November 28th, 2017

Sonst Knallt’s! – Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen, Götz W. Werner, Matthias Weik, Marc Friedrich

Posted in bücher by Dolf

Eichborn/Bastei Lübbe, Schanzenstraße 6-20, 51063 Köln, www.eichborn.de

Laut dem Rückseitentext ist „unsere Wirtschaftsordnung, aber auch unsere politische Landschaft völlig aus dem Ruder geraten.“ Das stimmt. Das eine „winzige globale Finanzelite gigantische Blasen illusionären Reichtums produziert.“ Ist auf jeden Fall auch nicht falsch. Ob jetzt aber „Unser Wohlstand und die Demokratie auf dem Spiel stehen.“ Da kann man sich dann mal drüber unterhalten (ob es da nicht mal wichtigere Probleme zu lösen gäbe von Gegenden ohne Wohlstand und Demokratie). Und „warum die EU und der Euro scheitern werden“ weiß heute einfach niemand und kann es deshalb auch nicht aufzeigen und wünschenwert ist das sowieso nicht.

Spannend dann die Frage warum man in Zukunft „nicht Leistung sondern den Konsum besteuern müsse“ sowie „warum ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine strikte Finanzregulierung vernünftig sind“. Ich hatte mich schon auf ein kompaktes auf die Fakten konzentrierendes knappes Buch gefreut, welches auf 160 Seiten mal eben erklärt warum ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) die Lösung für die Probleme der Zukunft ist, wie es zustande kommen kann, wie es finanziert wird und wie man die Gesellschaft darauf vorbereiten kann. Die Autoren gehen auch auf ein paar wichtige Fakten ein (nicht jeder will nicht mehr arbeiten, wenn er ein Grundeinkommen hat) vergessen aber das Hauptproblem zu klären. Welches nämlich meiner Ansicht nach eine Gesellschaft ist, die zu großen Teilen einfach nicht in der Lage ist ohne feste Arbeitsstrukturen zu funktionieren (siehe Rentner die aus dem Arbeitsleben ausscheiden und dann nichts mehr mit ihrem Leben anfangen können), weil sie es nie gelernt hat. Weder in der Schule noch dannach. Klar, am Anfang verwirklichen sich bestimmt viele selbst, aber was ist nach zwei, drei Jahrzehnten? Ich weiß es nicht, aber die Autoren offensichtlich auch nicht – woher auch. Dennoch, es gibt hier einige gute Infos zum Thema, aber irgendwie war mir das nicht genug. Und ob es sinnig ist, alle Steuern außer einer Konsumsteuer abzuschaffen, wird zwar irgendwie erklärt aber nicht gut genug um es auch ganz zu verstehen um sich dann eine Meinung zu bilden ob das Sinn macht. Weil auch konkrete Berechnungen fehlen. Sicher, hier stehen einige richtige Sachen drin, das die Digitalisierung viele Arbeitsplätze kosten wird und mehr Menschen in Zukunft weniger zu tun haben könnten und viele andere „Finanzgeschichten“, aber irgendwie ist es zusammengewürfelt und mir fehlt der Faden im Buch. Da werden viele größere und kleinere Themen angerissen und dann wieder fallengelassen. Das die Reichen auch nur konsumieren können ist richtig, deshalb aber den Widerstand gegen ein derartiges System aufgeben? Nach dem Motto, lass die doch machen, man kann ja sowieso nichts dran ändern. Dafür dann lieber ein paar letztendlich mehr oder weniger neoliberale Stellschrauben verdrehen, damit alles wie gehabt weiterläuft nur vermeintlich „gerechter“? Das ist deutlich zu wenig. Und da reißen es ein paar scheinbare Umdeutungen oder Gedankenspiele (der fertige Kühlschrank wird nicht vom Käufer bezahlt, sondern ist bereits bezahlt – sonst würde er ja da nicht stehen…. oder „Die Bezahlillusion: Warum Einkommen Arbeit nicht entlohnt, sondern ermöglicht“) sowie ein paar historische Fakten einfach auch nicht raus. Und dann den guten gegen den schlechten Kapitalismus gegeneinander antreten zu lassen, ja – kann man machen, aber ist das nicht offensichtlich? Kann man lesen, mich hat es ein wenig informiert in Bezug auf BGE und ansonsten ist es mir zu konform und vom „radikalen neuen“ Denken hab ich nichts mitbekommen. Vielleicht muss das auch gar nicht sein, denn wenn man sich die Situation ansieht wird grade in der Finanzbranche radikal(t) gedacht, vielleicht wäre einfach weniger davon mehr und der gesunde Menschenverstand käme mal drauf wie man die Gier einschränken kann. Ehrlich gesagt hatte ich auf mehr gehofft…. Gebunden, 10,00 Euro (dolf)

Isbn 978-3847906346

[Trust # 186 September 2017]

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