August 25th, 2017

THE MEN (#154, 06-2012)

Posted in interview by Jan

The Men aus Brooklyn zählen zu den wenigen Bands, denen es gelingt, so unterschiedliche Einflüsse wie noisigen Hardcore, Drone, Post-Punk, Noise-Rock, Krautrock oder Shoegaze zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzufügen und dabei einen unverwechselbaren eigenen Sound zu kreieren. Mark, Gitarrist und Sänger der Band, beantwortete meine Fragen.

Aus Brooklyn kommen seit einigen Jahren haufenweise frische Punk, Hardcore und Indie Bands wie Blank Dogs, Crystal Stilts, Vivian Girls, Woods, Night Birds, Pollution oder Drunkdriver. Auch großartige Labels wie Sacred Bones, Captured Tracks, Woodsist oder Katorga Works sind in Brooklyn angesiedelt. Hast du eine Erklärung dafür?

Mark: Nein ich habe keine wirkliche Erklärung. Es gibt hier tatsächlich einige gute Bands und Labels. Das liegt wohl daran, dass es hier eine Million Leute gibt, die Musik machen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass zumindest einige von ihnen richtig gut sind. In Brooklyn ist praktisch jeder in einer Band und einige davon sind zwangsläufig ziemlich gut.

Welche neunen Brooklyn Bands lohnt es sich anzuhören?

Mark: Highway Gimps, Organs, The Marsh Hens und Nude Beach sind großartige Bands.

Eure ersten beiden LPs habt ihr noch selbst veröffentlicht, eure aktuelle Scheibe ist nun auf Sacred Bones erschienen. War es eure Absicht als Band absolut DIY zu sein und warum habt ihr nun damit aufgehört eure Platten selbst zu veröffentlichen?

Mark: Wir haben unsere Platten selbst rausgebracht, weil wir keine andere Option hatten und uns niemand ein Angebot unterbreitet hat. Da wir aber unsere Musik aufgenommen hatten und die Alben fertig waren, fanden wir es sinnvoll, diese auch zu veröffentlichen. Für uns war klar, dass es auch andere Wege gibt, ein Album zu veröffentlichen als nur über ein Label. Ich wusste, dass wir selbst dazu in der Lage sind und nicht zwingend ein Label benötigen. Außerdem brachte das selbstständige Veröffentlichen den Vorteil mit sich, die gesamte Kontrolle über die Platte zu besitzen, was als Künstler natürlich sehr reizvoll ist. Wir haben damit aufgehört, weil Sacred Bones Interesse bekundeten unsere Musik rauszubringen. Sie sind auch in Brooklyn beheimatet. Sie sind also um die Ecke und zudem auch Freunde. Es ist eine auf Gegenseitigkeit beruhende Zusammenarbeit. Wir arbeiten zusammen um etwas Größeres zu schaffen als die Summe der dafür verwendeten einzelnen Bauteile.

Ihr habt drei Lps, eine 7” und zwei Tapes innerhalb von nur zwei Jahren veröffentlicht. Die meisten Bands benötigen für die gleiche Anzahl an Veröffentlichungen zehn Jahre. Es scheint so, als seien The Men eine ziemlich arbeitsintensive Band. Wird das manchmal zum Problem für dich? Was opferst du dafür, The Men so intensiv am Laufen zu halten?

Mark: Nein das ist für uns offen gesagt kein Problem. Keiner von uns geht wirklich arbeiten. Wir leben für diese Band. Es ist für uns überhaupt kein Problem, Songs zu schreiben. Das ist einfach das, was mir machen. Wir spielen Musik, also schreiben wir logischerweise Songs und das so oft uns eben etwas einfällt.

Ich habe gelesen, dass ihr in 2012 zum ersten mal durch Europa touren wollt. Was erwartet in von der Tour?

Mark: Im Dezember werden wir für eine Woche Konzerte in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden spielen. Im Januar werden wir dann erneut für eine ausgedehntere Tour kommen. Ich erwarte nicht viel von der Tour. In erster Linie möchte ich neue Dinge erleben, neue schöne Orte sehen und Musik machen.

Nick und du habt noch eine andere Band, die Dream Police heißt. Was war eure Motivation noch eine Band zu starten? Gebt unser mehr Infos über Dream Police!

Mark: Dream Police ist ein Projekt, das Nick und ich irgendwann während dem Bestehen von The Men begonnen haben. Wir spielen mit Dream Police fast auschließlich improvisierte, Drone basierte Musik. Die musikalische Herangehensweise ist allerdings eine etwas andere als bei The Men. Es gibt einige Dinge und Sounds, die wir entdecken wollen, die aber nicht wirklich zu dem passen, was wir mit The Men machen. Wie zum Beispiel Harmonium spielen, Sprechchöre, Violine spielen, Improvisation und vieles mehr. Unser neues Tape „Live“ wurde während zwei Konzerten aufgenommen. Beide waren vollkommen improvisiert mit unterschiedlichen Instrumenten und der Absicht unterschiedliche Klänge und Texturen zu erkunden.

Eure Musik kombiniert Post-Punk mit Hardcore, Drone, Shoegaze, Pop und weiteren Einflüssen. Trotz der extremen stilistischen Unterschiede eurer einzelnen Songs schafft ihr es dem Ganzen immer wieder den typischen „The Men“ Sound zu verpassen, so dass die Songs auch als Ganzes funktionieren. Wie schreibt man solche Songs, mit so vielen unterschiedlichen Einflüssen?

Mark: Ich weiß es nicht, es ist einfach das, was am Ende dabei rauskommt. Drei von uns schreiben Songs und wir wollen alle unterschiedliche Dinge ausdrücken. Da ist es ganz natürlich, dass unser Sound dazu tendiert, etwas querbeet zu sein.

Ich habe den Eindruck, dass es insbesondere in den USA in den letzten Jahren eine Wiederbelebung von Releases auf Tape gibt. Ihr habt mit The Men auch zwei Tapes veröffentlicht. Was glaubst du sind die Vorzüge dieses Formats?

Mark: Ich denke Tapes sind wieder angesagt, weil sie am ehesten greifbar sind. Du kannst sie in deinen Händen halten, es ist eine einzigartige Sache. Mit dem Tod von CDs und dem Digitalzeitalter gibt es nicht mehr viele Medien, in denen ein Album existieren kann. Es gibt Vinyl, was unglaublich teuer und zeitraubend ist und es gibt Tapes, die schnell und billig sind. Man kann etwas aufnehmen und hat eine greifbare, wirkliche Repräsentation davon, ein einzigartiges Dokument, von dem was du tust. Ich denke das ist sehr reizvoll.

In eurem Song “()” verwendet ihr eine Zeile von Spaceman 3’s “Revolution” und “Take Me To The Other Side”. Ist das als Tribut an Spaceman 3 zu verstehen oder warum verwendet ihr deren Texte?

Mark: Es ist ein Tribute an Spacemen 3 und zudem ein Versuch, in der Tradition des Rock and Roll zu leben. MC5 wurden von Spacemen 3 gecovert, die wiederum von Mudhoney gecovert wurden. Es ist immer das Gleiche. Wir wollten Teil davon sein. Uns sind sowohl die Wurzeln des Rock and Roll also auch die Verpflichtung, die wir als Band dem Ganzen schuldig sind, vollkommen bewusst.

Euer neues Album “Leave Home” trägt den gleichen Titel wie die zweite Ramones LP. Ist das Absicht?

Mark: Durchaus und überhaupt nicht zu gleich.

Es gibt seit den letzten Jahren viele amerikanische Punk/Hardcore Bands, die einen ziemlichen noisigen Sound spielen wie etwa Drunkdriver, Cult Ritual, Merchandise, Pissed Jeans, Sex/Vid und viele andere. Sind dir solche Trends wichtig und haben sie Einfluss darauf wie The Men klingen?

Mark: Trends sind mir vollkommen egal, aber ich mag alle Bands, die du aufgezählt hast. Insbesondere Drunkdriver waren eine großartige Band. Es ist eine absolute Schande, dass sie schon so schnell von der Bildfläche verschwunden sind.

Letzte Frage, was sind für dich die fünf besten Platten, die jemals erschienen sind?

Mark: Das sind meine Top fünf Platten, die mir spontan heute Abend in den Sinn kommen, sich aber immer wieder ändern: Neil Young – Comes a Time, Bruce Springsteen – The River, Bob Dylan – Desire, Suicide – Second Album, Taj Mahal – s/t.

Interview: Patrick Weidemann

Links (2017):
The Men auf Discogs
The Men auf Bandcamp

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