August 28th, 2019

BIG ROCK aus #147, 2011

Posted in interview by Jan

Leatherface, Cockney Rejects, Adolescents, Paperchase…
Interview mit Tourfahrer BIG ROCK

Viele Booker und Konzertveranstalter in Europa kennen ihn, den freundlichen gedrungenen ex-Los Angelianer namens Chris alias Big Rock, der in Prag sein Hauptquartier aufgeschlagen hat und seit Jahrzehnten Bands durch Europa fährt. Am bekanntesten ist er wahrscheinlich für seine Tätigkeit als Fahrer für Leatherface.

Tourfahrer waren schon mal Thema im Trust, als eigenständiges Interview jedoch nicht, glaube ich. Ihr Aufgabe ist wichtig, jedoch immer etwas unterbewertet, Motto „Autofahren kann ja jeder“. Ich wollte man von einem langjährigen Profi wissen, was da dran ist, was man so alles erlebt als Fahrer, wie sich alles durch das Internet eventuell zum Schlechteren änderte und wer eigentlich die Dog Patch Winos (DPW) sind, angeblich eine kalifornische Gang, deren Mitglied auch der Nofx-Trommler und eben Big Rock ist.

Das Gespräch führte ich mit ihm an einem sonnigen Tag im Melkweg in Amsterdam, als er für die 2 NOFX-Supportkonzerte von Scheisse Minnelli (mit denen ich unterwegs war) von London einflog. In England und Schottland fuhr er Leatherface für ca. elf Konzerte, sie hatten einen Auftritt mit Hot Water Music in Newport, der sehr lustig gewesen sein soll. Der Weg von Chris aus Los Angeles nach Prag war Zufall, ein Freund von ihm (Tourmanager von Verbal Abuse) zog Anfang der 90er Jahre nach Prag und nach einer Tour 2000 mit Leatherface besuchte Big Rock seinen Kumpel und verliebte sich in die Stadt.

Ein Jahr später schaute er noch mal vorbei und gab dann seine Wohngemeinschaft in Silverlake auf.
Einige meinen, das Big Rock ein unangenehmer Zeitgenosse sei, arrogant, selbstdarstellerisch, ich hab ihn mehrmals getroffen und immer eine entspannte Zeit gehabt und klar, er erzählt gerne, aber seine Geschichten machen immer Sinn. Zum Beispiel eben die Sache mit den Dog Patch Winos…

Hey Big Rock, Dog Patch Winos, was hat es damit auf sich, im Internet las ich was von einer harten Gang aus Kalifornien?
Von einer echten Gang kann man nicht sprechen, Dog Patch Winos sind aus Los Angeles, mittlerweile gibt es weltweit Mitglieder, viele an der Westküste, aber auch in Austin, einige in Europe, sieben in Prag zum Beispiel. Das hört sich eventuell gang-mässig an, aber eigentlich sind Dog Patch Winos eine „exclusive men drinking Organisation“, mehr nicht. Du musst auch kein Trinker sein, um dabei zu sein, obwohl es die meisten sind oder es zu einer bestimmten Zeit in ihrem Leben mal waren. 2012 werden wir 30 Jahre alt.
Ah ja, verstehe! Wenn wir schon übers Trinken reden, was ist noch mal gestern passiert nach dem NOFX-Konzert?
Alle sind nach dem Konzert feiern gegangen, es war eine große Gruppe unterwegs und ich bekam plötzlich riesigen Hunger. Ich bin ja direkt aus England nach Amsterdam geflogen, direkt mit dem Bus in den Melkweg aufs Konzert und hatte nix gegessen. Irgendwie hatte ich mich dann auf der Suche nach einem Imbiss verlaufen, und bin ein paar Strassen weiter in ein eher schlechtes Viertel gekommen; denn auf einmal knallte ein Radfahrer voll in mich rein und zockte mir mein ganzes Portemonnaie und raste davon. So eine Scheisse passiert mir immer in Amsterdam… oder sein es eingeschlagene Tourbusfenster (obwohl ich deswegen fast immer im Van schlafe).

Aber es wurde noch besser, ich hatte nach dem Raub noch mein Handy und textete Scheisse Minnelli-Sänger Sam eine Nachricht, dass ich mich verlaufe habe und wo sie denn wären… und da kommt ein zweiter Radfahrer und nimmt sich mein Handy direkt im vorbeifahren aus meiner Hand, ich hielt es auch etwas weit weg von meinen Augen, da ich schon recht betrunken war… Nun ja, Geld weg, ca. 200 Euros, Handy weg, ich hatte keine Ahnung, wo ich war und verbrachte dann stilecht eine Nacht im Park.
Oh Scheisse Mann, so richtig old school auf einer Bank mit ner Zeitung drauf?
Haha, nee, keine Zeitung, es war ja sehr warm und natürlich hat mich als betrunkend Schlafender überhaupt keiner ausgeraubt.
Natürlich nicht, ha. Hey, was denkst du über die neue Platte von Leatherface, viele finden sie ja zu langsam?
Ja, das habe ich auch von einigen gehört, aber was erwarten sie von einer so alten Band? Ich persönlich finde die Platte die beste, die sie seit langem gemacht haben, bestimmt die beste seit der „Minx“, natürlich bleibt „Mush“ mein Favorit, aber die neue mag ich auch sehr.
Lass uns übers Tour fahren reden… hast du den Einstieg in den Job geplant?
Nein, überhaupt nicht. Ich stellte nach meinen Abschluss in Anthropologie fest, dass man damit nicht so viel machen kann, haha, und ich hatte echt keine Lust, weiter aufs College zu gehen. Ich hatte schon zu meiner Highschool-Zeit viel mit Bands zu tun und für sie gearbeitet, z.B. für Youth Brigade, Fishbone, als sie noch sehr klein waren. Und für diese Konzertagentur im Großraum Los Angeles, Golden Voice. Es war dann ein Teilzeitjob für mich, seit 1995 mache ich es Vollzeit.
Was sind aktuelle Bands von dir?
Leatherface, Cockney Rejects, Adolescents, Paperchase. Es gibt ein aktuelles Angebot, die Former Cell Mates im Oktober zu fahren, da sie eine Tour mit Samiam machen, die Adolescents kommen im Dezember, Cockney Rejects im September. Im Sommer habe ich viel Zeit off.
Bist du mit allen Bands in deinem grünen Van unterwegs?
Nein, nicht alle. Bei der jetzigen Leatherace-Tour bin ich nach England geflogen und habe dort ihren Van gefahren, ich mache auch keine Nightliner-Touren. Das ist nix für mich, der Gestank ist echt der selbe wie in Vans, zumindest bei denen, wo ich mitgefahren bin. In einem Van zu touren und in Hotels zu schlafen ist besonders in Europe einfach billiger als im Nightliner, du sparst sehr viel Geld, obwohl ein Nightliner auch Vorteile haben kann, aber es ist nichts für mich.
Mitten in deinen 40er Jahren, fühlst du dich unter den ganzen jungen Tourfahren nicht wie ein Opa?
Haha, nee, es gibt eine hohe Quote von Leuten, die das 5-6 Jahre machen und dann aufhören, um sich niederzulassen. Ich habe mich nicht niedergelassen.
Gibt es eine Konkurrenz unter den europäischen Fahrern oder ist es ein cooles Netzwerk?
Es gibt Wettbewerb, ja, es gibt eine Art Ellbogen-Mentalität, es gibt Leute, die nehmen dir Jobs weg, das alles kommt vor. Im Allgemeinen …es gibt für uns ja keinen offiziellen Verband, eine Art Tourfahrer-Vereinigung, oder so, ha ha, und immer wieder viele neue Gesichter, aber die, die lange dabei sind, kennen sich alle und entwickeln so eine Art Kameradschaft.
Und sind die Bands auch loyal, was ist, wenn aus kleinen Bands plötzlich große werden, bleiben sie bei dir?
Normalerweise sagen sie halt, wenn sie groß werden, sie machen‘s nur noch mit dem Nightliner und dann bin ich draußen, oder sie wollen bessere Deals und billigere Fahrer, dann bin ich auch draußen. Oder sie mögen persönlich einen anderen lieber, das kann alles passieren, da wird man nicht sauer. Sogar Paperchase machen Touren, bei denen ich nicht dabei bin. Das Problem kann sein, wenn du einen festen Stamm an Bands hast, das alle zur gleichen Zeit touren, das hatte ich letzten Dezember… Jetzt sprechen sich die Bookingagenten mit mir ab, so von wegen „Halt dir im Dezember zwei Wochen frei„… und klar, wenn du nur in Spanien tourst, nimmst du einen dortigen Fahrer, nicht einen, der wie ich aus Prag anreisen muss. Für mich gibt’s noch einen echten „selling point„, denn in der Tschechei gibt’s auch eine großartige Backline für billiges Geld, so das es ein echtes Package ist.
Was sind typische Anfängerfehler von Tourfahrern?
Du musst es lieben, zu reisen, du musst es lieben, wie ein Nomade zu existieren, aus dem Rucksack leben, und eine „Pick up and move„-Mentalität besitzen. Du musst organisiert sein, nicht abhängig von dem Komfort zu Hause zu sein… und: du musst Musik lieben. Manchmal mag ich die Musik der Bands, die ich fahre, nicht, aber brauche die Kohle. Das musst du aushalten können. Ist natürlich besser, wenn es Bands sind, die ich gerne live sehe. Heutzutage lehne ich jeden Job mit Death-Metal-Bands ab, es gab mit ihnen einfach mehr schlechte als gute Erfahrungen.

Klar, nicht alle sind Scheisse, und eine Tour mit echten skandinavischen Kirchenanzündern, das könnte sehr spaßig werden. Aber meistens sind Metalbands voller Divas und Rockstars, dabei sind es oft eben überhaupt keine Rockstars. Sie erwarten, dass alles für sie gemacht wird… Aber du kannst nur an einer bestimmten Stelle zu einer bestimmten Zeit sein und unmöglich gleichzeitig in einer Person der Roadie, Driver, der stage tech, git tech, drum tech und der merch-Typ sein! Das kann nicht eine Person machen. Wenn Bands das nicht verstehen, dass sie das selber machen müssen oder eben mehr Leute brauchen… klar, das kann auch alles mit Punkbands passieren, aber nicht so oft.
Hört sich ja alles nach sehr harter Arbeit an, deshalb ziehen es vielleicht auch nicht so viele durch über Jahrzehnte?
Ja, vor allem, wie schon gesagt, wenn du mehrere Funktionen hast, Fahrer, Merch, Tourmanager, alles zusammen, oder manchmal bist du nur Fahrer, aber das kann sehr fordernd sein. Auf der anderen Seite, du hast als Tourfahrer auch immer viele freie Zeiträume (die du aber auch brauchst), nach einer normalen Tour brauche ich mindestens zwei Tage Schlaf am Stück. In den USA sind die Touren anders. Dort hat jeder einen Führerschein, die USA ist mit den langen Strecken einfach zu fahren, deshalb gibt es dort selten Bands mit extra Tourfahrern.

In Europa hingegen will keiner fahren, deshalb brauchst du einen Fahrer. Sicher, du kannst irgendein Kid nehmen, der einfach mit will, aber es ist doch besser, jemanden mit etwas Erfahrung zu nehmen, so wird die Tour auch einfacher. Überhaupt, ich sage meinen Bands immer „Macht Sightseeing, nicht nur Van/Club/Bar/Hotel, nehmt einen day off und schaut euch Sachen an„ , das alles macht die Tour einfacher, z.B. sind die Adolescents sehr „sight seeing“ orientiert.
Du fährst viele alte Bands, warum?
Das kam einfach so. Du wirst ja auch weiter empfohlen. Ich arbeite nur über Mundpropaganda oder mit Bookingleuten. Ich nehme aber nicht jeden Job an und nicht jede Band nimmt mich. Das ist davon abhängig, ob die Band mit Van oder Nightliner unterwegs sein will und wo die Tour stattfindet. Wenn es in UK eine Woche sein soll, da nimmst du nicht mich, wie schon gesagt. In der Vergangenheit hatte ich es vielleicht dreimal, dass die Tour in Barcelona endete, das sieht dann auf der Karte nach Prag nach einem 16 Stunden Drive aus, in echt ist es natürlich viel länger, du musst eine Pause machen, da keiner 16 Stunden gut fahren kann, was essen, tanken etc.
Gab es schon mal den Vorfall, dass eine Tour im Gange war, du keinen Bock auf die Band mehr hattest und die Tour wurde abgebrochen?
Beinahe ist das passiert, aber bislang noch nie wirklich. Es gibt Touren, wo du nur die Tage runterzählst, bis sie vorbei ist oder du traurig bist, wenn bald die letzten Tage beginnen, aber normalerweise freue ich mich auf zu Hause. Manchmal gibt es Touren, wo bestimmte Tage gecancelt werden müssen. 2006 war das so mit Leatherface, sie sollten in Slowenien und Kroatien für eine Woche spielen. Slowenien gehörte auf einmal zur EU, an der Grenze zu Kroatien wurde uns gesagt, wir hätten zu viel Merch dabei und sie wollten Belege von der slowenischen Grenzstation sehen, aber ihre Faxmaschine war kaputt.

Wir brauchten also eine Bestätigung aus Slowenien, was wir dann machten und zurückfuhren, doch die dortigen Polizei ließ uns auch nicht rein, so dass wir zwischen zwei Ländern feststecken, so dass wir nach Italien abhauen mussten… Dazu kam, dass einige Konzerte sowieso ausgefallen sind. Wir fuhren dann eine Woche zu mir nach Prag, wo wir nur abhingen und uns entspannten. Das war eine sehr schöne Woche, jedoch auch teuer, wir merkten es natürlich bei der Endabrechung, aber diese einwöchige Break rettete dann eben die gesamte Tour. Im Anschluss ging es ja weiter.
Du hast ja in Los Angeles im Stadtteil Silverlake gewohnt, das ist doch…
Ja klar, in der Nähe von Epitaph Records habe ich gewohnt. Meine Mitbewohner wurden echt zu Arschlöchern, ich war natürlich auf Tour, als einer von ihnen zum totalen Herionjunkie wurde, Miete wurde selbstverständlich keine mehr gezahlt, ich verkaufte dann alles und zog nach Prag. Eine wunderschöne Stadt. Ich geh aber hier kaum auf Konzerte und bin eher ruhig unterwegs, es sei denn, eine Band ist dabei. Dieses Jahr war ich 41 Tage zu Hause. Ein sehr anstrengendes Jahr.
Wie hältst du das aus, da muss ja bei dir eine große Faszination fürs Touren vorhanden sein. Einerseits heißt es ja bei Lagwagon, dass eine Tour hauptsächlich „Hurry up and wait“ bedeutet, andererseits singen die Ramones davon, dass „Touring is never boing“ sei, wie hältst du den Roadgrind aus?
Du hast schon recht, „Hurry up and wait“ trifft es oft. Man fährt zum Laden, wartet Stunden, bis die Band spielt, dann wartet man, bis man bezahlt wird, dann geht’s weiter mit der Fahrt zum Schlafplatz. Aber auf Tour sein ist das, was du daraus machst. Ich habe zum Beispiel die glückliche Gabe, dass ich einen on/off-Switch fürs Saufen habe. Wenn ich saufen will, dann wird gesoffen, wenn ich arbeite, bleibe ich nüchtern, da muss ich einfach nur einen Schalter umlegen, ha. Oft ist die Show so spät vorbei, da lohnt sich ein Drink gar nicht mehr, weil es in ein paar Stunden weitergeht und dir diese geringe Pennzeit als sehr wertvoll erscheint. Offensichtlich ist die Fahrzeit für mich eine Zeit, in der ich etwas mache und mich nicht langweile, das ist für Bands im Van natürlich anders und das kann schlecht für sie sein. Aber es gibt ja einen DVD-Player im Van, viele Bands lieben Hörbücher, die meisten lesen Bücher, es herrscht totale Stille…
Und dann werden sie völlig wild auf der Bühne, haha.
Genau! Zwischen Soundcheck und dem Beginn der Show gibt es oft eine große Lücke. Manche Bands kommen dann extra spät, damit diese Lücke kleiner wird und ihr Soundcheck kürzer, andere sind dann pünktlich um 15:00 Uhr zum Soundcheck da, danach verabreden wir dann ein Treffpunkt in der Hotellobby, dazwischen gehen sie schlafen oder schwimmen. Ich kenne mich in Europa sehr gut aus und weiß immer gute Plätze, an denen man die Zeit gut rumkriegen kann, z.B. wo es schöne Plätze am Wasser gibt, wo man schöne Landschaft sehen kann und einfach abschaltet… Amis sind ja immer fasziniert von den ganzen Schlössern, haha.
Wenn man wie du vom Tour fahren lebt, ist es dann gut, wenn man eine Distanz zur Band hält oder wird man direkt Freunde?
Es ist sehr schwer, nicht Freunde zu werden, du erlebt ja über eine längeren Zeitraum alles direkt zusammen. Nicht mit allen wirst du Freunde und manchmal ändern sich die Leute in den Bands. Was aber auch cool ist, wenn so was passiert, also sich Bandbesetzungen ändern, denn dann werde ich Fahrer für deren neue Band. Den Cockney Rejects-Job kriegte ich, weil dort ein alter Leatherface-Typ spielt. Und weil ich den Cockney Rejects Job hatte, bekam ich den GBH-Job, weil beide die gleiche Booking-Agentur haben.
Früher, vor Handys und dem Internet, tourte man mit Straßenkarten, rief in Telefonzellen die Promoter an, ist heute alles einfacher geworden oder gibt es auch Nachteile mit der neuen Technologie?
Veraltete Straßenkarten, teure Telefonzellen, es ist heute vieles einfacher geworden, ja! Früher fuhren wir in die Stadt, die Wegbeschreibungen war immer total schlecht, gerade in den Staaten, so Motto „Am Burger King rechts“… Die Dinge sind so anders geworden! Aber einen Nachteil gibt es: Heute sind die Leute abhängig, wenn das ganze digitale Zeug, Handy, GPS-Navigator, nicht mehr klappt, weil schlechter Empfang oder so… sie können nicht mehr den alten Weg… und es kann ja immer was dazwischen kommen, jetzt auf dem Flug nach UK ging mein GPS kaputt, toll.

Na ja, früher dachte ich ja, das geilste, was es geben würde (und was ich hatte) war eine gebührenfreie Nummer, mit der ich unterwegs kostenlos von Telefonzellen meinen Anrufbeantworter zu Hause checken und so mit Bands in Kontakt bleiben kann, nun ja… Die erste Tour mit Leatherface in Europa war auch noch in Läden, die oft kaum Internet-Anschluss besassen, ich hatte diverse Nummern in verschiedenen Ländern, ein Horror. Monatlich 250 Euro Telefonkosten habe ich aber auch weiterhin, das sind normale Berufskosten.
Die alte „Spinal Tap“- Regel, „no girl friends on tour“, stimmt die eigentlich?
Im Allgemeinen ja, für 1-2 Shows Freundinnen mitzunehmen ist überhaupt kein Thema, aber bei einer langen Tour ändert sich die Dynamik, oft zum schlechteren. Man regelt manchmal auf Tour alles über eine Person, die für alles verantwortlich ist, aber viel häufiger ist der Entscheidungsmodus die Wahl, jeder hat eine Stimme und Bands sind egalitär. Wenn du deine Freundin dabei hast, dann gibt’s auf einmal für eine Person zwei Stimmen. Es wird dann kompliziert, die einen wollen schnell von der Venue weg, aber die Freundin will noch shoppen…
Hast du einen Traum, in einer bestimmten Gegend und oder mit einer speziellen Band zu touren, z.B. AC/DC in Hawaii zu fahren?
Japan wäre geil, ich weiß nicht, ob als Fahrer, aber das wäre super, das Land zu sehen. Oder Australien, aber das wird zu teuer für die Bands… sogar für mich, haha, Allein die Strecke, vielleicht nimmt mich mal ne Band mit. Russland wäre auch toll. Bestimmte Bands? Nein. Sie live sehen für mehrere Shows, ja, aber nicht unbedingt als Fahrer, wobei das ja der einfachste Weg ist, eine Band oft zu sehen. Die erste US-Tour mit Leatherface fuhr ich nur deshalb, damit ich sie so oft wie möglich live sehen kann, 47 Konzerte, neun Wochen, geil! Für Bands in Prag arbeite ich auch viel, gerade im Sommer könnte ich jedes Wochenende arbeiten, weil es so viele Festivals gibt… für sie macht es dann Sinn, einen Driver und Van zu haben; einen Van zu kaufen, ist mehr der Weg, den Ami- und UK- Bands gehen.
Ok, am Ende noch: Was sind deine Lieblingspunkbands?
The Clash, Social Distortion, Fear, Adolescents. Ich bin in den frühen 80er auf Konzerte in Los Angeles gegangen, East-Coast-HC war nie was für mich, ich bin echt mehr der Westküsten-Typ. Wobei, ich hatte mal eine Tour mit Leeway. Und da gab es mal eine andere Tour, eine Package-Tour, Dayglo Abortions und The Accüsed…
Oh, Dayglo Abortions, prost!
Ja, auf dieser Tour mussten wir jemand nach Hause schicken, der Merchguy musste gehen. Er wurde einfach ins Flugzeug gesetzt, er lebte in Thailand, aber es gab keinen Flug dahin, er wurde dann nach Vietnam oder Kambodscha gesetzt, ich weiss es nicht mehr, nur noch, dass der Flug nicht in sein Heimatland ging. Sein Trinken wurde einfach zu viel. Ich fuhr mal eine Euro-Tour mit einer Band, die dann Opener für Motörhead war, das war in Tilburg, in Holland. Der Lichtmensch gehörte nicht zur erwünschten Crew und wurde dann mit einer langen Liste mit Gras zu verschiedenen Coffee-Shops geschickt, du kannst ja pro Laden nur eine bestimmte Menge kaufen, und es war eine lange Liste und Tilburg hat, glaube ich, viele Coffee-Shops, als er dann mit allem zurück kam, arbeitete bei dem Konzert schon sein Ersatz.
Kiss oder AC/DC?
Definitiv AC/DC.
Vielen Dank, Big Rock, hast du noch einen Gruß an die Trust-Leser?
Hello to all of them.

Interview: Jan Röhlk
Kontakt: myspace.com/dogpatchwinos

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