März 14th, 2007

PILATES (#100, 06-2003)

Posted in interview by andreas

Über meinen Erstkontakt mit Pilates Ende 2001 hab ich ja schon kurz in einer Kolume im Trust # 92 geschrieben. Waren diese Zeilen noch geprägt von dem euphorischen Erstkick eines grade frisch Angefixten, bin ich nun zum ebenso euphorischen Abhängigen geworden.

Mit anderen Worten: Ich mach das immer noch und finde es immer noch super. Es ist zwar nicht so „cool“ wie Skaten, Surfen oder sonstige Actionsports, aber glaubt mir, es hat andere Qualitäten. Und ich warte auf die ersten Pilates-Skater/Surfer und Co. Wie immer verbinde das Beste und mach was noch Besseres draus. Damit ihr Pilates vielleicht auch für euch entdecken könnt, hab ich mal meine Lehrerin Kerstin Reif vors Diktiergerät gebeten.

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Was ist Pilates?

Kerstin: Pilates ist ein ganzheitliches Körpertraining, das die Balance schult, Beweglichkeit aufbaut, Muskulatur aufbaut und die Bewegungsmuster bzw. Bewegungsabläufe optimiert.

Was unterscheidet denn Pilates von anderen Trainingsformen – sei es Yoga, Kraftsport oder Aerobic -, schliesslich sind das ja Trainingsziele, die man nicht zum ersten Mal hört, und andere Trainingsformen sollen ja eigentlich ähnliches bewirken.

Kerstin: Der Hauptunterschied ist die Konzentration auf das Körperzentrum, von wo auch jegliche Bewegung ausgeht. Das ist die Basis der ganzen Körperarbeit, und im Pilates wird im Gegensatz zu vielen anderen Methoden darauf geachtet, dass die natürliche Wölbung oder S-Kurve der Wirbelsäule erhalten bleibt.

Und um das zu stabilisieren, wird der Transversusmuskel angesprochen, die tiefstliegende Bauchmuskelschicht, die durch die korrekte Becken- und Oberkörperstellung überhaupt erst angesprochen wird. Und das zu lehren, ist der Hauptansatz von Pilates, die Basis; ohne das kann man die ganzen anderen übungen vergessen.

Also vom Transversus aus dann weiterzumachen…

Kerstin: Genau, vom Körperzentrum nach aussen, die Muskeln der Arme und Beine werden erst ausgebaut, wenn das Körperzentrum gekräftigt ist. Das geschieht durch den Transversus und die Zwischenrippenmuskeln – Multifidi.

Kann jeder nach der Pilates-Methode trainieren, oder braucht man da besondere Voraussetzungen?

Kerstin: Nein, jedes Alter, männlich und weiblich… Bei akuten Schmerzen allerdings nur nach Rücksprache mit dem Arzt.

Vielleicht kannst du mal was zu der Geschichte von Pilates sagen?

Kerstin: Pilates geht zurück auf Joseph Pilates. Der kam aus Hamburg, ein Deutscher, der als Kind körperlich selber sehr zurückgebildet war, sehr schwächlich. Der sagte sich dann irgendwann: Damit ist jetzt Schluss, ich will was für mich tun. Er war sehr bestrebt, Körperpräsenz zu bekommen. Er hat soweit ich weiss früher in Hamburg Polizisten unterrichtet, fitnessmässig. Er hatte schon mit Fitness zu tun und hat sich auch schon damals mit Yoga – was in den frühen 20er Jahren auch eher selten war – beschäftigt.

Er ist dann in Kriegszeiten erst nach England gegangen und hat dort Verletzte bearbeitet, die bettlägerig waren. Und daher kommen auch die Ideen von diesen Betten und Federgeräten sowie den Seilzügen. überhaupt im Liegen ohne Schwerkraft Muskulatur aufzubauen, so dass man sich hinterher wieder bewegen kann. Als er dann von England nach Amerika (New York A.d.V.) kam, bestand seine Hauptklientel aus Tänzern vom Theater und Berufssportlern, die gemerkt haben, dass mit dieser Methode die Muskulatur optimal aufgebaut wird.

Gehen (bzw. gingen) dann die Tänzer und Berufssportler dahin, um in ihrem eigentlichen Tanz/Sport noch besser zu werden, oder weil sie gemerkt haben, dass sie sich mit ihrem Sport ihren Körper kaputtmachen?

Kerstin: Beides. Einmal kommen sie, um ihre Bewegungen zu optimieren, Energie zu sparen und möglichst effizient arbeiten zu können. Und zum anderen natürlich auch, weil die Bewegungsmuster falsch erlernt wurden….Oder sie kommen nach Verletzungen, um die verletzten und geschwächten Körperteile wieder aufzubauen und zur generellen Unfallvermeidung.

Wie kommt es, dass diese Methode relativ unbekannt ist? Kannst du das erklären, oder mit anderen Ländern vergleichen?

Kerstin: In Amerika ist es mittlerweile sehr bekannt, aber auch noch nicht so lange. Vielleicht seit 12 Jahren. Warum das so lange dauerte, erkläre ich mir persönlich so, dass es erstmal nicht nach viel aussieht, dass man denkt, dass die übungen nichts bringen, weil sie mit wenig Gewicht auskommen, man schwitzt nicht genug. Zum anderen vielleicht, weil es wenig Trainer gibt, die darin ausgebildet sind. Dass es durch das Einzeltraining relativ teuer ist, spielt sicherlich auch eine Rolle. Und dass diese bewusste Körperarbeit ein neuer Aspekt ist, den viele gar nicht so drinhaben – das ist ja ein ganz neuer Ansatz.

Wie muss man sich das vorstellen: Hat Pilates sozusagen das Rad neu erfunden oder hat er sich aus verschiedenen Quellen bedient?

Kerstin: Der hat sich bedient und selber hinzugefügt. Er hat auf jeden Fall Elemente aus dem Yoga genommen, von der Dehnung, der Atmung und den Ideen her. Aber auch aus anderen Bereichen, bestimmt auch von Turnvater Jahn, die er dann aber erweitert hat und an sich selbst ausprobierte. Er hat in dem Sinne auch gar nicht gesagt: „Das sind jetzt die 500 übungen die für jeden gelten.“ Sondern er hat Berichten zufolge ganz individuell die Programme für die Leute zusammengestellt.

Sind es tatsächlich genau 500 übungen?

Kerstin: Ja, die, die von ihm bekannt sind. Natürlich sind sie zum Teil verändert, modifiziert oder es wurden neue hinzugefügt. Aber von ihm gibt es 500 übungen an diesen beiden Geräten.

Wie heissen denn diese beiden Geräte?

Kerstin: Das eine ist der Reformer, der dem Bett ähnelt, und das andere ist der Cadillac oder Trap Table.

Man könnte ja nun auch sagen, dass sich in den letzten 80 Jahren so viel getan hat in der Weiterentwicklung der unterschiedlichsten Methoden, auch was über das medizinisch-wissenschaftliche Wissen des Körpers neu dazugelernt wurde. Ist denn das Programm komplett unverändert übernommen, mit all den potentiellen Schwachstellen, von denen man damals noch keine Ahnung haben konnte? Oder wird das durch die Leute, die es betreiben, modifiziert?

Kerstin: Es wird bestimmt modifiziert, wobei da ganz klar zu sagen ist, dass Joseph Pilates seiner Zeit um etliches voraus war. Das liest man auch oft in Büchern, dass er seiner Zeit – in Amerika – 50 Jahre voraus war. Das würde also bedeuten, dass er Deutschland sozusagen 70 Jahre voraus war. Und das, was er damals erkannt hat, hinsichtlich der Stabilisierung des Körperzentrums, das hat er so gar nicht definiert.

Er hat durchaus gesagt, das Körperzentrum ist zu stabilisieren, aber er hat es dann nicht bewusst medizinisch angewandt, auf Rückengeschädigte z.B. Das war gar nicht seine Absicht, er hat das praktisch betrieben und als gut empfunden, ohne zu wissen, welche sonstigen positiven Auswirkungen für den Körper es zusätzlich dafür gab. Die Erkenntnisse werden zum Teil jetzt erst bekannt. Die neuesten Berichte deuten darauf hin, dass diese kleinen Muskeln, die Zwischenrippenmuskeln, wesentlich wichtiger sind, als die geraden Rückenstrecker, und das weiss man noch gar nicht so lange.

Er hat das also nicht aus dem medizinischen Bewusstsein heraus entwickelt, sondern es wird jetzt erst im Nachhinein bekannt, wie es medizinisch zu definieren ist. Ich versuche mir vorzustellen, wie man darauf kommt, diese zum Teil sehr ungewöhnlichen übungen zu entwickeln, wenn dem nicht so eine medizinische Idee zugrunde liegt.

Kerstin: Ich glaube, der hat einfach sehr viel auspobiert, neue Ideen gehabt. Dann kamen andere Fälle hinzu, und weil er sowieso schon diesen Hintergrund hatte, war er einfach sehr, sehr erfinderisch und wusste bestimmt, dass diese übungen unglaublich kräftigend sind. Denn von Anatomie hatte er mit Sicherheit auch eine Ahnung. Aber was das jetzt Neuromuskular bedeutet – im Sinne neuerer Erkenntnisse, also dass sich z.B. Knorpel, der abgeschoben ist, wieder aufbaut – das wusste er bestimmt nicht.

Nochmal zu der Weiterentwicklung: Wenn er damals nur den Cadillac und den Reformer hatte, gibt es denn nun wesentlich mehr Geräte?

Kerstin: Nein, es sind im Grunde immer noch die gleichen wie früher. Es gibt eine neue Form des Reformers, die heisst Alegro und ist aus Eisen. Alegro ist zusammenklappbar und tragbar, da können dann mehrere Leute zusammen trainieren. Aber ansonsten sind es die gleichen Geräte. Es gibt auch ein Kombigerät, wo man beide in einem hat, aber das ist eben nur Platz sparend.

Ist es dann tatsächlich so, dass von den 500 Pilatesübungen alle auch heute noch gelehrt werden? Oder gibt es da welche, die man nach heutigen Erkenntnissen nicht mehr macht, weil vielleicht der unterste Bauchmuskel toll trainiert wird, aber die Belastung der Wirbelsäule extrem ist. Es soll Orthopäden geben, die sagen, dass einige dieser Übungen „schädlich“ sind.

Kerstin: Mir ist keine bekannt. Man macht ja entsprechende übungen erst dann, wenn man entsprechend aufgebaut hat. Das ist ja grade ein wichtiger Aspekt, dass die übungen eben gut sind. Und eben nicht schädlich – wie gesagt: ich kenne keine. Es gibt Konterindikation bei Nackenproblemen, Osteoporose oder Schwangerschaft. Da gibt es übungen, die man dann nicht machen darf.

Wie hast du denn die Pilates Methode kennengelernt?

Kerstin: Ich hab das auf Maui kennengelernt. Damals hab ich viel Tanz gemacht, bin eigentlich von Beruf Sport- und Gymnastiklehrerin. Ich lernte eine Frau kennen, die die Pilates-Methode unterrichtete, und war fasziniert davon. Weil alles total logisch war und so effizient. Zuerst hab ich die Bodenklasse gemacht und fand die schon klasse. Später nahm ich dann auch bei ihr Einzelunterricht an den Geräten.

Da warst du also selbst Schülerin auf Maui.

Kerstin: Ja.

Währendessen hat dich das dann so fasziniert, dass du beschlossen hast, es selbst zu lernen, um es zu lehren.

Kerstin: Genau. Mir wurde dann das Physical Mind Institute in San Francisco empfohlen, und dort ging ich dann hin und machte eine Ausbildung.

Wie lange dauert so eine Ausbildung?

Kerstin: Bei uns hat die zwei Jahre gedauert, an Wochenenden, wobei ein Grossteil Praktikumsstunden sind – zugucken, mitunterrichten…

Das ist dann aber schon eine echte zweijährige Ausbildung, nicht nur einmal die Woche… man verbringt dort sehr viel Zeit.

Kerstin: Ja, erst kommt die Anatomie, dann die Wochenendkurse, um neue Techniken zu lernen und die zu integrieren und vor allen Dingen auch unterrichten zu lernen. Und das auch an verschiedenen Leuten zu sehen.

Aber dann hattest du ja auch schon viel Vorwissen….

Kerstin: Zu der Zeit hab ich modernen Tanz und Sportmedizin an der Uni unterrichtet. Ich bin eigentlich staatlich geprüfte Sport- und Gymnastiklehrerin. Und meine lange Unterrichtserfahrung, die ist auch wichtig, glaube ich.

Gibt es denn Einrichtungen wie das Physical Mind Institute auch hier in Deutschland oder Europa? Und was qualifiziert so eine Einrichtung für eine gute Ausbildung?

Kerstin: Erstmal natürlich das Lehren der 500 übungen, und das Praktizieren ist auch sehr wichtig. Zunächst ist wichtig, dass jemand, der es lernen möchte, selber lernt. Es war bei meiner Ausbildung Voraussetzung, dass man so und so viele Einzelstunden hatte, um das selber zu können. Das ist die Grundvoraussetzung, um es unterrichten zu können. Anatomische Kenntnisse auf jeden Fall, physiotherapeutische auch. Alle präventiven Sachen, wann Dinge kontraindizierend sind, man übungen also nicht machen darf, Sicherheitsvorkehrungen, und am allerwichtigsten ist, mit einem guten Lehrer zusammenzuarbeiten.

Gibt es denn solche Schulen hier?

Kerstin: Es gibt Polestar, die ausbilden – die sind in ganz Deutschland verteilt. Die sind relativ teuer für das, was sie bieten, wie ich finde. Die Qualität ist gut, wobei sie bis jetzt noch keine Assistenzstunden dabei haben.

Was sind Assistenzstunden?

Kerstin: Dass bedeutet, bei einem erfahrenen Lehrer mitzuunterrichten.

Gibt es nur Polestar?

Kerstin: Es gibt noch Stott-Pilates aus Kanada. Die kenn ich auch aus Amerika und weiss, dass sie ziemlich gut sind. Die haben die Assistenzstunden als Vorschrift.

Das heisst, wenn man nun hier irgendwo in Deutschland sitzt und sich denkt: ‚Das ist ja eine tolle Sache…‘, ist es ja relativ schwierig, einen vernünftigen Lehrer zu finden. Anders gefragt: Woran erkennt man den qualifizierten Lehrer oder Kurs? Wenn man die Presse ein wenig verfolgt, ist es ja auch ein bisschen trendy, und viele wollen da bestimmt auf den Zug aufspringen und sagen dann auch, dass sie Pilates Training anbieten. Deine Vorbildung plus 2 Jahre Ausbildung – sowas lernt man doch nicht mal eben in ein paar Wochenendseminaren…

Kerstin: Es genügt ja nicht, die übungen zu lehren, es muss ja auch jemand dabei sein, der einem zusieht und dann notwendige Korrekturen durchführt. Mit ein paar Wochenendkursen kann man es bestimmt nicht lernen. In den Fitnessstudios werden ja auch meist diese Bodenklassen (also Pilates-übungen ohne Geräte, sozusagen Pilates-Gymnastik) angeboten. Die Geräte zu erlenen schafft man nicht mal eben so, selbst wenn man alle übungen gezeigt bekommt. Um die alle zu können, muss man sie erstmal selbst erfahren, und dazu braucht man einen Lehrer.

Und dann kann man sie auch erst unterrichten. Einen guten Lehrer erkennt man daran, dass er eine fundierte Ausbildung entweder bei Polestar, Stott Pilates oder Physical Mind gemacht hat und die anderen Kriterien erfüllt, dass er also selbst lange gelernt hat.

Die Frage an einen potenziellen Lehrer wäre also:  „Wie lange machst du denn selbst schon Pilates, und wo hast du deine Ausbildung gemacht?“

Kerstin: Ja. Wenn ich mir vorstelle, ich bin Schüler, was will ich noch von meinem Pilates Lehrer, dann wäre es, dass er ganz viel sieht. Dass er sieht, was man falsch macht, und das korrigieren kann.

Es läuft sehr viel über Einzelstunden, und die sind ja – genau wie andere Einzelstunden – ziemlich teuer. Ist es dann noch teurer, wenn man die Ausbildung macht?

Kerstin: Die Ausbildung selbst ohne meine vorherigen Einzelstunden… Ich glaube, so ein Wochenende hat 250 US $ gekostet. Es war nicht jedes Wochenende das ganze Jahr durch. Ich weiss es nicht mehr so genau. Für mich war es eben günstig, weil ich in San Francisco gewohnt habe. Viele andere sind dann da hingeflogen, mussten dort im Hotel übernachten…

Leider bezahlt die Krankenkasse das Pilates Training nicht, sondern schickt die Leute lieber in die Krankengymnastik.

Kerstin: Bis jetzt wird es noch nicht bezahlt. Ich habe eine Schülerin, der es bezahlt wird, aber die ist Dänin. Dort bezahlt das die Kasse.

Glaubst du, dass sich das hier irgendwann ändern wird?

Kerstin: Das denke ich schon. In Amerika zahlt es auch die Kasse. Wenn man andererseits sieht, dass alles gekürzt wird und die Leute immer mehr selber zahlen müssen…

Was für Kundenkreise hast du jetzt? Laufen hier nur Tänzer rum? Ist das nur ein Sport für Wohlhabende?

Kerstin: Bunt gemischt würde ich sagen, deutlich mehr Frauen als Männer. Männer kommen nur, wenn sie Schmerzen oder Verletzungen haben, Frauen auch aus Fitness-Gründen aber natürlich auch wenn sie Schmerzen haben oder nach Verletzungen. Ich hab Leute vom Theater, die speziell deswegen kommen, weil sie Pilates kennen und jemanden suchen, der das gezielt macht. Andere hören es von ihren Freundinnen, weil es ja auch figurstraffend ist, und wiederum andere brauchen es für ihren Gesang oder ihre Bildhauerei oder Tennis….

Trainierst du denn selbst auch?

Kerstin: Ja, ich trainiere auch, weniger als ich eigentlich sollte. ‚Ne Stunde Pilates die Woche auf jeden Fall.

Warum hast du es gelernt und warum willst du es lehren – weil man damit viel Geld verdienen kann?

Kerstin: Unter anderem auch, weil es kinderfreundlich ist, weil ich es gut integrieren kann als Selbstständige mit meiner Kinderbetreuung. Weil ich gern mit Leuten im kleinen Rahmen arbeite, die motiviert sind. Anders als bei Krankengymnasten – wie meine Eltern das immer wollten.

Aber wenn da schon jemand hinkommt und eigentlich denkt, dass es eh nichts bringt, und es nur macht, weil der Arzt es verschrieben hat, dann bringt das auch längst nicht soviel, wie wenn man es ganz bewusst macht, es ernst nimmt und die innere Einstellung hat – eben auch langsamer zu werden und bewusster. Zu gucken was der Körper macht… Ich arbeite lieber in einer kleinen Gruppe, als mit 20 Leuten in einer Aerobic Klasse.

Es gibt doch bestimmt auch Bücher zum Thema. Kann man das nicht aus einem reich bebilderten Buch lernen, in dem die übungen gut beschrieben sind?

Kerstin: Nein, weil die übungen aus einem Buch – meines Erachtens zumindest – nicht gelernt werden können. Sie sind sicher ein guter Begleiter, wenn man Pilates schon verstanden hat. Aber selbst ich mit meinen Wissen schau mir die Bücher an und denke mir „Nie im Leben könnte ich die übungen vom Buch lernen“.

Weil es wichtig ist, dass jemand dabei ist und guckt, ob ich das richtig ausführe, und gerade jemand ohne Vorkenntnisse gar nicht beobachten kann, ob er das Becken neutral hat, ob er den Transversus einbindet, ob die Atmung stimmt, ob die Rippen tief sind, ob die Schulterblätter nach unten gerichtet sind… Das geht nicht, höchstens als Begleitung.

Wieviele Stunden muss man denn nehmen, bis man die Grundvoraussetzungen hat, um mit dem Buch weitermachen zu können? Oder muss man sein Leben lang Einzelstunden nehmen, und wenn man dann aufhört, war alles „umsonst“?

Kerstin: Nein. Ich denke, wenn man die Grundprinzipien verstanden und integriert hat, kann man sie auch auf andere Sportarten anwenden, kann auch ab und zu mal Pilates machen. Es kommt ganz darauf an. Einige begreifen es schneller als andere. Es hängt auch davon ab, wie man in sich reinspüren kann. Ich würde mal sagen, man braucht zwischen 15 und 30 Einzelstunden.

Das ist fast ein Jahr. Wie oft soll man Pilates trainieren?

Kerstin: Dreimal die Woche ist optimal.

Und dann immer nur eine Stunde? Oder kann man da gleich ein paar Stunden machen? Wird da von Pilates etwas vorgeschrieben?

Kerstin: Es ist mir nicht bekannt, dass er das gesagt hätte, ich weiss nur, dass seine originalen Trainingspläne auch immer nur eine Stunde gingen. Meiner Ansicht nach reicht eine Stunde. Es ist hohe Konzentration, weil man ja alles sehr bewusst macht und da nicht so rumdödelt und Fernsehen guckt, wie beim Spinning zum Beispiel. Das Ganze soll sich ja auch erstmal in den Körper integrieren – deshalb ist auch die Ruhephase sehr wichtig.

Du hast grade den Trainingsplan erwähnt. Oftmals gehen solche Pläne einher mit einer bestimmten Einstellung. Gab es dazu vielleicht auch einen Ernährungsplan oder einen Gesinnungsplan – oder ist das rein auf die übungen beschränkt?

Kerstin: Pilates hat sein Ding auch Philosophie genannt, hat da auch das eine oder andere erstellt: „Von Innen nach Aussen“ – so wie in Yoga auch. Er hat u.a. gesagt: „Nach 10 Stunden spüren sie den Unterschied, nach 20 Stunden sehen sie den Unterschied, und nach 30 Stunden haben sie einen neuen Körper.“ Wenn das nichts ist … (lacht)

Wo findet man gute Infos, wenn man sich für Pilates interessiert?
Kerstin: Im Internet gibt es das Pilates Studio Verzeichnis Deutschland, wo nur lizensierte Trainer aufgelistet werden. Dann auf jeden Fall bei Polestar, die haben auch Links zu verschiedenen Geräteherstellern, Workshops und Kursen. Und auch bei Stott-Pilates.

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Interview: dolf

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