September 4th, 2017

WHITE FLAG (#90, 10-2001)

Posted in interview by Jan

White Flag waren schon immer eine Band, die nicht unbedingt jeder mochte, oder zu mögen wagte. Ich war 1986 leider nicht auf einem ihrer Konzerte in Deutschland, aber natürlich hatte auch ich, wie jeder der damals Fanzine laß, die Vorwürfe, die Tatsachenberichte etc. gelesen. Ich fand die Vorwürfe recht an den Haaren herbeigezogen, aber behielt das schön für mich, zu vehement war das kollektive Verbannen dieser Band. Die Platten hörte ich trotzdem und eins mußte man den Kaliforniern lassen, sie hatten ihren eigenen Humor. Nun fand ich getreu der Maxime aus Nagold „Don’t Forget The Fun“ gerade dies sehr wichtig. Platten die man nicht hören konnte, weil sie absichtlich so gemastert waren das die Nadel bei den letzten Liedern sprang, Cover die INNEN bedruckt waren, Songs in Deutsch oder Spanisch gesungen, ohne auch nur ein Wort verständlich auszusprechen, das alles fand mein Gefallen. Seit den Späten 80ern gab es nur noch sehr unregelmäßig Singleveröffentlichngen und so freute ich mich, als ich in einer Empty Anzeige die Vorankündigung für ein neues Album sah. Via Joe von Empty bekam ich Pat Fears emailadresse. Was zuerst mit ein paar Fragen und Antworten begann wuchs schnell zu dem was ihr hier lesen könnt. Enjoy!

Wer spielt jetzt in White Flag?

PAT FEAR: Ich auf jeden Fall, da gibt es kein Entkommen. Wer einmal bei White Flag eingestiegen ist, kommt nicht mehr weg.

DOUG GRAVES: Ich auch! Seit 20 Jahren!

KIM GRIMSON: Ich auch, ich bin das neueste Mittglied, seit 1995 und die neue Platte ist meine erste mit der Band.

EL FEE: Ich bin, war, und werde immer ein Teil von White Flag sein.

PAT: Jeder der einmal bei uns mitgemacht hat, ist noch in der Band, wir proben halt nur nicht zur selben Zeit.

PICK Z. STIX: Ich spiele zwar nicht auf dem neuen Album, werde aber mit der Band touren. Deshalb beantworte ich hier auch die Fragen. Ich bin aber ziemlich faul, also erwarte nicht zu viel, außerdem kann ich nicht tippen. TRACE ELEMENTS Computer ist kaputt, also wird er hier nichts sagen.

JELLO B. AFRO: Ich antworte aus historischen Gesichtspunkten, und um ein Bißchen zu stören…..

EL FEE: Leute kommen und gehen, aber sie werden zu einem Teil der Band, sobald sie auf einer Platte oder Live zu hören sind. Ich bin sehr viel mit dem Peace Corps im Ausland unterwegs, werde wahrscheinlich auch nicht in der nächsten Zeit mit auf Tour kommen können, aber ich spiele auf der neuen Platte.

DOUG: Die Band war gerade in Spanien auf Tour, das heißt es waren Pat und Trace, plus zwei Leute, die noch nie in der Band gewesen waren, Javier Escovedo von den Zeros an der Gitarre und Bruce Duff von ADZ am Bass.

PAT: Auf der neuen Platte hat Javier bei einigen Songs mitgeschrieben und spielt bei „Counterclockwise“ Gitarre. Ich kenne ihn seit vielen Jahren. Ich hatte vor einigen Jahren für unser Label Gasatanka eine Zeros LP veröffentlicht und sie auch produziert. Bruce kenne ich noch aus Zeiten bevor White Flag sich gründete, er ist aus unserer Heimatstadt. Das Ganze kam zustande, da Doug nicht touren konnte und El Fee mit dem Peace Corps in Süd Amerika war. Kim und Ronnie von den Muffs hatten auch etwas zu tun, also fragten wir einfach ein paar Freunde. So funktioniert White Flag. Wir wollten unbedingt in Spanien spielen, wir lieben das Land!! Außerdem konnten wir ein paar Zeros Songs spielen, was den Leuten offenbar sehr gut gefiel. Auf dieser Tour wurde eins unser Konzerte in der beliebtesten Sendung des Spanischen Staatsradio übertragen. Über vier Millionen Leute habe da via Radio zugehört, man das was gruselig!!!

KIM: Da war ich gerade mit REM als Keyboarder unterwegs, konnte also auch nicht mit, aber ich erinnere mich an ein Konzert mit White Flag in Spanien, als wir als Headliner in der Stadt Pradejon spielten. Das war völlig verrückt, völlig außer Kontrolle!! Drei Tage Festival, die ganze mittelalterliche Stadt wird zu einem Rockfestival, es gibt quasi keine Gesetze mehr, jeder machte was er wollte, aber trotzdem gab es keine Gewalt, niemand machte Ärger. Alle waren einfach nur betrunken und verrückt. Meine andere Band The Posies spielte auch, an einem anderen der drei Tage, so kam ich dazu zweimal als Headliner zu spielen.

Das Keyboardspielen bei REM, ist das nur ein Job, oder stehst du voll hinter der Band? Ich finde ihre frühen sehr 60s beeinflußten Sache recht nett, aber die letzten Platten fand ich ziemlich grauenvoll.

KIM: Also ich mache es immer so, daß ich bei Interviews nur über die Band spreche, die gerade interviewt wird. Ich respektiere zwar deine Meinung über REM, aber behalte diese Frage im Kopf und stelle sie wieder wenn du REM interviewst. Laß uns über White Flag reden, OK?

JELLO: Genau!! Ich spiele zwar gar nicht richtig auf der neuen CD, aber ich habe den letzten Song „R.U. Receiving Me“ mitgeschrieben und spiele Trompete darauf. Es ist das erste White Flag-Album das viele Bläser hat, bei drei Songs glaube ich.

Das zweite Saints Album ist eine meiner All-Times-Faves, ich mag es sogar noch lieber als „I’m Strandet“ Also Bläser können sehr cool sein….

PAT: Trace und ich sind große Fans aller ihrer Platten! „Eternaly Yours“ ist toll, aber auch „Prehistoric Sounds“.

DOUG: Ich möchte „In The Mirror“ von „Monkey Puzzle“ irgendwann mal covern.

PAT: Auch sind drei Songs von 17 nun wirklich nicht „viel Bläser“! Eigentlich ist es auch nur der Typ von den Voodoo Glow Skulls. Jello und Doug spielen ein wenig Trompete, sie haben schon in der High School zusammen in einer Marschkapelle gespielt.

Wie schreibt ihr Songs? In den Proben, oder wenn jemand mit einer Idee kommt? Weiß er dann, wer in der momentanen Inkarnation der Band spielt? Spiegeln die jeweiligen Songs das jeweilige Line-Up wieder?

PAT: Die Songs spiegeln die Mitglieder wieder, die ihn geschrieben haben. Das jeweilige Line-Up das ihn dann aufnimmt, hat dann einen weiteren Effekt auf diesen Song, und das Line-Up, daß ihn dann live spielt wieder. Aber er wird immer wie White Flag klingen! Auch wenn jemand den Song live singt, der nicht auf der Platte dabei war, bleibt der Sound derselbe, nur die Stimme ist anders. Als Kim Shattuck in der Band war, sang sie live die Vocals, die auf den Platten von Doug gesungen wurden, und das war klasse!

DOUG: Ich habe eine dieser Shows gesehen, es was wirklich cool. Wir haben schon immer Songs mit Melodien und Harmonien geschrieben. „Cleocin“ ist ein totaler Popsong. Sogar als Al Bum gesungen hat, waren unsere Songs Pop, obwohl er kaum singen konnte. Es klingt nur anders wenn ein Hardcoresänger versucht Melodien zu singen. Der Schreibprozess ist der selbe. Pat schreibt immer diese vertrackten Rhythmen und Taktwechsel und quält uns dann so lange, bis wir gelernt haben sie zu spielen. „Wake Up Screaming“ zum Beispiel, das ist ein völlig kranker Song wenn du ihn live spielst.

PAT: Ich bin sehr von den Germs geschädigt. Sie haben immer eigenartige Taktwechsel und seltsame Akkorde benutzt. Wir haben noch einen alten Song „Architects Of Fear“. Den kann scheinbar außer mir keiner richtig spielen.

EL FEE: Ja, das ist so, weil der scheiß Song plötzlich in der Mitte quasi rückwärts lauft. Völlig unmöglich zu spielen. Der Takt geht von 7/8 zu 6/8 zu 5/4, und das alles in 10 Sekunden!!

DOUG: Und dann wird es erst richtig kompliziert!! Der ist noch härter zu spielen als „Wake Up Screaming“.

Warum wechselt die Besetzung andauernd?

PAT: White Flag ist ein Hobby! Es ist keine ernste Karriere. Wir machen es aus Spaß und wir haben eine Menge Freunde mir denen wir gerne zusammen spielen. Die original Band kommt so oft es unsere Leben erlauben zusammen. Wenn aber jetzt jemand eine Tour machen will, oder eine Platte aufnehmen will, machen das die Leute, die gerade verfügbar sind. Die Rangfolge in der Entscheidung, also wer jetzt ja, oder nein sagt, geht nachdem wer zuerst in der Band war, um fair zu sein. Die Band hat zwei Konzerte ohne mich gemacht, das waren meine Lieblingskonzerte.

EL FEE: Ich bin zwar dauernd mit dem Peace Corps im Ausland, also vermisse ich auch sehr viel, aber ich bin ein Gründungsmitglied, also kann ich als erstes auswählen.

KIM: Ich singe die Hauptvocals auf einer Single, die in Spanien bei Munster raus kam. Das war meine erste Arbeit bei White Flag.

DOUG: Wir gehen auf Tour, wenn wir Spaß haben wollen, aber wir haben nie ausgiebig getourt, weil wir einfach alle andere Sachen machen. Wir wollen mit der neuen CD in Deutschland touren. Pick Z. Stix, der auf der ersten Platte Schlagzeug spielt und auf „Wild Kingdom“ Gitarre und Gesang beisteuert wird wahrscheinlich mitkommen, da Kim mit den Posies und REM beschäftigt ist und El Fee wieder im Ausland ist.

Erzähl doch mal mehr über das Peace Corps. Ich habe mal irgendwo gelesen, daß es nicht nur humanitärische Hilfe sei, sondern das es auch Kritiker gibt, die behaupten, Amerika würde es benutzen um in der Dritten Welt mehr Einfluß zu erreichen. Aber ich weiß eigentlich nur wenig darüber.

PAT: HAHAHA, das ist das lustigste was ich je gehört habe, welch politischer Propaganda bist du da auf dem Leim gegangen??? Das ist so als ob du Greenpeace als Nazis beschimpfst!

EL FEE: Nein wirklich, das Peace Corps wurde von Kennedy gestartet. Leute die nicht nach Vietnam wollten, also nicht kämpfen wollten, konnten in das Peace Corps eintreten und dann irgendwo armen Menschen helfen. Deswegen wurde es ja „Peace“ Corps genannt, kein Krieg, keine politische Agenda !! Wir helfen immer noch heute auf der ganzen Welt Menschen. Hier ist eine gute, informative Webpage: http://members.aol.com/fordasset/rpcv/homepage.htm

PAT: Noch eine Mißverständnis um White Flag und Politik, das sich schnell in eine weltweite Kontroverse entwickeln wird. Yeah, Anti-Peace-Corps-Riots auf der nächsten Tour!! Ich kann es kaum erwarten.

EL FEE: Ich helfe armen Farmern in unterentwickelten Ländern. Wir helfen bei der Bewässerung, gerade dort, wo es nicht genug Wasser für die Felder gibt. Ich werde vielleicht nach Indien gehen, was mich etwas beängstigt, da es dort wirklich viele Krankheiten gibt. Ich muß mir Tausende von Impfungen holen, und ich hasse Spritzen!!! Die dortige Wasserversorgung variiert von verschmutzt bis verseucht bis hin zur Wüste. Das ist eine große Herausforderung, aber ich will das machen. Viele Leute dort verhungern, weil ihre Felder nichts hergeben, oder sie Mißernten haben. Sie brauchen soviel Hilfe von den reichen Ländern, wie sie bekommen können.

PAT: Ja, EL FEE, der White Flag Missionar!

EL FEE: Ich nehme immer White Flag Shirts mit und verschenke sie dann dort an die Kids, die nicht viel zum anziehen haben. Es ist schon witzig wenn du dann Kids in Ländern siehst, die die Band gar nicht kennen, oder überhaupt wissen was Punk ist.

DOUG: Ich habe oft keine Zeit für die Band, weil ich das Jr. Olympic Speed Skating Team trainiere und bei der Behindertenolympiade helfe.

PAT: In diesen Zeiten sind halt andere Leute bei uns, wie zum Beispiel Tony Adolescents, der aber nur auf einer Single gesungen hat, nie live auf der Bühne.

DOUG: Doch, er hat mit uns live „Demolition Girl“ auf der Bühne gesungen. Das war bei einer der Adolescents-Reunion Shows, die wir mit ihnen gemacht hatten.

PAT: Genau, der selbe Gig, wo wir „Nervous Breakdown“ mit Keith Morris gespielt haben, gutes Konzert!!

Existierte die Band jetzt die ganzen Jahre, oder war es nur ein Projekt, daß einmal im Jahr in L.A. auf einer Party gespielt hat?

PAT: White Flag existiert immer, aber es können Jahre vergehen und wir spielen nicht einmal live. Einmal im Jahr, dann vielleicht in Rußland, oder so, aber wir proben manchmal und machen Platten. Wir helfen gerne kleineren Labels wenn sie anfangen, deswegen gibt es diese ganzen Singles auf kleinen Labels. Wir wollen nicht einmal Geld, sondern hoffen nur, daß sich die Single so gut verkauft, daß das Label weitere Platten veröffentlichen kann. Wir haben uns auch nie als Band aufgelöst! Dieses Jahr wird es auch schon wieder zwei neue Releases geben. Die neue CD bei Empty und eine 12″ mit Raritäten auf dem Label von einem deutschen Fan. Dann ist zu unserem 20. Jubiläum auch noch eine CD geplant auf der ALLE, die jemals in der Band etwas gemacht haben, mitarbeiten sollen, aber wahrscheinlich werden es dann doch nur ich, Pick Z., Doug, Trace und ein neuer Drummer mit Namen Dave Landry sein.

DOUG: Unter all diesen Singles bin ich immer noch auf die EP „Freedom Fighters“ am meisten stolz. Die haben wir in Süd Afrika auf einem super coolen Label veröffentlicht und das Geld einer Anti-Apartheit Organisation gespendet.

KIM: Ich spiele in ungefähr 5 verschiedenen Bands, aber ich liebe White Flag. Ich war als Bassist dabei als White Flag in Anchorage, Alaska gespielt hat.

PAT: Alaska im Februar, Scheiße war das KALT!

EL FEE: Aber es war verrückt, Leute zu trafen die uns schon 1982 geschrieben hatten.

DOUG: Toll, ich mußte damals das Team trainieren…….

Warum gab es diese Pause in den späten 80er? Tausende von Singles, aber kein Album?

DOUG: Wir sind einfach faul

PAT: Eigentlich gab es nie eine richtige Pause, wir haben bloß kein Album veröffentlicht. Das kommt auch daher, daß wir alle recht weit weg von einander wohnen. Trace und ich leben in Riverside, Kalifornien. Kim lebt in Seattle, El Fee in Cleveland, Doug und Pick Z. leben auch Stunden von mir entfernt. Dadurch ist es schwierig alle zusammen zu bekommen. Wenn es dann mal klappt, kommen nur einige Songs dabei heraus und die gibt es dann als Single. Deswegen hat das neue Album auch so lange gedauert. Wir haben ewig gebraucht um alle Songs zu schreiben. Dafür ist es aber auch das erste Album mit nur Eigenkompositionen, keine Coverversionen.

DOUG: Wir spielen aber live immer noch Coverversionen, Songs die wir einfach lieben. Cheap Trick, Blue Oyster Cult, Saints, Kiss, Tausende……

DOUG: Was mich wundert, ist das uns niemand jemals in einem Interview nach unsere Namen fragt. Denn jeder in White Flag hat seinen White-Flag-Namen. Jeder Name ist ein Witz, der meistens über andere Bands geht. Trotzdem verstehen das viele nicht, oder fragen nicht. Kim Crimson heißt eigentlich Ken Stringfellow. Mein Nachname ist natürlich auch nicht Graves. Das ist ein Witz über den Bassisten von den Bags, 45Grave, Gun Club. Sein Name war Rob, also machte er sich einen Witz und nannte sich Rob Graves. Er ist leider gestorben, aber er war ein toller Bassist, und er fand meinen Namen witzig.

JELLO: Es kann sich niemand vorstellen wie viele Leute denken oder dachten, ich sei der selbe Mensch, wie der Jello, der für die Dead Kennedys sang. Es ist ja ziemlich offensichtlich, da ich schwarz bin, Hahaha! Aber Leute fragten mich andauernd wegen den Kennedys. Ich bekam Fanmail, in denen mich Leute fragten warum ich jetzt in White Flag mitspielen würde und nicht mehr bei den Kennedys. Manchmal schrieb ich zurück um ihnen „klarzumachen“, daß ich in Wirklichkeit Klaus Floride sei. Ich schrieb auch total verrückte Briefe in denen ich behauptete, ich hätte meinen ganzen Körper dunkelbraun tätowieren lassen, um ein Schwarzer zu werden, um damit meine Identität zu wechseln und so bei White Flag einsteigen zu können. Wahnsinnigerweise schreiben Leute sogar Briefe an Fanzines darüber und das wurde dann dort auch noch diskutiert.

PAT: Da merkt man wieder, daß die Leute alles glauben was sie lesen, aber dazu mehr später…

DOUG: Aber mal ehrlich, Jello ist kein so geläufiger Name, aber es ist ziemlich offensichtlich, daß sie nicht die selben Personen sind, unser Jello spielt Bass, der andere ist der Sänger, die Hautfarbe etc.!

Was ganz anderes, benutzt ihr das Internet und mp3 Files um Songs zu schreiben, bzw. zu proben? Das würde euer Problem mit der Distanz ja lösen. Auch wenn ihr nicht im selben Raum steht könnten alle die neuen Songs hören und dann alleine proben.

PAT: Nein so was machen wir nie. Wenn wir Songs schreiben, dann zusammen in einem Raum! Vieles der neuen Sachen haben wir gerade mal eine halbe Stunde vor dem Studio geschrieben. Oder es ist so, daß einer von uns einen Song fertig hat und dann den anderen im Studio vorspielt. Wir proben ja nicht sehr oft. Bei den meiste Konzerten treffen wir uns nicht einmal vorher, sondern einigen uns auf eine Set-List und treffen uns erst dort, wo das Konzert stattfinden soll.

KIM: So war mein erstes Konzert mit White Flag. Ich war gerade über das Telefon zum Mitglied geworden. Ich lehrte alles allein zu Hause, hatte also noch nie mit ihnen gespielt. Danach flog ich nach Spanien und wir spielten die Tour. Hat alles geklappt.

EL FEE: Das mit dem Internet klingt doch recht kompliziert, Al du weist doch, wir sind faul!

DOUG: Ich kann außerdem die meisten Songs im Schlaf spielen, wir müssen doch nicht proben, dann ist es live auch spontaner.

Was ist aus dem bandeigenden Label GASATANKA geworden? Ist es pleite?

PAT: Wir waren es leid, uns andauernd von Vertrieben bescheißen zu lassen und dann den tollen Bands, deren Platten wir veröffentlicht hatten, kein Geld geben zu können. Ich finde wir habe richtig schöne Platten gemacht, von tollen Bands, Marginal Man, Redd Kross, den Zeros, haben aber nie Geld damit gemacht. Die einzige Platte wo das Label Geld gemacht hat,. war „S is For Space“, weil wir jemanden hatten der die Presskosten übernahm und dafür Platten bekam. Die anderen haben wir dann meistens direkt verkauft, mußten also nicht auf Abschlagszahlungen der Vertriebe warten. Dies geschah nämlich nie, ich weiß nicht warum. JEDES deutsche, schwedische oder sonst europäische Label das Platten von uns veröffentlichte hat uns bezahlt!! Und uns super nett behandelt! Alles ehrliche Leute, die hart für uns gearbeitet haben, weil sie an unsere Musik glaubten. Starving Missile hat uns damals sogar für die Tour eingeflogen. Damals war das für so ein kleines Label einfach wahnsinnig. Mike Just ist ein absoluter Held!!! Und Joe bei Empty ist ein Heiliger, weil er so lange auf den CD-Rom Teil unserer neuen CD gewartet hat. Empty ist ein gutes Label!

DOUG: Deswegen heißt die Platte auch „Eternaly Undone“, weil sie nie fertig wurde. Der Titel ist von Ronnie von den Muffs. Aber um noch mal auf Mike Just zurück zu kommen, er hat uns unheimlich geholfen. Wir haben sogar ein Foto von ihm auf die Rückseite der „Skate Across Europe“ Single gemacht, damit es aussieht, als ob er ein Mitglied der Band sei. Er ist ein cooler Typ. Irgendwie haben wir nach der Tour den Kontakt verloren. Ich frage mich auch warum er mit seinem Label aufgehört hat. Ich würde sofort wieder eine Platte bei Starving Missile machen. Sogar ein Benefit-Album damit er wieder mit seinem Label weitermachen kann.

EL FEE: Ich stimme da absolut zu!!!!

PAT: Ja, ich auch!! Mike mail uns mal, whiteflag@aol.com!! Wir sind einfach etwas vorsichtiger mit wem wir ein Album machen. Zuerst war unser Problem, daß wir auf unserem eigenem Label waren und die Vertriebe pleite gingen. Dann waren wir auf dem 7 Seconds Label Positive Force, aber auch sie wurden betrogen und konnten ca. 10 Bands auf ihrem Label nichts bezahlen, was nicht ihre Schuld war. Wir kannten das ja von Gasatanka, also verstanden wir es auch, aber es war ärgerlich, weil sich „Wild Kingdom“ gut verkauft hat. Ich will noch mal betonen, wir machen das alles nicht wegen des Geldes!! Aber das war nicht fair, denn irgend jemand hat ja das Geld bekommen, und es waren weder wir, noch das Label oder Kevin Second. Kevin ist ein klasse Typ, er hat wirklich an uns und die Platte geglaubt, hat uns als Band verstanden. Wie die meisten Leute, die selbst in Bands spielen, glaubte er nichts von diesem Nazivorwürfen, er verstand unsere Witze und mochte die Musik.

PICK Z: Das war der Grund warum ich zur Band zurück kam, weil die 7 Seconds eine Platte mit uns machen wollten. Ich mochte die Band sehr! Wir waren zwar nie eine Straight Edge Band, aber ich respektiere Leute die es sind, und danach ihr Leben leben, sehr.

DOUG: AL, Welches ist deine Lieblings White Flag Platte.

Wahrscheinlich „Zero Hour“, oder „Third Strike“

PAT: Also „Zero Hour“ mögen viele, aber die beliebteste der alten Platten ist wahrscheinlich „Wild Kingdom“. Ich weiß nicht warum, aber sie bekam die besten Reviews, verkaufte sich in den Staaten am besten und wurde viel im College-Radio gespielt. Ich mag natürlich gerade unser neues Album, auf der anderen Seite ist „S is For Space“ meine Lieblingsplatte, weil sie einfach so verrückt ist, auch wenn die Songs auf den Anderen besser sind.

PAT: Wie ist es mit Lieblingsongs, Al?

Von den alten Platten wahrscheinlich sogar „Ticket To Moscow“, ich habe den Joke damals auf jeden Fall verstanden, oder auch „Flipside“. Bei den neueren Sachen würde ich sagen der Jam Song „In The City“ in spanisch.

PAT: „Ticket To Moscow“?? Al, bist du sicher du bist kein „Right-Wing-Nazi-Communist“ Mitglied des Peace Corps und versuchst heimlich die Punkszene zu infiltrieren, um mit Hilfe des Trusts deine böse Propaganda zu verbreiten?? HA HA!!

EL FEE: „Flipside“ ist ein guter Song, den spielen wir auch noch, ich glaube nicht, daß wir „Ticket To Moscow“ spielen werden, wenn wir in Deutschland sind….

PAT: Klar, werden wir, wenn es die Leute wollen. Jeder kann uns unter whiteflagmail@aol.com eine Nachricht schicken und uns sagen, ob sie es hören wollen, oder nicht. Außerdem gibt es keinen Kommunismus mehr in Europa, also brauchen wir uns auch keine Sorgen mehr um militante Kommunisten-Kids zu machen. HA HA Wir haben gewonnen!

KIM: Nein ich glaube wir lassen das einfach. Das wird doch eh nur Ärger geben.

PAT: HA HA Einige meiner besten Freunde sind Kommunisten UND sie mögen White Flag! Sie verstehen unseren Humor eben auch. Aber bevor das jetzt wieder jemand völlig falsch versteht, ich mache hier jetzt einen WITZ!!! Ich liebe zum Beispiel die Dils, eine der Urpunkbands aus L.A. Sie sind meine Freunde, und sie waren immer schon stolz darauf Kommunisten zu sein.

War White Flag, wie viele anderen US-HC/Punkbands in den 80er, in Europa bekannter als in den Staaten?

JELLO: Also ich war ja nie mit in Europa, aber ich erinnere, daß wir in den 80er ziemlich große Shows hier gespielt haben und sogar mehrmals nach New York geflogen wurden um ein Konzert zu geben.

PAT: Wie waren Anfang der 80er so populär, daß wir, obwohl wir nicht oft live spielten, gute Shows bekamen. Wir spielten mit Black Flag, Redd Kross oder den Circle Jerks und hatten auch immer unsere drei, vier Zugaben. Später haben wir sogar einige große Shows als Headliner gespielt, das war gerade als Punk in L.A. richtig groß war, aber die Gigs auch gleichzeitig sehr gewalttätig wurden. Das hat viel kaputt gemacht, also spielten wir eine Weile gar nicht, und danach wurden wir richtig faul und kümmerten uns nicht mehr darum.

DOUG: Das war die Zeit wo viele Kids neu in die Szene kamen und es ihnen nur ums prügeln und slammen ging. Denen war es völlig egal wer gerade auf der Bühne stand. Leute wurden richtig verletzt, also hörten wir auf live zu spielen, weil wir keine Lust hatten dafür quasi die Hintergrundmusik zu machen. Es kam dann auch so weit, das die erste Reihe vorne an der Bühne voll mit Bouncern stand. So Konzerte wollte ich nicht spielen. Das passierte aber nicht nur bei unserem Konzerten, sondern zu der Zeit bei allen Punkshows. Die letzte richtig große Show war mit den Necros und Motorhead 1984 in L.A.. Da waren über fünf tausend Leute. Motorhead galten zu dieser Zeit in den Staaten als Punkband, auch wenn sie eigentlich eine Rockband waren. Al Bum sang damals noch.

EL FEE: Also ich spiele lieber in einem kleine Club vor einem Haufen Leute, die uns auch wirklich sehen wollen, als vor 5000 die nur stagediven. Ich verurteile die Leute nicht, nur für mich ist es langweilig.

PAT: Ich mag kleine Clubs, aber auch große Shows, nur damals war es zu extrem, andauernd ging meine Gitarre kaputt, weil mir jemand beim Stagediven oder tanzen dagegen rempelte, oder beim singen sprang jemand gegen das Mikrofon und ich bekam einen Zahn ausgeschlagen. In der Zeit sind mir auf der Bühne vier mal die oberen Schneidezähne ausgeschlagen worden! Nein, ich mag so kleine Clubs wie 1986 in Deutschland, oder dieses Jahr in Spanien.

KIM: Spanisches Publikum ist aber auch immer super. Die bleiben bis drei Uhr morgens wach, wenn du erst dann spielst, sind dann zwar alle völlig blau, aber auf so eine schöne Art. Die haben dann ihren Spaß, ohne sich zu prügeln, keiner wird verletzt. Spanien ist einfach ein Rock ’n‘ Roll-Land.

PAT: In Spanien gelten wir auch nicht als Hardcoreband. Dort sind wir Poppunk. Das kommt davon, daß wir dort erst seit den späten 80er bekannt sind. Also mögen die Leute unsere Popnummern, obwohl wir live immer Sachen von den ersten beiden Platten spielen. Sache wie „Suzy Secret“ oder „Mirror Mirror“ haben wir letztes Mal gespielt, die Leute kannten die Songs durch die Munster Compilation, und fragten uns wie es sei, das wir heute so poppige Sachen machen würden, die sehr nach den Beatles klingen, aber früher ja richtig Hardcore gespielt hatten. Das verstanden sie nicht. Wir konnten nur antworten, daß das genau White Flag sei!

DOUG: Genau, wir sind eine Punkband und können machen was wir wollen.

EL FEE: Und wir tun es!!!!!!

PAT: Mist, die letzten drei Songs die ich geschrieben habe, sind alle unter zwei Minuten lang und sehr schnell, vielleicht werden wir wieder zu einer Hardcoreband.

EL FEE: Vergiß nicht den „Thirty Second Song“ den wir für „Short Music For Short People“ gemacht haben.

DOUG: Ja Fat Mike hat uns gleich neben Black Flag und Anti Flag gesetzt, was für ein Tracklisting!

PAT: Ich habe gerade den Text für einen NOFX-Song geschrieben, der für eine spanische Cartoonshow ist. Toller Song, tolle Band. Manchmal denke ich, wenn wir es ernst gemeint hätten und genau so hart gearbeitet hätten wie sie, dann wäre Gasatanka jetzt ein großes Label, so wie Fat, und wir wären alle reich, so wie sie. HA HA!

DOUG: Um Gottes Willen, viel zu viel Arbeit!

EL FEE: Ich stimme Doug zu. Ich finde es besser als ein Hobby und als Entschuldigung dafür andere Länder zu besuchen. Die Tour in Spanien war super, und St. Petersburg war richtig verrückt. Ich liebe Rußland!

PAT: Wir alle lieben Rußland, denn wie jeder weiß, sind wir ja alle Kommunisten in der Band.

DOUG: Wir werden schon wieder Ärger bekommen, und diesmal werden all die, die uns bis jetzt nicht mochten, wirklich verwirrt sein.

KIM: Also ich war damals noch nicht in der Band, Ich weiß nichts über diese ganze Kommunisten-Right Wing Kontroverse.

PAT: Wir ja auch nicht…..

Warum gab es die Songs der verschiedenen Singles nicht einfach als Compilation bei Munster, oder Sympathy oder bei Bitzcore? Jürgen hat doch hier zumindestens die „Step Back 10“ CD vertrieben.

PAT: Wir wollen, daß die Singles schöne Collectors Items bleiben, außerdem sind wir ja faul. Mit Bitzcore würden wir aber sofort eine Platte machen. Die waren die ersten, die nach diesem ganzen politischen Quatsch mit uns etwas gemacht haben.

DOUG: Wir bleiben lieber Lazy Punk Rock Slacker Losers!

PAT: Außerdem hatten wir ja eine ganze Menge der Single Tracks auf der „Thru The Trash“ Compilation auf Munster. Wir wollen vielleicht die Sachen die wir mit Kim Shattuck und Ronnie von den Muffs gemacht haben auf einer CD für Sympathy herausbringen. Mit Videos aus der Zeit. Die neue CD hat auch zwei Videoclips, einer aus Alaska, einen den Jeff von Redd Kross gemacht hat und noch einen der auch Szenen aus einem Porno Video enthält.

EL FEE: Toll!! Schon wieder Ärger, White Flag promoten Porno!!

PAT: Also wir promoten es nicht, wir respektieren nur wenn es jemand sehen will! Außerdem haben wir das Video ja gar nicht selber gemacht, sonder Jeff von Redd Kross. UND die Szenen sind sogar aus einem deutschen Film! Man sieht auch gar keinen richtigen Sex, also ich möchte nicht mal, daß jemand denkt wir würden so etwas unterstützen.

EL FEE: Bestimmt liest das jetzt jemand und fängt sofort Ärger an, weil er denkt wir wären Sexisten.

DOUG: Ich bin kein Sexist! Ich bin stolz darauf minderwertiger als alle Frauen zu sein.

PAT: Ich bin minderwertiger als alle Frauen UND Männer!

Ist diese Geschichte mit eurer angeblichen ersten Platte „R Is For Rocket“ eigentlich war, oder wie so oft bei euch, ein Witz? Ich sammle seit 20 Jahren Platten und kenne auch viele, die dies auch tun; aber weder ich noch irgend jemand den ich kenne, hat diese Platte je gesehen, oder jemanden gekannt der sie in den Händen hatte.

PAT: Alles ist absolut wahr, und ich wünschte mir WIR hätten sie. Damals war die Platte uns so peinlich, und wir waren so sauer, daß wir alle unsere Copies zerstört haben. Doug hat noch eine, oder?

DOUG: Irgendwo, aber ich bin so oft umgezogen, vielleicht ist sie auch verloren gegangen.

EL FEE: Ich habe auch keine mehr, aber die Story ist absolut wahr. Wir haben ein Demo von uns einem Typen geschickt, der zu dieser Zeit mit meiner Schwester rummachte. Er bot an, eine Platte von uns zu veröffentlichen. Er wußte nichts über die Band und wollte nur nett sein. Ich denke mal er hatte auch zuviel Geld. Wir dachten er würde sich das Demo mal anhören und unseren Covervorschlag mal ansehen und uns dann in ein Studio schicken, ABER er dachte es sei das fertige Band und lies 500 Platten pressen. 200 davon wurden über das christliche Label, das sie gepreßt hatte in christlichen Plattenläden in Colorado vertrieben. Das war alles ganz am Anfang der Band, als wir noch vorgaben eine christliche, Anti-Drogen Punkband zu sein. Wir hatten Songtitel wie „Go To God“, aber coverten gleichzeitig „Black Sabbath“. Das war alles ein furchtbares Durcheinander, und wir waren einfach nur sauer.

PAT: Wir waren einfach jung und naiv und dachten, das wäre eine Peinlichkeit, diese schlechten Demos die wir in unserer Garage, mit einem PA-Mischpult live auf Kassette aufgenommen hatten.

DOUG: Wir benutzten Gitarreneffekte um Echo auf den Gesang zu bekommen, das klang völlig eigenartig.

PAT: Ich mochte diese Weirdness des Gitarreneffekt bei den Vocals. Das haben wir bei der „S Is For Space“ auch benutzt. Sogar bei den Drums.

JELLO: Ich erinnere mich als die anderen „R Is For Rocket“ bekamen, Pat und ich haben mit zehn Copies Frisbee gespielt und Doug hat seine mit dem Luftgewehr beschossen.

PICK: Ich habe alle meine Copies genommen, sie in einen Gartengrill gelegt und sie angezündet. Ich machte dann ein Foto während sie brannten und habe dieses Foto dann dem Typ geschickt, der für die Pressung bezahlt hat. Das war total gemein, denn er wollte uns ja einen Gefallen tun, aber damals waren wir einfach nur sauer und haben uns wie totale Arschlöcher verhalten. Ich sollte mal dieses Foto suchen, das würde einen schönen Cover für ein CD-Reissue werden.

Wird es eins geben?

PAT: Wir denken darüber nach, die ganze „R Is For Rocket“, plus den Rest der Session, plus die ersten Live-Shows.

DOUG: Wir waren so wütend als wir die Platte zugeschickt bekamen, da wir allen unseren Freunden natürlich erzählt hatten wir würden eine richtige Platte im Studio aufnehmen und dann pressen lassen. Statt dessen kam diese schlecht gepreßte Platte im schlechtem Cover mit schlechtem Sound. Wir wollten nicht, daß irgend jemand sie sah, oder hören konnte. Wir waren halt jung. Wir hätten sie aufheben sollen, da sie heute eine teure Sammlerplatte ist. Ein Kid aus Finnland schrieb uns mal, er hätte eine davon und wollte sie uns für tausend Dollar verkaufen. Ich bezweifle aber, daß er sie wirklich hatte

PAT: Er wußte zumindestens die korrekte Songabfolge, und das war bevor die „Thru The Trash“ raus kam. Vielleicht hatte er ein Tape davon. Ich hatte das original Tape in einer Schachtel mit neueren Sachen vor kurzen gefunden. Eigentlich dachte ich wir hätten es überspielt. Ich habe es sofort digitalisiert, denn das Tape löste sich auf. Nach dem Überspielen war die ganze Beschichtung abgefallen, das Tape ist jetzt quasi durchsichtig.

Das ist doch auch ein schönes Collectors Item. Ihr könnt es ja dem Finnen zum Kauf anbieten.

PAT: Ich habe letztlich auch ein sehr lustiges Tape gefunden. Es ist von einer College Radio Show bei der wir eben diese Demos vorspielten. Leute riefen bei dem DJ an, und sagten wir wären Scheiße, etc. Al Bum moserte rum, daß das Echo in der Stimme nicht auf dem Album sein werde, und beschwerte sich, daß das zweite Demo nicht fertig geworden sei, da Doug lieber surfen gegangen sei. Es ist zum schreien!! Al Bum gibt schon vor der „Superchrist“ zu sein. Als wir anfingen, überlegten wir uns, was ist das Abgefuckteste, das wir tun können um die Leute aufzuregen. Also wurden wir eine christliche Hardcoreband. Gleichzeitig waren wir Anti- und Pro-Drogen, gaben vor Ronald Reagan zu lieben, spielten aber auch Songs, die ihn lächerlich aussehen ließen. All die großen Bands damals, Black Flag, Circle Jerks, Adolescents liebten uns, sie verstanden was wir da taten, genau das was die Germs früher gemacht hatten, einfach mit den Dingen spielen und Ärger erzeugen. Unsere ersten beiden Shows spielten wir mit Black Flag und sie haben uns ihr gesamtes Equipment, auch das Schlagzeug überlassen. Das Publikum wollte uns töten, weil wir uns wie peinliche Rockstars verkleidet hatten. Dann fingen wir unser Konzert auch noch mit dem langsamsten Lied, daß wir hatten „Black Sabbath“ von Black Sabbath an, nur um danach super schnelle Hardcoresongs zu spielen. Das Publikum war völlig verunsichert was sie von uns halten sollten, aber Black Flag fand uns toll.

Das Rückseitenbild der „S Is For Space“ ist von diesem Konzert, oder?

PAT: Ja, man sieht Greg, Chuck Biscuits und Chuck Dukowski wie sie sich vor Angst auf der Bühne ducken, und wir stehen davor und halten ein Kreuz hoch, so als wären sie Vampire. Henry und Dez kamen zu spät, deswegen bestand das erste Set von Black Flag nur aus Instrumentals, so Sachen wie sie dann später gemacht haben. Bei einem Song habe ich dann gesungen, aber es war kein Black Flag Song, sondern einfach nur Irgend etwas, Geschrei.

EL FEE: Bei der nächsten Show mit Black Flag in Palm Springs war Henry zum Soundcheck noch nicht da, also fragte Greg Ginn ob Al Bum beim Soundcheck singen könnte. Also ging Al auf die Bühne und erfand zu „Nervous Breakdown“ einfach irgendwelche Worte, die keinen Sinn ergaben. Ich werde nie vergessen, wie Greg Ginn Al Bum fragte, welchen Song von ihnen er den kenne, und Al Bum sagte „keinen“, und das war die Wahrheit. Henry trug an dem Abend übrigens eins von unseren Police Story T-Shirts auf der Bühne.

PAT: Sehr wenige Menschen realisieren wie klein Punk damals noch war, 1981, 82. Ich war der einzige in der Band, der Punkmusik mochte. Jello, der ja erst später in der Band spielte, und ich waren damals seit ein paar Jahren in der Punkszene dabei. Wir hingen mit den X, Black Flag oder den Germs ab, du kannst uns im „Decline Of Western Civilisation“ sehen, aber Doug, Pick Z., oder El Fee wußten eigentlich nichts über Punk, sie waren in einer Hardrockband. Aber ich wollte eine Punkband gründen die Trouble erzeugen konnte, und dafür waren diese Typen perfekt, ich kannte sie seit meiner Kindheit, und ich wußte, sie hatten die richtige „Attitude“. Al Bum war ihr Roadie, er hatte vorher noch nie gesungen, aber er war der nervigste Mensch den ich kannte, ich wußte er ist perfekt! Plus, er sah aus wie Ozzy Osborne, hatte langes Haar bis zur Mitte seines Rücken. Eigentlich hatten alle von ihnen lange Haare. Die Punks haßten uns deswegen! Ich hatte die kürzesten Haare.

JELLO: Pat hatte mich zuerst gefragt, aber ich schlug Doug vor, wegen der langen Haare, denn auch ich fand es lustiger, wenn diese Hardrocktypen in der Band waren. Ich wurde der Schlagzeuger nachdem Pick Z. wegen Schmerzen in der Hand nicht mehr spielen wollte. Das war nach der ersten LP und nach den ersten Gigs.

EL FEE: In dieser Rockband, die übrigens Tyrant, nach dem Judas Priest Song, hieß, war Pick Z. unser Sänger und so etwas wie der lokale Rock Hero. Wenn du glaubst, daß Punks auf uns schlecht reagierten, dann hättest du erst mal sehen sollen wie die Rockfans auf unsere Band reagierten als sie White Flags erstes Konzert sahen. Es war eine riesige Party in einem Hof und jeder erwartete unsere Rockband, die ihre Lieblingsmetalsongs spielen würde. Statt dessen bekamen sie völlige Anarchie! Al Bum brüllte nur ins Mikrofon und wälzte sich auf dem Boden, Pick Z. konnte kaum trommeln. Es mag jetzt für dich nicht so besonders eigenartig klingen, aber es war sicherlich sehr verstörend für all die Hippies, Stoners und Bikers bei der Party. Al wurde verprügelt und jemand hat sogar mit einer echter Pistole auf die Bühne geschossen, so sehr haßten sie uns.

DOUG: Ich weiß nicht ob es das in Deutschland gab, aber in den späten 70ern, Anfang der 80er, gab es in unserer kleinen Stadt mit gerade mal 8000 Einwohnern, Scheunen, in der jemand Bands spielen ließ und wenn man fünf Dollar bezahlte, konnte man sie sehen und soviel Bier trinken wie man wollte. Die hatten dann 20 große Fässer Bier. Manchmal war das alles auch auf irgendeinen Feld mit Generatoren für den Strom. Da man auch in den Nachbarorten Flyer aufgehängt hatte, waren oft bis zu 2000 Leute da. Unsere Band, Tyrant, war die beleibteste dieser Partybands, wir spielten Led Zeppelin und Thin Lizzy Covers, und auf einmal waren wir White Flag. Keiner der Leute wußte etwas von Punkrock, vielleicht hatten sie mal über die Sex Pistols im Fernsehen gehört, aber das war es. Pat galt als „radikal“, weil er nach Hollywood fuhr um sich Bands in richtigen Clubs anzuschauen. Das alles klang sehr exotisch für uns Kleinstädter. Wir hatten keinen Plattenladen, keine Clubs, keine Malls, es gab nicht mal einen Supermarkt. Sie wußten nicht einmal wie sie das, was wir waren, nennen sollten. Stell dir tausend sehr besoffene oder bekiffte Typen auf Speed vor die SEHR sauer sind. Es gibt natürlich gar keine Security, oder Bouncer. Es war wirklich sehr tapfer, dort zu spielen. Wir haben das auch nur zwei Mal gemacht, danach haben die Leute, die diese Partys organisierten uns nicht mehr spielen lassen, weil sie von den Riots gehört hatten, oder wußten wie unsere „Musik“ klang. Danach mußten wir in richtigen Clubs spielen.

EL FEE: Das alles klingt jetzt lustig, aber damals war es wirklich beängstigend!

PAT: Die Punks in L.A. mochten uns zwar nicht, aber sogar auf diesen beiden ersten Konzerten mit Black Flag haben wir einige Leute auf unsere Seite ziehen können, weil sie sahen, daß Black Flag uns zusahen und es mochten, daß die uns über ihr Equipment spielen ließen. Das machte es „OK“ uns zu mögen. Aber diese Parties damals zu spielen war das „punkigste“ was wir je gemacht haben.

JELLO: Ich war im Publikum bei der zweiten dieser Parties, und ich ging auf die Bühne und sagte ihnen, daß einige Typen vorhatten die Bühne zu stürmen und sie zu verprügeln. Sie hatten Ketten und Kanthölzer dabei und waren wirklich wütend. Du mußt dir vorstellen, das waren Leute, die dich verprügelten wenn du Sachen wie „Led Zeppelin Sucks“ gesagt hat. Außerdem waren viele von ihnen auf Speed.

EL FEE: Und wir waren ja ihre Lieblingsnachspielcombo, und sagten jetzt von der Bühne Sache wie „Fuck You, We’re not playing that Led Zeppelin Shit anymore!“. Wir haben es wirklich darauf angelegt, wir wollten so provozieren wie die Sex Pistols, denn das war die einzige Punkband die wir kannten.

PAT: Nur war Al Bum noch nerviger als Jonny Rotten, nach der ersten Party hatte er ein blaues Auge und eine blutige Lippe.

DOUG: Und dann bei der Show mit Black Flag wurde er noch von drei oder vier Punks von der Bühne gezogen und geschlagen und getreten. Wir mußten ihn zu mehreren wieder auf die Bühne ziehen. Ihm wurde dabei ein Zahn ausgeschlagen, aber er sang die ganze Zeit weiter. Das war der Beweis, daß er wirklich verrückt war, er sah aus wir ein Freak! Sehr Punk in einer „Sid-Vicious-Weise“.

Wenn ihr jetzt live spielt, wie sieht da das Publikum aus? Alles Freunde und alte Punks, oder kennen euch auch junge Menschen?

PAT: Da wir ja fast nie live spielen, wissen wir es nicht. Als wir in Spanien spielten, waren die meisten Leute jünger, so Anfang 20. Es gibt natürlich auch ältere Fans, die sich immer noch „White Flag Army“ nennen. Auch wieder so ein Ding das viele dumme Menschen aufgeregt hat. Das war doch nun wirklich OFFENSICHTLICH eine Verarsche von der Kiss Army, eine Sache die die Fans selber gestartet hatten. Es war doch keine politische Sache. Aber wir haben beides, junge und alte Fans. In Spanien hat es mich einige Male verwundert, wenn nach dem Gig dann ein 17järiger mit allen unseren Platten kam um sie unterschreiben zu lassen. Auf meine Frage wie lange er uns kenne meinte er dann „Seit dem ich 12 bin.“. Klasse!!

DOUG: Dieses Kid ist gezeichnet fürs Leben, haha!

PAT: Ich finde es toll, wenn uns junge Leute mögen, weil sie unser neues Zeug kennen, aber wir versuche auch immer Songs von den alten Platten zu spielen, eigentlich spielen wir Songs von allen Platten! Ich mag es nicht wenn ich eine Band live sehe, die ich schon seit langen mag, und sie spielen dann nur ihre neuen Songs, das machen wir nicht.

EL FEE: Wenn es dich so lange als Band gibt, wie uns, kannst du auf diese Weise auch Leute dazu bringen unser altes Zeug zu entdecken. Manche der Typen in Spanien waren als wir die erste Platte aufnahmen noch nicht mal geboren.

DOUG: Wenn du dann mit denen sprichst, ist der Punkt erreicht, an dem du dich wirklich alt fühlst.

Warum habt ihr so oft die selben Platten unter anderen Namen mit anderen Covern veröffentlicht? Ich kenne Leute, die aufhörten sich eure Platten zu kaufen, weil sie sich ein bißchen verarscht vorkamen.

PAT: Also ich verstehe nicht, wie sich jemand verarscht vorkommen konnte, es war ja klar am Tracklisting zu sehen, welche Songs auf der Platte waren, außerdem wurde ja niemand gezwungen unsere Platten zu kaufen. Wir haben das gemacht, weil wir es toll fanden in verschiedenen Ländern mit verschiedenen Covern und verschiedenen Tracklisting zu erscheinen. Das hat doch Tradition. In Amerika kamen die Alben der Beatles, der Stones in völlig anderer Form als in Europa heraus. Sogar so Platten wie die erste Generation X oder die Sex Pistols kamen mit anderen Coverfarben und anderen Tracklisting raus. Wir mochten das! Es kommt auch aus unserer Kindheit. Ich habe Jahre später erkannt, daß die US-Version von „Rubber Soul“ Songs hatte, die nicht mal auf der UK-Version waren. Das selbe mit „Revolver“, die US-Version hat 11 Songs, die UK-Version 14!!

DOUG: Wir hatten auch immer andere Besetzungen auf den Platten. Nachdem „Wild Kingdom“ in den Staaten veröffentlicht wurde, verließ El Fee die Band, und Pick Z. sang einige der Songs neu ein, also waren das auf „Zero Hour“ wirklich neue Versionen. Außerdem gibt es Leute die alle unsere Versionen sammeln wollen, jede verschiedene Vinylfarbe, jeden Cover. Wir habe niemanden betrogen, wir waren nur wieder einmal White Flag, was heißt, wir waren wieder einmal „verwirrend“!

PAT: Die neue CD wird in Deutschland auch wieder mit ein paar Songs mehr und einem anderen Cover als in den Staaten erscheinen. Die Leute müßten das aber inzwischen von uns gewöhnt sein. Die deutsche CD hat übrigens als einzige mehrere Videos, also bekommt ihr sogar etwas, was keine andere Pressung hat.

Ich fand das mit den verschiedenen Covern und Namen auch ganz lustig, nur mußte man in den 80ern auch wenn man in einer relativ großen Stadt wie Frankfurt wohnt, seine Platten über Mailorder bestellen. Eigentlich muß man das heute auch noch, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Oft waren das nur kopierte Listen und da stand dann „neue White Flag LP“. Dann bestellte man die und hatte wieder die selben Songs.

EL FEE: Das tut mir wirklich leid, aber eigentlich ist es nicht unser Fehler, sondern der des Mailordertyps. Außerdem muß ich gestehen, daß niemand von und an so was gedacht hat. Wir dachten ihr kauft unsere Platten in Plattenläden! Keiner von uns hat je eine Platte über ein Mailorder gekauft, das ist ein völlig fremdes Konzept für uns!! Kennt ihr jemanden der Platten über Mailorder kauft?

DOUG: Nein, aber das ist wirklich richtig Scheiße, wenn man dann die Platte zweimal kauft, ohne es vorher zu wissen.

PAT: Totaler Mist!! Und ich entschuldige mich hier bei allen, die auf diese Weise unsere Platten doppelt gekauft habe. Gleichzeitig muß ich aber auch warnen, daß es Platten von uns gibt, die mit anderen Covern wiederveröffentlicht wurden, und wir nichts damit zu tun hatten. Mystic Records hat die dreiseitige „Feeding Frenzy“ und die Single „R Is For Rare“ mit einem wirklich schrecklichen Hardcorecover als „Skate Across America“ wiederveröffentlicht. Das Cover ist übel, und wir wußten davon nichts, bis wir die Platte in den Läden sahen. Eigentlich sind es Bootlegs! Mystic sind ein ziemlich korruptes Label und machen so Sachen öfters.

Ich denke mal ihr sammelt auch Platten, oder?

PAT: Also ich habe viele alte Punk Singles und alles was die Brasilianische Band „Os Mutantes“ je gemacht hat. Außerdem noch einige komische Kiss Platten, aber ich sammle keine Platten, nur weil sie rar sind. Es geht mir dann doch mehr um die Musik.

DOUG: Ich sammle alles rare von Thin Lizzy, wenn irgend jemand da was hat, soll er sich bei mir melden! Das ist ernst gemeint!! whiteflag@aol.com

KIM: Ich habe so viele Platten, ich weiß eigentlich gar nicht mehr was ich habe und was nicht.

PAT: Ich habe eine Idee! Die nächste Platte sieht überall gleich aus, hat das gleiche Tracklisting, wird aber immer in der Landessprache des jeweiligen Landes das sie veröffentlicht, gesungen. Das wäre doch toll….

DOUG: Pat, du weist, jemand wir dies lesen, und dir das glauben…..

PAT: Na super! White Flag macht nach 20 Jahren immer noch Anarchie und Chaos.

PICK Z: Meine Idee wäre es die selbe Platte mit den selben Songs in verschiedenen Ländern zu veröffentlichen, nur wäre die Platte in einem Land Country, im nächsten Hardcore, im nächsten Rap…

Wo wir schon mal bei den Plattenpressungen sind. Habt ihr eigentlich nach der „Third Strike“, deren Bilder ja INNEN auf das Cover gedruckt waren, Briefe bekommen, in denen Leute Leercover kaufen wollten, um diese dann aufzuschneiden?

PAT: Ja, wir haben sie ihnen aber nie zugeschickt. Wir wollten es den Leuten schwer machen. Sie mußten in das Cover reinschauen, oder es zerschneiden! Ich will hier jetzt einen wichtigen Punkt ansprechen. In diesem Cover siehst du ein Bild von mir. Ich trage eine Art Uniform, die ein alter Fan für mich aus einer abgewetzten US-Armee Jacke gemacht hatte. Das Ding war viel zu heiß um es auf der Bühne zu tragen, also trug ich es in einer Fotosession für diesen Fan, weil er viel Arbeit in diese Jacke gesteckt hatte und ich wollte das er sich darüber freut. Dieser Fan war kein Nazi, er ist ein Punk. Al Flipside, der Macher, des wohl respektiertesten Fanzine der Welt!! Er ist sicher kein Nazi, seine Familie kommt aus Polen. Auf diesem Bild trage ich eine Armbinde mit einem Hakenkreuz MIT einem dicken Kreis drumherum und einem dicken roten Balken quer durch!

Noch internationaler geht es doch gar nicht. Warum sollten wir Nazis sein und gleichzeitig die Armbinde tragen für die alle die Kennedys lieben. Ich denke es muß doch offensichtlich sein, das wir keine Nazis sind, Al Bum und El Fee sind Juden und Jello ist SCHWARZ!!!!!!. Es gibt Bilder von Siouxie Sioux aus dem Jahre 1977 und sie trägt eine richtige Hakenkreuzarmbinde, kann ich das jetzt an das Trust schicken und Leute werden beim nächsten Konzert versuchen sie zu erwischen? Auch darf man nicht vergessen, wie schockiert die Öffentlichkeit war, als Sid Vicious mit seinem Hakenkreuzshirt rumgelaufen ist. Keiner hat ihn wirklich für einen Nazi gehalten. Al Flipside hat ein Foto von mir gemacht in diesem „Hitler European Tour Shirt“, ein Hemd, daß in L.A. in Punkläden verkauft wurde und sehr beliebt war. Natürlich verarschte dieses Hemd echte Nazis! Mein Gott, es lies Hitler aussehen wie eine Rockband. Auf dem Rücken waren über manche Länder in roten Buchstaben „Abgesagt“ geschrieben, weil er natürlich den Krieg verloren hatte. Es war ein lustiges Hemd, und echte Nazis haben sich darüber sehr aufgeregt!! Gleichzeitig war es aber trotzdem noch so Punk, daß es die Öffentlichkeit schockte. Ich war sicher, das jeder Punk smart genug sei dies zu verstehen, und 99% davon verstanden es.

Das White Flag Shirt mit dem Bullen und dem Welpen, das aussieht wie eine Zeichnung von Raymond Pettibone, hat er das gezeichnet oder ihr?

PAT: Ich hatte die Idee, und der Typ der das Gasatanka Logo gezeichnet hat, hat es gemalt. Ich gab ihm mein Black Flag Shirt, damit er dem Stil von Pettibone nachahmen konnte. Black Flag fanden sie toll und trugen sie oft live, und Raymond liebte sie, da sie die erste Parodie waren, die es von seiner Kunst gab.

KIM: Als ich diese Hemden das erste Mal 1983 sah, wußte ich, daß ich diese Band mag, sogar bevor ich ihre Musik hörte.

EL FEE: Ich verstand es auch nie, wie Leute uns so ernst nehmen konnten. Warum haben sie uns für Faschisten gehalten, oder überhaupt gedacht, daß uns Politik wichtig ist. Alles was wir machen ist als Spaß gedacht. Das fängt doch schon beim Namen und Logo der Band an. Alles nur von anderen Bands geklaut!

Die späteren Singles und auch die neue CD „Eternaly Undone“ sind kein richtiger Punk/Hardcore mehr. Wurde euch Punk/Hardcore langweilig? Könnt ihr euch vorstellen wieder eine Platte wie „Third Strike“ in der Zukunft aufzunehmen?

PAT: Wir waren niemals eine echte Hardcoreband! Auch unsere alten Platten waren nie Hardcore, für uns war es Punk. Wir hatten damals einen Sänger der nicht singen konnte, er schrie bloß, deswegen klingen manche Songs wie Hardcore. Er war damals perfekt als Sänger, weil wir sehr von den Germs beeinflußt waren. Wenn du dir die ersten beiden Platten genauer anhörst, wirst du bei meiner Gitarre klar die Germs wiedererkennen. Ich spiele nicht so gut Gitarre wie Pat Smear, aber durch ihn lernte ich Moll-Akkorde an bestimmten Stellen zu setzen und beim Barre-Akkord die hohe E-Seite offen zu lassen. Auch Pick Z. machte am Schlagzeug Sachen die sonst kein Schlagzeuger tun würde, außer vielleicht Don Bolles. Don half uns Teile von „Third Strike“ zu mischen, er meinte damals bei einigen der Drumsound, „wow, das ist etwas, was auch von mir hätte sein können.“.

JELLO: Ich weis nicht ob die Germs in Deutschland den selben Respekt bekommen, wie hier in Süd Kalifornien, aber für mich WAREN sie Punk! Diese Band läßt White Flag aussehen wie Bon Jovi. Es gibt keine Beschreibung für sie. Sogar ihr Teil des „Decline Of Western Civilisation“ läßt sie nur wie ein Haufen Betrunkener aussehen, aber bei ihren Konzerten war eine Magie im Saal, die danach keine andere Band in L.A. je wieder erzeugen konnte.

PAT: Genau, als wir anfingen war das Ziel und die Parole die GERMS! Mach was du willst, keine Regeln, und ficke jeden der dir sagt, was du zu tun hast! Wir waren nie so gut wie sie, sehr wenige Bands waren das, aber wir haben viel von ihnen gelernt. Es war bekannt, daß wir mit Pat und Don von den Germs befreundet waren. Nachdem Darby gestorben war, hatten viele die Szene verlassen, und auf einmal waren manche dieser Leute wieder da und gingen zu unseren Shows. Für jemanden in Deutschland ist das wahrscheinlich nichts besonderes, aber für uns war das eine riesige Ehre.

JELLO: Um auf die Frage zurück zu kommen, ich würde sofort eine Platte wie „Third Strike“ machen.

EL FEE: Ich habe auf der Platte ja nicht mitgespielt, also wäre es etwas neues. Wenn Doug, Pat oder ich, Songs die ähnlich sind, singen würden, würden sie trotzdem nicht so klingen wie auf „Third Strike“.

PAT: Ich habe ja immer noch diese Idee mit der 20th Anniversary Platte mit dem original Line-Up.

PICK Z: Ich glaube nicht, daß das eine gute Idee ist, das haben schon andere Bands probiert und das Ergebnis war immer schrecklich und hat nur die Reputation der Band zerstört.

PAT: Moment, unsere erste Platte klang schon schrecklich……

EL FEE: und unsere Reputation haben wir auch schon zerstört, mehrmals!!

PAT, warum trägst du diesen häßlichen Schnurrbart der dich Aussehen läßt wie ein Bulle?

DOUG: Endlich rafft das mal ein Journalist!!

EL FEE: War doch gar nicht so schwierig, schließlich spielt der Mann seit 20 Jahren in Polizeiuniformen auf der Bühne.

PAT: Als wir anfingen wollten wir die neuen Punks, die durch das Fernsehen, durch die Berichte über Riots, zu der Szene gestoßen waren, diejenigen die alle verprügelten, die nicht so waren wie sie, einfach verärgern. Alle anderen in der Band hatten schon lange Haare, sahen also aus wie der typische Feind dieser neuen Punks, ich nicht. Also dachte ich mir, was mögen diese Leute am wenigsten, was ist ihr größter Alptraum, natürlich: Ein COP!

EL FEE: Am Anfang verkleidete er sich richtig, und wie immer fanden es die anderen Bands, die Leute die ihn kannten, klasse, sie verstanden den Joke. Das Publikum reagierte genau so wie wir es erwartet hatten.

DOUG: Viele beschimpfter ihn aber auch als „Fag“, weil er aussah wie Freddy Mercury. Später kamen Fans und brachten ihm echte Uniformen mit, damit er sie auf der Bühne tragen konnte. Einmal kam ein Kid uns sagte „Mein Vater ist ein Cop, ich hasse ihn. Ich habe seine Uniform geklaut, damit Pat sie anziehen kann.“.

PAT: Ein Fan hat mir ein Video aus MTV-Brasilien geschickt auf dem ein Interview mit Kurt Cobain ist. In diesem Interview redet er über mich und White Flag. Er redet über meinen Schnurrbart und lacht. Er haßte Machos und hat einen Song „Mr. Mustache“ über Machos mit Bärten geschrieben. Aber er erzählte das er mich nicht meine und unser Image verstand, und meinen Schnurrbart für sehr Punk hielt. Dale Crover von den Melvins und erster Schlagzeuger von Nirvana, sagte mir, daß Kurt oft über uns in Flipside las, und uns sehr cool fand.

Es gab ja viel Ärger bei eurer Deutschland Tour 1986. Es gab viele Gerüchte, daß ihr Nazis seid. Ich war bei keinem der Konzerte, kann also nur das wiedergeben was ich gehört habe, aber es gab Geschichten, daß ihr das Essen in einem Juze nicht essen wolltet, daß ihr in eine amerikanische Botschaft „geflüchtet“ seid, weil ihr Angst um euer Leben hattet, und noch viel mehr. Was ist damals aus eurer Sicht passiert? Und warum haben sich alle so wegen „Ticket To Moscow“ aufgeregt?

PAT: Also die Geschichte mit dem Essen im Jugendzentrum habe ich selber noch nie gehört. Die Geschichten werden immer besser! Nein, ich erinnere mich, daß man uns sehr gut behandelt hat, besonders in den Jugendzentren. Aber wie kann es uns zu Nazis machen, wenn wir etwas nicht essen wollen, das ist doch eine sehr eigenartige Idee, oder. Überhaupt waren wir sehr beeindruckt, wie professionell wir behandelt wurden. Wir haben in den Staaten noch nie solch gutes Essen und so viel Aufmerksamkeit von den Leuten, die die Shows gemacht haben bekommen, bis heute nicht!. Was das betrifft war es eine sehr nette Erfahrung für uns.

DOUG: Ich erinnere mich, daß einmal Pat und Trace das Essen, was wir zum Dinner bekamen, nicht essen konnten, weil sie beide gegen Pilze allergisch sind. Es gab einen Eintopf mit Pilzen, also sind die beiden dann irgendwo Pizza essen gegangen. El Fee und ich haben den Eintopf gegessen und der war super lecker! Das ist ein völlig eigenartiges Gerücht, daß hab ich auch noch nicht gehört in den letzten 15 Jahren.

PAT: Also ich kann mich daran nicht erinnern, aber ich habe eine Pilzallergie und Trace auch, also klingt das plausibel.

EL FEE: Die Leute machen diese „Probleme auf der Deutschlandtour“ viel größer als sie waren! Wir haben eine Menge Shows gemacht, und wir hatten nur in Köln wegen dieser Kommunistenkids echte Riots und nachdem sie dem Besitzer des Clubs in Hannover gedroht hatten, sagte er das Konzert ab.  Alle anderen Shows, die wir gespielt haben waren spaßig, es gab keine Probleme. Es war nur eine Gruppe von 20 Leuten, die uns Nazis nannte, weil sie wußten, daß das andere Leute dazu bringen würde mit ihnen, gegen uns zu agieren. Sie waren nur sauer, weil wir uns über Kommunismus lustig machten. Diese „Punks“ wurden von einem alten Mann angeführt, so um die 50, der ihnen sagte, was sie zu tun hätten. Jedes Mal wenn sie uns etwas sagten, lachten wir und versuchten ihnen klar zu machen wie blöde ihre Anschuldigungen waren. Dann aber fingen sie an Gewalt zu benutzen und Drohungen gegen den Clubbesitzer auszusprechen, nur um der Szene ihre „Regeln“ aufzudrücken, aber das waren nur zwei Shows.

DOUG: In Köln hatten sie Flyer gemacht, auf denen sie unsere Texte übersetzt hatten, und sie fingen an uns zu erzählen was unsere Texte aussagten, aber alles war so lächerlich falsch übersetzt. Die Show fing lustig an, aber dann fingen die Frauen in dieser Gruppe an uns mit Schlagsahne zu bewerfen. Das fanden wir sogar noch lustig, es gibt ein Foto auf dem ich Schlagsahne von meinen Bass esse. Wir haben das sogar noch unterstützt, denn wenn jemand auf diese Weise protestieren will, auch wenn der Protest völlig sinnlos ist, soll er es tun, es ist nicht wirklich gewalttätig, also uns mehr oder weniger egal. Nur dann fingen die Frauen an mit Flaschen und Dosen zu schmeißen, so das die Becken von Schlagzeug umfielen. Und dann stöpselten sie alle Kabel aus der PA und aus dem Monitoren, die Show war vorbei. Völlig unnötig, völlige Zeitverschwendung!

PAT: Sie waren die wirklichen Faschisten an diesem Abend, denn sie benutzten Gewalt um die PA außer Gefecht zu setzen uns so die Show abzubrechen. Am nächsten Tag sagte uns der Besitzer des Clubs in Hannover er hätte Drohungen bekommen, daß sie seinen Club niederbrennen würden, wenn er uns spielen lässe. Wir wollten trotzdem spielen, aber er sagte, diese „Punks“ wären wirklich gefährlich und er hätte wirklich Angst, daß sie seinen Laden Anzünden würden. Also spielten wir nicht. 20 verblendete gewalttätige faschistoide Möchtegern Kommunistenärsche ruinierten unseren Gig für alle die gekommen waren um das Konzert zu sehen.

EL FEE: Es gab Fans die mit der Bahn lange gefahren waren um uns zu sehen und dann wurde die Show abgesagt.

PAT: Wir haben auch wirklich versucht in Köln mit den Leuten zu reden. Wir haben kein Problem damit, wenn Leute nicht mit uns übereinstimmen, aber uns Nazis zu nennen war für uns völlig inakzeptabel, denn das waren wir nie, werden wir nie sein, und unterstützen es auch nicht.

JELLO: Auf der „Third Strike“ hatten wir die Hälfte der Bangles, die sangen. Mike Ness von Social Distortion sang Background auf einem Song. Frank Agnew von den Adolescents spielte ein Gitarren Solo. Sie waren alle Freunde von uns aus der selben Szene. Ich verstand nie, wie uns jemand für Faschisten halten konnte, wenn gerade auf der Platte, die all diesen Ärger erzeugte, all diese großen Namen von viel größeren Punkbands waren. Außerdem trugen wir peinliche Kostüme auf der Bühne, das hätte doch für alle ein Indiz sein müssen, das wir doch keine so schlechten Menschen sind.

PAT: Ian MacKaye war auch immer einer unser Förderer. Er erlaubte uns „wörtlich“ das „Step Back Ten“ Cover, die Parodie des „Out Of Step“ Covers, zu machen. Wir hätten es auch so machen können, aber Ian ist ein alter Freund, also schickten wir das Cover zu ihm und Cynthia Connolly. Beide lieben es! Das Cover hat auch eine wichtige Aussage, das schwarze Schaf, das „anders“ sein wollte, wird von den bösen Wölfen „zurück“ getrieben in die Herde der hirnlosen weißen Schafe. Ian hat mir noch mal eine Postkarte von einer Tour geschickt und mir gesagt wie gut ihm die fertige CD gefällt.

EL FEE: Es ist das beste Parodiecover, was wir je gemacht haben. Wir haben sogar extra „Cover Design approved by Ian MacKaye und Cynthia Connolly“ in das Booklet geschrieben, damit sich keiner aufregen kann, damit uns keiner wieder Faschisten, Rassisten, oder was der Geier was nennt.

DOUG: Also wirklich, es wird nicht mehr politisch korrekt als Ian MacKaye, wenn er uns unterstützt, und immer noch jemand denkt wir sind Faschisten, ist er einfach blöde!

PAT: Die Leute in Köln waren sauer wegen unserer Texte und versuchten MIR zu sagen was sie bedeuteten. Ich meine sie zu kennen, denn ich habe sie doch geschrieben! Mein Argument war, daß in einer demokratischen Demokratie wie West Deutschland, jeder sagen konnte was er wollte und es in Kommunistischen Ländern strikte Regeln gab über welche politischen Glauben man reden durfte und in welchen politischen Organisationen man sich organisieren konnte. Ein Punkt war auch, daß es in kommunistischen Ländern sehr schwierig ist aus dem Land heraus zu kommen und das Leute in einem demokratischen Land wie damals West Deutschland, kein Problem hatten, kommunistische Staaten zu bereisen. Das finde ich ist ein wichtiger Punkt! Ich habe nicht davon gehört, daß es damals in der Sowiet Union eine große öffentliche Punkszene gab, oder heutzutage in China. Wir sprachen darüber das dumme Leute wie Jello Biafra mit kindischen Phrasen Aufmerksamkeit bekommen, er aber trotzdem weiß, daß er in einem kapitalistischen System sein Geld verdient. Und jetzt stellt sich heraus, daß er seine Bandkollegen betrogen hat, haha, was für ein „Fake-Communist“ er war. Er hat sich immer beklagt, hatte aber nie ANTWORTEN. Es stimmt, wir hatten zwei Songs, die etwas aussagten, die beschrieben was in der US-Punkszene für Sachen passierten.

DOUG: Sie waren böse, weil wir uns über ihre kleine Möchtegernkommunisten lustig machten. Sie wollten, daß die Szene genau nach ihren Vorstellungen funktionierte, nach ihren Regeln. Sie wollten Kontrolle! Diese Entwicklung hatten wir auch in den Staaten und wir wollten zeigen wie widersprüchlich sie war, das gefiel diesen Leuten in Köln nicht. Alles was wir sagten, war, schaut euch um, öffnet die Augen, und findet heraus, wer davon profitiert, wenn ihr das macht, was euch eine politische Organisation vorschlägt. Wenn das Ergebnis dich glücklich macht, dann tu es! Aber sei kein blinder Mitläufer. Sei ein Punk, und Punks waren für mich immer kluge Menschen und werden es auch immer sein. Ich unterstütze das Recht, daß jeder das machen kann, was er will, und an das er glaubt, solange er niemanden dabei verletzt, aber bitte zeig mir den selben Respekt.

PAT: Zwei Shows aus allen, die wir in 20 Jahren gespielt haben. Kein anderes Mal hatten wir Ärger wegen unserer Texte. Es ist offensichtlich, daß das eine kleine Gruppe war, die aus irgendeinem Grund da war um Ärger zu machen. Sie waren Marionetten irgendeiner politischen Organisation. Ich fand es auch eigenartig, daß sie andauernd zu ihren älteren Chef liefen und ihn fragten was sie als nächstes machen sollten. Warum sollten junge „Punks“ zu einem alten Mann um die 50 rennen, der offensichtlich kein Punk war, und ihn andauert etwas fragen?

EL FEE: Egal was ihre Motive waren, Ich bin Jude und war sehr verletzt ein Nazi genannt zu werden. Auch der Sänger, der die beiden Songs sang, die sie so erbosten, ist Jude, auch er war verstört darüber, aber all das wollte niemand hören. Ihre Aktion bewies das unser Text in „Overlords Of The Underworld“ absolut richtig war. Sie wollten keine Gleichheit für alle, sie wollten Kontrolle.

PAT: Es waren absolute Heuchler. In „Overlords Of The Underworld“ singen wir von „Leaders preaching Leaderlessness“, genau das war es. Die Geschichte mit der Botschaft haben wir erfunden, weil wir es komisch fanden. Ich finde sie immer noch komisch, und 15 Jahre später wird aus einem wilden Gerücht ein Teil Geschichte, das jeder glaubt.

EL FEE: Ich wüßte nicht mal, welche Vorwahl ich in Deutschland am Telefon benutzen sollte. Wie hätten wir uns bei einer Botschaft melden sollen? Ich habe nie eine gesehen.

DOUG: Wir haben den Leuten erzählt, daß wir die Botschaft anrufen würden, um uns unter den Schutz der Vereinten Nationen stellen zu lassen. Leute glauben immer noch daran? Jetzt heißt es wir wären in die Botschaft geflüchtet?? Als das Konzert abgesagt wurde, sind wir einfach zu der Stadt gefahren in der Mottek, die deutsche Band mit der wir auf Tour waren, lebte und hatten einen ruhigen Abend. Wir waren zwar sauer, aber gleichzeitig so müde, daß es ganz OK war. Wir ärgerten uns nur darüber das Leute umsonst angereist waren.

PAT: 15 Jahre später klingt das alles, als ob wir gegen Tausende von bewaffneten Punks gekämpft hätten und Leute gestorben wären. Wir sind einfach nach Hildesheim gefahren und haben geschlafen.

EL FEE: Eine kleine Gruppe von 20 Leuten an zwei Konzerten, das war es, nicht mehr! Das zeigt, daß doch die meisten Punks kluge Menschen sind. Wenn diese Kids wirklich darauf aus waren Neonazis zu behindern, oder zu bekämpfen, dann haben sie zwei Tage damit vergeudet uns rumzuscheuchen, und hätten lieber wo anders echten Neonazis Probleme bereiten sollen, das wäre wenigstens produktiv gewesen.

PAT: Um ehrlich zu sein, ist dies ein wirklich langweiliges Thema für uns. Es ist nur eine kleine Begebenheit in unserer Bandgeschichte. Zwei Shows in 20 Jahren, den Leuten muß sehr langweilig sein, wenn sie immer noch darüber reden. Was mir aber gefällt, ist das die Story immer wilder, immer größer wird.

DOUG: Ich bin mal gespannt wie die Story in weiteren 15 Jahren klingt.

PAT: Mir ist gerade eine nette Story eingefallen. Wir waren nur selten auf Platten, die einen politischen Hintergrund hatten. Wir haben eine Benefit Single in Süd Afrika gemacht, aber es gab ein Label in Deutschland namens Mülleimer Records. Ich weis nicht, was ihr politischer Hintergrund ist, aber Sie kontaktierten Starving Missile und fragten ob wir einen Song zu ihrer Anti-Nuklearwaffen-Compilation „We Don’t Need Nuclear Force“ beisteuern würden. Da ich persönlich zustimme, daß wir keine Nuklearwaffen brauchen, und ich wußte, daß die Boskops, die Varukers und Toxic Reasons auch auf der Platte sein würden, sagte ich ja. Da bis zur Deadline der Platte nicht genug Zeit blieb einen exklusiven Song aufzunehmen, fragten sie mich, ob sie einen Song von unserer aktuellen Platte nehmen könnten. Rate mal welchen Song SIE sich ausgesucht haben? „Ticket To Moscow“ Das finde ich richtig witzig!!

Ist den Punk überhaupt für euch eine politisch Bewegung? War Hardcore politisch erfolgreich? Ist Vegetarismus, oder Straight Egde wirklich politisch?

PAT: Also ich bin Vegetarier, aber ich bin es aus persönlichen Gründen, nicht weil eine Band, die ich mag, es mir gesagt hat. Ich predige nicht Straight Egde, obwohl ich keine Drogen nehme und auch nicht trinke, aber ich respektiere das Recht anderer Bands, oder Fanzines, oder Menschen, über ein Glaubensmodell, das sie unterstützen zu predigen. Ich unterstütze ihr Recht Veränderungen zu wollen. Punk war und ist in dem Sinne politisch, das es immer einige Bands gibt, die Politik ernst nehmen, und sich intelligent damit auseinandersetzen.

JELLO: Ich stimme dem zu, es ist eine individuelle Sache. Minor Threat und Fugazi haben politische Statements gemacht, genauso wie Bands in den 60ern. Sie benutzten ihre Popularität um eine Botschaft zu vermitteln. Bands können so politisch sein, denn sie erreichen so viel mehr Leute, als wenn du oder ich jetzt an einer Straßenecke stehen und mit einer Person reden. Es bleibt aber eine individuelle Sache. Bei Punk ging es für mich immer darum ein Individum zu sein und es geht darum die Aktionen und Meinungen der Anderen innerhalb von Punk zu akzeptieren und nicht darum sie zu kritisieren.

PAT: Genau, denke selbst nach, und hinterfrage Dinge. Es gibt viele Heuchler, wir Rage Against The Machine zum Beispiel. Die reden andauernd über ihre politischen Vorstellungen von Sozialismus, der Gleichheit zwischen Arm und Reich, Männern und Frauen. Aber sie wohnen alle in Beverly Hills, gehen mit Pornostars aus, und besuchen Striplokale. Jeder, der in Hollywood wohnt weiß, daß das stimmt. Das ganze Image der Band ist künstlich hergestellt, aber es funktioniert. Sie haben andauernd Meetings mit ihrer Plattenfirma um sicherzustellen, daß ihnen bei jeder neuen Sache, die sie machen, durch ihre Publizisten die größte mögliche Medienpräsenz zugesichert wird. Es funktioniert! Ich finde das im Grunde genommen sehr lustig, nur tun mir die Leute leid, die von ihnen hintergangen werden, weil sie denken diese politischen Überzeugungen wären ernst gemeint. Glaubt uns nicht, weil wir in einer Band spielen!! Wenn dich ein Thema interessiert, oder du mit etwas in dieser Welt nicht zufrieden bist, dann solltest du dir die Zeit nehmen und dich darüber informieren. Dann mach was dich glücklicher macht, ändere die Sachen, die dich stören, oder ändere dich, damit du nicht mehr Teil bist vom dem, was dich stört.

Was auch immer passiert, benutze keine Gewalt um deine Meinung zu verbreiten, denn das ist immer das Mittel der Ignoranten und der Uniformierten. Aber wir sind keine offen politische Band, und wir werden es auch nie sein! Wir sind nur da, um unseren Spaß zu haben und ab und zu Heuchelei innerhalb dieser Szene aufzuzeigen, besonders wenn sie uns selbst betrifft, oder einfach aufgedeckt werden muß. Ich war in Madrid in einem großen Club, der Revolver heißt. Rage Against the Machine sollten ein „geheimes“ Benefit spielen. Ich hörte wie ihr Roadmanager exakt diese Worte zum Clubmanager sagte: „Diese Band macht niemals etwas umsonst! Wir werden jetzt bezahlt, oder die Band spielt nicht!“ Ich kenne den Promoter, er spendet das Geld von Benefitshows sonst der Wohlfahrt. Sie sollten diese Show umsonst machen, daß war abgemacht, aber als sie die vielen Leute sahen, wollten sie auf einmal Geld, was sie auch am Schluß bekamen. Das ist die reine Heuchelei und es macht mich krank, gerade wenn mich jemand, wie hier jetzt, über den politischen Aspekt von Punk befragt. Aber ich bin nicht in der Band um dies zu ändern, ich möchte Spaß haben und Punkrock spielen, und das machen wir. Ich glaube immer noch an Punkrock!

Text & Interview: Al Schulha

Links (2017)
White Flag auf Discogs
White Flag auf Wikipedia

You can leave a comment, or trackback from your own site. RSS 2.0

Leave a comment

You must be logged in to post a comment.