Mai 31st, 2008

BUBONIX (#125, 08-2007)

Posted in interview by jörg

Man kam einfach nicht an Bubonix vorbei in den letzten Jahren. Ständig unterwegs und wie es schien noch häufiger hochgelobt schien der Sechser aus dem Westerwald eine Art Publikumsvotum zu repräsentieren, dass dann letztendlich wohl auch zum Vertrag mit Nois-o-lution geführt hat. Wie geht es aber nun weiter mit dem Märchen über Hardcore, Crossover und politischem Anspruch?

Allein der Titel des neuen Albums ruft eine Reihe von Assoziationen hervor, die zugleich bangen und hoffen lassen. „Please Devil send me golden hair“ spielt wohl auf das Märchen an, in dem dem Teufel von einem Jüngling drei Haare ausgerissen werden müssen um die Tochter des Königs zur Frau zu erhalten. Der habgierige König wird später dann zum Fährmann auf Lebenszeit verdonnert, weil er nur auf’s Geld aus war.

In so fern also eine klare Metapher gegen den Kapitalismus. Bubonix haben immer kleine Jugendzentren für wenig bis kein Geld gespielt und werden neben nun etwas grösseren Clubshows weiterhin auch Soli-Konzerte unterstützen, davon ist zumindest auszugehen.

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„Ich muss aber auch Miete zahlen, aber lass uns jetzt nicht wieder die Grundsatzdiskussion ausbreiten“, winkt Gitarristin Sarah DC, was, wie man dem Tattoo auf ihrem Unterarm entnehmen kann, für De Castro, ihren Nachnamen, steht, ab. Es ist also doch wie immer, neben all dem Idealismus agiert man weiterhin innerhalb eines Systems, das man nicht gut findet, mit dem man aber irgendwie leben muss. Mit dem neuen Label kam nämlich eine neue bzw. überhaupt eine Booking Agentur hinzu, die gerne mal den Standardvertrag rausschicken, der gerade alte Bubonix Fans wie mich doch erstmal abschreckt. Nicht nur, dass ein Hotel mit vier Doppelzimmern verlangt wird, es steht auch noch dabei „kein Formula One“.

Nach dem Konzert in Bonn fahren Bubonix nach Hause, weil sie ihre jeweiligen Familien vermissen. Da hätte ich ja schön auf meinen Hotelzimmern gesessen. „Wir haben jetzt durch die Tour gelernt, dass wir da mehr Rücksprachen halten müssen. Viele Veranstalter sind sauer, weil sie uns kennen und der Vertrag nicht nach uns klingt“, gibt Bassist Oliver zu. „Viele Sachen sind aber auch sinnvoll, z.B. dass Fernsehauftritte vorgehen dient schliesslich Werbezwecken und das Konzert kann man ja nachholen. Obwohl, wenn die mich jetzt morgen zum Raab schicken würden, weiss nicht ob ich das machen würde, hab ich ja eigentlich gar keinen Bock drauf“ „Ich würd’s sofort machen, wär doch witzig“, stellt sich Sarah vor.

Lustig wär’s schon wenn die Helden der Punker plötzlich die grosse Medienwelt aufmischen würden. Sich erst ganz zahm geben, und dann über ihren Lebensstil reden, das wäre schon ein Anfang und teilweise ist es schon soweit. Die Türen zu Magazinen wie Intro und Visions stehen offen und das ist auch ok, denn so richtig angebiedert hat sich die Band nicht, eher im Gegenteil.

„Wir spielen „Vollgas“ nicht mehr, da können die Leute noch so lange schreien. Nichts für ungut, aber viele der Iropunker, die ja einen grossen Teil des Publikums bei unseren Konzerten ausmachen, haben den Song einfach total missverstanden. Es geht nicht darum so viel zu saufen wie möglich, sondern darum, Vollgas zu leben. Es ist schade, weil wir den Song mögen, aber mit deren Interpretation wollen wir nicht in Verbindung gebracht werden. Ist eigentlich auch klar, wenn man sich den Text mal durchliest.“ erklärt Oliver, als ich frage, warum die ständigen Rufe nach dem Lied übergangen wurden.

So eröffnet sich mir das Bild einer verantwortungsvollen Band, die ziemlich genau weiss was verschiedene Leute von ihnen erwarten und sich grosse Mühe geben, dass irgendwie unter einen Hut zu bekommen ohne sich nachher schlecht fühlen zu müssen. Und das schaffen sie auch, weil sie nach wie vor den Kontakt zum Publikum suchen, und auch finden. Man merkt, dass sie sich viele Gedanken über ihr Auftreten gemacht haben.

Thorsten blutet nicht mehr nach jeder Show und trotzdem ist die Energie da, die ganze Zeit. Irgendwo zwischen GG Allin und Mike Watt kann man nicht behaupten die Limburger wüssten nicht mehr wo sie herkämen, und wenn man ganz genau hinsieht, merkt man, dass sie da eigentlich auch immer noch sind. Nur muss man auch sehen, dass in dem Märchen des Teufels mit den drei Haaren der Jüngling zwar der moralisch überlegene Held war, aber doch gleichzeitig der neue König wurde. Welche Veränderungen das auf Dauer mitbringt, wird sich noch herausstellen.

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Text: Alva Dittrich

Links (2015):
Bubonix auf
Wikipedia
Bubonix Homepage
Bubonix-Discography auf Discogs

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