März 11th, 2007

FREECORE RECORDS (#110, 02-2005)

Posted in interview by andreas

Wer oder was verbirgt sich hinter Freecore? Wer macht was?

Sascha: Wir organisieren Freecore Records zu zweit. Das ist zum einen der Nils und halt ich (Sascha). Wir haben keine direkte Aufteilung. Irgendwann haben wir mal gesagt, dass Nils sich mehr um den Distro kümmert und ich mich mehr um das booken der Shows. Wie immer kommt alles anders im Leben und so ergab es sich, dass wir uns die Sachen teilen die anfallen. Keiner legt den Schwerpunkt seiner Arbeit 100%ig fest. Was das arbeiten auch interessant hält. Verstehen tun wir uns als D.I.Y. – Subkultur Label.

Im Laufe der Jahre hat sich ein kleiner Kreis an Bands gebildet mit denen wir zusammenarbeiten. Dies sind z.B. Staircase, Katzenstreik, Mad Minority, El Mariachi, Crowfish u.a. Dies ist auch für uns eine sehr schöne Konstellation an Bands. Wir sind somit nicht festgelegt auf irgendeine Musikrichtung. Von Pop bis Punk könnte man jetzt schreiben. Finde ich aber nicht so gut. Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, dass Label so offen wie möglich zu gestalten. So wird das arbeiten auch nie langweilig. Du arbeitest ständig mit neuen Leuten aus den verschiedensten Musikbranchen zusammen. Was zum Teil sehr schön ist, hin und wieder aber auch recht anstrengend.

Warum wurde Freecore gestartet?

Sascha: Die Band, die keinen findet, der das eigene Zeug rausbringen will. Der Kumpel der Band, der halt sonst nicht an der Band teilhaben kann. D.I.Y. oder Idealismus (oft aber nur die Ausreden um 1. oder 2. nicht eingestehen zu müssen).

Freunde von uns hatten fertige Aufnahmen und ich denke Nils hat schon länger mit dem Gedanken gespielt ein Label zu gründen. Wir haben vorher schon ein Fanzine namens Restposten gemacht und so kam eins zum anderen und wir gründeten spontan das Label.

Wir haben auch erst mal nicht gross weiter drüber nachgedacht und haben einige schwerwiegende Fehler am Anfang der ganzen Geschichte gemacht. Aus diesen haben wir gelernt. D.I.Y. und Idealismus sind Wörter die sich auch in unseren Köpfen festgesetzt hatten und so sind wir immer noch dabei und versuchen das eine mit dem anderen zu verknüpfen. Also Business mit D.I.Y. Wer bei Business jetzt gleich daran denkt, dass wir beide mit Dollarzeichen in den Augen durch die Juz-Szene dieser Republik reisen, liegt falsch.

Sicherlich ist, seitdem wir uns selbständig gemacht haben auch der finanzielle Aspekt der ganze Geschichte weiter in den Mittelpunkt gerückt, doch möchte ich meine Entscheidungen und mein Leben niemals völlig von finanziell bestimmten Entscheidungen abhängig machen.

Seit wann gibt es Freecore?

Sascha: Freecore Records wurde 1999 gegründet. Wir haben das damals gleich alles offiziell angemeldet und in den ersten zwei Jahren während und nach Ausbildung und Arbeit, die ganze Arbeit bei Freecore Records organisiert. Dann haben wir aber immer mehr Zeit in das Label investiert und die eigentliche Arbeit mit der wir unser Geld für den Lebensunterhalt verdienen, rückte immer weiter in der Hintergrund. Dies führte dann auch dazu das wir uns seit Anfang des Jahres komplett selbständig gemacht haben.

Wenn du sagst „selbständig gemacht“ heisst das, dass Ihr von Freecore leben könnt/wollt?

Sascha: Ein kleiner Traum ist es sicherlich einmal von Freecore leben zu können. Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Bei Nils ist es so, dass er mit dem Geld das er im Zuge der „Ich-AG“ bekommt im Monat über die Runden kommt. Ich habe neben der Arbeit bei Freecore noch zwei andere Jobs, wo ich hin und wieder arbeite um mir meine Unterhalt zu verdienen.

So schaffen wir uns auch immer ein kleines, finanzielles Polster bei Freecore, um für eventuelle Notfälle gerüstet zu sein. Trotzdem schaffen wir es einen Grossteil der wöchentlichen Arbeitszeit, in Freecore Records zu investieren. Das dieses zwischen auf Tour sein, arbeiten gehen und Privatleben oft nicht einfach ist, kannst du dir sicherlich vorstellen.

Befürchtet ihr nicht, euren Idealismus schnell an die Wand zu fahren? (versteht mich nicht falsch – ich will keine „Geld verdienen = böse“ Spielchen spielen)

Sascha: Deine Befürchtung ist gerechtfertig. Sicherlich sind schon viele Leute vor uns mit dem gleichen idealen Vorstellungen gestartet und haben dann ihre Vorstellungen schnell über Bord geworfen oder gesehen, dass es zu kraftaufwändig ist um mit seinen Vorstellungen in der Musikszene überleben zu können. Für uns gab es diese Punkte auch schon und ich habe sicherlich auch schon oft den Gedanken gehabt, wo ich mich gefragt habe, warum ich das ganze hier mache und denke auch das dieser Gedanke immer wieder kommen wird.

Ich versuche solche Momente dann immer konstruktiv zu nutzen, in dem ich anfange darüber nachzudenken, warum ich mich an diesem Punkt befinde. Quasi mir die Frage zu stellen, was ist schief gelaufen, was kann ich besser machen. Die Dinge die man tut immer wieder hinterfragen und sich die Zeit nehmen um über das Geschehene nachzudenken, halte ich für sehr, sehr wichtig. Und wir haben auch nie behauptet, dass wir mit dem Label kein Geld verdienen wollen. Klar ist dies unser Ziel. Wir fänden es klasse vom Label irgendwann einmal Leben zu können.

Aber für uns ist auch klar, dass wir beim „Geld verdienen“ keine Leute über den Tisch ziehen wollen. Sprich Platten nicht zu überhöhten Preisen anbieten. Dies ist halt in der heutigen Szene gang und gebe. Irgendwo kann ich die Leute auch verstehen, dass sie die Platten teuer verkaufen, finde es aber nicht gut. Ich denke, dass man sich vorher ja Gedanken gemacht hat wie man sein Label führen möchte und wir sagen halt, dass wir den Leuten unsere Platte zu fairen Preisen anbieten wollen.

Wie Business ist Freecore??

Sascha: Gegenfrage: Wie Business ist das Trust?? Viel weniger als man einer oder eine denkt, oder? So ist das bei uns auch. Wir versuchen das Label „professionell“ zu leiten und zu gestalten. Wir ziehen überhaupt niemanden über den Tisch. Eher im Gegenteil habe ich manchmal das Gefühl, dass das Leute mit uns versuchen. Es ist halt einfach schwer, selbst in der heutigen Szene. Quasi von den Leuten von denen du es am wenigsten erwarten würdest, von denen bläst dir manchmal ein ganz kalter Wind entgegen, wenn die Dinge nicht so laufen wie sie laufen sollen.

Bei uns laufen auch oft Dinge nicht rund, aber ich bin immer ein Verfechter davon gewesen nicht mit der Parole zu handeln: Wie du mir, so ich dir. Ich denke wir sollten miteinander kommunizieren und versuchen eine gemeinsame Basis zu finden. Alles ist halt im Laufe der letzten Jahre schwieriger geworden und es gibt nur noch wenige Leute die sich wirklich kraftvoll für das Geschehen innerhalb der Musikszene einsetzen.

In den letzten Jahren sind ja einige kleine Labels Verbindungen mit der Industrie eingegangen (Alveran, z.B.). In wie weit käme so was für euch in Betracht? Immerhin seht ihr euch ja in nem D.I.Y.-Kontext.

Sascha: Auf der einen Seite würde ich ganz klar der Industrie eine Absage erteilen. Auf der anderen Seite ist es auch so, dass wir uns klar auch Gedanken darüber machen wie das alles in der Zukunft weiter gehen soll. Man wird nicht jünger und immer häufiger stellt man sich die Frage wie man sein Leben finanzieren soll.

Klar, einen Deal mit der grossen Industrie zu finden würde alle Probleme lösen, aber somit gleichzeitig würde sich auch ein grosser Teil meines Herzens auflösen. Und ich denke, dass genau das eine/ unsere Stärke ist, dass die Industrie alles kaufen kann, doch mein/ unsere Herz/-en nicht.

Überhaupt schlägt da Business ja Momentan wieder gnadenlos zu. Wenn ich nur an die ganzen Aktionen dieser Rucksackmarke denke… bei den Resistance Charts weiss ich ja echt nicht, ob ich lachen oder weinen soll…

Sascha: Geht mir genauso. Auf der letzten Tour haben CROWFISH mir so nebenbei erzählt, das auf einem Konzert in Bulgarien jemand von einer Klamottenfirma ankam und ihnen Klamotten einer bestimmten Marke geschenkt hat und nur meinte, dass es schön wäre wenn CROWFISH die Klamotten auf der Bühne anziehen würden.

Und zu der ganzen Geschichte muss man sagen, dass CROWFISH eine bulgarische Band ist. Selbst dort fängt das jetzt schon an. Und was hier in Europa abgeht, passt echt nicht unter eine Kuhhaut. Aber sollen sie halt machen. Wenn die gut schlafen können, mit ihren gekauften Herzen, bitte schön.

Wie schaut die typische Herangehensweise einer Freecore Vö aus??

Sascha: Wenn du dich ein wenig über Freecore informierst, wirst du schnell feststellen, dass wir in den letzten Jahren mit ca. 6 – 7 Bands zusammen gearbeitet haben. Dazu zählen El Mariachi, Crowfish, Staircase, Mad Minority, Katzenstreik. Neu sind Peace of Mind, R.S.O. und Ten Years a Day und Disko Antistaat. Wobei wir bei den Bands nur den Vertrieb machen. So haben wir in den vergangenen Jahren auch nur Releases von diesen Bands gehabt. Aber nun kurz und knapp: Neue Aufnahmen, Vertriebe oder Mailorder bemustern, gleichzeitig das Artwork der Platte gestalten, Auflagenstärke festlegen, Werbungsideen und -struktur sammeln, Platte veröffentlichen.

So in etwa. Bei den letzten Veröffentlichungen haben wir immer sehr gut mit Flight 13 als Vertrieb zusammen gearbeitet. Wichtig zu erwähnen wäre auch noch, dass wir es immer sehr gut finden wenn die Bands zu uns kommen uns sagen wie und was sie gerne hätten. Dann können wir uns das überlegen und es findet eine konstruktive Diskussion über die neue Platte statt. So beschäftigen sich beide Seiten intensiv mit dem neuen Release und somit kommt Bewegung in die ganze Sache.

Wenn man sich eure Veröffentlichungen so anschaut, geht das ja fast einmal quer durch den Gemüsegarten. Was für Kriterien muss eine Band erfüllen um bei Freecore veröffentlicht zu werden.

Sascha: Dein Gefühl täuscht dich nicht. Eine Band an sich muss keine grossen Kriterien erfüllen. Klar muss uns die Musik überzeugen und wir müssen uns gut mit den Bandmitglieder verstehen. Wenn ein Punkt nicht stimmt, gibt`s auch kein Release. So einfach ist das. Klar ist auch, dass sich Bands mit faschistischen, rassistischen, etc … Texten, Bandmitgliedern oder ähnlichen bei uns nichts zu suchen haben. „Von mir aus bleibt wie ihr seit, aber bleibt wo ihr seit“ Mit allen Bands, die du auf Freecore findest hat zumindest einer von uns eine gute Freundschaft.

Man kann zusammen feiern, Probleme bequatschen und die Bands können immer auf uns zählen und wir unterstützen die Bands wo wir nur können. So kommt es auch, dass sich mit El Mariachi, Katzenstreik und Mad Minority und ein wenig auch Peace of Mind, Bands aus Göttingen auf dem Label befinden. Wo wir dann als Label natürlich auch sagen, dass wir schon einen engen Bezug zur Heimatstadt Göttingen haben. Was aber auch keine Vorraussetzung ist. Aber wir kommen nun mal auch aus Göttingen und was liegt näher als dann natürlich auch erst mal die Bands zu unterstützen die aus Göttingen kommen. Es ist ein unheimlicher Vorteil eine örtliche Nähe zu den Bands zu haben.

Aber zumindest überwiegend machen die Bands einen recht engagierten Eindruck – zumindest meine ich einige jedenfalls musikalisch im polit/Juz-Kontext ansiedeln zu können. Oder täuscht das?

Sascha: Alle Bands mit denen wir von Freecore Rec. zusammenarbeiten und die aus Göttingen kommen, haben mehr oder weniger etwas mit der politischen Musikszene Göttingens zutun. Das fängt an, dass viele Bands einen gemeinsamen Proberaum im Juzi oder der Musa haben. Gleichzeitig ist die komplette Szene in Göttingen recht überschaubar. So kennt man sich untereinander, verbringt viele nette Abende miteinander und tauscht sich aus, u.a. auch viel über politische Themen. So ist auch Freecore Rec. ein Teil dieser politischen Musikszene, da wir mit Bands wie KATZENSTREIK, EL MARIACHI, MAD MINORITY, PEACE OF MIND, … zusammenarbeiten.

Aber um jetzt hier kein falsches Bild aufzubauen, nicht alle Bandmitglieder verbringen ihre Freizeit damit politische Arbeit zu machen. Sicherlich beschäftigen sich alle Bands auch mit politischen Themen in ihren Songs, aber Politik ist nun auch mal nicht das wichtigste im Leben. Crowfish haben so einen direkten Politik Kontext gar nicht. Sie kommen aus Bulgarien und das Leben dort ist mit dem Leben hier überhaupt nicht zu vergleichen. Oft denkt man, die Leute aus der dortigen alternativen Musikszene leben ungefähr in den 80igern.

Was nicht nur an der Musik die sie hören auszumachen ist, sondern einfach an der kompletten Einstellung zu politischen und musikalischen Vorlieben. Echt witzig. Falls ihr mal die Chance habt, besucht das Land und setzt euch nicht nur an den Strand, sondern auch mit der Kultur des Landes auseinander. Ein anderes Beispiel sind Staircase aus Braunschweig. Auch eine Band die auf den ersten Blick nicht wirklich der Klischee Politband entspricht, aber sobald du bei STAIRCASE einmal hinter die Kulissen schaust wirst du schnell feststellen, dass das alles Menschen sind die sich sehr wohl und intensiv mit der Politik in der Welt und ihre Umgebung auseinandersetzen.

Du hattest eben Göttingen als Heimatstadt bezeichnet, zu der ihr einen engen Bezug habt. Nun ist es ja ein beliebtes Spielchen, immer rumzujammern, dass in der eigenen Stadt nix los sei, oder dass die doof ist. Auf Göttingen trifft zumindest letzteres ja eher nicht zu, oder trügt der Eindruck.

Sascha: Nun wenn du immer in den gleichen Zusammenhängen, in der gleichen Stadt, mit den gleichen Leuten rumhängst, entsteht schnell der Gedanke, das die Stadt in der du dich befindest langweilig ist. So kommt es drauf an, was du für dich draus machst. In Göttingen gibt es ne menge nette Kneipen und 2 – 3 gute Läden für Konzerte. Klar kann ich dann sagen, „ach der Rest ist eh langweilig“, will ich aber nicht. Was eher nervt sind die vielen Grabenkämpfe untereinander. Der eine mag den nicht, der andere findet die Meinung scheisse und einem anderen ist alles egal. Das nervt, kostet Kraft und führt im Endeffekt zu nichts.

Göttingen wird immer gerne als „linke Hochburg“ bezeichnet. Ich denke das ist Göttingen seit Mitte der 90iger Jahre nicht mehr. Klar in der Stadt gibt es viele politisch arbeitende Menschen und Gruppen, doch wird vieles durch die oben schon erwähnten Grabenkämpfe kaputt gemacht. Viele Leute wollen wichtige Dinge machen, stecken eine Menge Zeit und Kraft in die Projekte und immer wieder werden solchen Menschen dann aus den eigenen Reihen, Knüppel zwischen die Beine geworfen. Seit einiger Zeit geht es nun intensiv um die Diskussion „Pro Israel oder pro Palästina“. Oh man, was für ein Schwachsinn ich mir da schon anhören musste.

Ich möchte auch gar nicht sagen, dass dieses Thema nicht auch wichtig ist, doch Leute die dann mit Amerikaflaggen rumlaufen nur weil Amerika Israel unterstützt, haben, glaube ich, nichts verstanden. Ich weiss sicherlich auch zu wenig über das ganze Thema, aber ich weiss, dass sich innerhalb der eigenen Szene auf die Schnauze hauen oder provozierte Grabenkämpfe zu nichts führen, ausser die Szene noch weiter zu schwächen und das wir vergessen die Nazis weiterhin im Auge zu behalten.

Um das mal auf Göttingen zu beziehen, war Göttingen in der Vergangenheit eine recht nazifreie Stadt. Zumindest gab es selten übergriffe oder die Nazis zeigten sich im Stadtbild eher wenig. Dies hat sich in den letzten zwei Jahren grundlegend geändert. Doch passieren, tut nicht wirklich etwas. mmmm….

Gruni vom Dancing In The Dark Label, meinte im Interview sinngemäss, dass es für ihn schon wichtig sei, aus der Provinz zu kommen, weil es dort einfacher sei, den Punk/D.I.Y.-Spirit am Leben zu erhalten (ok, sooo hat er`s nicht gesagt, aber was soll`s). Göttingen ist jetzt ja meines Wissens auch nicht die Megametropole. Siehst du da einen Zusammenhang?

Sascha: Da ist schon was dran. Es ist einfacher, da du einen direkteren Bezug zu den Bands hast. Du kannst Dinge besser planen und vor allem mit den Bands zusammen Dinge planen und umsetzen. Ich finde diesen Punkt unheimlich wichtig. So kann man in seiner Heimatstadt sicher besser den D.I.Y. Spirit mit seinen neuen Ideen füttern. Viel interessanter ist es aber, einen Weg zu finden, dies nicht nur in seiner Stadt hinzubekommen.

Quasi die Musik der Bands als Sprachrohr zu nutzen, als Plattform um sich auszutauschen, neue Ideen zusammen zu entwickeln und sich gegenseitig zu unterstützen. Auf Göttingen bezogen: Ich denke viele Leute aus Göttingen kennen in der Zwischenzeit Freecore oder haben zumindest mal darüber gehört.

Wir lassen unsere Shirts in einer alternativen Göttinger Shirtdruckerei bedrucken oder verkaufen unsere Releases auch in der einzigsten alternativen Buchhandlung. Alles Sachen die im Laufe der Jahre entstanden sind. So und das ist wichtig, helfen wir uns alle gegenseitig. Jetzt aber nicht denken, dass wir hier so ein Hippieverein wären. Zumindest ist mir beim durchlesen der Gedanke gekommen.

Wo steht ihr in der Vinyl Debatte??

Sascha: Wir entscheiden immer mit der Band zusammen ob wir CD und LP pressen lassen wollen. In den meisten Fällen passiert dieses dann auch. Ich persönlich finde Vinyl sehr wichtig, und freue mich auch immer wenn genug Geld da ist damit wir CD und LP pressen lassen können.

Wusste aber auch noch gar nicht, dass es eine Vinyldebatte gibt. (Verrückt) Ganz interessant ist es, dass wir von den beiden Crowfish Releases nur CDs gepresst haben. Dies hatte den Grund, dass es einfach unmöglich ist in Bulgarien LPs zu verkaufen. Niemand kann sich wirklich einen Plattenspieler kaufen und dann sind die LPs so teuer, dass sie sich niemand kauft. Mit den Portokosten will ich hier gar nicht anfangen.

Wie kommt es, dass ich mich heute freu, wenn ne Platte weniger als 10 Euro kostet, vor zwei Jahren aber 18 Mark üblich waren.

Sascha: Eine meiner Lieblingsfragen über die ich ganze Aufsätze schreiben möchte. Vorweg: Bei uns ist das nicht so. Ich persönlich finde es scheisse, dass die ganzen Plattendealer es in Kauf nehmen bis zu 200% an einer Platte zu verdienen ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Käufer zu haben. Klar sind auch die Produktionskosten gestiegen, aber selbst das ist kein Argument zu sagen, dass man die Platten für 12 oder 13 Euro verkauft. Finde ich. Ich weiss aber auch nicht genau woran das liegt.

Es ist das gleiche wenn ich heute in den Supermarkt gehe und einkaufe. Für 10 Euro bekomme ich wirklich auch nur das nötigste. So ist das leider beim Plattenkauf auch geworden. Ich denke, dass viele Leute einfach eine „scheissegal Haltung“ entwickelt haben, deren erste Konsequenz war, nur noch das zu kaufen wo man auch 100%ig sicher ist, dass es absolut gut ist. Und in diesem Punkt haben dann die Firmen/ Labels die sehr viel Geld im Bereich Werbung einsetzen können einen riesen Vorteil. Nicht das sie diesen Vorteil nicht sowieso schon hätten, den Indies wird noch weniger Raum gelassen.

So probieren dann viele kleinere Labels auch viel Geld in Werbung zu investieren und übernehmen sich damit. Ich denke das hat auch viel damit zu tun, dass viele Leute dann irgendwann an einen Punkt kommen, wo sie sich fragen was das ganze eigentlich bringt und im gleichen Zug dann auch die Frage kommt, wie führe ich das weiter. Dann wird geschaut wie machen das die anderen und dann macht das der eine, wie der andere gleich. Wenn man das noch weiter auseinanderstückeln würde, käme man irgendwen an den Punkt, wo einem klar werden sollte, dass die momentane Lage dann doch eigentlich sehr gut sein sollte für kleinere Labels.

Sie haben zumindest den Vorteil immer direkt die Platten an Leute auf den Konzerten weiter zu verkaufen und so ihre Platten weiter zu empfehlen. Sicherlich sprechen sie keine grosse Masse an, wollen sie aber auch nicht, aber den Käufer der gerne gut beraten werden möchte auf den Konzerten, können sie direkt überzeugen doch ihre Releases zu kaufen.

Viel wichtiger finde ich aber, dass es in der Zukunft mal einen Kongress oder etwas ähnliches geben sollte, wo sich viele verschiedene Labels, Agenturen etc. aus den verschiedensten Bereichen treffen und über solche Probleme zu reden. Wo versucht werden könnte neue Zukunftsperspektiven zu besprechen und eventuell Wege gefunden werden könnten, sich gegenseitig zu helfen. Eventuell so etwas ähnliches wie die Pop Up Messe in Leipzig könnte man auch innerhalb der D.I.Y. Szene hinbekommen. Und ich denke das würde viel helfen. Mal schauen.

Gibt es eigentlich schon Platten auf Freecore, die so im Leben nicht mehr erscheinen werden? Oder gar welche, die ihr im nachhinein bereut??

Sascha: Musikalisch nein. Ich denke das wir bei den ersten Vö`s eine Menge Fehler beim Artwork und der Herstellung gemacht haben. Dieses würde ich gerne im nachhinein verändern. Ansonsten ist zu sagen, dass einige Vö`s ausverkauft sind uns nicht mehr neu aufgelegt werden.

Zumindest ist das zu diesem Zeitpunkt nicht geplant. Aber wir bereuen wirklich keine Vö. Sicherlich verändert man sich als Mensch im laufe der Jahre und entwickelt so auch einen neuen Musikgeschmack. Aber alle Releases nebeneinander gestellt, ergebe das schon ein interessantes Bild und würde auch sicherlich ein kleines Lächeln bei mir hervorrufen, was aber in keinster weise negativ zu werten ist.

Wessen Platten würdet ihr gerne mal veröffentlichen??

Sascha: Wir hatten das schon mal in einem Interview, wo uns jemand eine ähnliche Frage gestellt hat. Wir werden an dieser Stelle keine Namen von anderen Labels oder Bands nennen. Jeder macht das mit seinem Label was er/ sie für richtig hält. Und jedes Label entwickelt sich mit den Bands und den Ideen die hinter all den Vorhängen stehen. Ich find`s gut wenn jeder oder jede Band ihr eigenes Ding macht und wenn man es schaffen würde am Ende einen Weg zu finden kraftvoll miteinander nach vorne zu gehen.

Auch keine völlig absurden Träumereien?

Sascha: Auch keine absurden Träumereien. Zumindest keine die ich hier erwähnen würde. Freecore ist auch nicht so gross. Klar tauschen wir uns aus mit anderen Labels und bei einigen sage ich auch: „Wow, das ist eine klasse Platte geworden, hätte ich auch gerne released“ Was soll`s, wir machen so weiter und releasen das was wir gut finden. Und das kann sich meiner Meinung nach sehen lassen.

Zum Schluss meine obligatorische Gartenpartyfrage: Du veranstaltetst eine Gartenparty und darfst daher drei Bands Musiker einladen – auch welche die nicht mehr existieren/ leben, die dort spielen sollen. Wer würde da auftreten.

Sascha: 1. Johnny Cash and the Ramones 2. Elvis and the Decendents 3. Turbonegro und die ärzte.

Haha! Nachdem ihr zu zweit seid, will ich das mal gelten lassen 😉 Was anderes: Was meinst du, warum ist Johnny Cash auf einmal so Präsent in der Punk-„Comunity“. Haben die Leute erst durch sein Ableben gemerkt, wie wichtig er war, oder isses einfach cooler nen toten Musiker gut zu finden, als nen lebendigen?

Sascha: Ich denke Johnny Cash hat mit den American Recordings Platten eine grosse Zuhörerschaft gefunden. Diese Platten, vor allem die beiden letzten, sind einfach super. Selbst als er noch gelebt hat, waren das einfach Lieder mit Herz, Trauer, Wut, Tiefe. Einfach schön …

***

Anstehende Veröffentlichungen aus dem Hause Freecore:

FCP019 Kurhaus – Refuse to be dead – CD

FCP020 Mad Minority – Scratch, Bite, Hit – CD/LP

FCP021 Crowfish – From Crowfish to Revelation – CD

FCP022 Stand Up – Speak Out – Turn It Down! Soli – Compilation

Mit El Mariachi, Highscore, Katzenstreik, The Now Denial, Duesenjaeger, Yage, Mad Minority u.v.a.

2005:

Freecore Records Compilation

Crowfish New CD

Interview: Sebastian Wiedemann

Links (2015):
Discogs

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