Januar 29th, 2019

Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst – Jaron Lanier

Posted in bücher by Dolf

Hoffmann und Campe Verlag, Harvestehuder Weg 42, 20149 Hamburg, www.hoffmann-und-campe.de

Soviel vorneweg, meine „Soziale Medien Konten“ hab ich nicht gelöscht. Obwohl das was Lanier hier schreibt in der Tat sehr bedenklich ist. Zum einen ist das aber oftmals nichts neues – das Daten gesammelt werden und diese gespeichert und weiterverwendet werden. Und zum anderen kann man ja auch durch die Art und Weise wie man die Konten nutzt dazu beitragen das gewisse Dinge eben nicht bei den „Bummern“ landen. Die sind nämlich schuld. Dieses Akronym hat Lanier eingeführt, es steht für „Behaviours of Users Modified, and Made into an Empire for Rent“ (Verhaltensweisen von Nutzern, die verändert und zu einem Imperium gemacht wurden, das jedermann mieten kann) umgangssprachlich bedeutet Bummer immer etwas unerfreuliches.

In diesem Fall geht es um eine Schnittmenge: die Tatsache das alle Geräte mit sich herumtragen die für massenhafte Verhaltensmodifikation geeignet sind, die User in Online Umgebungen gedrängt werden die unsere schlechtesten Eigenschaften zum Vorschein bringen und das sich so enorm viel Macht auf die wenigen Akteure verteilt, die die gigantischen Cloud-Netzwerke kontrollieren. Das Problem entsteht dann dadurch das diese oben erwähnten Phänomene von einem Geschäftsmodell angetrieben werden, das darauf abzielt, Kunden zu finden, die bereit sind, dafür zu zahlen, das Verhalten anderer Menschen zu ändern. Dieses Geschäftsmodell müsste man loswerden, denn gegen das Internet, mobile Geräte und private Vernetzung spricht ja nichts. Es ist auf jeden Fall interessant von einem Insider (der Autor ist Internet-Pionier der ersten Stunde, lehrt an verschiedenen Unis und ist Chefstratege bei Microsoft Research) aus dem Silicon-Valley einen Einblick in die Welt von Facebook, Google und Co. zu bekommen, die beiden sind nämlich die größten „Bummer“. Und schaden – laut Autor – mit ihrem Geschäftsmodell der Demokratie, indem sie Armut, Hass und Entfremdung fördern. Manchmal allerdings fragt man sich ob dieses Buch nur an Leute gerichtet ist deren gesunder Menschenverstand bereits abhanden gekommen ist, wenn empfohlen wird sich Nachrichten nicht bei Facebook zu besorgen, sondern mal auf eine unabhängige Nachrichten-Webseite zu gehen…. äh, ja. Interessant auch seine Sichtweise auf den „KI-Hype“ – Künstliche Intelligenz haben sie (also Jaron und seine Kumpels) sich damals ausgedacht um an Fördergelder ran zukommen und so richtig intelligent ist Software seiner Ansicht nach nicht.
Er sagt auch vorher das sich die eigentlich gute #MeToo Debatte demnächst in das genaue Gegenteil verwandeln wird, aus genau diesen oben benannten Gründen. Sieht ja grade so aus – warten wir es ab. Irgendwie ist hier viel Meinung gemischt mit Spekulation und Wissen zusammengeschüttet und relativ flapsig (Rette Kinderleben: Lösch deine Accounts.) zu einem Buch geformt. Sicherlich gut für Leute die ALLES über Google und Facebook machen, also ihr ganzes Leben dort speichern, verwalten und offenbaren – ob die hiermit aber erreicht werden ist eine andere Frage…. es bleiben irgendwie gemischte Gefühle nach der Lektüre…. Trotzdem würde ich das lesen eher empfehlen, statt davon abzuraten. 205 Seiten, gebunden. 14,00 Euro. (dolf)

Isbn 978-3455004915

[Trust # 193 Dezember 2018]

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