März 17th, 2007

DAWNCORE (#90, 10-2001)

Posted in interview by andreas

we are young…so we scream…just to feel alive

In Ungarn rockt es mächtig! DAWNCORE sind für mich persönlich eine DER Entdeckungen des Jahres! Die Budapester haben einfach Klasse und ihr metallisch verspielter und stark break-geprägter Stil bläst einfach alles weg. Als Orientierung möchte ich ausschlielich BOTCH nennen, denn die Ungarn fahren eine ähnlich noisig-brachiale Schiene; vielleicht aber noch eine Spur schneller. Das Quintett tourte bereits mit DRAGBODY und INDECISION; war mir zuvor aber nie zu Gehör gekommen.

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Ein kurzes Gespräch mit Shouter Balazs stimmte mich auf ihren ersten Berlin-Gig ein: “Wir bezeichnen uns selbst als Rock. Du versteht es, wenn Du unsere neue 7″ hörst oder uns live siehst. Wir kommen natürlich alle aus dem Hardcore und werden unsere Wurzeln auch nie vergessen; sehen uns momentan aber ein wenig ausserhalb der Szene. Natürlich spielen wir nach wie vor mit Hardcore-Bands, aber wir bezeichnen uns eben als Rock.”

Aha, das hilft eigentlich nur bedingt weiter, denn auf ein solch heftiges Bolz-Gewitter, wie ich es später am Abend erlebte, war ich durch diese Erklärung nicht vorbereitet. Vielmehr fühlte ich mich von diesem Rock wie weggeblasen und konnte nur noch staunen. Eben das war es wohl, als Felix (DISRESPECT) meinte, die Jungs seien gut!

Der Weg bis zur heutigen Brachialität war dennoch ein weiter: “Nun, DAWNCORE gründeten sich Ende 1994. Wir lebten im selben Viertel und hingen zusammen ab und da lag es nahe, eine Band zu gründen. Damals war es eher eine Mischung aus Grindcore und Death-Metal. Wir fingen einfach an, zu spielen und das war es dann. Nach einem Monat spielten wir unsere erste Show und die war sehr cool. Unser erstes Demo-Tape lag irgendwo zwischen alten NAPALM DEATH und AGNOSTIC FRONT; klang aber schlecht, da wir unsere Instrumente noch nicht spielen konnten. Wir entschieden uns dann, die Sache ernster zu nehmen, probten sehr viel und kauften uns bessere Ausrüstung. Die eigentliche Geburt von DAWNCORE datiert ins Jahr 1995 und zwei Jahre später erschien dann als besseres Demo `soulburner times.` Als im Sommer 1999 unser Drummer und Gitarrist wechselten, gab es DAWNCORE kurzzeitig nicht mehr, aber mit neuer Besetzung merkten wir schnell, was wir spielen wollen. Jetzt sind wir hier und haben eine MCD/10Inch `obedience is a slower form of death` auf Trottel Records/Shing Records veröffentlicht und auch eine ausverkaufte Split-7″ mit BURNING INSIDE. Vor kurzem erschien zudem auf Capeet unsere neue 7Inch `we are young…so we scream…just to feel alive` und auf Join The Team Player unsere brandneue `entertainment for the rest.`-MCD.“

Zwei Musiker der Band sind übrigens auch in NEWBORN aktiv, aber das nur am Rande. Der Bandname leitet sich aus dem ursprünglichen DOWNCORE ab. Die musikalische Umorientierung vom Grind zum Hardcore sollte eine Namensänderung dokumentieren und witziger Weise stellten die Jungs fest, da DAWNCORE einen viel grösseren Bezug zur eigenen Musik hat: “…morgens, wenn alles zu neuem Leben erwacht, erfährt alles neue Energie. Das ist sehr mächtig und wir versuchen als Band ebenso energiegeladen und mächtig zu sein.” …und das schaffen sie problemlos! Die Band ist ein Orkan, der Verwüstung und Staunen hinterlät.

Auch textlich setzen DAWNCORE diesen Anspruch fort: “Unsere Songs handeln ausschlielich vom Leben, denn wir selbst leben stets am Limit. Wenn sich ein Kid eine neue Platte kauft und diese zu Hause immer und immer wieder hört, hat das nichts mit Leben zu tun. Man hat schlielich Bekannte, Freundinnen; es gibt Bücher und um uns herum sind Pflanzen und Tiere. Es gibt Vieles, für das man sich neben Hardcore interessieren kann und dessen muss man sich bewut sein. Deshalb singe ich heute vor allem über mein Leben und das Leben im Allgemeinen. In unserem neuesten Song `playing enemy` fordern wir z.B., da jeder seine eigene Leidenschaft finden soll, in die man dann auch seine Energie stecken soll. Der Song richtet sich an alle, die irgendeiner Subkultur angehören und deshalb von der breiten Mae nicht akzeptiert und abgelehnt werden. Die Masse lebt ein monotones Leben ohne Leidenschaft und wir müssen begreifen, da es an uns selbst liegt, unsere Leidenschaft zu erkennen und unser Leben selbst zu gestalten.”

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http://www.dawncore.com

Interview/Text: Arne Kupetz

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