September 17th, 2018

BRAID (#75, 1999)

Posted in interview by Jan

nun, macht es wirklich sinn interviews mit bands aus dem gefühlsduseligen ”college-emo” bereich zu führen? allzuhäufig hat dies bereits im totalen nichts geendet, 2-3 ver­schenkte seiten fanzine. viel arbeit für ein resultat welches mit langweilig noch recht milde umschrieben ist. das ist insbesondere dann reichlich bitter, wenn man den musikali­schen output der band gerade RICHTIG feiert. naja, wollen wir mal sehen in welche richtung der zeiger bei der chicagoer band braid aus­schlägt…. macht sinn, macht keinen, macht sinn, macht keinen, macht sinn, macht keinen, macht sinn, macht keinen, macht sinn….

die band

chris (22) gitarre & gesang

bob (23) gitarre & gesang

damon (22) drums

todd (26) baß.

kramen wir zuerst einmal ein bißchen in der vergangenheit…

bob: wir haben vor 5 jahren in champaign-urbana angefangen. das ist eine college stadt 2 ½ stunden südlich von chicago. ich komme aus chicago wo ich während meiner schulzeit todd kennengelernt habe. chris, der gerade das grimmige gesicht für dich macht, kommt auch aus chicago. aber wie gesagt, champaign, dort wo die university of illinois ist, haben wir beschlossen eine band zu gründen, weil keiner von uns wirklich auf schule stand. das war vor 5 jahren. ich lebe heute wieder in chicago, chris ebenfalls. unser drummer lebt in milwaukee und todd ist immer noch in champaign. das ist 5 stunden voneinander entfernt. aber da wir so viel touren ist es schon ok, daß wir so weit auseinander wohnen. ja, und dies ist unsere 2. europa tour.

da selbst nach mehrfachem konsum ver­schiedener produkte des hauses braid nicht so recht klar ist, ob es sich geschmacklich eher um DC dischord (gray matter) oder 90´s college flavour handelt wird um aufklärung gebeten.

bob: wir sind alle mit DC rock großgeworden. ich meine, wir haben eine menge verschiedene sachen gehört. aber das hatte schon den größ­ten einfluß auf uns.

chris: das ist DER gemeinsame nenner, der uns alle verbindet. alle in der band sind sich einig was die dc szene angeht.

bob: naja, aber wir leben nunmal in den neunzigern und können auch nichts daran ändern, daß uns die dinge die wir heute hören und mögen ebenfalls beeinflussen. ob das nun punk oder jazz oder was auch immer ist, möglicherweise sogar ein buch. wie auch immer, ich würde schon sagen, daß unsere sachen im kern sehr dc beeinflußt sind. das haben wir damals eben viel gehört, genauso wie kalifornia punk rock.

chris: aber auch chicago bands wie naked raygun und so. bands mit denen wir ebenfalls groß geworden sind. du kannst da im grunde jede beliebige punk rock band aus chicago oder dc oder kalifornien nehmen, die wir viel gehört haben. ganz klar, daß all dies mit in deine eigene musik einfließt.

bob: und wenn es nicht die musik war, was uns an den bands gefiel, waren es ihre prinzi­pien und ihre arbeitsweise. wie sie touren organisiert haben, shows selbst gebucht haben. das waren keine rockstars, du konntest mit ihnen reden. real people, you know. zu sol­chen shows in chicago zu gehen, machte uns natürlich heiß darauf eine eigene band zu gründen. also nicht nur der sound, sondern auch die einstellung dahinter.

der interviewer fragt sich, ob sich wohl ein schönes leben führen läßt vom musizieren?

bob: wir müssen alle nebenher arbeiten. ich arbeite hier und da mit computern und so zeugs. chris ist gerade erst wieder nach chi­cago gezogen und hat noch keinen job. aber er kümmert sich darum. damon arbeitet in einer bäckerei, weil er so auf den ganzen süßkram steht. und todd arbeitet in einem plattenladen. wir kommen gerade an den punkt wo wir unsere miete durch die band bezahlen können. aber wir brauchen schon noch diese anderen jobs, um überhaupt etwas zu essen zu haben.

da möchte der fragemaxe doch wissen ob man sich wohl vorstellen könne irgendwann einmal ganz von der band zu leben?

bob: klar, das wäre große klasse wenn ich keinen job mehr machen müßte und mich ganz auf die band konzentrieren könnte. mir ist auch klar, daß ich mal an einen punkt im leben komme wo ich einen festen job haben muß. aber wenn es im augenblick mit der band gut läuft, habe ich doch kein problem damit dies full time zu tun und davon zu leben. warum auch nicht, das ist doch genau das was ich am liebsten tue. und überhaupt, ich meine hey, wir sind in europa. und das ist schon mehr als ich mir jemals erhofft hatte.

kommen wir nun zu dem punkt, der eine wirkliche überraschung bieten könnte. man stelle sich nur mal vor, braid wären eine band, die neben ihrem musikalischen output auch noch etwas zu sagen hätte, inhalte transportieren würde, eine message hätte…

bob: da ist so etwas wie eine message, aber es ist eine sehr persönliche. ich meine, all die texte, die wir schreiben, sind sehr persönlich. handeln alle von erfahrungen die wir im tägli­chen leben gemacht haben, dingen, die wir gesehen haben. für ganz bestimmte leute ist hier und dort vielleicht eine message. ich denke schon, daß sehr viele politische themen wichtig sind. aber wir sind da nicht die richti­ge band für.

chris: wir sind nicht wirklich eine politische band. vielleicht ein bißchen, aber nicht so eine „gegen das system“ band. wie bob schon sagte, dreht es sich um persönliche dinge. ich schrei­be z.B. viel über beziehungen, dinge die auf tour passieren. das sind alles so sachen, die ich mir so von der seele schreiben kann.

naja, es war ja auch nicht zu erwarten, daß braid die zweiten boy sets fire sind, die während ihrer shows zwischen den songs reden und reden und reden und reden und reden. nachdem von bob und chris durchaus nicht bestritten wird, daß braid eher eine band ist, die auf die bühne geht, ihr persön­liches zeugs spielt und dabei eine menge spaß hat, macht es wirklich keinen sinn sie weiter mit nervigen fragen zu bombardieren. dabei würde eh nur das oben schon erwähn­te supernichts herauskommen. alternativ zu wenig spannenden interviewfragen ver­suchen wir es deshalb einmal mit einem….

POLL ´98

band des jahres

chris besteht auf van pelt, obwohl diese sich bereits 97 aufgelöst haben, wie bob anmerkt. chris ist das mal reichlich egal, denn …their album fucking rules. bob sagt burning airlines. der pollmaster hingegen weiß, daß dieser titel exklusiv hot water music gebührt, so sieht´s nämlich aus.

peinlichste band des jahres

die beiden pollen wollen sich des masters lautstarker forderung nach nennung der stones nicht anschließen und kommen mit so bands wie serge oder airsupply daher. wobei chris noch anmerkt, daß braid immer dann die peinlichste band seien wenn bob rede.

song des jahres

beide sind der meinung it´s not tubthumping. jemand schreit aus dem hintergrund es sei frozen von madonna, womit er zumindest des pollmasters sympathien genießt. die herren bob und chris allerdings votieren für closing time, bis chris einfällt es sei doch dieser song des loberstein soundtracks. wohl ein chicagoer underground film.

politiker des jahres

bill clinton, er hatte ein gutes jahr, viel presse…

rock n roller des jahres

jay robins. elliot smith, verdammt, der hat dieses jahr sein geld gemacht. und dann noch ben stiller, der hatte auch ein gutes jahr. das ist der typ aus dem film ´verrückt nach mary´ mit cameron diaz. toller film kennst du den? nee kenn´ ich nicht, aber ich fand auch schon die vorschau extrem beschissen.

arschloch des jahres

das ist ´ne ganz schön harte frage. chris hält sich selbst dafür. aber nur, weil er und bob sich vor einer klaren antwort drücken wollen, die weicheier. reden irgend etwas von einem typen den sie kennen, der ein record label macht. namen gibt´s nicht. wie toll….

auto des jahres

der neue vw käfer

hilflosester tourfahrer

die beiden deuten flüstern auf ihren derzeiti­gen fahrer und nennen dann noch einen omi­nösen andrew aus leeds, der im letzten februar mit ihnen unterwegs war.

tourbuspanne des jahres

chris will mir weis machen, er wäre bei einer panne südlich von chicago fast ums leben gekommen. klingt aber eher geflunkert.

statement des jahres

do your best and don´t worry. nicht schlecht bob, super spruch.

blackout des jahres

bei unserer show in turin ist die beleuchtung ausgefallen. bei chris sind die lichter dann in der sylvesternacht ausgegangen J

hype des jahres

the get up kids

news headline des jahres

clinton fickte sie mit einer zigarre.

idiot des jahres

würden die beiden diesen armen bebrillten hirnbrand vom glocksee tv aus hannover kennen, wäre die sache sicherlich so eindeutig wie beim pollmaster. so aber fällt die ent­scheidung auf ein crew mitglied der band all.

schlechteste interview frage des jahres

die frage nach der schlechtesten interview frage des jahres

dreckigster auftrittsort des jahres

einige, aber der in wien war am schlimmsten. da stank es nach elefantenscheiße.

schwitzigste show des jahres

tampa, florida. und philadelphia schien auch noch so ein hitzehammer gewesen zu sein, der chris wortwörtlich umgehauen hat. yeah, entweder die oder baywatch, wenn wir hier über die schwitzigste show reden.

schlechtestes tour catering des jahres

jedes catering auf einer US tour

cartoonist des jahres

matt groening. ich weiß auch nicht, vielleicht mein freund paul, aber keiner kennt ihn.

hardcore mode accessoire des jahres

definitiv nicht diese großen löcher in den ohren. zungenringe. bob mag zungenringe.

mtv host des jahres

matt pinfield meint chris. aber bob besteht auf jesse. den haben wir in new york gesehen als wir dort eine show hatten. chris besteht standhaft auf matt pinfield. alles was ich zu dem sagen kann ist schwachkopf schwachkopf schwachkopf idiot idiot idiot. he is just a namedropping idiot. bob erinnert mal kurz daran, daß es eigentlich um den mtv host des jahres geht, chris redet aber lieber über den mtv idioten des jahres.

droge des jahres

keine die ich nehmen würde, oder warte, bier.

ok chris, was ist das bier des jahres

schneiderweiss (chris) und guiness (bob)

tragischte bandauflösung des jahres

van pelt

fanzine des jahres

bob mag PUNK PLANET und nachdem beide mit dem vorschlaghammer darauf aufmerk­sam gemacht werden finden sie plötzlich auch das TRUST ganz toll. oh ja, trust ist die nummer 1, wir überlegen nur gerade was danach kommt.

groupie des jahres

oh gott, chris fallen da einige ein, wie er meint. ihr name fängt mit einem M an und danach ein A. und bob kennt sie sehr gut. man, scheiße ich will NAMEN. schreib einfach, daß es einige gibt, das ist das beste.

schlechtester tourbooker des jahres

bob hält sich selbst dafür.

der betrunkene des jahres

chris weißt gleich alles von sich. ich bin es nicht, ich habe mich dieses jahr sehr zurückgehalten. aber ich würde sagen die hot water music leute. oh shit, wie wahr, die zechen in der tat gut was weg. die können selbst mit al und daniel mithalten, wo wir auch schon bei meinen trinkern des jahres angelangt wären, gratulation!!!

turnschuh des jahres

vans und adidas

supermanfolge des jahres

keine ahnung

ende des jahres

tscha, das war eigentlich nur ein wortspiel, aber die beiden nasen haben´s wohl nicht verstanden und erzählen mir etwas von einer show im dezember in chicago…

tja, hat sich die eingangsfrage nun geklärt? am abend des interviews dachte ich schon. nie wieder wollte ich ein interview mit einer emo band machen. frustriert war ich ob der sinn­losigkeit des ganzen. warum? chris und bob waren so dermaßen nett, also wirklich nette menschen, daß sie nicht mal in der lage waren, richtig drauf los zu kotzen. immer schön drauf achten was man sagt und wem man eventuell auf die füße tritt. was dagegen einzuwenden ist? nichts. ich freue mich in der regel solche menschen kennenzulernen, solche menschen meine freunde nennen zu können. wer gibt sich auch schon gerne mit unsympathen ab? aber für ein interview darf´s dann doch etwas kantiger sein. es ist nun einmal nicht so son­derlich spektakulär wenn jemand nicht einmal sein arschloch des jahres nennen mag und immer darauf bedacht ist nirgends anzuecken. wie war das also jetzt: macht sinn, macht keinen, macht sinn, macht keinen? jetzt mit etwas abstand weiß ich´s noch immer nicht….

photos: geklaut

interview & pollmaster: torsten meyer

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