März 16th, 2007

SUPER GAUGE (#61, 12-1996)

Posted in interview by jörg

„Es ist wirklich unglaublich – alles was diese Kaiserslauterer Jungs anfassen ist einfach grandios „  (Daniel Röhnert)

Am 15.8. spielten SUPER GOUGE zum Auftakt der Popkomm im Kölner Underground Natürlich war dies für die fleissigen TRUST Mitarbeiter Daniel und Stefan ein willkommener Anlass ein wenig mit Frank Rahm (Gitarre) und Alex Hoffmann (Gesang) zu plaudern.

Was um alles in der Welt BIG BLACK, FRANK ZAPPA, die SPERMBIRDS, KICK JONESES, die Popkomm und Adler Edel Pils mit SUPER GOUGE zu tun haben, erfahrt ihr im folgenden Interview.

***

S: Erzählt mal was zur Geschichte von SUPER GOUGE. Auf der ersten Split Single mit KICK JONESES sang ja noch Lee Hollis und Frank besorgte den ganzen Rest und irgendwie sah das ganze doch eher nach einem Projekt aus. Mittlerweile sind ja ganz andere Gesichter mit dabei.

Frank: Das ganze war damals mit dem Lee als Parallelprojekt zu den SPERMBIRDS geplant, weil wir beide so ziemlich den gleichen Musikgeschmack hatten.

Wir wollten in die Richtung gehen, wie PAILHEAD es damals gemacht haben – also ein Studioprojekt wie es Ian McKaye mit irgendwelchen Leuten von irgendwelchen Bands durchgezogen hat. Man hat von denen eigentlich nie etwas live gehört. Wir wollten ganz einfach die Musik rausbringen auf die wir Bock haben – nur hat sich das eben etwas gezogen.

S: Jahre.

Alex: Der Lügenbaron. Und der Aspekt, dass es Tanzmusik sein sollte.

F: Wieso Tanzmusik?

A: Es ging doch gleich am Anfang Richtung Disco.

F: Na gut okay. Es sollte ein bisschen wie HOT CHOCOLATE klingen, nur haben wir es halt nicht so ganz hingekriegt. Lee und ich sind eben auf die gleiche Musik abgefahren, aber natürlich wollten wir nicht nochmal das gleiche wie bei SPERMBIRDS machen. Wir haben das so zwei oder drei Jahre total locker betrieben. Einmal eine Woche beim Thomas im Studio und irgendwann bin ich auf die Idee gekommen eine Doppelsingle Serie herauszubringen.

Und da wir für KICK JONESES noch eine Band gesucht haben, dachte ich machen wir das einfach zusammen mit SUPER GOUGE. So haben wir dann eben hektisch zwei Lieder aufgenommen, weil wir bis dorthin überhaupt nicht weitergekommen sind. Die Idee war einfach was im Studio zu machen und das war dann die Single.

Weil es mir doch mehr Spass gemacht hat, als ich gedacht hatte, habe ich dann versucht eine Band daraus zu machen, weil ich einfach live auftreten wollte. Das gehört einfach dazu. Und so habe ich mir eben Leute zusammengesucht. Das war am Anfang noch der Lee, dann war noch der Fabsich dabei und noch andere Leute, die dann irgendwann ausgestiegen sind. Nach und nach kamen dann die Leute, die heute noch dabei sind.

S: Euer Sound wird ja immer mit BIG BLACK verglichen – könnt Ihr damit leben oder wird das lästig?

F: Also damit kann ich wirklich recht gut leben, weil das wirklich ein gewisser Punkt ist, wo der Ansatz bei uns zu suchen ist. Wenn ich die Musik schreibe ist das immer irgendwie im Hinterkopf, wobei es natürlich nicht so ist, dass ich irgendwelche Lieder nachmachen will – ich will meine eigene Musik machen. Aber auch so Sachen wie SCRATCH ACID, das liegt einem schon im Hinterkopf.

S: Seit kurzem spielt ja auch Markus (Ex-SPERMBIRDS) bei Euch Bass – hat sich dadurch soundmässig etwas bei Euch verändert?

A: Er hat eine andere Art zu spielen als der frühere Bassist. Er hat einen anderen Sound und spielt etwas brachialer und nicht so philigran wie sein Vorgänger.

F: Er spielt einfach direkter. Der andere Bassist spielte etwas vorsichtiger, etwas zurückhaltender.

A: Auf Proben merkt man einfach, dass Markus und Frank gut zusammen können. Das merkt man, wenn neue Lieder entstehen – blindes Verständnis – 10 Jahre gemeinsam im Proberaum.

D: Sind’s erst zehn?

F: Eher fünfzehn. Ich kenne den Markus seit der fünften Klasse.

S: Zum Thema Texte. Alex, Du hast ja ziemlich viel von Herrn ZAPPA geklaut und das fairerweise auch im Booklet angegeben. Findest Du den Mann so gut und wie sehen die Texte in Zukunft aus -wirst Du weiterhin von ZAPPA klauen? Und dann würde mich noch interessieren ob Deine Texte eher politisch oder persönlich gehalten sind?

A: Also viel habe ich nicht geklaut, das war bei drei Liedern lediglich ein Satz.

S: Bei einem Stück kann ich Dir aber locker zehn nennen.

A: Ach ja dieses eine Lied habe ich ganz übernommen, aber das ist ja nicht auf der CD. Eigentlich war das eher aus der Not geboren. Ausser diesem „Ball Bearing“ verwende ich nur Sätze von ZAPPA und die sind als Zitate in meine Texte eingefügt.

D: Weil der ZAPPA so viel für Dich bedeutet?

A: Als ich Jugendlicher war habe ich oft in Schülercafes Bongos gespielt und da ist das halt immer gelaufen. Und dann habe ich noch das Songbook vom ZAPPA und seine Texte haben mich schon irgendwie beeinflusst. Vor allem der Humor, der in seinen Texten drin ist – gesellschaftskritisch zu sein, aber nicht so zeigefingermässig. Sehr lyrisch und sehr unterhaltsam.

F: Das ist das gleiche bei KICK JONESES, dass man eben nicht unbedingt diesen Zeigefingereffekt hat.

S: Also wirst Du auch in Zukunft gerne auf ihn zurückgreifen?

A: Das war lediglich in der Anfangsphase. Da war ich etwas überfordert mit der Menge an Texten, die ich plötzlich beisteuern musste, weil ich ja noch eine andere Band habe.

S: Und die Texte machst Du alle alleine?

A: Ja. Manchmal im Zusammenspiel mit Freunden oder Bekannten.

F: Musik und Text sind eigentlich schon sehr geteilt bei beiden Bands. Bei SUPER GOUGE ist es so, dass ich die Musik mache und der Alex die Texte. Beim Entstehen von einem Lied ist sonst niemand beteiligt, d.h. beim Arrangieren entscheiden sich noch ein paar Kleinigkeiten, aber ansonsten…

A: Politisch oder sexuell war dann noch die Frage wegen den Texten?

S: Politisch oder persönlich war die Frage.

D: Wenn Du persönlich und sexuell gleichsetzt, dann wäre das ein Fall für die Tiefenpsychologen.

A: Bevor ich jetzt sage, es geht in den Texten um … – es sind ja viele verschiedene Texte – erzähle ich lieber etwas über die Vorgehensweise. Am liebsten erzähle ich Geschichten und das klappt in 50 % der Fälle. Dann bleiben 50 % übrig wo es nicht klappt, dann wird’s zur Lyrik.

S: Sind das wirkliche oder erfundene Geschichten?

A: Es sind erfundene Geschichten. Stark – assoziativ wäre zu billig, es sind Bilder, die aus dem Bauch entstehen. Wegen sexuell – es geht schon viel um Mann und Frau.

D: Hat eigentlich das Etablissement, das im Erdgeschoss des Hauses ist in dem Du wohnst irgendeinen Einfluss auf die Texte gehabt?

A: Eigentlich schon.

D: Ich meine das ist ja recht auffällig.

S: Wieso, wohnst Du über einer Tankstelle?

A: Ich wohne über Transvestiten. Meine Texte sind im weitesten Sinne politisch, aber nicht konkret politisch. Nicht, weil ich das verabscheuen würde, aber es ist eben nicht so leicht einen guten politischen Text zu machen. Falls ich mal einen guten Tag habe, werde ich auch einen politischen Text machen.

S: Ihr seid ja beide bei KICK JONESES, die ja einen ganz anderen Sound machen – also eher die fröhliche Pop Punk Musik. Ist jetzt SUPER GOUGE ein willkommener Ausgleich und was von den beiden macht Euch mehr Spass?

F: Ich sehe beides als völlig verschiedene Sachen an und habe an beidem gleich viel Spass. Das eine ist halt eine Richtung, die ich schon jahrzehntelang mache – nämlich Punk Rock – und von mir aus auch ein bisschen in die Pop Richtung geht. Und das andere ist halt etwas, das ich auch schon sehr lange mache. Ich höre halt sehr viele Sachen, die einen Einfluss auf mich haben. Ich will eben nicht alles in eine Band reinbringen und versuche das deshalb zu trennen. Da war für mich die Initiative zu sagen, jetzt mache ich mehr Bands da draus.

Das ist ja auch das besondere an der Kaiserslauterner Szene. Da entstehen so viele unterschiedliche Bands, wo aber trotzdem immer wieder die gleichen Leute beteiligt sind. Das liegt an dem breiten Musikspektrum, das jeder hat und das jeder verwirklichen will. Du kannst nicht bei SPERMBIRDS plötzlich ein Skalied bringen und bei KICK JONESES irgendein Metallied.

A: Was mehr Spass macht kann ich eigentlich gar nicht so sagen. Aber vom Gefühl her, wenn man sich das Publikum betrachtet, würde ich sagen KICK JONESES spielt eher mit dem Publikum und SUPER GOUGE dagegen. Das hat viel mit Krach zu tun und ist eher ein Kampf und bei KICK JONESES ist eher Party und beides hat seinen Stellenwert.

F: Für mich ist das auch kein Ausgleich. Ich trenne das ziemlich streng. Also nicht, dass ich jetzt schizophren wäre, aber schon wenn ich auf ein KICK JONESES Konzert fahre, weiss ich, dass es vom Gefühl her eher ein Punk Rock Ding wird. Das ist halt Party und bei SUPER GOUGE gehe ich schon etwas konzentrierter zur Sache, also mehr was für den Kopf.

A: Das andere ist organisch gewachsen und SUPER GOUGE ist konstruiert.

S: Ihr wohnt ja alle ziemlich weit entfernt voneinander. Wie bekommt ihr das mit den Proben geregelt?

F: So gut wie gar nicht. Wir proben wenn es geht regelmässig. Mit KICK JONESES und SUPER GOUGE einmal die Woche, aber meistens klappt das nicht, weil wir am Wochenende auch oft Konzerte haben. Die Entfernung macht zum Beispiel gar nichts aus.

S: Machst Du die Lieder dann alleine fertig?

F: Ja, das ist auch bei KICK JONESES so. Die Lieder, die in den Proberaum kommen sind fertig. Der Beppo macht ein Lied das ist fertig. Ich mach ein Lied das ist fertig.

S: Wird also nicht gross rumgejamt?

A: Bei KICK JONESES wurde in letzter Zeit öfter mal gejamt.

F: Aber es ist kein Lied daraus entstanden. Die Entfernung macht aber nichts, weil wir uns alle schon sehr lange kennen. Das klappt einfach. Wenn wir sagen wir proben freitags, dann proben wir auch den ganzen Abend.

A: Ich fahre schwarz mit der S-Bahn Richtung Mainz, von Mainz löse ich die Fahrkarte bis Bad Kreuznach – das kostet mit der Bahncard 5 Mark 60.

F: Und dann verpasst er den Zug in Bad Kreuznach und kommt wieder fünf Stunden später.

D: Du hast jetzt schon häufig den Aspekt angesprochen, dass ihr Euch sehr gut kennt.

A: Wir sind Freunde.

D: Ist es nicht gerade so, dass es bei denen die man als beste Freunde bezeichnet nicht irgendwann einmal einen Bruch gibt? Hast Du Dir jemals Gedanken darüber gemacht, dass Du seit 15 Jahren immer mit den selben Pappenheimern rumhängst?

F: Ja, die Gedanken macht man sich dann, wenn man wie wir alle aus Kaiserslautern weggezogen sind und Du kommst dann in eine andere Stadt und lernst andere Leute kennen und überlegst dann, ob Du mit denen vielleicht Musik machen willst. Irgendwie ist das vielleicht ein bisschen Bequemlichkeit.

Auf der anderen Seite habe ich mit den Leuten mit denen ich momentan Musik mache überhaupt keine Probleme – ich kann mit denen locker Musik machen. Es hat auch noch nie einen grossartigen Bruch bei uns gegeben.

D: Das ist Pfälzer Freundschaft.

S: Wo wir gerade bei Freundschaft sind. Bist Du froh, dass sich das Kapitel SPERMBIRDS erledigt hat.

F: Ja.

S: Bestehen überhaupt noch Kontakte zu Ken (letzter SPERMBIRDS Sänger)?

F: Zum Ken besteht überhaupt kein Kontakt mehr, weil er irgendwann nach Amerika zurück ist.

D: Diese Frage hat in einem SUPER GOUGE Interview eigentlich nichts verloren.

F: Lass ihn doch fragen, wenn es ihn interessiert. Ich war halt nun mal bei der Band. Ich finde das schon okay, wenn man die Frage stellt. Ich habe es nicht bedauert, dass SPERMBIRDS aufhört, weil ich ja selbst daran beteiligt war, dass wir aufhören. Ich habe keinen Kontakt zum Ken, zumal ich mit dem Ken eh nicht klar gekommen bin. Das war’s.

S: Das war doch eine klare Antwort.

F: Ich werde irgendwann in einem SPECIAL auch einmal mehr über SPERMBIRDS erzählen, weil mir zu viel Scheisse gelabert wird. Es ist ärgerlich für mich, wenn irgendwelche Leute von SPERMBIRDS interviewt werden und die dann irgendetwas erzählen und ich sitze da und lese es und habe eine ganz andere Meinung.

S: Mal was anderes. Du machst schon seit Ewigkeiten Musik, doch zum grossen Rockstar hat es nie ganz gereicht, obwohl Du ja mit den SPERMBIRDS dicht davor warst. Glaubst Du, dass das irgendwann mal noch klappt oder hast Du die Hoffnung aufgegeben?

F: Also kommerziellen Erfolg erhoffe ich mir eigentlich von etwas anderem. Wahrscheinlich eher nicht von den Bands die ich mache, weil die alle etwas zu extrem sind.

Aber ich mache halt privat noch Sachen, die vielleicht mal zu einem kommerziellen Erfolg führen, wobei ich mir da ausnehme als Künstler auf der Bühne zu stehen – also nur Lieferant von etwas.

S: Aber leben konntest Du ja noch nie von der Musik?

F: Ich habe wohl als einziger relativ lang von der Musik gelebt. Im Moment lebe ich immer noch relativ gesehen von der Musik. Aber das liegt einfach daran, dass ich über die SPERMBIRDS Sachen ziemlich viel Tantiemen bekommen habe.

A: Und dass Du ziemlich geringe Ansprüche hast.

S: Also würdest Du doch gerne davon leben.

F: Ich muss mein Leben nicht als Büroangestellter beenden. Also ich will es schon als Musiker weiterführen. In welcher Richtung das weitergeht weiss ich nicht, aber mit den Bands mache ich auf alle Fälle noch weiter, so lange ich noch auf der Bühne stehen will.

Ein gutes Beispiel für diese Rockstarsache ist z.B. unser Gig mit KICK JONESES letztes Jahr in Peine. Wenn man jetzt immer sagt, wir wären mit SPERMBIRDS kurz davor gewesen – in diesem Sinne Rockstar zu sein, das habe ich nie vorgehabt. Da kommen wir halt heute mit KICK JONESES irgendwo an und ich penne immer noch auf der Bühne und mir macht das nichts aus. Im Endeffekt war nämlich auch ziemlich viel Spass dabei.

S: Wieviele Interviewanfragen habt ihr eigentlich im Rahmen der Popkomm bekommen?

F: Eine. Und dieses Interview führen wir jetzt gerade.

S: Wollte sonst niemand was von Euch wissen?

F: Vielleicht passiert ja heute noch was, aber ich glaube nicht, dass wir dazu prädestiniert sind.

D: Die meisten kleinen Fanzines wissen ja gar nicht, dass sie für fünfzig Mark auf die Popkomm kommen. Natürlich ist es hier ein fieser Kommerzdreck, aber manche gehen ja auch ganz fair mit Fanzines um. Deshalb stellt sich jetzt die Frage, wer sollte für SUPER GOUGE von der Mediengrösse interessant sein? Die kleinen Fanzines kommen ja alle nicht hier bei.

F: Die grossen sind an uns sowieso nicht interessiert und ich bin eigentlich auch nicht sonderlich an ihnen interessiert, wenn ich ganz ehrlich bin.

S: In den meisten Interviews werden ja immer wieder die gleichen Fragen gestellt. Welche Fragen nerven Euch besonders?

F: Also mich nerven ganz besonders Fussballfragen. Bands aus Kaiserslautern haben schon immer für Fussball gestanden, warum auch immer. Fussballfragen finde ich relativ uninteressant. Ich denke da gibt es jemanden bei KICK JONESES, der das nicht so sagen würde, aber für mich ist es uninteressant.

A: Ich finde die langweiligste Frage ist: „Um was geht es in Deinen Texten?“

S: Aber die Texte sind doch nun mal extrem wichtig oder etwa nicht?

A: Ja schon, aber diese Pauschalfrage. Es gibt immer zwei Standardmöglichkeiten: persönlich oder politisch. Mir würden da viel interessantere Fragen einfallen, wenn ich Bands interviewen würde. Wenn ich mir beispielsweise die Bands auf der Bühne anschaue, wie sie miteinander kommunizieren oder was die Leute miteinander machen oder wie es untereinander funktioniert. Spielen eineinhalb Stunden und schauen sich gar nicht an.

D: Wir hatten es ja vorhin über BIG BLACK, die ich ja auch über alles schätze und damals geliebt habe. Jetzt hatte diese Band ja gewisse Ansätze um ihren Sound auf die Kante zu treiben. Zum Beispiel dieser Gag mit den Kupfersaiten und den Ledergürteln, die sie umhatten. Gibt es solche überlegungen, wenn ich eben nicht Happy Punk mit KICK JONESES mache, sondern versuche mit SUPER GOUGE eine sehr technische Soundatmosphäre zu schaffen?

A: Es gibt ganz viele Ideen.

F: Von denen wir viele auch schon verwirklicht haben. Wir haben gegenüber BIG BLACK den „Vorteil“, dass wir dieses seltsame Schlagwerk – diese Fässer auf der Bühne haben. Das macht unseren Sound eigentlich noch ein wenig kaputter als den von BIG BLACK, der schon noch „relativ“ normal war. Drummachine als Schlagzeug war halt wie der Name schon sagt Maschine und eben noch Gitarre und Bass. Bei uns ist da schon noch ein lebendiger Teil dabei.

D: Das erinnert mich an EXECUTIVE SLAGS aus Philadelphia. Die hatten nur eine Drummachine laufen und einen Neger, der dazu Percussion gespielt hat. Das war eines meiner besten Konzerte ever. Das werde ich nie vergessen.

F: Ich habe die damals auch gesehen. Die hatten ja nur Gitarre, Synthesizer und diesen Percussionisten.

D: Und eben diese Drumbox, die von hinten lief und eben diese sterile Atmosphäre lieferte.

A: Es gibt auch die Idee den Krach optisch darzustellen – also dass die Schweissgeräusche nicht mehr nur von Band kommen. Also die Vorstellung sich zehn Lilliputaner zu kaufen und ich würde sie dann auspeitschen und sie müssten arbeiten und die Geräusche machen.

D: Gut, jetzt ist aber das mit den zehn Lilliputanern beim derzeitigen Lilliputaner Arbeitsmarkt nicht so einfach umzusetzen, denn die arbeiten alle gerade beim russischen Staatszirkus.

A: Die kleinsten Artisten der Welt – die sind gerade in Frankfurt.

D: Zumindest sind das Ansatzpunkte, wo Du sagst, da könnte man versuchen am Sound oder optisch noch etwas zu verändern.

A: Zum Beispiel strahlt unsere Monitoranlage auch immer auf einen – nämlich mich. Ich höre sehr laut den Drumcomputer und wenn ich Glück habe höre ich auch noch irgendwie meine Stimme. Die Idee ist jetzt, dass jeder seinen eigenen Monitorsound hat, der dann von hinten in’s Publikum reinbläst.

F: Wir haben immer gewisse Monitorprobleme – gerade in kleinen Räumen mit kleiner PA ist es schwer überhaupt den Rhythmuscomputer zu hören.

D: Wie läuft das mit dem klassischen Mixerproblem?

A: Wir bräuchten eigentlich einen festen Mixer, der die Nummer 6 von SUPER GOUGE wäre. Jetzt haben wir halt Leute denen wir vertrauen, aber die haben halt auch nicht immer Zeit. Es gibt so eine Crew von Mixern die es drauf haben, das ist Stoffel und Thomas von STEAKKNIFE und dann noch der Stefan, der uns im Studio mischt. Und da sind wir immer ganz froh wenn die Zeit haben und mitfahren.

D: So ein AJZ Heiner hätte bei Euch beim Mischen wohl schon seine Probleme. Der ist ja schon bei normalen Konzerten meistens überfordert.

F: Die meisten sind immer überfordert.

D: Und jetzt zu meiner Standardfrage. In welcher Band würdet ihr euch vorstellen bei einer Tour einen zu ersetzen? Habt ihr mir übrigens schon mal für Kick Joneses beantwortet.

F: Dann wäre ich natürlich bei BIG BLACK dabei, aber wenn ich das schon mal gesagt habe würde ich jetzt sagen bei SCRATCH ACID.

D: Oh mein Gott. Lass Dich umarmen. Weisst Du wie mein zweites Fanzine hiess? LAY SCREAMING. Erste LP letzter Titel.

F: Also diese Gitarrensachen, die sie damals schon gemacht haben und mit JESUS LIZARD jetzt eigentlich nur konsequent fortführen, das fand ich schon immer ziemlich geil.

D: Nachdem wir das Tape gehört haben, das der Alex dem Al zum Geburtstag aufgenommen hat, müsste jetzt eigentlich eine andere Antwort kommen.

A: Dem habe ich so 50er Jahre Musik aufgenommen. Am liebsten würde ich allein in so Millionärsclubs auftreten. Wo nur Roulette gespielt wird und ich überhaupt nicht schreien müsste. Gepflegte Atmosphäre.

F: Wie heisst die Band dann?

A: Frank Sinatra von mir aus.

F: Sowas ist eigentlich blöd zu beantworten. Es gibt ja schon mehrere Sachen, die einen interessieren.

A: Früher hätte ich gesagt Sänger bei ALL und heute vielleicht Tänzerin bei DR. ALBAN.

F: Jetzt hätte ich noch eine offizielle Frage an Euch. Was macht man eigentlich auf der Popkomm wenn man da einen TRUST Stand hat?

S: Da fragst Du am besten Daniel, weil ich das erste mal dabei bin.

D: Wir gehen um Viertel vor 10 dahin.

A: Muss man da schon so früh da sein?

D: Wir haben halt unseren Stand und irgendeiner muss halt da sein. Wäre blöd, wenn einer alleine so früh rumsitzen müsste. Es ist dann schon besser, wenn alle dort sind.

A: Wieviele Leute sind das dann?

D: Wir sind so sieben Leute und hängen da halt rum. Als ich das erste mal da war, war ich noch ganz geil irgendwelche Promo CDs abzugreifen. Aber wenn Du die im Kilomassstab eh vor die Haustür gelegt bekommst, hörst Du auch damit auf und irgendwann fängst Du dann halt an zu trinken.

F: So ab zwölf?

D: Nein, eher ab elf. Unser Stand ist in der Ecke, da ist es ziemlich ruhig.

A: Sind dort mehrere Fanzines vertreten?

D: Es gibt noch einen gemeinsamen Fanzinestand. Da schickt man einfach sein Fanzine an die Popkomm und kann dann für fünfzig Mark hin. Dieser Stand ist fest in der Hand von BLURR, ZOFF und so Metalfanzines. Nur die anderen kleinen Fanzines, die nutzen das nicht. Ansonsten läufst Du halt so rum und schaust Dir die Stände von allen möglichen Leuten an – was weiss ich Subway, Vielklang oder Semaphore und hälst mit denen mal ein kleines Schwätzchen. Mehr passiert da eigentlich nicht. Man geht abends noch auf Konzerte und das war’s dann. Aber von der Messe selbst bin ich eigentlich ziemlich angewidert.

F: Ich stelle mir diese Messeatmosphäre auch recht seltsam vor. Hektik, trockene Luft, stickig, sehr viele Leute, die du eh nicht sehen willst.

D: Manchmal kommt halt irgend so ein Fuzzy vorbei und meint dann ich bin der Vertreter von dem Land Schweden und ihr seid offensichtlich ein Fanzine – nehmt mal die 30 CDs und schreibt was drüber. So ging das, ernsthaft. Jeder Stand von den grossen versucht halt tierisch auf sich aufmerksam zu machen. Bei Marlboro Music kannst du dir einen Haarschnitt holen, bei Viva kannst du eine Cyberspacebrille aufziehen und Mutanten töten und so weiter. Jeder versucht halt den anderen zu übertrumpfen.

A: Und ihr habt Freibier?

D: Aber nur für Bekannte – das gute TRUST Bier. 11 Mark 95 der Kasten, da kann nichts schief gehen.

A: Pfälzer Ackergold Schwanenbräu.

D: Adler Edel Pils heisst es jetzt und früher hiess es Privat Pils. Das gibt es in einem Getränkemarkt in Frankfurt und ist wirklich lecker.

A: Und die Message ist jetzt: „Es gibt auch gute Billigbiere.“

F: Also ich habe mir bei unserem ersten Auftritt auf der Popkomm mit WALTER ELF und SPERMBIRDS schon gedacht, dass das eine relativ unnötige und seltsame Messe ist, wo ich halt nicht mit klar komme. Die Messe war schon damals ziemlich eklig, also die Leute die da rumlaufen – voll die Vertretertypen.

A: So ist das halt bei Messen.

D: Hey Mann, es geht hier um Milliarden.

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Interview: Daniel Röhnert & Stefan Kleiber

 

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