Juni 1st, 2007

Kolumnen Dolf, Dietmar, Jan (#120, 10-2006)

Posted in kolumne by jörg

DOLF

Was ist der Unterschied zwischen einer gecasteten Popband und einer Bundesligafussballmannschaft? Jetzt komm mir nicht mit Musik/Fussball oder Bühne/Rasen. Letztendlich besteht halt keiner, weil beide gecasted sind um ihren Zweck zu erfüllen – Geld zu verdienen. Während das bei einer Popband noch den einen oder anderen Kritiker hervorruft, hält der sich bei seinem Lieblingssport damit lieber zurück. Denn natürlich muss ein Band aus Leidenschaft gegründet sein, natürlich wachsen und sich entwickeln – ich bin ja der Meinung das müsste auch bei einer Mannschaft so sein. Aber wenden wir uns wichtigeren Themen zu.

Neulich las ich bei Spiegel Online: “Der normale Käufer bei Karstadt, Metro und Lidl ist ein regelrechter Globalisierungsfanatiker: Er vergleicht Preis und Leistung und will immer das Billigste. So vernichtet er massenweise Jobs in Europa – am Ende auch den eigenen.”

Das ein Politiker sowas sagen würde, würde mich nicht wundern, das aber von einem Journalisten lesen zu müssen ist doch wirklich das letzte! Nachdem man von der Medienlandschaft in den letzten Wochen darüber aufgeklärt wurde das sich der asiatische Gigant aufrichtet um den Westen zu zerschmettern – oder zumindest ziemlich alt aussehen zu lassen, die Weltwirtschaftskrise deswegen – oder alternativ wegen eines bodenlosen Kursverfalls des US Dollars – praktisch vor der Tür steht wissen wir jetzt wer daran schuld ist. DU.

Du bist an der hohen Arbeitslosenquote schuld, du bist daran schuld das die Konjunktur nicht anspringt und du bist auch noch daran schuld das die armen Asiaten bei menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen ausgebeutet werden. Aber ich kann dich beruhigen, wenn dein Geldbeutel auch so leer ist wie meiner musst jetzt nicht völlig überteuerte Waren “made in germany” kaufen – das wollen sie dir nur einreden. In Wahrheit ist eine seit Jahrzehnten verfehlte Wirtschaftspolitik daran schuld, die sich nur auf Gewinnmaximierung und Wachstum konzentrierte und natürlich auch die ganzen Geschäftsmänner die seit Jahren, zumindest kurzfristig, sehr gute Geschäfte mit den Billigproduktionsländern machten oder noch machen. Die sind Schuld.

Und natürlich die Bedingungen (politisch wie sozial) die in diesen Ländern herrschen. Ich sagte das ja schonmal, aber ich frage mich wirklich was in den letzten Jahrzehnten in den deutschen oder internationalen Universitäten gelehrt wurde, offensichtlich nur “Wachstum gekoppelt an Gewinnmaximierung” und sonst nichts. Leute, dazu muss man doch nicht an die Uni. Aber jetzt ist es sowieso verbockt und die nächste Generation die kommt wird es auch nicht besser machen, weil immer noch dieselben “Werte” vermittelt werden bzw. eben keine.

Das wird noch alles so dermassen den Bach runtergehen, das kann man sich nur schwerlich vorstellen obwohl das Bachbett klar und deutlich sichtbar ist und sich langsam mit Wasser füllt. Ihr wollt ne Prognose? Nicht von mir, ich war ja nicht auf der Uni und zähle somit zu den Unschuldigen! Es wäre schön wenn die Verantwortlichen handeln würden (wenn sie noch könnten…), dann wäre es auch nicht verkehrt auch mal mit dem Endkonsumenten reden und ihm erklären warum er plötzlich nicht mehr 4 t-shirts für 2,99 bei kik kaufen kann… derweil wird er das machen – aber der Schuldige ist ja jetzt ausgemacht…..

In dem Zusammenhang schlage ich vor, das – nachdem festgestellt wurde das die Managergehälter bei Siemens im internationalen Vergleich um ca. 30% zu niedrig sind – die Gehälter der Arbeiter – um dem internationalen Standard zu entsprechen – um 60% gekürzt werden – dann sind “wir” auch wieder Wettbewerbsfähig…..

Bleiben wir ein wenig beim Thema, auch wenn es ein ganz anderes ist. Kommt es nur mir so vor oder ist es tatsächlich so das mit dem vermehrten wahrnehmen von islamischer Religion auch die christliche Religion wieder mehr Fuss fasst?

Es kann ja nicht dran liegen das der Papst bei seinem Besuch hier meinte das er verstehen kann das die muslimische Welt Angst vor “uns” hat, wenn sie sehen das wir hier keinen Respekt vor unserer eigenen Religion haben. Hä? Ach so, ich vergass, er muss das ja sagen, PR-Tour, damit seinem Verein noch mehr Leute beitreten. Er glaubt also tatsächlich das man von irgendwelchen verblendet fanatischen Deppen erwarten kann das die plötzlich Respekt zollen nur weil man an Gott glaubt? Papst – hau ab!

Kann man in dieser unsäglichen Religionsdebatte vielleicht mal endlich Tacheles sprechen, abgesehen das es nicht um Religion geht obwohl es schon um Religion geht. Alle nicht-Atheisten sind das Problem, dumm bekämpft dümmer, menschgemachte Religionen sind eben nur das, eine Erfindung. Kann man sich mal bitte an die Fakten halten und vor allem bei ALLEN die gleiche Messlatte ansetzen.

Noch was anderes, obwohl es auch wiederum hierher passt. Bis vor kurzem wusste ich nicht (bis ich in einem Artikel eines Israelis in dem sehr zu empfehlenden “adbusters” darüber las) das das kleine Land Israel mittlerweile der drittgrösste Waffenproduzent der Welt ist – das sind immerhin 12% der Waffen der Erde. Ausserdem die viertgrösste Nuklearmacht (ohne den Sperrvertrag unterschrieben zu haben!).

Nicht das es schon schlimm genug ist das dort soviele Waffen produziert werden, richtig kotzen muss man wenn man sieht wohin diese verkauft wurden… nach Südafrika, Zaire (unter Mobutu) oder Liberien (unter Charles Taylor), etc., etc. besonders sensibel, neulich dann nach Ruanda, wo Israel vor, während und nach dem Völkermord Kleinwaffen an die Hutu verkaufte, dann – ohne Unterbrechung, direkt an die Tutsis hinterher. Ich weiss nicht ob sich sowas irgend ein anderes Land leisten könnte (wahrscheinlich tun das einige…) ohne zumindest international und öffentlich geächtet zu werden. Abgesehen davon haben die da unten ein Problem für das es keine Lösung gibt – so traurig das auch ist.

Es gibt leider für so vieles keine Lösungen mehr, oder hat jemand einen Tipp wie man diese ganzen Krämer aus unserer Szene wegjagen kann – gut, die werden gehen wenn man kein Geld mehr damit machen kann, davon aber, so scheint es, sind wir weit entfernt. Auf der anderen Seite, die Dinge ändern sich heute so schnell und das gute ist das es alle erwischen kann. Also nicht aufgeben, mach weiter das woran du glaubst (solange es nicht irgendeine scheiss Religion ist), weil die ganzen Arschlöcher machen das auch – weiter, leider.

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DIETMAR

Es rief mich also ein Kumpel an und erzählte mir, dass in zwei Tagen Septic Death in Berlin spielen sollten. Ich war da noch irgendwo im Ausland, aber ich würde rechtzeitig nach Hause kommen. Grossartig! Was würde ich dafür geben, diese Band zu sehen. Aber dann fügte der Freund an, dass das Konzert abgesagt sei – weil man im Vorverkauf nur fünf Tickets hätte absetzen können. Was bitte?!?

Hier wachte ich aus meinem Traum auf. Ich bin mir ja recht sicher, was der Rest des Traumes (denn ich weggelassen habe) bedeuten sollte. Aber warum ausgerechnet Septic Death meinen Schlaf enterten, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht hat es mit den vielen Reunions zu tun, die in diesen Wochen passieren und die ich mir tatsächlich sogar angucke. Normalerweise halte ich davon nicht viel, und ich habe auch ignoriert, als Iggy mit seinen Stooges in Berlin vorbeischaute. Da sind sämtliche meiner Freunde hingetrabt. Ich nicht.

Aber in einer Woche (und damit vor einigen Wochen für den werten Leser) gibt es für mich Scratch Acid, Big Black und Negative Approach, und das finde ich ziemlich aufregend. Es könnten ja nicht alle Wiedervereinigungen kommende Woche schlecht sein, einige dürften tatsächlich gelingen.

So wie Jingo de Lunch Ende August in Berlin. Da war unser werter Teilzeit-Trust-Kollege Jobst ganz begeistert drüber – so sehr, dass er gleich zu beiden Shows gegangen ist. Ich sah dem weit skeptischer entgegen. 1990 (ich weiss, ich bin ein Spätzünder im Vergleich zu anderen Autoren hier; Dolf musste gleich mal raushauen, dass er das allererste Jingo-Konzert im Rauchhaus in Berlin gesehen hat) – 1990 also, da bin ich mit ein paar Freunden in irgendeinen Club nach Werl am Rande des Sauerlands gefahren, um die Band sehen zu können.

Das war damals eine meiner ersten Hardcore-Shows, wenn ich mich recht erinnere. Aber meine Begeisterung währte nicht lange, die nächste Platte war schon recht langweilig, dann sah ich die Band noch einmal in Coesfeld, und irgendwann habe ich die Alben der Berliner verkauft, genauso wie die beiden Danzig-Platten und noch einige andere. Bei Danzig bereue ich das manchmal ein bisschen, aber Jingo de Lunch hab ich seither nicht vermisst.

Aber als ich dann Anfang August die Ankündigung sah, dass Jingo de Lunch im White Trash spielen würden, habe ich trotzdem ein Ticket gekauft. Nun stand die Band also auf der Bühne in diesem eher fürchterlichen Laden – das White Trash ist zwar schrecklich hip (selbst in den Zeitschriften, die man in Flugzeugen findet und in denen “Must-Go-Places” in Städten aufgeführt sind, wird ein Besuch dringend empfohlen), vor allem aber schrecklich. Zum Glück war die Show zwar ausverkauft, aber es war doch nicht so gedrängt wie befürchtet.

Man konnte sogar noch atmen. Yvonne – unglaublich – sah noch genauso aus wie früher. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie irgendein Bekannter mir erzählte, dass ich mir unbedingt irgendeinen ZDF-Fernsehfilm angucken solle. Da könne man sie nämlich nackt sehen. Boah, waren wir Teenager. Jetzt jedenfalls war alles wie früher, ein Zeitsprung zurück in die frühen Neunziger.

Als dann endlich die Soundprobleme einigermassen gelöst waren, klang es auch richtig gut. Ich hatte ziemlich viele Songs im Laufe der Jahre vergessen (bei Leeway im Juli war das anders, die hab ich eigentlich nie wirklich gehört, aber da kannte ich immer noch etliche Riffs und Songtexte), aber die “Hits” waren natürlich präsent. Lustig nur, dass Yvonne zwischen den Songs immer wieder Kreuzberg 36 anpries. Und doch musste man unbedingt im hippen Mitte spielen; nicht im SO 36 oder Tommy-Haus, was angebrachter gewesen wäre.

Hat vielleicht seine Gründe gehabt. Aber es gefiel mir, die Show war gut – das Set sehr lang, und man merkte der Band ehrliche Begeisterung darüber an, dass so viele Fans gekommen waren. Ob nun gleich eine Reunion-Tour folgen sollte? Vielleicht besser nicht. Aber offenbar war Yvonne ohnehin nur auf Urlaub aus Phoenix, Arizona, angereist, da wird das mit ausgedehnten Konzertreisen etwas schwieriger.

Dietmar

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JAN

Wenn ich die Bemerkung “nicht cool genug” höre, entsichere ich meine Dienstwaffe Ok, das mit der Dienstwaffe ist aus einem alten Zap geklaut. Manchmal ist es doch gut, naiv zu sein, weil “naiv sein” ja auch etwas sehr positives bedeuten kann, nämlich eine aufgeschlossene, unbefangene Herangehensweise an Dinge. Z.B. beim Autofahren auf der Autobahn A3: normalerweise hat die Autobahn drei Spuren, aber eigentlich sind es ja immer nur zwei, weil ganz rechts immer alles voller LKW`s fährt.

Wenn ich jetzt wie im Juli von Köln nach Frankfurt am Main zu meinen Vorstellungsgespräch wegen PR-Volontariat über die A3 fahre, wo ja quasi direkt parallel zur Autobahn die ICE-Strecke in Sichtweite verläuft, fragt man sich zum wiederholten Male, warum es denn nötig sein muss, dass Tausende von LKW`s die Waren transportieren, wenn man sie doch einfach auf den Schienen viel schneller und unaufwendiger von A nach B fahren könnte…

ok, wenn der Warenverkehr nur noch über Schienen liefe, gäbe es vielleicht nicht mehr die super abgebrühten Trucker, die Country-Musik hörend nach 14 Stunden übermüdet fahren in die Leitplanke knallen, aber kann dass das ganze Argument sein? Wahrscheinlich müsste ich, um diese Frage gut zu beantworten, 4-5 Stunden im Internet surfen und mir ein bis zwei Bücher kaufen, aber wahrscheinlich ist es einfach billiger, einen Fahrer einen LKW mit Warenladung von Polen nach Köln fahren zu lassen als das über Schienen zu machen. Das Geld, das Totschlagargument für alles, der erzwungene Motivationsgrund für so vieles; wo kommt Geld eigentlich her?

Irgendwie vom Arbeitsmarkt, und wenn man sich mal ganz naiv den Arbeitsmarkt anschaut, kommen einem doch vor Idiotismus die Tränen: z.B. Berlin: die Stadt, wo am meinsten gebaut wird (Deutschland oder Europa-bezogen, ich weiss es jetzt nicht mehr genau), hat gleich die höchste Quote an arbeitslosen Architekten. Oder wenn man sich die EU-Sache anschaut, müsste man doch eigentlich denken “Aha, irgendwie ist da EU-Osterweiterung, da passiert was in der internationalen Politik, dann müssten doch theoretisch Menschen gebraucht werden, die sich in sowas auskennen, also Sozialwissenschaftler”, aber nein, man nimmt Jura-Leute oder gleich BWL`er.

Interessant auch die Frage an mich in meinem Bewerbungsgespräch in Frankfurt am Main: “Herr Röhlk, was halten Sie denn von der Pressearbeit der Deutschen Bank?” “äh? Ach so, Sie meinen diesen Widerspruch von wegen steigende Gewinne bei steigenden Entlassungen? Ja? Ok, also wenn ich die Pressearbeit der Deutschen Bank bewerten soll, ob sie es bei mir geschafft haben, diesen Widerspruch zu erklären, dann kann ich aus meiner Perspektive sagen, dass sie eine sehr schlechte Pressearbeit machen.”

Eigentlich wollte mein Gesprächspartner wohl eher das hören, was er an meine Aussage im Anschluss sagte, von wegen, das wäre ja vielleicht ein Widerspruch von steigenden Gewinnen und steigenden Entlassungen, aber man dürfte ja nicht vergessen, dass die entlassenen Leute…. überhaupt das Thema Bewerbungsgespräche, damit musste ich mich im ganzen Sommer mit auseinandersetzen und man kann nur sagen, je mehr man macht, um so besser lernt man, sich zu verkaufen…z.B. überlegt man sich ja vorher schon, wie verkaufe ich mich am besten, womit kann ich “wuchern”, aber dann sind eben so Situationen, auf die bin ich wegen fehlender Erfahrung nicht vorbereitet: sollte man eben noch seine Stärken ausführlich beschreiben (“nur zu, loben Sie sich selber”), dann macht man das, und dann heisst es, “und wo liegen ihre Schwächen?”

“äh ja, also, sicherlich müsste ich, wenn ich jetzt Power Point Folien machen sollte, noch mal das auffrischen, eben so eigentlich alles ausser Word und falls es auf mein Spanisch und Französisch ankommt, ebenso.” Daraufhin dann die Antwort: “Nein nein, sie haben eben ja Stärken ihrer Persönlichkeit beschrieben, jetzt gehen Sie auf ihre technischen Schwächen ein, haben Sie denn auch Schwächen in der Persönlichkeit, weil niemand ist ja perfekt?”

Ja toll, eben lobste dich selber, jetzt finde mal ne “gute” Schwäche, ich kann ja schlecht sagen (gedacht und ganz leise vor mich hingemurmelt und geschmunzelt habe ich es aber) “Ich bin einfach Perfektionist :)” – ja, was zur Hölle ist denn eine gute persönliche Schwäche? Soll ich sagen, “ach, manchmal habe ich einfach keine Lust, morgens aufzustehen, machnmal geht das aber auch gar nicht, weil ich dann eine ziemliche starke Depression habe, zu deren Behandlung ich jetzt glücklicherweise in einer psychatrischen Klinik war?”

Man muss also eine Schwäche finden, die eigentlich eine Stärke ist oder halt eben eine sehr sehr gute Schwäche….ich meinte dann etwas in die Richtung, dass wenn mir jetzt direkt die Leitung und Beaufsichtigung eigentständiger Projekte anvertraut wird, ich das wohl schwer könnte, also so alle leiten und dann wurde eingeworfen “ach, sie meinen ihre Schwäche liegt in Führungsqualität?” und ich “ja, weil, ich habe das ja noch nie gemacht, also quatsch, sicherlich habe ich schon mal in meinen Praktika eigenständige Projekte durchgeführt, aber jetzt das quasi als top-down Manager begleiten, traue ich mir nicht zu.” Das wurde dann als gute Schwäche angenommen (glaube ich). Den Job bekommen habe ich dann aber doch nicht.

Was mir noch mal klar geworden ist bei den unterschiedlichen Agenturen, wo ich mich vorgestellt habe, ist, dass mir die klare und offene Ausbeutung fast lieber ist als dieses Werbe-Agenturmässige-nette-alle-ohne-Anzug-und-Hi-Jan-und-Du-und-nicht-Sie-Getue, alle haben Ellenbogen, aber bei den Werbeagenturen wird der, glaube ich, sehr spät ausgepackt….dann lieber direkt: hier müssen die Zahlen stimmen, und dann ist die Hierachie klar und fertig. Ich fand auch im Nachhinnein meine Tätigkeit in der Marktforschung von der Bayer AG in Leverkusen fast besser als mein Redaktionspraktikum bei der Jungen Welt und im Prinzip auch besser als bei Revelation Records, denn gerade an letzteres bin ich negativ naiv rangenagen, weil ich dachte, “hey cool, da mal zu arbeiten, das ist bestimmt ne total nette community of friends und so”….

Ja nee, is klar; Notiz nach dem Praktikum dort an mich selber: Hallo, Vollhonk, du bist in Los Angeles, wo wenn nicht dort wollen die Leute Geld machen und schweiss mal 500 Gorilla Bisquits Cds am Tag ein und du denkst dir auch, na ja, eigentlich unterscheidet das sich hier erstmal nicht viel von meiner Ferientätigkeit bei Burger King in Köln. Soo kann man das auch nicht sagen, Revelation war geil und es war für mich wichtig, dass meine kindlichen Vorstellungen an der Realität gemessen worden sind und die Erkenntis, dass es manchmal nicht gut ist, sein Hobby, sprich die Liebe zur Musik, zum Beruf zu machen, sprich damit Geld verdienen zu müssen….ich glaub, dat kann wenig, natürlich sollte einem sein Gelderbwerbsberuf Spass machen und interessieren, aber wer ist nicht ausgebrannt und braucht eine Pause und wer kann das einfach sagen und machen?

Genau, Grinsi-Klinsi! Ey, zur WM nur ein Wort:

ETISJAJUTJETZTIHRFUssBALLIDIOTENUNDJETZTNEHMTEUREFAHNENWIEDERVOMAUTOANDSTICKITRIGHTYOURFUCKINGAss. Is doch wahr!

Ausser Bewerbungsgesprächen in Köln und Frankfurt am Main, meiner Entlassung aus der psychiatrischen Klinik in Kiel, dem Umzug nach Leverkusen, dem ganz normalen alltäglichen Wahnsinn und einem sehr netten Endless Grind in Bremen ist nichts passiert. Doch, der Song “Testbild” auf einer frühen Toten Hosen Platte lief bei mir im Auto rauf und runter; dazu fällt mir noch ein, dass gerade Leute mit mehr als 1000 Platten, am besten aus dem vertrackten intellektuellen Noise-/Jazz-Core-Bereich immer ganz einfach zum Nase rümpfen gebacht werden können, wenn man sich über Musik unterhält und dann fragt, wie sie Toten Hosen oder Toxoplasma oder die Mimmis finden, nämlich meistens scheisse, weil “nicht cool”.

Ab da werden Gespräche immer ziemlich humorlos. Da zeigt sich wieder mein alter Denkfehler, dass Leute mit einem wahnsinnigen Interesse für alternative Musik und den abgefahrensten japanischen Elektro-Core eben meistens auch nur das haben und sich nicht für alternatives Denken interessieren, denn warum man was nicht gut findet, dafür gibt`s 1000 gute Gründe, aber was nicht gut finden, weil es nicht cool ist, ist bornierte Scheisse und hat nichts mit einer fortschrittlichen Einstellung bzw. einer nach vorne gewandten Infragestellung und Hinterfragung von Dingen wie sie sind, zu tun…

wer sagt denn schon, was cool ist? Das TRUST? John Zorn? Iggy Pop? David “The Hoff” Hasselhoff? Dein bester Freund oder deine beste Freundin? Ich meine, du selber bist doch der Chef, eigene Birne benutzen macht schlau und öfters denke ich mir, wenn ich höre, dass etwas uncool ist, ich gerade damit beginnen sollte, obwohl das die gleiche dumme Einstellung “in grün” ist. Scheiss auf die Coolness, scheiss auf den Rock`n`Roll, scheiss auf den ganzen Scheiss…dumme Band, nette Parole: Fuck you i won`t do what you tell me (unless you pay me 1500  netto im Monat, then i would maybe do some things i would otherwise not do but thats the problem everyone has when muss Geld verdienen, von dem Jungle World-Redakteur bis hin zum BASF-Chemikanten).

Ich wünsche euch ein schönes Leben!

Jan Röhlk

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