Text: Peter Rupprecht

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