September 5th, 2019

BEAR VS SHARK (#112, 2005)

Posted in artikel by Thorsten

Daniel: Ich habe mir jetzt auch endlich mal die Bear vs. Shark CD gekauft, scheint es als LP nicht zu geben. Die ist eigentlich ganz gut, möchte ich meinen. Müsste man vielleicht mal ein Interview mit denen machen? Du findest die doch richtig gut, oder?

Torsten: Absolut! Mein Review lautete:
„small brown bike, at the drive-in, hot water music, braid, clairmel – all diese bands haben eines gemein: sie sprechen die sprache meines bauches, sie hauen mit der faust auf den tisch ohne testosteron-doping, sie schlagen wild um sich ohne kick-box idiotie, sie spielen hart am mann ohne zu ruppen, sie emotionalisieren ohne krokodilstränen und sie sind definitiv die bands, die bear vs shark zu der besten platte inspiriert haben, die ich seit langem in den händen halte. Leichtfüßig ist sie, unverkrampft sensibel, rücksichtslos romantisch und berstend vor heraus gebrüllter emotion. Belly-Core at its best!“

Ein interview würde da schon sinn machen. Das problem ist nur, dass ich noch nicht weiß, ob ich von denen wirklich etwas wissen will. Mal ein bisschen research betreiben…

Daniel: Na das Problem ist ja immer da, aber ich hätte schon ein paar Layoutideen. Vielleicht kann ich auch was bei den Fragen beisteuern, die Band ist schon gut, ob sie allerdings den im Review genannten Combos nahe kommt weiß ich noch nicht. Ich sollte mal die Texte lesen. Als ob das sonst schon mal was gebracht hätte.

Torsten: Ich hab mal im netz geguckt, um was interessantes, frageninspirierendes über die rauszufinden. Aber da steht auch nur müll. Oder ergeben sich für dich aus den KnifeParty und TruePunk interviews irgendwelche relevanten erkenntnisse? Guck dir doch mal an, was die für einen stuß von sich geben:

Quote:TruePunk
Speaking of tours, I read that you are so strong to play even with broken teeth, bloody noses, torn cartilage and migraines… have you got some interesting thing that happened to you while you were on tour?
At the Indianapolis Warped Tour a few weeks back we played on a poor excuse for a stage. There was a gaping hole between the drum riser and the stage into which I fell after being run into by Mike. I thought my leg was broken for about 5 minutes. The fall has produced the largest two bruises I have ever had before, bruises which have achieved 5 different colors, namely: green, blue, black, red, and yellow. Is black a color? I’ve been documenting the progress of the bruises for a few weeks now with my digital camera. It’s fun

Quote: KnifeParty
Alright, the name of out site is KnifeParty, so this is sort of our trademark question. If you were to attend a real knifeparty, what sort of knife would you bring and why?… …We had one band say they would bring a spoon to make a political statement.
That’s too deep for me.

Daniel: Man könnte anhand dieser Band versuchen, sich einmal erklären zu lassen, wo denn die ‚Leistungen‘ eines Labels sind. Also ‚Wie genau haben die beim Tourbus geholfen‘. Ansonsten sind die Interviews grottenschlecht, was aber auch mit beiden Seiten zu tun haben dürfte.

Quote from TruePunk:
Do you think it is difficult for a young band to get hooked up by some label? I ask you this, because in the last year I saw a lot of unknown and untalented bands getting signed by major labels and all…how do you relate to this thing? Are you willing to get signed to some major or you just do not care?
I think it’s pretty hard to do, but I’ve really got no idea how it works. Bands can do whatever they want, and if they want to sign to a major that’s fine, hopefully they’ll use the money in a good way and make some great music. Or maybe they’ll just get really high on designer drugs and that’s cool too. People can do what they want. I like Equal Vision. They treat me nice and give me free t-shirts sometimes.

Quote from Knifeparty:
I feel like every time I read the news on your site, your van is broken again and shows are cancelled or postponed. How have you coped with these dilemmas? Have you had some support?
We got a new van! Equal Vision has helped us out a lot.

Torsten: hm, ich finde so einen grundstock von 4-5 themen ja nicht schlecht. Also themen, die mich auch wirklich interessieren und wo sich auch was draus machen lässt. Das problem bei leuten, die man nicht kennt, ist ja immer, dass man nicht weiß, ob sich aufgrund ihrer aussagen themen wie touring wirklich ergiebig gestalten würden. Wenn ich allerdings schon in diesen intis lese, wie sie die arbeit ihres labels schildern, dann ist das an oberflächlichem antwortgehalt ja kaum noch zu überbieten…

Daniel: Ein Grund nachzuhaken. Muss mich noch mal mit den textlichen Aspekten beschäftigen. Das habe ich eben schon einmal gesagt. Der eine meinte doch, dass er gerne malt. Darüber kann man sprechen –

Wenn ich einen guten Tag habe, laufe ich in unserem Dorf die Strasse hinunter zum abgebrannten Holzwerk am Flußufer. Ich sitze gerne dort und male. Nicht nur Landschaften, auch wenn ich das sehr entspannend finde. Ich habe dadurch gelernt, meine Umgebung genau zu beobachten. Hab’ auch mal einige Bürger meines Dorfes portraitiert, die Arbeiten kommen nächstes Jahr als Buch heraus

– undvor allem kann er dann Layout Material liefern.

Torsten: Naja, dass einer aus der band malt ist sicher richtig. Aber das tun auch säuglinge im kindergarten auf ähnlichem niveau. Jedem seine ausdrucksweisen und –formen, no problem Nur was der gute mann hier abliefert, ist nichts weiter als dilettantisches, handwerklich unbeflektes farbgeschmiere. Man könnte natürlich trotzdem einfach nur etwas über die band schreiben, nachdem man sie interviewt hat, um mal den konflikt aufzuzeigen, in den man schnell gerät, wenn man sich eingehender mit etwas beschäftigt. Der erste kontakt, ein unpersönlicher, war großartig. Musik rockt, ist emotional, alles tutti. Dann allerdings: Druckluftabfall in der kabine, das flugzeug stürzt ab: Die band spricht…

Daniel: …und daran den eigenen falschen Anspruch diagnostizieren. Genauso wenig wie Leute, die man nett findet, automatisch gute Musiker sind… sonst wären wir ja größer als die Beatles.

Torsten: Ich bin immer noch am lesen und komme bisher auf folgende ansätze:
-LABEL: Was genau tut es für euch, dass ihr es so abfeiert? Wie haben sie euch unterstützt als ihr einen neuen van brauchtet? (Hier gäbe es dann bestimmt ein ruppiges hin und her mit e-mails)
-VANS WARP TOUR: Wie kann es angehen, dass sich eine selfrespecting band dafür hergibt? (Gleich noch das thema kultursponsoring von großkonzeen mit einflechten)
-SELBSTVERSTÄNDNIS VON KÜNSTLERISCHER INTEGRITÄT: Ihr scheint At The Drive-In ja ziemlich abzufeiern? Denkt ihr nicht, dass die im wesentlichen ganz große scheiße gebaut haben, in dem sie sich der major industrie vor die füße geschmissen haben, um wenig später genau daran zu zerbrechen. Halt das typische ding der kleinen naiven kinder, die glauben, jeder mit einem netten lächeln sei ihr freund.

Daniel: Das mit dem Auflösen von Bands ist so ein Henne/Ei-Ding, wenn man dem Major die Schuld geben will. Das schreien heute ja auch alle bei Jawbreaker, aber letztlich konnten die sich untereinander nicht mehr ausstehen und haben sich wohl mehr oder minder auf die Fresse gehauen. Das heißt es kam etwas zum Ausbruch, was sowieso schon am schwelen war. Außerdem verstehe ich nicht, was denn jetzt etwaige ‚Fehler’ von ATDI NOTWENDIGERWEISE mit der Integrität eines Künstlers zu tun haben müssen. Aber wir sollten die Kirche bei Papst Jevah lassen. Unsere jungen Freunde von Bear vs, Shark haben uns aller Voraussicht nach nichts, aber auch rein gar nichts, zu sagen. Sie könnten natürlich erzählen, wie das so ist, in Michigan und welche Mädchen sie wann nicht kennengelernt haben.

Nur was sollte uns denn eine Band zu sagen haben?

Torsten: Beim punkt Major/Band/Auflösung hast du mich falsch verstanden. Ich bin der meinung, dass wenn eine band sich offen zu ihrer vielleicht schon immer vorhandenen ´dies ist mein job´ attitüde bekennt, oder besser noch, sich dieser bewusst wird, entstehen zwangsläufig neue ´druckpunkte´. Zwänge, die man in dieser art und weise vorher eventuell nicht einkalkuliert hat. Zwänge, die zu neuen konflikten führen, welche dann zwischenmenschlich eskalieren. Im ungünstigsten fall geht das auch mit einem gespürten verlust der kreativen kontrolle einher. All das sind in der konsequenz sehr wohl punkte, die einen weiteren reibungslosen kreativprozeß unterbinden können. Aber egal, ist eh nicht so interessant wie der punkt, was uns bands zu sagen haben sollten? Machen wir uns doch nichts vor. Eigentlich wollen wir eh nur nette lustige geschichten hören, die uns schmunzeln machen. Die welt will sich keiner von uns mehr erklären lassen. Nun sind halt leider die wenigsten interessanten musiker auch gute geschichtenerzähler. Ich bin das im übrigen auch nicht, also werde ich das niemandem zum vorwurf machen. Wenn ich allerdings bereits von einer band, deren musik ich bis dato sehr schätzte, weil sie direkt mit meinem bauch kommuniziert, lesen muss, dass sie im grunde alles tut, um sich in mein persönliches abseits zu stellen, dann müssten deren geschichten schon einen ziemlich großen unterhaltungswert haben, damit ich ihnen noch eine plattform biete.

Ey Torsten, ich kann dir sagen, als ich auf der letzten tour sturzbetrunken 3 groupies auf einmal gevögelt habe, und dann gemerkt habe, dass 2 von ihnen männer waren, da ist mir die suppe auf halben wege im fiffi stecken geblieben. Verstehe mich nicht falsch. Ich bin nicht homophob, aber das hier war ganz klar betrug. Wenn ich kirscheis bestelle, dann will ich keinen gurkensalat aufgetischt bekommen.

Daniel: Die Kunst des Geschichtenerzählens zeigen viele Bands oder Musiker durchweg erstmal in ihren Texten. Eine gewisse Begabung, in wenigen Sätzen Stimmungen und Momente zu beschreiben. Aber häufig sind diese Talente im Interview nicht transferierbar, weil die zu viele davon geben, inzwischen ein Großteil per Email geführt wird, die Fragen immer die gleichen sind und keine Atmosphäre erzeugt wird, in der jemand seine schönsten Liebesgeschichten oder Saufstorys zum besten gibt.
Es gibt sie schon, die Interviews, wo ich Aussagen der Musiker nicht nur unterhaltend finde, sondern auch prägnant und zum Teil sogar ‚wichtig’, wobei letzteres natürlich eigentlich ‚unwichtig’ heißen muß.

Alle Leute wollen Ansprüche an Dich haben, nur weil du Musik machst. Die einen wollen Geld mit dir verdienen, die anderen, daß du ja keines kriegst oder nur so, wie sie es wollen. Du sollst immer freundlich sein und trotzdem das ganze Jahr auf Tour sein. Die Musik muß sich weiterentwickeln, darf aber nie die alten Fans enttäuschen. Wenn mein Bassist mit meiner Freundin schläft, muß das Label an unserer Trennung schuld tragen. So geht das nicht – zumindest nicht ernsthaft

Geschichtenerzählen lebt auch von mehr als der bloßen Wortabfolge, das gibt es– sofern es sich nicht sowieso um ein (mit dieser Intention) geschriebenes Wort handelt – zum Beispiel klare Korrelationen Freunde-Kneipe-Bier-Geschichtenerzählen. Ob da Bear vs Shark mithalten könnten? Ich glaube es erst einmal nicht und selbst wenn würden sie es nicht mit uns teilen, so wir sie denn nicht in just jene Situation drängen könnten.

Torsten: Wenn mir mittlerweile nicht schon komplett die lust daran vergangen wäre, dann könnte man Bear vs Shark vielleicht in eine situation ´drängen´ bei der eventuell am ende etwas bei herum kommt. Aber erstens bezweifele ich das mal ganz stark und, viel wichtiger, zweitens ist ein interview für mich natürlich auch immer ein mittel, um über themen zu sprechen, die in erster linie mich ganz persönlich beschäftigen. Themen, die in den seltensten fällen etwas mit der musik als solcher zu tun haben. An der irrigen annahme, dass die musik einer band indiz dafür sein könnte, dass diese themen auch bei diesen, mir unbekannten, individuen anklang finden, ist in der vergangenheit schon so manches interview fatal gescheitert. Persönlich muss ich das bei Bear vs Shark nicht aufs neue provozieren. Die eigentliche kacke an der sache ist, dass mir die bisherige, in ansätzen tiefer gehende, auseinandersetzung mit der band mittlerweile ein bisschen den musikalischen charme der platte vergrätzt hat. Nicht zuletzt das verleiht mir irgendwo ein gefühl von desillusionierter leere und lässt mich darüber grübeln, ob es noch sinn macht, sich ständig bestimmter illusionen zu berauben.

Daniel: Vielleicht ist es auch einfach besser, diesen Text hier zu überarbeiten. Ich quetsch dann beim Layout die Wunst-Bilder vom Sänger rein. Kunst kommt von Können, Wunst von Wollen, zur Erklärung

Torsten: Alles ist besser als ein interview mit ihnen zu machen, selbst ein fußballspiel wie S04 vs Werder, zu dem ich mich in kürze begeben werde. Und auf der fahrt dorthin werde ich aller voraussicht nach die Bear vs Shark cd hören…

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