März 15th, 2007

MINION (#99, 03-2003)

Posted in interview by sebastian

Vergesst alle Klischees! Nichts ist so wie es scheint, wenn euch morgens der bemützte Postbote die heissersehnte Urlaubskarte eurer fremdgehenden Freundin in den Briefschlitz steckt. Die Wahrscheinlichkeit ist zumindest hoch, dass es sich bei dem Briefträger um ein Minionmitglied handelt.

Wenn der Grossteil der Band mal nicht beruflich mit dem Fahrrad unterwegs ist, geht es derbe zur Sache. Nein, nicht was ihr jetzt wieder denkt! Es werden zwar ärsche versohlt, aber eher in musikalischer Hinsicht. Die fünf Bremer, auch zum Teil verbeamtet bei „Mörser“, haben sich dem selbsternannten (Sport)-Metal verschrieben. Ihr neues Album „Pantera“ ist im Winter auf Beniihana Records erschienen und rockt so derbe, dass selbst Bruce Dickinson hektische Pickel am Arsch bekommt.

Andere Rockbands wie z.B. die „Donots“ wissen ebenfalls um die Qualitäten der Band und scheuen es nicht sie tatkräftig zu unterstützen. Wie gesagt, vergesst alle Klischees! Gitarrist Sven und Sänger DC, waren sich für keine Frage zu schade und standen mir Rede und Antwort.

***

Endlich ist es soweit! Das Interview war ja schon ewig geplant und immer ist etwas dazwischen gekommen. Naja, an Beschäftigung scheint es euch wohl nicht zu mangeln. Erzählt doch mal wie das damals mit MINION losgegangen ist und in welchen Bands ihr Ausserdem noch tätig seid. Man kann ja fast schon von einer riesigen, elitären Familie sprechen.

Sven: Tja, Minion! Fangen wir mal von vorne an würde ich sagen. 1994 haben wir uns bereits gegründet als Hardcore-Cover-Projekt, aber eigentlich nur für eine Show. Wir haben vorher schon in anderen Bands gespielt und zwar bei LCA und Lines, zwei alte Syker Hardcorebands. Alles Schulfreunde!

Dann haben wir halt gemerkt, da muss mehr draus werden und angefangen eigene Lieder zu schreiben. 1997 kam dann die erste Single, auf der allerdings noch viele verschiedene Hardcorestile gespielt wurden. Von Emo bis Grind, Oldschool bis Mosh, alles dabei und das Ganze in sechs Lieder gepackt. Wir wussten damals noch nicht so richtig wohin wir wollen. Wir hatten halt Bock alles zu machen.

Man kann also sagen, dass euer eigentliches Fundament schon Hardcore ist.

Sven: Im Grunde schon, später dann bezogen wir uns jedoch wieder auf unsere eigentlichen Wurzeln. Unsere ersten Platten waren Metal. Ja, Metal war auf jeden Fall zuerst da. Man hat halt mit Hardcore und Punkrock angefangen Musik zu machen. Es war immer so, dass Metal nie wirklich ganz verschwunden ist.

Es ist dann aber schon zunächst in den Hintergrund getreten, gerade weil man dann eine neue Musikrichtung entdeckt hat, die voll nach vorne ging.

DC: Also, ich muss sagen, dass ich bevor ich später bei Minion angefangen habe zu singen, eigentlich nie wirklich Metal gehört habe. Vielleicht ganz früher AC/DC oder Skid Row. Als ich dann bei Minion anfing und Dennis, unser zweite Gitarrist, mir diese Tapes gab, bin ich auf den Metalgesang überhaupt nicht klargekommen.

Wobei man aber auch sagen kann, dass Du als Sänger noch am ehesten den Hardcoreeinschlag mit reinbringst..

DC: Ja, aber unbewusst.

Sven: Der brüllt einfach so gut er kann. Dazu muss man aber auch sagen, dass wir über drei Jahre auf der Suche nach einem geeigneten Sänger waren. Wir waren fast schon am Verzweifeln, weil wir so viele geile neue Lieder hatten, die aber ohne Sänger im Proberaum zu verrotten drohten. Dann haben wir uns sogar mit Anzeigen und Flyern auf die Suche nach einem Sänger gemacht. Das Ganze aber erfolglos.

Auf einmal kam DC ins Spiel. Ich kannte ihn schon ziemlich lange von Konzerten etc. und ich wusste zwar, dass er bei Turnover und Kate Mosh Schlagzeug spielt, wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass er singt. Er, glaub ich, bis dahin auch nicht. Das ging aber von Anfang an total gut, der hat gearbeitet wie ein Tier.

DC: Texte musste ich dann am Fliessband schreiben, weil ja ca. „1000“ Lieder schon fertig waren.

Bist Du alleine für die Texte verantwortlich und um was geht es im Wesentlichen?

DC: Im Grunde schreibe ich die Texte, aber Dennis hat auf der neuen Platte auch einen Text beigesteuert und zwar „They speak my name“. Darüber hinaus hat ein Freund, dessen Vater sich gerade umgebracht hat, einen Text geschrieben, den wir dann auch noch mit verarbeitet haben.

Da die Texte alle ziemlich schnell hintereinander geschrieben worden sind, kann man vielleicht doch von einer Art Themenplatte sprechen. Die Gefühle, die mich zu der Zeit beschäftigt haben, spielen mit Sicherheit eine grosse Rolle. Von daher behandeln viele Songs, emotional gesehen, ähnliche Themen.

Hast Du da ein konkretes Beispiel?

DC: Nö! (ha, ha). Ich weiss nicht, ich kann auf Konzerten auch keine konkreten Ansagen machen. Es ist voll schwer für mich das für das Publikum zusammenzufassen, obwohl die Texte nicht so geschrieben sind, dass man sie nicht verstehen könnte. Ob die Texte jetzt eher hardcore- oder metalmässig sind, ist mir egal. Die Gefühle, die ich beschreibe kommen aus dem Bauch. Da gibt es kein Schema.

Sven: Metal hat keine Gefühle!

Erzählt doch nochmal was über euer neues Album. Warum der Titel „Pantera“?

Sven: Mit viel Verzögerung kam die Scheibe dann Mitte Januar 2003 endlich auf den Markt. Geplant war es eigentlich schon Anfang November 2002 und erschienen ist das Ganze auf Beniihana Records. Tja, der Titel der Platte…

Mal abgesehen davon, dass Pantera eine geile Band ist, hat der von uns gewählte Titel mit der gleichnamigen Band eigentlich nichts zu tun. Es ist eher aus stilistischen Gründen gewählt worden und bezieht sich mehr auf das Cover. Darüber hinaus wissen die Leute sofort, womit sie es zu tun kriegen.

Fühlt ihr euch geehrt, wenn ihr mit Bands wie Darkest Hour oder In Flames verglichen werdet?

DC: Weiss nicht, für die meisten ist es natürlich am einfachsten, wenn sie fragen wie die Musik ist, musikalische Vergleiche heranzuziehen.

Sven: Ich find auch es ist schon eher `ne Ehre. In den meisten Reviews ist es auch so, dass wir nicht als Abklatsch dargestellt werden, sondern als eine Band, die ihren eigenen Sound spielt, aber nunmal mit solchen Bands am ehesten in eine Schublade passt. Es gibt meiner Meinung nach auch Schlimmeres, als mit Bands wie z.B. Iron Maiden verglichen zu werden (he,he).

DC.: Gut, wenn man es nun immer wieder liest, nervt es manchmal schon. Gerade weil diese In Flames Vergleiche momentan voll „in“ sind.

Sven: Tja, im Herzen sind wir halt Schweden!

Man hört ja oftmals im Zusammenhang mit Minion den Begriff „Sportmetal“. Soll dieser Musikstil eher eine Verarschung im Bezug auf dieses ganze eingestaubte Genre-Schubladendenken sein, wie z.B. Grind-, Death- und Doom-Metal?

Sven: Verarschung ist es auf gar keinen Fall. Es ist aber schon mit einem Augenzwinkern gemeint. Im Endeffekt stellt es für uns die Entwicklung vom Punkrock zum Metal dar. Auf einmal hat man richtig Arbeit an der Gitarre, deswegen ist der Begriff eigentlich entstanden. Sport! Es ist Fingersport! Sport auf, sowie vor der Bühne!

Wobei man bei Andre, eurem Drummer, ja schon eher von „Extrem-Sport-Metal“ sprechen muss!

Sven: Jo, keine Frage, Andre ist einfach ein Tier am Schlagzeug!

DC: Das lustige ist, dass man den Begriff jetzt schon öfter hört. Auf Konzerten oder so. Es gibt Leute, die sagen dann die und die Band macht „Sportmetal“!

Sven: Leider haben wir kein Patent darauf angemeldet (ha,ha)!

Da ihr ja eher Sprösslinge der Hardcoreszene seid, euch nun aber seid längerem schon dem Metal verschrieben habt, wie muss man sich ein Minion Konzert vorstellen? Gerade die Situation: PC-Glatze trifft auf Metalhead?

DC: Speziell in Bremen kriegt man ja mehr so die PC-Hardcoreleute mit und die finden es glaube ich grösstenteils Kacke.

Sven: Das Ding ist, die meisten wissen schon, dass wir z.T. auch Mörser-Leute sind und da gibt es noch Schlimmere (he,he). Viele wissen von daher schon was sie erwarten wird, gerade weil Mörser in der Hardcoreszene schon immer ein Reizthema war. Die Leute fanden es schon immer total scheisse, dass wir uns, in Anführungsstrichen, so asozial benehmen und halt nicht wie die letzten PC-Asis immer nur „bla,bla,bla“, alles ist positiv und straight edge u.s.w..

Wir haben nunmal Bock auf Rock-Show und trotzdem kommen die Leute auf unsere Konzerte und finden es geil. Vielleicht spielt da auch ein bisschen Sensationslust mit rein. Wir, als Personen, sind durchaus politisch, aber das spielt halt in unserer Musik keine Rolle.

DC: Was halt oftmals auch zu Missverständnissen führt, ist, dass wir uns innerhalb der Band einfach gut verstehen und uns somit auch gehen lassen können. Für Aussenstehende kommt das dann manchmal vielleicht etwas seltsam, gerade wenn man auch mal Insiderspässe macht.

Sven: Dazu muss man vielleicht auch sagen, dass wir als Musiker schon ziemlich professionell sind, aber was das ganze Drumherum angeht eher weniger. So von wegen: „Ich kann keine Ansagen, ich sach mal nix!“, aber ich finde das macht auch sympathisch. …wir meinen den Spass echt Ernst!

Wenn ihr schon zu 90% Metal macht, warum kleidet ihr euch dann nicht so. Pickt ihr euch nur das Beste raus oder wisst ihr um die Gefahren viel zu enger Hosen?

DC: Metal-Leute seh`n ja auch scheisse aus! Wir suchen uns da lieber unseren eigenen Stil.

Sven: Kommt immer auf die Situation an, ganz nach Lust und Laune. Mal hat man auch Bock T-Shirts ohne ärmel anzuziehen und wir zeigen unsere Muckies oder auch nicht vorhandenen Muckies. Es gibt aber auch Leute die ankommen und sagen, ihr macht ja voll die harte Mucke, aber ihr seht aus wie Hip Hopper oder Skater! Das schöne ist Leute zu verstören und mit Klischees zu spielen.

DC: Wir wollen ja auch nicht in irgendeine Schublade gesteckt werden und schon gar nicht aufgrund irgendeines bestimmten Kleidungsstils. Da wir eben nicht diese engen Stretchhosen anhaben, entfällt bei uns logischer Weise auch der metaltypische, hohe Schwuchtelgesang.

Alles klar, vielen Dank bis hierhin. Am Schluss habe ich nun noch ein kleines Spielchen mit euch vor. Ich nenne ich euch jetzt immer zwei Schlagwörter und ihr müsst euch dann für eines entscheiden. Klingt doof? Richtig! Macht aber Spass und ist lustig. Hardcore oder Metal?

Allgem. Gelächter!

DC: Metal! Wenn es um die Musik geht!

Sven: Metal!

Club oder Stadion?

DC: Club!

Sven: Stadion!

Groupies oder Freundin?

DC: Freundin, musste ich sagen!

Sven: Keine Freundin, also Groupies!

Sekt oder Selters?

DC: Selters!

Sven: Sekt!

Beniihana oder Universal?

DC: Ich kenn Universal nicht!

Sven: Mmh, äh, hä, hä… Beniihana…hä, hä! Bloss nichts Falsches sagen!

Tag oder Nacht?

DC: Tag!

Sven: Auf jeden Fall Nacht. Bei mir nur Nacht!

Iron Maiden oder Motörhead?

DC: Iron Maiden!

Sven: Auch Iron Maiden!

USA oder Schweden?

DC: Schweden!

Sven: Ich find beides ganz geil, aber im Moment Schweden!

Bud Spencer oder Terence Hill?

DC: Terence Hill!

Sven: Terence Hill!

Colt Seavers oder Burt Reynolds?

DC: Colt!

Sven: B. Reynolds, allein schon wegen dem Schnurrbart!

Adolf Hitler oder G.W. Bush?

DC: ääh, gute Frage…ja, beide natürlich nicht!

Sven: Ich bin doch guter Deutscher hä, hä! A.H. war härter! Das wird aber nicht gedruckt!

Pogo oder Moshpit?

DC: Moshpit!

Sven: Moshpit!

Mord oder Totschlag?

DC: Ha, ha Totschlag!

Sven: Hi, hi, Totschlag, klingt cooler!

Vinyl oder CD?

DC: Vinyl!

Sven: CD!

Stadt oder Land?

DC: Stadt!

Sven: Ich lebe auf dem Land, aber um die Stadt kommt man nicht drumrum!

Biceps oder Triceps?

DC: ääh, Biceps!

Sven: Triceps!

Dreitagebart oder Schnurrbart?

DC: Ich hab` keinen Bartwuchs!

Sven: Guck mich an und Du hast die Antwort! (Anm.d.Red.: Er meint Schnurrbart!)

Lack oder Leder?

DC: Lack!

Sven: Baumwolle!

Erdbeben oder Vulkanausbruch?

DC: Vulkanausbruch!

Sven: Is` beides ziemlich geil… als Deutscher eigentlich überschwemmung!

Mc Donalds oder Reformhaus?

DC: Reformhaus!

Sven: Auf jeden Fall Reformhaus!

Vielen Dank für das interessante Gespräch. Habt ihr am Ende noch etwas, das ihr loswerden wollt?

Sven: Wir danken noch Dirk Kusche von Systral und dem Label Chrome St. Magnus, der mit uns das erste Demo umsonst aufgenommen hat und natürlich Jacke, unserem Produzenten. Darüber hinaus werden wir im April eine Show mit den Donots spielen und auf eine kleine Deutschlandtournee gehen, auf der ihr hoffentlich alle zahlreich erscheint.

DC: Ja, und wir danken natürlich auch Dir! Nichts zu danken!

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Interview: Harm Solo

Links (2015):
Homepage
Discogs

 

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