Januar 12th, 2017

DROPKICK MURPHYS (#70, 06-1998)

Posted in interview by Jan

Dropkick Murphys sind eine noch recht unbekannte Oi/Punkband aus Boston. Bis auf einen Track auf dem „Give Em The Boot“-Sampler, dem Erstling vom Gurewitz/Armstrong Label-Hellcat und einer CD-EP auf Cyclone Records hatte ich noch nicht von ihnen gehört. Da diese Songs bei mir aber gute Laune verbreiten, wollte ich sie nach ihrem Konzert in der Frankfurter Batschkapp interviewen. Da das Konzert aber ausverkauft war, sie waren die Vorband der Bosstones, und ich trotz eines Faxes nicht mal an den mongoloiden Bouncern vorbeikam um mit irgendjemanden von der Band/Tourbegleitung zu sprechen, kam es leider nur zu einem kurzen Telefongespräch mit Dropkick Murphys Sänger Mike ein paar Tage später.

Vor so ca. zwei bis drei Jahren fingen viele Bands damit an, den durch Bad Religion und NO FX so erfolgreichen Melodycore zu spielen, ein Trend, der sich bei uns in Europa besonders in Skandinavien durchsetzte. Seit knapp einem halben Jahr boomt in den Staaten auf einmal wieder eher 77er Punk. Warum sind die Leute wieder beim „Ursprungs“-Punk angekommen.

Mike: Ich glaube, daß sich das alles in Zyklen abspielt. Alles was es schon einmal gab, alles was einmal populär war, kommt wieder. Streetpunk und Oi gibt es schon seit langem, nur jetzt ist auf einmal einfach nur mehr Interresse da. Uns gibt es auch schon seit zwei Jahren, wir haben die ganze Zeit in Clubs gespielt, auch ein paar Touren gemacht, einige Fans bekommen, aber auch wir sind echt erstaunt, wie viele Leute uns jetzt darauf ansprechen. Natürlich freut uns das…aber ich kann es auch nicht begründen, oder den jetzigen Zeitpunkt erklären… Das ist eine schwierige Frage. Die einzige Erklärung ist, daß die Leute das mögen, was für sie interressant wirkt, oder einfach nur aufregend klingt. Und der 77er Sound, also Streetpunk, Oi, Ska, oder auch traditioneller Reggea, ist jetzt einfach dran.

Aber trotzdem geht es doch irgendwie sehr schnell, auf einmal werden wie wahnsinnig Streetpunk/Oi Platten veröffentlicht, das Hellcat-Label gegründet, Bands wie die US-Bombs, die vor einem halben Jahr noch keiner kannte, sind auf einmal total bekannt…

Mike: Nein, Nein, die US-Bombs haben den schweren Weg genommen, die gibt es auch schon länger. Ihre Discographie zeigt, sie haben auch schon ein paar Platten gemacht, deren Erfolg kam nicht über Nacht. Die haben haben wirklich hart dafür gearbeitet, kaum Platten verkauft, aber ihre Einstellung, die ist 150%ig Punk, das geht noch auf die Sex Pistols zurück. Um wieder auf uns zurückzukommen, ich weiß nicht, warum sich auf einmal der Geschmack verändert hat, aber ich kann nur sagen, daß wir hart dafür arbeiten. Wir haben ein paar Singles veröffentlicht, waren auf einigen Samplern und touren quasi permanent seit Jahren. Wir nehmen natürlich auch jede Möglichkeit an voran zu kommen.

Wie alt seit ihr…

Mike: Unser Gitarrist ist 34, der Basser ist 28, ich bin 27 und unser Drummer ist erst 22.

Ich frage deswegen, um zu sehen, ob ihr Punk schon beim ersten „Zyklus“ mitbekommen habt.

Mike: Also für mich und den Basser sind Dropkick Murphys die erste Band, die anderen beiden haben hier in Boston schon in hunderten von Bands mitgespielt, sind seit einer Ewigkeit Teil der hiesigen Szene.

Seid ihr, als Band aus Boston, noch in irgendeiner Weise mit den alten X-Claim Bands wie SSD verbunden, werden diese Bands als die „Urväter“ angesehen?

Mike: Doch, doch, ich bin sicher, dass wir alle die Bands damals gesehen haben, Freeze, Gang Green, Negativ FX, alle diese Bands haben uns beeinflusst. Auf der MCD „Boys On The Docks“, gibt es einen Song, der „In The Streets Of Boston“ heißt, da hörst du das auch ganz klar heraus. Wir machen sicherlich keinen Hardcore, wie die Bands damals, aber auch in unserem Punk, oder Oi, oder wie du es immer nennen willst, ist ein Einfluss, der von diesen alten Bands kommt. Dieser Steetpunk-Sound ist auch der Sound, der im Moment in Boston im Punkbereich am meisten gespielt wird. Die ganzen guten neuen Bands wie die Ducky Boys, The Trouble, Unseen, oder Showcase Showdown, alle haben diesen Sound, und so machen wir im Grunde genommen wieder eine Szene.

Welchen Stellenwert haben bei euch die Bruisers? Die spielen eine ähnliche Musik wie Dropkick Murphys, kommen auch aus Boston und sie gibt es schon seit Jahren.

Mike: Also die Bruisers sind schon bekannt im Nordosten der Staaten, aber sie haben dummerweise vor einiger Zeit bei einem deut-schen Label unterschrieben, Lost & Found heißt es, und auch oft in Europa gespielt. Dadurch kennt sie in den Staaten außerhalb unserer Breitengrade niemand. Lost & Found hat hier keine Vertriebsmöglichkeiten. Aber wir haben hier schon oft zusammen gespielt, und sind große Fans der Band.

In eurer Bio steht, daß ihr „konstantes airplay“ mit dem Song „Barroom Heroes“ habt. Damit ist ja wohl College-Radio gemeint, oder?

Mike: Ja, ja, im normalen Radio spielen sie Dropkick Murphys nätürlich nicht, auch MTV ist für uns völlig uninterressant. MTV hat hier zwei Kanäle, die 24 Stunden pro Tag die Hitparade, Disco und Rap spielen. Ich finde das auch völlig in Ordnung, wenn einem diese Musik gefällt. Im Moment glaube ich nicht, daß MTV die Existenz von Punk überhaupt akzeptiert. Nur, weder ich noch der Rest der Band, haben im Moment Lust darauf, oder sehen es als Ziel, in diese „Höhen“ aufzusteigen. Was nützt es mir, wenn sie meinen Song als einzigen Punksong spielen, irgendwo zwischen zwei Rap-Videos.

Im Text zu „In The Street Of Boston“ sing ihr auch von der so oft besungenen Unity. Was ist das jetzt für dich?

Mike: Mir geht es dabei darum, daß zu unseren Konzerten Punkfans, Skinheads, Hardcore-Kids, Skafans etc. kommen und sich amüsieren. Ich bin nicht so naiv zu denken, daß sie jetzt alle händchenhalten, aber sie sollen einfach friedlich nebeneinander koexistieren. Es geht auch darum auf ein Konzert zu gehen und soviel….äh..Anstand mitzubringen, auf die Leute um dich herum Rücksicht zu nehmen. Das Konzert, die Show, die Szene, ist immer nur so gut, wie die Leute die dahin gehen. Das ist vielleicht wieder eine Parallele zu dem früh 80er S.E.-Ding.

Text & Interview: Al Schulha

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