März 6th, 2012

PLASTIC BOMB FANZINE (#146, 02-2011)

Posted in interview by jörg

„Warum ich nicht abstumpfe? Ganz einfach: Punk hält jung! Oder sagen wir mal, er lässt langsamer altern. Das trifft es wohl besser. Ich habe viel mit Punks zu tun, die 15-20 Jahre jünger sind als ich. Wenn du dich als 40- oder 50-jähriger in den konventionellen Bahnen der Gesellschaft bewegst, dann bist du irgendwann nur noch von Gleichaltrigen umgeben.

Die werden langsam träge, sesshaft, gründen Familien, gehen nicht mehr so oft weg, kucken lieber Fernsehen… Du bist gefangen in der Altersfalle. Im Punk ist das vollkommen anders! Das ist total gemischt. Von jung bis alt. Von ultrastumpf bis hochintelligent. Das hält jung.“

Interview mit Plastic Bomb Fanzine-Herausgeber Michael Will

Nach dem Print vs. Online Special im Trust vor einigen Jahren, in dem es mit je zwei Vertretern von gedruckten Fanzines (Three Chords Zine (Herder), Plastic BombZine (Helge)) und Internet-Foren-Fanzines (Poison Free (Flint, Phil), Mafia Forum (Bernd, Geb)) um die jeweiligen Vor- und Nachteile bzw. Vereinbarkeit der Medien ging, hatte ich nun Lust auf ein längeres Fanzine-Ding. Was würde da besser passen, gerade im „HC“ Trust, als noch mal das Plastic BombZine als „das“ Punkerheft zu befragen, dieses Mal jedoch Michael Will, quasi den Dolf von der Bombe, eben das einzige Originalmitglied?

Einerseits ist es einfach so, dass das Plastic Bombschon fast 20 Jahre kontinuierlich herauskommt und mit seinen vielfältigen Aktivitäten wie Heft, Label, Mailorder, Radio-Show sicher auch den ein oder anderen Trust-Leser und Mitschreiber begeisterte, ich meine, „Komm ma lecker unten bei mich bei“ von Eisenpimmel, das war“s doch oder? Und scheisse noch eins, die „Wenn das der Führer wüsste“ Verissrubrik, da muss man einfach nur sagen, Hut ab. Auf der anderen Seite denke ich, dass viele das Heft gar nicht mehr so wahrnehmen oder lange nicht gelesen haben, wie ich bei Gesprächen im Vorfeld merkte, als ich von meinem Interviewprojekt erzählte. Das Plastic BombFanzine hat sich verändert, und zwar deutlich zum besseren.

Was nicht heisst, dass es vorher nicht gut war, aber es ist einfach weniger Inhalt, aber mehr Qualität dabei. Ansonsten: natürlich, klar ey, „wir vom Trust sind viel besser, wir können mehr saufen, uns gibt`s länger, wir haben keine CD und sind deutlich geiler, unser Musikgeschmack ist cooler und überhaupt, unsere Frauen und Jungs – um es mit Black Flag zu sagen – „we got the ten and a half“. Ist das Plastic Bomb ein Konkurrent vom Trust am Bahnhofskiosk? Oder sind“s einfach zwei verschiedene Teiche, in denen beide fischen? Ich persönlich (!) denke eher letzteres. Entschieden wird diese Frage jedoch in naher Zukunft, wenn wir das Okrakel Paul im „Sealife“ in Oberhausen befragen, wer das geilere Fanzine ist, das Krakenorakel irrt sich ja nie.

Das Plastic Bomb wurde immer gerne verlacht als Punkbravo für Kids. Ich fand es einfach reizvoll, dem auf den Grund zu gehen. Das Heft lese ich seit Mitte 90er regelmässig, mir gefällt die Street-Attitüde der Kolumnen und seit der Seitenreduzierung auch musikalisch noch mehr der Inhalt. Micha lernte ich vor einigen Jahren beim Fanzine-Treffen in Oberhausen kennen, die älteren Trustschreiber hatten, glaube ich, eher den Draht zu Sven Bock, kenne ich nur vom mailen bzw. telefonieren.

Als Steve Ignorant 2007 in London spielte, waren Micha und ich auch Teil der Rheinland-Frankfurt-Ruhrpott-Reisegruppe, man sah sich auf einigen Konzerten wieder. Mir gefällt die lässige bestimmte Art von Micha und somit war dann auch die Motivation für dieses Interview noch mehr da, dieses ging dann im WM-Sommer per E-Mail über die Bühne. Einiges habe ich vergessen zu fragen, z.B. Infos zur Räumung des T5 in Duisburg, den Laden hatte Micha und der Mustermensch e.V. Verein erkämpft und leider 2009 wieder verloren usw.

Ach so, zu der Onkelz Frage am Ende von mir, damit da kein Missverständnis entsteht: Onkelz an sich sind natürlich schon Scheisse, und wenn es dann noch „Onkelz für Arme“ ist, dann sollte das ein drastisches Bild von mir sein, wie schlecht die Bands sind. Einige Sachen über Micha sind bekannt, ich verweise hiermit auf die im Netz zu findenden Interviews bzw. die Myspace Seite vom Zine, dort steht ein Heftrückblick auf die ersten Ausgaben. Deshalb geht`s direkt los.

***

Hey Micha, schön, dass du Zeit fürs Trust findest, ich hoffe, ich störe dich nicht in deinem WM-Studio, ha. Nee, was läuft gerade in Duisburg, schön Kulturhauptstadt oi?

Micha: Die WM hab ich zu grossen Teilen in einem der abgefucktesten hiesigen Schrebergärten erlebt, der mir durch seine kaputte Schönheit ein bisschen ans Herz gewachsen ist. Ein paar Freunde und Bekannte von mir haben hier ziemlich viel und ausdauernd geackert, um den Gazastreifen unter Duisburgs Schrebergärten in ein grünes Idyll zu verwandeln, in dem man es prima aushalten kann.

Den Fernseher bei dem geilen Wetter auf die Wiese zerren, den Grill anzünden, Bierflaschen in `nen grossem Bottich mit kaltem Wasser bunkern und den Ball sowie das Bier laufen lassen. Prima Sache. Alles sehr relaxt, um Fussball ging es auch nicht immer vordergründig.

Und nicht immer konnten sich alle Anwesenden am nächsten Tag daran erinnern, dass das Spiel tatsächlich in die Verlängerung gegangen ist, ha. Die Kulturhauptstadt hat entgegen vieler Vorurteile und negativer Erwartungen tatsächlich einige spektakuläre Attraktionen hervorgebracht. Leider stiessen diese bei einem Kulturbanausen wie mir grösstenteils auf Desinteresse. Tja, so ist das: Einerseits immer Kultur einfordern, andererseits nicht daran teilnehmen. Widersprüchlichkeit olé!

Gratulation zu den siebzig Ausgaben Plastic Bomb! Hättest du dir das bei der Gründung Anfang der 90er vorstellen können? Wenn du dir die #1 noch mal vornimmst, erkennst du dich da wieder? Oder ist das alles so „verdammpt lange her“, wie es die Kölner HC Band BAP formulierte?

Micha: Die kühnen Weisheiten von Hardcore-Rebellen wie BAP sind natürlich immer wieder erfrischend. Oh Mann, so ein Rückblick ist echt wie ein Sprung in eine andere Zeit. Einfach deshalb, weil in der Zwischenzeit soviel passiert ist. Meine Einstellung und meine Ideale sind eigentlich größtenteils dieselben geblieben. Ich bin auch echt ein störrisches Mistvieh. Wenn ich einmal an etwas glaube (wie z.B. Punk, Hardcore) und mich daran festgebissen habe, dann bin ich schwer davon wieder weg zu kriegen. Ich brauche halt diese Konstanten im Leben. Deshalb war mir schon zu Beginn klar, dass das Plastic Bomb kein kurzlebiges Projekt werden würde.

Das es allerdings derart wachsen würde, mit Fanzine, Label, Mailorder, T-Shirt-Druckerei, Plastic Bomb Radiosendung und heute tatsächlich einigen Leuten als Lebensunterhalt dient, hätte ich natürlich nie erwartet. Und das war auch nie geplant. Wenn ich die Nummer eins noch mal in die Hand nehme, dann ist sie – zumindest in meinen Augen – gar nicht mal sooo viel anders als heutige Ausgaben. Ich erkenne mich auf jeden Fall wieder. Sie ist vielleicht etwas unbedarfter, naiver und „unschuldiger“.

Damals wie heute sind immer ein Haufen Idealisten am Werk, die Bock drauf haben das Zine auf die Beine zu stellen. Keiner kriegt Geld dafür. Das war früher so und ist auch heute so. Die Planungen des Inhalts einer Ausgabe sind auch immer noch völlig chaotisch. Alle schreiben das, worauf sie Bock haben. Bei Redaktionsschluss wird alles zusammengetragen. Und am Ende ist der Layouter die arme Sau, die alles irgendwie im Heft unterbringen muss. Deshalb ist die Schrift auch immer so klein, haha… Einen Unterschied gibt es aber doch.

Die Redaktionstreffen vom Plastic Bomb sind häufiger, ich koche immer für alle, und heute wird dabei noch viel viel mehr gesoffen als früher! Es geht allerdings nicht so weit wie beim Trust, wo es der Normalfall ist, ohne Hose morgens vor der Haustüre aufzuwachen, haha. Seltsamerweise sind wir trotz des Pegels, des ganzen Herumalberns und der ganzen Lachattacken immer sehr produktiv. Und ehrlich gesagt finde ich persönlich den Inhalt der heutigen Ausgaben wesentlich besser, interessanter und tiefgehender als früher. Wäre auch schlimm, wenn diese Entwicklung andersherum verlaufen wäre…

„Damals“ gab“s ja noch eine mehr oder wenige grosse Trennung zwischen (deutsch) Punk und (ami) HC, ihr wolltet das mit dem Plastic Bomb vereinen, danke ey, dafür haben wir jetzt 100 Subsparten mehr oder wie, haha , nee, aber  was ist heute wirklich besser geworden, ich hab manchmal das Gefühl, es dreht sich alles im Kreis und alles kommt alle Jahre wieder und somit auch wieder die gleichen Debatten wie bleibt man da frisch im Kopf und stumpft nicht ab?

Micha: Haha, yep, ein Riesenerfolg, unser Unity-Ding… Anfang der 90er gab es wirklich eine strikte Trennung von Punk und Hardcore. In den Fanzines beider Lager wurde die Spaltung auch mit Elan und Leidenschaft vorangetrieben. Das hatte ein bisschen was von Kleinkriegen unter Kleingärtnern. Für uns vom Plastic Bomb gehörte beides immer zusammen, und wir dachten uns, dass es auch noch vielen anderen Menschen so gehen müsse. Menschen, die sich nicht selbst kasernieren und musikalisch breiter aufgestellt sind. So war es dann auch.

Und das erklärt in meinen Augen auch die recht schnell wachsende Popularität des Plastic Bombs. Ein weiterer Grund dafür dürfte sein, dass sich Spass und Politik bei uns nicht kategorisch ausgeschlossen haben. Wow, welch Revolution… Aber die Betonköpfe der Polit-Fraktion und der Feiermeier hatten in diesen Jahren ganze Arbeit geleistet. Warum die Szene heute zersplitterter ist als früher…? Tja, das war einfach ein stückweit eine andere Welt damals.

Ohne Email, ohne Internet, ohne Musikfernsehen, ohne MP3-Downlods und ohne den grossen kommerziellen Erfolg einiger Punkbands sowie das Interesse der Industrie. Das war eine ganz andere Szene damals. Aber Punk und Hardcore wurden dann einfach überrannt. Was seinerzeit noch eine wirklich überschaubare Szene war, ist heute ein konturlos waberndes Monster ohne Anfang und ohne Ende. Und mit dem Einzug dieser Neuerungen verloren Fanzines auch ihren Einfluss. Zum zweiten Teil deiner Frage. Klar dreht sich vieles im Kreis.

Wenn du dich seit diversen Jahrzehnten im Punk- und Hardcore-Universum bewegst, dann bekommst du zwangsläufig das Gefühl, dass sich wirklich ALLES alle paar Jahre wiederholt. Musikalisch sowieso. Jetzt ist es gerade 80s-Amihardcore, davor war es Crust mit seinen TRAGEDY-Clones, davor 77er-Punkrock mit den BRIEFS und SHOCKS, davor Deutschpunk usw. Aber auch die Sexismus-Diskussionen, die Debatten über „Unpolitischsein / Oi!“, Freiraumkämpfe, Tierrechte, Vegetarismus etc.

Das alles hast absolut seine Berechtigung. Das will ich in keiner Weise in Frage stellen. Und für die nachwachsenden Generationen ist so was auch total wichtig. Aber für mich selbst kommt da halt wenig Neues. Wobei es natürlich auch immer an einem selbst liegt, neue Themen zu entdecken und zu entwickeln. Eine Neuerung der letzten Jahre ist das Gender-Thema. Das gab“s vorher noch nicht. Das kann den Horizont erweitern.

Und aus Vegetarismus wurde Veganismus. Warum ich nicht abstumpfe? Ganz einfach: Punk hält jung! Oder sagen wir mal, er lässt langsamer altern. Das trifft es wohl besser. Ich habe viel mit Punks zu tun, die 15-20 Jahre jünger sind als ich. Wenn du dich als 40- oder 50-jähriger in den konventionellen Bahnen der Gesellschaft bewegst, dann bist du irgendwann nur noch von Gleichaltrigen umgeben. Die werden langsam träge, sesshaft, gründen Familien, gehen nicht mehr so oft weg, kucken lieber Fernsehen… Du bist gefangen in der Altersfalle.

Im Punk ist das vollkommen anders ! Das ist total gemischt. Von jung bis alt. Von ultrastumpf bis hochintelligent. Das hält jung. Hinzu kommen natürlich die vielen sehr sehr geilen neuen Bands, die ständig nachwachsen. Ich bin da immer noch sehr begeisterungsfähig und enthusiastisch. Die Musikstile mögen sich wiederholen, aber neue geile (live-)Bands und Platten gibt es ohne Ende!

Ausserdem bieten Punk und Hardcore auf Grund der vielen Sub-Genres und Nischen für absolut jeden die Möglichkeit zu freien individuellen Entfaltung. Jeder kann sich die passende Nische nach eigenen Bedürfnissen und Vorlieben aussuchen und daran partizipieren oder sogar selbst aktiv ins Geschehen eingreifen. Es existiert eine grosse lebendige D.I.Y.-Szene mit viel Idealismus, Solidarität und netten Menschen. Warum sollte ich mich in dieser Welt nicht mehr wohl fühlen?

Platt gefragt, warum machst du eigentlich noch nen Printzine, die Hochzeit der Zines waren ja die 90er, heute spielt sich doch alles an Debatten in Foren und auf Boards ab, lesen Zines auf Papier noch nur alte Säcke und Säckinnen?

Micha: Was soll ich sagen? Ich bin halt Old School. Für mich besitzt das auf Papier geschriebene Wort mehr Relevanz als Veröffentlichungen im Internet. Mit Musik ist es genauso. Songs auf Vinyl besitzen Seele und Substanz. Sie sind greifbar, fast anfassbar. MP3s aus dem Internet sind leblos und beliebig. Vielleicht gehöre ich damit zu einer aussterbenden Spezie. Vielleicht überleben wir aber auch den Zeitgeist und alle Trends. Das wird die Zukunft zeigen. Foren und Boards spielen in meinem Leben keine Rolle. Ich bewege mich lieber in der realen Welt.

Nichts gegen Leute, die dort unterwegs sind und Bock haben, sich zu vernetzen. Geile Sache, keine Frage. Aber ich hab den Eindruck gewonnen, dass sich dort auch oft selbstverliebte Grossmäuler und Schaumschläger bewegen, die dich erst derbe kritisieren, die dann aber keinen Arsch in der Hose haben und auf Konzerten weglaufen, wenn sie dich sehen. Alles schon selbst erlebt. Was soll ich mit so Leuten anfangen? Und warum soll ich damit meine Zeit verschwenden?

Übrigens tolle Homepage, schön regelmässige Updates!!! Die kommt ja auch gut an, also Besuchszahlen etc?

Micha: Danke für die Blumen. Aber war das jetzt `ne Frage oder `ne Feststellung…? Unsere alte Seite war echt Schrott. Starr und wenig aktuell. Mit der neuen Plastic Bomb- Homepage sind wir sehr zufrieden, weil sie lebendig und interaktiv ist. Du kannst die einzelnen Artikel, Newsmeldungen, Reviews als Leser kommentieren.

Und teilweise entstehen dort ganz lebhafte Diskussionen mit 60-100 Beiträgen. Das ist schon interessant, weil sich echt was tut und im Endeffekt jeder mitschreiben kann. Die Besucherzahlen sind dementsprechend hoch. Wir sind auch das erste Punk-Onlinezine, das für jedes Bundesland eigene Lokalredaktionen hat ! Ok, da tut sich zum Teil noch recht wenig, nicht alle Lokalreporter sind mit Feuereifer bei der Sache. Und manchmal ist das pro Bundesland auch nur eine einzige Person. Das ist halt noch ausbaufähig. Aber die Idee ist super.

Wie geht ihr eigentlich mit versuchten Deals von draussen um, Richtung „Anzeige gegen Feature/Interviews“?

Micha: Es gab in der Vergangenheit ein bis zwei Mal solche Deals. Ansonsten arbeiten wir natürlich mit vielen Menschen, Bands, Labels aus der Punk- und Hardcore-Szene zusammen, die wir mögen und umgekehrt. Und das seit vielen Jahren. Wenn man mal was zusammen macht, wovon man gegenseitig profitiert, dann ist das ja auch oft so ein Freundschaftsdingen. Die Möglichkeiten von Kooperationen sind verschiedenster Natur.

So was macht auch echt Spass. Irgendwie ist man untereinander ja oft auch befreundet. Es ist ja nie alles ein nackter, kommerzieller Akt, auf den ihn Kritiker gerne reduzieren. Generell machen wir ausschliesslich Sachen, auf die wir Bock haben.

Aus älteren Interviews weiss man ja schon viel über dich, ich verweise hier auf die Dinger im Netz (OX, Kink Records Mailorder). Du bist aus Hamminkeln (aus NRW), warst Teil der (Reise-) Crew um die Band Schliessmuskeln, hast Koch gelernt… Was ich nicht weiss, hast du mal selber Musik gemacht? Komm schon, gib uns die dirty truth, haha.

Micha: Ey Jan, ich würde dir unter Kumpels ja gerne die nackte und schmutzige Wahrheit in allen Details erzählen. Aber wenn es eine gäbe, hätte ich sie wahrscheinlich längst schon im PLASTIC BOMB offenbart. Ich hab nie Musik gemacht und hab es auch nicht vor. Dafür bin ich viel zu unmusikalisch. Meine Musikalität besteht darin, vor dem Fernseher zu sitzen und bei Volxmusiksendungen laut und im falschen Takt mitzuklatschen, ha.

Was ist für dich dein Mittelweg zwischen Ernst und Spass (im Punk)? Ich so: Mit dem Humor im Punk ist das ja immer so eine Sache. Einerseits haben Fun-Punk-Bands immer herrlich naive lustige Platten – meistens die ersten – gemacht, andererseits wurden gerade sie dann so dermassen unlustig, weil sie noch 25 Jahre später den gleichen Witz erzählen. übertragen auf die Punkszene, meinetwegen auch Fanzines, ist das doch ähnlich Klar, sicherlich ist man auch gerade deswegen begeistert von der ganzen Punksache am Anfang gewesen, weil alles erheblich aufregender wilder, flippiger, lustiger, farbiger, unverkrampfter als der ganze andere langweilige genormte Routine-Scheisss wie Schule, Fussballverein, lokale Feuerwehr, Karneval etc. war und ich denke, es ist auch wichtig, sich dieses Motiv – eine gewisse positive optimistische Lockerheit – zu behalten, man will ja auch kein verhärmter Mensch werden. Auf der anderen Seite war man auch deshalb geil auf Punk und HC, weil man einfach auch geschockt, frustriert und angepisst über den Zustand der Welt war, wie Menschen behandelt werden, wie alles in den Arsch geht und wird man halt auch älter, und das Leben ist einfach auch nicht immer lustig, die Welt ist auch nicht immer lustig Ok, beide Verselbstständigungen nerven ja ungemein, nur ernst, und nur Spass fun fun fun rocknroll baby fuckt auch ab Was meinst du? Sollte der heutige Punk lustiger werden?

Micha: Mit der positiven optimistischen Lockerheit triffst du den Kern schon ganz gut. Das die Welt nicht immer der super Kumpel ist, den man sich wünscht, ist schon klar. Aber ich brauche auch keine Bands, die von der Bühne herunter weinen und mit traurigen Gesichtern das ganze Elend der Welt auf ihre Schultern laden. Die uniformierte Crust Army auf Konzerten bietet schon gelegentlich Anlass zum Schmunzeln. Genauso brauche ich keine Menschen, denen alles am Arsch vorbei geht, solange die Party weitergeht. Und schon gar nicht sollte man blödes Herumprollen mit Humor gleichsetzen. Ich denke nicht, dass der heutige Punk lustiger werden soll.

Abgesehen davon, dass man das gar nicht verallgemeinern kann. Aber du kannst auch für `ne gute Sache kämpfen, ohne verbiestert und verbittert zu sein. Meistens erreichst du dann auch viel mehr. Denn wer will sich schon von verhärmten, humorlosen Predigern deren Weltsicht aufdrängen lassen?! Das ist total kontraproduktiv. Und man muss auch aufpassen, dass man nicht ständig von Freiheit faselt, aber selbst mehr Gesetze und Verhaltensregeln aufstellt als die CDU.

Auch als passionierter Nichttänzer kann ich das Motto „Dance to the Revolution“ voll und ganz unterschreiben. Im übertragenen Sinn. Mir ist wichtig: Den Leuten eine Alternative in der Lebensart, bei der Musik und in der Denkweise anzubieten. Dann können sie selbst entscheiden, ob sie das annehmen und gut finden oder eben nicht. Sowohl was ernsthafte Themen betrifft als auch was humorvolle Geschichten angeht. Man muss auch in Fanzines ernste Themen nicht zwangsläufig total ernst angehen. Denn dann wird die Aufmerksamkeitsspanne kleiner und kleiner. Und du kannst in einem Spasspunk-Artikel durchaus auch Inhalte einfliessen lassen.

Das Plastic Bomb ist ja u.a. mit dem Wahrschauer das grösste Punkheft in Sachen Auflage, das bedeutet auch eventuell mehr Neid und Kritik und Vorwürfe „von der Szene“, ist dir das scheiss egal, Motto „is halt so“ ?

Micha: Das vermeintlich „Grosse“ kritisiert sich immer leichter und schneller als das vermeintliche „Kleine“ und dadurch automatisch „Sympathische“. Im Punk gibt es eine gesunde Skepsis allem „Grossen“ gegenüber.

Und das ist auch ok so. Nur ist es leider des öfteren der Fall, dass Menschen etwas kritisieren, von dem sie eigentlich keine Ahnung haben. Sie wissen keine Interna, haben die Kritisierten nie selbst angesprochen/angeschrieben und verlassen sich auf Mutmassungen und über Dritte Gehörtes. Mal lache ich darüber, mal schüttele ich den Kopf und mal nervt mich das. Es kommt immer auf die einzelnen Personen und das Thema an. Letztendlich hat es auch jeder selbst in der Hand, es einfach besser zu machen als ich/wir. Klar, jeder darf und soll im Endeffekt Kritik äussern.

Aber wenn diese Kritiker selbst nichts auf die Reihe kriegen und eigentlich nur passive Konsumenten sind, die selbst gar nichts haben, an dem man sie messen könnte, dann relativiert sich das für mich. Generell wünsche ich mir manchmal ein dickeres Fell. Aber im Grunde dringt Kritik eigentlich gar nicht sooo oft zu mir durch.

Was ich deutlich geiler in den letzten Jahren finde, ist eure Entwicklung hin zu „Mehr Bewusstsein“. Ihr habt ja vor einigen Jahren euer Heft fast halbiert, also von über 120 Seiten auf jetzt ca. 80 runter, ihr habt neue polit-Rubriken (Herstory, anders leben) und featuret auch mehr „andere“ Musik. Neben euren traditionellen Pfeilern, Oi, Punk, Ska, Country, gibt`s bei jetzt auch mehr ami core oder noise würdest du mir recht geben mit dem „bewusster“? Oder war das immer schon so und das „lustige saufruhrpott proll Heft“ ein Stempel, der euch von aussen zu unrecht aufgedrückt wurde?

Micha: Das ist ja alles eine Entwicklung. Wir machen halt das, was uns Spass macht. Und wenn das früher etwas mehr Oi! war und heute mehr Hardcore, dann ist das letztendlich auf wechselnde Schreiber / Schreiberinnen zurück zu führen sowie auf die eigenen wechselnden musikalischen Vorlieben. Das „lustige Saufruhrpott Proll Heft“ war das Plastic Bomb sicher in den Anfangstagen, während der ersten Ausgaben. Dieses Stigma hält sich vielerorts bis heute, da kommt man nicht gegen an. Selbst wenn man sich noch so sehr bemühen würde und komplett andere Inhalte hat.

Für viele bleibt das Plastic Bomb immer das Sauf-Deutschpunk-Heft. Das die Realität seit mindestens zehn Jahren eine vollkommen andere ist, bekommen viele nicht mit. Ignoranz? Desinteresse? Einmal abgestempelt – immer abgestempelt? Das ist natürlich ein Armutszeugnis für diejenigen, die diese äusserungen tätigen. Das ist schon ziemlich entlarvend, weil man unfähig oder nicht willens ist, Wandlungen zur Kenntnis zu nehmen.

Das hat mich lange Jahre etwas genervt. Inzwischen steh ich da drüber. Es gibt genügend Leute und Leser, die unseren Wandel und die Veränderungen erkennen, wahrnehmen und positiv bewerten. Die Reduzierung der Seitenzahl von 120 auf 80 hat einen finanziellen Hintergrund. Aber ich muss zugeben, dass uns auch zu viele mittelmässige Artikel und Interviews als Füllmaterial im Heft waren. Jetzt ist alles stimmiger und wesentlich gehaltvoller.

Redaktionstreffen sind wichtig, um Neuerungen zu besprechen und um herauszufinden, in welche Richtung wir gehen wollen und auf was die Schreiber eigentlich Bock haben. Man sollte als Fanziner nicht in festen bzw. festgefahrenen Strukturen verharren, sondern sich immer reflektieren, die eigenen Ansprüche und deren Umsetzung hinterfragen und letztendlich darauf thematisch, optisch und inhaltlich reagieren können.

Zudem habt ihr in letzter Zeit einige personelle Abgänge, was war mit Swen Bock los, keene Böcke mehr? Atateks pausiert, Frank war ja schon länger weg, Kuwe ist draussen Wer ist die aktuelle Kern-Mannschaft, du bist sozusagen das einzige Original-Mitglied?

Micha: Yep, ich bin inzwischen das einzige verbliebene Gründungsmitglied. Wenn Menschen sich verändern oder einfach alles gesagt haben, was sie zu sagen haben, dann ist das halt an der Zeit, ehrlich zu sich zu sein und irgendwann seinen Abschied zu verkünden. Alles andere bringt niemandem etwas.

Mal ging es bei uns im Streit auseinander, in anderen Fällen sind wir immer noch Kumpels. Hardcore-Helge ist inzwischen seit vielen Jahren bei der Bombe und ein integraler Bestandteil. Vasco ist super wichtig, was die politischen Sachen angeht, während Chris Scholz der ewige Zyniker mit dem rabenschwarzen Humor bleibt. Ronja ist enorm wichtig mit ihrer jugendlichen Frische, ihrer zupackenden Art und ihrem Enthusiasmus.

Und über ihren grossen Freundeskreis sind auch noch etliche andere, junge Punks zu uns gestossen wie Henni, Andi, Toxo, Ullah, etc. Basti ist unser bestens gebildeter und informierter Quoten-Skinhead, Latti ist der stets gut gelaunte Mr. Party aus Wien (inzwischen Halle), Dirk steht für D.I.Y-Spirit und Fanzinereviews. Und es gibt noch viele andere, die mitmachen (Häktor, Bettina, Stanley Head…). Es ist halt eine sehr sehr geile Mischung aus aktiven Leuten in den 20er-, 30er- und 40er-Jahren. Zur Zeit bin ich super zufrieden mit der aktuellen Crew.

Bei Redaktionstreffen sind wir so 10-12 Leute. Das sind so diejenigen, die aus Duisburg und Umgebung kommen. Wir sehen uns aber alle sowieso ständig, weil wir in dieselben Konzertläden gehen. Viele von uns haben sich bis letztes Jahr im kurzlebigen Duisburger AZ engagiert oder sind immer noch in den AZs und korrekten Läden in Mülheim, Oberhausen und Düsseldorf involviert. Viele sind ausserhalb des PLASTIC BOMBs noch irgendwo anders engagiert. Macht schon Spass, kann ich nicht anders sagen.

Ok, jetzt mal ein paar gesammelte Kritiken dem Heft/der Firma gegenüber, dürfte nix neues dabei sein, aber vielleicht hast du nichtsdestotrotz Lust, hier noch mal ein paar Sachen auf zu klären, würde mich freuen. Am Ende dann noch etwas allgemeinere Fragen Let`s go. Es gibt ja immer wieder die Spekulationen, das „ihr alle“ vom Heft lebt, aber eigentlich ist das eine, also das Heft und euer Label, doch quasi nen Hobby, und die – wir ihr selber schreibt – Geldquelle für Billigbier und Brötchen der Mailorder Mal ganz plump gefragt, nervt das nicht voll ab, mit Mitte 40 noch Chaostage-Shirts an 14 jährige zu verkaufen?

Micha: Es gibt ca. drei bis vier Leute, die von der Bombe leben. Unser Leben bzw. eher unser überleben finanzieren wir durch den Mailorder und Onlineshop. Fanzine und Label sind zwar sehr zeitaufwändig, werfen aber nichts ab. Das läuft quasi nebenbei. Grosse finanzielle Sprünge kann niemand von uns machen. Aber wir haben jetzt privat auch nicht die wahnsinnig kostspieligen Wünsche und Ansprüche. Was für Chaostage-Shirts meinst du? Du bist hier, glaub ich, im falschen Film und verwechselst uns mit NIX GUT, ha.

Ihr wart eines der ersten Hefte, die eine CD Beilage hatten, damit konntet ihr auch eure Auflage erheblich steigern. Ey, voll provokant gefragt: Verkauft ihr also eine CD oder macht ihr ein Fanzine? Weisst schon was ich meine, die CD war ja als Beilage gedacht, als Mittel zum Zweck, aber wenn das eigentliche „Produkt“, eben das Heft, selber zur Beilage wird

Micha: Wir verkaufen eine CD mit sehr sehr aufwändigem Booklet, haha… Was soll ich dir antworten…? Liegt doch eigentlich alles auf der Hand und ist logisch. Die CD ist eine nette Gratis-Beilage. Kann man sich anhören oder es lassen. Manche stehen drauf, ein paar gute Lieder findet man meistens und… klar, das Heft verkauft sich dadurch besser, logisch. Was primär und was sekundär wichtig ist, bedarf eigentlich keiner erläuternder Worte.

Was sagst du zu der Kritik, dass ihr eure Labelbands immer besonders gut besprecht in euren Reviews im Heft und total viel im Heft featuret?

Micha: Wenn man Platten von Bands veröffentlicht, dann findet man die in der Regel auch gut. Logisch, oder? Sonst würde man sie ja nicht rausbringen. Ist ein positives Review dann so verwunderlich…? Interviews führt man meistens mit Bands, die man mag und deren Musik man ebenfalls mag. Das trifft natürlich auch auf die Bands zu, von denen man Platten veröffentlicht. Warum sollten wir sie im Plastic Bomb also nicht featuren…?

Ok, weg von der „Hau drauf“ Ebene. Was steht an bei euch als Plastic Bomb Label-Releases?

Micha: Puh, schwierig… Es ist einiges angedacht, aber leider noch rein gar nichts spruchreif. Die letzten Platten waren die neue D.O.A. LP/CD „talk-action=0“ und die SUPABOND LP/CD „Narben“. Mehr Definitives weiss ich im Moment noch nicht.

Und war die Eisenpimmel-Sache eigentlich eure erfolgreichste, ihr habt es ja immerhin in die „Süddeutsche“ geschafft mit dem „schlechtesten Cover aller Zeiten“, das geniale „Komm mal lecker unten bei mich bei“ Cover!

Micha: Haha… das Cover hatte es wirklich in sich… Es gab einige erfolgreiche Veröffentlichungen zum Beispiel von den REAL MCKENZIES und OI POLLOI. Und es gab auch einige finanzielle Desaster. EISENPIMMEL haben wir früher herausgebracht, eben noch zu den Sauf-Proll-Zeiten.

In den letzten Jahren haben wir beim Plastic Bomb nichts mehr von ihnen veröffentlicht, auch wenn ich die Leute immer noch sehr mag und ich mich über einige Texte köstlich amüsieren kann. Aber Vorsicht! Die alten Zeiten kommen doch zurück. Und im Herbst 2010 werden wir auf Plastic Bomb Records voraussichtlich eine auf 300 Exemplare limitierte Neuauflage der „Komm ma lecker unten bei mich bei“ EP von EISENPIMMEL in farbigem Vinyl veröffentlichen! Ich hab beim Umzug noch Cover und Textblätter gefunden. Und es wäre schade, wenn diese musikalische und lyrische Perle nicht noch mal zu neuen Ehren kommen würde.

Thema Grauzone: Sind die ganzen kritischen Berichterstattungen in den Fanzines nicht eigentlich nur Promo für totale scheiß Musik, mit obendrauf noch scheiß Texten? Skinhead-Oi war immer schon Scheisse, prollig, nen Männerklub, stolz auf ihr Land, ihren Kult blabla, das ist ja seit 30 Jahren nix neues, warum also die ganze Zeit Bands hinterfragen, die sowieso doch eh nur absolute Kackmusik machen? Wenn jetzt wirklich ne geile faszinierende Band, was weiss ich, Snuff oder Antitainement, anfangen mit „Unser Heimatland ist halt schon das geilste, darf man ja wohl sagen“ etc., ok, dann ist eine Kontroverse ja richtig, aber ne sinnlose scheiss Band, die immer schon Onkelz für Arme spielt, who gives a fuck? In den 80er war ja immer wieder im Trust das Thema bezüglich Patriotismus im HC, Agnostic Front z.B. oder Cro Mags, Krishna Bands, Homophobie und Bad Brains soweit so schlimm, nur hatten die halt (leider) auch tatsächlich irgendwann mal geile Scheiben gemacht, wenn ich an die erste Agnostic Front Single und erste LP, das erste Cro Mags Demo/Ten Inch oder eben die „Rock for light“ Platte der Bad Brains denke, völlig unbestrittene HC-Punk-Klassiker, und das unterscheidet ja doch die Debatten von früher und heute, oder? Keiner würde doch ernsthaft diesen Grauzonen-Bands, die dauernd in den Fanzines kritisiert werden, annährend auch nur irgendeine Bedeutung zugestehen, ausser eben „langweilig“ und dazu noch dumm??? Warum sich also damit beschäftigen oder hältst du das für eine falsche und gefährliche, ignorante Position?

Micha: Genau das frage ich mich auch schon seit einigen Jahren. Warum sich damit beschäftigen? Ich persönlich hab diesen ganzen Oi!-Grauzonen-Wald als Diskussionspunkt längst hinter mir gelassen. Damit beschäftige ich mich nicht mehr als nötig. Die Diskussionen sind zwar nicht sinnlos. Es gibt immer noch eine ganze Reihe von Punks, die es einfach nicht besser wissen und die froh sind, wenn sie jemand „aufklärt“ über Band XY. Ich bekommen noch heute Briefe und Mails von Leuten, die sich dafür bedanken, dass wir ihnen die Augen geöffnet haben, als sie noch jung und unwissend waren. Das ist schon cool. Aber diese ganzen Debatten und Diskussionen sind auch äusserst ermüdend. Meistens dreht sich alles im Kreis. Die einen finden`s Scheiße.

Die anderen wollen Scheiße sein. Aber ganz sooo einfach ist die Sache auch wieder nicht. Denn es gibt immer Scheissbands, die auf eigentlich korrekten Labels was veröffentlichen (wollen). Oder korrekte Bands, die mit Scheissbands auf Festivals spielen und so weiter. Gerade weil die Grenzen immer mehr verfliessen, kommt man als Fanziner damit auch ständig in Berührung. Sei es, wenn Scheissbands ihre CDs besprochen haben wollen. Oder wenn Labels Anzeigen schalten wollen. Oder Anzeigen für Festivals, wo viel Gutes, aber eben auch ein zwei Schrottbands spielen…

Oder eine ehemalige Scheißband hat sich gewandelt und ist heute akzeptabel. Die Welt dreht sich ja ständig weiter. Nichts ist heute so, wie es gestern war. Und deswegen muss man manche Positionen und selbst gefällte Urteile der Fairness halber auch ständig überdenken. Auch wenn das mühsam ist. Insofern ist man ständig zur Reaktion und Auseinandersetzung gezwungen. Klar kann man es sich auch einfach machen und sagen:

Ich breche jetzt den Kontakt zu allen ab, die in irgendeiner Form Dreck am Stecken haben (könnten). Dann bist du zwar super korrekt und konsequent, stehst am Ende aber alleine und isoliert da. Und du verlierst deinen Einfluss auf andere bzw. auf das Geschehen (auch wenn der manchmal nur gering ist). Oder du bist in deinem Ghetto, in dem nur Leute leben, die sowieso alle deiner Meinung sind. Wie langweilig!!! Insofern ist es gelegentlich sinnvoll, den Dialog zu suchen.

Zumindest bei so Wackelkandidaten, nicht bei denen, wo eh Hopfen und Malz verloren ist. Die älteren beim Plastic Bomb haben in dieser Hinsicht diverse nervige Debatten in der Vergangenheit geführt und haben keinen Antrieb, das ewig fortzuführen. Den Jüngeren ist das noch wichtiger. Die sind noch nicht ganz so desillusioniert. Und das finde ich auch absolut ok.

Fanzine-Treffen Das scheint sich ja (in Sachen Resonanz) in den letzten Jahren erledigt zu haben, wenn man es mal mit den grossen Dingern vom Blurr in den 90er vergleicht was ist der Grund, eine Fanzine-Krise? Das Internet und damit einhergehend die Sache, das man nicht mehr 300 km fahren muss, um jetzt in echt die Leute der Hefte zu treffen, Stichwort „ich bin so gespannt, wie die Wixxer vom Heft XYZ etc. in echt aussehen, weil die Fotos von ihnen finde ich in drei Sekunden auf facebook“ etc.?

Micha: Der Ort des letzten Fanzinertreffens war einfach etwas unglücklich gewählt. Das AJZ Wermelskirchen ist ein echt geiler Ort mit super coolen Menschen. Er liegt aber auch hinter den Bergen bei den sieben Zwergen. Ohne Bahnhof. Zu einem Treffen in der Mitte Deutschlands, an einem für alle gut erreichbaren Ort, würden sicher mehr Fanziner kommen.

Und wenn ich mir die momentanen Feindschaften innerhalb der Fanziner-Szene so betrachte, dann machen Treffen sicher einen Sinn. Denn er ist schwierig, sich via Internet gegenseitig richtig auf die Fresse zu hauen! Und das ganze sensationsgeifernde Volk wäre somit sicher auch vor Ort. Eine klassische Win-Win-Situation. Also Jan, für das nächste Fanzinertreffen bitte einen Boxring organisieren. Dann stehe ich gerne mit Prosecco im Publikum und klatsche Beifall !

Wie gehst du mit deiner Autorität um in Sachen Schreiber (jetzt nicht der Helge ey! haha), die Deadlines verpassen, einfach unzuverlässig sind etc.? Man sieht sich ja gerne als „Kollektiv“, aber manchmal muss man ja auch den Fanzine-Hitler spielen und so unpunkige Sachen wie Zeitmanagement, get your shit together etc. bei den Schreibern anmahnen das ist ja eher unangenehm, wie machst du das? Oder ist so was nie nen Problem beim Plastic Bomb (gewesen)?

Micha: Wieso unangenehm? Es gibt in unserer Plastic Bomb Redaktion das „Separee Guantanamo“. Auch ohne katholische Erziehung weiss ich, wie man andere Menschen mit Nachdruck dazu bringt, jemandem Respekt zu erweisen und sich an interne Gesetze und Regeln zu halten. Punk hat ja von Haus aus viel mit Autorität, Züchtigung und Unterwerfung zu tun, haha. ähm… ja… ehrlich gesagt, hab ich um mich herum fast ausschliesslich sehr zuverlässige und pünktliche Menschen. Keine Ahnung, warum das so ist… Und es klappt immer super super gut, die Redaktionsschlüsse und andere Termine einzuhalten. Das ist nie ein Problem.

Die letzten zwei Fragen, lieber Micha, KIss oder AC/DC?

Micha: MOTöRHEAD.

Vielen Dank für deine Zeit, hast du noch nen Gruß an die Trust-Leser?

Micha: Letzte Worte? Lasst euch mit dem Jan auf kein Wetttrinken ein. Ihr könnt nur verlieren! Und Jan, ich hoffe, wir treffen uns demnäxt mal wieder!

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Interview: Jan Röhlk

Links (2015):
Plastic Bomb Homepage
Plastic Bob auf Wikipedia

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