Oktober 22nd, 2014

ATARI TEENAGE RIOT (#68, 02-1998)

Posted in interview by Jan

13.11.97, 21.30 Uhr. Irgendwo in Bayern, mein Haar sitzt fest. Den Nachbarn, der wie jeden Abend komische Geräusche von sich gibt, als Akustischen Hintergrund, startet per Telephon das Interview mit Alec Empire.

***

Wie lange wart ihr jetzt insgesamt auf Tour?

Alec: Meinst du in Europa oder generell?

Generell.

Alec: Im Sommer waren wir zuerst in Japan, dann haben wir die Rage Against The Machine Tour mit Wu Tang Clan in den USA mitgemacht, das ging so um die 2 Monate, und eine Woche danach gleich mit der Tour in Europa be­gonnen, die wir aber abgebrochen haben, weil wir am Ende alle krank waren.

Frankreich, Österreich und ein paar Konzerte in Deutsch­land haben wir gecancled, denn ich und Hanin hatten Probleme mit den Stimmbändern, da mußten wir aufhören, sonst hätten wir lange Zeit Pause machen müssen. Wir habens es ja bis zur äußersten Grenze getrieben, sind dieses Jahr 6 Monate getourt.

Werden die ausgefallenen Konzerte denn nachgeholt?

Alec: Ja, die Shows werden anfang des Jahres nach­geholt. Weil der Punkt ist der, daß wir nächste Woche bis Weihnachten nach Amerika auf Tour gehen (fahren).

Wie seid ihr denn in Japan angekommen?

Alec: Super (hich,hö,hö). In Japan geht´s total ab.

Seid ihr dort bekannter als in Deutschland?

Alec: Ja, tausendmal (he, he, he). Das hört sich jetzt ein bißchen blöd an, aber wenn man das vergleicht, sind in Deutschland ungefähr 10% von dem was in Japan oder Amerika passiert.

Auch mehr als in Europa?

Alec: Kann man so sagen, wenn man das an Platten­verkäufen und Konzerten mißt. Vielleicht gibt´s ja hier viele Leute die sich es auf Tape über­spielen, und deswegen unterschätze ich das ein bißchen.

Glaub ich nicht. (Hö, Hö.)

Alec: Ich bin immer vorsichtig wenn man als Maßstab nur Tickets und Plattenverkäufe verwendet.

Du hast ja für viele Metalbands Remixe angefertigt und für Spawn habt ihr mit Slayer zusammengearbeitet. Kommen deine Einflüße selber aus der Ecke oder geht´s bei sowas nur um die Kohle?

Alec: Naja, das ist eine schwierige Frage. Ich finde Rock´n Roll ziemlich gut, Punk und so. Natür­lich gefallen mir teilweise auch Gitarrenriffs gut. Deswegen benutzten wir sowas auch bei Atari Teenage Riot. Das hat mich nicht so supertoll beinflußt, wie man jetzt vielleicht denkt.

Für wen hast du denn noch geremixt?

Alec: Für Björk. Nicolette, ich weiß nicht ob du die kennst.

Die hat doch letztens DJ Kicks veröffentlicht.

Alec: Ja, genau. Jetzt mache ich gerade Tracks für Ice Cube. Das sind keine Remixe, sondern wir machen Stücke zusammen. Ich nimm die Beats und Sounds mit rüber nach Amerika und er macht die Texte dazu. Fall’s es gut wird, will er es auf sein nächstes Album draufnehmen.

Mit Björk wolltes du doch auch noch ein Album aufnehmen, bei dem auf dem einen Kanal du und ihre Stimme zu hören sein sollten und auf dem anderen ihre Stimme plus ein Orchester, so daß man zwischen den Kanälen hin und her wechseln können sollte oder eben alles zusammen mischen.

Alec: Dafür hatte ich bis jetzt keine Zeit, aber ich hoffe das wir das anfang des Jahres schaffen. Sonst habe ich noch für Mark Stewart geaebei­tet, ich weiß nicht ob du den kennst.

Nö.

Alec: Der hatte früher Popgroup, eine Band, die ich ziemlich gut fand. Die Musik jetzt ist zwar nicht mehr so wie die alten Sachen, aber sowas tu ich dann trotzdem.

Seid ihr nicht auch mal bei einem anderen Label gewesen, vor Intercord als Vertrieb?

Alec: Wir waren 93 mal kurz bei Phonogram. Uns war halt immer bewußt, das wir unser eigenes Label machen müssen, damit wir die Sachen richtig kontrollieren. Dazu braucht man natür­lich Geld.

Am Anfang, als wir uns 92 gründeten, sagten wir, okay wir sparen uns halt ein bißchen Geld, spielen Konzerte, und bringen dann eine Maxi oder Single raus. Bloß war das Interesse von den Majors so groß, weil sie das Techno­ding besser vermarkten wollten indem sie eine Band haben. So muß die Idee gewesen sein, sonst wär´s ein Haufen Schwachsinn.

Ihr habt ja auch sehr viel mit Techno zu tun.

Alec: Bloß 92 da war Techno noch nicht in den Charts. Das war eine bißchen andere Zeit, da gab´s Marusha und Scooter auch noch nicht in der Form.

Zurück zu Phonogram …

Alec: Fünf Majors hatten Interesse, Sony, Virgin, Phonogram, Polygram, Polydor. Wir haben die dann alle so hochgetrieben, das wir den mit dem höchsten Vorschuß genommen haben, das war die englische Phongram. Den Vertrag haben wir so festgesetzt, daß sie uns nicht auf Eis legen konnten, daß sie einen nicht in die Schublade stecken können und der Vorschuß nicht rückzahlbar war.

Das Glück war, daß wir die Klauseln so reinsetzen konnten, denn der A&R, der war früher in der Punk-Szene, damals in England, der stand auf unserer Seite, weil er nicht gedacht hatte, daß wir das so geplant haben. Der meinte, daß das experimentellere Musik sei, und wenn´s nicht klappt sollte man wo anders hingehen. Wir fingen an, nachdem wir unterschrieben hatten, Selbstzerstörung, Sabotage zu betreiben. Sind ewig lang im Studio geblieben u.s.w., alles was die Firma Geld kostet, haben wir gemacht, da der Vorschuß ja nicht rückzahlbar war. Von dem ganzen Geld gründeten wir dann DHR.

Sind denn damals auch Tracks aufgenommen worden, die ihr später für 1995 benutzt habt ?

Alec: Wir waren halt super lang in super teuren Studios, die verstanden auch gar nicht, daß man unsere Sachen in einer kleinen Wohnung auf­nehmen kann. Das ging bis Ende des Jahres, als wir ihnen sagten, das es keinen Sinn macht, weil daraus keine Sache für die Charts werde.

Das was sie gehört hatten, fanden sie sowieso immer grauenhaft und so erledigte sich die Sache und der A&R ist mit uns geflogen. „Midijunkies“ und „Sex“ sind in der Zeit im Studio aufge­nommen worden.

Klingt das zweite Album auch deswegen rauher?

Alec: Das alte ist aber mit dem gleichen Equipment entstanden. Das neue Album sollte halt härter sein.

Was wollt ihr machen wenn die Leute an eure Musik gewöhnt sind? Irgendwann ist doch ein nicht mehr zu steigernder Härtegrad erreicht.

Alec: Wer weiß … Es geht bei Atari auch nicht darum immer härter zu werden. Darum ging´s eben nur bei der Platte. Der Sound sollte mehr verschmelzen. Wenn ich zu „1995“ zurück­schaue, ist es schon alles sehr eindeutig, da kommen die Gitarren, da der Beat … .

Welchen Hintergrund hat „PreSS“, da ihr in der Musikpresse doch ziemlich gut aufgenommen worden seit? Oder betrifft es die gesamte Presse?

Alec: Es behandelt die Medien generell, weil es Journalisten gibt, die es sich zu einfach machen und vorgesetzt bekommene Informationen einfach weitergeben.Die Musikindustrie ist ein gutes Beispiel, dort machen es viele nur für Geld, unterwerfen sich völlig, denen ist egal was drinsteht.

Aber ihr arbeitet auch mit der Presse …

Alec: Es war schon immer das Konzept von A.T.R. die Medien zu benutzen. Daß die natürlich auch gegen einen arbeiten können ist klar.

Ihr geht durchs System.

Alec: Sobald wir ein Platte rausbringen, oder man eine Cola trinkt, sind wir aber sowieso teil davon. An die Diskussion kann man so nicht herantreten. Es geht darum ein Statement zu machen, das so viele Leute wie möglich er­reicht.

Man kann auch den Weg wählen, das alles zu boykottieren, was ich auch verstehe, aber nicht bei A.T.R. . Das ist bloß so, daß es dann Musik für eine Elite von Leuten wird, die in der Nähe von einem coolen Plattenladen wohnt, oder ein Fanzine bekommt. Das ist irgendwie eine super burgoisie Haltung.

Was steckt den hinter D.H.R.?

Alec: Musikalisch, oder…

Auf euer Internetseite steht, daß es als Reaktion auf den Rechtsruck in Europa gegründet wurde.

Alec: Da steht auf Deutsch was drin?

Nein, auf Englisch.

Alec: D.H.R. besitzt eigentliche eine ähnliche Funk­tion wie A.T.R.. Einerseits ist es da um die ganzen Bands zu schützen u.s.w., dadurch daß wir mit D.H.R. eine Festung um uns herum gebaut haben, indem alle Deals über D.H.R. laufen.

Andererseits kommen halt viele Sachen dort heraus die mit einer politischen Haltung zusammenhängen. Klar kann man sagen wir hätten auch eine Zeitung schreiben können. Ich seh aber, daß mit Musik, weil sie mehr Emotio­nen erzeugt, mehr erreicht werden kann.

Welche Band würdet ihr nie auf D.H.R. rausbringen?

Alec: Mit wem soll ich da anfangen. Von der D.H.R.-Sicht find ich fast alles völlig unpassend, was es im Moment gibt.

Seid ihr auf D.H.R. in musikalischer Hinsicht beschränkt? Oder „nur“ politisch?

Alec: Bei D.H.R. gibt es halt schon so Dinge, wie z.B. daß es elektronische Musik ist. Ist zwar eigent­lich keine Regel hat sich aber bis jetzt so durch­gesetzt, da man viele Sachen heute nur mit elektronischer Musik erreichen kann oder man hat so gute Musiker, daß man ähnliches erreichen kann.

Die meisten Bands besitzen nicht soviel Geld und machen es deswegen mit elektronischem Equipment. Was eine Art Linie ist die sich durch alles hindurchzieht.

Aber ihr hättet doch auch anderes Equipment haben müssen, wenn du vorher Techno produziert hast?

Alec: Ich hab schon ein paar mehr Sachen wie z.B. Roland 909, die ich auch teilweise bei A.T.R. verwende. Die, als ich anfing Techno zu machen, noch billiger waren. Das wurde erst mit dem Technoboom so extrem teuer.

Habt ihr euch also auf den Atari u.s.w. aus ei­nem Konzept heraus oder weil kein Geld da war beschränkt?

Alec: Damals war es so weil man kein Geld hatte. Das Techno-, Roland – Equipment war das einzige was ich mir kaufen konnte. Das andere das es gab kostete ein paar tausend Mark.

Heute ist es aber andersherum.

Alec: Natürlich, seit Jahren. `88 oder `89 war es überhaupt nicht so. Heute kann das vielleicht nicht ganz so nachvollzogen werden.

Du spieltest ja früher in einer Punkband, die um vieles härter war als viele der normalen Punkgruppen, mit extremen Aussagen. Wie entwickelte sich das.

Alec: Das war gar keine so entgegengesetzte Entwick­lung. Ich sah früher Techno so, daß mit wenigen Mitteln unglaubliche Energie freigesetzt werden konnte. Das gleiche, was ich an Punk gut fand.

Warum hat du dann mit ihm aufgehört?

Alec: Weil es mir 88 nicht mehr möglich war mich mit der Punkszene zu identifizieren. Die meisten Deutschbands mit denen wir auftraten, wie Tote Hosen und Goldene Zitronen, die gingen immer mehr in die Fun-Punk Ecke.

Du hast mal erzählt, daß die Goldenen Zitronen sich dort rausgerettet hätten.

Alec: Vor einem Jahr traff ich Campino und Schorsch, und wenn ich mir die beiden nebeneinander angucke, finde ich im Vergleich zu dem, was die Toten Hosen machen, die Goldenen Zitronen tausendmal besser.

Eure Texte enthalten mehr Parolen, als die an­derer Bands, sind extremer, was bewirkt ihr damit mehr? Ihr erreicht mit der Musik doch nur Leute, die schon Links sind.

Alec: Du meinst, wenn wir die gleichen Texte zu Pop packen würden, könnten wir mehr Leute erreichen … (der Rest ist aus Tonbandtechni­schen Gründen unverständlich, der A.). Das ist ganz einfach. In Japan oder Amerika, hören die Leute die Sachen wegen der Message, die sagen zu uns, daß sie lange auf so eine Band gewartet haben.

Aber tritt bei uns nicht genau das Gegenteil auf, man hört die Musik aber meint, daß die Texte nicht ernst genommen werden können.

Alec: Hier schon. Deutschland ist auch immer reaktionär drauf. Amerika ist zwar nicht besser, dort existiert aber nicht diese Altlinke – Szene, die alles besser weiß. Die Jugendlichen dort sagen „Fuck it“, wir finden das alles Scheiße, wir können an die Politiker nicht glauben und sehen das genauso.

Da steht das Gewaltlevel schon auf einer ganz anderen Ebene. Wenn man hier z.B. Polizisten angreift, äußern selbst viele aus der Punk-Szene „ja, den einen Bullen den ich kenne, der bei mir um die Ecke wohnt, ist auch ganz nett“. In L.A. ist es so, daß selbst Leute die gar nichts mit Punk zu tun haben Polizisten als die letzten Arschlöcher ansehen.

Ist die Polizei dort nicht auch auf direktem Wege viel gewalttätiger?

Alec: Aber generell dreht es sich doch darum, daß es überhaupt sowas wie die Polizei gibt, es macht auch gar keinen Unterschied ob die hier ir­gendwie Ausländer abschieben oder ob sie in Amerika einen auf offener Straße zusammen­schlagen. Ähm fall´s das Telefon piepst, wenn der Akku gleich leer ist, darfst du dich nicht wundern, ich ruf dann zurück.

Ich dachte schon dein Gebührenzähler piepst die ganze Zeit.

Alec: Ich hoffe nicht.

Was verstehst du unter Riots?

Alec: 2 Sachen. Einmal wirkliche Riots, wenn man Schaden verursacht z.B. in einer kleineren Gruppen, das kostet den Staat Geld, und wenn das an vielen Orten gleichzeitig passiert, trägt es dazu bei, daß das System implodiert, weil die Kosten zu hoch sind.

Was soll kommen wenn das System implodiert ist?

Alec: Ich sehe mich als Anarchist. Also eine Gesell­schaft die keine Machtstrukturen hat wie diese. Denn hier vermehrt sich das Geld nur für eine Minderheit von Leuten.

Denkst du, daß du es noch erlebst?

Alec: Wer weiß? Vielleicht geh ich auch selber mal drauf, trotzdem muß ich aber nicht akzeptieren wie es ist.

Wie alt bist du?

Alec: Fünfundzwanzig.

Angst vorm Älter werden?

Alec: Wieso? Nö.

Ich stelle mir nur vor wie ihr mit 50 auf der Bühne rumsitzt.

Alec: Ich will nicht die gleichen Dinge noch in 10 Jahren machen. Atari Revival Band, oder so. Atari war immer eine sehr spontane Sache. Wahrscheinlich gründe ich in 2 Jahren eine neue Band, d.h. Atari kann eigentlich jeden Tag vorbei sein. Deswegen will ich aber nicht in 2 Jahren etwas total gegensätzliches machen. Bloß mit unserem Konzept ist es unmöglich 20 Jahre Bestand der Gesellschaft zu sein.

Wär irgendwie auch lächerlich.

Alec: Es muß nicht lächerlich sein, aber mit dem A.T.R. Ansatz wär´s lächerlich, was man an Bands wie den Sex Pistols sieht. Man kann natürlich, wenn man älter wird nicht nichts mehr tun. Wir verstehen aber Teenage als eine Haltung. Die richtigen Teenager sind heute konservativer als 50 jährige. Ich gehe davon aus das die, die nichts zu verlieren haben, eher etwas riskieren, was öfters bei jungen Leuten der Fall ist.

Zukunftsvisionen?

Alec: Zukunft heißt Krieg ha, ha.

Sonst noch welche?

Alec: Die Supervision nächste Woche auf Tour zu fahren ha, ha. Die Zukunft ist, daß sich alles ins Extrem steigert, worauf der Umschwung kommen wird und es uns allen besser gehen wird, in wenigen Jahren, vielleicht auch erst in 10 Jahren. Wir werden dann unseren Teil dazu beigetragen haben, haben wir jetzt schon. Ich bin optimistsch, wenn du das meinst.

Ideal um in die JU einzutreten.

Alec: Ha, ha, kann ich nicht, weil ich mich mit der überhaupt nicht identifizieren kann. Obwohl die auch optimistisch sind, aber…

Auf eine andere Art.

Alec: Die stellen es sich halt anders vor. Was die angeht bin ich nicht optimistisch.

Wie kannst du jeden Abend soviel Aggression ablassen. Wird man da nicht fertig?

Alec: Ich baue keiner Aggressionen ab, ich baue welche auf. Nach den Touren waren wir halt krank. Na gut, wir machen es für´s Volk.

In den U.S.A. steht im Moment ein Mathematik­professor vor Gericht, weil er 18 Anschläge auf Unis ausgeführt hat. In seinem Manifest schrieb er, daß der technologische Fortschritt irgenndwann die Welt zerstören werde.

Alec: Es kommt darauf an wie der technologische Fortschritt eingesetzt wird. Es war auch immer das Argument der Punk-Szene „ihr benutzt einen Computer das ist aber teuflisch“, das hat sich aber mittlerweile gelegt.

Hast du komponieren gelernt?

Alec: Als ich jünger war hatte ich viel zu tun mit Kompositionstechniken, was ich jetzt versuche anders herum zu verwenden.

Was hältst du denn davon, wenn jemand keine Ahnung von den Regeln hat und nicht versucht die Regeln umzudrehen, sondern seine eigenen schafft.

Alec: Das ist Okay. Weil der Prozeß verläuft gleich. Johnny Cage sagte auch mal, daß man gerade an die moderne klassische Musik rangehen muß wie ein kleines Kind. Klar ist es doof wenn Leute nicht wissen, was sie machen und was total reaktionäres schaffen, wie z.B. in der Techno-Szene, die denkt sie kreiert völlig Neues, aber im Ende ist es wie Schlagermusik bloß mit einem anderen Beat darunter. Deswe­gen ist es nicht schlecht, wenn man Musik produziert, so viele Informationen wie möglich zu holen.

Im D.H.R. Versand in London verlangt ihr 15 Pfund (ca. 38 Mark) für ein T- Shirt auf dem „Discriminate the next fashion sucker you met“ steht. Ist das Ironie?

Alec: Das liegt daran, daß man es aus England bestellt. Natürlich würde ich gerne alles für 5 Mark oder gar nichts verkaufen. Bloß z.B. bei Konzerten wollen die Raumvermieter einen Prozentsatz davon abhaben, so daß es gar nicht billiger verkauft werden kann, weil man sonst nur draufzahlt. Sowas muß halt auch immer unter tausend solchen politischen Sachen gesehen werden.

Klar würde ich es gerne billi­ger verkaufen, wenn´s Sinn machen würde, bloß komischerweise tritt der Effekt ein, daß viele es dann gar nicht mehr haben wollen, was auch der Fall war, als es bei unseren Konzerten eine 7″ umsonst gab. Wir versuchen schon fair zu sein, was z.B. T-Shirts betrifft, interessantes Thema übrigens …, auf der Tour zum ersten Album verkauften wir Longsleeves für 20 Mark.

Am Anfang der Tour verkauften wir nichts und haben uns schon gewundert, aber in Chemnitz oder so meinte der Veranstalter, die sind einfach zu billig ihr müßt das doppelte verlan­gen. Erstmal fand ich´s scheiße, weil die Shirts konnten wir billig drucken lassen. Aber der sagte, probierts doch mal, macht es für eine Stunde, nach der Vorband. Wir dachten zwar, wenn wir während des Konzertes den Preis höher setzen, das würde sowieso jeder raffen, doch dann haben wir alle T-Shirts verkauft.

Zum Abschluß noch Stichwörter:

Cyper Punk

Alec: Cyber Punks are dead. Über´s Internet denke ich das man dort ziemlich schnell an oberflächliche Informationen kommt. Cyber Punks sah ich früher als Superhacker, was sich aber heute dazu entwickelt hat, daß die Leute sich Video­spiele aus dem Internet runterladen und dann denken sie wären Cyber Punks.

Chumbawamba.

Alec: Kenn ich nicht, interessiert mich nicht.

Nächstes: RAF/Deutscher Herbst

Alec: Ich habe immer noch großen Respekt vor allen Mitgliedern, auch denen der Bewegung 2. Juni, weil ohne sie alles noch viel rechter wäre, als es jetzt ist.

Aber dadurch konnte der Staat doch stärkere Kontrollen einführen, die immer noch angewandt werden.

Alec: Das Argument kommt oft. So sehe ich es nicht. Ich find es gut was sie getan haben. Die meisten bereuen ja, daß dabei Leute umgekommen sind. Aber für die, die umgekommen sind, kann ich kein Mitleid empfinden.

Stell dir vor dein Vater wäre ermordet worden.

Alec: Wenn mein Vater früher bei der SS gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich in die Hände geklatscht. Aus meiner Familie hatte keiner was damit zu tun, mein Großvater ist im Konzen­trationslager umgebracht worden, vielleicht se­he ich es deswegen anders.

Ob Mord ein zu rechtfertigendes Mittel ist?

Alec: Ich verstehe das nicht als Mord. Wenn jemand für etwas Eintritt und sein eigenes Leben riskiert, weil die Gesellschaft in Ungerechtigkeit lebt, finde ich ist das eine Sache die sehr zu respektieren ist.

Aber die Terroristen bereuen es teilweise heute selbst.

Alec: Viele müssen es auch bereuen, weil sie sonst Probleme mit der Polizei u.s.w. kriegen.

Weiter: Deutschland

Alec: Ich hoffe, daß bald alle deutschen Einflüße an mir zerstört sind. Ich versuche mir die Sprache soweit wie möglich abzugewöhnen ha, ha.

Was sollen die Leute machen, wenn sie das Inter­view fertiggelesen haben?

Alec: Da gibt´s vieles, sie sollen rausgehen, sollen Graffities sprühen, sollen Polizeiautos anzün­den, sollen Scheiben von Banken einschmeißen, sollen Crack verkaufen, Fernseher zerstören, Mädchen feiern und respektieren, sollen billige Computertechnologie benutzen und gegen die Industrie verwenden.

Soll jeder mit denen Musik schaffen?

Alec: Nö. Das ist nur ein Beispiel., sie können natür­lich auch versuchen an den gleichen Compu­tern eine Bombe zu konstruieren ha, ha.

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Interview: Sebastian Unsinn

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