Januar 29th, 2019

Die Grenze – Was uns verbindet, indem es trennt, Marianne Gronemeyer

Posted in bücher by Dolf

oeKom Verlag, Waltherstr. 29, 80337 München, www.oekom.de

Der Unteruntertitel des Buchs ist „Nachdenken über ein Paradox der Moderne“ und tief nachgedacht wird hier in der Tat. Das ist im ersten Kapitel auch dermaßen verkopft das ich nah dran war das Buch zu Seite zu legen… was ich aber zum Glück nicht gemacht habe. Denn der Rest des Buches ist wirklich sehr gehaltvoll. Wenn man sich mal dran gewöhnt hat das die Autorin gern mit den Worten spielt und der Sache auf den Grund geht anstatt nur oberflächlich zu kritisieren. Sie beschäftigt sich mit Worten und wie diese zu deuten sind bzw. wie Menschen sie benutzen und mit ihnen umgehen. Das ist dann doch ziemlich interessant und lehrreich. Und im Laufe des Buchs wird dann auch klar, was Marianne Gronemeyer hier angreift – das System, dort natürlich in erster Linie den Kapitalismus, aber ihre Kritik greift noch tiefer, sehr tief- das ist sozusagen substanziell.

Und auch wenn vieles von dem was sie da schreibt und aufdeckt völlig wahr und auch richtig ist, so ist es natürlich kaum umzusetzen – aber das ist ja wieder eine andere Problematik. Es gibt ein paar Punkte die ich so nicht unterschreiben würde, aber vielleicht hab ich die auch noch nicht ganz richtig verstanden?
Natürlich geht es auch viel um Grenzen, was sie trennen und wie sie auch verbinden können, um Grenzwerte und deren Auslegung bzw. was das überhaupt soll, alles mit Zahlen zu messen um dann zu entscheiden wie gut oder schlecht es ist (und ja sowieso meist nicht für den Menschen sondern für die Wirtschaft bzw. den Profit). Das Grenzen auch gewahrt werden müssen damit bewahrt werden kann wird auch vermittelt. Es gäbe so viele schöne Sätze aus dem Buch zu zitieren, ich beschränke mich mal auf diesen Absatz aus dem Kapitel „Grenzenlose Grenzwerte“ wo es unter anderem um den Unsinn der Grenzwertkultur geht.
„Dies ist ein Dilemma, in das wir immer dann geraten, wenn die hehren Ziele, die angeblich verfolgt werden, in Wirklichkeit nur die Schauseite interessengebundener Zwecke sind. Dann nämlich entsteht das Doppelspiel zweier Agenden, einer offiziellen und einer heimlichen. Wobei die offizielle Agenda die Wirksamkeit der heimlichen, also der eigentlichen, dann am besten fördert, wenn sie selbst sich der Kritik aussetzt, nicht effizient genug zu sein. Sie sorgt, indem sie alle Aufmerksamkeit auf ihre unzureichende Aufgabenerfüllung lenkt, dafür, dass, das Wirken der heimlichen Agenda dort stattfinden kann, wo es hingehört: im Schatten, der öffentlichen Wahrnehmung entzogen; während auf der öffentlichen Bühne Scheinkämpfe empörungsbereiter Kritiker ausgefochten werden.“
So was erwartet einen da, hoffe dieses Zitat zieht an und schreckt nicht ab. Nach einer Einleitung gibt es sieben Kapitel sowie viele Anmerkungen (das hin und her blättern nervt auch ein wenig….) und Literatur-Hinweise. Im Nachhinein gesehen ist das Buch auf jeden Fall eine Bereicherung. Nach dem ich es zu ende gelesen hatte dachte ich mir – das müsste man eigentlich nochmal lesen, das kam bisher noch nicht so oft vor. 230 Seiten, gebunden, 22,00 Euro (dolf)

Isbn 978-3962380489

[Trust # 193 Dezember 2018]

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