August 13th, 2019

DAN FANTE (#121, 2006)

Posted in interview by Jan

„The most important words in English Language are FUCK IT“ 

Dan Fante ist ein Schriftsteller aus Los Angeles, der ein wirklich fantastisches Buch namens „Chump Change“ geschrieben hat. Das Buch ist ein bisschen im Bukowski-Stil geschrieben, aber irgendwie nicht so „prollig“, klar, es geht um eine verkrachte Existenz in Los Angeles, klar, es geht um Drogen und ums saufen, aber ich finde, dass Buch ist doch sehr eigenständig und wirkt für mich authenthischer. Falls ihr also mal nach einer netten Lektüre sucht, kann ich euch das Buch nur ans Herz legen.

Nach dem ich noch ein bischen seine Biographie von der Homepage zitiere, geht’s dann auch los…“Dan Fante wurde geboren und aufgezogen in Los Angeles. Mit Zwanzig hat der die Schule geschmissen und sich auf die Reise gemacht, um dann für 12 Jahre Bewohner von New York zu werden. Fante hat eine Reihe von lausigen Jobs gemacht, u.a. Vertreter, Taxi Fahrer, Fensterputzer, Privatdetektiv, Parkplatzwächter, Manager eines Nachthotels, Dating Service Kraft. Er hofft, irgendwann eine dicke Kellnerin kennenzulernen und dass er das Mundharmonika spielen lernt.“ Nach seinem ersten Roman, „Chump Change“, hatte 1998 sein erstes Schauspiel, „Boiler Room“, Premiere im The Actors Art Theater in Los Angeles.

Lieber Dan Fante, schön, dass du im sonnigen Los Angeles Zeit für ein E-Mail-Interview hast, ich würde das Interview gerne mit dem Teil beginnen, den ich sonst normalerweise immer am Ende bringe, und zwar kurze Fragen, kurze Antworten, d.h. ich frage dich was und du gibt’s dazu nen knappen Kommentar. Ok, wie alt bist du?
Über 50.
Was sind drei Bücher, die aus uns einen besseren Menschen machen?
The Pawnbroker, Last Exit to Brooklyn, Chump Change.
Was liest du zur Zeit?
Das Buch Christopher von Allison Burnett.
Wo siehst du dich in 20 Jahren?
Immer noch am schreiben. Immer noch meine Familie und meine Frau missbrauchen.
Was ist der Sinn des Lebens für dich gerade jetzt?
So viele Ausgaben meines Buches unter die Leute bringen wie es geht, die verdammte Welt zu verändern, und die Denkweise der Menschen zu ändern.
Wie würdest du dich den TRUST-Lesern vorstellen?
Hi, mein Name ist Dan. Schnallt euch an eure Sessel fest, hier kommt eine Explosion von einem Roman.
Ok, danke für das. Ich kenne deinen Namen von deinem ersten Buch, „Chump Change“, kannst du eigentlich davon leben?
Das ist schon lustig in Amerika. Wenn du Leuten erzählst, dass du Schriftsteller bist, dann sagen sie immer direkt, „Oh ja ja, aber was machst du, um dir deinen Lebensunterhalt zu verdienen?“. Am 27.08.2006 wird die New York Times mein neues Buch „Short Dog“ besprechen. Dannach werde ich von dem Schreiben leben können und von Filmen und Theaterstücken.
Was denkst du, was dein Status in Amerika und Europa ist? Wie hat sich dein Buch verkauft?
„Chump Change“ wurde von jedem amerikanischem Verleger abgelehnt. Einige Jahre später wurde es dann in Frankreich veröffentlicht. Du kannst also sehen, ich bin ein grosser literarischer Erfolg in den USA.
Ich habe eigentlich dein Buch gekauft, weil es einen Song der Band Anal Cunt gibt mit dem gleichen Titel… was heisst der Ausdruck Chump Change noch mal gleich?
Wenn du in den USA einen Supermarktladen mit den Kartoffelchips oder deiner Zeitung verlässt und wenn der Mann draussen, der auf der Bordsteinkante sitzt und an seiner Falsche Wein nuckelt, dich nach einigen Pennies fragt…das Geld, was du ihm dann gibst, heisst Chump Change.
Würdest du sagen, das dein Buch eine Art leichtere Version von Bukowski ist? Magst du seine Bücher?
Es ist besser als Bukowski. Ehrlicher. Ich mag Hank’s Bücher sehr gerne, hauptsächlich seine Poesie. Ich kannte ihn ein bisschen und wir haben zusammen ein wenig abgehangen.
Ist „Chump Change“ eine Art Autobiographie? Ich erinnere mich an die Stelle, wo ein Mann betrunken nach Hause kommt, sich ins Bett legt, mit der Frau neben ihm Sex hat und wo er am nächsten Tag festellt, dass es nicht seine Frau war, sondern seine Tocher und er sich dannach in die Psychatrie einweisen lässt. Das Buch sollte eine Art Erinnerung an deinen Vater darstellen oder?
Genau, mein Vater (Anm: John Fante) starb als total unbekannter Schriftsteller. Ich habe „Chump Change“ geschrieben, damit die Leute wissen, wer er ist und seine Bücher lesen.
Du erwähntest, dass die New York Times dein neues Buch besprechen wird, Glückwunsch dazu! Bist du mit dem Buch zufrieden?
Eigentlich ist das alles sehr ironisch. Mein neues Buch „Short Dog“ ist mein hagerstes Buch, es hat die wenigsten Seiten von allen. Ich habe mich vorher nie an Kurzgeschichten versucht, so dass ich sehr zufrieden war, dass die New York Times es für eine Besprechung als würdig erachtet.
Worum gehts?
Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten… es geht darum, wie es ist, ein Taxifahrer in Los Angeles zu sein.
Wie viele Bücher hast du geschrieben? Wenn du zurück blickst, welches Buch magst du und welches nicht?
Ich habe insgesamt 6 Bücher geschrieben, aber ich denke, dass „Chump Change“ mein…also, mein „most kick-ass“ Buch ist.
Wie ist deine Atmosphäre, wenn du schreibst? Ist das Klischee wahr, so mit einer guten Flasche Wein und Kette rauchen?
Das ist totaler Bullshit. Kein Schriftsteller kann betrunken schreiben. Was er verfassen würde, wäre totaler Nonsense. Hemingway hat morgens geschrieben und sich nachmittags betrunken. Das ist eigentlich eine schöne Art zu leben bis… ja bis deine Leber wahrscheinlich aus deinem Rektum fällt.
In einem Interview mit dem „3 am“-Magazin wurdest du gefragt, wie du Los Angeles in einem Satz beschreiben würdest, deine Antwort war „es ist wie die Sammlung von Kinderpornos von Walt Disney zu entdecken“. Hört sich ein bisschen nach totaler Bullshit an… Auf der anderen Seite sind eine Menge Europäer fasziniert von dieser Stadt, man hat so viele Klischee-Vorstellungen von dieser Stadt im Kopf, die Hippie-Kultur, die Strände, all die Filme über Los Angeles.. woher kommt das eigentlich?
Seit 75 Jahren haben die Menschen so eine absurde Phantasie von Los Angeles und es ist genau das, eine Phantasie. In Wahrheit ist es eine grosse schmutzige Stadt mit schönen Stränden. Aber du musst ziemlich reich sein, um in den sauberern Teilen der Stadt leben zu können und du musst mit dem Verkehrsstau, dem „Stossstange an Stossstange-Verkehr“, umgehen können. Arm sein und in Los Angeles zu leben ist schlimmer als eine Geschlechtskrankheit zu haben.
Als ich die Stadt vor zwei Jahren besucht habe, weil es eine Art Traumstaft für mich ist, wo ich immer mal sein wollte, war ich wirklich völlig schockiert, im positiven wie im negativen Sinne. Einerseits scheint der Kontrast zwischen arm und reich sehr nahe beieinander zu liegen, du hast den Walk of fame, gehst dann zwei Minuten und bist an einer Bushaltestelle auf dem Sunset Boulevard, wo 10 Obdachlose rumstehen und wenn du den Sunst Boulevard hochfährst, den Strip überquerst, bist du in Beverly Hills, wo die ganz reichen Leute wohnen… dieser Eindruck war irgendwie, ich weiss nicht, ich habe den Eindruck, dass in europäischen Grossstädten der Kontrast zwischen arm und reich weiter auseinanderliegt. Auf der anderen Seite war es halt aber auch faszinierend, mit dem Bus von Hollywood nach Santa Monica zu fahren und durch alle die kleinen Stadtteile zu fahren, die wie eigene Städte wirkten… das jüdische Viertel, das persische, all dieser Kulturmix, dass war irgendwie sehr erfrischend. So, was sind die Vor- und die Nachteile dort zu leben?
35 % der Leute, die in Los Angeles leben, wurden nicht in Amerika geboren. Das bedeutet eine Summe von 4 Millionen Menschen. Die meisten von ihnen sind arm. Sag den Leuten, sie sollen NICHT nach Los Angeles ziehen. Bleib zu Hause, trink Wein, mach Kinder. Fuck L.A.
Wo wohnst du in der Stadt?
Ich habe immer in der Nähe des Ozeans gelebt. In Venice. Venice ist lustig, die Leute sind total durchgedreht.
Würdest du mit dem Randy Newman Song „I love LA“ übereinstimmen?
NNNNNNeeeeeeeeiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnn.
Wo wir schon bei Musik sind, hast du eine Verbindung zu Punk? Welche Musik magst du?
Blues. Blues. Blues. Ein wenig Tom Waits. Ein wenig Bob Seeger.
Oh, ich habe gehört, es war ein heisser Sommer in Californien?
Yeah, verdammt heiss.
Ok, ich bin mit meinen Fragen durch, hast du einen Gruss an die TRUST Leser?
Sag euren Lesern, dass sie aufhören sollen, so viel Dope zu rauchen und das sie sich einen verdammten Job suchen sollen….Nein, warte, sag´ ihnen das nicht, sag ihnen, dass die wichtigsten Wörter der englischen Sprache FUCK IT sind.

Interview: Jan Röhlk
Kontakt: www.danfante.net

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