März 11th, 2007

SATURN`S FLEA COLLAR (#63, 04-1997)

Posted in interview by jörg

Psychedelic Straight Edge

Saturn’s Flea Collar heisst die neue Band von Ralf (Gitarre und Gesang), Larry (Schlagzeug) und Jason (Bass und Gesang). Saturn’s Flea Collar sind eine Band, die es sich nicht gerade leicht macht.

Warum sonst sollten sie einen Gitarrensound haben, der es unmöglich macht, so etwas wie einzelne Töne herauszuhören, warum sonst sollten sie einen unschlagbaren Bassisten trommeln lassen, und warum sonst sollten sie ihre Fähigkeit, nahezu poppige, wenn auch hochkomplizierte Hits zu erdenken, hinter einem Wust alberner Ideen verbergen? Dazu käme dann noch die Kiste mit den sicken Klamotten, die mit Sicherheit den Rahmen eines gewöhnlichen Handgepäcks sprengen dürfte.

Die ruhmreiche Vergangenheit zweier der drei humorigen Musikanten sorgte für einen gut gefüllten Magazinkeller im Schlachthof der Freien und Hansestadt, auch wenn die Menge sich nicht zu der Ekstase hinreissen liess, die die Auftritte der alten Band der beiden evozierte.

Hits haben sie trotzdem, und im Grunde genommen ist es ziemlich cool, wenn eine Band nicht das Naheliegendste tut, zumindest beim Musikmachen. Im folgenden ein paar goldene Worte von Ralf, Larry und Jason, umrahmt von ein paar Fotos, die einen (leider nur schwarzweissen) Einblick in erwähnten Garderobenkoffer gestatten.

***

Ihr seid also jetzt mit Eurer neuen Band hier…

Ralf: In Wirklichkeit ist es ihre neue Band, in der ich mitspiele.

Ihre neue Band, okay… Wer sind sie, woher kennst du sie?

R: Ich traf ihn (Larry) vor langer Zeit in dieser kleinen Band die wir zusammen hatten.

-Lachen-

Erzähl mir mehr davon!

R: Ein Projekt, an dem wir arbeiteten…

Larry: Ein Nebenprojekt, das wir hatten, Victim’s Family…

R: Vielleicht erinnerst Du Dich an ihn, er hat Bass gespielt.

Ich weiss nicht, hat sich seine Frisur verändert?

L: Ein bisschen.

R: Nur heute.

L: Tut mir leid, ich nehm‘ die Perücke ab.

(…)

Wann habt Ihr mit dieser Band angefangen?

L: Am 11. November 1995.

Jason: Offiziell!

Und unoffiziell?

J: Offiziell am 11. November 1994.

L: Ja stimmt, 1994.

J: Und unoffiziell traf ich sie ungefähr ein Jahr davor, und wir fingen an zu jammen.

Und was hast Du vorher gemacht?

J: Sold Pipes (bzw.: Ich verkaufte Pfeifen (oder was sonst das heissen können mag – d. ü.).

Sold Pipes, ach so, verrückter Bandname.

J: Nein, ich war in einer Band namens Squadthrust für ein paar Jahre.

Nie gehört.

J: Wirst Du auch nie.

-Gelächter-

Du bist der Drummer?

J: (zeigt auf Larry) Nein, er ist der Drummer.

(zu Larry)

Du warst doch mal Bassist.

L: Ja.

R: Er ist immer noch Bassist, aber nicht in dieser Band.

L: Es ist ein bisschen verwirrend…

Ich denke, dass sind so die Dinge, mit denen wir zurechtkommen müssen. Wie ist das mit eurem Bandnamen? Bedeutet er etwas, oder habt ihr ihn genommen weil er scheisse klingt?

L: Ja.

J: Er klingt schlecht?

L: Im Grunde genommen schon…

Naja, schwer auszusprechen für Leute wie uns.

R: Das war eine Sache, die für den Namen sprach; dass er schwer für Euch Europäer auszusprechen ist.

(…)

Die Musik Eurer alten Band war poppig, mit vielen offensichtlichen Hits. Man konnte dazu tanzen, herumspringen und so…

R: Ich hab das noch nie jemanden so beschreiben hören, aber…

-Unruhe breitet sich unter den Anwesenden aus, Pop, wirklich, naja nun, man könnte, äh… –

Jedenfalls war es verglichen mit Euren neuen Sachen eher geradeaus.

R: Ein bisschen mehr straightforward, ja.

Es hatte, wie gesagt, diese offensichtlichen Hits. Die Leute haben mitgesungen, zumindest als ich Euch mal gesehen hab.

J: Zu den neuen Sachen kann man auch mitsingen.

Ihr bestimmt.

R: Ja, auf eine Art müssen wir das, denke ich.

(…)

R: Ich denke, es ist einfach, dass wir bewusst etwas anderes machen wollten, ohne uns darum zu kümmern, wie anders. Einfach was anderes zu machen; und durch Jason kommt ein anderes Element rein, und jeder schreibt Songs in dieser Band. Und so denke ich, ist es auf eine Art einfacher für Leute zu fassen.

J: Es ist ein bisschen leichter, ein bisschen alberner, vielleicht ein bisschen.

L: (ernst) Vielleicht!

-Heiterkeit –

Vielleicht, ja.

J: Vielleicht ein bisschen weniger ernst… Wo hast Du deine Hose her? Hast Du die selbstgemacht? (Geht das schon wieder los… – d.V.)

Ja, hab ich selbstgemacht.

R: The network gave them to me…

J: Cool.

(…)

Wie läuft denn die Tour?

R: Ziemlich gut, soweit.

L: 6 zu 0. Wir treten Arsch. Saturn’s Flea Collar: Sechs, Europa: Null.

J: Wir nennen es die: „Vs. Europe“-Tour, und wir gewinnen sie!

(…)

Mir fällt grad keine Frage ein…

J: Das ist okay. Wir können uns Fragen ausdenken.

Okay.

J: ähm, Larry, do you psycho?

L: Nicht so oft wie ich sollte, aber – ja.

Nächste Frage!

R: Jason, wieviel Unterhosen hast Du mit auf diese Tour genommen?

J: Zwei, aber eine ging kaputt, und ich musste sie wegschmeissen… Aber es ist das erste Mal seit einer ganzen Zeit, dass ich Unterwäsche getragen habe.

L: Kennst Du Jello Biafra?

J: Ich traf ihn einmal und er lieh mir fünf Bucks, weil ich kein Benzin mehr hatte. Ich schulde sie ihm immer noch. Das war vor ungefähr einem Jahr. Er ist nett, er hat unsere Platte rausgebracht. Aber er ist nie gekommen, um uns zu sehen.

L: Er mochte die Platte. War das nicht das letzte Ding? Er mochte sie.

R: Er mag die Platte, ja.

L: Gut genug für uns.

Du warst auf Tour mit den Rhythm Pigs. Ich las neulich über ihre Leidenschaft für Van Halen.

R: Ja, aber ich hab das nie bei ihnen raushören können. Auf der Tour spielten wir eher eine Menge Folksongs.

(…)

J: Wir sind mehr auf Bon Jovi.

R: Wir haben die Bon Jovi-Golfs gesehen.

J: Wir waren ziemlich neidisch.

R: Die gibts bei uns in den Vereinigten Staaten nicht.

Was für Autos würdet Ihr denn endorsen?

R: Das Van Halen-Modell natürlich!

L: (?) Wir fragten uns, ob es auch ein Def Leppard-Modell gibt.

No Means No meinten, sie würden GMC-Vans endorsen, wenn man es ihnen anböte.

L: Das wäre gut.

R: Den würde ich fahren.

(…)

Habt Ihr Kiss auf der Reunion-Tour gesehen (Larry hat nämlich ein Melvins-Army-Shirt an)?

L: Ja, hab ich.

J: Ich konnte es mir nicht leisten, aber es ist eins meiner Lebensziele und die Tour läuft noch. Ich hoffe, ich erwische sie noch. Hast Du Informationen was Europa angeht?

Sie werden im Sommer auf Festivals spielen.

J: Es ist die erste Band, die ich je gesehen habe und ich will sie wirklich nochmal sehen. Wenn es das letzte ist, das ich tue!

L: Mir hat es gefallen. Es war mein erstes Mal. Ich stand wirklich auf Kiss.

Ich muss gestehen, dass ich nicht eine einzige Kiss-Platte besitze…

J: Kauf sie alle!

Alle? Naaa…

L: Bis zu „Dynasty“.

Was sollte ich mir sonst so kaufen?

J: Conway Twitty.

(Anm.: da muss ich doch lachen, weil dieser Conway Twitty meines Wissens nach einer der übelsten Schnulzensänger der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ist)

J: Er ist gestorben, deshalb sind seine Platten jetzt gut zu kriegen. Er hat auch mal mit den Residents gesungen, und mit Elvis Presley.

Ist er nicht ein ziemlich hässlicher Crooner?

J: A beautiful crooner!

R: Jason ist aus Texas, deswegen mag er sowas.

Mochtest Du auch die Country-Platte von Ween?

J: Die ist toll!

Aber sind das nicht nur Collegetypen, die Unfug mit der Musik treiben?

J: Das waren sie mal, aber jetzt sind sie meisterhafte Songwriter, die jeden Stil gemeistert haben, den sie versucht haben. Auf eine ernsthafte Art.

Noch irgendwelche Fragen?

L: Ich?

Naja, Du hast noch nichts gefragt.

L: Ralf, was sind deine Einflüsse?

R: My influences include killin‘ yo ass.

-Gelächter –

R: Wesley Willis ist unser grösster Einfluss.

J: Das ist dieser psychopathische Rapper-Superstar. Er ist das nächste grosse Ding.

R: Ich höre auch eine Menge Jazz und so. Meistens üben wir Paradiddles.

(Anm.: das ist eine übung für Schlagzeuger, wie man mir erklärt)

L: Rechts – links – rechts – rechts – links – rechts – links – links – pa -ra – did – dle – pa – ra – did – dle…

(Gelächter)

L: …aber Acapella-Paradiddles.

R: Wir trainieren auch an Kazoos. Wir haben das Intro von „The good, the bad and the ugly“ ausgearbeitet.

L: Echt?

R: Ja auf Flöte und Kazoos.

L: Cool! Kann ich mein Horn da noch einbringen?

(sie fangen an, das Intro zu singen)

R: Das wird grossartig aussehen, gedruckt, all das!

***

Das glaub ich auch, wenn ich das irgendwie rausschreiben kann. Ich denke, wir sollten hier aufhören…

Interview: Stone
Fotos: Felix Gebhardt

Links (2015):
Wikipedia Victims Family
Discogs

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