März 15th, 2007

MUMBLE & PEG (#79, 12-1999)

Posted in interview by sebastian

„Good old rock. Nothing beats that.“

So nachzulesen im Booklet der aktuellen Scheibe von Mumble & Peg. Gut, darüberl ässt sich streiten, nicht aber darüber, dass wir alle hereingefallen sind. Jene Worte entstammen nämlich ursprünglich einem Dialog zwischen Bart und Lisa Simpson und hat nichts mit Musik zu tun. Tatsache ist ebenfalls, dass jener kleine Ausspruch dem Trio aus Oakland/California fast sogar gerecht wird. Aber eben nur fast.

Warum, das wird hier nun ein wenig erleutert werden, behilflich dabei sind freundlicherweise Erik (voc.,guit.), Matt (bass, keyboards) und Jenia (dr.). Zum einen ist da das Label,Vaccination Records, beheimatet in Oakland/San Francisco, und das steht nämlich ganz und gar nicht für guten alten Rock, sondern betitelte sich vor einigen Jahren noch mit „Rock Against Rock“ und ist eher für sehr eigene, aussergewöhnliche bis verwirrende Outputs bekannt.Da erscheint Mumble & Peg dem Hörer doch noch recht konventionell,ja fast schon altmodisch. Also, warum denn dann ausgerechnet jenes Label?

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Vaccination Records

„Vaccination ist alles, was Dren (McDonald, Oberboss von Vacrec.) gefällt…“erklärt Jenia. „Wir sind alle befreundet und haben alle bereits in anderen Bands verschiedenster Musikstile gespielt, sei es nun art-rock,classic-rock oder Ska usw.“ fügt Matt hinzu. „Im Moment machen wir eben das hier. Unser alter Drummer, Chuck Squier, der früher malbei Idiot Flesh gespielt hat, ist nicht mehr dabei. Er hat die ganze Artwork der CDs entworfen, jetzt ist aber Jenia in der Band und sie ist auch Künstlerin.Anscheinend gibt es da eine Drummer-Künstler-Verbindung, ich könnte dir schon alleine 5 Stück nur aus der Bay Area nennen. Das nächste Album wird dann sie gestalten, denn Chuck möchte einfach mehr Zeit für seine Familie haben.“

Schwenken wir doch mal kurz zum aktuellen Album. Wie schon erwähnt sind ja Mumble & Peg eher dem traditionellen Gitarrenrock zugetan, melancholisch, manchmal düster, mit eher gemässigtem Tempo. Immer wieder dann doch mit einem schrägen Akkord, den eine Durchschnitts-Collegerockband nicht bringen würde, oder einen Songtitel wie „Major Label Hate Mail“. Traurig und gefühlvoll, schon auch mal mit Streichersätzen und Klavier. Wieso ist dann aber auf dem Noisolution-Sampler,durch den die Band überhaupt meine Aufmerksamkeit weckte, das doch für die Drei eher untypisch flotte, heitere (und hitverdächtige) „Hostel“ zu hören? Zwar sehr schön, aber doch ziemlich ungewöhnlich. Warum gibt`s den Song also überhaupt? Ich bin anscheinend nicht der erste, dem das auffällt.

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Der Hit

Erik: „Ich fühle mich schlecht (lacht). Wir waren im Studio und ich musste gehen,weil wir ein Labelmeeting hatten.. Die anderen sollten dann schon mal den Drum`n Bass (…) part für den nächsten Song einspielen.Ich kam also zurück und der Song war doppelt so schnell wie vorher,mehr wie lalala-Sonnenschein-irgendwas. So kam das eben, wir machten dann noch Overdubs, schmissen Stühle durchs Studio, probierten einige Versionen aus, es hat einfach Spass gemacht.

Wenn wir aufnehmen, wollen wir keine endgültige einzige Version eines Songs erreichen, wir lassen uns einfach vom Studio treiben, weiterhin kommt es darauf an, wie wir an diesem oderjenem Tag drauf sind…Wenn wir etwas aufgenommen haben, dann orientieren wir uns normalerweise schon an dieser Version, oder auch nicht, wie z.B. bei „Hostel oder „Rickety Ladder“, das auf der CD nur mit Klavier uns Gesang zu hören ist, live aber mit git., b. und dr.“

Jenia: „Jeder liebt Hostel“.

Matt: „Es ist der Hit. (lacht). Wir haben das live gespielt, langsamer, anders, es ist sehr schwer, dieses Lied auf der Bühne umzusetzen, dazu bräuchten wir Gastmusiker..“.

Erik: „Es hört sich an wie AM Hitradio 19.74 oder so…“

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Die Angst vor der Kelly Family

Es folgt eine thematische Hundertachtziggradkurve hin zu evil rock und Marilyn Manson. Es interessierte mich nämlich durchaus, wie sie die Prozesse gegen jenen selbsternannten Antichrist sehen, dem aktuellen Sündenbock für Gewalt an amerikanischen Schulen, besser gesagt, Kiddies, die ihre Mitschüler abknallen, neben Oliver Stone für seinen Film „Natural Born Killers“. Erik denkt dazu, dass „die Leute vor der Kelly Family wahrscheinlich wesentlich mehr Angst haben, als vor Marilyn Manson. Wer Manson sieht, denkt sich nur, „oh, eine Rockband“, aber bei der Kelly Family kann man wirklich grosse Angst bekommen.“

(lachen)

Matt: „Rock’n’Roll as evil.“

Jenia: „Deswegen gibt es Marilyn Manson.“

Matt:„Es muss immer eine böse Rockband geben, die die Highschools verführt, ihre Mitschüler zu erschiessen. Früher war es Elvis, jetzt ist es…“ (lacht)

Oh, wir haben Rammstein ganz ausser acht gelassen.

Erik: „Das ganze ist so masslos überzogen, wie Kiss anno 1975. Es ist wieder die grosse Bühnenshow, mit Feuerspucken, Kostümen und bonecrushingmetalindustrialcrossover(?…), die so übertrieben schon lange keiner mehr gemacht hat und die Leute lieben eben Shows.“

Etwaige rechte Tendenzen in den Texten sind Mumble & Peg also gar nicht bekannt, wahrscheinlich mögen die Amis einfach die harte deutsch Sprache. Aber gut, weder ich noch die drei halten Rammstein für annähernd wichtig genug, um noch grosse Worte dazu zu verlieren. Ein paar Scherzchen vielleicht, aber das könnt ihr ja auch alle selber. Laut Erik wollen die Leute einfach hässliche Popstars. Der Award für die bessere Pop-Ikone, Madonna oder Manson,ging übrigens ganz klar an erstere….Und da wir gerade bei berühmten Personen waren, wollte ich natürlich noch wissen, ob sie denn Bill Clinton bei der nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahl- angenommen es wäre möglich – ihr Kreuzlein für Onkel Bill machen würden.

Matt: „Ich habe ihn bisher nicht gewählt und würde es dieses Mal auch nicht tun. Warren Beaty wäre mein Kandidat.“

Erik: „Es ist wahrscheinlich besser, einen Idioten wie Clinton zu haben,der wenigstens ein paar gute Ideen hat, die vielleicht nicht umgesetzt werden, O.K., als einen Ex-C.I.A. Mann oder Bush. Die Regierung arbeitet definitiv schneller und härter gegen die unteren Schichten der Gesellschaft und für Firmen und Reiche, wenn ein Republikaner im Amt ist. Man bekommt weniger vom Geschehen mit…“

Matt: „… und bei einem Demokraten wie Bill Clinton liest man nur von seinem Privatleben und wie kaputt es ist…All die guten Ideen und Sachen finden niemals statt. Ich würde mir den ersten unabhängigen Präsidenten in der amerikanischen Geschichte wünschen.“

Tja, leider wissen wir nur zu gut, dass dies Wunschdenken ist und auch erst einmal bleiben wird. Aber vielleicht wird ja auch der nächste Bundeskanzler ein farbiger Transvestit, wir warten gespannt auf das Jahr 2002. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

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Blind Date – oder: „I am remarkably ignorant about dance music“

Klar, ein Blind Date mit einer Band ist nix neues, ganz und gar nicht, aber bisweilen doch sehr interessant und aufschlussreich, besonders, wenn man dann noch auf fanatische Plattensammler wie Erik trifft, der auch in einem Plattenladen arbeitet.

Von daher hatte ich mir natürlich viel davon erwartet, was nicht ganz erfüllt wurde, aber zugegeben, die ausgewählten Hörbeispiele waren teilweise nicht so einfach, fast schon etwas fies. Leider konnte ich – dank überragender Aufnahmequalität…- viele Kommentare der Band nicht mehr heraushören, schade eigentlich. Die Anmerkungen von Scherzkeks Erik liessen sich sowieso auf „Is it WEEN?“ reduzieren,was er prinzipiell bei jedem Song anbrachte…

Aber angefangen hat es miteinen relativ einfachen Beispiel, nämlich… HüSKER Dü / Somewhere (musste ich ihnen verraten)

Matt: „Oh ja, ich habe dieses Album (Zen Arcade) sogar zu Hause, aber ich habe es schon solange nicht mehr gehört, dass ich den Song nicht einmal einordnen konnte. Das macht mich nicht gerade glücklich.“

SCARED OFCHAKA / Straight to the office

Erik: „Das ist Pop.“

Matt: „Ich habe nie so richtig Pop-Punk gehört. Als ich noch jünger war hat quasi jede Highschool-Band solche Musik gemacht, weil es eben „fun as hell“ ist.“

MERCURY REV./ Goddes on a highway

Matt: „Irgendwie habe ich davon keinen wirklichen ersten Eindruck, ich weiss nicht,ob gut oder schlecht.“

Erik: „Dasist eine der Platten, die immer im Plattenladen laufen und ich weiss nie, was es ist.“

TOM WAITS/ (irgendwas von der „Closing Time“)

Erik: „Neil Young?“

(nach diversen Tips und Hinweisen)

„Oh, Tom Waits. Ein Freundvon uns, Andy von Eskimo, spielt auf dem neuen Album bei ein paar Stücken Schlagzeug.“

PIXIES/ Here comes your man (der erste Akkord ist noch nicht verklungen)

Matt: „Pixies.“

(Applaus…)

„Wir haben das Album (Doolittle) erst vorhin im Auto gehört. Jeder in der Band hat das zu Hause.“

Jenia: „Ich denke, dass ist eine der am bestproduziertesten Platten, die es gibt.“

Erik: „Ich mag Surfer Rosa lieber.“

EINSTüRZENDE NEUBAUTEN / (irgendein „John Spencer b.e.“-Remix)

Jenia: „Nice drum sound!“

Matt: „Trio?“

Erik: „Is it Ween?“

TON STEINE SCHERBEN / Mensch Maier

Matt: „Ist das Heino?“

Erklärungen wie Rio Reiser, „destroy what destroys you“ usw. folgen, aber nur Achselzucken bei der Band.“

Wir sollten uns das wohl heute kaufen, hm?“

HERBERT GRöNEMEYER / Männer (noch bevor die Stimme einsetzt)

Erik:“Nena?“

Der Tourbusfahrer aus dem Hintergrund: „Ihr könnt das nicht kennen, weil ihr Peter Maffay nicht kennt und der war grösser.“

„Is it Ween? John Cage?“

(und alle lachen…)

RUBE WADDEL/ intro...

(nach 5 Sekunden)

Erik: „Ist das Rube Waddel?“ (Toll)

HEATH HUNTER/ Revolution in paradise (Dancefloor-Charts No.1)

Erik: „KellyFamily? Tom Jones? D.E.F.? (lacht )I am remarkably ignorant about dancemusic.“

Matt: „Ich mag Jungle oder z. B. Squarepusher.“

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DISKOGRAPHIE:

Mumble &Peg, s/t, 7″ (Vaccination Rec. 1996)

Wondering inVolume, LP/CD (Vac. Rec. 1998)

This UngodlyHour, CD (noisolution Rec. 1999)

Internetadresse:http://www.vacrec.com & www.vacrec.com

(Grosses Dankeschön an Ingo von Flight 13 !)

Interview & Fotos: Christoph Lottes

Links (2015):
Homepage
Discogs

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