November 24th, 2018

ERIC DROOKER (#78, 1999)

Posted in interview by Jan

Der New Yorker Künstler Eric Drooker ist sicher den meisten bekannt; unlängst war er wieder auf Tour und führte neben 90% der Graphiken, die er schon das Mal davor gezeigt hatte, einige seiner neueren Werke in Form einer Diashow vor (Man möge mir diesen Sarkasmus verzeihen, weiß ich durchaus darum, daß Musiker ja jedesmal das gleiche spielen, aber hier wirken die Kunstformen unterschiedlich auf mich). Gerade seine eindrucksvollen Graphiken, die oft surreal wirken, lassen auf eine profunde Meinung zu Drogen hoffen.

Wie ihr im Interview feststellen werdet, redet der Mann aber lieber über die Dinge, die er auch in seiner Diashow anprangert, um dann von den Leuten, von denen du genau weißt, daß sie dort hingehen, mit frenetischem Beifall bedacht zu werden. Übrigens gab’s im Trust, #60 um genau zu sein, bereits ein Interview, welches Urte und Jobst mit Eric führten, falls Euch der Mann weitergehend interessiert. Sein cooles Buch ‚Flood‘ gibt’s bei I. Ebeling / Company with the golden arm. Daniel.

Du bist der erste, graphisch arbeitende Künstler, den ich hierzu befrage. Glaubst Du, daß die Benutzung irgendeiner Droge die Rezipienz deiner Werke verbessert? Oder sollten sie stocknüchtern sein?

E: Ich hätte sie schon lieber nüchtern…. wenn das Artwork gut ist, dann sollte es in der Lage sein, Bewußtsein zu übermitteln – ohne Drogen. In dem Sinne, daß dann eine Droge nur ein Substituent für Kunst wäre. Es gibt nur sehr wenig gute Kunst im Moment, so daß viele Leute auch deshalb Drogen nehmen. Wenn die Gesellschaft mehr sozial und kulturell befriedigende Punkte hätte, gäbe es deutlich weniger Drogenmißbrauch.


Es gibt aber auch viele Künstler, die ihre Werke unter dem Einfluß….

E: Ja, sicher – ich nehme ja auch welche. Viele meiner Werke habe ich unter Peyote, Pilzen, Marijuhana oder LSD gezeichnet. Es ist sicherlich keine schlechte Sache, ab und an mit Drogen zu experimentieren, weil man so mehr über die Natur des Bewußtseins lernen kann – ich sehe also keinen Punkt, Straight Edge zu sein. Aber die meisten Leute nehmen Drogen wie Alkohol oder Heroin, um ihr Bewußtsein zu töten, und da sehe ich das Problem.

Wenn du aber deine Sachen unter halluzinogenen Drogen machst, und die Leute sie sich nüchtern anschauen, nehmen sie sie ja anders wahr-

E: als ich – aber das würden sie sowieso. Ich halte es nicht für nötig. Nochmal, wenn die Kunst gut ist, braucht man keine Drogen. Ich will da nicht moralistisch werden, ich habe ja auch schon auf Acid rumgesessen, Filme geschaut und Franz Zappa gehört – das Experimentieren mit unterschiedlichsten Erfahrungen halte ich für sehr wichtig.

Knallen die Leute sich mehr zu als früher?

E: Hmm Heroin hat sein Combeack gemacht, Crack war in den Achtziger Jahren deutlich größer, aber all diese Drogen sind ja minimal im Gegensatz zu den beiden legalen Drogen der Wahl, Alkohol und Tabak. Nikotin ist wohl die Hauptdroge, die Leute nehmen, es ist aber so ungesund, ich halte die Leute für Idioten, die Droge taugt nichts. Die Leute werden nur noch enger an die Tabak- und Alkoholindustrie gefesselt. Diese Drogen lehne ich ab.


Wie sollte die US Regierung die Drogengesetzgebung ändern
?

E: (aufatmend, endlich Systemficken) ahhh, das ist eine gute Frage! Als die Regierung in den Zwanziger Jahren Alkohol verboten hat, stellte sich diese Prohibition als Fehler heraus, der Konsum wurde in den Underground verlegt, der Schwarzmarkt, das organisierte Verbechen bildeten sich. Und das ist eben genau das gleiche mit den heute illegalen Drogen, was es auch gefährlicher macht, da es alle Beteiligten kriminalisiert, den Preis hochdrückt, Heroin sollte nur 50 Cent der Schuß kosten, die mei­sten Verbrechen, gerade auch Gewaltver­brechen, in amerikanischen Großstädten, aber wohl auch hier in Europa, nehme ich an, sind darauf zurückzuführen… ich kann nicht sagen, ob ich für volle Legalisierung bin, aber auf jeden Fall für Dekriminalisierung. Es sollte schon geregelt sein – von der Regierung. Holland hat doch da eine recht ansprechende Politik.

Und wie siehst du das mit den legalen Drogen? Wäre es nicht besser, wenn Jugendliche ihre Erfahrungen mit Alkohol und so weiter legal sammeln, vielleicht ‚ihre Lektion lernen‘, als daß man es ihnen unter übelsten Strafandrohungen für alle Beteiligten bis zum einundzwanzigsten Lebensjahr verbietet?

E: Hmm ich sehe, was Du meinst… mein Vater hatte eine ähnliche Idee, als er mir, während ich sehr sehr jung war, Alkohol und Tabak gab, damit ich mich diesbezüglichnicht aufflehnen müßte, damit es eben nicht als etwas sehr Besonderes angesehen wird. Er machte das mit mir, als ich acht Jahre alt war, und ich glaube, es hat gewirkt: Ich habe nie aus Coolness Zigaretten geraucht, ich dachte schon immer, daß es ziemlich blöde ist. Das Gleiche mit Alkohol: Es war für micht demystifiziert.

Hast Du Kinder?

E: Ich habe keine – wenn ich welche hätte, würde ich es schon so machen, eine ähnliche Version zumindest. Ich kenne die Menschen, was du verbietest, machst du zur verbotenen Frucht, also noch deutlich attraktiver – vor allem bei Teenagern: Kommunkation darüber ist die Basis, vielleicht würde ich es auch mit ihnen zusammen nehmen. Auch das nicht alle Drogen gleich sind. Auf der ganzen Welt sind Marijuhana und Heroin in einer Schublade, und wenn junge Leute mal einen Joint rauchen und herausfinden, daß dies weder schlimm ist noch so stark, dann sehen sie vielleicht keinen Unterschied zu Heroin, da sie vor beiden Substanzen auf die gleiche Art und Weise gewarnt werden. ‚Man hat mich angelogen, also haben sie mich auch über Heroin angelogen‘.

Glaubst Du, daß der US-Medien-krieg gegen das Rauchen, angebracht ist? Oft erscheint es mit als Hexenjagd auf einen Sündenbock – die Tabakindustrie – während alle anderen cancerogenen Umweltbelastungen milde übersehen werden: Autoabgase zum Beispiel.

E: Die Hysterie gegen Tabak? Nun, ich muß schon sagen, daß ich auch heute abend dar­unter leide, daß Leute rauchen. Ich mag es nicht. Es stört mich nicht im geringsten, wenn Gesetze erlassen werden, die besagen ‚hier wir nicht geraucht‘. Ich denke, daß es o.k. ist, wenn sich der Big Brother darum kümmert, daß sich die Leute nicht kontrollieren können, genauso, wie wir von der Regierung erwarten, daß sie die Emissionen von Schornsteinen der Schwerindustrie reguliert. Wir wollen doch, daß sie Umweltverschmutzung verhindern, und beim Rauchen kommt diese durch jede einzelne Zigarette. Ich sehe die Amerikaner hier als fortschrittlicher gegenüber den Europäern.

Es ist sehr ungesund – ein Teil der Er­klärung könnte sein, daß es in Europa nationale Gesunheitsfürsorge gibt, und daher die Leute ihre Gesundheit nicht so ernst nehmen. In Amerika biste du in großem Schla­massel, wenn du krank wirst. Man muß für alles bezahlen… 50000$ die Woche im Kranken­haus kann sich ja keiner leisten… sicher sind die Leute ein wenig hysterisch, aber es stammt doch aus der Erziehung darüber, daß Lungenkrebs sehr gefährlich ist und Second Hand Smoke eine Gefahr darstellt. (…) ‚es ist schon schlimm genug, daß ich überhaupt arbeiten muß, also dann doch bitte ohne Rauch‘. Wer Drogen konsumieren will, soll in einen anderen Raum gehen.

Noch eine andere Sache. Die Kriminalisierung von Drogen ist der Hauptgrund für die größte Anzahl von Häftlingen auf dem Planeten – in den USA. Die meisten Leute im Knast sind aufgrund des ‚war on drugs‘ dort, und daß ist der Punkt, wo die Hysterie liegt, nicht bei Tabak, dort find ich das vernünftig. Ich sehe daß so, daß dadurch eine Entschuldigung existiert, noch mehr Polizei auf die Straße zu bringen, und noch mehr Gefängnisse zu bauen. Es gibt eine Verbindung zwischen der Anzahl an Gefängnisinsassen und dem ‚War on drugs‘


Das ist schon klar. Aber es gibt keine vernünftige Begründung für dein statement, daß der Grund all dessen der Wunsch nach mehr Polizei auf der Straße ist.

E: zu verschörungstheoretisch?

Auf jeden Fall. Ich sehe ja, schon einen Grund dafür, daß eine Regierung Leute von der Straße, aus dem Blickfeld haben will, um nämlich an der Macht zu bleiben, da Power Sex-appeal hat. Aber ein ganzes Land in den Knast zu stecken?

E: Nicht das ganze Land. Aber die ganzen Latinos und Afroamerikaner – hier kommt noch der Rassismus dazu —

Ich glaube nicht, daß es ein Rassismus gegen ethnische Gruppen ist, sondern ein Rassismus gegen arme Leute, die eben zu überproportionalen Teilen aus ethnischen Minderheiten stammen…

E: Hmm wenn du aber amerikanische Gefängnisse besuchst, gibt es dort viele arme Weiße, aber es ist disproportional zu Dunkelhäutigen Menschen…

Ja, weil die Besitzverhältnisse disproportional sind.

E: Man kann wohl diese beiden Sachen nicht klar voneinander trennen – wir sehen es ja ähnlich. Aber es gibt eben auch diese finanzielle Seite, daß es eben Firmen und Menschen gibt, die davon profititieren, wenn Gefängnisse gebaut werden – neben dem militär-industriellen Komplex hat sich auch der Gefängnis-industrielle Komplex etabliert. Es ist ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft geworden, der am schnellsten wachsende Industriezweig. Die Verbrechensrate ist jedoch die niedrigste seit Jahrzehnten. Und daher müssen die User eingesperrt werden, weil sie bei uns als Kriminelle angesehen werden, und nicht wie in Holland als kranke Menschen, die Medizin benötigen.

Gut danke- mehr ein ander Mal.

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