Februar 10th, 2015

HAMMERHEAD (#133, 12-2008)

Posted in interview by Jan

Über die Band braucht man wohl nicht viel Worte verlieren. Immer kontrovers, oft auch rücksichtslos, persönlich wie musikalisch. Leider erst zum weißen Album kam ich durch die Gnade der relativ späten Geburt zur Band wie die Jungfrau zum Kind. Ab dort waren Textzeilen besonders von dieser LP in meinen umgangssprachlichen Wortschatz eingeflossen, die Platten und Floskeln wurden zum ständigen Begleiter und Soundtrack juveniler Exzesse und dummer Aktionen.

Es gab für mich unvergessene Konzerte in Filderstadt, Konstanz oder auch die Plastic Bomb-Party, die mal mit Führerscheinentzug und Handschellen oder auch mit einem Bänderanriss für mich endeten. Zugegeben, eine gewisse Entzauberung hat bei mir eingesetzt, und ob eine hammerheadsche Sozialisierung fürs spätere Leben die optimale Voraussetzung ist, ist diskutabel. Dennoch war und ist die Band wohl eine der prägenden Bands der 90er bis ins neue Jahrtausend in Deutschland, trotz turbonegroider Post-Glorifizierung. Es stimmt dennoch ein wenig, wenn die Band davon spricht, dass die verdiente Beachtung erst jetzt im Nachhinein einsetzt, in Filderstadt und Konstanz war ich jeweils einer der 10 zahlenden Gäste. Aber: Welcher Hahn kräht heute noch nach Acme?

(Matze)

Hammerhead war eine HC-Punk-Band aus Neuwied, die Ende der 80er Jahre startete und sich 2004 mit einem Abschiedskonzert in Bonn auflöste. Danach folgte eine DVD (inklusive bundesweiten Vorführungen mit Anwesenheit der Band), Re-Releases der ersten und zweiten Platte („Stay where the pepper grows“ und „Das weiße Album“, inklusive sich wiederholender Coverzensurproblematiken bei der ersten LP seitens des Presswerkes).

Ende 2008 wird auf den re-animierten Perkoro Records (jetzt in Bielefeld ansässig, versau mit nicht die Stadt, Markus!) eine LP mit den frühen Jahren folgen. War es Martin Büsser, der mal sagte: „Die Band war immer größer als ihre Musik, denn ihr Ruf, ihre Attitüde, ihr Auftreten innerhalb der emoesken Szene Mitte der 90er überstrahle die Musik“? Oh well, musikalisch wurden mit den Songs „Assihochhäuser“, „Ich brauch doch nix“ und dem Cro Mags Cover „Hard times“ auch wunderschöne Stücke geschaffen.

Die Band war für mich im Rheinland in den 90er Jahren auch mein Soundtrack gewesen, ob ich wollte oder nicht, seien es Konzerte, immer wieder „Ich sauf allein“ auf irgendwelchen Parties oder Jeansjacken mit dem Bandlogo hintendrauf. Hammerhead dann auch noch mal 2002 in Potsdam gesehen. Die Band war also relevant für mich, aber ich hatte immer so eine zwiespältige Meinung dazu: Ich konnte die nie so richtig entschlüsseln. Die meinen so viel ironisch und zynisch, was meinen sie denn nun ernst?

Ron von Hammerhead besuchte ein Trust Konzert 2006 in Bonn und wir sahen uns wieder beim Endless Grind 2008 in Bremen. Kurz vorher sprach ich Trommler Oschwerda (er hat früher bei den mächtigen Intricate aus Hilden getrommelt) bei dem Au-Fest in Frankfurt 2008 an. Ich meinte, dass ich ja schon mal gerne mehr über Hammerhead wissen würde, aber so richtig toll wäre das ja auch nicht, wenn ich der Band nur so halb begeistert gegenüberstehe. Und er meinte, stimmt, wie wäre es, wenn neben mir einer dabei ist, der die Band total toll findet, dass wäre ja eine gute Mischung. Ron schlug später vor, wie wäre es mit einem Interview an einem Samstag Anfang August in Bonn, alle Bandleute machen dort eine Schifffahrt.

Ich fragte Matze, Trustaktivist aus Frankfurt, großer Hammerhead-Fan, er war dabei. Am Samstag, den 09.08., traf man sich dann um 10.00 morgens an der Rheinschifffahrtanlegestelle in Bonn. Man bestieg das Schiff, es wurde geplaudert und getrunken bis Linz am Rhein, wo dann das Interview auf einer Grünfläche direkt am Rhein und mit einer Kiste Bier stattfand. Nach dem Interview ging es noch woanders hin und dann zurück nach Bonn und Frankfurt (geblitzt am Elzer Berg, hey!).

Wir waren also eine große Runde mit den 5 Hammerhead- Leuten, Thomas (Freund der Band und Designer der Platten) und wir zwei Trust Affen, es war heiß, man hatte schon getankt, teilweise gab es ein großes Durcheinander, das waren so die Rahmenbedingungen für das Interview, dass ein ganz eigenes Gespräch geworden ist, kein Abfeiern, aber auch kein „Oh, ich bin so der super kritische Journalist blabla“. Wir fragten das, was uns auf den Nägeln brannte und die Band sagte das, was ihnen auf den Nägeln brannte und so weiter.

Für wenn oder was soll dieses Gespräch nun dienen neben einem kleinen Promo-Effekt für die bald erscheinende neue Platte? Keine Ahnung, eine Sache steht aber fest: sowohl der Ausflug inklusive dem Interview plus das sonst so gehasste Abtippen hat jede Menge Spaß gemacht, so oft hatte ich das auch nicht.

(Jan)

Das Interview wurde von Matze (M) und Jan (J) geführt, anwesend waren Thomas (Designer der Platten), Tobias Scheisse, Sänger (T), Norbert, Gitarre (N), Oschwerda, Batteria (O), Daniel, Gitarre (anwesend), Ron, Bass (R).

***

M: Ich wollte mit Fragen zu der DVD von euch anfangen, ich hab gelesen, dass ihr gar nicht so mit dem Erfolg gerechnet habt, wie war denn das Feedback auf den Film? Habt ihr mit dem Trubel gerechnet, die ganzen Screenings in den Kinos und so?

N: Die DVD hat durch die Bank weg allen Leuten super gefallen, außer dem Jan aus dem Trust, und mit der Resonanz haben wir auch gerechnet. Es ging darum, dass wir selber auf dieser DVD glorifiziert werden- berechtigterweise. Und das hat auch einigermaßen funktioniert, von daher- ist doch super.

O: Der Trubel war auch zu Recht. Da gehört ja schon einiges dazu, den Film machen, zu den Leuten hinfahren, dann die Vorführungen, und sich da selber noch draufzupacken.

M: Wie kommt eigentlich der Tomte Thees Uhlmann in den Film, was ist da der Bezug zu eurer Band?

T: Ach, der kommt doch in jeder besseren Fernsehsendung vor, da kann der doch wohl auch bei uns vorkommen.

N: Abgesehen davon, ich habe ja gerade das Konzept der DVD erklärt: es geht darum, Hammerhead zu glorifizieren, da war uns jeder Mensch aus dem öffentlichen Leben recht, der etwas bekannter ist als…

O: …der Jan vom Trust oder so, haha.

N: Naja und da Michael Jackson, Udo Lindenberg und Hermann van Veen abgesagt hatten, mussten wir uns mit Thees begnügen.

J: Ist ja schon irgendwie auch ein Widerspruch bei ihm oder, wenn er selber von Hammerhead und der unverfälschten Gewalt aus dem Rheinland blabla redet, aber er selber macht dann mit Tomte so weichen Indie-Rock…

T: Na ja, er kommt ja ursprünglich von wo ganz anders her.

N: Er meinte halt, als er 19 war, war unsere erste Platte seine Lieblingsscheibe und das glaube ich ihm auch. Und das wollte er halt noch mal zum Ausdruck bringen, um halt vielleicht zu sagen „Hier, ich war auch mal Punker“, aber… mein Gott, ist ja auch okay.

T: Ich kann mich noch an Leserbriefe von ihm erinnern, im Trust war das doch sogar, das ist aber schon ewig her, da hat sich jemand über Behinderte lustig gemacht, und er schrieb dann: „Nein, Behinderte sind auch Menschen“, dass weiß ich noch, ich glaube, er meinte damit sein Bruder oder so. Nee, das ist schon so ein alter Hardcore-Heini und da kann man schon mal Hammerhead gut finden und in der DVD dabei sein, als alter Hardcore-Heini. Abgesehen davon, kann der uns doch gut finden und selbst Scheiss-Musik machen, dass ist ihm doch selbst überlassen oder?

O: Unbenommen!

T: Also, ich finde selber auch Scheiss-Musik gut und mache selber gute.

M: Ja okay, aber so Leute wie der Teenage-Rebel Typ oder der Armin vom Plot, die ja auch in der DVD vorkommen, die haben alle einen Bezug zu euch…

N: Also, Armin hat jetzt auch nicht „den“ Bezug zu uns, der hat einmal eine Platte von uns zwei mal herausgebracht. Der hat höchstens Bezüge durch uns, von denen er in Saus und Braus lebt. Wenn du das liest, Armin: Das war ein Scherz!

T: Na ja, das ist halt so, wenn du eine DVD machst, da nimmst halt Leute mit rein, die irgendwie bekannt sind und irgendwas zu Hammerhead erzählen, und auch wenn sie keinen Bezug zu uns haben, Hauptsache, die erzählen etwas zu Hammerhead.

M: Thema neue Platte: Bei der Vorbereitung zum Interview habe ich mir noch mal euer Ox-Interview durchgelesen, dass fand ich ganz witzig, dass Norbert da sagte, dass die DVD eine Art Ersatzhandlung für die fehlende Band ist. Das wäre meine Frage gewesen, was denn die neue Ersatzhandlung ist, dass hat sich dann aber mit eurer neuen Platte erledigt.

N: Musical.

T: Hammerhead, das Musical, ich denke, dass wird wohl 2012 zum ersten Mal aufgeführt im Musicdom in Köln, direkt da am HBF, das kennt ihr ja alle.

J: Ja klar, da wo dieses Queen-Teil ist?

T: Ja, Queen jetzt nicht mehr, My fair Lady oder so.

O: Ich werde auch von der berühmten russischen Tanzlehrerin Ivana Dubrownika trainiert und eines Tages werde ich den Spagat beherrschen.

M: Äh okay, was wird auf der neuen Platte drauf sein?

N: Wir haben halt ständig Anfragen von Leuten bekommen, ob wir noch Exemplare von den alten Singles bei uns herumfliegen hätten, teilweise waren das auch total bekloppte Typen aus Japan und Südamerika. Jetzt packen wir komplett den alten Kram und noch sämtliche Samplerbeiträge und B-Seiten auf eine LP. Ein oder zwei gänzlich unveröffentlichte Songs sind auch noch drauf.

T: Ja, halt diese ganze Singles-Scheisse.

M: Perkoro Records macht die oder? Wie kam der Kontakt?

N: Ja, Perkoro. Das ist ja auch so ein Typ, den es schon immer gab und aus der gleichen Szene wie wir kommt. Durch die DVD und den Rereleases kam man jetzt wieder in Kontakt und so hat sich das ergeben.

T: Nein, das war ganz anders: der hat immer angerufen, Norbert hat sich dann am Telefon von seiner Frau verleugnen lassen. Dann kamen schleimige E-Mails von wegen „Können wir nicht mal vielleicht…“ und irgendwann hat Norbert sich dann bereiterklärt, „Komm, du Arschkriecher, mach den Rotz, Tschö mit Ö.“

R: Wir hatten jede Menge Angebote, von Geffen und so…

T: Ja, Universal war auch dran, Madonna hatte angerufen, aber da meinte ich dann: „Hör mal Madonna, du bist zu alt, da mit dem alten Oma-Gesicht“.

J: Und da kramt ihr den armen Perkoro-Markus aus…

T: Ja, aber das ist doch Support, wir wollten der Szene auch mal das zurückgeben, was wir bekommen haben, haha.

M: Wie wird die aussehen? Wer macht das Cover? Gibt’s Linernotes?

O: Linernotes? Kenne ich nicht. Was ist das?

J: Ja hier so ein Geschreibsel, was ihr auch zu euren zwei Re-Releases gemacht hat, wer schrieb das eigentlich, du Norbert?

N: Ich und der Tobias, ja. Also, die Platte wird auf jeden Fall sehr liebevoll gestaltet werden, Booklet, Klappcover, farbiges Vinyl, pipapo, kommt Ende November raus.

M: Kann man eigentlich, wo wir es eben mit Reagan Youth und Reagan Ära Hardcore vorhin auf dem Schiff hatten, eure Musik als Kohl Ära HC bezeichnen? Kann man das so nachvollziehen, weil es waren ja schon 16 Jahre Kohl, dieses Angepisst sein?

N: Das stimmt insofern nicht, als dass der Vater unseres Sängers Redenschreiber von Helmut Kohl war.

J: Joah, okay, Thema durch, ha.

N: Hey, gute Story, oder nicht?

J: Die Birne, cool, ist ja lustig.

T: Mein Vater war Mitarbeiter der Regierung Kohl-Ära-Hardcore. Nee, aber das ist völliger Blödsinn, leerer Begriff, ist halt Hardcore. Es gibt vielleicht Hardcore vor 89 und nach 89, wir gehören auf jeden Fall zu der Phase nach 89. Wobei diese Unterscheidung auch bescheuert ist, es gibt halt Hardcore von früher und welchen, der noch älter ist.

N: Abgesehen davon, ob eine SPD oder CDU-Regierung dran ist, ist für Punkrock relativ irrelevant. Es ist doch total unerträglich, dass manche glauben, Punk müsse sich konstruktiv in Realpolitik einbringen. Dann kommt dann so eine konservative Betroffenheitsscheiße wie seinerzeit „But Alive“ bei raus. Und ich glaube, unter einer Kohl-Regierung musste man auch nicht schlimmer leiden, als man unter einer Scharping-Regierung hätte leiden müssen.

T: Es war niemals eine bleierne Zeit oder so was, es war immer alles total prosperierend und total super und jeder, der sich beschwert darüber, dass es irgendwie alles fürchterlich ist, spinnt. Man hat nur gute Zeiten erlebt, die schlechten Zeiten waren, oder kommen vielleicht noch.

O: Ich muss bemängeln, dass die Ostseestrände um einiges schöner aussehen als die Nordseestrände und das liegt ja wohl eindeutig an der SPD.

R: Muss ich aber auch sagen, dass der Begriff nicht passt, ob es jetzt nen SPD-Kanzler oder einer von der CDU ist, dass ist unwichtig, also, nee, kein Kohl-Ära-Hardcore oder so.

J: Ja gut, aber man sagt doch immer so, auf Ami-Punk bezogen, wo Reagan an der Macht war, dass eine konservative Regierung immer eine starke Punk-Gegenbewegung hervorbringt, insofern müsste man ja fast sagen, „Hey, wenn ihr ne spitzen Punk-Bewegung haben wollt, wählt rechts“.

T: Das steht doch völlig außen vor und spielt doch gar keine Rolle. Die amerikanischen Verhältnisse sind doch ganz andere als in Deutschland. In Deutschland ging‘s steil bergauf und man konnte doch als totaler Faulsack okay und kommod daher leben und in den USA war das nicht der Fall. Wie es jetzt in den USA genau war, weiß ich natürlich nicht, aber in Deutschland ist das Leben immer noch tausend Mal einfacher als in den USA.

M: Gibt’s eigentlich Songs, die ihr bereuet, z.B. „Köter“ oder „Ich sauf allein“ ?

T: Also, wir hatten eine Handvoll guter Stücke, jetzt hast du zwei davon genannt, warum sollen wir gerade die bereuen? Die Lieder sind uns glücklicherweise gelungen, warum sollte man das doof finden?

N: Na ja, also, der Punkt, dass die Leute „Ich sauf allein“ manchmal so als Sauferhymne titulieren und..

J: Komisch oder, haha.

N: Es ist eigentlich ein sehr depressives Stück und.. na ja, ach, wenn die Leute es so sehen wollen, dann sollen sie es halt so sehen.

J: Aber nervt dass nicht, dass die Leute dann immer kommen „Ey, geil Tobias, ich sauf auch allein, super Sache“?

T: Nö, das nervt nicht, weil ich diese Leute nie treffe, weil die ja zu Hause abhängen, haha. Und wenn dann alle zusammen zu „Ich sauf allein“ grölen, dann ist das ja auch ein bisschen albern. Eigentlich ist es ein trauriges Lied.

M: Wie kam es eigentlich zu dem Coverlied „Luka“, kanntet ihr den daher, weil ihr mit Bad Trip auf Tour wart und mal mit Lemonheads gespielt habt? Der Song ist ja schon ganz anders als der Rest von euch?

N: Nee, das hat damit nix zu tun. Wir haben das Lied vor den Lemonheads gecovert. Aber, ganz ehrlich, wir haben versucht, mal unseren eigenen Rahmen zu sprengen, aber wir können es leider nicht.

T: Ging nicht, unser Sänger krächzt, das ist kaum auszuhalten, der Trommler kann den Takt nicht halten, unser Gitarrist spielt auch nur Scheisse…

M: „Stay where the Pepper Grows“ und besonders bei dem Schnipsellayout, ich hab da so ein Dystopia Feeling weil musikalisch recht ähnlich und wegen dem crustigen Layout. War das bewusst so gemacht, ist euch die Band überhaupt bekannt?

T: Nö.

O: Wer ist das?

M: So eine crustige Sludge-Band… ich dachte so, vom Stil und es war auch die selbe Zeit…

N: Du meinst das Inlay… Also Schnipsellayout habe ich ehrlich gesagt auch vorher schon mal gesehen. Vom Statement her ist unsere erste Platte zwar total politisch und gesellschaftskritisch, aber mehr sagen wir jetzt nicht dazu.

T: Es sei denn, es kommen ganz konkrete Fragen.

O: Das doofe ist ja, dass wir selbst Gesellschaft sind.

M: Okay, konkrete Frage: Bodonski Records, was ist da die Story, ist der zum Nazi geworden?

N: Keine Ahnung, was er heute macht. Ich hatte damals nur gehört, „Da ist so ein Ox-Typ, der will eine Platte von uns raus bringen und dann dachten wir…

O: …machen wir das, sonst kommt ja keiner…

T: Eben, so ist es eigentlich immer bei uns gelaufen oder?

N: Na ja, dann haben wir den getroffen und festgestellt, dass er ein totales Arschloch ist. Auch bei sämtlichen Telefonaten und bei sonstigen Verkehrungen, die wir mit dem Typen hatten. War eher widerlich, aber er war halt der Typ, der unsere erste Single gemacht hat.

O: Aber immerhin 1,5 Jahre zu spät rausgebracht, die war ja uralt, als die endlich kam. Da waren wir schon viel weiter, haha.

M: Da war ja noch die Story mit dem Hiller, kann man sagen, dass ihr eine Zap-Band wart und das Ox mehr der Gegenpol war? War da eine Feindschaft?

T: Nein, das mit einer Zap-Band, das spielt überhaupt keine Rolle. Der Moses fand uns immer super und mehr brauchen wir ja nicht zu wissen.

N: Zap war halt mehr als ein Musikmagazin und ich kenne kein Fanzine heute, das irgendwie mehr als ein Musikmagazin ist. Die ganze Punkrocksache ist teilweise so eine Retro-Geschichte, in der gebetsmühlenartig immer und immer wieder die gleichen Dinge gesagt und gemacht werden. Und das Zap war einfach noch ein lebendiges Heft. Da war eine bestimmte Haltung vorhanden. Im Laufe der Jahre war sicher nicht alles toll, was da drin stand, aber es wurde einfach viel ausprobiert und das war teilweise sehr cool.

T: Es war auf jeden Fall lebhafter, als so ein Musikexperten-Heft wie das Ox oder wie andere Hefte.

J: Du kannst ruhig auch Trust sagen.

N: Das Trust ist doch gar nicht so schlecht. Ich bin Fan von Bleiwüsten und abgelaufenen Bundeswehrkeksen.

J: Aber das Zap hat ja auch verschiedene Phasen gehabt, von New York Hardcore zu Antifa und zu APPD und Fussball… Hammerhead haben auch verschiedene Phasen gehabt…

T: Ja toll, was willst du jetzt hören, ja, Zap war so, wir waren so, alle waren so, Punkt.

J: Man könnte ja so als Fan sagen, „Oh cool, Hammerhead so die Trendentdecker, die immer schon wissen, was als nächstes kommt“, und die anderen könnten dann sagen „Immer das, was gerade aktuell ist, so waren auch Hammerhead“, von Straight Edge zu NY HC und zu Punkrock…

O: Wir haben doch nie groß erfolgsmäßig irgendwas gehabt, du weißt doch gar nicht, wie das bei uns aussieht, da erzählst du doch gerade Kack da. Ist doch wurscht, wir haben halt irgendwas gemacht, da waren dann ein paar Leute da. Wir haben so erbärmlich wenig Platten verkauft, Quatsch mit Soße im Grunde. Also, das ist doch jetzt nix.

N: Bei den meisten Bands ist es doch folgendermaßen: da ist ne Streetpunk-Band, die klingen so, sehen so aus und quatschen so ein Zeug daher, da ist ne Skinhead-Band, da ist keine Ahnung was für ne Punkband. Da sehen alle Bandmitglieder nach diesem Stil aus, wie aus den Crazyshop-Katalog und machen immer das gleiche und das machen die dann auch 10 Jahre lang. Auf dem Bandfoto wird böse geguckt. Hammerhead…

T: …sah immer total geil aus und hat geile Musik gemacht, ich meine, das musste erst mal schaffen.

N: Ich mein´, wir haben halt nicht versucht, die ganze Zeit immer so einen bestimmten Stiefel durchzudrücken. Was wir gemacht haben, haben wir gemacht, weil wir es gut fanden. Das ganze fand natürlich auch nicht im luftleeren Raum statt und das hat sich im Laufe der 15 Jahre verändert. Wir sahen jetzt auch nicht die ganze Zeit unbedingt homogen aus und ich durfte sogar mal ne Schlaghose tragen. Wenn wir jetzt am Anfang XY-Punk gemacht hätten und machten das jetzt immer noch, das wäre ja noch größerer Scheissdreck. Wir haben 1989 angefangen und bis 2004 hat sich da schon ein bisschen etwas geändert.

T: Wir haben nie, und hatten das auch nie, dass wir an irgendwelchen Codes oder Musikstilrichtungen …also, dass ist uns am Arsch vorbeigegangen.

N: Na ja, aber das stimmt jetzt nicht ganz, wir haben ja schon am Anfang versucht, NY-Posi-HC zu machen und so…

J: Ja genau, und dann zu Sauf-Punk und PunknRoll..

T: Wir haben nie Sauf-Punk gemacht, da kannste noch so oft stumpf sein, wie du willst.

N: Wir haben danach aber auch wirklich keinen RocknRoll gemacht. Das hängt aber auch von dem Alter der Leute ab. Wenn du halt gerade 19 bist und eine Band anfängst, klar, da orientierst du dich an Bands, die du gerade super findest und möchtest so sein wie die. Und nach einer gewissen Zeit war uns das dann eigentlich egal, wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten dann das gemacht, was wir selber gut fanden, oder besser gesagt: was wir gemeinsam nicht total scheiße fanden.

T: Also, Leute mit Gehirn emanzipieren sich irgendwann von ihren Vorbildern, Leute ohne Gehirn wie z.B. aus Freiboiter aus Freiberg, die machen immer weiter den selben Stiefel. Irgendwann kommen sie dann auf den Trichter: „Okay, Oi ist Scheisse, wir machen jetzt Mike Ness-Musik“, das schaffen sie im Lebtag nicht. Und wir haben eigene Musik gemacht. In der Regel machen halt Leute in Bands irgendwas nach.

N: Vor allen aus Deutschland.

T: Genau, wo ich dieses Forum nutzen darf: Deutsche Bands sind zu 99,9 % totale Scheisse. Weil sie nix können, weil sie einfach irgendwelche Bands nachmachen und sich eine Frisur wie euer Interviewpartner zulegen, dazu ne zugeknöpfte Jeansjacke und Aufnäher obendrauf und sagen „Wir machen Streetpunk, wir supporten die Antifa“, ist ja klar, und da kommt da so eine halbgare Deutschpunk-Scheisse draus raus, wo du dir denkst „Joah, Mike Ness…“

J: Du meinst, wenn UK Subs aus Deutschland kommen würden, fändest du die gut?

T: Ja wenn die aus Deutschland kommen würden, aber die kommen ja aus England.

J: Aber das ist doch so eine Band, wo die Leute immer sagen „Hey, die gibt’s seit 1977, die gibt’s seit 30 Jahren, blabla und der Typ ist 65, Respekt, dass die durchgehalten haben mit ihrem Stil“?

N: Aber die waren wahrscheinlich schon 1971 Scheisse für meinen Geschmack, also das nützt mir auch nix.

O: Queen war 1971 ganz gut.

T: Ha ha, nee, aber das ist doch jetzt Quatsch hier, wann wer gut war. Aus Deutschland kommt eigentlich nur Scheisse, außer Deutschpunk.

O: Aber Deutschpunk nach 85 ist natürlich auch Scheisse.

M: Norbert hat mal in dem Ox-Interview gesagt, die damalige Zeit hätte eine Band wie Hammerhead gebraucht, um die eingeschlafene Punkszene zu beleben. Und heute wäre es um so nötiger.

T: Norbert, ei, Respekt.

N: Ach, das ist doch Blödsinn. Die Szene „braucht“ uns bestimmt nicht. Was ich meinte ist, dass es früher im Hardcore-Umfeld total schnurchig und bieder war. Und das hat sich meiner Ansicht nach nicht unbedingt grundlegend geändert. Das wird halt alles von gediegenen Mittelschichtlern gemacht – die wir sicher auch sind – und da gehört halt nicht viel dazu, mal ein paar Leute zu erschrecken. Das haben wir gemacht und das könnte man heute sicher ähnlich machen. Das Problem war halt irgendwann, dass die Leute bei unseren Auftritten irgendwas Schockierendes erwartet haben. Und wenn das dann erwartet wird, ist der Witz halt weg. Dann kann man es auch bleiben lassen. Irgendwann konnten wir die Leute nur noch schocken, wenn wir einen Kaffee mit Milch und Zucker geschlürft haben und beim abspülen geholfen haben.

M: Wie ist das denn heute, was kennt ihr für Leute, ich denke, ihr geht noch auf Konzerte…

O: Ich kenne schon Leute.

M: Was interessiert euch denn an aktuellen Bands? Bombenalarm, was haltet Ihr von denen? Ich finde, die orientieren sich an euch, mit diesem Deutsch / Englisch-Gesang.

O: Ist nie verkehrt, aber Bombenalarm kenne ich nicht.

N: Mit denen haben wir doch unser vorletztes Konzert gespielt.

O: Bombenterror?

N: Ja, ist ne ganz gute Band, Bombenalarm.

T: Man munkelt, der Sänger sei schwul.

R: Dean Dirg sind super.

O: Ich sag‘s noch mal, ich kenne keine aktuellen Bands!

T: Ich war irgendwann mal auf einem Konzert, was umgelegt wurde, weil der Laden, wo es hätte ursprünglich stattfinden sollen, nicht durfte wegen irgendwas mit Nazis… das war in der Mensa der Kölner Uni. Das war so trist, da habe ich mir gedacht, mein Gott, warum bist du nicht einfach Hiphop-Proll? Das war so trist und so ätzend, da waren so Dreadlock-Weiber, die dann so vegane Scheisse verkauft haben, so Trottel, die so komische Platten verkauft haben, und die haben so komisch getanzt in dieser fünfziger Jahre-Aula, einen Crustzirkus aufgebaut. Scheisse einfach nur, das war überhaupt nicht lustig, überhaupt nicht nett, das war einfach nur alt, überholt, zum Kotzen.

N: Ich finde, das kommt jetzt aber auch so ein bisschen altherrenmässig, so von wegen „alles kein Punk mehr heute, weisste“.

T: Das war am Anfang alles am Brodeln und eine lebendige Szene, die wir mitbekommen haben und das ist alles nicht mehr drin.

O: Unbestritten.

T: Aber ich würde auch niemals jungen Leuten absprechen, Punk zu sein, das ist ja auch total albern zu sagen, von wegen „Ja, Punk war früher blablabla“. Jede Generation hat ihren eigenen Punk und der äußert sich auf eine gewisse Art und Weise. Aber diese Crustkonzerte da heute, da stinken die alle immer noch nach Patchuli und sehen ganz schlimm aus und ist noch achzigmal mehr von früher als ich es schon bin.

N: Haha, na ja, Moses hat das ja auf der DVD gesagt, Punk als Kommentar zur Gesellschaft wird es immer geben, nur in einer anderen Form und…

J: Ja stimmt, das hat er gut gesagt.

N: Ja, und es gibt dann auf der anderen Seite junge Leute, die übernehmen dann halt nur die Form, die sind halt etwas arm.

T: Punk tritt heute einfach in einer ganz anderen Ausdrucksform auf, und eigentlich hat man da gar kein Recht, dazu irgendwas zu sagen.

J: Im Razorcake wurde zu dem Rerelease euer ersten Platte gesagt, dass sich das wie die mittlere Zeit von Poison Idea anhört, jetzt hatten wir es ja gerade mit aktuellen Bands, äh, habt ihr so ne alte Band als Konsensband, wo ihr alle sagen würdet „Ja cool, die isses“?

N: Ja, das ist doch gut. Poison Idea fand ich super, außer der mittleren Phase.

O: Da haben sie halt probiert, wie Hammerhead zu klingen.

R: Poison Idea ist z.B. so eine Band.

O: Aber nur auf Vinyl und nur die mittlere Phase.

T: Ja, da gab‘s doch diese Band, wie hießen die, irgendwas mit Poison…

O: Poison Idea.

T: Ja, die sind‘s! Habt ihr noch ne Frage?

M: Ja, warum du in Köln wohnst?

N: Endlich mal ne konkrete Frage, warum wohnst du in Köln, Tobias?

M: Na ja, das ist doch die Hassstadt schlechthin, Köln, mit den ganzen Medientypen.

T: Ah, es gibt keinen Grund, nicht in Köln zu wohnen, wenn man das Rheinland liebt, wie ich es tue.

N: Und wenn man Geld hat.

T: Das setze ich voraus, ich rede nicht mit Leuten, die kein Geld haben.

O: Wobei ich von Berlin nur abraten kann.

T: Ich will einfach mit Leuten, die kein Geld haben, also, mit diesem Pöbel möchte ich nicht reden.

O: Ach Tobi…

T: Du hast doch Geld.

O: Ja wo denn?

T: Ja auf der Bank?

O: Ich bin im Minus, da geht nix mehr. Deshalb fahr ich auch nach Polen in den Urlaub für 2,50 die Nacht.

T: Ja gut, da müssen wir noch mal reden.

J: Hammerhead gibt’s jetzt seit 4 Jahren nicht mehr, glaubt ihr, heute würde noch mal so was wie Hammerhead funktionieren?

O: Äh, es hat ja nicht funktioniert.

N: Es hat wirklich nicht funktioniert, ich glaube, dass man das wirklich noch mal so sagen muss. Gut, die DVD hat funktioniert. Aber Hammerhead war immer eine relativ erfolglose Band. Ich meine, wir waren super und total fantastisch und clevere Leute haben das gemerkt, das ist ja nicht das Ding, aber es hat relativ wenig Leute interessiert. Von daher hat‘s damals nicht funktioniert, und ich glaube, heute würde es auch nicht funktionieren.

J: Aber ihr wart ja in allen relevanten Fanzines vertreten und so?

N: Damit sprichst du zu Recht dem „Trust“ ab, ein relevantes Fanzine zu sein. Die Leute, die damals auf den Konzerten waren und heute fürs Intro oder im Mafia Forum oder im Trust schreiben und uns berechtigterweise gut fanden, das waren dann auch nicht gerade viele. Wenn du willst, waren das vielleicht irgendwelche Szenespezialisten, die mittlerweile halt etwas zu melden haben. Deshalb tauchten ja jetzt Besprechungen von der DVD ja auch im „Visions“ oder „Spex“ auf. Vielleicht verstehen jetzt, im Nachhinein, ein paar Leute Hammerhead besser und glauben nicht mehr wie früher, dass wir Doppelkorn spritzen und mit einer Abrissbirne anrücken, um das JUZ in Schutt und Asche legen wollen – und wenn doch, dass es ein ganz guter Scherz ist.

J: Warum habt ihr eigentlich das AJZ Honburg in eurem Bericht zu der Abschiedstour so gedisst als Alkoholiker Jugendzentrum, HC hat doch da mal angefangen?

N: Ja, damals 1986 bei Spermbirds, da war das bestimmt total super – damals waren wir leider nicht dort. Unsere ersten Konzerte dort 1992 waren auch noch geil.

T: Aber heute, ich meine, man kann doch Dinge so schreiben, wie sie sind. Wir haben nix schlecht geschrieben, wir haben es einfach geschrieben, wie es da ist. Und so ist es da. Das ist eine gottverlassene Gegend da, die Leute sind so wie sie sind. Da passiert doch nix, da kommt halt alle Jubeljahre mal ne Band vorbei und die Leute freuen sich dann.

O: Da waren auch junge Leute da, okay, aber doch mehr so Kraftsporttrottel, die sich den letzten Rest weggesoffen haben.

J: Seid ihr eigentlich ein bisschen neidisch auf Muff Potter, also, das eure alten ex-Labelkollegen jetzt so einen Erfolg haben?

O: Nö, wieso?

J: Dass die Musiker von ihrer Musik leben können? Die sind ja ähnlich alt wie ihr, und die haben es „geschafft“?

T: Nein, Muff Potter haben immer alles auf eine Karte gesetzt, da habe ich auf jeden Fall Respekt vor. Das finde ich Respekt abnötigend. Ich weiß, dass der Nagel nix anderes gelernt hat, als das, was er tut, wobei er das wohl auch nicht gelernt hat was er da tut.

J: Habt ihr noch viel Kontakt zu denen?

T: Nein.

N: Sporadisch. Für das DVD-Interview habe ich mich mit denen getroffen, das war nach deren Konzert in Düsseldorf im Hotel. Das war wie von der Arbeit kommen. Der Nagel konnte nix dazu sagen, wenn man den fragte, ob es Spaß gemacht hat. Das ist eine komplette andere Schiene. Da ist nix mit nach den Konzerten bei anderen Leuten pennen und mit denen einen drauf machen. Das ist halt deren Beruf. Und das ist ja auch ein okayer Beruf, aber so mit dem Spaß oder mit dem Inhalt, den man da vielleicht irgendwie hatte, hat das ja nix gemein. Ich fand es halt komisch, dass die etwas so ähnliches, wie ich früher gemacht habe, machen und es sich so unterschiedlich anfühlt.

T: Die waren damals interessiert an uns, wir waren irgendwie die coole Band und die wollten ne Platte von uns machen, und waren noch Kiddies und haben sich auch so benommen, aber wir waren ne Punkbank, Scheiss drauf, wenn die ne Platte mit uns machen wollten, warum nicht. Wir sind die ganze Sache ja auch nie strategisch angegangen, warum immer an Morgen denken? Wen interessiert den schon morgen?

J: Wenn die Leute jetzt im Trust über euch lesen, die die euch kennen und die euch nicht kennen, äh, was sollen die von euch denken?

T: Ach komm jetzt, hier jetzt nicht so ne Posiealbumfragen. Was meinst du damit, was soll das sein?

J: Ja wat weiß ich, habt ihr ne Botschaft oder so?

O: Eine Botschaft?

J: Ja hier, wie bei Verbal Assault?

O: Verbal Assault, ich bitte dich, was hatten die denn für ne Botschaft?

J: Ja hier, more than Music und Kommunikation blabla?

O: Ja blablabla, och nee, ich meine, Nee, diese tuntige Pisse da. Nein, natürlich waren die fantastisch, aber, oh Gott oh Gott oh Gott.

J: Ok, ha ha, sehr schön, äh, ich hätte noch kurze Abschlussfragen. Wann kommt das nächste Hammerhead Konzert?

O: Wenn einer von uns den ersten Bypass hat und die Scheidung eingereicht wird.

T: Und wenn die ersten Sachbearbeiterkränze da sind.

N: …also möglicherweise sehr bald.

J: Habt ihr noch einen Gruß an die Trustleser?

T: Die sollen aufhören, so antisemitisch zu sein.

O: Sonst kommen sie ins KZ.

***

Einleitung/ Interview: Matze und Jan

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Hammerhead auf Wikipedia
Hammerhead auf Discogs

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