Oktober 25th, 2016

Bericht über Festivitäten anläßlich 10 Jahre TRUST (#60, 10-1996)

Posted in artikel by Jan

So, jetzt mal weniger Meinung als Erzählung, nachdem Dolf über die ersten unserer zahlreichen Festivitäten nur kurz berichtet hat, will ich nur mal nachtragen, was sich in den letzten Monaten von Karlsruhe bis Köln bei der Pop Komm – die nur der Anlaß, nicht der Grund für’s Feiern war) so abgespielt hat.

Warum? Garantiert nicht (oder nur ein kleines bißchen) zur Selbstfeierung, sondern eher als Tagebuch für alle Anwesenden. Das Subway in Karlsruhe war also der erste Ort für die 10 Jahres Feierlichkeiten. Ein Club, wie man ihn sich nur wünschen kann, gehe da wirklich gerne hin. Mitch hatte keinen Bock mehr auf die ganzen Lagerbestände an alten Heften und brachte ca. 50 Kilo Hefte mit, die umsonst in maximal einer Stunde weg waren, gut so! Anwesend waren fast alle Trustler aus dem süddeutschen Raum, wie oben schon erwähnt, sogar Mitch ließ es sich nicht nehmen – die ‚graue Eminenz‘ und der wichtigste beim Heft überhaupt. Simuinasiwo brachten mal wieder alle zum Zungenbrecher knabbern und zogen als opener ein cooles Set ab, Edda warf mit Tütensuppen und Farbstiften, haben sich ja dort inzwischen eine kleine Fangemeinde erspielt, oder erworfen?

Außerdem warfen sie die CD ‚Phase 4′ auf den Markt, was mich nicht nur an Fritz‘ Tonstudio erinnert, sondern auch an eine unglaublich gute Frankfurter Band, die so ca. 1988 locker als hessische Big Black hätten durchgehen können… . Danach folgte es dann Schlag auf Schlag, Jens und seine brandschatzenden Kumpanen aus HH fetzten uns Dackelblut um die Ohren, besser und aktiver als letztens hier irgendwo gesehen, da war so viel Power drin, daß Fritz kurzerhand so durchdrehte, wie er es wahrscheinlich auf dem Höhepunkt seiner Tech Ahead Karriere (???) nicht geschafft hat, das Bier schmeckte ihm wohl sehr gut, so daß es zu zahlreichen von Anne professionell in Szene gesetzten Erinnerungsphotos kam. Zwischendrin drücken wir dann noch Mitch, dem das alles natürlich viel zu peinlich war, und der eigentlich fliehen wollte, aber von Fritz eingefangen wurde, die goldene Schere hinter Glas auf rotem Satin in die Hand, eben für 10 Jahre Trust Layout. Den Tränen nahe stürzt er backstage und hält das Ding fest wie ich mein Stoffwalroß ‚Brian‘ beim pennen.

Vielen Dank Joachim für das Basteln des Geschenks, hätte ich alleine nie so hinbekommen! Dackelblut nehmen ihre Instrumente wieder fester in die Hände und rotzen weiter wie die Sau, genial! Snuff danach können nichts mehr falsch machen, die halbe Belegschaft will trotz fortgeschrittenem Alter von der Bühne hüppen, au au au, warum ich das erwähne? Al war dabei! 130 Kilo Brutaler Bierbauch segeln durch die Luft, alles geht in Deckung, er kracht auf’s Metall. Das Gerücht, daß da jetzt eine Delle im Dancefloor ist, kann ich nicht dementieren! Fühlte sich wohl nicht so cool danach, daher kistenweise Höpfner Bier, bis dann 3 oder 4 vom Harakiri Video Fanzine unsere beiden volltrunkenen Visagen eine halbe Stunde lang versucht haben zu interviewen, oh mein Gott! Scheiße nee, so was sollte verboten werden. Die Säcke haben ihre Absichten umgesetzt und den Kram jetzt am Schluß der neuen Ausgabe, unzensiert! Unverschämtheit, Jungens! Bei Snuff, wieder einen Schritt zurück, großes Highlight, sie wollen, das Jens trällert, selbst gegen Geld will er nicht, beschimpft die „Tommys“ aud deutsch, hey, was’n Trubel. Jähes Ende des Abends bzw. der After Hour Party, weil es anfängt wie aus Kübeln zu schiffen, Befürchtungen, daß das Subway absäuft machen die Runde, wir verpieseln uns, mehr konnte man sowieso nicht mehr trinken.

Ziwschendrin das Fanzinetreffen in Neuss, cool in Szene gesetzt von Carsten J. vom Blurr ‚Zine, der danach klugerweise gleich in den lange verdienten Surfurlaub ist, allerdings, ‚3 Wochen, 3 Wellen‘ war dann keine tolle Ausbeute. Naja, ich schick‘ Dir Photos Carsten! Also das Ganze war im Geschwister-Scholl-Haus in Neuss, und war eine tolle Sache. Man vertieft alte Bekannschaften und baut neue, erwähnenswert hier auch Revolution Inside, schön, daß wir uns jetzt mal persönlich kennengelernt haben, you gals and guys rule! Witzige Runden nachts um vier am Küchentisch bei Fritte (Ox) mit Ox, Plastic Bomc & Trust. Da haben wir dann gelernt, daß es ehrliche Zigaretten gibt und so weiter. Devil Mrs. Jones waren gewohnt gut, am nächsten Tage dann Fußballturnier und rumhängen, ein wenig Programm wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, schade auch, daß nur wenige nicht -‚zine’ler kamen; absoluter Abschuß die Typen, die den rechten Arm höher heben konnten als ihr Iro absteht, hat eigentlich nur die vollgepisste Trainingshose gefehlt, aber Idioten gibt’s leider überall. Sehr schön dann des Abends einer dieser kongenialen Steakkknife Gigs, WORLD DOMINATION sage ich!!!! An dieser Stelle noch einmal Dank an Fritte! Bremen, Wehrschloß, heißt die nächste Partie.

Ich war ja noch nie dort gewesen, kam von der BAB, nahm ’ne Straßenbahn, fuhr‘ ins ‚Viertel‘, fraß was, überall Punks mit Becks in der Hand, das nenne ich einen Lokalkolorit. Bekommen Auskunft, aha, gerade wieder mit der Straßenbahn zurück, den Ausflug hätte ich mir wohl sparen können, obgleich kulturell wertvoll (Sightseeing). Man relaxt, sozialisiert sich mit den (mir) persönlich nicht bekannten nordeutschen Schreibern, erste Bewunderungen bez. Stones Hose wechseln die Ohren. Vom Süden her nur Dolf, Kai – der Partykönig – und ich anwesend, und auf zu Messerknecht. Die geben ein tierisches Geprü-gel ab, gefiel allen (sogar mir – ansatzweise) und legten eine gute Basis für den vollen Laden. Bruder Max präsentiert seinen neuen Kurzhaar-schnitt, keiner hätte ihn erkannt! Danach wer wohl? STEAKKNIFE! Tanzen, mitsingen, 4 oder 17 Zugaben, irgendein Depp will Spermbirds Lieder hören, kann aber die von Lee dafür geforderten 20.- nicht auftreiben, Pannetyp eben. Ich meine, der Gag wäre es wert gewesen! Braucht man eigentlich gar nicht, diese Band könnte ich Tag und Nacht hören!

Hatte der Abend im Wehrschloß eher den Charakter eines ’normalen‘ Konzertes kam doch so langsam Partystimmung auf, zumal Lee eine Flasche Fernet hervorzaubert, gierige Schlucke aus dieser runden ab. Recht früh – zwischen 2 und 4 Uhr so ungefähr – beschließen wir, die legendäre Capri Bar zu besuchen, Dolf, inzwischen blau wie mein T – Shirt, verpieselt sich lieber, naja, das Alter eben, fällt aber auch keinem mehr so richtig auf. In der Capri dann sehen wir… Steakknife. Erst mal Bierchen machen, prima, bis in den Morgengrauen. Erinnere mich noch an düstere Diskussionen mit Pietsch über die beste Am Rep Platte. Mehr nicht. Verdammt hell in Bremen, wenn man aus einer Kneipe kommt. 7 h zurückgetrampt, daran erinnere ich mich auch. Wundervolle Exkursion. Als letztes dann die Pop Komm, Köln. Den Komplex ‚warum sind wir da‘ will ich nicht noch einmal hochkochen, ich für meinen Teil gehe gerne zu den Konzerten, und den ganzen Tag Bier trinken ist auch nicht das Schlechteste. Chronologisch: Donnerstags Anreise und Bierverstau am Stand, die ersten freundschaftlichen Biere werden geöffnet, dann allgemeine Ratlosigkeit, wem man sein Ohr schenken solle, Stefan und ich entscheiden uns für Supergouge, ja, das hat sich gelohnt (Interview im nächsten Heft). Auf dem Weg dorthin aus der Messehalle raus erstes Aufeinandertreffen mit Carsten und Andi vom Blurr, tja Carsten, allgemeine Verbrüderungsszenen.

Freitag beginnt im klassischen Gewand: Verpennt aus dem Mitwohnzentralen Abripp Apartement hundemüde auf die Messe, erst mal Bierchen aufmachen. Ab 13 Uhr steht die Runde vor dem Kühlschrank, nur um manchmal von promotiongeilen CD Verschenkern gestört zu werden. Absolutes Highlight hierbei der Typ mit seinen 3LP Sets, die er dann nach einer Weile zurückfordert, die hätte er Peter (oder so) Trust (Nachname) geben sollen, nicht dem Trust. Hey Scheißer, da war meine schon gesichert. Review hier drin. Nachmittags dann mit Mann, Blurr und Maus zum Platinschallplattenverleih an die Back Street Boys, tja, das war natürlich schon ein Renner. AJ und Nick waren total gut drauf und haben nett gelächelt und mein Stofftier gefangen. Aus’m Interview wurde leider nichts mehr, weil X.Y. (Name der Red. bekannt) vorher 100 Mark für Nicks Arsch geboten hatte und daher der Manager sauer wurde. Macht nix, Bier schmeckte langsam immer besser. Die Kassierer sind sicherlich eine obskure Combo, spielen da irgendwo auf der Messe d.h. der eine hinter der Bontempi Orgel, und der Sänger ist so voll wie es Monoton vom Durstigen Mann nur selten in seinem Leben war. Gröhlt seine Scheißtexte runter, wirft mit Bierflaschen, zieht sich aus, will kacken, wird abgeführt.

Allgemeine Erheiterung, wie diese Deppen es geschafft haben, in drei Minuten 100 Quadratmeter der Pop Komm vollzusauen und den ganzen Corporate Wichsern vor den Kopf zu stoßen. Immerhin. Also mit Bruder Max und den ganzen Lübecker Schnarchbären (Oh Mann, selbst für’s Bieraufmachen braucht ihr ne Viertelstunde) Pizza und dann auf so’n Kahn, Horace Pinker und NRA glotzen. Erstere waren o.k., nicht mehr, nicht weniger, NRA, NATÜRLICH Gott, haben gerockt wie die Könige, absolut dicht und hart, sicherlich auf diesem Gebiet in Europa führend, wenn Du sie nicht kennst, renn‘ zu Bitzcore, gib denen all‘ Dein Gold. Aziz singt auf den Händen der Fans, wird vom High Speed Ventilator in den Nacken getroffen (Warum war der an? Naja, hinterher ist man immer klüger), bricht blutspritzend (sic!!) zusammen, rausgetragen. In einer Minute sind die Bullen da, obwohl, die beiden hatten sicherlich eine üble Daseinsverfehlung hinter sich gebracht, fingen sie sofort an (ohne Aziz nur anzuschauen geschweige denn zu helfen), Personalien Anwesender aufzunehmen, so mit Perso gucken, bis sie – nach einem Nervendurchgang eines Typen (vollkommen zurecht) – sich endlich verdückten, mit dem Hinweis, Raum für die Ambulanz zu machen, der bereits noch und nöcher da war (der Platz, you understand).

Glücklicherweise sah das wohl viel schlimmer aus, als es denn war, Sänger immer noch bei Bewußtsein, wurde dann auch 3 Stunden später irgendwo wieder gesichtet. An dieser Stelle gute Genesung falls noch vonnöten. (Anm.: Laut Auskunft vom Label Bitzcore, ist mit Aziz alles wieder ok) Nach kurzer Beratschlagung ist klar: Trinken für Aziz heißt das Motto, und wieder nebe’m Luxor bis ebbes gemacht. Bruder Max bleibt fast nüchtern, will uns nach Hause fahren, nimmt den rappelvollen Al als Beifahrer in die Frontkabine (Kleinlaster) und die fahren eine Stunde munter um den Dom herum. Also doch wieder Taxi. Fünf Minuten lang zu dritt versucht, die Haustür zu öffnen. Schuldzuweisungen, der große Stefan Kleiber kommt von hinten und klack ist sie offen. Hmm. Kaum das Blut Gottes aufgemacht (Ketzer Meßwein) hat Al doch wieder Bier. Enttäuscht (Bier besser als Wein) versuche ich ihn zu beschimpfen. Verlust der Muttersprache. Kichern. Samstag juchhey! der Kreislauf ist durch und fertig.

Mit Stefan bei Klaus N. Frick und der Perry Rhodan Pressekonferenz. Alle saufen Wurguzz (grüne Kiwi – Pisse aus’m Weltall mit 16%) und siezen Klaus N., den Oberbubu der Weltraumfahrer. Er hält sich tapfer, erzählt was von dem Planeten Mars, der durch einen anderen ausgetauscht wurde. Ich verstehe das alles nicht und gehe lieber mal ein Bier trinken. Kreislauf kackt so langsam ab, dröge rumgehangen, gewartet. Auf einmal fliegt Al auf mich zu mit riesigen Longdrinkgläsern, die er irgenwo aufgetan hat, und pfeift sie sich mit grandiosem Erfolg in 10 Minuten rein. Au Backe, Bier ist alle und woher neues? Dolf hat den Schuldigen erkannt und versucht die Blurr Jungens zum Neukauf zu bewegen. Die nicht blöde gehen zu Virgin und bringen dann gleich einen Kasten mit. Allgemeines Jubeln, Umarmungen, Major Beer find‘ ich gut.

Panne Highlight ist einer von den Rykers, der in seinem Gangster Style vorbeikommt, meint, Dolf sei ein Wixer, Dolf fragt ihn warum (und stell sich somit vor), der Typ zieht ein 20cm Klappmesser (Dolf behauptet zwar steif und fest, es wäre nur eine 10cm Klinge gewesen, aber mir kam sie doppelt so lang vor), hält’s ihm an die Gurgel. Naja, das haben wir wohl auf der L&F Sommerschule ‚Hatecore‘ gelernt, huh? Die Slums von Kassel sind ja allen ein Begriff. Sah aber schon witzig aus, klick klick Photo. Neuer Mob bildet sich wegen Pizza finden und Kantine gucken, allesamt Leute von diversen Zines, also echt kreative Besoffene. Erste Gesänge, blöde Photos, einer von den Jungs ist eine einzige Panne, heißt Lemmy, sein Dasein wird treffend mit dem eines Reptils verglichen. Hmm. Braucht zum Pizza – Papp – Verpackungsöffnen länger als die Lübecker (außer Max und dem anderen netten), so ca. 10 Minuten.

Das stimmt, Du kannst nachfragen. Allgemeine Erheiterung, mein vorder linker Schneidezahn (künstlich) bleibt in der Pizza stecken. Erinnerungsphotos die Zweite. Vor der Kantine stehen eine Million Leute (genauer: ca. 950) und wollen das Konzert des Jahres sehen. Bier. Leider ist dieses für die nicht Umsonst – Säufer mit exorbitanten Preisen versehen, ich meine, zuviel ist zuviel. Naja, Kommerzladen eben, (Anm.: laut Auskunft der Betreiber ist 4.- DM für 0,25 Kölsch „normal“ – Köln ist eine teure Stadt…) auch wenn er dafür wiederum mega – schimmelig erscheint. Bazookas fangen an, geben sich als opener gute Mühe, bringen satten Garagenrock, der Laden füllt sich. Steak Knife sind die beste Liveband dieses Landes, so, daß mußte mal gesagt werden, und sie blasen unser alle Hirne weg. Scheiße, mein Kreislauf, nach ‚Sewer Rat‘ wieder mal durchatmen. In allen Augen tritt das Verneblungsphänomen ein, u.a. Dolf mußte vor lauter Freude 20 – 30 zuviel trinken. Natürlich auch wegen den anwesenden zig Leuten. Boxhamsters kommen, was gibt’s da noch zu meckern, Trust, Blurr, komplette Ekstase.

Vor Party Diktator noch großer runder Tisch, nur brabbelnd, einziger Ausfall waren die Idioten, die sich mit Kollegen Hiller vom Ox angelegt haben, aber über die Leute verlier‘ ich hier kein Wort. Party Dicks kommen wesentlich metallischer als früher, aber immer noch grandios und knochenbrutal. Inzwischen kaum noch ansprechbar beschließen wir, zum Luxor zu fahren. Dort Trinken bis 7 Uhr morgens oder so. Besoffen sein und grandiosen Müll schäwtzen – tja, diese Disziplin verlangt nach Preisen, Pietsch stark rekordverdächtig, naja, ansonsten sind halt fast alle da und blubb. Das waren jetzt die ’10 Jahre Trust‘ Parties, sowie das Fanzine-treffen, aus meiner Sicht. War das jetzt ein ‚punker‘ Artikel? Ihr mich auch. Der Alkoholpreis des Jahres geht zu gleichen Teilen an’s Blurr und uns, Sonderpreise an Vielklang, Glitterhouse.. und all die anderen Guten… wie auch schon im letzten Jahr. Ansonsten nichts Neues, nur stellt sich die Frage, was 1997 kommen soll, denn an solche Dinge kann man sich durchaus gewöhnen.

Text: Daniel Röhnert

(Dank gilt allen Beteiligten, Helfern, Bands, Läden, Freunden und alle die dazu beigetragen haben das die 3 Partys ein so großer Erfolg wurden – DANKE! dolf)

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