Juni 14th, 2017

BL‘AST (#164/02-2014)

Posted in interview by Jan

So wertvoll wie ein rohes Steak – BL’AST!

Es war dann doch eine mittelschwere Sensation: Bislang ungehörte Aufnahmen von Bl’ast!, jener schwerst vermissten, zwar von Rollins als Black-Flag-Klone gedissten, aber ja dann doch reich eigenwilligen Band, die mit „Power Of Expression“ einen noch heute mit enormer Wucht alles niederwalzenden Hardcore-Klassiker schufen. Was folgte, waren zwei Alben, die – vor allem das dritte, „Take The Manic Ride“ – den gewiss auf Black Flag aufbauenden Sound weiter auffächerten, die aber aus klanglichen Gründen deutlich hinter das Debüt zurückfielen. Was „It’s In My Blood“ angeht, ist nun Abhilfe geschaffen: In einem alten Schließfach fand Mike Neider die Bänder einer Aufnahme-Session, die nie das Licht der Welt erblickt hatte.

Der Weg zu Southern Lord war kurz, wie Clifford Dinsmore, der dem TRUST per Email dringende Fragen beantwortete, erklärt:

Wir sind seit Langem mit Greg (Anderson) befreundet. Er wollte schon lange etwas von uns herausbringen. Die alten Tapes zu finden, gab und deshalb die Gelegenheit, auf die wir gewartet hatten.

Wessen Idee war es, Dave Grohl zu fragen, ob er die Sachen in seinem Studio bearbeiten will?

Das war Gregs Idee, aber wir nahmen alle an, er würde viel zu beschäftigt sein, um es zu machen. Wir waren sehr überrascht und begeistert, als er die Zeit fand, es wahr werden zu lassen. Nachdem ich erstmal von diesem Sound geplättet war, ein bisschen wie damals, als “Power Of Expression” herauskam, stellte ich fest, dass “Blood” im Grunde “It’s in my blood” plus ein Song ist, also im Grunde ein neu gemastertes zweites Album.

Warum habt ihr das Album damals zweimal aufgenommen?

Das ist schwer zu sagen… wirklich. Was das Album außerordentlich anders macht, ist die Präsenz von William DuVall an der zweiten Gitarre. Das gibt der Sache einen dreidimensionalen Effekt.

Für mich war Bl’ast! immer ein Quartett. Aber ihr hattet offenbar mehr als einmal zwei Gitarristen. Kannst du das mal etwas ausführen?

Steve (Stevenson) spielte auf der ersten Platte Gitarre und beschloss kurz danach, die Band zu verlassen. Er hatte von William DuVall einen Brief bekommen, der sagte, er sei dabei, falls wir je einen Gitarristen bräuchten. Schließlich kam er während einer sehr produktiven Phase nach Kalifornien und spielte bei vielen unserer besten Shows mit.

Wahrscheinlich sind wir uns darin einig, dass “It’s In My Blood” und “Take The Manic Ride” klanglich deutlich gegenüber “Power Of Expression” abfallen. Was ist da schief gelaufen?

Im Grunde wusste damals niemand, wie man solche Musik aufnehmen sollte. Deswegen war es im Grunde reine Glückssache. Je nachdem, welchen Toningenieur du in dem Studio hattest, wo du aufgenommen hast. Im wesentlichen war es ein Glücksfall, dass “Power Of Expression” wurde, was es ist. Es ist eine Schande, dass wir die Bänder zu “Take The Manic Ride” nicht haben, denn das war das Album, auf dem wir uns musikalisch am härtesten gefordert hatten. Aber die Aufnahmequalität ist so schlecht, dass es für den Hörer schwer ist, zu verstehen, was wir da taten. Wenn wir es neu abmischen könnten, würden die Leute wirklich verstehen können, was für ein bahnbrechendes Album das war.

Wir können also nicht auf eine “korrigierte” Fassung hoffen?

Es gibt eine paar tolle Leute, die versuchen, die Platte neu zu mastern. Allerdings sind unsere Möglichkeiten ohne die Master-Bänder sehr begrenzt.

Könntest du uns kurz erzählen, was nach den Platten geschah und was eure Pläne sind? Kommt ihr nach Europa? Es gab ja damals den Plan, hier auf Tour zu gehen.

Ein paar Konzerte in den USA, ein paar Festivals in Europa. Wir sollten 1988 nach Europa kommen, mussten aber absagen, weil einige Bandmitglieder nicht mitkommen konnten.

Wahrscheinlich seit ihr heute keine Vollzeitmusiker. Was macht ihr so?

Ich spiele in einer Band namens Dusted Angel und arbeite in dem Live-Club „The Catalyst“ in Santa Cruz.

Wart ihr eigentlich mal Straight Edge? In “E.I.B.” stolperte ich mal über die Zeile: “And I don’t need drugs”.

Steve hat diesen Song geschrieben und hat sich vielleicht für eine kurze Zeit mal als straight bezeichnet, aber ich werde den Beweggrund hinter diesem Song nie verstehen angesichts der Tatsache, dass niemand von uns wirklich sonderlich straight gewesen ist.

Wie kam Nick Oliveri zu euch? Ich war etwas überrascht, als ich davon hörte.

Mondo Generator traten im Catalyst auf und wir hingen alle da rum. Nick fragte nach Bl’ast! und ich erwähnte, dass Southern Lord die Platte rausbringt und es vielleicht ein paar Shows geben würde. Als er fragte, wer Bass spielt, sagte ich scherzhaft: “Du!”. Zu meiner Überraschung antwortete er: „Fuck YEAH!, I’ll play that shit!“, und dann kam die Frage danach, wer Schlagzeug spielen würde. Dann sah ich Hoss (Wright, Schlagzeuger von Mondo Generator) spielen, und der Rest wird bald Geschichte sein.

Fragen: stone

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