Juni 4th, 2015

Heilende Gifte – Toxische Naturstoffe als Arzneimittel, Dietrich Mebs

Posted in bücher by Dolf

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Birkenwaldstr. 44, 70191 Stuttgart, www.wissenschaftliche-verlagsgesellschaft.de

HeilendeGifte

Das hier ist ein Fachbuch und wenn du nicht mindestens Toxiloge bzw. Biochemiker oder zumindest Arzt bist, wirst du das eher nicht lesen wollen. Es liegt nicht am Buch, das Werk ist fachlich und inhaltlich ganz oben – aber eben zuweit oben für Leute wie dich und mich. „Diesem Effekt liegt physiologisch eine Erhöhung der intrazellulären Calciumkonzentration zugrunde, was dadurch erreicht wird, das Digitoxin spezifisch an der durch Na+/K+-aktivierbaren ATPase bindet, einen in die Zellmembran integrierten Ionentransporter, der den Austausch von Natrium-Ionen aus der Zell und von den Kalium-Ionen aus der Zelle transportiert, die somit vermehrt für die Muskelkontraktion zur Verfügung stehen. Die Kontraktionskraft besonders des kranken Herzens wird auf diese Weise gestärkt. Zu dieser hier vereinfacht (!!!) dargestellten Digitoxinwirkung tragen noch weitere, komplizierte ablaufende Vorgänge bei (Eschenhagen 2013)“.

Trotzdem ein spannendes Thema das der Autor hier auf gut 170 Seiten (mit 162 tollen meist vierfarbigen Abbildungen und zahlreichen Formelzeichnungen) abgefasst hat. Zum meinem Glück besteht das Buch nicht nur aus wissenschftlicher Fachsprache, so das auch für Menschen wie mich immer mal wieder interessante Geschichten und Fakten dabei rumkommen. Denn natürlich war mir nicht klar wie vielseitig diverse Gifte in der Medizin eingesetzt werden oder als Diagnosehilfe dienen. Anfangs gibt es eine eher allgemein gehaltene Einführung: Die Natur als Dienstleister. Etwas mehr ins Detail geht es dann in den nächsten Überkapiteln: Naturstoffe – ein Service der Natur und Giftpflanzen als Arzneistofflieferanten – traditionelle versus moderne Medizin. Es geht meist um Geschichte, Entdeckung der jeweiligen Wirkstoffe, Morphin, Digitalis, Atropin, Colchin, Curare, Gottesurteilsbohne, Ergotamin… im vierten Überkapitel Krebstherapie mit Pflanzen-Inhaltsstoffen erfährt man interessantes über das Madagaskar-Immergrün und das Gift der Eibe, des Glücksbaums und dem Fußblatt. Weiter geht es mit Medizin aus dem Meer, die oftmals von giftigen Tieren wie den Kegelschnecken profitiert. Wieder an Land beschäftigt sich der Autor mit Froschtoxinen, dem Gift der Krustenechse und den Schlangengiften. Interessant auch das Botulinum-Toxin. Das letzte Kapitel „Gifte als Werkzeuge in Forschung und Diagnose“ ist dann wirklich nur was für Menschen die sowas studiert haben. Aber um mal auf ein paar „banale“ Infos einzugehen: So hab ich u.a. gelernt das es in der Renaissance-Zeit bei Italienerinnen brauch war sich den Saft der Tollkirschen (Atropa belladonna) in die Augen zu träufeln, weil das die Pupillen weitet und dies dem damaligen Schönheitsideal entsprach. Und das heute von Menschen in der Kosmetik eingesetzte Botox, vereinfach gesagt, auf der Basis eines Bakterientoxins basiert das sich auf Fleisch bildet und früher als „Wurstgift“ bekannt war. Abschließend gibt es noch einen Ausblick auf die Zukunft – und, soviel steht fest: es gibt noch viele Naturstoffe zu erforschen und da werden sicherlich noch erstaunliche Entdeckungen gemacht. Wichtig ist Dietrich Mebs auch das sein Werk „gleichzeitig ein leidenschaftliches Plädoyer für den Schutz der Ökosysteme und den Erhalt der Biodiversität – zum Wohle des Menschen und unseres Planeten“ sein soll. Gebundene Ausgabe, 174 Seiten, 39,80 Euro (dolf)
Isbn 978-3804729834

[Trust # 171 April 2015]

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