Dezember 2nd, 2019

FAIRY LIGHTS aus # 190, 2018

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„Der Name Fairy Lights entstand, als ich einen Artikel über einen Typ in England las. Er verwendete seine Weihnachtsdekorationslichter in der Form eines Penis vorne auf seinem Haus, um seine Nachbarn zu ärgern“

Interview mit THE FAIRY LIGHTS

Ich bin nicht gut darin, neue unbekannte Bands zu entdecken und das auch noch beurteilen zu können, ob und wie groß dieser Gruppe werden wird. Also, das können echte „Trüffelschweine“ viel besser (unsere früheren Schreiber Daniel und Al konnten das wunderbest!). Was ich aber gut kann, das ist aus bereits bestehenden Sachen neue zusammenzusetzen. Insofern war es auch kein Wunder, dass ich die geile „neue“ Band THE FAIRY LIGHTS deshalb „entdeckte“, weil ich mit ihrem Sänger und Gitarristen Kenny Chambers auf Facebook befreundet bin und er krasse Demo-Songs von just jener Kapelle postete.
Kenny Chambers? Genau, Kenny Chambers!

November 29th, 2019

FUSE AND/FLUID TO GAS/F-Spin Records (#114, 2005)

Posted in interview by Thorsten

FLUID TO GAS

Diese Band und Trust passen wie die Faust aufs Auge. Der guten Musik gewidmete. leidenschaftliche, lange tot geglaubte, vom DC-Spirit inspirierte Individualisten, die immer weitermachen, sich aber auch versuchen immer weiter zu entwickeln. So verwunderte es mich kaum, als mich Anfang des Jahres Oise von Là Par Force fragte ob es Fluid To Gazi immer noch gäbe. Fatzo lacht auf Grund des subtil gemachten Vergleichs. Es sei nicht so, als ob er versuche Fugazi zu imitieren, aber dennoch habe er bei deren Musik ein so überwältigendes Gefühl, dass er dieses auch haben will, wenn er selbst Musik macht. Seit 1994 gibt es die krachige, energiegeladene Band aus dem Umfeld des Bonner Revolution Inside Labels (RIP).

November 29th, 2019

NO GAMES INVOLVED (#108, 2004)

Posted in interview by Thorsten

Wenn man in New York unterwegs ist, kommt es nicht gerade selten vor, dass einem irgend jemand irgend etwas andrehen will. Meist geschieht dies in der u-bahn. „batteries one dollar – batteries one dollar“ klirrt es einem ungefähr alle 15 minuten mit schrillem asiatischen akzent in den ohren. 5 minuten vorher sind meist die kids da, um mit ihren dollar candies noch ein weiteres, tausendstes schulbasketball team auf die beine zu stellen. Manchmal trifft man auch schreiberlinge, die ihr neustes poetry werk feil bieten, selbstverständlich mit widmung, dass wahre schönheit und wirklicher sprachwitz nur in der u-bahn zu finden seien – fuck bowery ballroom. Tja, also batterien brauche ich nicht und für candy bin ich mittlerweile auch zu fett. Mit anderen worten: mit mir ist kein sonderlich guter schein zu machen. Und das eine mal, als ich weich wurde und ein buch gekauft habe, kam, oh überraschung, nur dünnes dabei heraus.

November 29th, 2019

DISCO DRIVE (#115, 2005)

Posted in interview by Thorsten

Ist das verwunderlich, dass eine Band namens Disco Drive tanzbare Musik macht? Oder ist es nicht eher verwunderlich, dass sich die gleiche Band mindestens genauso stark auf Dischord bezieht? Auf den tanzbaren Teil jedenfalls, Q And Not U nämlich, El Guapo und mit Abstrichen vielleicht noch auf Black Eyes. Nein, natürlich verwundert das nicht, und es funktioniert sogar sehr gut, wie auf dem Debüt-Album „What’s Wrong With You, People?“ zu hören ist.

November 25th, 2019

YEAH YEAH YEAHS aus #136, 2009

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YEAH YEAH YEAHS

In dem wohl klamaukigsten Rock’n’Roll Film aller Zeiten, Josy & the Pussycats, lässt deren durch und durch unsympathischer Manager Wyatt sich über die Erfolgsgeschichten verschiedener Namensgebungen aus. Alan M. rät er die Abkürzung seines Nachnamens zu unterlassen, das hätte schon Sheila E. geschadet. Die Prince-Schlagzeugerin ist aber meiner Meinung nach ebensowenig in Vergessenheit geraten, wie die mysteriös inszenierte Frontfrau der New-Yorker Band Yeah Yeah Yeahs, Karen O., die sich spätestens mit dem Hit ‚Rich‘ in die Herzen aller avantgardistischen Garagenfans sang.

November 24th, 2019

NERVOUS BREAKDOWN aus #150, 2011

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Trust: Black Flag mit Reyes, Keith Morris, Rollins oder Dez?
Nervous Breakdown: Sean Connery!

Interview mit Nervous Breakdown

Carsten Herder, Ruhrpott-Fanzine-Multiplayer, feierte mit sechs Bands eine spitzen Geburtsagsparty in Münster. Besonders die Hamburger Punkband Yacopsae überzeugte wieder mal mit ihrem absoluten musikalischem Abriss, dazu spielten Chuck Damage auf, gefolgt von den Dänen von Love Potion, die mit ihrer Version von japanischen Hardcore auch gefielen. Die neue Band von Jobst und Nagel namens Blood Robots hatte ihren zweiten Gig ever und Idle Hands gaben ihren letzten Auftritt.

November 24th, 2019

ABC NO RIO aus #184, 2017

Posted in interview by Jan

Trust: Denkst du, dass eure ganze Unternehmung erfolgreich war (und ist), ihr also wirklich einen unkommerziellen, friedlichen und alternativen Ort in der New Yorker-Underground-Bewegung geschaffen habt?
Auf jeden Fall, ABC NO RIO war darin sehr erfolgreich. Es war natürlich schockierend, dass man jedem eigentlich völlig selbstverständliche und einfache Dinge wie „keinen rassistischen, homophoben oder sexistischen Bullshit“… sagen musste. Aber seitdem denke ich, dass unsere Haltung wirklich beispielhaft für viele andere Projekte in New York und auch in den USA wurde, sogar außerhalb der Punk-Welt. Unglücklicherweise ist es immer noch wichtig, solche oben genannten Dinge zu betonen, gerade angesichts der momentanen politischen Lage in den Staaten.

Zur aktuellen Situation vom ABC NO RIO in New York City

Wir befinden uns im Jahre 2017 nach Vinnie Stigma. Ganz Manhattan ist von den Gentrifizierern besetzt… Ganz Manhattan? Nein! Ein von unbeugsamen Aktivisten bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Gentrifizierern Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Gentrifizierer, die als Besatzung in den befestigten Lagern Uptown-, Midtow- und Downtown-Manhattan bzw. West Side liegen…

November 22nd, 2019

HILLSIDE (#103, 2003)

Posted in interview by Thorsten

Vom Emo zum INDIEROCK?

Pfeifend ertappe ich mich dabei, mit hoher Geschwindigkeit einen 190er Mercedes zu überholen. Ich bin auf dem Weg von Hamburg nach Münster. Die A1 ist an diesem Sonntag frei von störenden LKW und ich kann das neue Album von HILLSIDE „You and me, baby„, über meine vollkommen überforderte linke Lautsprecherbox, Autobahn testen.
Nach gut 2,5h Autofahrt, komme ich in der veregneten westfälisch-studentischen Fahrradmetropole an. Ich treffe mich an diesem Abend mit Sänger und Gittarist Hans sowie Schlagzeuger Michael vor der HILLSIDE-Heimspiel-Location, dem Gleis 22. Am Abend des 17.8.2003 stellen HILLSIDE der Öffentlichkeit ihr neuestes Album „You and me, baby„ dort vor. Die Band spielt zusammen mit THE NATIONAL ANTHEM und MIRACLE OF 86, das Gleis ist schön gefüllt, ohne aus den Nähten zu platzen. Nach ihrem Auftritt sind Hans und Michael sichtlich relaxt. Zufrieden mit der Show beantworten beide freundlich meine Fragen.

November 22nd, 2019

MUSICAL TRAGEDIES (#110, 2005)

Posted in interview by Thorsten

MT Undertainment

Musical Tragedies? Empty Records? Doc Wör Mirran? Joe Raimond? Kaum jemand, der sich für Independent Musik interessiert ist nicht mindestens auf einen dieser Namen gestoßen. Zum zwanzigsten Jubiläum und weit über 500 Releases wurde es Zeit, ein bisschen Klarheit zu schaffen. So kam an einem tristen End-Oktober Tag Joe Raimond auf Kaffee und Klatsch nach Frankfurt um die Welt, in der es sich um die Buchstaben „M“ und „T“ dreht zu erklären.

November 15th, 2019

FAMILY MAN aus #151, 2011

Posted in interview by Jan

BORIS
Say Cheezu!

Boris, wie der Song vom „Bullhead“-Album der Melvins, genau. Soviel ist bekannt. Die drei Japaner, die sich diesen Namen geborgt haben – Gitarristin Wata, Leadsänger und Bassist Takeshi sowie Drummer Atsuo – haben hingegen schon etwas Mythisches an sich. Sie stehen als Superfuzz-Ikonen im Farbenwirbel, plätten einen mit ihren Sechzehntonnern zu Flundern und hüllen sich ansonsten gern in Schweigen. Ist ja auch nicht verkehrt: die Musik für sich sprechen lassen und so. Trotzdem freue ich mir ein Loch ins Knie, als die Plattenfirma nicht nur die gesamte Band zum Interview ankündigt, sondern mir auch noch einen Übersetzer zur Seite stellt… nur damit Wata und Takeshi – wie üblich – Atsuo vorschicken, als denjenigen, der vorgeblich einigermaßen Englisch kann, um dann doch keins zu können – oder zumindest nur sehr selektiv, bei Themen, die ihn interessieren.

November 15th, 2019

FAMILY MAN aus #151, 2011

Posted in interview by Jan

„Our Jazz“ ist meine Version von Feminismus. „All-embracing girl-boy equality“… Außerdem natürlich inspiriert von HUGGY BEAR.“

Interview mit FAMILY MAN

Ihr müsst, wenn ihr euch für das Interview mit FAMILY MAN interessiert, jetzt leider durch diese lange Einleitung hier durch, aber es lohnt sich, mal wieder den Kontext auf „früher“ vs „heute“ zu legen, weil das Einfluss auf die qualitative Bewertung von neuer Musik hat. Denn vielleicht habt ihr es ja gemerkt, in letzter Zeit habe ich neben alten „Helden“ auch stärker den Fokus auf neue Bands gelegt, es ist ja nun nicht so, dass ich immer nur 80er Jahre und das Beste der 70er höre.

November 15th, 2019

PETTYBONE aus #148, 2011

Posted in interview by Jan

„Pettybone is the voice of the voiceless / Pettybone is the voice of the oppressed / The sound of revolt for all those that were told they’re useless / For all those who lost their youth in the Process / For all the kids that believe in their dreams but the fucked up system cut their Wings / For all those living in poverty on the edge with (in) sanity / For all the vagabonds and homeless /For all the women who fight for freedom and Respekt /For all the immigrants trying to make their way through the London streets /For all the sisters and brothers in need /For all the truth seekers… You have a voice (cuz) Another world is possible…“

The Sound Of Revolt: Interview mit PETTYBONE

Nein, es sind keine Rechtschreibefehler und ist kein Interview mit dem Bruder von Greg Ginn, Raymond Pettibon, dem wahnsinnigen Black Flag/ SST Covermaler. Pettybone nennt sich eine sau coole und ganz neue „all female crust noise punk“-Band aus London (wir werden über diese Hervorhebung „Frauenband„ noch im Interview reden). Über ein Review im Maximum RocknRoll bin ich auf sie aufmerksam geworden, hörte mir ihre Songs an und lass mir die Texte durch, geil. Es gab vor zwei-drei Jahren mal die finnische all girl Band KATRINA auf Campary Records, die Sängerin war auch mal bei unserem Frankfurter Trust Stammtisch dabei, da hatte ich mich schon geärgert, kein Interview gemacht zu haben.

November 14th, 2019

BOYSETSFIRE (#103, 2003)

Posted in interview by Thorsten

„Wir werden oft als Sellouts dargestellt, doch was tut das zur Sache, auf welchen Label wir sind, wenn es wirkliche Probleme auf der Welt gibt?“

An Stagnation sind Boysetsfire wirklich nicht interessiert: Nachdem ihr Album „After The Eulogy“ szeneintern überaus erfolgreich war, erschien in diesem Jahr mit „Tomorrow Comes Today“ ein Album, welches einigen Fans vor den Kopf stieß: Der Hardcore-Vibe früherer Tage ist größtenteils einem melodiösen Rocktouch gewichen und auch inhaltlich widmeten sie sich verstärkt persönlichen Inhalten, anstatt den konkret politischen Weg weiterzustampfen. Eine zusätzliche Veränderung innerhalb der Band stellte der Wechsel am Bass dar, der zuletzt in Berlin lebende Deutsche Robert Ehrenbrandt ersetzte Rob Avery. Vor ihrem Gig in der Berliner Columbiahalle befragten wir den neuen Bassisten Robert sowie den Gitarristen Chad Istvan.

November 14th, 2019

NORTH OF AMERICA (#101, 2003)

Posted in interview by Thorsten

Brüder und Schwestern

Aus irgendwelchen Gründen haben wir uns hier im Heft außerhalb des schmalen Rahmens von Plattenrezensionen noch nicht recht mit dieser Band befasst, die doch eigentlich definitiv das Zeug zur Trust-Konsens-Band hat, nicht zuletzt, weil hier das manche immer noch erschreckende Gespenst des Ausverkaufs bislang nicht gesichtet ward. Trotz aller Vergleiche mit At The Drive-In und anderen erfolgreichen Bands aus der Postcore-Welt. Wahrscheinlich wird auch „Brothers, Sisters“ die Verkaufsstrategen nicht auf den Plan rufen. Trotz allen Pop-Appeals, den die neuen Songs verströmen. In diesem Sinne ist „Brothers, Sisters“ sicherlich das beste NOA-Album bislang, indem es die Post-Hardcore-Energie, die die Band auf den letzten Alben gewonnen hat, mit der Pop-Sensibilität der früheren Platten vereint.

November 14th, 2019

KRIEGSHÖG aus #139, 2009

Posted in interview by Jan

Interview mit KRIEGSHÖG (Tokio, Japan)

Hey, normalerweise sind wir vom Trust ja die Leute, die die Hypes lostreten (ha ha), aber im Falle KRIEGSHÖG ist dem Maximum RocknRoll Fanzine in seiner Dezember Ausgabe 2008 nur zuzustimmen: Die EP „Hardcore Hell“ der japanischen Band KRIEGSHÖG ist einfach mehr krass, mehr geil, mehr wahnsinnig, mehr HC… als vieles andere und zu Recht eine der Topplatten des Jahres 2008. Heartfirst Records aus München presste die Single nach und über Flo vom Label entstand (danke!) dann der Kontakt zu Kriegshög-Sänger Masaki, der die Fragen von mir und Matze aus dem fernen Tokyo (relativ gemächlich) schlussendlich im September 2009 beantwortete. Die Band verfügt über keine Internet- und myspace-Seite, ich glaube, das ist in Japan voll das Protestding. Anyway, bitte die Band sofort nach Europa einfliegen!!!

November 7th, 2019

BLACK HEART PROCESSION (#97, 2002)

Posted in interview by Thorsten

Was war das für ein Samstag vormittag: Eigentlich wollte ich gerade raus, einkaufen gehen, als ein Päckchen von der „Efa“ kam. Der Inhalt: unter anderem die tolle Dischord-Box, aber auch die neue CD von Black Heart Procession. Natürlich bin ich Zuhause geblieben, um mich durch all die CDs zu hören. Doch während die Dischord-Box natürlich so klang, wie man es erwartete, wusste ich mit ‚Amore Del Tropico‘ von Black Heart Procession erst nicht so richtig was anzufangen. Natürlich ist die Platte noch düster, aber nicht mehr annähernd so wie früher. ‚Did You Ever Wonder‘ ist sogar ein richtiger, kleiner Indierock-Hit (Indierock mal positiv gemeint), und anderswo lassen sich Salsa oder andere südliche Musikeinflüsse heraushören. Das sind nicht die Black Heart Procession, die wir kannten. Trotzdem war die Platte faszinierend genug, dass sie bis zum Sonntagabend ein halbes Dutzend mal lief – auch wenn ich nicht recht wusste, ob ich die CD mag. Mittlerweile weiß ich es. Aber jedem BHP-Fan, den ich das Album seither vorgespielt habe, reagiert ähnlich wie ich.

November 7th, 2019

MIGHTY MIGHTY BOSSTONES (#99, 2003)

Posted in interview by Thorsten

Ein kalter Oktobertag in Hamburg. Der Regen wird uns vom Herbstwind der Hansestadt ins Gesicht geblasen. Kaputte, von der Abhängigkeit gekennzeichnete Junkiegesichter nehmen uns desinteressiert war, während wir die Fixerstube in Hauptbahnhofsnähe passieren. Unser Ziel, die Markthalle, ist nun in Sichtweite, von Weitem signalisiert uns das rote beleuchtete Logo des Clubs den Weg. Am Abend des 16.10.2002 sollen hier die Mighty Mighty Bosstones auftreten, vorher, ein paar Stunden nur vorher, gibt uns der seltsam gelaunte Dicky Barrett die Ehre und plaudert über George W. Bush, seine Band und den aktuellen Longplayer „A Jacknife To A Swan“.

November 6th, 2019

PRANK RECORDS aus #160, 2013

Posted in interview by Jan

HC-Punk in Groll-Dur: PRANK RECORDS

„Well the concurrent theme of almost anything I put out, and it’s maybe not so much in records I’ve licensed, but that the music is generally really angry, Signal Lost sounds nothing like Iron Lung or His Hero is gone, but there’s a consistency in the theme. I also do feel at the same time, it has to be in the socio-political framework of the broader scene Prank’s involved with. I’d like to think of it as more innovative and like to choose bands that push and extend the barriers of what Hardcore punk can be, but there’s a lot of caveats. There’s plenty of interesting experimental / Mysterious hardcore in the last five or six years but a lot of it sits outside the ethics, meaning or community Prank wants to be a part of.“

Hero is Gone waren Mitte der 90er eine sehr intensive live Band, die in Leverkusen in der Kolbergerstraße vor 25 Leuten ein absolutes dunkel-düster Inferno präsentierten. Oder letztes Jahr Tragedy in Esslingen. Mögen Sie eigentlich His Hero is Gone? Christ on Parade? Wie steht´s Guyana Punch Line und Signal lost? Dann bleiben sie dran. Matze und ich interviewten Ken von Prank Records aus San Francisco. Er macht beim MRR mit, war Booker in der 924 Gilman in Berkeley und arbeitete bei dem Punkvertrieb Mordam in der Bay Area. Ich möchte hinzufügen, dass es zurzeit wieder richtig Spaß macht, Musik etwas mehr nach dem Labelnamen zu kaufen, ich denke da an Not Not Fun, Thrill Jockey, Streaks und selbstverständlich Prank.
(Jan)

November 6th, 2019

Postford aus #197, 2019

Posted in interview by Jan

Mehr als nur Punk
Interview mit Postford

Kann sich noch jemand von Euch an die Zeit erinnern, als Platten innerhalb der DIY-Punk-/Hardcoreszene mit einem Haufen von politischen Texten herausgebracht wurden? Mit Beginn der Kommerzialisierung von Hardcore Ende der 90er Jahre wurde das zunehmend weniger. Heute kommt es immer seltener vor, dass Bands aus dem DIY-Kontext eindeutig und unnachgiebig politisch Position beziehen. Vielmehr geht es häufig darum, so die kritischen Stimmen innerhalb der Szene, etwas darzustellen, eine Show aufzuführen. Die Musikerinnen und Musiker nutzen Musik nicht um sich politisch auszudrücken.1 So manche Band ist auch in meiner Wahrnehmung ein bloßer Abklatsch von dem, was bereits da war. Nicht selten erscheinen Releases sogar ohne ein Textblatt. Man könnte meinen, es ginge einfach nur um einen Sound, der erreicht werden soll. Und natürlich um die Show.

November 6th, 2019

SunnO))) aus #197, 2019

Posted in interview by Jan

SUNN O)))

Weiß der Herr, was hab’ ich dank Sunn O))) nicht alles erlebt: das sich verfärbende Gesicht meines Bruders, als eine geschmeidige 50 Hz-Frequenz die Membrane seiner Lautsprecher loswobbelte (“wop-wop-wop”, flatterte es noch nach)… Meine Hosenbeine, die im Schalldruck wehten, als Sunn O))) mit Attila Csihar (in seiner Paraderolle als allwissende Müllhalde) auf “Monolyths & Dimensions”-Tour waren… Diverse Trips durch Europa, um diverse Sideprojects zu sehen, vom Geschrabbel von Æthenor bis zu Tanztheater mit KTL…

20 Jahre mit einer Band, die von einem akustischen Forschungsauftrag zum nächsten dröhnt – und eine Zeitspanne, in der ich Sunn O))) zu fast jeder größeren Veröffentlichung interviewt habe. Nur: das war immer am Telefon, nie “face to face”. Wie blöd ist das denn, bitte? Okay, ging halt nicht anders: die Deadlines, die Vorläufe; ihr versteht.

Aber diesmal, ha!, dachte ich. Wenn sie das erste Mal in meiner Stadt sind. Tourauftakt in Frankfurt, Baby, mit dem neuen, funkelnd schönen Album “Life Metal”. Doch daraus wurde nix; face2face in FFM abgesagt, weil sie einen extra langen Soundcheck gebucht hatten. Also doch wieder nur Phoner. Und ich so: “Ohhhhh die Herren Künstler, ouuuh, extra langer Soundcheck… SCHMOLL.”

November 6th, 2019

GUNNER RECORDS (+Bug Attack/No Weather Talks/Cold Cold Hearts/Wolves & Wolves & Wolves & Wolves/Die Bullen) aus # 182, 2017

Posted in interview by Jan

Zugegeben, Gunnar Christiansen wohnt nur zehn Minuten Fußweg von mir weg. Früher haben wir sogar in der gleichen Kneipe in Bremen aufgelegt, ohne dass ich ihn kannte oder von seinem Label etwas wusste. Auf Gunner Records bin ich erst aufmerksam geworden, als mir aus einer Plattenhülle ein bunter Flyer entgegenfiel auf dem neben einer Liste mit Veröffentlichungen auch die Postleitzahl 28203 notiert war, meine eigene. Das ist bestimmt sechs Jahre her. Gunner Records gibt es noch länger. Seit diesem Herbst ganze zehn Jahre. Das wurde im September mit fünf Bands, auf einem kleinen Labelfestival gefeiert, die an dieser Stelle alle zu Wort kommen, genau wie der Labelchef.

November 6th, 2019

HAZELWOOD VINYL (#153, 2012)

Posted in interview by Jan

„Ich schaue gerne Filme, aber schaue jetzt zum Beispiel nicht nur Horrorfilme (da gibt es eh nur 1-2 gute). Ich bin Film-Fan, ich mag gute Filme. Wenn ich nur Horrorfilme schaue, dann bin ich Horrorfilme-Fan, aber ist das was ganz anderes, als Film-Fan zu sein, verstehst du?…Genauso ist es mit Musik. Nur ein Genre ist langweilig. “

Interview mit HAZELWOOD VINYL PLASTICS

Ihr wisst, dass wir euch vom Trust nur Sachen (Bands, Labels etc.) vorstellen, die wir selber total geil finden. Bei dem Mitte 90er gegründeten Label, Studio, Verlag Hazelwood Vinyl Plastics aus Frankfurt am Main verhält es sich natürlich ebenso. Das Label um Gordon Friedrich und Wolfgang Gottlieb, die ich im folgenden in der Privatwohnung von Gordon Mitte 2011 interviewte, startete vor fast 20 Jahren als SST-Worship Geschichte. Die erste Veröffentlichung direkt Universal Congress Of (UCO).

Oktober 30th, 2019

GARRISON (#96, 2002)

Posted in interview by Thorsten

Garrison sind wieder einmal auf Tour durch Europa und somit Anlaß genug , die Jungs doch mal um ein Interview zu bitten.
Nach zwei Alben und einem Split Release mit Hundred Reasons aus England beehren sie uns mal wieder in Deutschland. Wo das letzte Album noch eher an den Dischord typischen Sound erinnerte, geht das neue Album „Be a riminal“ weitaus konventionellere Schritte.
Immer noch musikalisch unangepasst und stellenweise so nach vorne rockend, dass man sich sofort an Größen wie Drive Like Jehu erinnert und einfach wie dumm durchs Zimmer tanzt, zeugt dieser Release von einer enormen Steigerung. Zusätzlich zeigte sich hier produktionstechnisch J. Robbins verantwortlich und nicht mehr Kurt Ballou wie sonst bei früheren Releases. Der Albumtitel „Be a criminal“ schlägt sich auch in den Texten wieder, wo sie sich hauptsächlich über das Thema auslassen.

Oktober 30th, 2019

MCLUSKY (#96, 2002)

Posted in interview by Thorsten

Ein kurzer, scharfer Schock

Mclusky geben ohne Umschweife zu, welche Wurzeln ihrer stürmischer Rock hat. Andy, Gitarrist und Sänger des Trios aus dem walisischen Cardiff, zählt ohne lange nachzudenken auf: „Die Pixies sind die Band, auf die wir uns alle einigen konnten. Ansonsten Shellac, Gang Of Four, Hüsker Dü, Fugazi, Jesus Lizard, Jesus & Mary Chain, The Fall, Tricky….“
Das ist bis auf Tricky (der auch sonst nicht so richtig passt) allerdings alles schon ein paar Jahre alt… „Stimmt, aber mir fallen keine aktuellen Bands ein, die wir wirklich mögen“, sagt er nach einigem Nachdenken. „…Trail Of Dead sind ganz gut, At The Drive-In auch. ‚Feel Good Hit Of The Summer‘ von Queens Of The Stone Age ist ein toller Song… aber sonst?!“ Das ganze Gerede um die Rückkehr von Rock geht ihnen entsprechend am Hintern vorbei, auch wenn sie es besser finden, wenn junge Leute die Strokes oder die White Stripes hören, als Limp Bizkit.

Oktober 30th, 2019

ERASE ERRATA (#96, 2002)

Posted in interview by Thorsten

Evolution frisst Seele

Anti-bürgerliche Kultur-Revolution versus Evolutionismus:

„Das Feld des Kampfes für die Schaffung einer neuen Zivilisation ist absolut undurchsichtig und charakterisiert von unvorhersehbaren und unberechenbaren Ereignissen. Eine Fabrik, die aus kapitalistischer Herrschaft unter die Arbeitermacht kommt, wird dieselben materiellen Produkte herstellen, die sie heute herstellt. Aber auf welche Weise und mit welchen Formen werden die poetischen Werke, die Dramen, die Romane, die Musik, die Malerei, die Sitten, die Sprachen entstehen? Diese Werke können nicht in der Fabrikationsweise für materielle Produkte geschaffen werden, die von einer Arbeitermacht nach einem Plan organisiert wird, sie kann nicht wie die Produktion für die Befriedigung der statistisch kontrollierbaren und erfassbaren Grundbedürfnisse festgelegt werden. Auf diesem Gebiet ist nichts vorhersehbar, außer folgender allgemeiner Hypothese: Es wird eine proletarische Kultur (Zivilisation) geben, die sich vollkommen von der bürgerlichen unterscheidet. Auch auf diesem Gebiet werden die Klassenunterschiede verschwinden, wie auch der bürgerliche Karrierismus. Es wird eine Dichtung, einen Roman, Sitten, eine Sprache, eine Malerei und eine Musik geben, die charakteristisch für die proletarische Zivilisation sind, Blüte und Schmuck der vom Proletariat geschaffenen gesellschaftlichen Organisation. Was bleibt also zu tun?