März 14th, 2007

LIMBERT FABIAN (#71, 08-1998)

Posted in interview by andreas

limbert fabian ist maler und fiehl mir das erste mal durch seine coverart arbeiten für hankshaws nothing personal album auf.

die dinge die er malt sind schlicht weg klasse. bands wie snapcase sehen das ganz ähnlich, denn auch ihr letztes album verzieren seine bilder.

und einen besseren grund für ein interview gibt es nicht. der amerikaner ist nicht der redseligsten einer, aber sei’s drum…

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limbert, wie alt bist du, woher stammst du genau und seit wann bist du künstler?

Limbert: ich bin 24, latino-amerikaner, geboren und aufgewachsen in new york city. jetzt lebe ich in florida. seit ich 2 jahre alt bin male ich. aus meiner fünfköpfigen familie bin ich der einzige künstler.

so weit ich weiss, sind die meisten bands, deren cover du entworfen und gemalt hast, relativ kleine underground bands. würdest du dich auch als einen underground künstler bezeichnen? oder werden deine sachen in kommerziellen galerien ausgestellt und in magazinen veröffentlicht?

Limbert: ich denke nicht, dass ich underground bin. Aber der grösste teil meiner lieblingsmusik ist underground und nicht mainstream. Ja, meine arbeiten sind schon in diversen magazinen erschienen. und auch in galerien wurde ich bereits ausgestellt. obwohl das alles noch sehr neu für mich ist, die öffentlichen austellungen meine ich.

wie kamst du überhaupt dazu coverartwork für undergound bands zu machen? warst du in der hardcore oder sonst einer szene aktiv?

Limbert: hardcore höhre ich schon mein ganzes leben, seit damals die gorilla biscuits rausgekommen sind. aber ich stand auch total auf hip hop. damals als heranwachsender in new york city kamst du da kaum drum rum, wenn du dich für neue sachen interessiert hast. es war grossartig. das mit dem album covern fing an, in dem ich mein portfolio mit zu konzerten genommen habe und auf freunde eingeredet habe, die bands hatten.

wovon lebst du? oder bist du in der glücklichen lage deinen lebensunterhalt mit deiner malerei zu bestreiten?

Limbert: ja, ich bin einer dieser glückspilze, die ihren lebensunterhalt als full time artist verdienen. für verschiedene magazine und plattenfirmen arbeite ich freiberuflich und bei einer zeitung bin ich dazu noch als grafiker tätig. es ist super, dass ich das tun kann was ich liebe und nicht so einen beschissenen job machen muss.

wie ist der übliche prozess für dich, um mit einer band kontakt aufzunehmen?. sprechen die dich an, oder ist es anders herum? suchen sich die bands etwas aus deinen bereits fertigen arbeiten aus, oder fängst du mit deiner arbeit an, nach dem du dich auf die band eingestellt hast in dem du ihre musik gehört hast?

Limbert: normalerweise lernen wir uns immer erst einmal kennen und reden über ideen für das albumcover. manchmal kommen bands auf mich zu und fragen ob ich etwas für sie machen kann, oder aber ich frage bands ob sie an meinen arbeiten interessiert sind. auf jedenfall muss ich aber die musik vorher hören und sie wirklich mögen.

wirst du bei deiner arbeit von anderen künstlern beeinflusst, und was inspiriert im wesentlichen deine arbeit? alltägliche kapriolen des lebens, sehr persönliche dinge, musik, oder ist es eine mischung aus alle dem?

Limbert: es gibt schon einige andere künstler, die mich beeinflussen. im wesentlichen sind es aber die texte der bands die mich inspirieren. dazu beziehe ich meine ideen aus jeder menge musik und filmen.

die arbeiten, die ich bislang von dir gesehen habe drücken alle etwas melancholisches, etwas trauriges aus. irre ich mich, oder ist das etwas mit dem du dich leichter zu identifizieren scheinst? was möchtest du generell mit deinen bildern ausdrücken und warum bist du überhaupt künstler geworden?

Limbert: ich mag es metaphorisch zu sein, und oft lassen sich diese traurigen dinge leichter ausdrücken. aus irgendeinem seltsamen grund wirkt der ausdruck von schmerz einfach gut. vor 6 oder 7 jahren habe ich mit dem malen angefangen. das heisst eigentlich habe ich ja schon immer gemalt, aber richtiges malen ist eine grossartige erfahrung. es klingt vielleicht komisch, aber irgendwie lerne ich dadurch eine menge über mich selbst.

die arbeiten einiger anderer künstler, wie zum beispiel die des new yorkers eric drooker, die auch ihren weg auf platten cover finden, sind politisch motiviert. wie ist das bei deinen bildern? bist du überhaupt an politischen themen interessiert, oder sind die lebensumstände denen wir heutzutage ins auge sehen müssen für dich ok?

Limbert: also ich bin nicht wirklich politisch, aber ich schätze politische künstler wie sue coe aus new york sehr. das leben ist meist sehr hart und ich versuche mit all dem mist, den man täglich mit ansehen muss so gut ich nur kann fertig zu werden. das leben kann auf der einen seite sehr schön sein und auf der anderen total verlogen. oder sagen wir sehr schön auf der einen und eher real auf der anderen seite. und natürlich spiegelt sich in meinen bildern all das wieder was täglich um mich herum passiert.

denkst du, dass die in musik, gemälden, büchern oder theater stücken zum ausdruck gebrachte rebellion einen wirklichen einfluss auf das reale leben hat? (hier grüsst der trust poll)

Limbert: ja, das denke ich. musik, filme und aggressive darstellungsformen sind wichtig. sie motivieren den zuschauer, nein, vielmehr noch, zwingen ihn förmlich zum nachdenken.

ist es eine zwingende notwendigkeit für dich eine band zu mögen, um für sie ein album cover zu gestalten? oder ist dir die musik der bands oder deren message (so sie denn eine haben) egal? gibt es bestimmte bands für die du nicht arbeiten würdest?

Limbert: ich lehne zur zeit eigentlich nichts ab. ich bin ein sehr umgänglicher typ.

bist du jemals an anderen künstlerischen projekten wie zum beispiel theaterstücken oder literaturgeschichten beteiligt gewesen? warst du gar selbst in einer band? oder ist malen DIE grosse sache in deinem leben, die sache die du am besten kannst?

Limbert: für ungefähr 5 jahre war ich in einer hardcore rock band namens vent. wir waren alle an der kunsthochschule eingeschrieben. ich war der lead singer. du siehst schon, musik hat einen sehr hohen stellenwert in meinem leben.

welche band hat bislang deiner meinung nach am besten den spirit deiner bilder durch ihre musik zum ausdruck gebracht? und mit welcher band würdest du gerne zusammen arbeiten, weil du eben meinst, dass keine andere band deine bilder besser vertonen könnte?

Limbert: das ist eine wirklich grossartige frage. ich liebe hankshaw, die band eines guten freundes weil sie so schön zuckersüss und nett klingen. wohingegen die texte sehr negativ und introvertiert sind. ihre musik bringt die stimmung meiner bilder wirklich sehr gut zum ausdruck. meine lieblingsband ist quicksand und ich würde wahnsinnig gerne eines tages mit ihnen zusammen arbeiten. und mit into another würde ich auch gerne etwas machen, weil ihre songs sich förmlich von selbst malen.

wenn du die chance hättest in den körper und die persönlichkeit einer anderen person zu schlüpfen, wer wäre das und aus welchen grund?

Limbert: ich würde mit tori amos tauschen. ich denke sie ist eine unglaubliche frau. aus ihren erfahrungen würde ich eine verdammte menge für’s leben lernen.

gibt es ziele die du als künstler erreichen möchtest, karriere stufen die du nehmen willst? hast du jemals deine arbeit, neben interviews wie diesem hier, promotet?

Limbert: ich würde gerne noch mehr für bands und magazine arbeiten. aber was ich wirklich will ist musikvideos machen. meine bilder und texte könnte ich ganz gut filmerisch umsetzen, denke ich zumindest.

auf der trust web page hatten wir einen poll an dem sich sogar ein paar leute beteiligt haben. die frage lautete ob der punk/hc boom der vergangenen jahre einen bleibenden positiven effekt hinterlassen hat. 60 prozent haben das mit ja beantwortet, ein paar hatten keine meinung und der rest meinte, dem sei nicht so. was denkst du darüber, oder kümmert dich das eher weniger?

Limbert: der mainstream musik zirkus ist weiter gezogen auf der suche nach neuen sounds um sie auszubeuten und dicke kohle zu machen. ich denke man sollte seiner szene treu bleiben und sie unterstützen. alles ist relativ und tritt in zyklen auf, also… yeah, es hatte positive effekte genauso wie negative.

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interview: torsten meyer

Links (2015):
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