Dezember 15th, 2016

FREIBURG (#176, 2-16)

Posted in interview by Jan

Freiburg – mit Wut im Bauch!

Freiburg muss man wahrscheinlich nicht mehr groß vorstellen. Durch stetiges spielen, durch drei großartige Alben haben sie sich einen Bekanntheitsgrad erspielt und erarbeitet. Von Ostwestfalen in die Welt, sozusagen. Und natürlich werden aufmerksame Trust-Lerser/innen anmerken, dass im Trust vor zwei Jahren schon einmal ein Interview mit den Jungs zu lesen war. Doch was machen, wenn sich weitere Fragen ergeben? Was tun, wenn man Fan ist und noch mehr wissen will? Nun ja, man fragt nach und macht einfach ein Interview, sozusagen Teil 2.

Neben abseitigen Diskussionen über den furchtbaren Xuxu-Schnaps, der laut Jonas dafür verantwortlich gemacht werden kann, wenn eine ganze Generation an Diabetes leiden wird, ging es vor allem über die letzten beiden Jahre, über die politische Situation in diesem Land, über das Visions-Magazin und über Duesenjaeger. Das Interview wurde übers Netz geführt mit Jonas, der für den Gesang und Bass zuständig ist, sowie mit Lars, der später hinzukam und ansonsten den Takt am Schlagzeug vorgibt.

 

Okay, here we go – in der Hoffnung, dass Lars bald dabei ist.

Jonas: Dann mal los.

In den letzten beiden Jahren ist eine Menge passiert. „Aufbruch“ ist erschienen und wurde ziemlich abgefeiert, zu Recht, wie ich meine. Ihr habt unter anderem auf This Charming Man Festivals gespielt und auf den Jubiläumsfeiern Turbostaat mehrfach supporten dürfen. Was hat sich nun mit „Brief und Siegel“ für Euch verändert?

Jonas: Puh gute Frage. Bisher ist quasi alles beim Alten. Vielleicht sind auf den Konzerten jetzt 3-4 Leute textsicherer. Aber im Großen und Ganzen kommt sowas doch sehr schleichend. Wir haben bis dato erst sechs Konzerte mit den neuen Songs gespielt und beim ersten Konzert war die Platte noch gar nicht draußen. Bisher ist man viel zu froh darüber, endlich die neuen Songs spielen zu können.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die mit dem Alter eher ruhiger werden, teilweise sogar in Richtung Pop abdriften, habe ich das Gefühl, ihr bringt mehr Screamo und Post-Hardcore-Anleihen mit in Euer Songwriting. Werdet ihr wütender? Oder versierter an den Instrumenten?

Jonas: Sowohl als auch. Beziehungsweise kann man das von sich selbst behaupten: Man wird versierter an seinem Instrument? Naja, musikalisch gesehen ist es so, dass wir uns um Welten wohler fühlen, wenn wir ein ordentliches Brett raushauen. Egal ob live, im Studio oder im Proberaum. Und die immer wütender werdende Attitüde muss man ja gar nicht bei den Haaren herbei ziehen. Wenn ich lese, dass jeden Montag deutschlandweit tausende Menschen auf die Straße gehen, unter völlig abstrusen Deckmänteln, nur um ihre rassistische Hetze zu betreiben, ist definitiv kein Platz für auch nur ein einziges Liebeslied.

Das ist mir auch aufgefallen, mit „Tote Herzen“ thematisiert ihr sehr bildlich, aber gleichzeitig direkt, das Thema Nationalstolz. Ist das der allgemeinen Nachrichtenlage geschuldet, dass ihr Euch – meines Wissens nach – erstmalig so deutlich politisch äußert? Oder persönliche Erfahrungen? Bekommt ihr Feedback zu solchen Themen?

Jonas: Textlich gesehen wollte ich schon sehr lange politischer werden. Zumindest offensiver. Raus aus nur Gesellschaftskritik. Aber obwohl ich ein riesen Fan von total plakativem Punk bin, habe ich es bisher nicht geschafft, einen Text zu schreiben, der genau dies ist. Der Text zu „tote Herzen“ stand schon lange, aber ich habe bis kurz vor den Aufnahmen immer noch daran rumgetüftelt. Klingt vielleicht albern, weil der Song so kurz ist, aber ich kann in Songs einfach nicht plakativ schreiben und habe deshalb lange für die Umsetzung gebraucht. Davon ab ist es traurig, dass man jetzt erst wieder politisch werden muss. Immer erst 5 vor 12. Bevor es mit dem ganzen Rotz los ging war es doch total en vouge, Politik aus allem rauszuhalten und diejenigen, die sich politisch engagiert haben, zu belächeln.

Aber ist es nicht so, dass Politik und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen konstant Scheiße sind? Ich meine, Syrien-Krieg, Afghanistan-Krieg, Exportweltmeister Deutschland (das kostet natürlich woanders Arbeitsplätze), Menschenrechtsverletzungen für „Made in Germany“ (Textil- oder Rohstofflieferketten nur als zwei Beispiele) – es sind ja jetzt eher die Konsequenzen dieser Politik, die wir sehen. Sozusagen ignorantes Wohlstandsghetto, in dem wir leben.

Jonas: Ja, aber das ist doch genau der Punkt. Es wird einfach nicht global gedacht bei solchen Themen. Und wenn in Syrien Krieg ist, ja schrecklich, aber Hauptsache der neue Tatort ist gut und wenn nicht dann twitter ich eben, dass ich den scheiße fand. Erst wenn etwas im Land selbst passiert, muss jeder seine Meinung kund tun. Aber dann hat man da auch 82 Millionen Experten für dieses Thema. Für mich ist das, wie der Weg des geringsten Widerstands, oder eben die Kette des Anschreiens. Es wird doch gar nicht darüber nachgedacht, warum, wieso, weshalb.

Habt ihr Feedback auf den Text bekommen? In Reviews oder auf Konzerten?

Jonas: Feedback bisher war nur, dass es generell aufgefallen ist, dass wir mit Tote Herzen und Kanüle Abwärts politischer zu werden.

Ihr habt, in Anbetracht der momentanen Situation vieler Migrant/innen und die politische Diskussion u.a. die Einnahmen aus dem Verkauf von Turnbeuteln an Pro Asyl gespendet. Das ist ja auch eine Reaktion auf die Missstände. Kannst Du dazu noch etwas sagen?

Jonas: Uns ist bei der Aktion wichtig ein Statement zu setzen. Dieser ganze Fremdenhass geht halt gar nicht, da gibt es nichts zu diskutieren. Als wir generell alles für die Platte und alles was jetzt so kommt besprochen haben, ist das halt auf den Tisch gekommen, sich auch daran zu beteiligen. Wir machen definitiv kein Geld mit unserer Musik und füllen Stadien oder so ein Quatsch, aber dieser Weg Geld für Pro Asyl aufzutreiben ist für uns das Mindeste.

Warum Pro Asyl?

Jonas: Zu dem Zeitpunkt hat Pro Asyl sehr stark darauf aufmerksam gemacht, was der Bundestag für Asylverschärfungen vorsieht, die ja auch mit einem wirklich traurigen Wahlgang durchgewunken wurden.

Finde ich sehr unterstützenswert, v.a. weil sie auch politisch an Strukturen arbeiten!

Jonas: Genau das ist der springende Punkt.

Okay, lass uns noch mal zurück auf das neue Album kommen. Mit Brief und Siegel heißt es. Ein eher ungewöhnlicher Titel, denn mit „Brief und Siegel“ gibt man eine bindende Aussage, eine feste Zusage, eine Garantie. Für wen und / oder was gebt ihr diese Verbindlichkeit?

Jonas: Überbegriff war dabei tatsächlich diese Verbindlichkeit. Für etwas, dass jetzt da ist. Unumstößlich. Außerdem passt es halt super zu dem verwendeten Wortschatz von der Brief und Siegel, klar auch von der Aufbruch. Es muss halt stimmig sein. Das also Plus man hatte schon Ideen was das Artwork angeht. Haha.

Ich habe ja tatsächlich recherchiert für den Begriff. Dachte immer, das wäre etwas Königliches oder Royales, wegen dem Siegel, es kommt aber tatsächlich aus der frühen Rechtsprechung. Jetzt hat Punkrock – trotz diverser Klagewellen wie Dead Kenndys vs. Jello Biafra oder Black Flag gegen Alles und Alle – und Rechtsprechung nicht unbedingt direkt etwas miteinander zu tun. Gab es da weitere Bezüge für Euch?

Jonas: Ich hab da jetzt ehrlich gesagt keinen Bezug. Aber dass es sich dabei um amtliche, notariell beglaubigte Schreiben handelt wusste ich. Wir haben das Ganze nur auf der sprichwörtlichen Ebene gesehen.

Lars: Ja, so habe ich das auf jeden Fall auch vernommen. Ich kann mich noch erinnern wie Jonas mit dem Namen kam und wir erst ein wenig skeptisch waren, weil es recht „königlich“ klang, aber je mehr das alles gewachsen ist und auch die Songs immer „wie in Stein gemeißelter“ wurden, desto passender und letztendlich perfekter wurde es.

Textlich ist das Album sehr, sehr düster geworden. Verlust von geliebten Menschen, Selbstmordversuche, Alleine-Sein und Winter sind wiederkommende Bilder. Was war da prägend für Dich?

Jonas: Seitdem ich beim Schreiben in die dritte Person Perspektive gewechselt habe, finde ich es spannender seinen Unmut in Bildern auszudrücken. Nicht nur spannender, sondern vor allem selbst wirkungsvoller. Einzelne Songs stellen einfach nur eine Szene da. Manchmal nur ein einziges Bild. Und wenn man sich einen guten Film, der einen richtig packt, anschaut, sind diese fiesen Bilder, die, die hängen bleiben. Ich versuche nichts anderes.

Roggen, Sensen, Gewehre – viele Texte klingen dann doch nach Herzebrock und nicht Köln, nicht Hamburg. Das war ja sozusagen das Oberthema des letzten Interviews im Trust. Ostwestfalen bleibt also prägend, trotz Köln, Hamburg, London und anderen Abenteuern? Bochum nicht zu vergessen?

Jonas: Nirgendswo kann man die Einsamkeit so sehr zelebrieren, wie auf dem Land. Vielleicht ist man in der Stadt sogar einsamer. Aber man ist es in Gesellschaft. Davon mal ab, finde ich gerade diesen Wortschatz einfach bildmächtiger. Ich finde es albern Wörter wie Smartphone, Flatrate oder sonstigen Quatsch zu singen. Alle Geschichten, die ich besinge, sind einfach einige Jahrzehnte voraus.

Oder Jahrzehnte zurück?

Jonas: Klar, zurück wollte ich sagen, sorry.

Das ist natürlich auch das Problem des Stillstandes. Daher passt wahrscheinlich voraus genauso gut, oder? Ich meine, Smartphones wird es vllt. in 30 Jahren nicht mehr geben, aber Leute die sich aufm Land die Flinte an die Rübe halten, weil sie mit dieser Einsamkeit oder der Menschheit nicht klar kommen, leider schon noch!

Jonas: Fortschritt gilt halt nicht für alles. Haha, Aber witzig, dass du das so ausdrückst. Ist einfach echt so.

Auch die Stadt wird ziemlich verflucht, an einigen Stellen. Es gibt keinen Städte-Hype, der wahrscheinlich bei Gütersloh komisch anmuten würde. Wie wichtig ist das Umfeld gewesen bei der Entstehung der Texte? Wenn ihr im sonnigen Freiburg leben würdet, wären Eure Texte positiver?

Jonas: Nee. Das ist ehrlich gesagt ganz egal. Man solle mir auch nur eine einzige Stadt zeigen, die echt der Hammer ist und man alles einfach ausblenden kann. Gibt’s nicht. Gut so. Utopien braucht kein Mensch. Da würde man doch verrückt werden.

Ich bin ja eher der Meinung, dass der Mangel an Utopien eine gewisse Politikverdrossenheit und Gleichgültigkeit gegenüber Schicksalen von Fremden generiert, aber das wäre wieder anknüpfend an die vorherige Diskussion zu Pro Asyl, etc. Das neue Album hat ja auch mindestens einen Hit, der noch einmal betont wird, dass Tobi von Duesenjaeger ihn mitsingt. Wie kam es zu der Kollaboration?

Jonas: Das hatten wir ehrlich gesagt schon länger vor. Diesmal hat es aber endlich geklappt. Tobi hatte da Bock drauf. Chris hat alles connected. Und auf einmal hat es an der Tür geklopft, als wir im Studio waren. Wir sind damit überglücklich. An dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön, dass er das gemacht hat.

Duesenjager sind ja schon ein konstanter Einfluss für Euch, neben einigen Shows mit ihnen, habt ihr ja auch eine Zeitlang ein Cover von denen im Programm gehabt. Was verbindet Euch? Und was würdest Du sagen, unterscheidet Euch am meisten von ihnen?

Jonas: Mit Duesenjaeger ist man quasi aufgewachsen. Ich hab es damals nicht zu ihrem letzten Konzert geschafft, bzw hab erfahren, dass es ausverkauft ist. Beim ersten Auftritt, als es wieder los ging, war ich dabei. Seitdem ich die live gesehen habe, liebe ich diese Musik noch mehr. Der größte Unterschied ist definitiv, dass wir nicht singen können, sondern nur schreien. Der zweite, dass das Publikum bei uns sich nicht singend in den Armen liegt, sondern alle hektisch mit wippen.

Das Nicht-singen wird ja vor allem deutlich daran, dass auch Tom wieder Songs keift.

Jonas: Zwei sogar. Und darüber bin ich mehr als froh.

Lars: Ich auch!

Die fallen auch noch mal an Härte und Schnelligkeit aus dem Rahmen. Liegt das an anderen Einflüssen. Tom, der ja auch noch bei Auszenseiter (großartige Screamo Band) spielt, bringt wahrscheinlich noch einmal andere Einflüsse mit rein, oder?

Jonas: Ich bringe immer nur die Texte mit. Riffs und den ganzen Song bauen wir zusammen drum herum. Wenn Tom einen Song schreibt, hat er den Text und schon die Riffs für die Passagen, wo der Text steht. Seinen Einfluss aus der anderen Band will ich dadurch nicht schmälern. Ich bin verdammt froh darüber. Das ist auch einfach das Tolle am Musik machen: Scheiß egal, was du alles leiden magst und dich musikalisch umschlungen hat, du kannst es einfach ausleben. Das Rad kann niemand mehr neu erfinden, es geht nur darum sein eigenes Rad nach und nach zu kreieren.

Euer Album war auch in der Preview bzw. im Album-Stream bei Visions zu hören. Sind das Kompromisse, die ihr eingehen müsst, oder forciert ihr das eher? Das Visions versucht ja schon eher den Spagat zwischen Professionalität, Rock-Mainstream und junge Bands fördern und entdecken, wobei das bei Eurem dritten Album ja eigentlich auch schon ein wenig zu spät ist, was das „Entdecken“ angeht.

Jonas: Wenn sich solche Dinge für uns ergeben, freut man sich darüber. Wenn man eine Platte aufgenommen hat, kann man es überhaupt nicht erwarten, bis das Ding endlich raus ist. Zig Leute fragen, wann man endlich was hören kann. Wie es denn ausschaut? Wann hört man denn endlich was? Das ist natürlich dann eine super Gelegenheit und in gewisserweise auch eine Win-win Situation. Apropos, warum macht ihr keine Previews? Ich glaube, da könnte ich teils echt noch die ein oder andere Platte schneller für mich entdecken. Das Trust versteht sich ja immer noch als Fanzine, vieles des „Business“ ist mir persönlich auch zu wider. Gute Alben sind zeitlos, daher kann ich auch gerne ein paar Tage, Wochen oder Monate warten und braucht aus meiner Sicht nicht unbedingt Previews etc.

Ihr seid noch einmal präsenter, Interviews, Radio, Social Media – liegt das an der Professionalisierung bei Euch? Oder steigt einfach die Nachfrage? Klemmt sich das Label stärker dahinter?

Jonas: Wir wollen einfach Musik machen. Früher haben wir vor unserer ersten Demo auf einem Bandcontest gespielt. Nur um einen Auftritt zu haben. Mittlerweile klappt das ganz gut. Da sind wir einfach nur froh drüber und das ist auch unser einziger Beweggrund. Wir sind für jedes Konzert dankbar. Wir wissen, dass das auch ganz anders sein kann für eine Band. Und wenn jetzt Leute tatsächlich mal für deine Band von der Couch runter kommen find ich das super.

Lars: Puh, ich würde sagen, sowohl als auch. Für uns ist es wichtig, nicht das Ziel zu verfolgen, dass man irgendwann mal Kohle mit der Musik macht – was ohnehin unmöglich ist und auch nicht dafür gedacht ist – sondern, das alles wird ja von uns gemacht, um möglichst vielen Menschen, die es hören wollen, zu zeigen, was wir uns ausgedacht haben, wer wir sind und was wir uns dabei gedacht haben. Zudem ist es wichtig, unsere Meinung kund zu tun und in Gesellschaft zu sein. Und am besten geht das, wenn man möglichst viel rumkommt, möglichst viele Menschen kennenlernt und schöne Abende verbringt. Klar, haben wir auch ein paar Nasen kennengelernt, die wieder wen kennen, der wen kennt…usw. aber das Ziel ist nicht der Kommerz.

Ihr habt im Trust-Interview vor zwei Jahren noch recht großspurig angekündigt, wie gut es wäre, als Freiburg niemals in der Stadt Freiburg zu spielen. Das habt ihr mittlerweile geändert. Wie waren die Reaktionen in der Stadt? Wie war es als Freiburg in Freiburg zu spielen?

Jonas: Merkwürdig! Hat aber auch niemand gerallt, dass wir Freiburg heißen. Wir durften an dem Abend Turbostaat supporten und auf den Plakaten stand halt „Turbostaat + Support: Freiburg“. Hat gefühlt niemand verstanden. Selbst als das Konzert vorbei war, hab ich immer noch Leute gehört, die sich darüber unterhielten, wer denn jetzt die Vor-Band wäre. Haha

Brillant! Was mir noch aufgefallen ist, dass das Artwork noch mal speziell ist (und vor allem sehr liebevoll und schön). Es gibt, wenn man sich alle Eure Plattencover anschaut, keinen typischen Freiburg-Style. Wenn man sich Merch, wie T-Shirts etc. anschaut, dann kann man aber sagen, dass das neue Cover doch am ehesten dem Style entgegen kommt. Wie ist das Coverartwork entstanden?

Lars: Also, die Inspiration und erste Idee war der Lilienstrauß auf dem Inlett der „Aufbruch“-LP, den ich damals gezeichnet hatte und den wir uns „an sich“ gut als Cover vorstellen konnten. Nur, konnte er so (schlecht) nicht bleiben und musste an die Platte angepasst werden. Inspiriert vom recht schlichten Design von Beileidskarten in Kombination mit der Beerdigungsblume schlechthin, war klar, es musste sowas Ähnliches werden. So hat Sandra einen schönen verwelkten Lilienstrauß gezeichnet und das Cover Design gemacht und alle fanden es toll. Dazu gibt es dann noch ein 24 seitiges, komplett von Hand illustriertes Booklet.

Und die einzelnen Graphikelemente? Ich glaube, es ist die erste Platte, die ich gesehen habe, die einen Hirschkäfer abbildet, trotz der Schönheit des Tieres.

Lars: Das war Teil der Ideenfindung. Beim Cover war recht schnell klar, was es wird. Umso schwerer war es beim Booklet. Sandra hat sich jeden Song mehrfach durchgehört, die Texte gelesen, Interpretationen raus geschrieben und skizziert und um dann letztendlich zu jedem Song eine Illustration zu zaubern, die thematisch reinpasst. So wie der Hirschkäfer.

Das klingt nach sehr viel Arbeit! Wow! Beeindruckend und gelungen!

Lars: Ja, war es auch. Ich war zwar nur Zuschauer, aber die Platte und alles drum und dran war immer präsent. Es war echt interessant.

Jetzt war der Winter 2014/2015, als die Songs entstanden sind gar nicht mal so lang und bitter kalt. Ihr habt im Frühling aufgenommen, das Release kommt jetzt im Winter – würdet ihr sagen, dass Freiburg eine Band für die kalte Jahreszeit ist?

Lars: Definitiv ja.

Ist das eigentlich manchmal schwer, als doch generell positiv denkende Personen, so viele negative Songs live zu spielen, wo man doch eigentlich eher gut gelaunt auf Konzerten ist, weil man das mag, was man macht?

Lars: Ich finde nein. Es macht für mich nur Sinn genau das zu machen. Einfach Auspowern und danach schön feiern. Egal wie man sich fühlt, hat man doch immer Wut im Bauch. Sie ist allgegenwärtig, wenn man an die Millionen von braunen Idioten da draußen denkt. Da kommt mir die Galle direkt hoch. Es ist also gar nicht schwer, seiner Wut freien Lauf zu lassen und anschließend mit Leuten, die eben nicht zu besagten Idioten gehören, zu kommunizieren …

 

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https://freiburg.bandcamp.com/ (alle Songs der ersten beiden Alben zum freien Download)

Interview: Mika Reckinnen

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