Februar 5th, 2019

CAMPARY RECORDS (#67, 1997)

Posted in interview by Thorsten

Eigentlich geht uns doch wirklich gut, oder? Wir haben doch alles, was wir brauchen! Oder etwa nicht? Die HOSEN und die ÄRZTE erobern hin und wieder die Charts, und obwohl Anfang der 80er Jahre CRASS „Punk Is Dead“ gröhlten, wurde das Wort „CA$H“ seit langem auch im PUNK absolut gesellschaftsfähig! Ich weiß, das sind jetzt absolut keine Neuigkeiten, aber DAS DENKT MAN!
Daß es aber auch noch anders geht, beweisen eine handvoll Rebellen, sprich kleine Punklabels, die den Gedanken von damals noch nicht vergessen haben! Dazu gehört auch das Düsseldorfer Campary-Label. Seit nunmehr 10 Jahren wird auf dem Label Punkrock veröffentlicht, und die Campary-Mailorder schickt uns auf Wunsch die richtige Mucke zu absolut fairen Preisen auch noch ins Haus.
Dieses Jubiläum war Grund genug für mich bei Armin Campary nachzufragen, ob da auch wirklich alles mit rechten Dingen zugeht…

Wenn wir einmal 10 Jahre zurückblicken, was war der eigentliche Grund das Campary-Label zu gründen? Und wie sehen diese Gründe heute aus?
Armin: Alles fing mit der Veröffentlichung der ersten SCHWARZEN SCHAFE 7″, mit dem Titel ‚1989‘, an. Ich wollte dieses Vinyl einfach selbst herausbringen. Deshalb gründete ich Campary-Records. Das war im Dezember 1987. Heute ist dies eigentlich nicht anders. Durch die Arbeit mit dem Label habe ich den Eindruck kommunikativ zu sein. Es geht mir in erster Linie darum, Bands, die Christian und mir gefallen, die Hilfe und zugleich die Möglichkeit zu geben, etwas zu veröffentlichen. – Ja, Christian und ich. Seit etwa 5 Jahren arbeiten wir bei Campary zusammen. Auch wenn immer nur meine Anschrift auf Flyern und Anzeigen steht, teilen wir uns Arbeit und Produktionskosten. Jeder von uns beiden macht das, was er am besten kann. Christian kümmert sich sehr viel um Werbung und Promotion. Ich widme mich dem Vertrieb der Tonträger und der Betreuung der Bands. Campary Records will guten Bands helfen, durch Veröffentlichungen hier in Deutschland etwas bekannter zu werden, damit dann auch bei Konzerten etwas mehr Leute kommen.

Was waren die Höhe- und Tiefpunkte in den 10 Jahren Campary, und warum?
Zu den Highlights in 10 Jahren Campary zählen sicherlich die beiden OI POLLOI Releases. Es gehörte schon immer zu meinen Träumen mit OI POLLOI zu arbeiten! Besonders freue ich mich auch über die Veröffentlichungen mit BUS STATION LOONIES, TERMINUS und NAKED AGGRESSION. Das sind alles sehr nette Leute, die irgendwie den D.I.Y. / Punk Spirit nicht vergessen haben. Es macht einfach sehr viel Spaß, mit solchen Bands zu arbeiten. Sie verstehen, daß Campary ein D.I.Y.-Label ist. Auf die begrenzten finanziellen Mittel brauche ich wohl nicht hinzuweisen… Das haben auch Bands wie INFERNO, GODLESS, SOULSTORM, EROTISCHER STUHLGANG, DIE SCHWARZEN SCHAFE, A.O.B., MACHINE GUN ETIQUETTE und JUGGLING JUGULARS verstanden. Auch Tiefpunkte gab es einige in diesen 10 Jahren. An erster Stelle steht dabei der Rip-Off von einigen Vertrieben im In- und Ausland. Um keine schmutzige Wäsche zu waschen, lasse ich an dieser Stelle die Namen weg. (Anm. d. Red.: Schade, denn diesen Ferkeln gehört in den Arsch getreten!) Ich sage nur eines. Gewaltig angekotzt haben mich ein großes Label (und Vertrieb) aus Süddeutschland, sowie diverse Abzieher in Spanien, Finnland und Belgien! Auch Bands wie KLAMYDIA und MONKEYS WITH TOOLS sind bestimmt nicht mehr mein Ding.

Eure Labelpolitik?
Wir machen alles im D.I.Y.-Verfahren, ohne jegliche Hilfe von irgendwelchen Großvertrieben. Wir werden die Kommunikation pflegen, und wir werden noch so einiges an Vinyl herausbringen. Keine CDs mehr! Wir wollen auch nicht vom Label, oder von unserem Vertrieb leben, denn dann müßte man ja Geschäftsmann sein, was eine Gleichstellung mit den Kommerzunternehmen bedeuten würde. Wenn die Unkosten für die Herstellung von Tonträgern, Bands und Werbung gedeckt sind, dann ist das ok für uns. Und wenn ein kleiner Gewinn bleibt, dann planen wir damit unser nächstes Projekt.

Wie sieht Campary’s Zukunft aus?
Diesen Monat (Dezember 1997) erscheint eine split 10″ mit MACHINE GUN ETIQUETTE aus Schottland und den JUGGLING JUGULARS aus Finnland. Beide Bands haben sehr viel zu sagen, und sie haben den Geist des Punk nicht vergessen. Im Frühjahr 1998 erscheint dann endlich die schon lang erwartete BUS STATION LOONIES 10″. Die BUS STATION LOONIES sind eine der größten englischen Hoffnungen in Sachen Punk. Sie bestechen vor allem durch ihren super-guten Sänger, der außerdem ein 1a Entertainer ist. Punk mit sehr vielen 77er Einflüssen. Übrigens, MACHINE GUN ETIQUETTE aus Glasgow sind sehr von 1982 beeinflußt. Sie erinnern an viele gute englische Bands aus dieser Zeit! Für 1998 sind dann auch noch zwei bis drei Veröffentlichungen alter deutscher Bands geplant. Natürlich alle limitiert und zu sehr günstigen Preisen, in 500er oder 1000er Auflagen, nicht mehr.

DIE SCHWARZEN SCHAFE, Du bist nicht nur deren Sänger, sondern auch Gründungsmitglied, Reuionator und vieles mehr. Weshalb die Konstanz beim Label, und nicht bei der Band?
Das ist ganz einfach zu erklären. Bei Campary kann ich alles selbst machen, bei den SCHWARZEN SCHAFEN nicht. Bei den SCHWARZEN SCHAFEN sind wir ein Team, und wenn einer aus diesem Team ausfällt, dann bleiben die anderen auf der Stecke. Wir hatten in den letzten 12 Jahren des öfteren Schlagzeuger-Probleme. Dies führte Anfang 1995 auch zur kurzzeitigen Trennung der Band. Ich bin sehr froh, daß wir mittlerweile wieder eine hervorragende Besetzung zusammen haben. Daß wir menschlich so gut zusammen passen, spiegelt sich auch voll in unseren Tätigkeiten wieder. Wir sind so aktiv, wie nie zuvor. Wir haben gerade eine neue 10″ / CD auf Impact herausgebracht. (Anm. d. Red.: siehe Reviews in diesem Heft!) Im Frühjahr ’98 erscheint dann nochmals eine 10″ der SCHWARZEN SCHAFE. Wir werden durch England und Deutschland touren, und Ende 1998 soll dann eine komplette SCHAFE LP erscheinen. Trotz allem hat sich bis heute nichts daran geändert, daß bei den SCHWARZEN SCHAFEN in erster Linie Text und Aussage steht, und dann erst die Musik. Wir schreiben auch weiterhin über unsere persönlichen Dinge, und wir schreiben Liebeslieder. Die Liebe in unseren Herzen hat auch heute noch den gleichen Stellenwert wie die Politik in unseren Köpfen!!! STAY PUNK!!!

Interview: Howie Hlava

CAMPARY-Discograpie 1987-1997
CR001 Die Schwarzen Schafe – ‚1989‘ EP
CR002 D.S.S. – ‚Reagan On Speed‘ EP
CR003 Erotischer Stuhlgang – ‚Synisitis‘ EP
CR004 repress INFERNO – ‚Son Of God‘ EP
CR005 V/A – Screaming For A Better Future I LP
(Verdun, Momido 7, Attanas, Beam Me Up Scotty, Gnä Gnä, Scarecrow, Upside, FFF, Rubbergun, Das Breetels)
CR006 Scarecrow – ‚Same‘ EP
CR007 Momido 7 – ‚Lifestyle Disease‘ LP
CR008 D.S.S. – ‚Julia‘ EP
CR009 D.S.S. – ‚Lange Nicht Genug‘ EP
CR010 V/A – Screaming For A Better Future II LP
(Refugees, Broken Toys, Momido 7, D.S.S., Monkeys With Tools, Inferno, Scarecrow, Bottled, Klamydia, Life Cycle, So Much Hate, Beyond That Weeds, Obnoxious, Crucial Youth, Screaming Foetus)
CR011 Monkeys With Tools – ‚Same‘ EP
CR012 Momido 7 / SS 20 – ‚Split‘ EP
CR013 Inferno – ‚Die Allerletzte’* EP
CR014 Klamydia – ‚I Really Hate You‘ EP
CR015 The Loud – ‚Same‘ EP
CR016 Soulstorm – ‚Same’* LP/CD
CR017 Screaming For A Better Future III LP
(Stickfarm, D.S.S., Juggling Jugulars, Rats Of Usual Size, Verdun, Momido 7, Earth Citizen, Infezione, Terminus, Internal Autonomie, Mushroom Attack, Scraps, Warshington, Youth Gone Mad)
CR018 D.S.S. – ‚Civitas Dei …‘ EP
CR019 Momido 7 – ‚R.I.P.‘ EP
CR020 TERMINUS – ‚Into The Flames‘ EP
CR021 Dr. & The Crippens – ‚Live Hearts‘ CD
CR022 Youth Gone Mad – ‚Same‘ EP
CR023 repress Oi Polloi – ‚Resist The …‘ EP
CR024 Oi Polloi – ‚Fight Back‘ LP
CR025 Naked Aggression – ‚Right Now‘ EP
CR026 Terminus – ‚News From Nowhere‘ EP
CR027 Godless – ‚Same‘ EP
CR028 Bus Station Loonies – ‚Same‘ EP
CR029 Anger Of Bacterians – ‚Multinationals‘ EP
CR030 M.G.Etiquette / Juggling Jugulars split 10″
CR031 Bus Station Loonies 10″
* in Zusammenarbeit mit RISE & FALL

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