März 17th, 2007

COSTAS CAKEHOUSE (#101, 08-2003)

Posted in interview by andreas

Das erste mal mit CCH in kontakt gekommen bin ich, als ich ihre selbstbetitelte MCD zum besprechen bekommen hab. Damals noch schwer power-violence lastig, haben die fünf einen bleibenden (guten) eindruck hinterlassen.

Dass die typen aus Karlsruhe auch noch ultra nett sind, war ein grund mehr, sich mal interview technisch mit der band zu befassen. Aus diversen gründen, sollte es noch eine ganze weile dauern, bis das kind in trockenen tüchern war…

***

Das anfangs blabla: wer macht was warum bei cch?

Nanouk: wir sind zu fünft, arnaud und tobias spielen bass, carsten schreit, matthias spielt gitarre und ich schlagzeug. Jeder macht eben das, was er am besten kann, daher die besetzung. Neben der band arbeitet arnaud als mediengestalter, tobias studiert stadtplanung, matze ist gerade in seinem anerkennungsjahr als erzieher, carsten macht eine ausbildung als heilpraktiker und ich studiere neuere und neuste geschichte, sowie kulturwissenschaften und kulturarbeit.

Ich muss gestehen, dass ich, als ich eure selbstbetitelte mcd zum ersten mal in händen hielt nicht gerade gespannt war, was mich da erwartet, weil ich den namen so doof fand (zu dem zeitpunkt geisterte öfter mal ne kapelle bei mtviva über den bildschirm, die sich blabla chicken shack nannte).

Nanouk: na da haben wir schon mal ein wenig das erreicht was wir mit dem namen auch bezwecken wollten, erst ein mal die leute vor den kopf stossen und sie mit was konfrontieren was nicht in die gängigen schubladen passt. Ist zwar am anfang auch öfter nach hinten losgegangen, aber inzwischen passt es.

Ich habe den eindruck, dass ihr gerade im südwesten schon in jeder telefonzelle gespielt habt, habt ihr nix besseres zu tun? 😉

nanouk: noch nicht in jeder, aber stimmt, wir hatten eine zeit, da haben wir recht häufig hier in der gegend gespielt, allerdings nicht nur hier. Gerade in den letzten 2 jahren waren wir doch recht viel unterwegs und haben jedes jahr so zwischen 40 und 50 shows gespielt.

Vor gut nem jahr wart ihr ja mit LACK auf tour, was sich aber in deren verlauf ja ein wenig in wohlgefallen aufgelöst hat. Was war geschehen?

Nanouk: wir waren nicht wirklich mit ihnen auf tour, sollten eigentlich nur 3 konzerte mit ihnen spielen, die aber fast alle ausgefallen sind, da thomas, der lack sänger, eine zahnwurzelenzündung bekommen hatte und LACK nach einer sowieso schon sehr unglücklichen tour (krankheit, 3 buseinbrüche etc.) dann den rest der tour cancellten. Wir konnten 2 von den 3 shows nicht spielen, da wir keine möglichkeit hatten unsere eigene backline mitzunehmen und die veranstalter so kurzfristig auch nichts mehr organisieren konnten, was sehr schade war.

Soundsamples aus filmen scheinen bei euch ne „grosse“ rolle zu spielen. Wo habt ihr die eigentlich immer her? (euer intro aus high fidelity ist schon eine grandiose wahl, eben so die idee, einen song im den schnipsel aus matrix zu basteln [virus]) soll heissen schaut ihr euch schon immer mit so ner erwarungshaltung (neue samples finden) filme an?

Nanouk: sie spielen keine grosse rolle, aber wir finden es als intro für eine platte oder für manche songs doch schon brauchbar. Wir schauen uns allerdings die filme nicht wirklich mit einer erwartungshaltung an, oft ist es eher zufällig, dass in einem film eben ein spruch oder ein zitat fällt, bei dem wir dann denken, dass könnte mensch gut wo einbauen. Oft ist aber das problem, dass wir dann filme, die wir eigentlich haben wollen gar nicht rechtzeitig bekommen, oder in viedeotheken nicht zu haben sind, von denen wir am liebsten auszüge verwenden wollen.

Wenn man sich eure veröffentlichungen in chronologischer reihenfolge anhört, dann habt ihr ja doch eine recht deutliche entwicklung durchgemacht…

Nanouk: das ist auch gut so, ich hätte keine lust immer noch dieselbe musik zu machen wie zu anfangstagen. Und die entwicklung wird weitergehen, denn keiner von uns in der band hat lust auf stagnation, kann also auch durchaus passieren, dass wir irgendwann mal was ganz anderes machen.

Mal sehen wie sich die dinge entwickeln. Was aber auf jedenfall zu dieser entwicklung beigetragen hat, ist, das arnaud als zweiter bassist in die band gekommen ist, und unheimlich viele ideen mitgebracht hat. Das hat uns als band unheimlich weitergebracht und durch die zeit, die wir inzwischen zusammen spielen, sind wir einfach gut aufeinander eingespielt und ich denke das hört mensch.

Wie kommt es eigentlich, dass immer mehr hc-bands meinen death metal machen zu müssen. Ich hab ja nix dagegen, wenn was halbwegs eigenständiges dabei rauskommt. Aber muskel-core spacken, die sich alle wie ein bastard aus morbid angel und bolt thrower anhören finde ich dann doch recht nervig. Zumal ich die ganzen sprüche und lästereien über die metal-affen noch zu gut in erinnerung hab…

Nanouk: ich denke das hardcore immer mehr in richtung metal tendiert liegt daran, dass sich die musikalischen fähigkeiten der einzelnen bands weiterentwickelt haben und da kommst du dann bei heftiger musik doch früher oder später zum metal. Ich glaube auch das viele von den leuten die heute auf diesen metalcore kram stehen oder selbst solche mucke machen früher auch schon zum teil metal gehört haben, allerdings die metalszene immer negativ vorbelastet war. Jetzt gibt’s eben bands die die mucke mit einer etwas „cooleren“ attitüde verbinden und somit auch attraktiver werden.

Zum anderen denke ich dass auch viele von den jüngeren kids nie wirklich eine metalzeit durchgemacht haben und somit jetzt die ganzen „neuen“ bands abfeiern, viele kennen die originale wahrscheinlich nicht. Ich finds auf der einen seite zwar schade, dass viel einfach nur übernommen wird, statt zu versuchen was eigenes zu machen, kann es aber auf der anderen seite auch wieder nachvollziehen, da es immer schwerer wird was eigenes zu kreieren. Ist ja bei uns auch nicht anders, wir kombinieren höchstens etwas anders 😉

Wieso die „555“ (So der titel des aktuellen langspielers)?

Nanouk: weil die dreifache fünf die zahl des freien menschen ist. Der mensch hat fünf teile am rumpf, zwei beine, zwei arme und einen kopf. Jeder dieser teile hat wiederum fünf unterteile. An den beinen je fünf zehen, an den händen je fünf finger, am kopf je fünf öffnungen. Jeder dieser teile ist wiederum in seinen proportionen fünfgeteilt. Also fünf-fünf-fünf. Auch alchimistisch ist der mensch mit der fünf verbunden.

Er besteht aus den vier aristotelschen elementen, erde, feuer, wasser, luft plus dem fünften element, der quinta essentia, das mit dem bewusstsein identisch ist und der mensch hat fünf weltliche sinne. Zudem sind wir fünf freunde, also wieder die 5-5-5. Die symbolik der fünf-fünf-fünf steht für uns für einen erstrebenswerten zustand des lebens, welcher in einer gesellschaschaft die auf materiellen besitz, herrschaft und unterdrückung aufbaut, leider schwer zu verwirklichen ist, aber nichts destotrotz einen traum darstellt, den es zu träumen lohnt!!!

Beschäftigt ihr euch mehr mit nummerologie (so heisst das wohl)?

Nanouk: nein, bin mal in nem buch zufällig auf das gestossen und fand es interessant.

Ich hab eben die gleiche frage auch an LÁ PAR FORCE gestellt, denke aber, du kannst da auch was dazu sagen: macht es eigentlich überhaupt noch sinn, etwas in eigenregie, also im sinne des d.i.y.-gedankens, auf die beine zu stellen? Schliesslich kann man ja schon seid ein paar jahren beobachten, dass die industrie auch in randgebieten (gerade auch in dem, was ich mal „unsere szene“ nennen will) breit macht. Das beschränkt sich ja schon nicht mehr auf massenkompatiblen emo-college-rock, sondern dringt ja auch in durchaus in bereiche vor, wo man das noch vor kurzem gar nicht vermutet hätte (z.b. BLOOD BROTHERS).

Nanouk: klar macht das noch sinn sachen in eigenregie zu veröffentlichen und auf die beine zu stellen. Auch wenn die industrie, wie du es nennst, immer weiter in die randgebiete der „szene“ vorrückt. Gerade kleine bands sind da drauf angewiesen und ich für meine teil möchte dass auch nicht missen.

Würde es diese ganzen diy strukturen nicht geben, hätten wir nie auf tour gehen, keine platten veröffentlichen und nicht mit so vielen leuten in kontakt treten können. Und ich denke es besteht auch nicht die gefahr, dass die diy geschichte austerben wird, denn ich denke gerade in zeiten, in denen alles immer professioneller und durchorganisierte zu werden scheint, wird es auf der anderen seite auch immer wieder leute geben die dinge anders machen wollen und werden.

Bei einigen indie-labels hat man schon sehr deutlich den eindruck, dass sie die ganze geschichte halt doch schlicht als „geschäft“ betrachten (ich hab schon nicht schlecht geschaut, wie ich gesehen hab, dass alveran rec. Jetzt bei bellaphon im vertrieb sind – um nur ein beispiel zu nennen, dass mir ohne grosses überlegen in den sinn kommt).

Nanouk: klar mag dass so sein, aber ich sehe darin jetzt kein grosses problem. Ich kann das auf der einen seite sogar gut nachvollziehen, denn die leute die indylabels machen, machen dass hauptsächlich doch aus interesse und liebe an der musik. Sie stecken ein haufen arbeit und energie da rein und wenn dann die möglichkeit da ist dass vielleicht in so einem rahmen machen zu können, dass mensch einigermassen davon leben kann ist das doch ok. Klar bist du dann einem punkt an dem du auch viele kompromisse eingehen musst, also schauen, ob du die band die du rausbringen willst auch verkaufen kannst.

Das läuft dann eben nicht mehr so, wie wenn du nebenbei arbeiten gehst und ein label als „hobby“ machst und dir nicht so viel gedanken machen musst wie sich die platte verkaufen wird, ist aber dann dein ganzer lebensunterhalt davon abhängig sieht die sache auch wieder anders aus. Klar werden dann auch oft marketingstrukturen und schemata der musikindustrie übernommen, aber ich wüsste jetzt auch nicht wie es anders laufen sollte.

Andererseits, ist es auf seiten der „künstler“ auch nicht besser, da hier scheinbar die bereitschaft gestiegen ist, sich zwar gerne – so lange sich sonst keine sau für einen interessiert – innerhalb von d.i.y.-strukturen zu bewegen, also die konzerte/touren von kleinen bookern organisieren zu lassen und seinen kram bei kleinen labels zu veröffentlichen, wenn dann aber „die industrie“ mit nem scheck wedelt (bildlich gesprochen), heisst`s dann, man will sich weiterentwickeln, ein neues publikum erreichen und der ganze scheiss.

Nanouk: auch hier sehe ich wiederum kein problem. Ich für meinen teil würde es wahrscheinlich nicht anders machen, wenn ich denn die möglichkeit dazu hätte. Ich mache jetzt seit bald 10 jahren musik, stecke da unheimlich viel zeit, liebe und energie rein und ich muss ehrlich sagen, wenn ich das angebot bekäme damit etwas geld zu verdienen, dann würde ich dies denke ich nicht ausschlagen. Kannst jetzt gerne sell out rufen, aber wie gesagt, wenn ich die möglichkeit dazu hätte würde ich es wahrscheinlich nicht ausschlagen.

Und das heisst nicht, dass ich deshalb die ganze diy geschichte verraten würde, dafür habe ich viel zu lange davon profitiert und auch selbst ein haufen energie reingesteckt, nen label gemacht, ein zine gemacht, touren gebucht, konzerte und festivals veranstaltet. Etc. Und wieso meinst du dass argumente wie sich weiterentwickeln und ein neues publikum erreichen scheisse sind? Es ist nun mal so, dass die ganze diy szene ein so kleiner in sich geschlossener elitärer kreis ist aus dem es doch recht schwer ist auszubrechen und eben ein anderes publikum zu erreichen, was meiner meinung nach nicht zwingend negativ sein muss.

Und nicht selten geht dass dann recht deutlich nach hinten los, wie zuletzt bei BLOOD BROTHERS beobachtet, die von nem grossen deutschen booker für horrende summen in läden gebucht wurden, die völlig überdimensioniert waren. Das ende vom lied: in münchen haben sie bei ? 11,- eintritt vor 50 nasen gespielt.

Nanouk: klar ist da dann immer die gefahr da, dass du an die falschen leute gerätst, die keine ahnung davon haben aus welcher szene eine band kommt und für was für ein publikum sie interessant sind. Dass die grossen booking firmen dann so ne tour buchen wundert mich nicht.

Die selbst betitelte mcd war ja eine kooperation zwischen drei labels (u.a. Per Koro), das ist ja schon ungewöhnlich…

Nanouk: ist vielleicht ungewöhnlich, war aber zu dem zeitpunkt nicht anders machbar, da niemand von den drei beteiligten labels das geld hatte sie alleine rauszubringen. War aber auch ein vorteil von daher, dass die platte so besser vertrieben war, weil alle drei doch auch unterschiedliche distros haben mit denen sie zusammenarbeiten.

Wieso kamen die letzten (die 3-track mcd und 555) bei firefly raus. Schliesslich hast du doch auch ein label am start…

Nanouk: ich habe mit meinem label aufgehört, hauptsächlich aus zeit-, geld-, und motivationsgründen. Von daher war es naheliegend die sachen in zukunft bei jemand anderem zu veröffentlichen und da ist dann eben der kontakt mit firefly zustande gekommen.

***

Bleibt mir nur noch, euch neben den konservierten auch die live-qualitäten von CCH ans herz zu legen…

Interview: Sebastian Wiedemann

Links (2015):
Discogs

 

You can leave a comment, or trackback from your own site. RSS 2.0

Leave a comment

You must be logged in to post a comment.