März 11th, 2007

RENO KID (#89, 08-2001)

Posted in interview by jörg

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OK, dann wollen wir mal anfangen…

joong sung: reno kid gibt es schon seit `98 und wurde von marc und holger, der auch bei pale spielt, ins leben gerufen. damals war die be-setzung noch nen bisschen anders… da waren: marc – gesang, holger – gitarre, andres – gitarre, holger – bass und thomas – schlagzeug.

in der formation haben reno kid zwei split cd`s rausgebracht. die erste hiess „hearts pounding everywhere“ und war mit den fabulösen deutsch-rockern „soulmate“. die cd wurde von kochsbrüder (beide pale) in eigenregie auf ihrem legendären label „soda-records“ herausgebracht. die zweite platte war die „drifts get`s deeper – reno kid“ split cd. „d.g.d“ kommen aus louisville und klingen nen bissel nach „get up kids“ und „jimmy eat world“, der obligatorische vergleich, gell? das ganz war nicht nur ein band-split cd, sondern auch ne label-split rea-lese.

die cd version wurde von „nerd rock records“ veröffentlicht. „n.r.r.“ ist das label von duncan barlow (endpoint, by the grace of god,..). die 7″ version wurde wieder von den kochs brüdern veröffentlicht. nach den beiden realeses entschlossen sich die beiden gitarristen, holger und andreas, die band zu verlassen. holger wollte seiner hauptband „pale“ mehr zeit widmen. was mit andreas war, weiss ich nicht mehr so genau, aber ich glaube er wollte der bundeswehr mehr zeit widmen. ab da war der zeitpunkt, wo jürgen und ich ins spiel kamen, das war vor ca. 2 jahren.

jürgen spielt ja auch bekanntlich bei soulmate. ohne grössere probleme machte die band dort weiter, wo sie aufgehört hatte. seither haben wir viele konzerte gespielt, mit-unter einige shows mit jimmy eat world auf ihrer ersten tour, ne tour mit leiah (schweden) und was für mich am bedeutesten war, die tour mit elliott am anfang des jahres. das war auch genau in der zeit, in der unsere platte ver-öffentlicht wurde. von daher war es schon `ne sehr bedeutende zeit für uns. vor der lp hatten wir schon einige songs für compilations aufgenommen z.b. „idared kissing breath“ für den „cowboys plane game“ sampler und den tom jones cover song „it`s not unusual“ für den swing deluxe sampler „achtung autobahn“. aber nichts war für uns so von bedeutung, wie unsere erste eigene lp.

das album war auch sehr wichtig für das bandgefüge, ab da wussten wir auch, das die ganze mühe die wir aufgebracht haben auch „nen sinn hat. z.b. für jürgen und mich war die platte ne sache, auf die wir nach langer zeit mal wieder stolz sein konnten. ich denke bei den anderen wird das gefühl nicht ganz anders gewesen sein. die band als solches, bedeutet uns allen sehr viel…sie ist ein wichtiger bestandteil unseres lebens geworden.

jürgen: also, joon-sung spricht hier sehr viel von „grosser bedeutung“ u.ä.. klingt für einen aussen-stehenden im ersten moment vielleicht etwas pathetisch, ist im grunde jedoch irgendwie richtig. nachdem die aufnahmen fertig waren hab‘ ich mich schon ziemlich gut gefühlt.

ich hatte das gefühl nur etwas für mich getan zu haben und es war gut! mir war in dem moment auch ziemlich egal, wie andere auf die aufnahmen reagieren werden. ich war einfach zufrieden. und ich kann dir sagen, es fühlt sich verdammt gut an eine zeitlang zufrieden zu sein. allerdings muss ich noch dazufügen, dass ich mich schon freue, wenn positives feedback zur platte kommt.

wieso hat es denn so lange gedauert, dass ihr ne komplette lp aufnehmt?

jürgen: ja, das stimmt, es hat schon wirklich ziemlich lange gedauert bis die lp fertig war. aber die sache war so, als joon-sung und ich bei reno kid eingestiegen sind, hat es ersteinmal einige zeit gedauert bis wir die alten sachen spielen konnten. ok, das war nicht das eigent-liche problem. die erste zeit haben wir etliche proben und etliche songs damit verbracht uns musikalisch irgendwo auf einem nenner zu finden.

in der ersten zeit sind schon einige songs entstanden, die es nie bis ins live-set geschafft haben, geschweige denn aufs album. dazu kommen natürlich die üblichen schwierigkeiten mit der jede band zu kämpfen hat wie zum beispiel das regelmässige proben. wir wohnen alle ziemlich verstreut und so ist es für den einen oder anderen schon mit ziemlich grossem aufwand verbunden zum proben zu kommen.

marc: ich glaube auch, dass die erste platte für uns einfach einen ungeheuer grossen stellenwert hatte. wir wollten wirklich nur songs auf-nehmen von denen wir 100%ig überzeugt wa-ren und so sind eine menge songs auf der strecke geblieben.

du hast ja eure verbindung zu pale und soulmate angesprochen. beide bands sind z. zt. recht erfolgreich, merkt ihr als band auch etwas davon, dass emo voll im trend liegt?

jürgen: da sprichst du natürlich ein heikles thema an. also, zunächst einmal würde ich sagen, dass wir bei soulmate zum beispiel nie-mals behaupten würden „hey, wir machen emo“. und auch bei den grossartigen (in jeder hinsicht) pale wage ich mal zu behaupten, dass es nicht wirklich emo ist. jeder hat wohl eine andere definition von dem was emo ausmacht. das, was ich darunter verstehe ist zur zeit ge-nauso erfolgreich/erfolglos wie vor fünf jahren.

emo ist die plattform der…tja, wie formuliert man das ohne kitschig zu werden? also, her-mann hesse hat sie liebevoll als ‚die vom leben überraschten“ benannt. die daraus folgernde weinerlichkeit, die der eine oder andere den bands vorwirft, gehört für mich einfach un-trennbar dazu. und eine solche musik wird niemals in grossen konzertsälen oder im radio funktionieren. ob das nun gut oder schlecht ist spielt eigentlich gar keine rolle.

joon-sung: wobei ich als erstes anmerken muss, dass ich ein problem mit dem wort „emo“ hab. ich persönlich finde es schwierig viele bands, uns aber auch selbst, als „emo band“ zu be-zeichnen. ich denke die gratwanderung zwi-schen „emo“ und „indierock“ ist sehr schmal. das interessante ist ja aber, dass all die bands die als „emo-ikonen“ gelten, wie z.b. „jimmy eat world“ oder „mineral“, haben sich ja selbst nie als „emoband“ bezeichnet.

es waren letztendlich die leute die die musik hören, die die bands als solches deklarieren. und diese menschen sind es auch, die dann als erstes „oh, die sind aber sell-out“ brüllen! irgendwie paradox. auf der ersten tour von jimmy eat world, haben wir ja einige konzerte mitgespielt und selbst die meinten, als das thema emo/hardcore und majorlabel auf-kam, das sie nie von sich behauptet hätten, das sie eine emoband wären! und ich finde dies schon sehr eindeutig. klar merken wir, dass „emo“ gerade voll im trend liegt.

allein an der tatsache, das wir viele konzerte spielen und einige platten mehr verkaufen. aber es kamen auch schon einige booking-agenturen auf uns zu, die an einer evt. zusammen arbeit mit uns interessiert sind. aber irgendwie hab ich bei uns so das gefühl, dass das interesse der breiten masse nen bisschen an uns vorbeizieht. liegt vielleicht daran, dass wir meines erachtens, nicht die art von massenkompatible musik machen, wie die anderen beiden bands, die du gerade genannt hast.

wir finden das aber nicht weiter schlimm. aber auch bei der elliott-tour am anfang des jahres haben wir gesehen, dass neben den ganzen „hardcore-kids“ auch ne menge leute waren, die man sonst nicht auf einer hardcore- oder emoshow gesehen hat. aber ich fand es sehr angenehm auch mal vor anderem publikum zu spielen und nicht nur vor leuten, die uns eh schon kennen. wir haben auch bis jetzt ganz gute resonanz bekommen.

marc: eigentlich finde ich einen trend egal ob er nun emo, nu metal oder the new wave of schla-ger heisst immer seltsam. trends kommen meist sehr schnell und sind auch genauso schnell wieder weg. ich möchte eigentlich dass unsere musik unabhängig von trends funktioniert, weil ich glaube dass uns die musik, wie wir sie momentan machen einfach viel zu viel bedeu-tet. ausserdem glaube ich auch, dass die emo-hysterie mal wieder eines der grossen miss-verständnisse der musikgeschichte ist.

genauso wie grunge oder punk missverstanden worden ist. ich weiss auch nicht ob ich uns so frei heraus als emoband bezeichnen könnte. ich glaube jürgen hat mal eine tolle definition ausgegraben die ungefähr so war wie :“hardcore kids playing indie rock“. also, das würde dann schon passen. wenn ich an emo denke fallen mir meist bands wie still life, sleepytime trio oder solche ebullition sachen ein, die ich sehr mag. und die welle danach brachte bands die auch schon wieder tot sind, wie split lip oder christie front drive. irgendwie tauchen wir auch in diesem kontext auf und ich mag die meisten bands die wie auch immer diesem genre zugeordnet werden.

ich glaube einfach, dass jeder etwas anderes unter emo versteht und bisher hat sich die momentane aufmerksamkeit in bezug auf das genre bei uns noch nicht so sehr bemerkbar gemacht. am meisten mag ich, dass es menschen gibt die einfach was auf die beine stellen. sei es ein label, ein fanzine oder konzerte veranstal-ten, einfach weil sie musik mögen und nicht weil sie sich persönlich bereichern möchten oder sich davon coolness versprechen. mich beeindruckt das sehr und wenn wir uns als teil dessen sehen können würde mich das sehr glücklich machen.

genau, das „machen“ unterscheidet den kauf-haus punk vom echten underground! so nun mal zur musik. eure songs wurden von platte zu platte ruhiger, warum?

joon-sung: nee, du hast schon richtig erkannt, wir wurden von platte zu platte etwas ruhiger….hey, find ich aber schön, das es dir aufgefallen ist! ist ja ein klares zeichen dafür, dass du unsere platten sehr genau angehört hast! sehr gut, herr warras! es liegt aber an der tatsache, das es nach den ersten beiden releases eine umbesetzung an den gitarren gab. holger und andreas waren eher die „party-popper“, jung, vital und fröhlich. jürgen und ich sind eher die langweiligen, depressiven „emo-nerd`s“, die nur die mineral und sunny day real estate platten hören.

nee nicht wirklich. als wir angefangen haben zusammen zu proben, wuss-ten wir nicht so genau welche art von musik wir genau spielen wollten und so hörte sich auch unser erstes „set“ an, die songs klangen alle sehr unterschiedlich. es gab songs die sehr heiter und fröhlich waren und die anderen songs hörten sich an wie die songs jetzt, halt etwas ruhiger melancholischer. wir hatten bemerkt, dass die ruhigen songs uns besser gefielen und auch besser zu uns passten. uns war aber auch klar, dass wir dann auch nicht zu einer party-live band mutieren würden. aber das war uns egal, da wir fanden, dass diese art von musik unsere damalige stimmung am besten wieder spiegelte.

jürgen: tja, was soll ich dazu noch sagen?

marc: ich finde auch es hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass wir uns halt eher in so einer etwas ruhigen stimmung befanden. be-sonders zum zeitpunkt vor und während der aufnahmen hat das die vorherrschende stimmung von uns am besten wiedergegeben. wären wir alle überglücklich mit unserem job, unseren leben und unseren entscheidungen würden wir wohl anders klingen. naja und die partyband würde auch einfach nicht zu unseren personen passen.

wir müssen uns wohl damit abfinden dass wir eher die heulcharaktere sind. wer weiss vielleicht werden die zukünftigen sachen ja viel fröhlicher, sowas weiss man ja nie im voraus. das hängt schon sehr viel von unse-rer stimmung ab. ausserdem finde ich an einer gewissen melancholie immer etwas hoffnungs-volles und oft ist es schön zu wissen, dass es auch andere menschen gibt, die ähnlich fühlen.

was liegt jetzt bei euch an? was plant ihr und was ist schon beschlossen ?

joon-sung: wir haben uns nach langer zeit und nach langen überlegungen von unserem bassisten getrennt. wir hatten gemerkt, dass er eine andere vorstellung von der band als sol-ches und auch ganz andere ziele für die band hatte. holger wollte dem ganzen rummel, der z.z passiert, aus dem weg gehen und hatte von uns erwartet das wir es ihm gleich tun. ich meine nicht ,das wir jetzt die grossen rockstars werden wollen. das wird auch nicht passieren, wie schon oben gesagt. dazu fehlt uns, da wir alle beruflich zu sehr eingebunden sind, auch die nötige zeit.

aber wir übrigen vier haben die einstellung, dass wir erstmal alles ausprobieren und später wenn uns etwas nicht gefällt, selek-tieren wollen. ich denke es ist nicht verkehrt, etwas anzunehmen, auch wenn es eine ver-änderung bedeutet. schliesslich geht es um den erfahrungswert, den man bei der sache erlangt. man darf niemals voreilig sachen kategorisch ablehen bevor man sie nicht kennen und ver-stehen gelernt hat, nur weil das kleine männ-chen im kopf einem sagt: „tu das nicht…“ jetzt müssen wir erstmal einen neuen bassisten finden und den erstmal einarbeiten.

dann haben wir noch einige konzerte in nächster zukunft, vielleicht eine 7″ oder eine neue platte im näch-stem jahr…

marc: wir bedauern es alle sehr das holger uns verlassen hat,aber wir mussten seine entscheidung auch respektieren. holger war ein sehr wichtiger teil von reno kid und ich bin froh, dass wir uns immer noch regelmässig sehen. es ist sehr schade, dass er nicht mehr dabei ist, weil ich weiss wieviel ihm reno kid bedeutet hat und mir seine freundschaft auch eine menge bedeutet

wollt ihr noch etwas bestimmtes ansprechen? wenn nicht „any last words“?

joon-sung: ich möchte marc, jürgen und thomas danken, dass sie mir die möglichkeit geben das zu tun, was mir am meisten spass macht und vorallem noch roland und hoffi, dafür das sie die platte rausgebracht haben und sich um uns kümmern. kauft mehr defiance platten!

marc: ich möchte gern loswerden, dass mir reno kid sehr viel bedeutet und dass mir was wir bis jetzt erreicht haben sehr viel spass gemacht hat und auch meine sicht der dinge positiv beein-flusst hat. ich schätze leo, joon-sung und jürgen sowohl musikalisch und persönlich sehr und hoffe, dass wir alle noch viel mehr positives mit reno kid erleben werden und wir vielleicht auch ein paar leuten, die uns mögen etwas zurück geben können. für das genre erhoffe ich mir, das die bands, die die möglichkeit haben ihre musik einem grösserem publikum zu präsentieren ihre möglichkeiten nutzen und die leute zum nach-denken anregen und ihnen positive denk-anstösse vermitteln.

desweiteren hoffe ich sehr, dass die fazilitäten in unserem genre nicht zu sehr auskommerzt und ausgeschlachtet werden und wir alle auf einer gesunden basis wachsen und leben können. ausserdem möchte ich auch hoffi und roland für ihre unterstützung, enthu-siasmus und harte arbeit danken, die uns ermöglicht das zu tun woran wir glauben und nicht vom gutdünken einer industrie abhängig zu sein. wenn ihr mit uns in kontakt treten wollt, könnt ihr das über http://www.renokid.de tun.

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Interview: Jörg Warras

Links (2015):
Discogs

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