Februar 23rd, 2007

TRIAL (#80, 2-2000)

Posted in interview by andreas

ehrlich gesagt hatte ich die hoffnung auf dieses TRIAL interview schon aufgegeben. ganze 7 monate hat es gedauert bis sich der gute greg, sänger und sprachrohr der band, endlich mal gerührt hat. TRIAL kommen aus der stadt, welche uns so fragwürdige erscheinungen wie grunge brachte. zudem sind sie der beste beweis, dass auch nach dem abdanken undertows der straight edge mosh knüppel in seattle wächst und gedeiht.

ja, TRIAL sind eine dieser bands mit den lustigen buchstaben auf den händen. aber anders als bei so vielen anderen ausgeburten dieser richtung, dreht sich TRIAL`s kleine welt nicht um die neusten dc shoes, den trendsettigsten haarschnitt (was bei greg auch ein guter witz wäre, wo die platte auf seinem kopf doch schon mindestens so frappierend glänzt wie die des tippers), die fettesten chain wallets oder die lächerlichsten baggy pants.

TRIAL sind ein hochdruckgebläse, musikalisch wie textlich. ihre bühnenpräsenz ist… FETT, pure energie. die letztjährige europa tour mit DROP DEAD musste aus gesundheitlichen gründen ja leider abgesagt werden. nachgeholt wird diese dann ende 1999, möglicherweise also parallel zum erscheinen dieses interviews, welches ihr jetzt alle schön lest.

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man erzählt sich, trial seien in den letzten monaten durch einige turbulenzen geschliddert, welche um ein haar zum split geführt hätten. einige band mitglieder haben die sache hingeschmissen, und du schienst extreme probleme mit deiner stimme zu haben. ist das so in etwa richtig? wie ist die derzeitige situation der band? wer ist in der band, und was wird die zukunft bringen?

Greg: wow, das sind ja gleich 6 fragen auf einmal. gut, ich werde eine nach der anderen beantworten. ja, der erste teil ist richtig: 3 von 5 mitgliedern haben die band letzten herbst verlassen. sie haben die band lieber sausen lassen als sich weiterhin mit, wie sie sagen, UNLöSBAREN PERSöNLICHEN KONFLIKTEN auseinander zu setzen. und natürlich, weil sie nicht mehr voll die ideale teilten, für die wir als band eintraten.

trial zu verlassen wäre für mich persönlich sicherlich ein schritt in die falsche richtung gewesen. also habe ich beschlossen in der band zu bleiben, weiterhin sachen zu schreiben, weiterhin mit der band zu arbeiten, weil ich glaube, dass das was diese band tut sehr viel wichtiger ist als zwischenmenschliche angelegenheiten innerhalb der band.

zumindest wichtiger als der verlust von ein paar band mitgliedern. it`s an issue of throwing the baby out with the bathwater, as the saying goes, und ich war zu diesem zeitpunkt einfach nicht bereit das ganze hinzuschmeissen, obwohl eine zukunft nur schwer vorstellbar war, wo doch gerade dreifünftel der band das handtuch geworfen hatte.

zur selben zeit, als all dies passierte, ja, da begann ich zu realisieren, dass meine stimmbänder ernsthaft gefahr liefen einen bleibenden schaden davon zu tragen, oder wenigstens auf dem besten wege zu diesem schaden waren. als wir mit TRIAL anfingen war mir der klang meiner stimme so dermassen peinlich, dass ich den mischer meinen gesang über die PA immer so weit wie möglich runter regeln habe lassen, so dass ich mich selbst nicht hören musste oder konnte!

was letztlich aber nur zu einem führte, ich versuchte die fehlende lautstärke mit mehr stimmgewalt zu kompensieren. I was pushing myself much too hard. mit der zeit, ich gewöhnte mich an die überbelastung meiner stimmbänder, wurde es zur norm.

während meiner zeit in der theater schule hatte ich 2 jahre gesangsunterricht, und dachte sounds in einer für mich gesunden art und weise zu produzieren. was auch sicherlich ganz gut geklappt hätte, aber das pressen von zu viel luft durch meine stimmbänder hat halt zu einer schädigung der selbigen geführt.

ich habe einige ärzte aufgesucht, die endoskope unterschiedlichster grösse in meinen hals gesteckt haben, um sich meine stimmbänder anzusehen. sie diagnostizierten zysten im anfangsstadium am rechten stimmband. das hat in etwas die selbe auswirkung wie gefühlslosigkeit in den händen. anstatt einer klaren stimme produzieren die stimmbänder nur noch ein einziges krächzen.

wenn so etwas nicht behandelt wird, ruiniert man sich mit ziemlicher sicherheit seine stimme auf immer und ewig. wir taten also das einzig richtige. wir sagten unsere europa tour ab, liessen unseren gitarristen timm ein paar shows lang den gesangspart übernehmen, ich machte ein paar monate pause, um dann wieder mit gesangsunterricht in einem örtlichen voice studio zu starten.

der unterricht verlief sehr gut und ich habe sicherlich eine menge daraus gelernt. ich kann nur jedem angehenden sänger raten, sich umgehend seine eigene gesangsanlage mit mikrophon zu kaufen, gesangsunterricht zu nehmen, um so die richtige atemtechnik zu erlernen. andernfalls könnte es euch so ergehen wie mir, inklusiv den damit verbundenen enormen problemen, diese eine sache, die ihr so liebt, weiter zu betreiben.

die derzeitige situation der band ist, dass wir alle abgänge ersetzt haben, ein neues album namens `ARE THESE OUR LIVES?` aufgenommen haben, welches wahrscheinlich schon auf equal vision erschienen ist während ihr dies hier lest. we are really excited about it. musikalisch und textlich ist es weitaus intensiver und abwechslungsreicher als alles was wir vorher gemacht haben.

ausserdem wird die FOUNDATION platte, die ursprünglich auf new age records erschien, auf +/- records (andy ex-earthmover`s label) rereleased. new age records kam damit ja nicht in die pötte. der rerelease wird das original material, einen bonus cover song sowie ein komplettes live interview bei einer lokalen seattle radio station enthalten.

die band besteht zur zeit aus:

greg bennick (28 jahre) vocals

timm mcintosh (25 jahre) guitar

brian redman (20 jahre) bass

josh freer (21 Jahre) guitar

nick platter (19 jahre) drums

wovon wir leben? timm arbeitet für so eine telefon gesellschaft, brian arbeitet in einem cafe, ich selbst halte mich mit jonglieren und einradfahren über wasser, josh ist koch und nick arbeitet irgendwo an irgendwas. weiss auch nicht so genau was er da treibt.

soweit ich weiss, ist trial eine straight edge band. zumindest bist du straight, richtig? irgendwo habe ich gelesen, du hättest den straighten weg eingeschlagen, um mental fit zu sein, um mit wachem auge und ungetrübtem verstand dinge, die um dich herum passieren, wahrnehmen zu können. klingt als ob du straight edge in einen politischen kontext setzt. klingt wie … BLEIB DROGENFREI, HABE EIN WACHES AUGE AUF DIE DINGE UM DICH HERUM. KäMPFE, KäMPFE FüR DEINE üBERZEUGUNGEN… ja sicher, politischer kampf lässt sich nun mal besser in nüchternem zustand führen. aber niemand ist 24 stunden täglich ein politischer aktivist, richtig?! alkohol konsum bedeutet nicht gleich abhängigkeit und verblödung. alkoholkonsum bedeutet nicht zwingendermassen ein dauerhaftes getrübtes wahrnehmungsvermögen. wo also ist das problem sich hier und da mal einen zu ballern? das wird ja wohl nicht so dramatisch sein, oder?

Greg: definitiv setze ich den drogen und alkohol konsum in einen politischen kontext. was straight edge betrifft sehe ich meine lebensweise als protest, einhergehend mit der notwendigkeit klaren kopfes und fokussiert durch den tag zu gehen. du hast nur teilweise recht mit deiner einschätzung, dass alkoholkonsum nicht gleich abhängigkeit und gestörten blick auf die welt bedeuten.

I know that if I was to have one drink, that I would be consumed by it eventually. als ich 16 oder 17 war habe ich die ganze zeit getrunken, und diese erinnerungen sind in meinem gedächtnis haften geblieben. es gibt personen, die weitaus labiler auf alkohol oder drogen reagieren als ich.

personen bei denen ein drink oder drogen experiment ausreicht, um die suchtgefährdete persönlichkeit (wieder) ans tageslicht zu bringen. natürlich bedeutet ein drink nicht sofortige abhängigkeit für leute die sich unter kontrolle haben. meine freundin trinkt auch schon mal ein glas wein zu einem guten essen oder besonderen anlass. (wenn sie zum beispiel zu einer hochzeit eingeladen ist).

natürlich betrachtet sie sich deshalb nicht als trinkerin, schon gar nicht als alkoholikerin oder abhängige. trotzdem, for different people the story is not always the same. was den politischen-ganztags-aktivisten betrifft, mag das sicher für die meisten leute richtig sein was du sagst… aber ich weiss genau, dass ich die regenerative notwendigkeit des schlafens ausser kraft setzen würde wenn ich es könnte, um so auch nachts konstant an dingen zu arbeiten.

ich brauche weder alkohol noch drogen mit all dem damit behafteten problempotential, nur um mal zu relaxen. den ganzen tag lang gibt es für mich jede menge anderer möglichkeiten dazu. mittel und wege, die auf dauer nicht drohen mich in die selbstzerstörung zu führen. für andere leute mag das glas wein am ende eines langen tages genau das richtige sein. ich persönlich habe halt beschlossen, dem den rücken zu kehren und anderweitig nach zerstreuung zu suchen, wenn ich sie brauche.

bestimmte bands da draussen unterstützen ganz offen diesen pro-life scheiss. wie stehst du zu pro-life und bands die so etwas predigen? ich meine, ich weiss nicht, ob ich selbst abtreiben würde, wenn ich als frau in so eine situation käme. ehrlich gesagt würde ich das sogar eher bezweifeln. aber das ist ja eh alles höchst spekulativ. wer zum teufel sind aber bitte schön diese verdammten pro-life pisser, die frauen sowie ihren abtreibungsärzten und kliniken vorschreiben wollen was sie mit ihrem leben und körpern zu tun haben? wie zum teufel kann jemand ernsthaft für ungeborenes leben kämpfen, in dem er auf der anderen seite, mit dem abknallen von ärzten, leben auslöscht? wenn du mich fragst, ist ihre eigene ignoranz und menschenverachtung alles was diese leute fördern und was sie motiviert. der einzige nutzniesser ihres kampfes ist ihr eigener fanatismus. und ich find`s mal ganz gut zum kotzen wenn so genannte hardcore bands auf diesen zug aufspringen.

Greg: viele leute sehen pro-life als eine weiterführung ihres veganismus, was eine nachvollziehbare-, jedoch von mir in keinster art und weise geteilte meinung ist. obwohl das hardline manifest mir dies weiss machen will, betrachte ich veganismus nicht als absolutes mass der dinge.

ich sage das sehr wohl mit sarkastischem unterton, weil sowohl veganismus wie auch straight edge durch jedes individuum für sich selbst definiert werden sollte, und nicht mit hilfe eines lächerlichen, fordernden pamphletes. ich werde niemals 100% vegan leben. ich kann mich lediglich in die für mich richtige richtung bewegen, nach meinen eigenen moralischen vorstellungen leben, ohne diese auch anderen leuten auf`s auge drücken zu wollen.

für mich bedeutet veganer lebenswandel das leben zu respektieren, und all meine kraft und unterstützung in gewisse, manchmal recht konflikt belastete, gebiete zu stecken, selbst wenn dies eine gewisse heuchelei mit sich bringt. ich wünschte es müsse keine abtreibungen geben. da dem aber nunmal ganz offensichtlich nicht so ist, unterstütze ich in vollster art und weise das recht einer frau für sich selbst zu entscheiden was mit ihrem körper passiert.

klar, diese haltung steht im widerspruch zum veganen ideal des respektieren allen lebens… ja, dies macht mich zu einem heuchler, dass ich den gedanken an abtreibungen eigentlich abschreckend finde, aber nicht dagegen angehe, wenn eine frau sich für eine abtreibung entscheidet… dass ich alle frauen bei ihrer suche nach sicherem zugang zu abtreibungsmöglichkeiten unterstütze. wen kümmert es schon, dass ich wünschte abtreibungen würde es nicht geben?!

ich bin ein mann, und werde niemals auf eine abtreibungsklinik angewiesen sein. ich werde niemals angst davor haben müssen, dass mich irgendwelche pro-life schwachköpfe wegpusten während ich medizinische betreuung suche. meine überzeugungen zum thema abtreibung sind heuchlerisch wenn man sie in einen veganen kontext setzt. dazu stehe ich heute noch genau so wie bereits auf der ersten TRIAL scheibe.

eine platte, auf der wir mit dem song CYCLE OF CRUELTY genau dieses thema angesprochen haben. was bands betrifft, die pro-life faschismus unterstützen, sie bedienen einen mythos: den mythos von absolutem verhalten und absoluten idealen. ich glaube meine humanität und meine fehler machen mich weniger zu einem aktivisten oder zu einer persönlichkeit als sie selbst es sind.

von daher bin ich wohl für sie und ihren veganen kreuzzug gestorben, but so be it. ich fühle mich sehr viel wohler bei dem gedanken, dass mein leben nicht vom absoluten bestimmt ist. für mich ist meine version von veganismus, die mein tägliches leben reflektiert, sehr viel realistischer, als dieser abgehobene perfektionistische auswuchs in einer unperfekten welt.

ich habe dich auf der bühne, während einer show in seattle, die amerikanische flagge in stücke reissen sehen. dafür kannst du bei euch in den knast gehen, oder? ist so etwas nur showeinlage oder wirklicher hass auf das land in dem du lebst, und auf das gesellschaftliche system welches es verkörpert?

Greg: in den usa töten sie leute für politischen aktionismus und für das entweihen der flagge. frag JOHN TRUDELL (aktivist des AMERICAN INDIAN MOVEMENT), dessen familie, als resultat seiner flaggen-verbrennung in washington dc vor 20 jahren, bei lebendigem leibe in ihrem eigenen haus verbrannt wurde. befass dich mal mit COINTELPRO. das war ((ist), wohl realistischer)) der geheime oder semi-geheime domestic-war des FBI gegen `terroristen` und aktivisten.

als ich die amerikanische flagge auf der bühne in stücke gerissen habe war das konkreter protest gegen etwas das ich während des sommers bei einer reise quer durchs land beobachtet hatte.

im gesamten westlichen teil der vereinigten staaten findet man national parks und monumente, die historischen amerikanischen persönlichkeiten gewidmet sind, welche freiheit und demokratie in die ungezügelte wildnis gebracht haben, die da existierte bevor die weissen europäer kamen.

was bei diesen sehenswürdigkeiten oft vergessen oder bewusst verschwiegen wird, ist die andere seite der geschichte: dass die ursprünglich dort lebenden völker gequält, vergewaltigt und dahingeschlachtet wurden, um sie dazu zu bringen, die neue europäische kultur anstelle ihrer eigenen anzunehmen und zu akzeptieren.

ihr land und besitz wurde vor ihren augen verbrannt und komplett umgekrempelt. das zerreissen der flagge war ausdruck meiner ablehnung der ideen und ideale für welche diese fahne steht, solange die wahrheit über die geschichte dieses landes weiterhin von populärer fiktiver geschichtsschreibung vernebelt wird.

es war ein statement welches die anwesenden an diesem abend hoffentlich dazu brachte mal einen blick unter die oberfläche zu riskieren, und selbst mal in der blutigen vergangenheit amerikas herumzustochern. mehr als alles andere will ich, dass die wahrheit über die geschichte dieses landes erzählt wird.

glaubst du an gewaltfreie revolutionen? denkst du, dass gegenwärtige system würde tatenlos zusehen wenn die sozialistische revolution losbricht? ist es nicht reichlich naiv zu glauben, die führenden köpfe des kapitalismus würden sich da einfach auf eine stille beobachterrolle beschränken? daran darf ja wohl mal berechtigter zweifel angemeldet werden. nimm doch nur beispiele wie chile oder kuba. die kuba krise führte uns an den rand des dritten weltkrieges und in chile wurde die revolution auch in kürzester zeit blutig niedergeschlagen. wenn immer sich ein land vom kapitalismus abwendet dauert es doch meist nicht lange bis die westliche welt ihre kleinen miesen tricks und machtspielchen abzieht. der CIA tritt auf den plan und… bam! meist war`s das dann mit revolution machen. wenn du mich fragst, wird kapitalismus, so er denn herausgefordert wird, all seine militärische stärke in die waagschale werfen, um seine machtposition zu behaupten. macht es unter diesen gesichtspunkten wirklich sinn eine revolution zu predigen, die wahrscheinlich eh nie stattfindet? die frage ist doch, ob wir wirklich auf eine revolution hoffen, die den kapitalismus ein für allemal niederringt, oder ob all der linke politfirlefanz einzig und allein zur persönlichen gewissensberuhigung dient. ob er dazu dient, kleine veränderung zu bewirken, sich nischen zu schaffen, in denen man sich ein subjektives gefühl von revolutionärem handeln vorgaukeln kann.

Greg: ich sehe diese beiden szenarien, die du anreisst nicht zwingendermassen als exklusive gegensätze. ich glaube, dass jede handlung durch individuen oder gruppen zur rückeroberung ihres lebens aus der kontrolle anderer ein schritt in die richtige richtung ist. ja, das sind manchmal kleine schritte, die uns kurzfristig oder nur für einen moment gewisse befriedigung verschaffen.

aber in solchen momenten bedeuten diese kleinen schritte die ganze welt. und ich weigere mich einfach alle offensichtlichen kleinen siege und fortschritte durch diese idee einer einzig und allein gültigen revolution, welche die gesamte existenz der menschheit umkrempelt, in die bedeutungslosigkeit zu verdammen.

für so eine massive veränderung wie du sie ansprichst, müsste es erst einmal zu einer genau so grossen irgendwie gearteteten umwälzung kommen, um die grundfesten der bestehenden gesellschaftsordnung zu erschüttern. Y2K hatte sogar das gewisse potential dazu, aber so wie es momentan aussieht wird daraus wohl nichts. die zeit wird`s zeigen, obwohl ich zu diesem zeitpunkt meine zweifel habe.

was ich meine ist, dass es ohne ein mächtiges ereignis, welches erst einmal grossflächig alles lahmlegt was diese gesellschaft aufrecht erhält, nicht zu einer erneuerung des status quo in eine anarchistischere oder sozialistischere richtung kommen wird.

sofort im anschluss an solch ein bedeutendes ereignis (und ich spreche hier von nuklearer vernichtung oder erdbeben, weil in meinen augen ein lokaler riot oder eine bewaffnete revolte hier in den USA nicht sehr weit führen würde) läge es dann in der hand der revolutionäre sich rasch zu organisieren, sowie schnell und effizient zu handeln, zumindest hier in den USA, bevor die FEMA (federal emergency management agency) losschlägt und alles und jeden als plünderer wegbläst. das ist natürlich alles sehr theoretisch.

mein hauptaugenmerk richtet sich auch nicht auf guns and bullets. ich konzentriere mich auf worte und ideen, sowie die schon angeschnittenen kleinen erfolge im täglichen leben, örtliche siege oder zivilen ungehorsam, welcher in einem recht überschaubaren zeitraum close-to-home areas verändert, transformiert.

ein punkt, der zu sofortiger sozialer veränderung für alle involvierten führt, obwohl sich ausserhalb dieses nachbarschaftsgebietes an der etablierten sozialen grundordnung nichts ändert. no valid effort is wasted.

es wird immer viel über rassismus in den usa geredet. dabei geht es fast ausschliesslich um die unterdrückten schwarzen (politisch korrekter begriff hierfür leider gerade nicht zur hand, ändert sich ja sowieso ständig). aber so gut wie nie kommen die amerikanischen ureinwohner, die indianer, dabei zur sprache. 2 der grössten verbrechen in der amerikanischen geschichte, die versklavung von afrikanern und die abschlachtung und enteignung der indianer. weshalb wird gerade letzterem von der gesellschaft und der hardcore szene so wenig aufmerksamkeit geschenkt? ist das nicht eine verdammte schande?

Greg: definitiv. trotzdem hat es über die jahre bands gegeben, die dieses thema angesprochen haben. los crudos, manumission, earth crisis, the proletariat und inside out sind nur ein paar davon. nichtsdestotrotz stimme ich mit dir überein das dieses problem häufig durch andere themen beiseite gedrängt wird.

ein wenig licht in diese angelegenheit könnte es bringen, mal die parallele aufzuzeichnen zwischen dem aufstieg des vegetarismus/veganismus in der hardcore/punk szene und dem offensichtlichen desinteresse an themen wie den rechten der ureinwohner dieses landes. nach dem zweiten weltkrieg kam es hier in den staaten zu einem enormen anstieg der schülerzahl in den unteren klassen, einhergehend mit einem mangel an lehrmaterialien für die lehrer in den schulen.

daraufhin tagte der fleisch und molkereiprodukte ausschuss und schuf die FOUR FOOD GROUPS (fleisch, molkereiprodukte, gemüse, getreide… mit besonderer gewichtung auf fleisch und molkereiprodukte). sie sorgten für die herstellung und kostenlose verteilung neuen lehrmaterials über gesundheit. das resultat dieser neuen erziehung war die gehirnwäsche einer ganzen generation, die nun davon ausgehen musste, dass fleisch und molkereiprodukte der einzige wahre schlüssel für gesunde ernährung wären.

jetzt spul mal die achtziger jahre im bildsuchlauf vor und wirf einen blick auf die kinder derer, welche damals der angesprochenen gehirnwäsche ausgesetzt waren. ich weiss, dass es für sehr viele leute zutrifft, dass es nicht gerade leicht war ihre eltern davon zu überzeugen, dass vegetarische/vegane ernährung eine gute sache ist.

natürlich war es das nicht. der elterngeneration hatte man schliesslich ihr ganzes leben lang das gegenteil weiss machen wollen. seit mehr als einer dekade breitet sich der vegetarismus gedanke nun schon in der hc/punk szene aus, und langsam beginnen die bemühungen früchte zu tragen. die idee scheint auf die mainstream bevölkerung überzugreifen, denn der wurst und fleischkonsum geht zusehends den bach runter.

diese entwicklung übertragen auf die rechte der ureinwohner bedeutet, it will take repetition and consistent outspoken people to bring the trained generation of the present to think anything other than what they have been taught: that the past is over with and that the natives are gone forever. in time, that will change.

die hardcore szene scheint keine anziehungskraft auf die weibliche welt zu haben. irgend eine idee warum dem so ist?

Greg: die hardcore szene besteht schon seit jeh her aus mehr männern als frauen. die einzige erklärung dafür scheint mir, dass jungen im gegensatz zu mädchen während ihrer erziehung vermittelt wird, dass es ok ist, seine wut offen nach aussen zu tragen. dadurch tendieren jungen wohl eher zu hobbys und musik, welche ihnen die freiheit lässt, diese gefühle auszuleben..

es stand zu lesen, dass du dich für frauenrechte einsetzt, und wenn das nicht reicht, sogar dafür kämpfst. was würdest du feministinnen entgegnen, die dir sexismus vorwerfen, weil du frauen ihrer chance beraubst ihre eigenen kämpfe zu kämpfen? was würdest du denen sagen, die dir vorhalten, die rolle des Patriarchen zu spielen, der die frauen als zu schwach erachtet, um für ihre sache selbst zu kämpfen? so unglaublich das alles für dich klingen mag, ändert es doch nichts daran, dass mir solche überzeugungen schon untergekommen sind.

Greg: ich wäre verblüfft und sprachlos, würde mich jemand beschuldigen frauen der chance zu berauben ihre eigenen kämpfe zu führen. so wie ich das sehe, sollten alle unterdrückten bereit sein, so sie sich denn wirklich von ihrer unterdrückung frei machen wollen, jede engagierte und ernstgemeinte hilfe anzunehmen, without prejudices and judgements creeping in before the potential value of the work to be attempted is assessed.

es gibt keine trennlinie zwischen 2 separaten welten auf dieser erde, die sich einzig und alleine in der geschlechterfrage begründet… wir müssen daher, als menschen, gemeinsam zusammen arbeiten, um einander besser verstehen zu lernen, und unterdrücker verhalten bereits im keim ersticken, und nicht weiter gegeneinander arbeiten, um so die lage nur noch zu verschlimmern.

für alle die meinen, leute wie ich würden die rolle des Patriarchen anstreben, kann ich nur sagen, dass ich hoffe, in situationen, in denen ich frauen bei ihren kämpfen in irgend einer art und weise unterstütze, ihren ideen und überzeugungen den gleichen respekt entgegen zu bringen, den ich auch geschlechterunabhängig allen anderen schenke, die ich treffe oder mit denen ich tagsüber arbeite.

wer behauptet, ich würde mich bei gewissen themen nur einklinken, weil ich die betroffenen für schwach halte, irrt sich schlicht und einfach. in den gebieten, in denen ich mich gerade engagiere, schliesse ich mich mit betroffenen zusammen, weil ich sie für willensstark und hingebungsvoll halte, und weil ich die chance, ihr angestrebtes ziel zu erreichen, mit meinem persönlichen einsatz vergrössern will.

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interview: torsten

 

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