März 14th, 2007

Kolumnen Dietmar, Dolf, Bremen Bouncer, Tom (#90, 10-2001)

Posted in kolumne by andreas

Dietmar

Es ist doch immer wieder amüsant: Da schnappt man irgendwo einen Namen auf, bekommt eine Empfehlung, sich damit unbedingt mal zu beschäftigen, und plötzlich hört man den gleichen Namen von allen seiten. als käme er plötzlich aus dem Nichts, als hätten alle innerhalb kurzer Zeit das Gleiche aufgeschnappt. Eine Sommernacht im Juni, irgendwo im Prenzlauer Berg: New Wet Kojak haben an diesem Abend im Privatclub in Kreuzberg gespielt. Leider waren viel zu wenig Leute da, aber die Band hat trotzdem gerockt. Anschliessend hatten wir in der Nähe meiner Wohnung eine Kneipe gesucht, um noch ein paar Bier zu trinken – was am früher mal so angesagten Kollwitzplatz gar nicht so einfach war. Um 1 Uhr war nämlich überall schon Schluss.

Die Szene hat sich mehr als deutlich nach Friedrichshain verlagert. Glücklicherweise spricht einer aus der Band italienisch, deswegen durften wir bei einem Italiener noch sitzen bleiben und bekamen am Ende sogar zwei Runden Bier statt der einen – „aber die ganz schnell“. Wie hätte man New Wet Kojak besser ankündigen können, um Leute zu ziehen? Ist es okay, wenn man auf Bands wie Three, Gray Matter und natürlich Girls Vs. Boys hinweist und so mit Namen wirbt, die eigentlich gar nicht für New Wet Kojak stehen? Und darf man bei anderen Bands (irgendwie kamen wir auf Juno, siehe das Interview im letzten Heft) das Wort „Emo“ benutzen, weil eine bestimmte Klientel dann kommt? Sänger Scott und ich endeten in einer interessanten Diskussion – wobei Diskussion das falsche Wort ist.

Letztlich hatten wir sehr ähnliche Ansichten. Und als ich ihm dann erzählte, wie schwer es war, bis zum Herbst 2000 Leute davon zu überzeugen, welch grossartige Band At The Drive-In sind und wie hinterher es alle schon immer gewusst haben (weil dann die Band eine grossartige Marketing-Maschine hinter sich hatte), meinte er nur: „Lies mal Guy Debord. Das wird dir gefallen. Die ‚Gesellschaft des Spektakels‘ ist das interessanteste Buch, das ich in letzter Zeit gelesen habe.“ Guy Debord? Nie gehört, den Namen.

Bei Amazon gibt es ein paar Bücher von ihm. Welche Bedeutung der Mann mal hatte, war mir noch nicht klar. Ich mailte einem englischen Freund, der gerade an seinem PhD sitzt, sich mit der Darstellung der Gedenkstätte Sachsenhausen in den vergangenen Jahrzehnten beschäftigt und schwer links ist. „Ich wollte Guy Debord eigentlich für meine Arbeit benutzen“, war seine Antwort. Und: „Wenn du ‚No Logo‘ von Naomi Klein gelesen hast, dann hätte dir der Name auffallen können.“ War er nicht, aber immerhin suchte ich im Internet nach dem Text, fand „Die Gesellschaft des Spektakels“ zum Download und druckte mir das komplette Werk aus – nur um festzustellen, dass die Süddeutsche Zeitung eine Woche später einen halbseitigen Artikel über Debord brachte und die Bedeutung seiner Theorie für linke Globalisierungskritiker.

Der Franzose gehörte, um es kurz zu fassen, zu den wichtigsten Theoretikern der Pariser Studentenunruhen 1968. Aber man kann gerade dieses Buch auch als Kritik an der heutigen Mediengesellschaft sehen. Deswegen passt es auch so gut. Denn Debord analysiert sehr genau, wie Waren (und letztlich ist Kultur nichts anderes) zu Spektakeln gemacht werden, um Bedürfnisse zu wecken und Menschen zum Konsum anzuhalten – und zwar genau jene Waren, die die Industrie möchte. Deswegen sind die Menschen auch nicht freier als zu Beginn der Industrialisierung: Damals bekamen sie gerade so viel, um das Existenzminimum zu decken.

Heute gibt es zwar einen Wohlstand, aber genau diese Differenz wird den Menschen wieder abgenommen, indem sie es für scheinbare Bedürfnisse ausgeben. Das machen wir letztlich alle mit. Ich hab mir vor kurzem erst für ziemlich viel Geld ein iBook gekauft, das damals gerade relativ neu war. Mein alter Computer bockte immer, wenn ich Flyer für Konzerte gestalten wollte. Ein bisschen mehr Arbeitsspeicher hätte es zwar auch getan, aber nunja, meine Begierde war eben geweckt.

A propos New Wet Kojak: Man soll ja nun nicht glauben, dass es einen irgendwie ‚interessanter‘ macht, wenn man Konzerte veranstaltet (der Uncoolness-Faktor dürfte in etwa so hoch sein wie beim Schreiben für irgendwelche Fanzines). Aber da steh ich doch tatsächlich Anfang Juni in einem Berliner Hardcore-Plattenladen und werde von einer fast unglaublichen Frau angesprochen, ob ich das New Wet Kojak Konzert veranstalte. Klar, sie wollte nur wissen, wann die Show anfängt und wie hoch der Eintritt sein würde. Aber hey, immerhin war das mal sowas wie ein Anfang (man muss kleine Schritte machen, nicht wahr?

Anschliessend lief sie mir ständig auf irgendwelchen Konzerten über den Weg, und tatsächlich entwickelte sich dabei sowas wie eine lockere Bekanntschaft. Und dann passierte das, was sich seit Jahr und Tag wiederholt: Ich wurde völlig verkrampft und alles andere als locker. Ich bin so erzogen, dass ich immer über alles die absolute Kontrolle haben will – ich habe in meiner Familie das genaue Gegenteil erlebt, und mir wurde immer sehr deutlich gemacht, was passieren könnte, wenn ich stattdessen irgendwas exzessiv auslebe.

Aber es gibt eben Dinge, die man nicht kontrollieren kann. Emotionen zum Beispiel. Ich bemühe mich nun schon eine ganze Weile, kontrolliert loszulassen, was gar nicht so einfach ist. Eigentlich ist es ja auch ein Widerspruch in sich: die Kontrolle bewahren, um Kontrolle aufzugeben. Das hab ich früher in meiner Band gemacht, wenn ich bewusst auf das Publikum losgegangen bin, um es zu Reaktionen zu provozieren. Und ich habe die Grenze jedes Mal ein Stückchen verschoben. Aber irgendwann mal traten wir vor einem Ostberliner Oi-Punk-Publikum auf, das mich deswegen liebend gerne verprügelt hätte, und dann war eh Schluss mit der Band.

In einer anderen Band liesse sich das aber nicht verwirklichen: Mich reizte daran nämlich immer genau diese Möglichkeit, Kontrolle abzugeben. Das Chaos war wichtig, nicht die Musik. Nur sah das ausser mir keiner, und deswegen fanden uns alle schrecklich. Um an den Ausgangspunkt zurückzukehren: Ich bemerkte also, dass ich die Kontrolle verlor, aber zugleich gab es seit jenem Tag keine Emo-Konzerte mehr hier in Berlin. Sie blieb verschwunden – und so sehr mich das ärgert, umso leichter macht es mir diese Ausgangslage.

Ich muss ja keinen Mut beweisen. Das alles passt übrigens sehr gut zu Pleasure Forever, die ja ganz offensichtlich den Dreh raus haben, wie man kontrolliert die Grenze ganz weit verschiebt. Vielleicht mag ich die Band auch deswegen so sehr. Was ich in letzter Zeit gar nicht mochte, war ein Tourtagebuch in einem anderen Fanzine, wo eine nicht besonders wichtige süddeutsche Band erzählt, wie sie mit einer (leider wohl aufgelösten) amerikanischen Gruppe, die plötzlich und unerwartet ganz wichtig geworden war, auf Tour gehen durfte.

Das wäre alles nicht der Rede wert, würde nicht mein Name im Berliner Teil des Tagebuches gleich dreimal erwähnt werden (und ich mich nicht über einige Dinge ziemlich aufgeregt hätte). Verschiedene Leute hatten mich unabhängig voneinander auf den Text hingewiesen, der kritische Tenor war bei allen gleich. Und ich konnte diese Kritik ohne weiteres nachvollziehen. Ich will gar nicht mal darauf eingehen, dass die Band einige Dinge nur halbrichtig wiedergibt – das war wohl notwendig wegen, um die Dramaturgie zu verbessern. Ich hätte mir nur gewünscht, wenn mal nachgefragt worden wäre, warum bestimmte Dinge so und nicht anders sind.

Aber das erschien wohl nicht notwendig. Ich hatte jetzt eigentlich vor, bestimmte Aussagen dezidiert auseinander zu nehmen (das war es, was jene Leute kritisierten: dass auf der einen Seite die Band völlig arrogant gegenüber dem ‚unwissenden‘ Publikum rüberkommt, auf der anderen die Bedeutung der Band durch die Wertschätzung der anderen, bekannteren Gruppe definiert wird. Ist auch ne form von Groupietum, um es mal bösartig zu sagen). Aber ich lass es einfach. Ich wundere mich nur, warum es immer noch Menschen glauben, dass sie ‚besser‘ sind, weil sie einer bestimmten Szene angehören. Aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Dietmar

Favoriten in diesem Spätsommer:

Pleasure Forever – „Pleasure Forever“

Joe Strummer – „Global A Go-Go“

Juno – „A Future Lived In Pasted Tense“

Psycho-Path – live und Platten

All/Descendents – „Live (Plus One)“

 

***

 

DOLF

Es gibt natürlich erschreckenderes, aber ziemlich schlimm fand ich dann doch folgende Zahlen: Monatsmittel 18,4 C, ich rede hier nicht vom April oder so, nein, das war die durchschnittliche Termperatur hier in Bremen im Monat August!!! Dabei war der August noch „zu heiss“, denn normalerweise hat der August hier so 16,5 C. Ich habe das ja schonmal gesagt, aber man muss sich wirklich fragen warum Leute (und auch man selbst) hier eigentlich lebt. Naja, übers Wetter wollte ich hier eigentlich nicht schreiben, über die andere Scheisse die im August geschehen ist auch nicht. Der Trust Abend in der Kantine war zwar musikalisch ziemlich geil, aber leider (zum Glück erst zum zweiten Mal), ziemlich schlecht besucht – kommt vor. Wir haben trotzdem gefeiert. Es wird dann bestimmt voller an der 15-Jahres-Feier-Abschluss-Veranstaltung im späten Herbst in Frankfurt.

Es gab aber auch nettes im August, davon sollte ich euch vielleicht erzählen, von dem Wochenende in Berlin, zusammen mit Bettina. Eigentlich wollten wir ja nur kurz hin um am Freitag Abend der Geburtstagsparty von Anne beizuwohnen und dann am Samstag gleich wieder zurückzujetten – pustekuchen, mit jetten sowieso, weil keine Maschine geht und wir sind gleich bis Montag geblieben, da am Sonntag dann noch ein nettes Konzert im Wild at Heart war. Aber der Reihe nach, die Geburtstagsparty war cool, leicht über 100 Leute in einem Kreuzberger Hinterhof, ich kannte neben der Gastgeberin nur noch ca. 10 andere Leute, aber das genügte, Getränke bis zum abwinken, sehr laute Musik bis spät in die Nacht, äh Morgen, DJ Koze hat aufgelegt, aber das fand ich nicht so toll.

Nachdem wir dann am Samstag gemütlich mit unserer Gastgeberin Sabine gefrühstückt hatten haben wir spontan eine „kleine“ Radtour gemacht, es waren zum Glück gut 33, Sonne, also ideale Bedingungen. Von Friedrichshain zuerstmal zu den Merkschen Höfen, von dort weiter zum Reichstag, da die Schlange ganz kurz war sind wir da mal eben in die Glaskuppel hoch, dann noch schnell zum Kanzleramt rübergedüst, weiter zum Potsdamer Platz um sich den wahnsinningen Sony Center mal anzusehen. Dann schnell weiter in Volkspark Hasenheide, wo ein Jugger Turnier stattfand, sowat hab ich auch noch nicht gesehen, zwei Mannschaften prügeln mit gepolsterten Waffen aufeinander ein und versuchen den, err, Jug bei den Gegnern einzulochen.

Dort trafen wir dann auch auf Nanette, die aber mit Schiedsrichtern sehr beschäftigt war. Ausserdem waren ja bereits ein paar Stunden vergangen und von Neukölln/Kreuzberg sind es ja ein paar Meter zurück nach Friedrichshain, besonders wenn man die Stadt nicht so gut kennt und sich eher an den Hautpstrassen entlang orientiert. Auserdem war unsere nächste Station in Schöneberg, da sind wir aber mit der Bahn hin, ist eine grosse Stadt. Dort trafen wir uns mit meiner Cousine Anita, wir hatten uns seit 15 Jahren nicht gesehen, so waren wir alle angenehm überrrascht das wir und doch erst gegen 2 Uhr Nachts verabschiedeten.

Sonntag dann nach einem entspannten Frühstück, wieder bei Sabine, ab zum Landwehrkanal wo wir noch mal eben eine 3  stündige Stadtrundfahrt mit einem Boot machten. Hab ich erwähnt das auch an diesem Tag die Temperaturen über 30 C waren – sonnig. Also ideal. Schöne relaxte Stadtrundfahrt über Landwehrkanal und Spree. Am früher Abend dann nochmal zu der Geburtstagsfeierenden vom Freitag, um noch ein paar Worte in Ruhe zu schnacken um dann am Abend rüber ins Wild at Heart zu gehen um die slowenische Band Psycho Path anzugucken – ich sag nur es hat sich gelohnt. Als wir dann am Montag die Rückfahrt antraten – mittlerweile regnete es – und wieder in Bremen angekommen sind haben wir uns über ein super Wochenende gefreut, das wir so spontan in Berlin verbracht hatten. Warum ich das hier alles aufschreibe, weil ich Bock drauf habe. So sollen tolle Wochenenden sein, kein Stress, keine Langeweile und in jedem Fall um die 30 Grad – yeah!

 

***

 

DAMIEN

BREMEN BOUNCER

HELL AIN`T THAT BAD PLACE TOO BE!!?

Willkommen, sehr geehrte Leser. OK, was Ihr hier jetzt zu lesen bekommt ist, um es mit singenden Geigen zu sagen, nicht viel. Ich war diesen Sommer sehr faul. Wenn ich nicht gearbeitet habe, habe ich mich auf meiner Oase entspannt. Aber nachdem wir also nun alle den Sommer hinter uns gebracht haben, ist es Zeit sich Storys zu erzählen von Urlauben, durchzechten Nächten und aufregenden Ficks. Wo treibt sich denn ein klassisch-doofer Türsteher wie Euer Liebling aus der Hölle wohl herum, ausser auf Malle am Balle. Entweder Party machen oder Partymässig arbeiten, wa?

Weit gefehlt, Guys! Oder habt Ihr irgendwo Schlagzeilen ala „Ballermann-Brutality“ oder „Mallorca-Genozid“ gelesen, denn für mehr als eine gepflegte ethnische Säuberung dürfte dieser Auflauf von Vollassis nun wirklich nicht taugen. Genauso übrigens die Love-Parade, die in diesem Jahr erstmals nicht als politische Demonstration stattfand (ein schwerer Rückschlag für die politische Kultur in diesem Land übrigens), sondern als die kommerziell aufgezogene Parade von schwachsinnigen Zappelbrüdern mit Hang zum tuntigen Outfit.

Wo wir grade beim Thema sind: Ich möchte dieses Mal eine Hitliste von Orten auf diesem Planeten erstellen, die definitiv „Die Hölle“ sind. Dabei meine ich „Hölle“ nicht als diese verklärte Definition klebrig-romantisierten Ort, wo man z.B. höllisch abgefeiert hat oder ein Erlebnis das echt „Hölle“ war. Diese naive Sichtweise, zu der auch der „supercoole“ Teufel mit dem schmart-bösen Grinsen incl. dicker Zigarre gehört, ist definitiv für den nächsten Schrotthaufen. Hier geht es um das pure Böse, das dämonische Gesicht in dem keinerlei Freundlichkeit zu erkennen ist. Ein grosses schwarzes Loch. Das ist die Hölle. Musikalisch irgendwo zwischen Integrity und Slipknot.
Also, WO IST „DIE HöLLE AUF ERDEN“?

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Wie bereits beim letzten Mal erwähnt, bietet ein von Arbeitslosigkeit und Hunger bedrohter Ex-Türsteher namens „Ingo Wimmer“ Seminare an, in denen er Diskopupsern vermitteln will, wie er glaubt, dass sie die Männer an der Tür mitunter psychologisch austricksen können, um doch noch den heissbegehrten Einlass in den Zappelschuppen zu bekommen. Das der Seminarleiter Zeit seiner Karriere nur in snobistischen Elite-Diskotheken gearbeitet haben dürfte, merkt man schon an dem Visitenkartentrick, den ich beim letzten Mal bereits präsentiert habe und der anscheinend der Oberrenner seines Seminars ist.

Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten hier jetzt die Gegenoffensive. In Beton geschriebene Weisheiten der grossen Tür von Damien himself

1.) Wenn Dir eine dich betreffende Anordnung des Türstehers (wie z.B. ein Rausschmiss oder die Aufforderung die Bierflasche im Laden zu lassen) nicht zusagt, frage vielleicht im heikelsten Fall einmal nach. Aber: Versuche niemals darüber zu diskutieren.

Merke: Türsteher sind nicht das „literarische Quartett“

2.) Nicht gleich erschrecken oder gar zum Anwalt rennen, wenn der Türsteher einmal etwas lauter, direkter oder nonchalanter wird. Nach der dritten Aufforderung ist das ganz normal. Der Fehler ist hier oftmals eher in der eigenen Begriffsstutzigkeit bzw. Ignoranz zu suchen.

Merke: Türsteher sind keine Kindergärtner!

3.) Wenn dir trotz deiner vielen Kohle der Weg in den anvisierten Fummelbunker verwehrt bleibt, mach dich nicht lächerlich und steck das Geld weg.

Merke: Türsteher sind keine Bullen!

4.) Erhebe niemals den Anspruch das Türsteher immer lächeln müssen.

Merke: Türsteher sind keine Pausenclowns

5.) Ignorieren oder sich taub stellen ist keine geeignete Massnahme gegen über einem Türsteher

Merke: Türsteher geben Anweisungen und keine Empfehlungen!!!

Wenn ihr diese Regeln beherzigt, dürfte es keine grossartigen Probleme mehr geben. Gut, sie sind nicht dazu geeignet doch noch reinzukommen, aber es gibt nun mal Tatsachen auf dieser Welt die nicht verhandelbar sind.
Nachdem wir das also geklärt hätten können wir zum kulturellen Teil übergehen.

Es gab diesen Sommer auch wieder so`n paar schöne Events. Besonders hervorzuheben sei an dieser Stelle die „Old-School-Skate-Session“ im Schachthof zu Bremen. Nein, das war kein Trick um ahnungslose Inliner der Gerechtigkeit zuzuführen, sondern eine turbogeile Skater-Party bei strahlendem Sonnenschein, Unmengen feinster Punk-Rock-Musik (und Slayer!!!) und jeder Menge cooler Menschen. Ein Höhepunkt des Jahres unbestritten. Auch sehr schön das Arena-Konzert der Ramones-Coverband „Ramanose“ im gleichen Schlachtetablisement.

Sonnenschein und Punk-Rock sind eine schier unschlagbare Mischung. Bei dieser Gelegenheit wurde übrigens die Behauptung widerlegt, die Ramones hätten nie in Woodstock gespielt, denn die einzigen, die dort das Tanzbein schwangen war ein Hippiepäarchen derbster Sorte.

Auf meine Anwesenheit verzichten musste allerdings die selbsternannte Hardcore-Band Ignite aus Kalifornien, die wohl eher einen mit harter Musik unterlegten Abklatsch der Dream Men des gleichen Landstrichs darstellen wollen. Ich wäre sogar hingegangen, um ein paar Leute zutreffen, aber ich hab`s verpennt und lag statt dessen auf meinem Sofa und habe Asterix-Comics gelesen. Und ich bin mir ziemlich sicher nichts verpasst zu haben. Schon als ich den Fehler machte 1996 mit diesen Idioten ein Konzert in Aurich zu veranstalten, war die Doppelmoral die hinter den ganzen Predigten des Sängers Zoli verborgen lag offensichtlich.

Bevor sie damals auf die Bühne stiegen und von „Save the Whales“ und „Boycott Philip Morris“ geseiert haben beschwerten sie sich Backstage über das vegetarische Essen und zogen sich statt dessen „ne leckere Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt rein. (Vegetarier hin oder her. Wer sich schon so aufspielt, sollte sich wenigstens auch selber an die gepredigten Grundsätze halten.)

Auch glaubte ich bis dato nicht, dass es sowas wie Groupies abschleppen im Hardcore-Bereich gibt. Nun, diese Jungs machen unter der Hand keinen Hehl draus, was für verkackte Rockstarficker sie doch sind., was sie in Bremen einmal mehr unter Beweis gestellt haben (Dabei steht zu bezweifeln, dass der Hardcore-Kastraten-Sänger Zoli über das nötige Gerät verfügt.) Woher ich das weiss? Tja, ich habe einen Kollegen, der in dem Club arbeitet in dem die „After-Show-Party“ stattfand.

So, zum Schluss noch eine Geschichte aus dem Türleben. Marke: Dabisteaberplatt!!! Vor kurzem fragte mich so`n kleiner Türke mit extremen Dumbo-Ohren nachdem er mit der Diskutiernummer (siehe Regelwerk) nicht mehr weiter kam, nach meiner Nationalität. Als ich ihm meine deutsche Staatsbürgerschaft offenbarte meinte der laufende Meter mich als „Kartoffel“ bezeichnen zu müssen. Worauf ich nur trocken erwiderte: „Wollen wir hier jetzt etwa rassistisch werden?“

Was soll ich sagen? Diese Frage hat bei dem Schrumpf-Osmanen wohl einen Kurzschluss im Betriebssystem verursacht, sah er sich doch mit einem Vorwurf konfrontiert den er sonst immer nur auszuteilen pflegt. Auf jeden Fall wurde der Kleine von seinen Kollegen wild zeternd die Strasse hinunter gezogen. So kann`s kommen.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass der Autor dieser Glosse auf seinem Weg zum Grössenwahn noch eine Stufe höher gerückt ist, erhielt er doch vor wenigen Wochen einige Tausend Autogrammkarten mit dem Konterfei dieser Rubrik von einer Firma namens City Beat, die dieses Foto auch gemacht hat. Darüber hinaus ist www.damiensatanson.de jetzt online.

Ihr seht, die Weltherrschaft ist zum greifen nahe. Sieh dich vor, Dolf!!!!!

Damien Satanson

Contact: damiensatanson@yahoo.de

 

***

 

TOM

PUT ON YR. shitkickers…

Einer dieser heissen, stickigen Samstagnachmittage. Das Hemd klebt auf der Brust und selbst im Schatten laesst es sich nur muehsaelig bewegen. Hedo, mein neuer afrikanischer Bekannter ist die Auffahrt zur Lodge hochgefahren gekommen. Sein 50er Mortimer-Leichenwagen funkelt frisch poliert im Sonnenlicht und ein Grinsen zieht sich quer ueber sein Gesicht, welches nicht nur massive Zufriedenheit ausdrueckt, sondern dem von Blendie Blendax aus der alten Kinderzahnpasta-reklame mindestens ebenbuertig ist. Ich habe diese Schwarzen ja schon immer um ihre strahlend weissen Zaehne beneidet.

Und dieser Kerl raucht dabei noch wie ein Schlot, ohne das die ueblichen nikotinbedingten Vergammlungserscheinungen auftreten. Fuer seine enorme Fettleibigkeit hat er sich ueberraschend schnell durch das Vorgartengestruepp und an den Jacaranda-Baeumen vorbeigearbeitet und schmeisst sich nun mit seiner ganzen Koerperfuelle in einen jaemmerlich aufaechzenden Korbstuhl neben mir, bestellt sich einen doppelten Gin mit Sprite auf Eis und beginnt erbarmungslos den Vorhang zu meinem liebevoll gepflegten inneren Daemmerzustand zu heben. „Sieben Saerge habe ich gestern noch verkauft, Tom. Plus einen Kindersarg.

Dabei habe ich meinen Laden schon um 2pm zugemacht und meine Leute ins Wochenende geschickt.“ Beglueckt schnalzt Hedo mit seiner Zunge und faehrt lachelnd fort: „Als ich heute morgen das Gatter aufschliessen wollte, standen da schon zwei Familien aus Rosslyn und warteten auf mich. Keine Ahnung wie lange schon, das war 6 Uhr in der Fruehe. Jedenfalls hatte sich der Vater der einen Familie mit dem aeltesten Sohn der anderen Familie in der Nacht beim Wuerfeln in die Haare gekriegt. Um 140 Rand haben die sich gestritten und um ein Cellular als Spielpfand ging es, glaube ich. Der Juengere hat dann zuerst das Messer gezogen. Young men crazy.

Da war ich also noch nicht in meiner Werkstatt und bereits zwei Saerge los.“ Hedo hat vor ueber zwanzig Jahren die Tischlerei seines Onkels uebernommen. Eine winzige Klitsche, die ihn eine halbe Ewigkeit erscheinend am untersten Existenzminimum entlanghangeln liess. Als Aids Ende der 80er Jahre in der Gauteng-Area wie eine Atombombe einschlaegt und beginnt, verheerende Spuren durch die townships zu ziehen, veraendert sich seine Lebenslage schlagartig.

Eine kleine Halle zur Lagerung bereits gezimmerter jedoch noch nicht lackierter Bestattungskisten, um prompte Auslieferung zu gewaehrleisten, entstand vor einiger Zeit neben dem Haupthaus, in dem sich jetzt die modernisierte Werkstatt befindet. Mittlerweile beschaeftigt Hedo in seinem Betrieb bereits sechs Mitarbeiter und die Nachbarschaft betrachtet ihn respektvoll als gemachten Mann. Seitdem es tagtaeglich vier bis fuenf Aidstote und mehr exklusive Kinder einzusargen gilt, (Kindersaerge zaehlen bei Hedo nicht wirklich, schliesslich bringen sie nur 1/3 des Kaufpreises eines erwachsenen Models), hat er obendrein generoes die Wochenendarbeit abgeschafft. Laessig signalisiert er dem Kellner, uns zwei weitere Doppel-Gin auf Eis zu bringen und raekelt sich in seinem Stuhl in eine bequemere Position. „Weisst Du, Tom, Du magst mein Tun als haesslich empfinden.

Aber der Tod ist sicher, das Leben nicht. Gott hat mir einen Platz zugewiesen, der dem des Nilpferd aehnelt. Das Nilpferd ist das haesslichste Tier der Schoepfung, geschaffen am letzten Tag aus den Materialien, die uebrig geblieben waren. Anfangs war das arme Tier deshalb voller Scham und bat Gott um die Genehmigung, sich im Wasser verstecken zu duerfen. Gott ueberlegte nicht lange und verweigerte die Erlaubnis mit der Begruendung, dass das Nilpferd mit seinem riesigen Schlund schnell alle Flussfische eliminieren wuerde.

Traurig trat das Nilpferd am naechsten Tag wieder vor Gott und bat um die Genehmigung, sich im Wasser verstecken zu duerfen, verband die Bitte diesmal aber mit dem Versprechen, kein Fischfresser zu werden und obendrein die Naechte an Land zu verbringen. Wieder reagierte Gott ablehnend und so trat das gepeinigte Tier am folgenden Tag ein letztes Mal vor den Schoepfer, um seine Bitte zu wiederholen, mit der Ergaenzung, nur des naechtens fressen zu werden und sich ausschliesslich vegetarisch zu ernaehren. Gotte runzelte die Augenbrauen, ueberlegte scharf und kurz und willigte schliesslich unter einer weiteren Bedingung ein:

Das geht okay fuer mich, wenn Du Deine Scheisse von den Voegeln auf Fischgraeten untersuchen laesst.“ Ein wenig ueberrascht von dieser biblischen Metapher nehme ich meinen naechsten Drink entgegen und schaue Hedo fragend an. „Mein Freund, Du scheinst offensichtlich nichts von oekologischen Nischen zu verstehen. Und im uebrigen: Lange schon habe ich aufgehoert, mich zu schaemen. Fuer was auch? Die Menschen um mich herum wuehlen zwar weiterhin in meinem Muell. Aber was macht sich bezahlt am Ende eines Tages? Ich zucke mit den Schultern. „Kindersaerge?“. Sein offenes Lachen schwebt ueber der Veranda. Wir ueberlegen, ob wir essen fahren sollen.

tom dreyer/Durban/10.09.01

AIR „10.000 hz Legend“

GROOVE ARMADA „VERTIGO“

BENGUELA „DIGITAL INABILITY“

FOETUS „FLOW“

SPRINGBOK NUDE GIRLS „RELAXZOR“

 

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