März 12th, 2007

IRON MONKEY (#67, 12-1997)

Posted in interview by andreas

Darf ich euch mit noch einer Band behelligen? Einer, deren Bandname schon als nicht ganz ernste Verbeugung in Richtung Black Sabbath verstanden werden kann? Einer, die eine Platte mit fiesem Doom gemacht hat? Falls ihr Eyehategod und Crowbar mögt, wären die vielleicht was für euch. Für mich auch. Schätze ich zumindest, wenn ich den einen Song vom letzten Earache-Sampler zum bescheidenen Mastab nehme.

Und da dachte ich, ich rede mal mit denen und finde beispielsweise heraus, warum der Promo-Zettel wieder mal mit der abgedroschenen Floskel „Echt krank“ um sich wirbt. Blöderweise wei ich jetzt zwar ein paar Sachen mehr über Iron Monkey, aber das wichtigste immer noch nicht: Wie in aller Welt denn nun eine Platte von denen klingt, weil Earache in Deutschland und ich auf dem Postweg nicht zusammenkommen konnten.

Entweder hört jetzt irgendein Bremer Briefträger nach Feierabend zuhause Doom-Metal, oder die Nasen in Dortmund haben mir das Teil einfach nicht geschickt. Nichtmal ein Info. Da kann man dann wenigstens mal ganz unbedarft und urteilsfrei (und damit meine ich das, was man gemeinhin unter vorurteilsfrei verstehen soll; das Präfix erspare ich mir aber, weil ein Vorurteil erst posthum als ein solches erkannt wird, und zwar dann, wenn es für falsch erachtet wurde, und somit der Begriff des Vorurteils ein dubioser ist) an die ganze Sache rangehen.

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Lies ich mir also erstmal sagen, da die Band seit zwei Jahren existiert, aus Doug (Ba), der mir das alles erzählt hat, Justin (Schlagzeug), John (Gesang), sowie James und Dean (Gitarre) besteht und gerade bei Earache ihre erste Platte neu veröffentlicht hat, die schon vor einer Weile bei Iron Mill Records rausgekommen ist. Da die Band also nicht soviel an historischem Potential bietet, gehen wir weiter zurück in die Geschichte.

Iron Monkey: „Wir sind aus Nottingham … Zwei von uns spielten in einer alten Hardcoreband namens Ironside. Wir waren 1994 in Deutschland auf Tour. Es gab eine 7″ von uns. Keine grosse Sache“.

Sagt er, und vergisst nicht, uns noch die andere Band seiner Kollegen Justin und James ans Herz zu legen. Schwer grindcorig soll es da zugehen, bei Hard To Swallow, mit zwei Sängern. Wer wären wir, da wir so etwas unterschlügen?! Kommen wir nun kurz zum eigentlichen Metier der Leute, der Musik. Ich, in meiner Unwienheit etwas hilflos, lae mir erklären, wie die Jungs das selbst so sehen, von wegen Eyehategod und so.

Iron Monkey: „Als wir anfingen, waren wir sehr stark von diesen Sludgecore-Bands beeinflut, wie Grief. Möglichst heavy, aber immer noch mit einem Hardcore-Einflu. Wir hören alle möglichen Arten von schwerer Musik, und wir wollen eine Menge unterschiedliche Ein-flüe einbringen (eben auch auf engstem Raume Vielseitigkeit beweisen, so mu das sein – d.V.). Aber wir wollen unsere eigene Identi-tät schaffen. Eine Menge Leute fanden, da wir mit der ersten Platte anderen Bands ähnlich klangen. Aber auf der neuen Platte gibt es eine Menge neue Einflüe. Es gibt mehr schnellere Songs, mehr siebziger Jahre Rock-Einflüe, und das mit Hard-core und Doom vermischt.“

Besagte neue Platte ist schon fertigkomponiert, und auf der will man dann nur noch klingen wie (ratet mal) Iron Monkey. Jetzt nochmal zu dem pathologischen Befund aus dem Earache-Newsletter. Was bedeutet es, da Iron Monkey total krank sind?

Iron Monkey: „Das bedeutet, da wir kranke Typen mit kranken Hirnen sind.“

Würde man als Band dem auch zustimmen?

Iron Monkey: „Na jaaa, wir sind alles ziemlich ruhige Typen (fast hätten wir’s geahnt – d.V.), aber wenn es um die Band geht, bringen wir unsere Aggreionen ein. Wenn unser Sänger Texte schreibt, dann kehrt er die abgefuckte Seite seines Gehirns heraus. Wenn wir Stücke schreiben, oder auf der Bühne stehen, dann fahren wir darauf ab, die Dinge Iron Monkey-style zu tun.“

Das äussert sich dann so, da „immer Dinge kaputtgehen, nie Geld überbleibt, weil immer etwas zerstört wird. Mikrophone gehen kaputt, und in einigen Läden haben wir Auftrittsverbot, weil wir ein paar Sachen kaputtgemacht haben. Aber so ist das eben. Unser Sänger geht gern in die Menge…“

Anal Cunt’sche Dimensionen werden indes nicht erreicht. Keine mutwilligen Hinrichtun-gen irgendwelchen Equipments und derlei Scherze.

Iron Monkey: „Wir versuchen das minimal zu halten. Leider passiert es manchmal.“

Viel spielen tun sie ohnehin lieber nicht, weil sich im kleinen England wohl recht schnell Abnutzungserscheinungen wie Langeweile einstellen. Seh‘ ich die Band heute nicht, gehe ich eben nächste Woche hin. Da sporadische Livepräsenz allerdings nur begrenzt verträg-lich ist mit dem Ziel einer Plattenfirma, mög-lichst viele Platten zu verkaufen, wien nicht nur du und ich, sondern auch Iron Monkey.

Iron Monkey: „Sie erwarten, da wir mehr Shows spielen, um die Platte zu verkaufen, was wir auch tun werden. Aber ich freue mich eher darauf, nach Europa zu kommen. Wir fangen auch an, mehr Shows in England zu spielen, aber wir wollen nicht nur um der Sache selbst willen auftreten.“

Auf den Kontinent kommen sie mit mit Extreme Noise Terror ab dem 14. November, das heit die Tour ist bei Erscheinen des Heftes schon gelaufen. Als wir so plauderten, erinnerte ich mich an einen eigenen England-aufenthalt, wo ich mal mit meiner kleinen Hardcore-Band die Ehre hatte, mit Filthkick zu spielen, und zwar in einem kleinen Pub in Birmingham, ein weibehemdeter Keeper mit Fliege hinterm Tresen, während drauen an den Bildschirmen die Fuball-EM ausgetragen wurde.

Ich fand diese Art von Konzertort eigentlich ziemlich lustig, Bühne und PA gab es auch nicht, und eine reichlich bediente Frau lud mich auf die Toilette ein, um mit ihr Nasendrogen zu konsumieren, was ich dankend ablehnte. Macht der Engländer das immer noch so?

Iron Monkey: „Jaja. Letzte Woche haben wir in Birmingham gespielt, das war so eine Geschichte, die Treppe runter in einem Pub. Wir spielen überall, in klei-nen Pubs, in gröeren Hallen, das ist uns egal… Das ist hier schon anders. Als wir mit Ironside in Deutschland waren, war es für uns seltsam, in diese Jugendfreizeitheime zu kommen. Das ist wirklich eine andere Kultur.“

Falls ihr Iron Monkey und ENT live sehen solltet, könnt ihr ja mal sehen, ob der scherz-hafte Hinweis, man sei die heavieste Band der Welt doch kein Scherz war, und wie die neuen Iron Monkey-Stücke klingen. Davon wollen sie nämlich eine Menge spielen. Die neue Platte soll dann gleich bei Niederkunft in der alten Heimat in den Kasten gehauen werden. Vielleicht krieg ich die ja dann postwendend zugeschickt, wer weiss?

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Text: Stone

Links (2015):
Wikipedia
Discogs

 

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