Mai 8th, 2018

DUESENJAEGER (# 181, 2016)

Posted in interview by Jan

Als Junge vom Land war für mich vor mehr als fünfzehn Jahren der Autoführerschein eine Art unermessliches Freiheitssymbol. Zugfahren im regionalen Nahverkehr war teuer und die Verbindungen beschissen. Mit dem Auto der Eltern ging es dann häufiger in die circa dreißig bis fünfzig Kilometer entfernten Städte. Im Dreieck Bielefeld, Münster oder Osnabrück gab es sowohl wichtige Konzertorte (AJZ, Forum, JZ Oerlinghausen, AZ Osnabrück, Bastard Club Osnabrück, Gleis22, Baracke, etc.) als auch Plattenläden.

Es muss irgendwann im Jahr 2001 gewesen sein, dass ich nach Bielefeld gefahren bin, nachmittags nach meinen Zivildienst. Damals war ich ein pickliger, melancholischer Jugendlicher und entdeckte die Musik von Verbrannte Erde, Tagtraum, … But Alive oder Dackelblut und sprang dazu „laut allein zuhause rum, mit musik an“ (duesenjaeger: „Everyday is like Monday“). An diesem Nachmittag saß ich allerdings im Plattenladen mit den Kopfhörern auf, kramte ein paar Singles und Platten heraus und hörte in Bands rein, deren Namen ich in Reviews oder Interviews in Fanzines aufgeschnappt hatte. Darunter auch die erste, selbstbetitelt Single von duesenjaeger. Und die Songs haben mich gleich, sinnbildlich, vom Hocker gefegt. Melodisch und doch roh, deutschsprachige Texte und dennoch nicht zu platt. Witzig, dass ich im selben Plattenladen auch kurze Zeit zuvor Leatherface für mich entdeckt hatte, zwei wegweisende Bands, die mich seitdem stetig begleiten.

Da ein Freund und ich zeitgleich angefangen hatten Punkkonzerte in der Gütersloher Kneipe „Bureau“ (R.I.P. – und Du scheiß Parkplätze, mögen Autos dich fressen!) zu organisieren, vielleicht immer noch mein liebster Konzertort in Deutschland, lang es nahe, die Band für November 2001 einzuladen. Duesenjaeger gab es damals erst wenige Monate, gegründet in der Sylvesternacht 1999 / 2000. Der Abend im Bureau war ein rauschendes, chaotisches Fest. Eigentlich genau so, wie Konzerte und Feiern sein sollten. Eine ziemliche Party, immenser Alkoholgenuss inklusive, für den das Bureau durchaus einen berühmt berüchtigten Ruf hatte.

Nicht selten kamen nach Mitternacht noch Leute herein, da die Kneipe der letzte Ort in Gütersloh war, der noch offen sein konnte. Dadurch war sehr häufig ein sehr heterogenes Publikum da, wie auch an dem Abend. Ich weiß nicht, wie viele Schnäpse, genannt „Happy Happy“ (halb Pernot, halb Jägermeister – so genannt, weil sie halt „happy happy“ machen, wenn man sie in Maßen genießt. Und ja, ich weiß, wie die Mischung klingt, aber wer es nicht probiert hat, weiß nicht, wovon ich rede), geflossen sind, aber ich weiß noch, dass Wirt Wastl in Bestlaune war. Dennoch, eine Band, die ich seitdem gefühlt hundertmal gesehen habe und nie einen schlechten oder nur mäßigen Abend erlebt habe.

Wurden sie in alten Reviews häufig mit Bands wie Dackelblut, EA80, Muff Potter verglichen, sind sie schon längst selbst zu einer „Verweis-Band“ geworden. Die mittlerweile schon fast traditionell gewordenen Berlin-Konzerte im Dezember sind für mich das Fest vor dem Fest! Obwohl duesenjaeger, gerade in dem Grenzgebiet zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen so super präsent sind, sind sie es in den Print-Fanzines merkwürdigerweise gar nicht. Vielleicht weil genau aus der Region kaum Zines kommen und kamen?!

Keine Ahnung, ob das am schlechten Geschmack der jeweiligen Fanziner*innen liegt, ob die „Honkarmee“ nicht auf die Titelbilder passt, wie die durchgestylten Klischee-Abziehbilder (Anti-Flag, Agnostic Front, Social Distortion) der jeweiligen Genres, oder einfach weil duesenjaeger keinen Hehl daraus machen, dass sie keine hippen Stylo-Berliner, -Hamburger oder -Kölner sind, sondern Jungs von Nebenan. Dazu passt, dass sie ihr eigenes Label Grabeland genannt haben. Die Bezeichnung nach dem Bundeskleingartengesetz für ein Grundstück, das nur mit einjährigen Pflanzen bestellt werden darf. Also eine Art Zwischennutzung für eine verhältnismäßig geringe Pacht … Da das letzte Trust Interview über dreizehn Jahre her ist, ist es mal wieder an der Zeit, nach der Ernte der musikalischen Outputs zu fragen.

Danke an dieser Stelle an Jan und Tobi für das Beantworten der Fragen. Außerdem an Alex Pascow (s.u.) der auch noch zwei Fragen zu der Band beantwortet hat und an Ann-Christin für die Unterstützung! Wir sehen uns am Tresen!

Ihr habt euch mit der gleichnamigen LP und im Blindflug 2008 verabschiedet. Auch wenn die letzte Show im Bastard-Club ziemlich legendär war, es wirkte doch ein wenig so, als sei bei duesenjaeger die Luft raus. Auch einige Songzeilen scheinen das zu untermauern: „Das hier ist ein Abgesang“, „Warum Sitzenbleiber nicht sitzen bleiben“, „Warum ist weggehen manchmal ein so gutes Gefühl“. Wie war damals die Stimmung und was ist anders heute?

Jan: Ja, da täuschst Du Dich nicht, die Luft war in der Tat raus. Und die Textzeilen, die Du zitierst, spiegeln die Stimmung von damals ganz gut wieder. Irgendwie hatten wir das Gefühl, alles gesagt zu haben, textlich und musikalisch. Dann kamen noch andere Aspekte dazu, die klassischen persönlichen und musikalischen Differenzen und so. Die Auflösung war letztlich die einzig logische Konsequenz, auch wenn es uns nicht leichtgefallen ist. Das Abschiedskonzert war dann allerdings super!

Eure Rückkehr aus dem Ascheberg kam dann ja ebenfalls sehr schnell. Ende 2010 wart ihr auf einmal wieder da, nur einem Jahr nach der Auflösung. Was war Eure Motivation?

Tobi: Es waren zwei Jahre und wir hatten einfach wieder Bock. Die Pause hat uns echt gut getan und wir konnten nochmal ein paar Eckpfeiler neu definieren: was wir wollen und wie wir das wollen. Zuvor waren wir uns da eher uneinig. Ich habe z.B. in der Zwischenzeit mit Herr Neumann & die Zeitverschwendung und mit Pendikel was gemacht, das hat auch großen Spaß gemacht, mal was anderes zu machen. War aber eben nicht dasselbe.

Was hat sich mit Treibsand noch einmal verändert? Es ist ja de facto der dritte Longplayer und der erste nach zehn Jahren. Was ist für euch die wichtigste Veränderung zu Schimmern?

Jan: Ich kann mich noch ziemlich gut an die Phase erinnern, in der Schimmern entstanden ist. Wir haben sehr regelmäßig geprobt und ich für meinen Teil habe schon so etwas wie einen gewissen Druck verspürt. Auch wenn der nicht direkt an uns herangetragen wurde. Las Palmas war gerade ein, zwei Jahre draußen, wir haben viel gespielt, waren öfter auf Tour. Wir wurden verstärkt wahrgenommen, hatten ein Label mit bestimmten Erwartungen an uns. Und irgendwie hatte ich das Gefühl: Ok, nächste Platte, da muss jetzt was kommen! Die Schimmern ist auch nicht sooo schlecht geworden, dieser Druck hat uns also irgendwie ganz gut getan zu der Zeit. Bei der Treibsand waren die Voraussetzungen andere. Wir hatten seit Leben Lieben Sterben sehr wenig Gelegenheit zum Proben, da wir mittlerweile recht verstreut leben. Es gab keinen Druck von wo auch immer, auch nicht von uns selbst. Einfach machen. Mal sehen was dabei herauskommt. Mit dem Ergebnis können wir glaube ich ebenfalls sehr zufrieden sein …

Fehlt der Druck auch, weil ihr mit Go Kart ja auch was anderes probiert habt und dann doch wieder die Sache im Freundeskreis belassen habt bzw. die Veröffentlichungen selbst in die Hände genommen habt und (mit MyRuin-Rosi) Grabeland ein eigenes Label gegründet habt, wo nun die LP erscheint? Ist das eine Erleichterung, diese Kontrolle zu haben?

Tobi: Ja, das ist schon eine Erleichterung, weil alle Beteiligten grob die gleiche oder zumindest vergleichbare Motivationen und Perspektiven auf die Sache haben. Allerdings sollte man sich nicht täuschen: Der eigene Anspruch an sich selbst erzeugt durchaus auch Druck, vermutlich den härtesten. Außenstehende sind doch leichter zufriedenzustellen als man selbst. Ich hab mir echt viele Gedanken um die Texte gemacht. Im Sinne von: Was hab ich schon gesagt? Was hab ich noch zu sagen? Hab ich überhaupt noch was zu sagen? Und wenn ja, ist das überhaupt für irgendjemanden relevant? Das sind so Fragen, vor denen kann man nicht weglaufen und im Optimalfall kann man an irgendeinem Punkt den Kopf ausschalten und einfach mal machen.

Da muss man aber auch erst mal hinkommen. Allerdings ist das leichter, wenn „die anderen“ mit denen man zu tun hat, die Bandkollegen und alte Kumpels sind, und nicht Leute, die einen Businessplan ausgearbeitet haben und schon die ersten Anzeigenentwürfe in der Schublade. Das ist jetzt eine extreme Überspitzung und Verallgemeinerung, ich meine damit nicht die Go-Kart-Leute konkret, sondern eher die Situation, ein Label zu haben, auf dem man nicht der einzige ist und wo es eben darum geht, die Scheibe an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Darüber denken wir natürlich auch nach, aber wir gehen da anders ran. Eher so: Wenn wir selbst die Platte für gut halten, werden sich schon noch andere Leute finden, die das auch so sehen. Da geht es erst in zweiter Linie darum, wie kann man das alles verwerten. Zuallererst ist wichtig, dass es gut ist, was man da macht, oder man es dafür hält.

Ihr habt die alten Singles und Platten auch wiederveröffentlicht. Eine wichtige Sache, da die alten Sachen zum Teil ja auch für Schweinegeld über die Bucht gegangen sind. Wie wichtig war euch der Aspekt, selbst Kontrolle über die Outputs zu haben?

Jan: Eben das war der entscheidende Aspekt: die Kontrolle zu behalten. Nichts abzugeben, sondern alles so gut es geht in eigenen Händen zu halten. So können wir machen was wir wollen, niemand kann uns reinreden, drängeln oder sonstwas. Und es war uns wichtig, die alten Platten wieder zu vernünftigen Preisen verfügbar zu machen. Wie Du schon sagst, teilweise musste man da ja echt viel Geld für auf den Tresen legen. Das ist letztlich nicht in unserem Interesse, jeder oder jede Interessierte soll die Platten und die Musik kaufen können, und zwar nicht zu Discogs-Kursen.

Bei Euren Konzerten herrscht – vor allem auch seit der Reunion, aber eigentlich auch schon zuvor – eine sehr ausgelassene, positive Stimmung. Mich erinnert das immer ein wenig an frühere Leatherface-Shows: Nicht zu viele Leute, unterschiedliche Altersgruppen und die Leute trinken viel und singen ausgelassen mit. Wie nehmt ihr das auf der Bühne wahr?

Tobi: Genau so, und so gefällt es mir auch am besten: Wenn verschiedene Leute im richtigen Rahmen eine gute Zeit haben.

Jan: Ja das nehmen wir auch so wahr. Dass Du in diesem Zusammenhang Leatherface erwähnst freut und ehrt uns …

Ich wundere mich schon die letzten Jahre, dass duesenjaeger als Band ja auch so einen „Außenseiter-Status“ haben. Ihr habt viele Fans, die Konzerte sind überall voll, doch in Fanzines findet ihr wenig(er) statt? Ich habe immer das Gefühl, viele Bands beziehen sich auf euch, aber ähnlich wie Bands wie Leatherface füllt ihr nicht die Hallen, habt keine Seite-1-Story im Plastic Ox zu jeder neuen Platte [Anm. Mika: Ein Teil der Fragen entstanden schon vor der Veröffentlichung der Treibsand LP. Plastic Bomb und andere haben dann ja doch noch Interviews gemacht]. Nehmt ihr das auch so wahr? Woran liegt das, Eurer Meinung nach?

Tobi: Ich hab keine Ahnung. Das letzte Trust-Interview ist ja jetzt auch schon so circa 13 Jahre her. Dass wir die Hallen nicht füllen, finde ich überhaupt nicht schlimm, wir fühlen uns wohl in den kleinen und mittleren Läden. Und es ist auch nicht garantiert immer voll, das hängt schon auch noch davon ab, wo und mit wem wir spielen.

Jan: Das stimmt. Allerdings kommen in den letzten Jahren generell schon bedeutend mehr Leute zu den Shows als z.B. vor unserem Split. Wir haben es allerdings nie im großen Stil drauf angelegt zu „wachsen“. Wir machen, worauf wir Bock haben, alles andere lassen wir bleiben. Irgendwo habe ich neulich gelesen, wir seien „Osnabrücks bestgehütetes Geheimnis“, also sowas wie der ewige Geheimtipp quasi. Wie auch immer, es hat definitiv seine Vorteile und seinen Reiz, sich unterm Radar zu bewegen.

Das Gegenteil scheint ja unter anderen Bands stattzufinden. Ihr seid die Meister in Split-Singles veröffentlichen und Tobi taucht ja auch hin und wieder auf anderen Alben auf, z.B. Pascow oder Freiburg. Gibt es eine Band, mit der ihr unbedingt mal einen Tonträger teilen wollt? Und wo würdet ihr gerne mal Tobis Stimme hören oder Eure/n Gitarre / Bass / Schlagzeug?

Jan: Puh. Einfallen würden mir da ne Menge. Spilt-Singles sind echt super! Irgendwie ein schönes Statement, finde ich. Wer weiß, was sich da noch so ergibt in der Zukunft, vorstellen kann ich mir einiges (Maiden? Voivod? Napalm Death???) … wir sind für vieles offen.

Mittlerweile prägt ihr wahrscheinlich mehr Bands, als die Euch noch prägen. Dennoch werdet Ihr – meiner Meinung nach – musikalisch häufig in die Ecke EA80 und Rachut Bands Ecke gesteckt. Auf der einen Seite sind das ja Komplimente, aber es fühlt sich nicht komplett an. Von schnellen Hardcore-Songs über mit-singbaren Songs mit großartigen Refrains bis zu Portland-Gitarren kann man ja vieles bei Euch raushören. Wo seht ihr musikalisch Vorbilder? Wer und was hat Euch die letzten Jahre so richtig geflasht?

Tobi: Richtig geflasht haben mich vor allem Sachen, die man bei duesenjaeger überhaupt nicht raushören kann. Ich hör echt viel Musik und das würde hier den Rahmen sprengen, reicht aber von Extreme Metal zu Emo Revival, Americana, Post Punk, Indierock über Kraut wieder zurück zu Doom: Ich bin quasi jeden Tag von was anderem geflasht. Vorbilder zu benennen ist auch immer so eine Sache: DIY und Punk Rock sind halt wichtig, das geht ja zurück bis zu Dischord, wenn Du so willst. Oder Torpedo Moskau. Was oft unter den Tisch fällt in Reviews beim Einflüsse ermitteln sind halt die ganzen amerikanischen Sachen, Jawbreaker, Hüsker Dü, die sind schon immens wichtig bei uns. Eben so alte Sachen.

Jan: Deswegen finde ich es witzig, dass du in unserem Zusammenhang eben Leatherface erwähnt hast, die für uns ebenfalls sehr wichtig sind! Oder die Weakerthans. Oder Wipers, wie du schon sagst, klar, ich denke mal, das hört man hier und da auf der neuen Platte. D.I. und Adolescents, nicht wegzudenken!! Wie Tobi schon sagt, viel altes Ami-HC-Zeug hat uns direkt beeinflusst, aber sobald Tobi darüber singt, hat der Hörer bzw die Hörerin andere Assoziationen. Eben Angeschissen, Dackelblut oder EA80. Auch vollkommen zu Recht, weil die ebenso wichtig sind. Ansonsten geht es mir da ähnlich wie Tobi: Vieles was mich gerade flasht schlägt sich nicht in unserer Musik nieder, wie Swans oder PJ Harvey.

Du Honk“ war zu meiner Grundschulzeit eine Beleidigung, für jemanden, der nichts rafft. Ihr habt Euch selbst ja statt einer Turbojugend oder einem Jupiter Jones Street-Team keine eigene Honkarmee zusammen geschustert, sondern seid das als Band, oder? Was macht eine Honkarmee aus?

Tobi: Ja, genau, Honkarmee bezieht sich in erster Linie auf uns selber. Es gibt einfach viele Momente, in denen man merkt, dass man selber ein richtiger Idiot ist.

Wann war der letztmalige Moment, wo Du Dir wegen Dir selbst mit der flachen Hand vor den Kopp gehauen hast?

Tobi: Das wird jetzt ein bisschen peinlich. Ich hab einen Bekannten darum gebeten, mal in meinen Stereoanlagen-Verstärker zu gucken, weil eine Box immer ausgefallen ist und die Potis so gekratzt haben. Der ist Elektroniker und ich ein Idiot, was Technik angeht. Der hat sich der Sache dann angenommen (danke nochmal). Das wurde dann eine ziemliche Operation, ist so ein Toshiba-Ding von 1978, wo der Radiosuchlauf per Faden geregelt ist (!). Letztlich musste Daniel so viermal vorbeikommen und ganz am Ende hatte er den Verdacht, das Problem könnte an der linken Box liegen und nicht am Amp. Aufgemacht, reingeguckt, ein Kabel lose. „Ist die mal runtergefallen?“ „Äh, ja, wieso?“ Kabel drangelötet, fertig. Also ein riesiger Aufwand für nichts. Weil ich meinte: Klar liegt das an dem Verstärker, die Boxen sind tipptopp. Nicht.

Unter jedem Haus ein Keller, Du Schwein“, „Du siehst von draußen rein, hast selber keins, das sind die Häuser“ und andere Zeilen. Ihr habt relativ viel Reihenhausromantik in Euren Songs verpackt und Euch dann selbst als Außenseiter bzw. Außenstehende beschrieben. Ist das die typische Geschichte des „Jungen vom Land“?

Tobi: „Unter jedem Haus ein Keller Du Schwein, aber ja, ja, ist das etwa nicht schön?“ ist ein Tucholsky-Zitat aus Schloss Gripsholm. Ansonsten trifft es das, glaube ich: Vom Land sind wir alle. Häuser spielen da irgendwie eine Rolle. Ironischerweise wohne ich mittlerweile selbst in einem.

Jan: Ich auch, aber nicht in einem eigenen, so wie der feine Herr Neumann, haha. Mir ist das bisher noch gar nicht so aufgefallen, aber du hast Recht. Diese Sache mit den Häusern zieht sich durch viele Songs. Müsste ein Psychologe erklären.

In den Geborgenheitskontext passt auf dem neuen Album der Text zu „Tief“. Worin es darum geht dazu zu gehören, Ruhe zu haben, alles richtig zu machen, (D)eine Rolle richtig zu spielen und ein „normales Leben“ in der Masse der Gesellschaft zu führen. Würdet ihr das als Schutzmechanismus sehen, wenn die Kraft aus geht um sich zu wehren oder sich durchzusetzen? Was sind Eure Schutzmechanismen?

Tobi: Das ist eine mächtig gute Frage, die ich glaube ich nicht zufriedenstellend beantworten kann. Der grobe Hintergrund für den Text ist, dass wir alle vom Land kommen, und ich glaube, dass uns das deutlich mehr beeinflusst als wir im Alltag so merken, trotz jahrelangem in der Stadt wohnen. Mir fällt das z.B. auf, wenn ich hier in meiner neuen Siedlung mit den Nachbarn so gut zurechtkomme. Klar, ich weiß ja auch, wie man das macht, das hab ich gelernt. Das fühlt sich aber gar nicht an wie ein Schutzmechanismus. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich mich vor denen zu schützen habe. Trotz kruden Lebenslaufs passe ich hier gut rein, ohne mich verbiegen zu müssen. Ein Schutzmechanismus ist sicher, dass ich, wenn mir alles auf den Keks geht, runter gehe in den Keller, wo ich meine Ruhe habe. Das macht aber mein Nachbar vermutlich genauso, also das ist ja nichts Besonderes, hinter sich die Tür zu schließen. Abschotten, Kopfhörer auf, sowas.

Jan: Schwierige Frage. Ich find immer, der Text bezieht sich nicht nur auf das vermeintlich „normale“ Leben unter „normalen“ Menschen. Irgendwie spielt letztlich jeder seine bzw. ihre Rolle, in welchem Kontext auch immer, auch im subkulturellen. Man kann nicht vor sich selbst wegrennen. Warum auch?

Auf vielen Eurer alten Veröffentlichungen findet sich deutliche Konsumkritik. Tobi hat mal in einem alten Trust-Interview gesagt: „Die Texte sind subjektive Beobachtungen; wenn ich durch eine Innenstadt gehe, denke ich sofort: ‚Es ist ein Krieg‘, Konsumterror an jeder Ecke, der Dich anspringt, dem kannst Du Dich ja gar nicht mehr entziehen, es sei denn, Du gehst nicht hin“. Habt ihr jetzt, Jahre später einen Umgang damit gefunden? Gibt es für Euch Alternativen?

Tobi: Nein. Es ist alles nur noch schlimmer geworden. Und selbstverständlicher.

Jan: Sehe ich ähnlich. An der Situation hat sich letztendlich nichts geändert. Kapitalismus ist Kapitalismus geblieben. Und es ist erschreckend, wie unverblümt. Ich denke da zum Beispiel gerade an den Ausverkauf Griechenlands: Ok Leute, wer kriegt die Häfen, wer will die Airline, wer kauft dies, wer will das, wer bietet mehr? Schlimm. Es ist schwierig, einen Umgang damit zu finden. Wie kann man sich dem Allem entziehen? Gute Frage… You take part in creating this system. Alte Discharge-Weisheit und heute leider genauso wahr wie vor 35 Jahren.

In diesem Kontext passt, dass Ihr Euch immer mehr über Taten als über Worte politisch gezeigt habt: z.B. durch Unterstützung für ein AZ in Osnabrück oder dem Spielen in kleinen, linken, alternativen Läden. Gleichzeitig habt Ihr auch schon z.B. für Turbostaat in größeren Hallen eröffnet. Wo ist für Euch der Hauptunterschied?

Tobi: Der Unterschied ist in erster Linie die Dimension, also wie viele Leute kommen, wie viele Leute mit der „Produktion“ befasst sind. Da wir aber selten in größeren Hallen spielen, ist das eben die Ausnahme. Das kann man ja an einer Hand abzählen. Ist für uns immer spannend, das mal zu sehen, wie das läuft und macht auch Spaß, wir freuen uns, wenn wir da mal eingeladen werden, aber „zuhause ist es doch am Schönsten“.

Jan: Ich finde super zu sehen, dass duesenjaeger sowohl auf größeren Bühnen als auch in der Eckkneipe funktioniert. Es macht auch keinen Unterscheid. Die Songs zu spielen macht eh immer Spaß.

Treibsand ist dann aber doch noch mal explizit politischer geworden. Wieso texten duesenjaeger über den Klimawandel, ist Osnabrück betroffen?

Tobi: Das hat nix mit Osnabrück speziell zu tun, sondern damit, dass ich mir das als Kind nicht so richtig vorstellen konnte, dass das wirklich passiert und dass ich das noch mitbekommen würde. Ich bin mir da ziemlich sicher, dass ich persönlich mich innerhalb der nächsten 30 Jahre noch ganz schön umgucken werde, was das angeht. Und dann zu der Generation Müllwegwerfer und Atomstromnutzer gehöre, die fassungslos gefragt wird, warum sie denn nichts unternommen hätte.

Jan: Man könnte das Ganze bzw. den Text, auf den du dich beziehst, auch gar nicht so sehr nur auf den Klimawandel beziehen, sondern generell in einen größeren Rahmen stellen. Nämlich dass Missstände bekannt sind, einem völlig klar und bewusst sind, aber dann doch lieber zuhause bleibt und ne Serie schaut anstatt zur Demo gegen Repression und Polizeigewalt zu gehen. Mehr so, „ja klar ist das alles Scheiße, klar muss man was machen. Aber erstmal nen Kaffee.“ Davon können wir uns glaub ich alle nicht freisprechen, von dieser Bequemlichkeit und dem Ausblenden von Problemen, an deren Lösung man durchaus mitbauen könnte.

Da ist Wahres dran. Wenn Du sagst, Du konntest Dir das als Kind nicht wirklich vorstellen, wo würdest Du sagen, ist der größte Unterschied zu der Welt, wo Du klein warst? Wie sah die Welt aus?

Tobi: Einfacher. Weil übersichtlicher. Da gab es den Kalten Krieg, also den bösen Russen und den Ostblock und dann noch die drohende Nuklearkatastrophe und den Sauren Regen, der das Waldsterben verursacht hat. So weit, so schlecht. Mehr hab ich ja auch nicht mitgekriegt, das ist ja extrem subjektiv. Ich war aber sicher, dass der gesunde Menschenverstand sich durchsetzen würde, dass es klar ist, Kernkraftwerke müssen nach und nach ersetzt werden durch Wind- und Sonnenenergie, das ist ja viel zu gefährlich.

Als ich klein war, empfand ich das als Fakt. Und dann kommt Fukushima und ich guck in den Kalender und denke: häh? Oder: Um zu erkennen, dass rechte Politik gefährlich ist, da gehört ja nicht viel dazu, einmal „Die Welle“ und „Damals war es Friedrich“ lesen und gut ist. Und dann drehst Du Dich um und siehst überall diesen Schwachsinn, der wieder hochkommt: „Heimat“, „Sichere Grenzen“ usw. usf.. Ich kann nicht verstehen, wie erwachsene Menschen diesen einfachen Formeln auf den Leim gehen können. Fürchte aber, dass ich mich damit auseinandersetzen muss, ob ich da Bock drauf habe oder nicht. Als ich klein war, dachte ich, es würde in 2016 sowas geben wie eine Föderation der Menschen, so Science Fiction mäßig, die Menschen haben begriffen, dass sie zusammen arbeiten müssen, um den Planeten zu retten. Den Menschen ist der Planet aber scheißegal, unterm Strich.

Habt ihr das Gefühl etwas ändern zu können?

Tobi: Jein. Das hält sich tatsächlich in Grenzen.

Jan: Kommt drauf an wie du das meinst. Als Band mit unserer Musik und unseren Texten? Wahrscheinlich sind da die Grenzen tatsächlich recht eng gesteckt. Crass, die Dead Kennedys etc. haben sich daran aufgerieben, den großen Gegenentwurf zu propagieren. Irgendwas kann man sicherlich bewegen, indem man auf gewisse Dinge aufmerksam macht, irgendeinen Gedanken anregt, hier und da. Und was Positives bewirken, wer weiß… Vielleicht ist das dann auch alles nur fünf Minuten interessant bis zum nächsten Facebook-Post. Keine Ahnung. Schwierig. Aber lieber einen Missstand benennen als die Schnauze halten.

Ihr kritisiert ja auch diese Ja-Sage-Mentalität, „Wohlfühlen in der Masse“. Das passt natürlich zum einen zum gesamtgesellschaftlichen Kontext mit den Irren von PEGIDA etc. auf der Straße. Auf der anderen Seite ja auch vermehrt auf die eigene Szene. Die angesagte Band aus XY spielt in Hallen, die kleinen Shows haben es (wie schon immer) schwerer. Würdet ihr diese Parallelen auch sehen?

Jan: Nein eigentlich nicht. In dem Text von Horde geht es explizit um den allgemeinen Wahn von Pegida, AfD, Populismus etc. Wer auf welche Shows geht ist mir da eher egal, solange es keine Frei.Wild-Shows sind…

Die Empathielosigkeit empfinde ich ja als das Schlimmste im Umgang mit Pegida und Konsorten. Es gibt bei denen eine große Gleichgültigkeit. Ihr formuliert es ja als „Unglaublicher Menschenhass“ (Kehren vor Bekehrten). Haben für Euch die Geschehnisse im Jahr 2015 / 2016 dazu beigetragen, dass die Hutschnur geplatzt ist oder war der Hass vorher schon deutlich spürbar?

Tobi: Das war schon die Entwicklung der letzten Zeit. Ich muss allerdings betonen, dass es Pegida noch nicht gab, als ich den Text geschrieben habe, bzw. war mir die Bewegung noch nicht bekannt. Ich hatte bloß die dumpfe Ahnung, wir müssten uns mal ganz klar positionieren, was Nationalismus und Patriotismus angeht. Irgendwie hab ich mich da genötigt gefühlt, weil es ja mittlerweile nichts Besonderes mehr ist, auf Deutsch zu singen, die Charts sind voll davon, und ich hatte das Gefühl, ich muss das für mich völlig selbstverständliche nochmal genau auf den Punkt bringen, weil es eben nicht mehr selbstverständlich ist. Was an und für sich ja schon merkwürdig ist. Ich wollte halt ausschließen, dass jemand, für den Heimatliebe ganz wichtig ist, sich einbildet, wir wären da auf einem Level. Also: ich find‘ ja auch die Gegend schön, aus der ich komm, aber stolz kann ich da nicht drauf sein.

Jan: Man kann sich einfach nur fragen, ob man sich nicht im falschen Film befindet. Ich kann mich noch gut an die Zeit Anfang der 90er erinnern, an diesen Rechtsruck nach der sogenannten Wiedervereinigung, die Anschläge von Hoyerswerda, Solingen, Rostock und so weiter. Ich hab damals nicht glauben können, dass sowas passiert. Jetzt habe ich den Eindruck, dass die Situation noch viel, viel schlimmer ist, dass die Grundhaltung der meisten Menschen hier demgegenüber aber immer gleichgültiger wird. Menschen, die wirklich genug Scheiße erleben mussten, werden gedemütigt oder kriminalisiert anstatt Solidarität zu erfahren. Dann diese Partei, die sich für irgendeine Alternative hält, kriegt teilweise bis zu 25 Prozent der Stimmen im Rahmen demokratischer Wahlen?!

Eine Partei, aus deren Reihen die Forderung nach Schüssen auf geflüchtete Menschen zum „Grenzschutz“ kam? Was ist hier los??? Dann dieser ganze Endlich-darf-man-wieder-wer-sein-Fähnchen-raus-Irrsinn… Dann die zunehmende Vernetzung rechter Organisationen in Europa. Schon beängstigend. Ja, und wütend macht all das natürlich auch. Die Thematik ist allerdings nicht gänzlich neu in unseren Texten. Schrickdraat von der Leben Lieben Sterben 10″ behandelt dieses Thema bereits. Allerdings erschien es uns wie Tobi schon sagte diesmal dringlicher, uns zu positionieren.

Alles hört sich an, was wir früher schon gehört haben“ („Kreislauf“) bzw. „Du lebst in einem Heft, das ich schon gelesen habe“ (Tobi Kann) thematisiert die ewige Wiederholung bzw. auch das Gemecker: „Das gab es ja schon“. Seht ihr da als Band auch Herausforderungen, sich neu zu erfinden oder zumindest Sachen anders zu machen? Wenn ja, was?

Tobi: Ich finde die Frage echt schwer. Wenn andere Bands sich neu erfinden, wie z.B. Die Goldenen Zitronen das mal gemacht haben, bin ich grundsätzlich schwer beeindruckt, ich finde das gut. Ich bin aber auch großer Fan von Trademarks, davon, dass eine Band einen eigenen Sound definiert und im eng gesteckten Rahmen beibehält, ohne dass es langweilig wird, siehe Ramones, Motörhead, New Model Army, Descendents usw usf. Die Herausforderung, alles neu zu erfinden, empfinde ich jetzt eher nicht, aber natürlich bemühe ich mich darum, im Rahmen der Möglichkeiten variabel zu bleiben. Oft sage ich aber tatsächlich: „Ach, ich mach das einfach so wie immer.“ Haha.

Das ist ja ein sehr altes Thema. Neulich hatten wir diese Bad Religion Diskussion mit Carlo von Inner Conflict. Man kann eine Menge verschiedener Positionen dazu haben und ich ändere meine Meinung eher oft. Ich kann nicht sagen: „Man muss sich treu bleiben unbedingt und darf sich nicht entwickeln“, oder dem anderen Extrem zustimmen: „Man sollte sich möglichst nicht wiederholen“. Das kommt halt immer auf den Kontext an und auf meine Tagesform. Feste Prinzipien hab ich da eher nicht. „Kreislauf“ beschreibt da ganz alltägliche Eindrücke in allen möglichen Kontexten. Mir kommt oft was unter, wovon ich eine direkte Linie ziehen kann zu etwas anderem, was das Vorbild oder den Einfluss dafür darstellt. Nicht nur musikalisch, sondern bei allem Möglichen ganz allgemein. Neulich waren hohe Buffalo Plateau-Schuhe angeblich mal kurz wieder in z.B., wie 1992.

Der einzige Song, der auf eine gewisse Art und Weise „Mut“ macht oder eine positive Stimmung aufbaut, ist „Jauchetaucher“. Sozusagen, wenn man durch die Scheiße einmal durch ist, wird’s auch wieder besser. Würdet Ihr sagen, dass durch die Jauchetauchen ausweglos ist? Ist das die duesenjaeger-Variante zu sagen: „Hinter dem Horizont geht’s weiter, aber pass auf, dass Du geduscht bist!“?

Tobi: Das ist quasi ein Reminder für mich selbst: Probleme musst Du halt angehen, sonst wird es nicht besser. Ich neige dazu, Konflikten aus dem Weg zu gehen und Probleme auszusitzen. Das ist aber eine ziemlich dämliche Strategie, siehe Honk Armee.

Ihr wart alle in vielen Nebenprojekten aktiv, Jan bei der Grizzly Adams Band, Torben bei u.a. Anatol, Tobi bei Wires und seinem eigenen Soloprojekt. Das scheint alles ruhiger geworden zu sein. Liegt es am Alter und Zeitknappheit? Oder habt ihr noch 100derte weitere Projekte gerade in der Hinterhand?

Tobi: Ganz klar Zeitknappheit. Ich hab ne Zeitlang versucht, drei Bands nebeneinander laufen zu lassen, aber das ist, wenn die Bands nicht im gleichen Proberaum sind, echt utopisch geworden. Daher haben sich z.B. Pendikel schlussendlich aufgelöst, was schade war, aber wir haben das zeitlich nicht mehr auf die Reihe bekommen. Das Soloprojekt ist noch nicht ganz vom Tisch, aber da passiert auch nichts Nennenswertes. Ich bastel so für mich ein bisschen rum, mehr nicht.

Jan: Ich würde so vieles gern mal ausprobieren und alte Fäden weiterspinnen, aber leider ist die Zeit dafür einfach zu knapp bemessen. Selbst die Grizzlies sind schon kaum unter einen Hut zu bekommen, terminlich. Irre alles.

Ihr seid ja so etwas wie die Bremer Stadtmusikanten für Osnabrück, was ja ansonsten für wenig bekannt ist. Jetzt seid ihr aber gleichzeitig über Münster, Osnabrück, Braunschweig und Berlin verteilt. Was bedeutet das für euch mit Proben, Vertrieb von Musik, Ideenentwicklung, etc.?

Jan: Das macht die Situation nicht gerade leichter. Klar, man sollte meinen, in Zeiten von myspace und so (haha) sollte alles total easy laufen und Kommunikation per Mail, alles geil. Aber dem ist leider nicht so. Wir sind vier Bandmitglieder, dann zwei zusätzliche Menschen, die mit uns bei Grabeland involviert sind. Also gelegentlich sechs unterschiedliche Ansätze und Meinungen zu einer nebensächlichem Frage. Das alles dann per Mail zu kommunizieren oder zu moderieren ist echt eine Herausforderung! Probetermine zu finden wird schwieriger, habe ich das Gefühl. Deswegen kann es manchmal sein, dass wir wochenlang nicht proben. Das macht das Songwriting dann ebenfalls nicht einfacher …

Zum Abschluss noch ein paar kurze Fragen: Ihr seid eine Woche auf Tour in Deutschland und würdet auf dem Rückweg von der Tour an der Raststätte im Emsland Pascow treffen. Was würdet ihr tun?

Tobi: Ziemlich sicher was trinken. Vielleicht in Meppen vorbeischauen.

Jan: Das wäre auf jeden Fall ein ziemlich großes Hallo! Ja wahrscheinlich würden wir was trinken. Im Emsland gibt‘s glaub ich Appelkorn.

Auf dem Album von 2010 hatten Pascow einen Song namens „An die Maulwürfe“. In dem Song gibt es auch die Zeile: „Ich bin klar! Wohin geht’s? Die Nacht wird wohl noch länger.“ Daher sicherlich auch die berechtigte Frage an Alex von Pascow, wie seine Band reagieren würde, wenn sie auf dem Rückweg einer Tour an der Raststätte im Emsland duesenjaeger treffen.

Alex Pascow: Da Duesenjaeger die faulste Band des Universums ist, würden wir ihnen auf gar keinen Fall glauben, dass sie ebenfalls auf Tour waren. Alles andere würden wir für wahrscheinlicher halten. Ansonsten würden wir sicher davon sprechen, wie schön es doch wäre mal wieder ein paar gemeinsame Konzerte zu spielen, um dann festzustellen, dass es in diesem Lieben wohl nichts mehr werden wird [Anm. Mika: Er hat wirklich „Lieben“ geschrieben. Als Freud’scher Versprecher lasse ich das mal drin]. Aber weißt Du, gerade diese Tatsache und diese unerschütterliche Verweigerungshaltung, welche DUESENJAEGER schon seit jeher hatten, haben wir oft bewundert, manchmal belächelt aber immer geschätzt. Es ist wie mit einem guten Freund, den man viel zu selten sieht, sich aber den Arsch abfreut, wenn man sich dann doch mal über den Weg läuft. Und so bleiben DUESENJAEGER wohl immer ganz weit oben in unserem Buch der coolen Leute. Ob es ihnen gefällt oder nicht.

Wie würdet ihr reagieren, wenn duesenjaeger aus lokalen Gepflogenheiten das Trinken von Appelkorn vorschlagen würden?

Alex Pascow: Wahrscheinlich wäre nicht allzu viel Überredungskunst notwendig um uns zu verführen. Wir sind, ehrlich gesagt, manchmal sehr leicht zu haben. Und sollten wir dann doch verneinen, gäbe es da noch unseren Mercher Peter, der sicherlich direkt mit SEINEN lokalen Gepflogenheiten kontern würde. Käme es dazu, hoffe ich, dass wir nicht mehr an dieser Raststätte wären, da DUESENJAEGER diese in den kommenden 24 Stunden definitiv nicht mehr legal verlassen dürften. Und wenn wir gerade beim Thema sind. Wir hatten zusammen mit duesenjaeger mal das Vergnügen in Osnabrück Essacher Luft zu trinken. Das war so ziemlich das Widerwärtigste, was wir je im Mund hatten.

Aber springen wir zurück zum duesenjaeger-Interview: Was würdet ihr eher aufgeben, sich zu verlieben oder zu rauchen?

Jan: Nichtraucher! Bei der Frage bin ich also raus, haha.

Was ist Schrickdraad?

Tobi: Das ist niederländisch für Stacheldraht.

Jan: …und eine alte Band von Torben, das wollen wir nicht unterschlagen!

Was ist aus KONGA DIE WELTRAUMKATZE geworden?

Tobi: Gar nichts.

Jan: Noch nie gehört…?!

Tobi: So’n einmaliges Projekt. Wir haben einmal geprobt und alles, was geblieben ist, ist „Konga County“, ein Song, den ich dafür gerechnet hatte, deswegen heisst der so, der auf der Herr Neumann Soloplatte namens „träumt weiter“ gelandet ist schlussendlich (doch noch Werbung gemacht!)

Was wurde eigentlich aus Jimmy Eat Shit?

Tobi: Das ist ebenfalls im Müll gelandet.

Jan: Oh Mann… lange her. Guter Titel, mieser Song.

Ihr singt, „in der Hölle ein Applaus“. Jetzt ist es da unten / oben in der letzten Zeit doch recht voll geworden. Wem würdet ihr in der Hölle einen Applaus spenden?

Tobi: Na, wenn man schon da runter fährt, kann man doch auch gebührend empfangen werden.

Jan: Pig Champion!! Der hätte nen Applaus verdient.

Von wem würdet ihr Applaus erwarten?

Tobi: Von den ganzen Arschlöchern, die schon da sind.

Wenn Osnabrück dann doch von dem steigenden Meeresspiegel aufgewertet wird und ihr im Winter bei 40°C im Schatten auf dem Klappstuhl sitzt, welchen Cocktail haltet ihr in der Hand?

Tobi: Schätze, dass dann das Wasser knapp ist, also: keinen Cocktail.

Jan: Vielleicht haben wir mit Pascow noch ne Flasche Appelschluck retten können…

Danke für das Interview.

Interview: Mika Reckinnen

Diskographie:

2000 demo, tape

2001 Self/titled, 7“

2002 Lethargie und Ausverkauf, 7“

2004 Las Palmas, O.K., LP

2004 Kettensaege, 7“ (Beilage zum DiscoPS-Fanzine)

2006 Schimmern, LP

2008 Blindflug, MLP

2011 Split mit Captain Planet, 7“

2012 Leben, Lieben, Sterben, 10“

2013 Split mit Oiro, 7“

2014 Split mit Countdown To Armageddon, 7“

2016 Treibsand, LP

Homepage: http://duesenjaeger.blogspot.de/

Label: http://grabeland.blogspot.de/

Bandcamp: https://duesenjaeger.bandcamp.com/

Facebook: https://www.facebook.com/duesenjaegerselber

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