März 16th, 2007

SUPERFAN (#66, 10-1997)

Posted in interview by jörg

Superfan sind eine relativ neue Band aus Frankfurt am Main. Das an sich, ist schon mal fast eine Sensation, weil in Frankfurt bis auf wenige Ausnahmen, bandtechnisch nicht viel passiert. Ihr könnt mir das glauben, ich wohne in der ach so tollen Mainmetropole. Aber zurück zum Thema. Superfan sind mir zum ersten Mal durch ihre selbstveröffentlichte 10″ aufgefallen. Hier sind sechs schnelle altmodische Hardcoresongs zu hören.

Das ist auch schon wieder für Frankfurt etwas besonderes, weil Old-School-Hardcore (Ich hasse dieses Attribut, benutze es aber trotzdem) hier eigentlich nicht gemacht wird. Entweder die Bands spielen englisch-geprägten Kram, oder einen neumodi-schen, vom Metal beeinflussten Sound. Beson-ders gefiel mir an ihrer Platte der Druck mit dem ihre Songs aus den Boxen geschossen kamen. Vergleiche mit den Didjits, aber auch der Gitarre bei den Kennedys, oder Black Flag schossen in meinen Kopf.

Da es ja nicht gerade oft die Möglichkeit gibt, über gute Bands aus dem Rhein Main Gebiet zu berichten, arrangierte ich sofort ein Gespräch mit dem Gitarris-ten Philipp sowie dem Schlagzeuger Bernie.

***

Da euch wahrscheinlich niemand ausserhalb Frankfurts kennt, stellt doch mal euch, bzw. die Band Superfan kurz vor.

Philipp: Also uns gibt`s seit ungefähr ein eineinhalb Jahren. Also wir zwei und der Bassist Bando hatten vorher eine Band die „Die Wilde 13` hiess. Die gab`s von 89 bis 90, dann gab es einen Besetzungswechsel und die Musik wurde schrecklich mies. Mathes unser Sänger dürfte bekannt sein, er hat früher bei Pullerman gesungen. Da ich ihn kannte haben wir uns überlegt, etwas neues zu starten,…ja und Superfan kam heraus. Wir wollten so wie die alten Black Flag klingen…..

Kurze Zwischenfrage, was sind für dich die „alten“ Black Flag?

Philipp: Ja so die „First Four Years“, die Zeit vor Rollins: Dez Cadena und Keith Morris. Das war so die Idee, in dieser Richtung etwas zu machen, weil es halt meine Lieblingsmusik ist und Mathes auch ein grosser Fan dieser Zeit ist.

Irgendwann auf einer Party kam dann die Idee, mal wieder eine Punkband zu gründen. Es war klar, dass Mathes singen würde, wir haben dann auch unsere Plätze gefunden, und nach der achten Probe sind wir ins Studio und haben die 10″ aufgenommen. Wir wollten die Songs halt so schnell wie möglich raushaben.

Die Gitarre, speziell beim ersten Stück, hat mich sehr an die Didjits erinnert…..

Philipp: Wirklich? Witzig, ich habe von denen eine Platte und die auch erst seit einem halben Jahr, also ein Einfluss war das bestimmt nicht. Für mich als Gitarristen war es immer Black Flag/Greg Ginn.

Gerade auf der 10″. Wenn ich sie mir jetzt anhöre, höre ich Black Flag zwar gar nicht mehr heraus, aber ich dachte immer, es wäre ein Ginn-Sound. Letztendlich bin ich natürlich froh, dass es etwas anderes geworden ist.

Für mich, der auf der Gitarre keinen einzigen Akkord kann, ist es komisch, wenn ich höre, dass Gitarristen wie Greg Ginn klingen wollen, da er ja einen sehr „unpunkigen“ Sound hatte. Sein Spiel hat bei Black Flag phantastisch gepasst, aber eigentlich spielte er immer etwas zwischen Jazz und Metal.

Philipp: Darum geht es nicht, ich glaube es war bei uns Black Flag, weil das für uns eine Art Konsens-Band ist, in dem Sinne, dass wir sie alle mögen. Wir haben auch nie versucht eine Black Flack-Kopie zu werden, das ist ja auch nicht dabei herausgekommen.

Bei euren Texten ist mir aufgefallen, dass ihr die Szene, und das DIY auf die Schippe nehmt, ich nehme aber nicht an, das ihr gegen das DIY-Ding seit, und schnell einen Major-Vertrag wollt, dann hättet ihr keine Vinyl-10″ gemacht.

Philipp: Nein, natürlich nicht, für mich ist das Prinzip DIY, das geilste was es gibt, in allen Bereichen. Ich versuche eigentlich alles selber zu machen. Da gehört für mich auch dazu, dass ich eben nicht bei einer Firma angestellt bin, sondern mein eigenes kleines Grafik-Design-Büro mache, genauso sehe ich das halt in der Musik.

Ich mache am liebsten alles selber, dann werden die Sachen auch am schlüssigsten. Man hat dann auch die gesamte Kontrolle, wenn man es selber macht.

Ist die Band für euch jetzt nur ein Hobby, oder habt ihr Ambitionen irgendwie Geld zu machen?

Philipp: Geld, Reichtum auf keinen Fall! Es geht natürlich um den Spass, der ist für mich super wichtig, es geht um die Musik, da ist es wichtig, dass sie nach vorne geht, positive Energie vergibt, auch wenn sie ursprünglich vielleicht aus etwas negativem kam, das ist mir wichtig, aber wir sind keine Hobbyband, auf keinen Fall! Was verstehst du unter einer Hobbyband?

Lass es mich mal so formulieren, es gibt im Moment eine Menge Bands, gerade mit Leuten, die vorher schon in bekannteren Bands waren, die jetzt zwar Musik machen, die sie mögen, aber schon im Hinterkopf haben, dass jetzt die letzte Chance ist, damit zumindest etwas Geld zu verdienen. Das sind keine Hobbybands. Wenn finanzielle Interesse einfach gar nicht vorhanden ist, dann wird es zum Hobby, ein ernstgemeintes Hobby, aber trotzdem ein Hobby.

Philipp: Uns geht es um den Spass. Punkt! Wenn man gleichzeitig noch Inhalte rüberbringen kann ist das doch klasse. Es ist natürlich die Frage, ob das überhaupt geht, weil die Leute, die du erreichst, die wissen die Sachen, die du ihnen erzählen willst, meistens schon.

Bernie: Ich glaube nicht, dass das mein Hinter-gedanke ist. Für mich existiert Superfan in erster Linie, um mit meinen Freunden im Proberaum Songs zu machen und dabei Spass zu haben. Die Musik gibt mir selber so eine Art Power, wenn ich sie spiele. Mich verwundert es deshalb auch, wenn XYZ mit uns ein Konzert machen will, oder XYZ uns interviewen will, oder XYZ mit uns eine Platte macht. Das existiert gar nicht in meinem Kopf, deswegen wundert es mich was da alles von aussen kommt. Der Drang jetzt irgendwie gross rauszu-kommen besteht bei mir gar nicht.

Philipp: Das ist jetzt halt mal ne Sache, die unheimlich gut klappt. Ich würde auch sagen, dass ne Band, die es wirklich darauf anlegt, irgendwie den Leuten zu gefallen, nicht richtig gut werden kann. Das merke ich auch an mir, nicht nur in der Musik, wenn ich irgendetwas mache, was jemand anderen gefallen soll, ich aber selber nicht davon überzeugt bin, dann kommt da meist nicht vernünftiges bei raus. Die geilsten Sachen sind natürlich die, die du selbst am Besten findest.

Bernie: Vielleicht kommt unser Zeug auch deswegen so gut an, weil wir auf der Bühne einfach ehrlich rüberkommen. Die sehen, wir haben Spass auf der Bühne und da nicht irgendein Gepose auffahren.

Eure 10″ ist auf dem Label Motopunk in Frankfurt erschienen. Ist das euer eigenes Label und gibt es das jetzt nur für die 10″, oder wird das weitergeführt?

Philipp: Also das Label mache ich mit einem Freund, Jesco, zusammen und das soll auch weiterbestehen. Jetzt kommt eine Single raus von No Mame Why, einer Band aus Oberursel, bei Frankfurt. Die sind relativ jung und gehen auch so in unsere Richtung. Das ist auch das was wir so als Message bei Superfan rüberbringen wollen, mach dein Ding selber. Eben DIY.

Ihr habt euch zu allem überfluss auch noch dem Vinyl verschrieben, was ich persönlich klasse finde, war das eine bewusste Entscheidung?

Philipp: Ja, völlig bewusst, wir finden halt alle Vinyl viel geiler.

Vinyl ist aber ein Antagonismus……

Philipp: Ja natürlich, man kann sagen, die CD ist das viel praktischere Medium, aber…..

Aber viele 16-jährige heute werden euch nie hören können, weil sie überhaupt keinen Plattenspieler mehr haben.

Philipp: Aber im Punk-Bereich wird das Vinyl ja noch anders behandelt, als wenn du jetzt kommerziell verkaufen willst. Wir wollen unsere Platte ja gar nicht im WOM verkaufen.

Du meintest am Telefon, dass die neueren Songs etwas anders als die auf der 10″ seien, wohin tendieren die?

Bernie: Naja, die gehen schon noch in die Richtung…..

Philipp: Ja, aber sie sind nicht mehr alle so schnell.

Und wie sieht es mit neuen Veröffentlichun-gen aus?

Philipp: Es wird zwei 7″ EPs geben, die beide im September bei Heartfirst erscheinen werden. Wir wollten am liebsten wieder eine 10″ ma-chen, aber der Floh hasst die, also werden es zwei Singles, da gibt es dann auch mehr Coverartwork.

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Superfan:

P. Karger Eckenheimer Landstrasse 346 60435 Frankfurt Am Main

Motopunk: Motopunk Rec.Kiesstrasse 33 60435 Frankfurt Am Main

http://www.geocities.com/motorcity/1258

email: barabas@stud.uni-frankfurt.de

Text/ Interview: Al Schulha

 

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