Mai 15th, 2019

DROPKICK MURPHYS (#77, 1999)

Posted in interview by Thorsten

Zugegeben es ist noch gar nicht so lange her, daß “boston´s finest” (naja…schon komisch das dürfte jetzt die 1.785 truppe sein, die so betitelt wird…) per interview im TRUST vertreten waren. Aber da mich beim anhören des neuen album doch das eine oder andere stirnrunzeln überkam und ich auch so ein paar fragen hatte, packte ich die gelegenheit beim haupthaar und griff mir kurz vor dem auftritt der dropkick murphys in schweinfurt drummer matt um ein wenig licht ins dunkel zu bringen.

Nach ein paar aufwärmfragen, die ihr wohl eh in anderen gazetten finden werdet, ging es allmählich zur sache:

Irgendwie war mir im zusammenhang mit al barrs wechsel zu d.m. gerüchteweise zu ohren gekommen, dieser hätte sich seine dienste recht ordentlich versilbern lassen. Konkret hieß es, er soll für´s proben so in der richtung von $ 200 und für auftritte $ 400 bekommen haben. So was darf natürlich nicht sein in hc-hausen (oder sind die eher aus punk-stadt??? Egal geldverdienen ist überall böse). Also das inquisitionswerkzeug ausgepackt und den delinquenten mit dem daunenkissen malträtiert. Aber statt um gnade für die verfehlung zu winseln, schaut er mich nur iritiert an und spricht:

“Nein tut mir leid… er war von anfang an ein reguläres mitglied der band, ohne bewährungszeit. Wir haben einmal geprobt und es war klar, daß al bei uns singen würde. ich hätte kein problem damit, so viel kohle zu bekommen, aber leider ist dem nicht so..”

Hmm, gibt eigentlich keinen grund ihm nicht zu glauben. Selbst wenn was dran gewesen wäre, was soll´s. Ich hätte es nur etwas peinlich gefunden, wenn ne band, die einen auf family und friends macht, sich dann nen sänger kauft…

Aber das war ja erst der anfang. Auf meinem zettelchen standen noch einige, viel brisantere fragen:

“Was hat es mit dem cover auf sich? das ist ja doch eher ungewöhnlich…” Vorsichtig formuliert; für alle die das kunstwerk nicht kennen, hier eine kleine beschreibung: mehrere soldaten stürmen mit entschlossenem blick und aufgepflanzten bajonett auf irgendwas zu. Über ihren köpfen wimmelt es nur so von bombern; der hintergrund ist in schwarz, rot und gelb gehalten. das teil erinnert stark an ein propaganda-bild marke “helden des krieges”…

“It´s cool! Naja, hmm….”

Aha, so ist das also‘ denke ich und relativiere: “Ich kenn es nur als schlechte fotokopie, aber ich hatte den eindruck es wäre recht militärisch.”

“Ja, da sind halt soldaten drauf und flugzeuge am himmel usw… uns hat das bild gefallen und so hielten wir es für eine gute idee, es als cover zu verwenden.”

Also doch nicht getäuscht… dumm nur, daß ich sowas nicht gerade cool finde. Naja, vielleicht hat man sich ja was dabei gedacht… “also hat es keine besondere bewandtnis damit aufsicht?”

“Wir sind amerikaner” (die erklärung, mit der hierzulande recht viel entschuldigt wird, allerdings war diese im vorliegenden fall wohl weniger als selbst erkenntnis oder gar selbstironie gemeint, wie der nachsatz zeigt), “das sind amerikanische soldaten. Wir dachten einfach es wäre ein cooles thema so als konzept und cover für das album, dieses militärische. Wir haben ja mit “the fighting 69th“ auch ein altes amerikanisches militärstück mit drauf. der stammt aus dem amerikanischen bürgerkrieg…. wir haben mehrere stücke die sich mit dem thema kämpfen beschäftigen. In “blood and whiskey” geht es um einen kerl der anfang dieses jahrhunderts in boston lebte. der typ war ein fighter. Auserdem gibt´s da noch “boston asphalt“ bei dem es um die boston asphalt company‘ geht, die während dem krieg aktiv war und auch recht gut dran verdient hat.”

“Steht ihr dann auf dieses ganze mitlitärzeug? Seid ihr gar militaristen?”

“Nein, eigentlich nicht wirklich. Naja, unser alter sänger war im golfkrieg oder konflikt oder als was sie das auch immer bezeichnen. Aber das war´s schon.”

‚Hmm, ist doch immer wieder schön, wenn man als interviewer so erschöpfende antworten kriegt….‘ Also weiter im protokoll…

“Urspünglich wollte ich fragen, um was es denn bei “the fighting 69th“genau geht, da ich keine texte hab und das mit dem raushören nicht so richtig funktioniert hat.” Auch jetzt, wo ich die cd in händen halte bin ich nicht schlauer, da die lyrics “classified“ sind… aber wie gesagt, es ist ein kriegslied und somit hab ich mich wenigstens nicht getäuscht…

Matt jedenfalls erzählt da erstmal was von ahnen und krieg, was aber a) unverständlich ist und b) auch nicht so richtig sinn macht, wobei u.u. a) für b) kausal sein kann… “das ist außerdem ein traditional von den Wolfetones, einer (irischen) folk band. it´s basicly how they went down and kicked some ass.” Jippie!! Was anderes fällt mir da echt nicht ein…

“Und worum geht´s im titelstück?” Die frage bot sich insofern an, da ja evtl. ein zusammenhang hinsichtlich des covers bestehen könnte. Wie gesagt, mittlerweile hatte ich die gelegenheit den text zu studieren und ich muss sagen das ganze könnte auch ne werbung für die army sein. Unter anderen voraussetzungen würde ich das stück als satire sehen, aber sowas würde ein gewisses maß an verstand voraussetzen… mittlerweile ist aber leider recht klar geworden, daß ich es hier nicht mit den größten leuchten vorm herrn zu tun hab…

“Das ist eigentlich ein amerikanischer ausdruck, the gang´s all here.., wenn deine ganze familie oder deine freunde oder so sich irgendwo versammeln. hey, the gang´s all here!‘“ dann wird mal wieder die bedeutung der familie und der freunde in der neighborhood erörtert. “Für uns sind freunde und familie sehr wichtig.”
“Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, da sich darum ja mehrere stücke drehen….” wenigstens mal was anderes…

Ok. Lassen wir das, da ist ja echt nichts mehr zu holen…‘ war aber auch net überraschend. Wenn man sich manche bands anschaut könnte man meinen denken tut weh… Naja, dann schau mer mal, was er sonst noch so zu erzählen hat.

“Boston hatte ja mal ne recht gute szene. gibt´s die noch, oder ist die änlich wie in NY und LA den bach runter gegangen?”
“Im moment ist die szene in boston fuckin´ great. Zum einen eben die ganzen großen bands, wie z.b. die bostones aber auch viele kleinere bands w.z.b. die duggy boys” (bei den folgenden bands übernehm ich keine gewähr für die richtigkeit der namen) “oder troubled. Die sind echt unglaublich. Wenn die spielen kommen die ganzen kids. the unseen, shokey showdowns, pink & the flugs… es gibt auch noch einige geile hc-bands, real hc-bands not this metalshitstuff. Nichts gegen metal an sich, aber dieses misch-masch ist scheisse… toxic narcotic sind auch klasse…”

“Gibt´s the freeze eigentlich noch?”
“Nein, die gibt´s nicht mehr…” Womit diese frage jetzt auch endlich geklärt ist…schade!!

“Also nicht wie in NY oder LA wo ja nichts mehr los sein soll” (jedenfalls jammern die leute immer rum…)
“Oh, in NY geht es gerade wieder ganz schön ab. Zwar weniger im hc bereich, aber es gibt ne ganze menge cooler punk und oi! bands da… sogar in LA gibt´s einige gute punkrockbands.”

“Letztes geiles konzert/ geile platte”
“templars/troubled”
So und zum schluß noch die berüchtigte gartenpartyfrage: “Du machst ne party und kannst dir 3 bands/musiker aussuchen, die dort spielen sollen. wer wäre das (es gehen auch tote musiker aund aufgelöste bands)?”
“Ac/dc mit bon scott; iron maiden mit paul di anno und eine mischung auch cockney rejects und den 4-skins… sagen wir cockney rejects.”

“Wieso geht ihr auf tour, wenn die neue scheibe erst noch erscheint? Wäre das nicht anders rum klüger?”
“Warum? warum nicht! naja, eigentlich sollte das nur eine uk-tour sein… das ganze ist auch ein test, da das das erste mal ist, daß wir als headliner touren.”
“Aus verkaufstechnischen gründen wäre es anders aber doch besser?”
“Yeah, that would make more sense… but we don´t make any sense, haha..”

“So das war´s, keine weiteren fragen… danke für das gespräch.”
“Ich habe zu danken…”
ich muß sagen, daß wirklich alle, mit denen ich wegen diesem interview zu tun hatte, sehr nett waren und sich viel mühe gegeben haben. aber leider hat sich mal mehr gezeigt, daß es in unserer „szene“ nicht wirklich zum standart gehört, zu denken. schade eigentlich…

Interview/Text: Sebastian Wiedemann

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