Januar 30th, 2016

ERIC HYSTERIC / Der Durstige Mann (#141, 04-2010)

Posted in interview by Jan

„Punks Are The Old Farts Of Today“  (Vomit Visions, 1980)

Ein Interview mit ERIC HYSTERIC

Wir waren seit ca. drei Jahren an der Idee dran, den „legendären Eric Hysteric“ zu interviewen, aber aufgrund der vielen Gerüchte über ihn dann doch nicht richtig motiviert. Wir, das sind Joachim und ich, Jan.

Joachim verfolgte Erics Laufbahn als Musiker – bei Eric and the Esoterics, Vomit Visions und ab 1982 Der Durstige Mann und Solo-Kram- und als Labelmacher – Wasted Records und Orgasm Records – aufgrund gleichen Alters quasi live mit (und veröffentliche auch auf seinem alten Label eine Platte von Der Durstige Mann). Jan kennt den Durstigen Mann erst seit 2002.

Nachdem ich nach Frankfurt zog und mir mal eine Soloplatte von Eric Hysteric besorgte, war ich angefixt und traurigerweise gab es im Juni 2009 ein Anlass, den Durstigen Mann nach 15 Jahren noch ein Mal live zu sehen. Der alte Schlagzeuger starb und die Band trat noch einmal auf, ich unterhielt mich mit Erich und Mitte September fand dieses Interview in dem Lucky Star Records Plattenladen von Günther und Birgit in Frankfurt-Bornheim statt.

Im Anschluss an dieses Interview zog man sich noch in eine Kneipe zurück, Joachim verließ die Runde nach dem fünften Weizen innerhalb von eineinhalb Stunden, kurze Zeit später strich auch ich die Segel, kotze zu Hause noch ins Klo und wir mussten Eric Hysteric, der extra aus seinem Wohnort hinter Gießen anreiste, seine Wege ziehen lassen…

Hi Eric, 2009 gab es ein einmaliges Reunion-Konzert vom Durstigen Mann im Elfer in Frankfurt, Anlass war der Tod von Bernd Hasenfus… kannst du für die Leute, die ihn nicht kannten, sagen, wer das war?

Eric Hysteric: Bernd Hasenfus hat Schlagzeug bei der „Saufen ohne Ende“-Platte vom Durstigen Mann Platte gespielt, das war, als Oskar aus der Band raus war. Wir hatten dann immer so nen Casio-Ding als Schlagzeug, das hätten wir auch mal raus bringen sollen. Ja, und Bernd hab ich halt gekannt, von Plattenbörsen und so.. vom Plattenkaufen… Es war alles aufgenommen, außer dem Schlagzeug. Das hat er dann gemacht.

Also war Bernd euer alter Trommler?

Nee, das war der Oskar, aber der war zu der Zeit nicht in der Band, ich weiß nicht, dass war ihm vielleicht zu lächerlich oder so. Wir hatten die „Saufen ohne Ende“ ja mit´m Casio-Rhythmus aufgenommen und so.. und ich wollte das nachträglich – entgegen der anderen – mit Schlagzeug aufnehmen. Ich hab auch selber versucht, Schlagzeug zu spielen, der Monoton auch, das ging natürlich total in die Hose. Bernd und ich haben uns schon lange vorher gekannt.

Bernd war also nur bei der einen Aufnahme dabei?

Ja, aber das hat sich ja alles vermischt, wir haben auch im Cocks-Übungsraum aufgenommen und da hat Oskar Schlagzeug gespielt und Bernd hat dann mal mitgemacht, aber er war eine Figur, die jeder so oder so gekannt hatte.

Wie fandest du den Abend? Ihr habt ja nur einmal dafür geprobt, ich fand es total super.

Ich kann nur für mich sprechen, ich fand den Abend auch super. Ich hab auch vorher nur ein Bier getrunken, ich war etwas heiser und froh das ich das durchgehalten habe… Früher war das alles ein totales Chaos, und dann hat man versucht, sich das im Nachhinein anzuhören und nochmals zu erfassen, dass interessiert mich jetzt gar nicht mehr.

Weißt du, der wie wievielte Auftritt es jetzt überhaupt war?

Der fünfte wahrscheinlich, ja, der fünfte.

Der fünfte?

Ein paar sind ausgefallen, einmal haben wir unplugged in Monotons Stammkneipe gespielt, wenn du den dazurechnest, waren es sechs.

Ihr habt 15 Minuten gespielt, weißt du noch, was für Songs?

„Rübezahl“ (der einzige, der mit Bier nichts zu tun hat), „Faul, versoffen und fett“, „Bier nix gut“, „Du bist im Bahnhof“, „Oi Oi Appelwoi“ haben wir versucht, aber abgebrochen, die Leute haben trotzdem geklatscht, das hat mich verwundert.

Warum war „Sachsenhausen“ nicht dabei?

Ich war nicht besoffen genug, ha ha. Ich hab‘s später vor ein paar Leuten gespielt.

Der Moderator hat dich ja ankündigt als Syd Barrett aus Hessen… Es gibt so viele Gerüchte über dich, jetzt endlich die Auflösung, du wohnst dort, wo die Orgasm Records Adresse ist (dein Label), die Gerüchte gingen von Drogenentzug, Irrenanstalt..

Ha ha.

…bis hin zu „Du wohnst in den Wäldern„..

Also, Drogen, das kann überhaupt nicht sein, ich hab mal ein paar Joints geraucht, sonst nie was genommen…

Was hast du in den 90er gemacht?

1990 gab es ja eine Durstiger Mann Platte, die letzte dann 1993. Danach haben wir noch eine Aufnahme gemacht, aber dann ist uns nix mehr eingefallen. Fertig aufgenommes Zeug hab ich jetzt wieder genug, also Material, das fertig ist. Der Fehler bei letzter LP war, wir hatten da irgendwie keine klare Idee mehr. Das ging nicht mehr an einem Stück, das lag teilweise an dem Dauersuff, teilweise aber auch… also 1993, das war ja die Zeit, als die ganze Stones-Bootlegs raus kamen und die „Anthologies“ von den Beatles, wo Paul McCarntey und Ringo Starr, der lebte da ja noch, frecherweise drei Demoversionen von „Strawberry Fields“ neu machten und da hab ich gedacht, wenn die das können, kann ich das auch, ha ha.

Ha ha, sehr gut! Aber mal eine ganz banale Frage, du hast immer da gewohnt, wo du jetzt wohnst?

Ja genau, außer den drei Jahren, die ich in England gewohnt habe. In London.

Gute Überleitung, wenn ich die nutzen darf, wie darf man sich das vorstellen, du hast früher als junger Mann in London gewohnt, dort direkt ne Platte aufgenommen, auch noch mit australischen Musikern… warum eigentlich, wie kommt so etwas zustande?

Ich wollte Punk machen und hier gab‘s halt kein Punk. Hier gab‘s Ende der 70er.. in der Provinz kamst du gar nicht an Platten ran, das war in Frankfurt vielleicht anders… du konntest Punk überhaupt nicht finden.

Aber wie kommt ein Deutscher nach London, und macht da mit Australiern Musik?

Ich hatte die Schnauze voll von ganz Deutschland und damals war London einfach der Fokus.

Wie alt warst du damals?

Ich hab die 1979 kennengelernt, Ende 1980 waren die Aufnahmen. Also, ich bin 1956 geboren… Ich kannte halt Hans Wurst, den damaligen Vomit Visions-Bassist und die australische Band, na ja, das stimmt ja so gar nicht, dass waren ja Engländer, Schotten und ein abgeschobener Australier, das waren im Prinzip Briten. Die sind 1979 nach London, da war ich auch, im Frühling 1979, und da haben die dann in so einem Vorort gespielt, und ich bin da sofort hin. Ich hab zwei Stunden mit dem Bus gebraucht, ich wohnte ja in Shepards Bush, heute gibt’s da vielleicht eine U-Bahn hin.

Ich war extrem früh da, ich wusste, wie die aussehen und wir sind uns zufällig auf dem Klo begegnet und da hab ich die einfach angequatscht… und die haben sich gewundert, dass ich das „Animal work“ gekannt habe, das war ja hier noch gar nicht veröffentlicht. Ich habe bei Aiwa – so ne Hifi Firma – geschafft, und war dann irgendwo in Westham gewesen und ich bin da mal in ne Kneipe gegangen nach nem Konzert und der Bassist, Neil, hat mich da gesehen und seitdem gab´s da so eine feste Beziehung. Und die Lieder, die wir dann aufgenommen haben, ich hatte keine Ahnung, wie die klingen, das war halt alles einfach nur aus Freundschaft, die haben mich eingeladen…

Die erste Hysteric und die erste Wasted Single sind auch in England rausgekommen, gab‘s damals den Plan von dir, in England zu bleiben?

Ich plane nie etwas. Da gab‘s nie große Planungen… von heute auf morgen, manchmal klappst, manchmal nicht. Klar, kurzfristig… aus einem finanziellen Zwang muss man manchmal das nötigste machen, aber sonst…

Gab es damals schon Resonanz auf die Single und LP? Aus England selbst?

Ganz kurz nur, „billiger David Bowie Rip Off“ stand im New Musical Express, aber ganz kurz nur.

Wie kommen die auf Bowie?

Die hat sich ganz wenig verkauft… da hab ich damals von Vomit Visons viel mehr verkauft als von Eric and the Esoterics, obwohl das ja alles deutsche Musiker waren… also Vomit Visons. Das hat die Leute überfordert, in Staford gab‘s so nen Versand, die haben mal 50 genommen, ich bin da auch mal mit dem Zug hin, aber war dann zu faul, alles dahin zu schleppen. Der hat dann 50 oder 100 LPs genommen… ich hab einiges auf dem Flohmarkt verkauft.

Was war die Auflage der Esoterics?

1000.

Wurde die nie nachgepresst?

Nein, 850 haben wir verkauft… vom Durstigen Mann 3000, ha ha.

Wobei die erste Hysteric immer noch eine Lieblingsplatte von mir ist, bei der ich sagen würde, yes, 1980, genau diesen Sound gehabt. Du gingst dann zurück nach Deutschland, wie ging es dann weiter? Du hattest dann keine englische Musiker mehr…

Die Hauptfigur von auch Vomit Visions am Anfang und Esoterics hatte sich nie um einen Pass gekümmert und damals auch schon illegal da gelebt und wurde dann einfach abgeschoben. Der hatte aus nen Haufen Chaos ne Ordnung gebracht… in Deutschland 1982 wollte Monoton eine Gruppe gründen, Oskar an der Gitarre, Marcel als Bassist, Monoton sollte singen, was sonst.,.. Dieter von Vomit Visions als Schlagzeuger war angefragt, hat sich aber Zeit gelassen… Ich kannte den vom Plattenverkaufen auf dem Flohmarkt, aber dann haben die mich gefragt, ob ich nicht bei ihnen mitmachen will. Schlagzeug spielen für ne Single.

Anfang der 80er gab es ja das legendäre Bild von dir mit Jello Biafra?

Nee, Hans Wurst ist das.

Oh, okay.

Ich hatte mit Jello Biafra Platten getauscht, aber persönlichen Kontakt hatte ich keinen, nur per Brief.

Weisst du, wo das Foto entstanden?

Entweder hat der Jello Biafra besucht in San Francisco, aber ein Freund seiner Schwester kannte den… Jello kommt ja ursprünglich aus Boulder in Colorado und dort hat der den besucht, und da ist das aufgenommen… oder bei dem Dead Kennedys-Konzert irgendwie bei Bonn… da musste ihn fragen, ich glaube, ist aber eher von da…

Wenn man heute nach dem Durstigen Mann googelt, tauchen auf drei verschiedenen Seiten die Einträge „Monoton, dumpfer Rechtsskin, gründete mit dem legendären Eric Hysteric ne Band„ auf?

Ahhh… ich wurde gefragt, ob ich mit spiele, sonst gar nix. Und ich habe gedacht, warum nicht für die Single… Monoton kannte ich auch ewig, und das ganze Projekt war auch sehr interessant. Monoton war auf jeden Fall kein Mitläufer, sondern eine sehr eigenständige Person. Und Mitläufer waren damals viele Punks, damals war das eine Mode… in Frankfurt auf jeden Fall. Monoton war der erste Vomit Visions-Fan, er hat irgendwie die Telefonnummer vom Hans Wurst rausgekriegt, und ihn angerufen, was für eine tolle Single wir gemacht haben.

Eine politische Ausrichtung gab‘s beim Durstigen Mann eigentlich nicht?

Bei mir nicht.

Ihr habt ja eine Platte auf Rock-o-Rama gemacht, habt ihr drunter gelitten, dass ihr ne Platte auf so einem Label veröffentlicht habt?

Nö. Das hat ja als pures Punklabel begonnen, wobei man immer schon wusste, dass der rechts war. Aber man wusste auch, dass der in erster Linie – am Anfang zumindest – Geschäftsmann war und am Anfang war es auch sehr lustig. Danach war es nur noch Geschäft und… er hatte am Anfang auch einen sehr guten Geschmack. Seine Lieblingsmusik war ja Rockabilly.

Ja echt? Ich dachte immer, das war erst später bei Rock-o-Rama klar, also das es so eine Veränderung kam, dass der nach rechts ging?

Nee, schau dir doch nur mal die ersten Plattencover an, das war damals allen klar, was das für einer ist…

Und die ganzen finnischen HC-Platten?

Ja, aber das kam ja erst später. Am Anfang war das witzig, mit dem HC, das haben wir dann mal aus Spaß beim Durstigen Mann mit rein gebracht, so HC-Sachen. Um 1982 / 1983 kam ja der Washington-Sound und da hab ich aber schnell erkannt, dass der ins Nix führte, und Hardrock oder Heavy Metal hab ich ja immer gehasst…

Wieso jetzt ins Nix führte?

Es ging nicht weiter, es gab keine wesentlichen Entwicklungen, wenn die dann ein bisschen spielen konnten, haben die dann so primitiven Hardrock gemacht.

Warum wurde eigentlich aus Wasted Vinyl dann Orgasm Records?

Weil ich gedacht hatte, nach der letzte Platte, mehr geht nicht, jetzt muss was Neues kommen, das kam von den Part Time Punx, da hab ich die einfach gefragt, wie man das nennen sollte, und einer von denen meinte Orgasm Records. Die anderen Vorschläge weiß ich nicht mehr, Orgasm Records hört sich gut an. Irgendwie war es auch so, dass es mir auf den Sack ging, dass man nur eine bestimmte Menge Bass auf Vinyl bringen konnte, nachher die Platten erschienen ja nur noch als CD…

Der Durstige Mann war ja nicht nur in New Musical Express, sondern auch in der Bravo…

Ja, wir waren vier Mal drin und einmal sogar CD der Woche…

Welche?

Dieser Sampler, „Zurück in die Steinzeit„…

Sauber!

Oh Mann, da waren wir aber auch total besoffen, manche Lieder sind nur ein paar Sekunden, manche hören sich an wie Wolfsgeheul… aber das ging damals als Punk durch. Die Bravo hatte das damals aber korrekt besprochen und auf den Punkt gebracht… Die Bravo hatte bei mir auch mal angerufen, die hatten zu der Zeit immer zwei Gruppen vorgestellt, Punkbands. Der Bravo-Typ kannte sich sau gut aus, das hatte mich auch gewundert. Wir haben uns ganz normal unterhalten, da kann man nix gegen sagen.

Hattet ihr eigentlich all eure Auftritte in Frankfurt, habt ihr mal mit den Böhsen Onkelz gespielt?

Nee, mit denen nie. Mit den Toten Hosen, in so nem Vorort bei Münster, zwei Mal in Wiesbaden, ein Mal beim Monoton unplugged in seiner Stammkneipe. Monoton hatte ja überall Hausverbot, da konnten wir nicht spielen… In Friedberg war mal ein Konzert geplant, aber ich war damals beim Bund und am Sonntag war Manöver, der Auftritt ist dann das einzige Mal regulär ausgefallen.

Waren denn die Auftritte früher so legendär, wie man heute so erzählt bekommt? Wie kann man sich das vorstellen?

So wie die „Saufen ohne Ende“ geklungen hat, einfach Punk, wir wissen da wenig von.

Ha ha.

Wir hatten mal zwei Kästen Bier bekommen, aber das war so schlecht, dann sind wir in eine Kneipe gefahren und haben das Bier stehen gelassen… die Leute haben dann immer „Aufhören Aufhören“ gerufen, aber das haben wir nicht mitgekriegt.

Wie viel Kontakt hast du noch zu den Leuten von der Durstige Mann, z.B. Marcel?

Marcel hat mich angerufen, Monotons Nummer steht im Telefonbuch, das hat mich sehr gewundert, als Oskar mir das erzählte, ha ha.

Also das war jetzt aus einem traurigen Grund ne einmalige Sache?

Ja, ich weiß gar nicht, ob ich das alles noch hinkriegen würde.

Wieso jetzt?

Ja, diese ganze Koordination und so was.. wie soll ich sagen, ich war ja derjenige, der das immer versucht hat, zu koordinieren… man muss abwarten. Lust hätte ich schon, es muss aber was außergewöhnliches sein.

So alte Sachen noch mal neu einspielen aufgrund des schönen Konzerts?

Material hab ich ja genug, aber ich bin faul, wir alle sind faul… vielleicht der Oskar nicht, aber Monoton und ich sind grundfaul, dass muss sich schon lohnen, wenn wir was machen…

Grundfaul ein schöner Begriff. Gibt’s eigentlich nen Grund, warum der Marcel nicht mitgespielt hat bei dem Auftritt?

Er hat ja nur bei einem Lied mit gemacht, überhaupt, bei der „Prost“, wir haben ihn dann später rausgeworfen, der konnte halt auch gar nicht spielen… Nachher war uns das ohne Basser einfacher…

Mein erster Kontakt mit der Durstige Mann war, als ich nach Potsdam zog, da gab‘s am Schloss Sanssouci immer Mittwochs Punkertreffen, wo jeder getreu eurem Song „Mittwochs gibt’s Kartoffelsalat“ halt eine Portion Kartoffelsalat mitbringen musste.

Warst du da drinnen?

Nee, das war immer davor. Denkst du, man könnte auf dem „Kult-Thrash“-Ruf von Der Durstige Mann noch mal aufbauen?

Aber das hat sich ja alles kaum verkauft… und heute, der Rock-o-Rama-Typ ist gestorben, die EFA ist seit ein paar Jahren pleite, ich weiß nicht, da müsste ich ja wie früher von Haus zu Haus gehen und die Sachen verkaufen, ich wüsste gar nicht mehr, wie ich das verkaufen sollte.

Und wenn jemand von außen kommt, „Hier Eric Hysteric, wir machen was“?

Interesse wäre schon da, vielleicht für meine dritte Solo Platte.

Gutes Stichwort, deine zweite Solo-LP „Für Dich“, da ist ja der super Song drauf „Ich hab sie gesehen“ und…

„Wer hat sie gesehen“.

Oh, also.. 

„Wer hat ihn gesehen“ ja im Original, von Wenke Myhre, da waren ja nur Coverversionen drauf im Gegensatz zur „Keine Träume“.

Ach, das ist ne Cover?

Ja genau, das ist ne Coverversion. Haben wir einmal mit Der Durstige Mann gecovert…

Die Bilder auf der „Für dich“, wo du da auf dem Boden liegst mit nem Bier in der Hand, war das bei dir?

Nee, das war bei Oskar, bei seinen Eltern auf dem Dachboden, er hat auch die Fotos gemacht.

Ha ha. Ok… machen wir kurz nen Break… (rauchen etc.)…  Bist du mal solo als Singer-Songwriter unter dem Namen Eric Hysteric aufgetreten?

Nee! Oder doch, ein Mal, in Frankfurt.

Aha!

Ja, das war 1977 oder 1978.

Oh, okay… ha ha…

Vorm Kaufhof, mit nem Hut, ha ha.

1993 war die letzte Platte… habt ihr euch eigentlich offiziell aufgelöst?

Faulheit. Wenn du faul bist, dann ist halt nicht „da muss was gemacht werden„, da wird halt dann gar nix gemacht und man wird ja nicht jünger… keine Ahnung.

Kamen denn irgendwann neue Fans, mehr Interesse?

Wir sollten einmal im Osten auftreten, aber Monoton meinte, das wäre zu weit… jetzt übers Internet scheint mehr Interesse zu sein, davor waren wir zu faul, das zu verfolgen…

Die ganzen alten englischen Bands, Lurkers, Boys oder alte deutsche Bands wie OHL gibt es wieder und treten auf Festivals auf, so was gab‘s nicht bei euch?

Nee… wenn es so was geben sollte, brauchten wir nen Baybsitter… und bei den meisten Bands, das sind kleine Kinder…. Du benötigst eine riesen Koordination, 24 Spur Aufnahmen zu machen, das ist nicht einfach und so weiter…

Was macht denn ein Erich heutzutage?

Wenig denken, viel schaffe. Ich arbeite ja für eine Spedition beim Neckermann… ich war immer berufstätig, auch zu Durstiger Mann-Zeiten, Musik mache ich, seit ich klein bin, hab aber nie Geld damit verdient… ich spiele Akustik-Gitarre, weil ich zu faul bin, dass alles zu verkabeln… und die Störgeräusche rauszumachen, bei einer Akustik-Gitarre hasse keine Arbeit

Hörst du aktuelle Musik?

Was gibt es denn aktuelles, meinst du Tokio Hotel?

Ha ha.

Nee, ist kein Witz, fand ich fantastisch! Klar, die sind schlecht, aber ein paar Lieder mag ich. Früher kannte ich jede Punkplatte, aber irgendwann ist das Loch zu und ich kann es nicht mehr verfolgen und ein Urteil abgeben. Ich hab soviel Musik gehört, ich kannte jede neue Punk Single, aber irgendwann ist das Maß erreicht… heute kann ich nicht mehr sagen, das ist gut oder schlecht, ich kann einfach nur sagen, ich hab die Schnauze voll, mehr nicht. Nix gegen die Gruppe jetzt.

Hast du Lieblingsbands?

Stones, Ramones, Stones vor allem, einfach aus Prinzip, weil die das Lächerliche so lange ausgehalten haben, bis es jeder normal findet und es ist heute immer noch lächerlich. Musikalisch auch die Beatles. Die ersten zwei Ramones… Kinks natürlich, Nena mag ich… Von den Hosen finde ich viel gut… In den 60er war es einfach unmöglich, eine eigene Platte zu machen, und durch Punk war das auf einmal kein Problem, ohne Punk hätte ich nie eine Platte gemacht… Und das ganze Schminken, da war ich schon immer zu faul zu.

Was ist mit AC/DC?

Das eine fand ich ganz gut, dieses „Harder as a rock“.

Yeah, das ist nen guter!

„Harder as a rock„. Oder Dirty deeds done dirt cheap, aber ich bin kein AC/DC Fan.

Lüfte doch mal das Geheimnis wegen dem Durstigen Mann, die Tuborg-Dose, es gibt diese Philosophie, dass der Durstige Mann daher seinen Mann hat? 

Wir hatten viele Namen… Monoton hat den Namen mal vorgeschlagen, da musst du ihn fragen… er hat aber immer gerne Tuborg getrunken, musst du aber ihn fragen, oder ich muss ihn fragen, wo er das her hat… Er kam mal auf dem Flohmarkt an und meinte nur kurz und bündig, wir heißen Der Durstige Mann.

Mit der Tuborg Dose in der Hand!

Ha ha, nee, er war dann da schon eher für Binding.

Die Esoterics 1981 und 1982 habe ich sehr oft gehört, zeitlich und musikalisch gehören die zusammen.  Wie klingt heute der Stoff?

Ich habe Aufnahmen von 2003 und so… Demos mache ich nicht mehr, wenn dann direkt ins Studio und zack, möglichst nüchtern… Koordination ist wirklich schwierig, wenn man alt wird.

Am Ende haben wir noch ein Musiktest vorbereitet …zuvor: Hast du Grüsse an die Trust- Leser?

Ich dachte, ich hab noch Trust-Ausgaben daheim, hab jetzt aber leider keine gefunden… Ich bin im Prinzip fürs Lesen.

Super! Wir kommen zu dem Musikcheck. Günther spielt die Songs, hau rein… Was hören wir da?

(ca. 2 Sekunden) Michael Holm!!! War der Scheisse!

Wow, sehr gut. Was hören wir jetzt?

(ca. 2 Sekunden) TRIO! Geil!!! Von war das, 1982, oder so?

Ja, oder 1983? Jetzt muss es auch mal Lieder aus ner anderen Zeit geben, das wird zu einfach… 

Lass den Song doch mal laufen, der ist soo geil.

Da hinten hängt ja die „Keine Macht für Niemand“ Platte, magst du eigentlich Ton Steine Scherben?

Von Rio Reiser war ich nie so ein Fan, das war eher Chanson als Rockmusik.

Och hier, „König von Deutschland„?

Ja okay, aber diese Coverversionen von Echt, „Junimond“, die ist besser.

Ok, was hören wir hier?

Oh.

Ja, da musste knabbern…

Ach, klar, Motörhead!

Yeah!

Ist das von der „On Parole“?

Nee, von Hawkind.

Au, spiel doch „Silver Machine“ von Hawkind.

Ok, machen wir am Ende, jetzt hier der letzte Song, kennst du den?

Ach, das war immer ein Rausschmeisser…

„Lisbeth“ als Refrain auf der „Wild Thing“ Melodie?

Puh…

Da hamma dich.

Da hast du bestimmt tausende, die ich nicht kenne…

Ok, dafür darfst du das Schlusswort sprechen.

Amen!

Interview: Joachim Gärtner (auch Fotos vom Interview in Frankfurt Mitte September 2009) und Jan Röhlk

Links (2016):
Eric Hysteric auf Discogs
Der Durstige Mann auf Discogs
Eric Hysteric auf Wikipedia
Vomit Visions auf Wikipedia (guter Eintrag!)
Wasted Vinyl Blog

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One comment

  1. Eric Hysteric Interview mit Trust (2010) | Wasted Vinyl says:

    […] ERIC HYSTERIC (#141, 04-2010) […]

    Februar 17th, 2016 at 1:32 am

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