April 3rd, 2019

CLUSTER BOMB UNIT (#152, 2012)

Posted in interview by Jan

„Stell Dir mal vor, in Deutschland wird ein Punkfestival unterbrochen, damit die Besucher in die Kirche gehen können haha …“
Interview mit CLUSTER BOMB UNIT

1989 gegründet, direkt kurz danach Tour mit Extreme Noise Terror durch Europa, yeah. Viel wurde veröffentlicht, und hier würde die Geschichte auch schon wieder enden, wenn nicht vor einigen Jahren der Film „PUNK IM DSCHUNGEL“ entstanden wäre.

Cluster Bomb Unit tourten zweimal durch Asien, der Film wurde als DVD veröffentlicht und plötzlich las man überall von dem Film, hier in Frankfurt gab es auch eine Lesung dazu und eine Diskussionsveranstaltung. Ich hatte den Eindruck, dass die Band längst überall durchgereicht wurde und das eine Trust-Interviewanfrage für die längst viel zu klein wäre… umso bizarrer dann vor einigen Wochen Anfang 2011 dann das Kennenlernen mit Schlagzeuger Oli und seiner Auskunft, dass KEINER die Band interviewt hatte bezüglich des Films, sondern alle nur etwas von dem Regisseur wissen wollte. Ich konnte es gar nicht glauben. Aber so ist es, deshalb nun dieses Interview, in dem es auch um die DVD geht, aber auch um alles andere, ihr wisst schon, Punk, HC, Metal, Käsespätzle.

Yo Oli, Hallo Cluster Bomb Unit (CBU), schön, dass ihr Bock auf das Interview habt. Oli, wir haben uns ja letzten Samstag in Würzburg bei dem TRIPTYKON-Konzert kennengelernt, wie fandest du es? Bin ja leider nach der Hälfte des Sets eingepennt, haha. Lag aber am Bier, nicht an dem großartigen Konzert. War Celtic Frost / Hellhammer für CBU eine wichtige Band oder ist es eher dein Metier?
Oliver: Ich würde jetzt nicht sagen, dass Hellhammer oder Celtic Frost einen großen Einfluss auf unsere Musik hatten. Aber natürlich waren Hellhammer damals quasi für mich eine der Wegbereiter, die mich dann Mitte der 80er in die Hardcore Szene brachten. Ich war immer auf der Suche nach extremeren Bands, da mich meine Lieblinge von Judas Priest mit Turbo im Regen stehen ließen haha. Da war ich echt durch mit Metal, und nachdem mir Hirax, Possessed, Slayer, Destruction, Exodus, Metallica, Venom und natürlich Hellhammer/C.F. irgendwann auch nicht mehr genügten, schaute ich mich auch öfters mal in der Punk- Abteilung im hiesigen Plattenladen um bzw. kam beim Tapetraden auch mal darauf Zeugs wie Inferno, Siege, Accüsed und dergleichen anzutesten. Das Ganze spielte sich in der Zeit zwischen 1984 – 1986 ab.

Ende 86 kam ich dann auch mal auf mein allererstes Punkkonzert in Filderstadt. Es waren Skeezicks, die für mich damals eine der ersten Deutschen Hardcorebands waren, die ich hörte. Das Ganze hat mich dann doch sehr geprägt, da ich damals Punk nur mit Iro und kaputten Klamotten assoziiert habe. Man hat sich dann ein Holzfällerhemd und Chucks zugelegt. Ich bin mir nicht sicher, ob das nur so ein Ding im Süden war, oder ob das im Norden auch so praktiziert wurde. Aber um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich fand TRYPTIKON grandios! Der Hellhammer Song hat auch richtig reingepasst, und ich war 90 Minuten einfach nur am Fistraisen und rumbangen haha … Allerdings hab ich auch schon mitbekommen, dass nicht alle das so sahen wie ich. Aber egal, was interessiert mich das Geschwätz der anderen? Ich hab letztens Tom Warrior auch mal kurz persönlich kennengelernt, und der hat sich als äußerst sympathischer Typ herausgestellt. Da hat man ja auch schon ganz andere Geschichten gehört. Man muss sich halt immer selbst überzeugen. Das wäre bei uns als Band wohl auch manchmal von Nöten.
Ihr habt vor kurzem in Horb mit MURDER DISCO X und CORROSIVE gespielt, wie war‘s?
Moritz: Ich fand´s gut. Wir waren gut, wie immer halt. die Schwarzwälder Kids entweder überfordert oder von eher unterkühltem Temperament. Im Publikum ging gaaar nix meiner Meinung nach.

Roland: Angesichts des etwas unterkühlten Publikums kam mir das Ganze eher wie ne öffentliche Probe vor, aber an sich war der Abend total lustig. Wir sehen uns alle nur selten und es gibt immer einiges zu erzählen und zu rezitieren, wenn mal wieder alle zusammen sind und nen Gig spielen.

Oliver: Eigentlich waren es MDX und eine lokale Band namens HUMAN WASTE. Chris und Tom von CORROSIVE waren aber auch anwesend, und Chris kam dann für einen Song bei MDX auf die Bühne und sang mit. Alles in allem war es ein relativ normales Konzert, wie es in Deutschland halt so üblich ist. Es stehen eine Handvoll Leute vor der Bühne, die brav klatschen, wenn sie merken, dass der Song vorbei ist. Wir spielten sogar als zweites und ließen HW die „Headlinerposition“ da erfahrungsgemäß die lokale Band alle ihre Kumpels mitbringt und wir nicht wollten, dass die gleich wieder abhauen – wäre nicht das erste Mal gewesen haha … so sieht’s leider schon die letzten paar Jahren aus … eine ganz große Ausnahme war der Gig davor, den wir in Stuttgart spielten.

Den haben wir just for fun mit MDX in der Bar von Moritz veranstaltet, die sich in einem Bahnwagon auf dem Nordbahnhofgelände befindet. Das „Wägele“. Da waren zwar auch nur ca. 50 Leute, aber die gingen total ab, was für Stuttgarter Verhältnisse schon sehr ungewöhnlich war. Dazu kam noch, dass bei uns wirklich alles schief ging. Ich hatte mein Schlagzeug nach gefühlten 10 Sekunden zertrümmert und es wurde so ziemlich jeder Song irgendwie verpatzt (okay, das passiert sonst meistens auch). Dadurch, dass alles sehr eng und klein war, standen alle direkt vor und neben uns. Es war einfach grandios und brachte dann doch Erinnerungen zurück, wie es früher mal war. Da waren Bands und Besucher eine Einheit. Das passiert hier sonst sehr selten.

Aber so etwas kann man nicht planen oder irgendwie reproduzieren. Entweder es passt oder halt nicht. In Horb war’s bei weitem nicht schlecht, aber irgendwie erwartet man von einem Hardcore-Gig dann doch etwas anderes. Rumstehen und Bier trinken kann man eigentlich auch in einer Kneipe. Und wir sind nun mal keine Band, die man sich gerne anhört oder anschaut. Da muss mitgemischt werden … haha.
Hatte Ralf / MDX und Chris / Corrosive ja schon fürs Trust interviewt, ihr seid die letzte Ü40 Band aus Süddeutschland, haha. Oder gibt‘s noch ältere Bands?
Oliver: In dem Laden in Horb hab ich ein Flyer für ein NORMAHL Konzert gesehen. Die sind mit Sicherheit noch um ein paar Jährchen älter als wir. Dann gibt’s noch ACCION MUTANTE (die gibt’s doch noch, oder?). Da spielen auch nicht mehr die jüngsten mit. haha … man muss aber auch sagen, dass noch nicht alle bei uns die 40 erreicht haben.

Roland: Ja, die 40 klopft aber selbst bei den jüngeren Mitgliedern an…schluchz!

Oliver: Ich glaub schon, dass wir in der Stuttgarter Gegend die am Längsten existierende Band sind. Viele hören ja zwischendrin mal auf und reformieren sich dann wieder und feiern 30 Jähriges Jubiläum oder was weiß ich. Dazu kommt noch, dass wir in all den Jahren auch einen recht übersichtlichen Personalwechsel hatten. Ursprünglich begannen wir als Trio, und alle Originalmitglieder waren bis ins Jahr 2000 quasi dabei. Lediglich an Gitarre und Gesang gab es zwischendrin mal ein paar Rotationen. Inzwischen spielen wir, bis auf den Gesang, wieder in der Besetzung wie schon 1996 bei der ersten US Tour.
Wieso heißt ihr eigentlich Cluster Bomb Unit, also Sprengbombe, ihr seid doch alles Pazifisten, nech?
Oliver: Haha … ja total harmlose Jungs und Mädel sind wir. Eigentlich nannten wir uns DECONTROL, aber da der Bezug zu DISCHARGE zu groß war und wir nicht als reine Kopie fungieren wollten, entschlossen wir uns zum Namenswechsel. Den fanden wir in einem Buch über den Vietnamkrieg. Eine Cluster Bomb Unit ist eine Anti-Personal-Bomb, was eine ziemlich gute Beschreibung für uns live ist.
Roland: Na sicher doch, aber der Name ist doch super…wenn man mal nen Saal leer spielen will, darf sich dann hinterher keiner beschweren…quasi mit Ansage!
Glückwunsch zu eurem 20 Jahre Jubiläum! Vielleicht habt ihr Lust, mal die Zeit zu beschreiben, als ihr damals die Band gegründet habt, da waren alle noch jung und schön und wohnten in WGs und alle dachten, es wird ewig so weitergehen, ha..Nee, aber, was waren eure Vorbilder, eure Intention? Wart ihr skateboardende Punker, Metaller? Oli, du hast ja zum Beispiel auf der Spermbirds-DVD die alten 80er Jahre Dinger im Juz Nagold gefilmt. Was war damals für ein Spirit, kann man das heute jungen Menschen erklären? Komm, „damals“, was war anders? Was war vielleicht auch nicht soo geil wie heute?
Oliver: Inzwischen sind es sogar 22 Jahre … Also Werner und ich waren definitiv Metaller. Ich glaub, das erste Mal sind wir uns bei der POSSESSED/VOIVOD Tour 1986 in der Rockfabrik Ludwigsburg über den Weg gelaufen. Im Gegensatz zu mir ist Werner inzwischen aber nicht mehr dem Metal verbunden. Damals war auch schon eine gewisse Umbruchstimmung bei uns. Wie schon Anfangs erwähnt, waren wir alle irgendwie auf der Suche nach extremerer Musik und wir haben auch fleißig beim Tapetraden mitgemischt. Da wuchs dann der Gedanke, einfach selber mal etwas zu machen. Als wir dann quasi gemeinsam in die Hardcore Szene abgerutscht sind, gab’s dann wohl die Initialzündung mit der ersten NAPALM DEATH Tour 1987.

Danach dachte wohl so ziemlich jeder, dass er eine Band gründen musste haha. Wir gründeten dann unsere erste Band namens FURIOUS RANKNESS, hatten aber als Vorbilder die damaligen Größen aus Japan im Hinterkopf: S.O.B., OUTO, DEATHSIDE, GAUZE, GISM, LIPCREAM, etc. Das Ganze sollte einfach sehr schnell sein. Leider konnte natürlich damals noch keiner ein Instrument spielen und somit hörte sich das alles nicht sehr „Japanisch“ an, da die Japaner schon immer sehr gut ihr Zeugs beherrschten und dabei sehr präzise waren. Es gab aber trotzdem ein paar Live-gigs mit EXTREME NOISE TERROR, GENERIC, SUBTERRANEAN KIDS etc. Wir versuchten auch manchmal uns irgendwie bei den Gigs kurzfristig aufs Billing zu platzieren, indem wir einfach auftauchten und erzählten, dass wir gerne spielen würden haha … ich glaub, bei nem SPERMBIRDS/SKEEZICKS-Gig auf nem Bauernhof spielten wir mal beim Soundcheck.

Das war damals schon alles sehr chaotisch, und ich möchte gar nicht wissen, wie sehr wir manchmal die „Älteren“ genervt haben. Kurz nachdem wir unsere Songs dann im Studio aufgenommen haben, woraus eine Split EP mit SEVEN MINUTES OF NAUSEA werden sollte, lösten wir uns auch schon wieder auf. Werner und ich besannen uns zu unserer Liebe zu altem Hardcore aus England, Finnland und Schweden und gründeten somit DECONTROL. Einflüsse waren neben Helden wie DISCHARGE, DOOM, E.N.T., RIISTETYT, VARUKERS, CRUDE S.S., SHITLICKERS, MOB 47 etc., aber auch immer noch die Japaner, allerdings mehr die krachige Seite wie CONFUSE, KURO, GAI … zu der Zeit gab es in Deutschland eigentlich so gut wie keine Band in diesem Stil. Wir wollten damals einfach eine etwas extremere Version von DISCHARGE bringen. Man muss bedenken, dass die zu der Zeit schon längst „Grave New World“ hinter sich hatten und somit Geschichte waren. Es gab auch noch keine Worte wie „Crust“ oder „D-Beat“, die den Musikstil klassifizierten.

Das alles kam erst ein paar Jahre später auf. Wir verstehen uns eigentlich auch nicht als Crust und schon gar nicht als Grind Band … das nur nebenbei … Ja, auf der SPERMBIRDS-DVD sind ein paar kurze Aufnahmen von mir drauf. Das war bei ihrer Recordrelease-Party zur „Something to Prove“-LP im Keller vom JUZ Nagold. Auch eines meiner ersten Konzerte, die ich überhaupt gefilmt habe. Man kann sich das heutzutage überhaupt nimmer vorstellen. 5.-DM Eintritt, und es gab noch obendrauf die „Get on the Stage“ EP dazu. In dem Keller hatte es wohl Platz für ca. 40 Leute, aber ich glaub, es waren letztendlich über 100 drin. Und das war kein „Biertrinkendenichwippmalmitverschränktenarmen-undkopfnickendmit“ Konzert.

Das war fucking 1987 (Englisch aussprechen, dann hört es sich besser an, haha) … und genau DAS sagt vieles über damals aus. Da wurden die Leute gestapelt. Da ging JEDER mit und ALLE waren komplett am Durchdrehen. Und es gab kein dämliches Kung Fu Gekicke wie es auch gerne heute gemacht wird. Das war quasi Good friendly violent fun! So etwas vergisst man sein Leben lang nicht. Und solche Konzerte sind heute und eigentlich auch schon die letzten 20 Jahre sehr rar! Und ganz ehrlich kann ich mich an nichts erinnern, was „damals“ nicht so geil war … das hört sich furchtbar an, und es gab mit Sicherheit auch irgendwas, das nicht gut war. Aber im Bezug auf Musik, Szene und die ganzen Leute war früher … ähem … alles besser!

Man hat auf so ziemlich jedem Gig im Süden die exakt gleichen Leute angetroffen. Die Konzerte waren definitiv besser. Es gab zwar weniger, aber dafür bessere Bands. Liegt vielleicht auch daran, dass alles irgendwie „neuer“ war. Und wir gehören ja schon zur 2. Generation an „Fans“ und eher zur 3. Generation an „Bands“. Man kann an meinen Videos auch ein bisschen den „Verfall“ sehen. Die Sachen von 87 – 89 waren viel intensiver als das spätere Zeug. Das ist sehr schwer in Worte zu fassen und die jüngeren denken wahrscheinlich auch nur: „Halt dei Gosch, Alter! Das was wir hier und jetzt machen ist viel cooler und besser!“ … wahrscheinlich waren wir damals auch so … und vielleicht haben sie auch Recht. Ich weiß es nicht!

Roland: Also mit Grind hat das ja mal gar nix zu tun, was wir da machen. Ich für meinen Teil war ein skateboardendes HC Kid. Da hab ich mich über AC/DC in der Grundschule und Berurièr Noir und den Dead Kennedys auf der Realschule hingearbeitet und bin dann bei den Spermbirds gelandet. Von da an war der Weg klar.
Oli, filmst du heute viel? Was waren die deiner Meinung eindrucksvollsten Konzerte-Dinger, die du im Punk-HC-Bereich gefilmt hast, du warst ja total aktiv von Ende der 80er bis Mitte der 90er?
Oliver: Ich film heute zwar auch noch, aber eher aus „beruflicher“ Sicht, da ich mich vor ein paar Jahren mit der Filmerei auch selbstständig gemacht habe. Heutzutage sind es aber fast nur Metal-Gigs und Festivals, die ich professionell filme. In den letzten Jahren hab ich viele DVDs und Clips für Metal Blade, Nuclear Blast und Century Media gemacht (da kommt’s mir zugute, dass die Bosse ja eigentlich auch aus der Punk/HC Ecke kommen und wir uns schon Ewigkeiten kennen). Bei den Punk-gigs gibt’s leider so gut wie nichts mehr, was mich reizen könnte zu filmen. Ich lass zwar manchmal eine Kamera mitlaufen, aber am Ende ist das halt nicht dasselbe, wie wenn man früher auf der Bühne stand und alles quasi hautnah gefilmt hat.

Da flogen einem dann auch mal die Diver ins Genick, oder man bekam eine Gitarre an den Kopf. Früher hat mich das auch immer ein bisschen genervt, dass ich gefilmt habe, da ich gerne auch im Publikum mitgemischt hätte. Aber ich dachte damals schon, dass es sicherlich irgendwann mal etwas Besonderes ist, wenn man 20 – 30 Jahre später dieses Konzert nochmal sehen kann. Natürlich ist das nicht bei allen Gigs so, aber da waren schon ein paar Besonderheiten dabei. Und es gab so gut wie niemanden außer mir, der da so viel gefilmt hatte. Lediglich die LÄRM Jungs hatten damals auch schon ihre „Defenite Choice“- Videocompilations und konnten da mithalten.

Ich hab mit denen auch viel getauscht, da sie nen Tick früher am Start waren und somit auch noch ein paar bessere Sachen hatten. Wie schon oben erwähnt waren mit Sicherheit die Gigs von 87 – 89 am beeindruckendsten. Zum ersten Mal NAPALM DEATH, HERESY, EXTREME NOISE TERROR, SPERMBIRDS, SKEEZICKS, RIPCORD etc. das hatte schon was. Und ich bin da auch stolz darauf, wenn ich heutzutage vieles davon auf YouTube wieder finde bzw. selber hoch lade und die comments dazu lese.
Bevor wir zu der DVD kommen, noch zwei kleine Fragen… Ihr kommt ja aus Schwabistan. Bitte hier einmal die wichtigste schwäbische Weisheit erzählen und: wer macht / wo gibt‘s die besten Käsespätzle und den besten Zwiebelrostbraten?
Moritz: Also die Mehrheit in der Band sind ja wohl Vegis. Deshalb erübrigt sich die Frage nach dem Rostbraten für mich. und die besten Kässpätzle mach auf jeden Fall ich. Ich bin ja gewissermaßen der Botschafter der Kässpätzle, da ich seit Jahren für jede Band die im Wägele spielt, immer nur Kässpätzle mit Salat koche. Die wurden auch schon weltweit von den Bands nach meinem Rezept nachgekocht.

Oliver: Schwäbische Weisheit? So etwas wie „Schaffa, schaffa, Heisle baua – ond ned no de Mädle schaua“? haha … Was die Kässpätzle anbelangt: auch wenn wir schon öfters im Wägele gespielt haben, wurden wir noch nie von Moritz bekocht, haha … das macht er wohl nur für fremde Bands. Und den besten Zwiebelrostbraten findet man eigentlich immer außerhalb von der Stadt in einem Landgasthof. Je kleiner der Laden, desto besser, am besten mit eigener Metzgerei! Da kann man fast nie etwas falsch machen. Ich liebe die Gutbürgerliche Küche und hab das Vegetarier-Dasein vor 15 Jahren auch wieder aufgegeben. Gibt bestimmt wieder Punk(te)abzug …

Roland: Oh, schwäbische Weisheiten gibt es wie Sand am Meer. Für jede Lebenslage eine, so wie bei den Simpsons, da gibt es auch für alles eine passende Folge. Meine liebste Weisheit ist wohl, „Wenns Ärschle brummt, ischs Herzle gsund“ Damit wären wir auch wieder beim Essen. Gegen gute Kässpätzle tausch ich jedes Fleisch ein, aber die vom Moritz hab ich noch gar nie probiert. Meine sind aber auch nicht übel, weil ich zum Mehl noch Grieß gebe, was den Spätzle mehr Biss gibt nach dem Kochen. Aber das nur so am Rande. Und die Zwiebeln müssen in ordentlich Margarine gebraten werden. Zum Zwiebelrostbraten: Ich würde es auch wie Oli halten und sagen, je kleiner der Laden desto besser.

Wenn die Oma noch selber in der Küche steht und kocht, dann kann fast nix schief gehen. Außerdem ist da noch halbwegs gewährleistet, dass man lokale Produkte auf den Teller bekommt und nicht grad die letzte hormongetränkte Sau oder Kuh aus der Ostblock Fleischfabrik. Über das Fleisch-essen oder nicht kann man sich ewig streiten, aber wenn man es tut, sollte man auf so was achten, find ich. Es gibt aber noch viele viele andere gute schwäbische Gerichte, die es wert sind, genannt zu werden. Ich sag nur Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle. Für Vegetarier allerdings schwierig.
Hab mich gar nicht getraut, euch nach einem Interview zu fragen, als der PUNK IM DSCHUNGEL Film raus kam, weil ich dachte, ihr seid schon bei Spiegel, FAZ, ARTE etc. gewesen… Jetzt hast du, Oli, erzählt, dass das zwar stimmt, aber nur auf den Regisseur Andreas Geiger zutrifft und NIEMAND mit CBU als Band gesprochen hatte… wie kann das sein, echt niemand? Ich fass es nicht, nicht mal Profane Existence? Im Plastic Bomb war ja ein Interview mit Andreas Geiger drin, ah stimmt, und auch nicht mit euch… War‘s also nur cool für den Regisseur und für euch gab‘s null Effekte? Wie ist Andreas noch mal gleich auf euch gekommen?
Oliver: Ja, das stimmt. Es gab NULL Anfragen an die Band direkt. Und man kann bestimmt nicht sagen, dass wir nicht für alle erreichbar waren. Das hat mich dann schon etwas gewundert, weil der allgemeine Tenor ja schon recht positiv war. Ich hab auch überhaupt keine Ahnung wie der Film im Ausland angekommen ist. Ich bin mir nicht mal sicher, ob wir überhaupt mal ein Interview im Profane Existance hatten (also auch vor dem Film) – wir waren Mitte der 90er mal im Maximum Rock’n’Roll drin, aber ich glaub, das war’s dann auch schon von den „großen“. Lustiger weise haben einzelne Leute uns dann auf „unseren“ Film angesprochen. Dabei ist das überhaupt nicht „unser“ Film. Wir sind lediglich ein Teil davon.

Die Positive sowie negative Kritik gilt einzig und allein Andi. Ich hab mir dann halt irgendwann gedacht, dass wir als Band einfach so nichtig sind, dass niemand von uns Notiz nimmt. Man muss dazu ja auch sagen, dass wir davor und auch danach nicht wirklich ein Following hier in Deutschland hatten bzw. haben. Andi ist ein guter langjähriger Freund von uns und hat davor mit mir schon bei „Metal auf dem Lande“ zusammen gearbeitet. Da kommt ja auch eine kleine Szene im CBU Proberaum vor. Obwohl ich damals mit dem Endprodukt auch nicht so zufrieden war, durfte er auf der ersten Südostasien Tour bei uns mitfahren. Er hat dann zwei Kollegen für Kamera und Ton mitgenommen und hat einfach mal drauflos gefilmt.

Da war noch nichts in Planung wegen Film oder so. Die wenigsten wissen überhaupt, dass der Film eigentlich aus zwei Touren besteht. Das war 2005 und 2006. Als er dann praktisch von den ganzen Eindrücken der ersten Tour „erschlagen“ wurde, formte er den Gedanken daraus einen Film zu machen und versuchte eine Produktionsfirma an Bord zu holen. Das gelang ihm dann auch und das ganze sollte dann sogar im ZDF ausgestrahlt werden.

Natürlich mussten dann noch Nachdrehs gemacht werden und wir bekamen nochmal die Chance, auf Tour zu gehen. Während die erste Tour komplett von uns selbst finanziert wurde (übrigens ALLE Touren von uns!), bekamen wir bei der zweiten Tour nach Südostasien die Kosten von der Produktionsfirma erstattet, was es für uns natürlich leichter machte. Aber trotzdem gingen wir dann auch auf der Tour wieder einen eigenen Weg und spielten einen Gig in Manila auf den Philippinen, den wir auch wieder selbst bezahlen mussten – da es kein Teil des Filmes war. Wir hatten unseren Freunden aus Manila nach der ersten Tour versprochen, dass wir es beim nächsten Mal auch zu ihnen schaffen! Und wir halten gerne unsere Versprechen!
Im Spiegel war ja ein langer Artikel zu dem Film und zu euch drin. Wie fandet ihr diesen Artikel, der ist doch eigentlich ganz süß, wobei er euch auch ein wenig als Deppen darstellt… Im Nachhinein: würdet ihr das Ganze noch mal machen oder nicht?
Oliver: Süß ist aber auch nicht gerade ein Kompliment, oder? Wir wären übrigens froh, wenn wir in Deutschland 100 Leute pro Gig ziehen würden haha … Das mit den „Deppen“ ist ein Stilmittel von Andi. Im Film kommen wir ja stellenweise auch so rüber. Er macht so etwas nicht mal böswillig, und wie man sieht, funktioniert es ja auch. Er spielt sehr gerne mit krassen Gegensätzen. Da gibt’s den Katzenstreichelnden Werner, die Altenpflegerin Julia, mich in der Firma meiner Eltern etc. und dann halt die Punks in Südostasien auf der anderen Seite.

Er nimmt gerne Momentaufnahmen und reißt sie aus dem Kontext, was im Film dann „lustig“ rüber kommen soll. Wie gesagt, gelingt es ihm dann auch für die Außenstehenden, und aus Sicht eines Filmemachers geb´ ich ihm da auch an manchen Stellen Recht. Ich selbst hätte es aber anders gemacht. Wir werden als alte Band dargestellt, die es nochmal am anderen Ende der Welt wissen will. „Punkrock-Vorruhestand“, „Rustikale Schwaben“, „Bandscheibenprobleme“ … das hört sich auf dem Papier nach einer guten und lustigen Story an. Und es gibt ja auch richtige Filme in dieser Richtung. Allerdings muss man bei uns bedenken, dass wir schon knapp 20 Jahre davor genau diese Musik nonstop machten und über 10 Jahre lang mit Leuten aus Südostasien in Kontakt waren.

Die Tour kam also alles andere als aus „heiterem Himmel“ und wir wurden auch nicht „aufgescheucht“! Wir waren und sind keine „Wochenendband“ die mal aus dem Alltag ausbrechen will. Wir haben ständig gespielt und Platten rausgebracht. Klaro wird das irgendwann mal weniger, aber deshalb hat sich unsere Einstellung diesbezüglich nicht geändert. Ich finde, der Film braucht uns nicht als „Clowns“, die in einem fremden Land planlos durch die Gegend stolperen. Es ist auch nicht so, dass wir überhaupt nicht wussten, was auf uns zukommt, da wir uns schon lange mit Südostasien und der Szene befasst hatten, bevor wir die Tour starteten. Ich war z.B. 2004 schon mal mit POWER OF IDEA & BATTLE OF DISARM dort unten auf einer kleinen Tour und hab mit den Leuten dort endlich mal persönlich Kontakt aufgenommen mit denen ich schon Jahrelang in E-Mail- oder Briefkontakt war.

So etwas passt natürlich in einen Film wie „Punk im Dschungel“ nicht richtig ins Konzept, weil es zu detailliert werden würde. Letztendlich wurde aber zur Unterhaltung meines Erachtens zu viel Verfälscht. Dass die Szene in Indonesien gigantisch groß ist, steht außer Frage, aber dass sich dort auch nicht nur coole Leute bewegen, sollte einem auch klar sein. Und es gibt bei denen auch viel mehr gegen das sie in Massen vorgehen können. Wir in Stuttgart haben hierfür „unser“ Bahnprojekt. Das hört sich im ersten Moment auch relativ banal an, wenn man im Gegensatz gegen die Mafia vorgehen oder verarmten Kindern helfen könnte. Übrigens war Julia, unsere Sängerin, auf der zweiten Tour im 6. Monat schwanger! Daher auch die live Szenen mit Marc, unserem alten Sänger, den wir vorsichtshalber mitnahmen, falls Julia nicht alle Gigs mitmachen könnte.

Das ist auch ein „offenes Geheimnis“, das im Film nicht zu Worte kommt. Oder, auf der ersten Tour war noch Kelly von DEFIANCE an der zweiten Gitarre (was man in einer Live Szene auch sieht). Er war da noch festes Mitglied bei CBU, weil er eine Zeit lang in Deutschland lebte. Von ihm wurde ALLES aus dem Film geschnitten, weil es für Andi zu kompliziert gewesen wäre das zu erklären. Wie gesagt, aus Filmemacher Sicht verständlich, aber Kelly ist darüber bis heute noch äußerst erbost und würde Andi bei einem Treffen dafür wahrscheinlich direkt in die Fresse hauen.

Wenn ich den Spiegel-Bericht am Erscheinungstag gesehen hätte, hätte ich vielleicht sogar Kontakt aufgenommen und ein „Moment mal“ eingeworfen. Aber wie so vieles fand ich den auch nur durch Zufall, wenn ich mal wieder Herrn Google befrage. Und ein paar Wochen danach war es dann auch nicht mehr relevant. Ob ich das Ganze nochmal mitmachen würde? Ziemlich sicher ja! Auch wenn ich mich wohl eher auf schriftliche Abmachungen stützen würde. Im Nachhinein überwiegt einfach die schöne Zeit, die wir hatten! Ich bin mir auch sicher, dass wir nochmal eine Tour schaffen … aber die filmen wir dann selbst haha!

Roland: Alles in allem ist der Film für Andi sicher ein Erfolg, da er für den „gemeinen“ Zuschauer des „kleinen Fernsehspiels“ sicher den einen oder anderen AHA-Effekt bereit hält und ganz gefällige Momente bietet. Es ist sicher kein Film für „Punks“ oder „Insider“ oder „Szenemenschen“. „Unser“ Film ist es ja nicht, so war es auch nicht geplant. Ich kann damit leben, dass wir als „Mittel zum Zweck“ dienen, die Art und Weise wie wir aber letztendlich dastehen ist meiner Meinung nach schon diskussionswürdig. Etwas mehr Zusammenarbeit zwischen Andi und uns hätte bei manchen Szenen, die es in den Film geschafft haben, sicher gut getan, aber na ja… es ist sein Film und gut. Dass so viele Szenen fehlen, die unserer Meinung nach besser in den Film gepasst hätten, zeigt nur, dass wir den nächsten Film besser selber machen. Auch wenn ich Oli beipflichten muss, dass wir ne tolle Zeit hatten!!!
Ein paar Szenen… das euer Schwäbisches mit Untertiteln gezeigt wurde oder, ja, Oli, deine Frau, wie sie die T-Shirts faltet, fand ich sehr mutig, das drinnen zu lassen, allgemein dieser uncoole Kontrast der schwäbischen Heimat und dem, was man sonst mit einer Crust-Grind Band assoziiert… oder waren das genau die Szenen, die ihr raus haben wolltet? Wie stark wart ihr an der Entscheidung, was in den Film kommt, überhaupt beteiligt?
Oliver: Was uns zum nächsten Punkt bringt. Im Vorfeld wurde uns 100%ig zugesichert, dass wir da Mitspracherecht beim Film hätten. Als wir nach dem ersten Screening dann ein paar Sachen angesprochen haben, mussten wir leider am Ende feststellen, dass NICHTS geändert wurde. z.B. die Szene mit meiner (inzwischen ex-) Frau und noch ein paar andere Dinge. Das mit den Untertiteln fand ich eigentlich nicht so schlimm … ich hab grad „Lemmy – The Movie“ angeschaut, und der wird auch manchmal untertitelt haha … so reden wir halt, und schließlich muss man die schöne Schwäbische Sprache auch in die Welt hinaustragen hehe. Naja, wie schon gesagt hätten wir gerne einiges anders gemacht. Aber letztendlich war es Andis Entscheidung die Dinge so zu belassen wie er sie ursprünglich schon drin hatte. Klaro hätten wir da wohl sicherlich mehr Stress machen können, aber dann wäre das Ding wohl nie erschienen und das wollten wir dann auch nicht – obwohl bei Werner bin ich mir da nicht so sicher, da er den Film bis heute nicht gesehen hat!

Roland: Das mit den Änderungen ist mir auch aufgestoßen, gehört aber letztendlich zum Recht des Filmemachers.

Oliver: Ich will den Film jetzt auch nicht im Nachhinein schlecht reden. Andi ist immer noch ein guter Freund von mir und wie gesagt, kann ich seine Beweggründe aus Filmemacherposition nachvollziehen! Fakt ist aber auch, dass wir den Film anders haben wollten. Mehr Fokus auf die Indonesische Szene und weniger Fokus auf uns als Privatperson. Letztendlich müssen wir uns alle zum kacken hinsetzen. Das muss man nicht gesehen haben. Manch einer mag sich darüber echauffieren, dass wir nur als Konsumgeile planlose Deutsche durchs Bild traben. Das liegt aber daran, dass die Szenen mit uns und den Einheimischen aufs kleinste reduziert wurden.

Und natürlich war auch nicht immer eine Kamera dabei, wenn wir nächtelang mit den Leuten dagesessen sind und über alles Mögliche quatschten. Passt dann auch nicht so richtig ins Gesamtkonzept, da man halt in 90 Minuten nicht ALLES von insgesamt 5 – 6 Wochen Tour reinpacken kann. Ich will jetzt aber auch nicht behaupten, dass wir für andere „besser“ weggekommen wären, wenn andere Szenen genommen worden wären. Hätte Wäre Wenn … Leute glauben uns durch den Film schon zu „kennen“ und beschäftigen sich nicht weiter damit.

Dadurch kommen bestimmte Vorurteile und Halbwahrheiten zum Vorschein, die wir selbst aber nicht mitbekommen, da uns seltenst jemand direkt anspricht. Wenn ich dann mal zufällig in Foren oder sonstigen modernen „Spielplätzen“ über solche Aussagen stoße, dann muss ich heute eher darüber schmunzeln. Wir können uns jedenfalls nicht überall erklären und haben auch nie vorgehabt „Everybody´s Darling“ zu sein. Diejenigen, die jetzt nichts von uns halten, werden auch zukünftig nichts von uns halten. Und 99% dieser Leute werden eh schon längst nimmer „hier“ sein, wenn wir immer noch rumlärmen.
Gab es eigentlich Neid „aus der Szene“, also dass ihr in dem Film dabei wart?
Oliver: Neid? Keine Ahnung … da müsstest Du wohl andere Bands fragen. Ich kann’s mir jedenfalls nicht vorstellen. Wieso sollte man denn darauf neidisch sein? Jede andere Band kann auch auf Tour gehen. Das ist nichts Besonderes. Viele denken vielleicht nach dem Film, dass es einfach wäre dort auf Tour zu gehen. Wir bekommen auch öfters mal Anfragen, wie man es am besten bewerkstelligt. Aber ich kann da kein Patentrezept nennen. Wir waren schon sehr lange mit den Leuten dort unten in Kontakt und die meinten auch, dass unser „Stellenwert“ in der Südostasiatischen Szene grundsätzlich darauf beruht, dass es uns schon so lange gibt, und dass wir uns nie geändert haben. Das hat sehr viel mit Respekt zu tun, den man auch nicht von heute auf morgen bekommt.

Da in Ländern wie Indonesien der Punk erst Anfang der 90er „gefunden“ wurde, waren wir eine der ersten extremen Bands, die die Leute zu Gehör bekamen. Das hab ich auf der Tour immer wieder mal gesagt bekommen. Natürlich gibt es heutzutage für die auch relevantere Bands, aber nachdem wir nie aufgehört haben, erinnern sich die Leute halt noch an uns. Dazu kommt auch noch, dass uns der Film ja überhaupt nicht „weiter“ gebracht hat. Das war auch nie die Intention dabei. Wir wollten einfach zeigen, dass es diese Szene gibt. Und ich behaupte mal, dass für den Großteil der Leute hier im Westen diese Tatsache auch nicht bewusst war. Klar waren wir nicht Kolumbus und haben einen versteckten „Punkkontinent“ gefunden.

Da waren auch schon andere westliche Bands vor uns dort. Aber im „großen Stil“ der Welt gezeigt, dass es so etwas noch gibt, haben wir mit dem Film schon – und das macht mich dann am Ende doch stolz darauf. Der Film hätte auch ohne uns funktioniert – aber wir wären ja blöd gewesen, wenn wir das ausgeschlagen hätten. Obwohl man auch sagen muss, dass der Film ohne uns nicht zustande gekommen wäre. Schließlich hat Andi eher von uns profitiert als wir von ihm. Wenn wir das alles „richtig“ geplant hätten, dann hätte man da sicherlich neidisch sein können. Wir haben uns da einiges durch die Lappen gehen lassen. Man hätte z.B. im Vorfeld schon mit einer Konzertagentur bzw. größeren Plattenfirma arbeiten können und genau zum Filmrelease eine Tour machen und eine Platte rausbringen (einfach während des Filmes einblenden!).

Das wäre sicherlich eingeschlagen wie eine Bombe. Da wir aber solche Planungen nie gemacht haben, gab’s halt die ersten 2 – 3 Tage immens viele Gästebucheinträge und positive Statements, aber im Endeffekt passierte sonst nichts. Wir spielen hier immer noch vor 50 Nasen und keine Sau interessiert’s, haha! Und ich glaub, das wird sich auch nie ändern, da wir als Band nie einen Masterplan hatten und einfach das tun, was wir halt schon von Anfang an machen.
Insgesamt erschien mir die Szene in Asien eher wie Anfang der 80er im Punk in Deutschland. Sehr stark auf Äußeres fokussiert… wahrscheinlich kommt dann da auch bald der Ami-HC und Punk spaltet sich in die Nietenkaiser und Stirnbandwixxer, haha. Ich meine, die Szene dort wird ja NUR als positiv dargestellt, das kann doch gar nicht in dem Ausmaß stimmen? Was war da vielleicht nicht soo geil oder wurde in dem Film eben nicht gezeigt?
Oliver: Wie schon oben erwähnt ist eine Szene nie komplett geil! Schon gar nicht in dieser Größe! Im Prinzip gibt’s die Abspaltungen jetzt schon. In Asien ist das generell sehr schwer und für Außenstehende manchmal überhaupt nicht nachvollziehbar. Da wir aber schon einiges aus Japan gewöhnt waren, ging das für uns in Südostasien auch einfacher. Es gibt eine SEHR große Diskrepanz zwischen der DIY Szene (der wir angehören) und allen anderen. Auf der ersten Tour in Kuala Lumpur, Malaysien gab es z.B. ein Konzert mit einer, sagen wir mal, Metalcore Band. Das wurde im Vorfeld schon heftigst diskutiert, ob wir da überhaupt mitspielen dürften. Ich hab dann irgendwann mal gesagt, dass es doch bei Punk um eine gewisse Art von Unity geht und dass wir doch im Prinzip alle dasselbe wollen. Der unterschiedliche Musikstil sollte dabei keine Rolle spielen.

Letztendlich waren bei dem Gig dann relativ wenig Zuschauer, und irgendwie war die Stimmung auch sehr seltsam. Einen Tag später spielten wir auch wieder in Kuala Lumpur einen Gig mit anderen Crust-Bands und da kamen gleich dreimal so viele Leute und alle waren super drauf. In Japan ist das ähnlich … da darf man die DIY Szene auch nicht mit den Klassiker Bands vermischen. Die sind da sehr strikt! Auf der zweiten Tour in Südostasien hätten wir erst einen Gig in Jakarta spielen sollen, der von der Zigarettenindustrie gesponsort gewesen wäre. Unsere Freunde haben uns dann darauf aufmerksam gemacht, dass dann niemand kommen wird – obwohl wir hierfür sogar Geld bekommen hätten. Dann hab ich das ganze wieder abgeblasen und habs meine Freunde machen lassen. Am Schluss waren dann 4000 Leute auf dem Platz und wir spielten quasi den Gig unseres Lebens.

Okay, Geld gab’s natürlich keins, aber das war uns eh egal, da die Tour ja generell von der Produktionsfirma bezahlt wurde. „Witzig“ ist auch, dass genau dieses Konzert Abends für eine Stunde unterbrochen wurde, weil alle zum Beten gehen mussten. Stell Dir mal vor, in Deutschland wird ein Punkfestival unterbrochen, damit die Besucher in die Kirche gehen können haha … Ein weiteres Ding in der DIY Szene war, dass manch einem nicht bewusst war, dass er für einen Film gefilmt wird, der später im Deutschen Nationalen TV gezeigt wird – obwohl wir das im Vorfeld überall geschrieben haben bzw. auch jedem gesagt haben. Da hatte der ein oder andere natürlich dann auch wieder etwas dagegen. Das ging dann aber meistens auch in Richtung Andi, und wir waren da zum Glück nicht direkt betroffen. Aber ist schon manchmal schwer außerhalb der DIY Strukturen zu „arbeiten“. Für uns ist das schon lange klar, aber Andi musste sich da teilweise arg umstellen.
Wir wechseln das Thema. Habt ihr eigentlich Freundschaften zu Bands, eventuell im Ausland? Hier zu PINK FLAMINGOS und M.V.D. aus Berlin, vermute ich… PF mal in Potsdam gesehen, großartig. Das sind ex-Sm 70 oder? Mitunter Voll Dicht gibt’s ja auch noch, oder?
Oliver: MVD heißt heute „Mitunter Voll Dicht“??? haha … die wechseln die Bedeutung wohl auch öfters. Mit denen haben wir sogar vor 2 Jahren rum nochmal zusammen gespielt. Das war mal wieder lustig. In den 90ern waren die Freundschaften sicherlich größer. PINK FLAMINGOS gibt’s ja leider auch nimmer. Mit denen und MVD hatten wir jedenfalls immer eine gute Zeit und hatten auch schon gegenseitig mit Gigs ausgeholfen. Letztes Jahr haben wir mit TRAGEDY gespielt … ein Teil von denen war auch bei HIS HEROES GONE dabei, die uns in Chicago 1996 supportet haben. Dann gibt’s noch unsere alte Freundschaft zu Englischen Bands wie E.N.T., DOOM, VARUKERS, NAPALM DEATH … ist jetzt nicht so, dass wir ständig mit irgendwelchen Bands abhängen, aber man kennt sich halt und trifft sich manchmal auf Touren. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich in der heutigen Metalszene weitaus mehr Freunde und Bekannte habe. Das liegt aber auch an meinem „Job“ mit der Filmerei.
Ihr wart auch in den 90er in USA auf Tour und spieltet ja auch in dem legendären MRR Plattenladen Epicenter in San Francisco. Das Flipside schrieb dazu: „CBU – live San Francisco „Epicenter“ 16.08.1996 … CLUSTER BOMB UNIT from Germany graced San Francisco with their pressence in mid-August. Totally amazing – I was really impressed with them. I had heard them before, and to tell you the truth, wasn´t impressed, but seeing them live changed all that. I am a real fan now and seeing them was just fucking awesome. They did a rad cover of „Rotten to the Core“ by RUDIMENTARY PENI and were just awesome. I can´t even describe it.“ Wie erinnert ihr euch an die Tour, über wen lief die? Kann man die USA Tour eventuell irgendwie mit der Asien-Erfahrung vergleichen, war’s geiler, schlechter, oder einfach nur total anders?
Oliver: Ah, das „Epicenter“ … das war wirklich geil. Leider wurde der Laden glaub kurz darauf geschlossen, weil ne Woche später GAUZE auf Tour waren, und das Publikum alles auseinandergenommen hat. Bei uns war sogar Pushead (ich hoffe, ich muss den jüngeren Lesern nicht erklären, wer das ist!?) anwesend, der nach eigenen Aussagen nur noch selten auf solchen Gigs erscheint. Aber wir waren zuvor auch schon mit ihm in Kontakt und er wollte eigentlich eine EP auf seinem Label rausbringen. Irgendwie hat’s dann nur zu einem Samplerbeitrag gereicht und die EP erschien dann später bei Havoc Records.

Pushead fand uns super, was natürlich einem Ritterschlag gleich kam, haha. Wir sind definitiv eine live Band. Das ist ein himmelweiter Unterschied zu dem, was wir im Studio machen. Allerdings ist das ein Geben und Nehmen zwischen uns und dem Publikum. Wenn das Publikum lahm ist und nur rumsitzt, dann wird der Gig auch langweilig – da können wir so gut spielen wie wir wollen. Jedenfalls, in den USA waren wir sogar zweimal. 1996 war die erste große Tour für uns. Die ging über 3 Wochen und wir sind alles mit nem Minivan gefahren. Am Anfang wurden wir ausgelacht, weil es unmöglich schien in der kurzen Zeit durch die ganzen Staaten zu touren.

Aber wir haben sie eines besseren belehrt haha. Die Tour wurde von unserem Kumpel Bryan von Wiggy Records organisiert. Den trafen wir ein Jahr zuvor auf der DEFIANCE Europa Tour, bei der er die Band als Fahrer begleitete. Insgesamt war’s grandios, wobei es zwischendurch natürlich auch die ein oder anderen Problemchen gab. USA kann man überhaupt nicht mit Asien vergleichen. Alleine die Menschen sind komplett anders und die Distanzen sind einfach nur furchtbar groß. Da muss man dann schon mal direkt nach dem Gig von der Bühne in Phoenix, AZ runter, damit man es innerhalb von 20 Stunden rum nonstop im Auto auch pünktlich auf den nächsten Gig in Austin, TX schafft.

In Asien ist man da einfach ins Flugzeug gestiegen und ist von Jakarta nach Bali geflogen – was von der Strecke her, gar nicht so weit wäre, wären die Straßenverhältnisse besser! Der Flug kostete lediglich 25 EUR pro Kopf. Da denkt man einfach nicht übers fahren nach. Ich weiß nicht, wie billig die Flüge in Amiland inzwischen sind – vielleicht ist das auch besser geworden. Bei der zweiten Tour waren wir nur eine Woche an der Ostküste. Das hat sich so ergeben, da wir fast alle gleichzeitig irgendwie Urlaub machten und uns zwischendurch für Gigs getroffen hatten. War also weniger eine gemeinsame Tour, sondern lediglich ein „Treffen“ haha. Insgesamt find ich Asien immer noch geiler, weil es einfach so komplett anders ist, als hier. USA kann man dann schon eher mit Europa vergleichen, und inzwischen sind sie dort glaub auch übersättigt.

Die Gigs zwischen den Küsten – wo nicht jede Band tourt – waren auf jeden Fall merklich besser. Ich würde trotzdem gerne mal wieder dort auf Tour gehen, aber das verschlingt so viel Geld, dass wir es uns schlicht und ergreifend nicht leisten könnten! In Asien kommt man mit viel weniger Geld aus, und kann sich dann auch mal zwischendurch ein Hotelzimmer leisten … huh, ein weiteres „Geheimnis“ gelüftet: wir schliefen nicht 5 Wochen lang auf dem Boden … und wieder geht ein „Punkbonus“ flöten, haha!

Roland: Die US Tour war natürlich schon was ganz besonderes. Das hat uns wirklich niemand zugetraut, dieses Pensum in der kurzen Zeit zu absolvieren. Aber wir haben es geschafft. Auf einem der ersten Konzerte im ABC NO RIO haben sich die Leute noch darüber amüsiert, als sie unseren Tourplan gesehen haben und ruck zuck standen wir wieder in New York haha…im Vergleich zu Asien war es natürlich was anderes. Kulturell gesehen vor allem. Von Amerika selbst haben wir auch leider nicht viel mitbekommen, da wir ja eigentlich nur im Auto saßen. Einige eindrückliche Momente haben wir aber auch dort mitgenommen.

Was allerdings auch Asien nicht schafft, war das Treffen mit Pushead. Das muss jedem, der auch nur das Geringste mit Hardcore oder Skateboarden zu tun hat, die Tränen in die Augen treiben. Gern denk ich aber auch an das Konzert bei No Hand Dan in der Wüste von Arizona zurück. Im Wohnzimmer eines UFO-Gläubigen, der seine Hände beim Rasenmähen verloren hat. Obskur aber ein spitzen Gig. Die ATOMKINDER, die damals auch gespielt haben, sind glaub heutzutage auch noch zu Gange.
Ihr wart auch noch in Japan und dort gab‘s einen Auftritt in Tokio mit BATTLE OF DISARM und POWER OF IDEA in dem Line-Up Oliver (Schlagzeug, Gesang), Hiroshi (Gitarre) und Masaki (Bass). Krass, wie kam das zustande? War‘s denn auch interessant? GISM getroffen, haha? Hab schon mehrere Bands aus BRD, die Japan waren gefragt, alle sagen es anders, deshalb jetzt hier: gibt es da diese Automaten, in denen man gebrauchte Slips von Schulmädchen ziehen kann? Und stimmt das, das die Leute ihre Anzugsklamotten von der Arbeit in Schließfächer ablegen können, dann in Punk-Montur dancen und nachher sich wieder umziehen?
Oliver: Den Gig, den Du da ansprichst, hab ich auf meiner Hochzeitsreise gespielt haha … und GISM spielten eine Woche nachdem wir wieder abgereist waren – Verdammte Axt! Haha Ich hab mir 1995 mit meiner damaligen Frau einen Trip nach Japan geleistet. Da das Geld natürlich knapp war, kamen wir bei meinem Kumpel Masaki von POWER OF IDEA unter. Der veranstaltet auch Gigs und so kam es dazu, dass wir unter dem Namen CBU in einem kleinen Club spielten. Wir hatten ja damals schon einen gewissen Status in der Szene durch unser Release auf dem Label von BATTLE OF DISARM Sänger Riyuji! Im März 2000 gingen wir dann aber auch auf eine „richtige“ Tour durch Japan, die auch von Masaki organisiert wurde.

Das mit den Anzugsklamotten und Schließfächer bzw. Slips kann ich so nicht bestätigen. Jedenfalls ist uns keiner untergekommen. Klar gab’s mal nen Anzugträger auf nem Gig, aber das war bestimmt nicht die Mehrheit. Die Gigs laufen dort aber auch anders ab als bei uns hier. Die finden immer recht früh statt und sind auch immer genauestens geplant. Es gibt dort ja keine besetzten Häuser oder dergleichen. Da wird dann meistens ne Disco angemietet und von 18 – 20 Uhr ein Konzert veranstaltet. Danach geht dann der normale Discobetrieb weiter. Kostet auch immer Unsummen an Geld. Bewundernswert, dass überhaupt noch jemand DIY Konzerte dort veranstaltet!
Überhaupt ist euer Status doch eher im Ausland anstatt in Deutschland höher, auch von den Interviewanfragen an euch aus Deutschland in den letzten 20 Jahren, richtig? Wieso ist das so? Erwarten die Leute, „die Szene“, in Deutschland von einer Crust-Grind-Band vielleicht mehr Szeneleute, mehr Polit-Menschen, mehr vegan oder so und im Ausland zählt einfach „nur“ die Mucke? Versteh mich nicht falsch, ihr habt ernste Texte und so weiter, aber seid doch nicht „die“ typische „Wir wohnen in der Köpi ey“ Band…Ihr unterscheidet euch ja schon alleine vom Alter von den anderen Grind Bands, war das früher was anderes oder haben einfach viele aufgehört und für die jungen Grinder seid ihr nicht mehr interessant, ihr nennt euch ja auch „Last Band standing„, haha?
Oliver: Ja, wir sind mit Sicherheit im Ausland besser anerkannt als hier in Deutschland. Der Prophet im eigenen Lande … haha … aber macht doch nichts. Dass wir für deutsche Verhältnisse zu wenig Punk-Credibility an den Tag legen, hat man uns schon öfters mal gesagt. Ich kann mich noch an Mitte 90er erinnern, als jemand nach dem Gig meinte: „Ihr könntet die größte Band in Deutschland werden, aber ihr seid nicht Punk genug!“ haha … Lustiger weise hat mich genau so etwas eigentlich zum Punk gebracht. Dieses nonkonforme, jeder kann machen was er will Ding … im Metal hat es mich zu der Zeit angekotzt, dass man eben NICHT machen konnte, was man wollte.

Es gab die ganzen Spaltereien zwischen Metaller, Thrasher, Poser, wasweißderherrgott noch … das ganze hatte keinen Zusammenhalt mehr. Da kam mir der Hardcoregedanke mit Unity und so grad recht. Alles machte mehr Sinn und ich fühlte mich viel wohler. Heutzutage ist das wieder genau andersrum. Die Metaller sind nicht mehr ganz so engstirnig und nehmen nicht alles Bierernst, aber die Punks fingen schon Anfang der 90er damit an alles umzukehren und Regeln aufzustellen! Dabei gab es für mich im Punk immer nur eine Regel und zwar, dass es KEINE gibt! Wie oben erwähnt verstehen wir uns eh nicht als „Crust“ Band. Wir sind ein Haufen total verschiedener Leute.

Auch wenn ich mal ne Nietenjacke anhabe, dann ist das eher, weils mir gefällt und nicht weil ich wegen der Band eine Art Uniform tragen muss. Die anderen ziehen halt das an, auf das sie Bock haben … dieses ganze Schwarz/Weiß Denken nervt doch nur noch. Ich kann mich auch an eine Plattenkritik zu unserer 10″ erinnern – kann man auch auf unserer Homepage nachlesen. Der Typ dachte, dass wir aus Berlin kommen (wahrscheinlich aufgrund unseres damaligen Labels), und schrieb eine Super Kritik zu der Platte. Damals gab’s aber noch nicht wirklich Fotos von uns – erst recht nicht auf unseren Releases. Und das Internet wie man es heute kennt, steckte noch in den Kinderschuhen! Ich glaub, wenn er uns gesehen hätte und dazu noch festgestellt, dass wir eigentlich ein paar Landeier waren, dann wäre die Kritik komplett anders verlaufen. Da fällt mir ein: gibt’s eigentlich irgendwelche Reviews von unseren Releases im Trust? Ich glaub, ich hab noch nie eins gesehen …

(Anmerkung Trust: Wir sind uns 100 % sicher, dass wir deshalb noch nie Cluster Bomb Unit Platten besprochen haben, weil die Labels uns nie Review Copies zugeschickt haben). Wie gesagt waren wir noch nie wirklich „groß“ in Deutschland. Und selbst im Ausland stehen andere Bands, die mehr nach dem Aussehen, was man von so einer Band erwartet, vor uns. Aber man muss auch sagen, dass wir die meisten Bands bisher auch überdauert haben. Also doch „Last Band Standing“, hehe! Felix Havoc (Code 13/Havoc Records) hat es auf seiner Website ganz gut auf den Punkt gebracht: „Cluster Bomb Unit is one of those bands that no one is on the fence about. Those who like this band are really into them, the intensity, power and brutality of it all. Everyone else, just doesn’t get it.“

Roland: Eigentlich find ich gerade das an uns spannend. Wenn man uns mal so nebeneinander aufstellt, sollte man nie meinen, dass das ne Band ist, die zudem noch solche Musik macht. Aber nur so funktioniert Punk meiner Meinung nach. Jeder kann mitmachen, der etwas zu sagen hat. Egal ob die Hose 5 oder keine Löcher hat. Abgesehen davon, was heißt es schon „Punk genug“ zu sein? Woran macht man das fest? Ein alter Freund von mir ist Briefträger und regt sich jedes Mal drüber auf, wenn er irgendwelchen Kids die einschlägig bekannten Mailorder Kataloge einwirft, in denen man von der Punkhose mit bereits aufgenähten Reißverschlüssen über die passenden Nietenhalsbänder bis hin zum Punk Schlüpfer alles bestellen kann.

Wenn die wüssten, dass ihnen einer die Post bringt, der schon seit 25 Jahren auf Konzerte geht und alle heißen Scheiben zu Hause stehen hat, würden sie das nicht glauben. Die Optik ist eben nicht alles. Textlich gesehen bewegen wir uns auf einer sehr persönlichen Ebene und jeder Text gibt etwas wieder, was uns Angst macht oder uns wütend macht. Es geht nicht nur um Krieg und zerfetzte Leichen und Schützengräben, wobei die schon angsteinflößend genug wären. Das liegt sicher auch an den verschiedenen Hintergründen der Mitglieder bzw. derjenigen die Texte schreiben.
Ihr habt unglaublich viel raus gebracht, was kannst du dem interessierten Nicht-Kenner von euch empfehlen, von dem Kram, den es noch gibt? Auf welches Release seid ihr am meisten stolz, für welches schämt ihr euch, haha?
Oliver: Schämen müssen wir uns für kein Release. Wir hatten in all den Jahren nie irgendeine komische Phase in der wir mal eine andere Musikrichtung versuchten – wie es gerne andere Bands machen, die sich „weiterentwickeln“ wollen. Ich würde mal sagen zu empfehlen wäre die „Fotografieren Verboten“ 10″ und die „Die Stationen von CBU“ LP aus Japan. Dann mal Viel Spaß bei der Suche. Da unsere Releases meistens im 1000er Bereich waren, gibt es von den alten Sachen nichts mehr. Speziell die Japan LP hab ich hier in Deutschland noch nie gesehen.

Roland: Meine Favoriten sind die 10“ und die „Realität“ 7“ Beide Scheiben sind von der „Produktion“ her sehr unterschiedlich, zaubern mir aber immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, weil sie einfach super sind. Toll ist auch die US Tour 7“, die ne tolle Live Seite hat. Die Songs wurden im Fireside Bowling Centre in Chicago aufgenommen. Ein super Konzert. Schämen müssen wir uns wirklich für nix!
Was macht ihr eigentlich sonst so von montags bis freitags?
Oliver: Schnaufa dass ma ed verschdiggt! Noch so eine Weisheit, haha … also ich bin, wie gesagt, mit Videofilmerei und Schnitt beschäftigt und arbeite noch zwei Tage die Woche in der Firma meiner Eltern (was ich die 20 Jahre zuvor ganztags gemacht habe). Wenn also jemand das hier liest und einen Kameramann benötigt bzw. einen Gig gefilmt haben will, dann bitte vertrauensvoll an mich wenden … www.visions-in-fear.de. Dazu hab ich noch zwei Kinder aus meiner Ehe, die normalerweise jedes zweite Wochenende hier sind: Luke und Leia, man sieht sie auch am Ende vom Film, wie ich ihnen Geschenke mitbringe. Wie unpunk. Geschenke für die Kinder – diese Konsumterroristen…das schreib ich sofort in meinen Blog … muahaha!

Roland: Ich arbeite als Erzieher in einer Behindertenwohngruppe.

Oliver: Julia ist Altenpflegerin, Moritz arbeitet mal hier mal da und hat (oder hatte) noch seine bereits oben genannte Bar, das Wägele, am Stuttgarter Nordbahnhofsgelände. Werner beschäftigt sich mit Katzen, Filme, Serien, Dokumentationen und Gitarren.
Kennt ihr eigentlich das Trust noch von früher, die alten Bands aus dem Umfeld wie Human Error bzw. Inferno ja schon, oder?
Oliver: Klaro kennen wir das Trust schon seit den Anfangstagen unserer Hardcorezeit. HUMAN ERROR haben wir mal als Support bei einer von uns organisierten Show mit NAPALM DEATH in Burladingen dabei gehabt. INFERNO hab ich leider nur einmal gesehen und später ist mir davon auch noch das Videotape abhandengekommen. Das war nämlich auch so eine meiner ersten Lieblingsbands in Sachen Hardcore. Die „Tod & Wahnsinn“ hör ich auch heute noch öfters an! Vor ein paar Wochen hab ich Tomasso mal wieder getroffen. Ist schon Interessant, was aus den Leuten so alles wird. Das war echt ein sehr nettes Treffen. Ansonsten sieht man ja die „alten“ Recken eher weniger. Ich hab schon seit Ewigkeiten nimmer Leute wie Armin (X-Mist) oder Margit (We Bite) gesehen. Liegt vielleicht auch daran, dass wir uns auf unterschiedlichen Gigs tummeln!
Am Ende noch kurze Fragen, kurze Antworten… HERESY oder HE RESY I HOL DI MIT DEM TRAKTOR AB?
Oliver: HERESY waren und werden immer die Macht sein! Wer sie jemals live gesehen hat, weiß warum!
CIRCLE JERKS oder BLACK FLAG?
Oliver: BLACK FLAG … da gab’s die größere Hitdichte … Sixpack!!!

Roland: Black Flag, aber ohne Henry Rollins bitte!!!
DIE ERSTEN VIER METALLICA oder DIE ERSTEN VIER METALLICA?
Oliver: Die ersten beiden METALLICA und die ersten vier MANOWAR! Haha.

Roland: Wegen mir alles außer „Load/Reload“
AC/DC oder KISS?
Oliver: Man merkt, dass Du kein Metaller bist. Die ultimative Frage wäre nämlich MAIDEN oder PRIEST gewesen haha, da wäre meine Antwort PRIEST. Hier ist meine Antwort: KISS!!! KISS waren für mich der Auslöser für Musik überhaupt. Ich kann mich zwar noch an Mitte 70 erinnern, als ich BAY CITY ROLLERS Fan war, aber als ich 1977 KISS Alive 2 zu Weihnachten bekommen habe, war’s um mich geschehen!

Roland: Ganz ehrlich? AC/DC! Da geht’s mir so ähnlich wie dem Oli mit Kiss. Beim Onkel Joachim immer „Back in Black“ aus dem Plattenschrank gezogen. Mit 8 oder 9 glaubt man das ja kaum, dass es so was gibt. Obwohl Kiss dem in nichts nach stehen. Aber wer will schon gern in die „Kuss Armee“?? Haha
Danke für das Interview, hoffentlich schafft ihr es mal bis nach Norddeutschland, also Frankfurt am Main, haha. Habt ihr noch einen Gruß an unsere Leser?
Oliver: Frankfurt am Main? Das ist ja schon Südschweden für uns haha … aber yo, wir haben zu danken. Vielleicht wurde jetzt auch mal einiges geklärt, was manche Leute vorher nicht wußten oder es einfach niemand interessierte! Wir werden jedenfalls weitermachen und euch mit unserem Krach auf die Nerven gehen, damit alle wissen, wie wann wo warum, schaut ab und an mal auf facebook.com/clusterbombunit oder (falls es bis dahin überhaupt noch existiert) myspace.com/clusterbombunit oder ganz einfach clusterbombunit.com (für die Social Networks Ablehner).

Kontakt: clusterbombunit.com
Interview: Jan Röhlk

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