März 11th, 2007

SONIC YOUTH (#94, 06-2002)

Posted in interview by jörg

„SHADOW OF A DOUBT/IM SCHATTEN EINES ZWEIFELS“

„Wir trafen uns an der Ecke Murray Street und Broadway in Downtown New York City. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite der City Hall, direkt vor dem Zeitungsstand. (Der kleine in nördlicher Richtung auf der nordwestlichen Ecke.)

Wir waren da, um zu schauen ob die neue Ausgabe des STAR-Magazins erschienen war und es war draussen. Wir kauften es und lachten und wunderten uns über das fantastische Leben der Gefeierten und die vernichtenden Untergänge der Unglückseeligen. An diesem Punkt waren wir alle einverstanden: Let us now Rock & Roll“ (Thurston Moore/SONIC YOUTH)

Trotz Integration des Avantgarde-Künstlers JIM O’ROURKE als vollwertiges fünftes Mitglied von SONIC YOUTH knüpft die Band auf ihrem neuen Album „Murray St.“ nach Jahren der Versuche, neue Wege abseits bekannter Rockstrukturalismen zu finden, fast unverblümt wieder an ihren Wegbereiter-Status des sogenannten Alternative-Rocks, an Songschreibertum a l „Goo“ aus dem Jahre ’91 an.

Ob Geschichte ewiger Wiederholung ausgesetzt ist, der Apfel wirklich nicht soweit vom Stamm fällt, oder die Rezeption dieser New Yorker Musik-Institution als Vorreiter alles Progressiven in der Vergangenheit nur idealisierend erfolgte, mögen andere beantworten. In Hamburg sprach ich jedenfalls neulich mit Thurston Moore über Stagnation, immerwährende Gegenwart und die Bedeutung eines lange überstrapazierten Kulturbegriffes.

***

Euch im Bremer Schlachthof das erste Mal Mitte der 80er gesehen zu haben, veränderte meine Auffassung von Musik tiefgehend und wahrscheinlich für mein Leben. Gab es in Deinem Leben eine vergleichbar prägende Erfahrung mit Musik?

Thurston: Oh ja, da gab es einige gute Konzerte, die sehr, sehr, sehr lebensverändernd waren. Oh yeah, völlig. Ganz bestimmt als 18, 19 Jähriger, der in den 70ern nach New York City ging, 1977. Da habe ich PATTI SMITH im CBGB’s gesehen und TELEVISION im CBGB’s und die RAMONES. Das war eine völlig potente Szene und ich hatte genau das richtige Alter, um Zeuge von all‘ dem zu sein und mich anstecken zu lassen. Die Dinge führten mich eh‘ in diese Richtung, weil ich mich bereits auf Bilder und Musik aus dem Underground kommend bezog.

Die STOOGES, besonders die STOOGES. Da passte es, diese Musikszene in New York zu sehen, die ja auch daher kam, auch inspiriert war von den NEW YORK DOLLS und den STOOGES. Zu der Zeit war das eine sehr kleine Szene. Kein grosses, gefeiertes Ding, obwohl sie beachtet wurde. Das war ziemlich klein und jeder kannte irgendwie jeden in den ersten beiden Jahren. Da gab es noch nicht diesen Aufstand seitens der Medien. Absehbarerweise wurde das immer grösser und populärer und wandelte sich zum New Wave, doch diese ersten Shows, zu denen ich ging, werden immer wichtig für mich bleiben.

Diese ersten zwei Jahre, die ich nach New York fuhr, um all‘ diese Bands zu sehen, waren sehr wichtig für mich. Auch in den 80ern habe ich dann Sachen gesehen, die auf eine Art wirklich meine Perspektive veränderten, wie ich als Musiker existieren wollte. Da gab es einiges, was mich radikalisierte. Die EINSTüRZENDEN NEUBAUTEN, als ich sie das erste Mal sah. In den frühen 80ern, als sie ziemlich neu waren. Als sie das erste Mal durch die USA tourten, war das recht radikal, was sie taten. Die sprengten meine Vorstellung, das war … grossartig. Und davon wollte ich auch ein Teil sein. Dann gab es da diese Gruppe aus Kalifornien, BLACK FLAG genannt…

Die waren 1985 auch in Deutschland.

Thurston: Ja, 1985 war eine gute Periode. Das war die Zeit, als sie in dieser grossen Besetzung spielten, mit Henry. Die habe ich wirklich sehr gemocht. Und ich kann Dir noch tausend andere Bands nennen. Das erste Mal, als ich die MINUTEMEN sah, das erste Mal als ich LYDIA LUNCH’s Band sah…

Also war dieser Zeitabschnitt insgesamt wichtig für Dich, weniger ein einzelnes Konzerterlebnis?

Thurston: Ja, ich habe gerade daran gedacht, ob es diese Konzerterfahrung gab, wo ich wegging und nur erfüllt war von meiner Begeisterung. Ich meine, vielleicht war das P.I.L. in New York, in diesem Theater das „Ritz“ heisst, wo sie hinter einer riesigen Video-Leinwand spielten. Das Publikum riss diese Leinwand hinunter und griff die Bühne an, weil Johnny Rotten sie am beschimpfen war. (lacht)

Das war ein höchst erstaunlicher Moment, aber keine Ahnung, ob das mein Leben wirklich so sehr verändert hat. Das war einfach nur erstaunlich, diese Situation, die sich da auf der Bühne ergeben hatte. (lacht) Nein, ein besonderes Konzert, von dem ich wegging und fühlte, das dies jetzt mein Leben verändert hätte, will mir nicht einfallen. Das lief eher periodisch ab, wo ich Musik und andere Aktivitäten wahrgenommen habe.

Im Vergleich zu vielen Kollegen Deines Alters und Deiner Zeit scheinst Du persönlich immer noch die Herausforderung neuer Klänge zu suchen.

Thurston: Eigentlich habe ich nie gefühlt, das wir nach überhaupt etwas Ausschau gehalten haben. Ich finde, dass wir uns im Grunde genommen einfach vorwärtsbewegt haben, herumgerannt sind, uns weiterbewegt haben. Und wir entdecken immer weiter Neues durch den Umstand, älter zu werden. (lacht) Was ich wirklich interessant finde. (lacht) Es gibt ja diese traditionelle Wahrnehmung von Rock’n’Roll, die besagt, je älter du wirst, desto ausgebrannter bist du, und Rock’n’Roll ist das Spiel junger Männer und es wird umso langweiliger, je älter du wirst.

Für mich läuft das genau andersherum ab. Ich muss feststellen, dass ich weitaus interessierter, faszinierter und inspirierter von Musik bin, je älter ich werde, weil ich das Gefühl habe, weitaus reifer und mehr dazu in der Lage zu sein, mich mit musikalischen Ideen zu beschäftigen, von denen ich niemals zuvor wusste, dass sie überhaupt existieren könnten. Als ich noch unreif war, (lacht) und jünger.

Da gibt es einen bestimmten Aspekt, wenn du Musik machst und noch jünger bist: Du kannst niemals kopieren. Du bist neu und jung und schenkst all‘ deine Aufmerksamkeit dem Wind, willst einfach nur herauskommen und diese Explosion schaffen. Das ist natürlich toll, und ich würde es lieben, das zu wiederholen in der Lage zu sein, doch ich will weder mich noch ein Publikum hereinlegen, in dem ich etwas wiederhole. Ganz abgesehen davon kannst du das auch gar nicht, weil es für den Moment einfach viel zu speziell war. Daher musst du dich einfach vorwärtsbewegen.

Genau jetzt finde ich, fühle ich einen kostbaren Beginn, diese ganze Blase an neuer Musik da draussen, die ich kreieren möchte. Ich bin ziemlich angetan im Augenblick. An derartige Gefühle kann ich mich über die letzten, zurückliegenden Alben nicht erinnern. Wenn ich an diese Platten zurückdenke, wirken die komplett altertümlich auf mich.

Wirklich?

Thurston: (lacht ausgiebig)

Nun, Deine Aussagen bezüglich des älterwerdens in und mit Musik kann ich nachvollziehen. Ein Unterschied zu den 70ern besteht bestimmt heute darin, dass viele Musiker, wenn sie denn Talent besitzen, erst mit zunehmendem Alter richtig gut werden.

Thurston: Gut, das hängt aber auch davon ab, was deine Ambitionen sind. Wenn deine Ambitionen sind, berühmt zu werden, dann … naja, viel Glück!

TRUST: (lacht)

Thurston: Das ist so konkurrenzbezogen und kontrolliert. Und die Industrie dafür erstmal. Du musst dich da ja einfach irgendwie ausverkaufen. Oder du musst mit dem richtigen Talent zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. NIRVANA hatten sich bestimmt nie zum Ziel gesetzt, berühmt zu werden. Die Umstände aber taten ihnen einen Gefallen. Das war eine sehr, sehr seltene Gelegenheit. Das passiert nicht jedem.

Du beschäftigst Dich allein mit SONIC YOUTH bereits seit 21 Jahren mit Rockmusik. Bist Du nicht beizeiten gelangweilt von seinen Limitierungen?

Thurston: Den Limitierungen in Rockmusik?

Ja.

Thurston: Nein, ich habe nie daran geglaubt, dass es Beschränkungen in Rockmusik gibt.

Ernsthaft?

Thurston: Für mich auf gar keinen Fall. Rock hat soviel Potential für weitere Erforschung und ich fühle immer noch, als ob wir nur an der Oberfläche kratzen und noch nicht richtig ins Innere vorgestossen sind, wo ich eigentlich hin will. Ich denke, es gibt soviele verschiedene Aktivitäten im Rock’n’Roll, die ablaufen.

All‘ diese jungen Leute, einfach jeder nimmt Platten oder Kassetten auf und dehnt die Limitierungen von Rock in jede nur erdenkliche Richtung aus. Ob das nun Leute wie NURSE WITH WOUND sind oder Leute wie NOTWIST.

Grosse neue Platte, oder?

Thurston: Ist ihre neue Platte gut?

Recht brillant. „Neon Golden“ heisst die und Du solltest Dir eine Kopie besorgen.

Thurston: Yeah, ich habe gerade eine per Post bekommen, mir aber noch nicht angehört.

Nun, ganz ehrlich habe ich in den letzten Jahren öfter gedacht, dass Du Rockmusik nur durch Deine zahlreichen Projekte neben SONIC YOUTH überlebst.

Thurston: Hmm, bis zu einem gewissen Grad, ja. Aber mit Sicherheit hat uns die Band, also SONIC YOUTH, ermöglicht, verschiedene Dinge ausserhalb von SONIC YOUTH zu erkunden. Dinge, die wir mit SONIC YOUTH normalerweise nicht machen würden, weil wir das Gefühl haben, das die Band nicht das passende Format dafür ist.

Wenn es beispielsweise um rein improvisierte Musik geht, oder Musik, die sich mehr oder weniger nur um eine Idee dreht. SONIC YOUTH dagegen ist eher etwas wie einkollektiver Schmelztigel; wenn einer von uns also eine spezielle Idee ausdrücken möchte, können wir das ausserhalb der Band tun, was hervorragend ist. Umgekehrt funktioniert das auch, Ideen von aussen in die Band hineinzutragen, auf eine Weise, die zur Band passt. Das ist wirklich gesund so, denke ich.

Nach „Experimental Jet Set“ schien Eure kollektiv eingeschlagene Richtung aber immer weiter weg vom Rock mit songorientierten Strukturen hin zu offener Musik zu tendieren. Doch „Murray St.“ nun ist wohl das am leichtesten anzuhörende Album Deiner Band seit wahrscheinlich „Goo“.

Thurston: Yeah.

Ich sage nur „Karen Revisited“. Rock! Steckt da eine bestimmte Absicht hinter, angesichts aktueller Retro-Entwicklungen, Thurston?

Thurston: „Murray St.“ ist auf eine Art wie eine ELTON JOHN-Platte geworden.

TRUST: (lacht)

Thurston: Wir waren nie besorgt darüber, wie wir uns ausdrücken. Wir haben ein Interesse an der ganzen Welt der Pop- und Rockmusik und anderen Musiken. Und für uns geht es nicht darum, irgendeine Formel zu verankern, wie wir zu arbeiten haben. Deshalb war es auch interessant, mit Jim O’Rourke involviert zu werden, weil er eine ähnliche ästhethik besitzt.

Die Idee, einen klassischen Rocksong zu schreiben, spricht uns sehr an. Aber nur in der Art, wie wir spielen, in dem wir unsere ganz eigene Instrumentierung nutzen und unsere Interessen, und nicht, in dem wir etwas verfolgen, was wir gar nicht machen wollen, um einem Markt zu gefallen, der vielleicht gerade draussen existiert. Daher klingt es vielleicht, als ob ich einen Witz machen wollte, als ich ELTON JOHN sagte…

Der Vergleich ergibt schon einen Sinn.

Thurston: (lacht) Wenn ein ELTON JOHN-Song im Radio läuft, werden alle fünf von uns sagen: „Lass das an!“ (lacht) Und im Anschluss legen wir natürlich eine NURSE WITH WOUND-CD ein. Auf eine Art ist das schon sehr ausbalanciert, diese zwei Ideen.

Deshalb wollten wir auch wirklich ein Album machen, das vielleicht diese Balance zwischen zugänglichem Rock’n’Roll und gedehnter, improvisierter Experimentation aufzeigt. Ob das jetzt durchschlagend sein wird, weiss ich nicht, aber für uns persönlich tut es das.

Ich muss Dir als SONIC YOUTH-Fan ehrlich sagen, dass mich beim Anhören von „Murray St.“ dieses Gefühl beschleicht, dass Ihr als Band das Ende beim Ausschöpfen Eures Sound-Kosmos erreicht habt. Obwohl ein Publikum Euer neues Album sicher mehr kaufen und lieben wird, als die zuvorgegangenen.

Thurston: Das denkst Du?

Ja.

Thurston: (überlegt) Du glaubst, das wird ein … Millionenerfolg? (lacht)

Ich sage nicht gleich, dass Ihr Millionen davon loswerdet. Aber es wird sich wahrscheinlich besser verkaufen, als „A thousand leaves“ oder die „N.Y. Ghosts“.

Thurston: Ja, es ist ziemlich genauso schwer,einer Platte unrecht anzutun, wie ich mir das vorstellen würde. Unterm Strich aber … keine Ahnung … Das hat aber auch viel mit der Art der Aufnahme zu tun. Wir waren in einer sehr fliessenden, bewussten Stimmung, als wir diese Platte aufgenommen haben und das hat einen bestimmten, aus einer anderen Welt stammenden Sound für eine bestimmte Platte ergeben. Jeder Sound fällt da … Hallo?

Ja, ich höre Dich noch.

Thurston: Solche Platten, weisst Du, die passieren einfach, im Gegensatz zu Platten, die sehr ausgearbeitet sind. Bei Aufnahmen, die sehr ausgearbeitet sind, werde ich beim Anhören manchmal nervös. Das klingt dann, als ob viel zu viel konstruiert worden ist.

Und ich liebe es, mir Musik anzuhören, die klingt, als ob sie spontan entstanden ist, die mich einfach packt. Wie das erste VELVET UNDERGROUND-Album, das in wenigen Tagen fertiggestellt wurde und aus hervorragenden Songs besteht.

Witzig, dass Du diesen Vergleich bringst, da „Murray St.“ eben Euer rockigstes Album seit Jahren geworden ist. Impliziert das nicht sicheres Terrain, mit einem Album, das auf Sicherheit setzt?

Thurston: Uhm, ich (lacht leicht verlegen), ich habe keine Ahnung…

Entschuldige meine Offenheit.

Thurston: Nein, nein, ich weiss ja, was Du damit sagst. Ich meine, vielleicht hast Du Recht, wir, wir sind damit schliesslich noch stark verbunden. Aber ich glaube nicht, dass wir diese Platte gemacht haben, um überhaupt mehr Leuten zu gefallen. Das war niemals unsere Absicht. Aber wir wussten, als wir diese Songs schrieben, die auf eine Art dieses klassische Rockalbum ausmachen, würde uns das lächeln lassen. Und ich denke, wir sind auf der Erde, um … Ja, ich kann sehen, dass mehr Menschen das mögen werden.

Bestimmt.

Thurston: Ja, es gab da aber keinen bewussten Entscheidungsfaktor für uns. Kein Konzept, das uns vorschrieb, etwas Bestimmtes zu tun. Wir hatten einfach Spass an den Aufnahmen.

Vielleicht kannst Du diesem Gedanken folgen: Seit dem 11. September erleben wir politisch einen Rückfall in Kriegstreiber-Attitüden und Stagnation. Da Kultur sich in meinen Augen meistens analog zur herrschenden Politik entwickelt, frage ich mich, ob augenblickliche Trends in Musik dies reflektieren? Zurück zum Schweine-Rock?

Thurston: Yeah.

Oder warum wird Retro-Rock z.Zt. wieder grossgeschrieben? Und SONIC YOUTH orientieren sich ausgerechnet in dieser Phase an ihrer und anderer Vergangenheit?

Thurston: ähm, das ist wirklich eine schwer zu beantwortende Frage. Aber eine Idee dazu von mir ist, dass im Augenblick eine bestimmte Situation vorherrscht, wo Menschen sich auf Kultur verlassen, die sich nur um sich selbst kümmert. (lacht) Verstehst Du, viele Leute verlassen sich auf Medien, die ihre Kultur sein soll. Ebenso schauen sie nie auf die Geschichte sozialer Kultur.

Und das finde ich auf eine Art interessant, dass es viel Kunst in Musik gibt, die es nicht schafft, sich auf eine angemessene Art auf unsere Welt und was sich zur Zeit abspielt, zu beziehen. Diese Gesellschaft, die mit Kunst und Kultur handelt, fühlt sich derart losgelöst und alienhaft gegenüber der Welt des Krieges. Und ich sehe heute einen weitaus gleichgeschalteteren Planeten denn je zuvor in der Geschichte. Das kann in vielen Bereichen gar nicht mehr weitergehen, weil es jetzt schon so verfickt ist.

Kannst Du dem denn zustimmen, dass politische Stagnation gerade in unserer mediengesteuerten westlichen Welt fast automatisch kulturelle Stagnation mit sich bringt? Was ist Rock’n’Roll denn sonst, ausser leeren Gesten in diesen Tagen: B.R.M.C., die STROKES…

Thurston: Let’s party all night.

Genau, siehe ANDREW W. K., „Party ‚til you puke“, usw.

Thurston: Richtig, richtig. Aber dann wiederum ist das alles nur eine Art von neuer Mainstream-Aktivität und das ist die Kultur, wie ich bereits sagte. Stimmt’s?

(lacht) Was ist dann Kultur?

Thurston: (lacht) Ja, das ist sehr interessant. So habe ich das noch gar nicht betrachtet. Wiederum ist Kultur für mich eine sehr funktionalisierte Erfahrung.

Keine individuelle?

Thurston: Hmm, das wird individueller in der Weise, das wir alle unsere individuellen Fernseher haben oder Desktops. Das ist so zerteilt, dass jeder auf eine Art seine eigene Kultur organisieren kann, so wie jeder es haben möchte. So wie der Umstand halt, dass es diesen neuen Partyrock gibt, der gerade umgeht. (lacht)

Yeah, ich weiss nicht, was ich dazu sagen soll. Die Musik, die mich interessiert, ist die Musik von Leuten wie NEIL HAGGERTY und ROYAL TRUX, während ich eine Absicht bei ANDREW W. K. nicht ausmachen kann. Das ist doch nur schlechter Witz-Rock. Sowas soll einen natürlich wegtragen vom Horror all‘ dessen, was so abläuft, von der Welt des Krieges. Das ist sehr durchschaubar angelegt und ich kann und will das nicht einmal auf Verstandesebene beurteilen.

Auf eine Art ist das schon immer so der Fall gewesen, historisch. Auf der anderen Seite sehe ich mit ziemlicher Begeisterung all‘ diese subterranen Aktivitäten von Leuten, die wirklich bewusste und neue, von Ideen angetriebene Arbeit machen. Ich sehe, dass es da draussen jetzt viele junge Bands gibt. Bands wie ERASE ERRATA oder sogar LE TIGRE als solche. Und das lässt mich weniger besorgt sein.

Thurston, Danke für Deine Zeit.

***

Interview: Tom Dreyer

Links (2015):
Sonic Youth Homepage
Sonic Youth Wikipedia
Sonic Youth Discogs

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