März 17th, 2007

BAFFDECKS (#68, 02-1998)

Posted in interview by andreas

Seit nun mehr 8 Jahren sind die BAFFDECKS schon im Geschäft, was für eine deutsche Punk-band schon recht erstaunlich ist, noch dazu wenn die Band aus dem Umkreis von Karlsruhe kommt. Normalerweise ist hier die Lebensdauer einer Punkband auf 1-2 Jahre begrenzt. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass von der Anfangsbesetzung heute nur noch Gert (Gitarre) und Edde (Gesang) übrig sind.

In der Zwischenzeit konnte man immerhin 3 Platten und einige Maxis bzw. Samplerbeiträge ver-öffentlichen. Zuletzt erschien im Mai dieses Jah-res das Album „Zerreissprobe“ und anschlie-ssend zogen die Jungs wieder durch deutsche Lande zusammen mit RECHARGE. Nachdem sie wieder von der Tour zurückgekehrt waren, nahm ich mir Gert und ün (Gitarre) für ein Interview zur Brust.

***

Wo kommt eigentlich euer Name her?

Gert: Das ist eine lustige Geschichte. Wir hatten damals schon eine Band. Ich war mit Edde (Gesang) im Auto unterwegs, als wir am Strassenrand einen Bekannten von uns beim Trampen entdeckten. Wir hielten, um ihn mit zunehmen. Als er einstieg, merkten wir gleich an seiner Fahne, dass er ziemlich einen sitzen hatte. Wir fuhren weiter und da die Strasse ganz schön kurvenreich war, meinte unser Bekannter irgendwann: „Uh, was für ein Glück das ich jetzt nicht mehr fahren muss, sonst wäre mein Baffdeck weg!“ Er meinte wohl „Pappdeckel“ (gängiger Ausdruck für Führerschein in unserer Gegend). Auf jeden Fall fanden Edde und ich den Ausdruck gut und so kamen wir dann auf BAFFDECKS.

Wie schreibt ihr denn eure Songs? Entstehen die aus einer Session heraus oder gibt es bei euch den grossen Diktator der alles alleine macht?

ün: Die Songs entstehen meistens bei Sessions im Proberaum. Wir rauchen was und dann geht es los.

Gert: Wir spielen einfach drauf los und wenn ein Song soweit steht, dann kommt Edde für eine Probe dazu und wir spielen das Stück mit Gesang ein.

Ihr müsst also erst was rauchen bevor ihr probt?

ün: Müssen nicht, aber es hilft. Man ist viel kreativer.

Gerd: Das auf jeden Fall.

ün: Ist ja auch nicht so, das wir dann im Proberaum abhängen und einen Joint nach dem anderen rauchen. Wir sind dann ja nicht richtig zu. Aber einer ist schon in Ordnung. Man ist viel lockerer drauf. Die Ideen kommen dann leichter aus dir heraus.

Macht ihr das auch vor einem Konzert?

ün: Nee, das kommt nicht gut. Konzerte werden nüchtern gespielt. Das nervt mich ja selbst an, wenn ich auf ein Konzert gehe und vielleicht noch 100 km fahre und dann steht die Band, auf die man sich gefreut hat, auf der Bühne und blickt nicht mehr durch. Da ärgere ich mich dann schon. Zum Beispiel MONSTER MAGNET vor ein paar Jahren auf dem Dyna-mo. Mein Gott, der Sänger war so zu, der hat sich dauernd verspielt.

Nach der Hälfte vom Konzert bin ich dann weg gelaufen. Das hat einfach genervt. Schliesslich hat man Eintritt bezahlt um ein gutes Konzert zu sehen. Das ist ja selbst bei uns schon so, dass manche Leute von weit her kommen um uns zu sehen. Da muss man dann auch alles geben, für sich selbst und für das Publikum.

Ihr führt euch also gegenüber euerem Publikum verantwortlich?

ün: In diesem Fall schon. Wir haben das ja auch schon gehabt, dass wir zu bekifft oder zu besoffen waren, um noch gut zu spielen. Das macht auch für dich selbst keinen Spass. Nein, das muss ohne Drogen laufen. Die Leute im Publikum sollen ihren Spass haben und der überträgt sich ja dann auch auf dich und die Band. Das kann man am Besten nüchtern geniessen. Zum Proben aber ist es in Ordnung.

Wenn ich das richtig sehe, schreibst du Gert, fast alle Texte bei euch.

ün (Schnell dazwischen): Ja, er ist ein altes Ego!

Gert: So würde ich das nicht sehen. Ich habe halt meist schon eine Melodie im Kopf und dann ist es auch leicht einen Text dazu zu schreiben. Edde übernimmt die Texte und bearbeitet die Melodie nach, damit er sie gut singen kann. Ausserdem dränge ich mich nicht auf. Jeder kann einen Text schreiben, wenn er will. Aber da kommt ja oft nichts und so könnten wir ewig warten, bis ein Song fertig ist.

Würdet ihr euch selbst als politische Band bezeichnen?

ün: Gute Frage. Eine Frage, zwei Meinungen. Gert wird jetzt gleich sagen: Ja. Ich würde sagen: Nein.

Gert: Politisch, hm. Wir sind schon politisch, nicht so politisch wie z.B. GRAUE ZELLEN, womit ich sagen will, dass wir keine Polit-Punk-Band sind. Solche Bands haben zu allem eine klare Meinung und die wird auch klar gestellt wenn sie live spielen. Bei Ansagen und so. Wir sind eher in dem Sinn politisch, dass unsere Texte politisch sind. man muss ja nicht dauernd so Sprüche abdrücken wie: Nazis raus! Das wir die nicht mögen erfährt man auch durch unsere Texte. Ich finde es auch nervig wenn manche Bands stundenlang zwischen irgendwelchen Songs Statements abgeben, die man schon tausend mal gehört hat.

ün: Wir sind da auch nicht die Typen dafür. Bei uns ist keiner dabei der das könnte. Sich jetzt da hin stellen und vor den Leuten eine Predigt halten.

Ihr gehört also nicht zu den Bands die sich auf der Bühne super politisch gibt und lernt man sie dann privat kennen, dann ist davon meist nicht mehr viel übrig.

Gert: Wir sind als Band genau so politisch wie als Privatmenschen. Deshalb kann ich es auch nicht akzeptieren wenn manche Menschen behaupten sie sind unpolitisch. Jeder ist irgendwo politisch.

ün: Wir haben unsere Meinung und die spiegelt sich in den Texten wieder. Dazu können wir auch stehen. Für uns hat es auch mit Politik zu tun, dass wir darauf achten, das die Preise bei unseren Konzerten erschwinglich bleiben. Ob dies nun die Eintrittspreise sind oder das was wir für T-Shirts oder Platten verlangen. Manche Leute beschweren sich sogar noch wenn man seine CD’S für 20 DM verkauft. Wenn die wüssten was wir dafür bezahlen müssen, wenn wir die vom Label kaufen.

Was bezahlt ihr den?

ün: Das dürfen wir nicht sagen. Aber glaube mir es lohnt sich nicht besonderes. Wir machen das nur damit die Leute jederzeit die Chance haben eine Platte von uns beim Konzert zu kaufen. Es gibt doch immer wieder Menschen auf den Konzerten, die uns nicht kennen und denen gefällt es dann live und wenn dann der Preis für eine Platte stimmt, dann kaufen sie vielleicht noch eine CD oder LP.

Wie war das mit EXPLOITED auf Tour zu sein?

Gert: Klasse!

ün: Ja, das war richtig geil. Wir haben zwar nichts dafür bekommen und mussten jeden Abend unsere Backline stellen, aber dafür durften wir im Nightliner mitfahren. Das kommt mal richtig gut. Du legst dich abends nach der Show hin und wenn du morgens aufwachst, bist du in einer anderen Stadt. Zu essen und trinken gab es auch genug. Du musst dich fast um nichts kümmern.

Das EXPLOITED Publikum hat euch gemocht?

Gert: Doch wir kamen ganz gut an. Wir hatten zwar damit gerecht, dass man uns ignorieren würde oder noch schlimmer, von der Bühne jagen würde, aber das war nicht der Fall. Teilweise ging echt voll die Post ab, bei den Konzerten.

Ihr würdet das also wieder machen?

ün: Auf jeden Fall! Sofort!

Gert: Ja sicher.

Gert du machst ja auch das ganze Booking für euch. Ist es schwierig für euch eine längere Tour zusammen zu bekommen?

Gert: Nein, das geht schon. Ist natürlich einiges an Aufwand, aber wir kommen immer zu Konzerten. Ich habe auch ein ganz gutes Verhältnis zu vielen Veranstalter. Das läuft alles ganz fair. Ich mache das ja jetzt schon länger und die Leute wissen inzwischen, dass wir sie nicht abzocken wollen, sondern einfach nur unseren Spass haben.

ün: Das läuft bei uns ganz locker. Wir nehmen zwar oft Festgagen, aber wenn dann ein Veran-stalter nicht ganz rauskommt und wir den Eindruck haben, er hat seinen Job korrekt gemacht, dann lassen wir die Leute auch nicht hängen. Das bringt doch nichts wenn man auf seine vertraglich garantierte Gage besteht. Das macht nur schlechte Laune und man will ja meist wieder in dem Laden spielen. So lange die Veranstalter uns gegenüber fair sind, wird das auch weiterhin auf dieser Basis laufen.

Ihr habt ja im Moment auch nicht so das gute Verhältnis zur Steffi (besetztes Haus in Karls-ruhe)?

ün: Eigentlich wollten wir ja die Recordrelease-party zu neuen Platte in der Steffi machen und da haben wir dann auch angefragt. Die haben uns vertröstet und als wir dann wieder nachge-fragt haben, hiess es, sie wollen kein Konzert mit uns machen. Im nachhinein haben wir dann erfahren, dass da wieder diese Geschichte mit dem Spiegel mit gespielt hat.

Der Spiegel, das ist doch der Typ der eine Frau vergewaltigt haben soll?

Gert: Ja genau und weil wir den kennen, hiess es dann wir sind Vergewaltigerfreunde.

Also im Prinzip die gleiche Story wie bei Klaus N. Frick?

ün: Ja. Ich meine, wir kennen den Typen halt, der war als Begleiter mit, für EXPLOITED, und hat deren T-Shirts verkauft. Aber zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch gar nichts von der Story. Ausserdem sagt er, das er unschuldig ist. Das ist echt ein Jammer. Soll man jetzt bei jeder Person die man kennenlernt, erst einmal ein polizeiliches Führungszeugnis einfordern? Das ist doch Schwachsinn!

Gert: Vor allem finde ich es schlimm, wie sich solche Sachen aufbauen. Wir kamen schon in irgendwelche Clubs wo man uns als Vergewal-tiger beschimpft hat. Das ist doch abartig. Manche Leute haben nichts anderes im Kopf, als sich solche Geschichten auszudenken. Da macht man sich doch die eigene Szene kaputt.

Hat euch auf dieses Thema schon mal jemand direkt angesprochen?

Gert: Nein, das ging alles hinten herum. Ange-fangen damit, dass wir die Release-Party nicht in der Steffi machen durften. Das nervt echt. Im Prinzip müsste ja jeder, der auf der EXPLOITED-Tour beim Spiegel ein T-Shirt gekauft hat ein Vergewaltiger-Freund sein. Wohin soll das dann führen? Hoffentlich ist das Thema bald abgehakt.

Wie geht es denn jetzt weiter bei euch? Kommt irgendwann der grosse Durchbruch?

Gert: Daran glauben wir nicht. So lange es noch Spass macht, werden wir weiter machen mit den BAFFDECKS. Jetzt werden erstmal noch ein paar Konzerte gespielt und nächstes Jahr wollen wir dann die nächste Platte aufnehmen, damit nicht wieder soviel Zeit vergeht, wie zwischen „Zerreissprobe“ und „Die Zeit ist ein Mörder“. Wir haben auch schon einiges an Material.

Also hat keiner von euch Ambitionen ein grosser Rockstar zu werden?
(Allgemeine Erheiterung)

ün: Nein, das würde mit uns nicht funktionie-ren. Wir wollen einfach unsere Musik machen, unseren Spass haben und so lange noch Leute zu unseren Konzerten kommen, werden wir auch weiter machen.

Besten Dank für das Gespräch.

***

Interview: Frank Ehrmann

BAFFDECKS:

Edde (Gesang)

Gert (Gitarre)

ün (Gitarre)

Andi (Bass)

Goldfinger (Schlagzeug)

Bandkontakt: BAFFDECKS c/o Michael „Gert“ Schäfer Berliner Str. 59 76646 Bruchsal

Links (2015):
Wikipedia
Homepage
Discogs

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