März 17th, 2007

ARMY OF PONCH (#105, 04-2004)

Posted in interview by andreas

ARMY OF PONCH??? GAINESVILLE?? NO IDEA? RAD!!!

No Idea, Gainesville, 2 Worte bei denen ich automatisch an gute Musik denke und auch bei Army of Ponch werde ich nicht enttäuscht. 

Wieder beschert uns die „Szene Metropole“ eine mehr als „heisse“ Band , die wie auch soviele andere (aus der Stadt) durchaus das Potential hat, ihr hohes Niveau auf lange Sicht zu halten und sogar zu steigern.

Man muss AoP einfach gesehen haben, um meine Begeisterung (ja,so sieht das aus wenn ich beigeistert bin) zu verstehen, was aber nicht heisst, dass sie auf Platte ihrer Live-Darbietung in irgend etwas nachstehen.

4 Musiker, mit denen man sehr interessante Gespräche führen kann.

step 1. Read
step 2. Listen
step 3. Enjoy

***

Hi, stellt euch doch erstmal vor!

Jack: Ich spiele Gitarre und singe.

Danny: Ich bin Danny und spiele Schlagzeug.

Geis: Ich heisse G.E.I.S., spiele Gitarre und singe ab und zu.

Gui: Ich spiele Bass.

Warum habt ihr keine website (mehr)?

Jack: Wir sind Computer- Analphabeten, das ist eigentlich alles was ich sagen kann…unsere alte Website hatte ein Student für uns als Collegeprojekt gemacht, aber er hat dann seinen Abschluss gemacht und ist dann mehr oder weniger verschwunden.Wir haben nicht viel Zeit damit verbracht, Leute, die im Gegensatz zu uns zu sowas in der Lage sind, zu fragen, aber seitdem wir auf NO IDEA sind, sind wir auf ihrer Site vertreten und die ist ja auch sehr gut, da stehen dann eben tourdates u.s.w.

Ihr habt ja gerade Leute angesprochen, die die Szene verlassen, das ist hier nach der Uni auch ziemlich oft so…seid ihr alle Vollzeitmusiker?

AoP: JA!

Jeder?

AoP: JA!

Jack: Keiner von uns ist Student, das College ist ja immer da, egal wie alt man ist. Meine Mutter ist gerade aufs College gegangen, aber im Moment sind wir jung..naja, wollen Spass haben und mal sehen, wie lange das so geht..Ich spiele seit ca.10 Jahren in Bands ..die anderen auch so um den Dreh und das ist genau das, was wir wollen.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Jack: Naja… sie ist laut, zumindest manchmal, irgendwie Rock und irgendwie verdammt hart zu beschreiben.

Geis: Drop D, melodisch, ein gewisser Grad an Melodie, aber nicht „lalalalalala“

Mehr BABABAMABAM?

Geis: Ja, genau.

Also euch kümmern keine Schubladen  la Post HC etc.?

Jack: Ja, das ist eine Musikertherapie.

Hattet ihr auf „so many you could never win“ irgendwelche Reaktionen, lokal, national, international?

Jack: Naja es war unsere erste Platte und viele andere Bands schreiben ein Album und gehen dann ins Studio…das war bei uns nicht der Fall, es sind ja 11 Songs drauf und das sind die ersten 11 songs, die wir je zusammen geschrieben haben. Reaktionen gab es meist nur auf lokaler Ebene von Freunden, die einem zur gut laufenden Band gratulierten. In den Staaten scheint es so zu sein, dass die Leute vielleicht noch 1 – 2 Alben abwarten, bevor sie sich irgendeine Meinung bilden.

Hier haben wir erst 2 shows gespielt, die Beide grossartig waren, und wir hatten das Gefühl, das manche Leute das Album kannten , von dem wir auf der tour aber auch nur 2,3 songs spielen. Die sind ja schon fast 2 Jahre alt und es wird irgendwie langweilig, weil wir uns weiter entwickelt haben…nicht soundtechnisch, aber das Zusammenspiel hat sich einfach ver-ändert,-bessert. Habe ich die Frage überhaupt richtig verstanden? Neugier oder Reaktionen des Publikums?

Na ja, beides!

Jack: Manche Leute sind neugierig, weil ich mit Leuten von Hot Water in einer Band gespielt habe; das geht dann meistens so:“(stöhn) Army of Ponch, ich book euch nicht….achso ihr wart mit Hwm-leuten in einer Band, dann geht das klar.“ Sie erwarten einen bestimmten Sound und ein bestimmtes Publikum und die sagen dann Sachen wie „ich habe euch mit Blacktop Cadence gehört, ihr hört euch aber anders an“ und das stimmt ja auch, wir hören uns anders an, aber die meisten mögen uns, besonders andere Musiker, weil wir es mögen, richtig kurze Songs zu spielen „we hate generic, boring song structures like Verse, chorus,Verse, Chorus“… Songs, die länger als 2-3 minuten gehen, werden einfach langweilig zu spielen und auch fürs Publikum langweilig zu hören..“we just try to get in and get out “

Ihr habt ja bereits lokale Bands angesprochen und ich denke, dass die „szene“ in Gainesville schon etwas besonderes ist, weil sie so viele Bands hervorgebracht hat, die z.t. kommerziell sehr erfolgreich sind wie: HWM auf Epitaph und Against Me! auf Fatwreck, was ist das besondere an Gainesville?

Jack: Für amerikanische Verhältnisse ist Gainsville eine sehr kleine Stadt mit geringen Lebenshaltungskosten. Das hat zur Folge, dass Bands viel auftreten und viel touren können ohne viel Geld zu verlieren. Die meisten Bands, die die du gennant hast, (hwm,against me!) touren wie wir die ganze Zeit.

Alle dort touren die ganze Zeit, man tourt, man kommt zurück, man arbeitet ein bisschen und wenn man mit 4 Typen in einem Van rumhängt, desto mehr wird man zu einer Art Einheit. Bands aus anderen Städten hingegen, wo das Leben teurer ist und die viel für ihre Miete arbeiten müssen, können nicht einfach gratis für eine Handvoll Leute auf einer Party auftreten, weil sie ja irgendwie überleben müssen…für uns wäre es natürlich cool, richtig Geld zu machen,aber wir machen genug, um zu touren und zu Hause proben zu können. Wir spielen alle in mehreren Bands und haben Zeit zu proben.

Ist Gainesville eine Gemeinde die Künstler unterstützt?

Jack: Es ist eine Collegestadt, in der viele Künstler leben.

Das Radio bei euch ist ja etwas anders als hier, wir haben zum Beispiel kein College(bzw.Uni) -Radio. Werden Bands aus Gainesville in Gainesville gespielt?

Gui: Es gibt eine wöchentliche Show, die zwei Stunden lang lokale Bands spielt.

No idea ist meiner Meinung nach ein ziemlich cooles label, gute Bands und sehr guter Vertrieb….könntet ihr was darüber erzählen?

Jack: Der Chef von NO IDEA heisst VAR und bringt unsere Platten raus – weil wir aus GAINSVILLE sind und ihn kennen- und so läuft das normalerweise auch/er bringt die Platten befreundeter Bands ohne Papierkram raus – man bekommt immer Platten, wenn man auf tour geht…das ist sonst immer ein Problem bei grossen Labels. VAR macht viel Werbung in einer Menge zines, um sicher zu gehen, dass Leute, die Interesse haben, auch informiert werden, viele kleine Labels können oder wollen das nicht machen.

Ich weiss nicht wie es hier ist, aber in den USA gibt es ständig neue kleine Labels von immer jünger werdenden kids, meist aus reichen Familien, für die es einfach ist, an einen Haufen Geld zu kommen, um eine Platte rauszubringen. Und dann haben sie eine Platte rausgebracht, aber sie machen keine Werbung – sie schaffen keine Kontakte und sie verschicken keine Promo- cd`s. NO IDEA macht aber einen verdammt guten Job.

Also entwickelt sich die „szene“ immer mehr zu einem Hobby reicher Kinder?

Jack: Manchmal hat man das Gefühl…wir spielen mit vielen Bands von 16 oder 17 jährigen kids, die Equipment für tausende von Dollar haben und wir sind dann die mit unseren halb kaputten Sachen – müssen uns was leihen – und dann kriegt man so Sachen wie „öhh ich weiss nicht, es könnte kaputtgehen“ zu hören.

Es war mal gemeinschaftlicher, einfach freundlicher, heute interessieren sich alle nur noch für ihre eigene Band, es gibt aber hunderte von Bands, die gleich klingen und es geht darum, was die eine ausmacht, darum sollte es gehen: anders zu sein !

Die kümmern sich also auch nur um den“fashion-aspect“ und den sound.!?!

Amy of Ponch: Ja, die sehen einen Weg, einen Haufen Kohle zu „chef“-feln, ohne ein bisschen dafür zu arbeiten. Im Gegensatz dazu sehen wir einen Weg, um Spass zu haben – wenn wir Geld machen cool – wenn nicht, dann nicht. Die Leute sehen eben all diese MTVpunkbands, für die Punkrock Iros und Spikes sind und die zum 100. mal über das selbe Mädchen reden, von dem sie sich getrennt haben „its just like DISTORTED GUITARS HAVE BECOME PUNKROCK!!!“. Enge Hosen, schwarz gefärbtes Haar und die älteren Kids hassen es und interressieren sich immer weniger für die Szene und neue Bands, egal wie sie sind.

Weil sie denken, das alle so sind!?!

Jack: Ja, wie Avril Lavigne

Wir hören hier immer wieder über punkvoter etc. Hat das überhaupt in der Szene und/oder bei den „anderen“ Menschen einen Effekt?

Geis: Es gab Medieninteresse von Sachen wie CNN usw., aber die gingen meistens in die Richtung „was soll das, punks kümmern sich um nichts, die sollen das System hassen“ usw. Fat Mike versucht etwas zu organisieren, das genug junge Leute dazu bringt, sich einfach mal um etwas zu kümmern, ob es funktioniert? Wer weiss?

Was ich jedoch weiss, ist das er richtig grosse Mainstreampunkbands für eine Tour hat, die dann bei vielen Colleges auf dem Campus spielen und zwar für umsonst, und der einzige Weg, die Show zu sehen, ist sich entweder vor Ort für die Wahl zu registrieren oder seine Wahlbescheinigung vorzuzeigen. Man wird das Ergebnis der Aktion bei der nächsten Wahl sehen.

Seid ihr „politisch“?

Jack: Wir schreiben nicht über Politik, aber wir gehen alle wählen. Ich meistens lokal, für viele Leute fühlt es sich aber an, wie zur Arbeit zu gehen, ohne bezahlt zu werden. Sie haben diese „ich bin nur einer und kann doch eh nichts ändern“-Einstellung und ich versuche schon davon wegzukommen.

Supporten sich die Bands in Gainesville gegenseitig? z.B tourmässig?

Geis: Ja klar, im April gehen wir mit Against Me!, Planes mistaken for stars und No choice auf tour

Jack: Wir waren auch schon mit HWM, Against me! und den Planes auf Tour, die Planes sind zwar nicht aus Gainsville, aber auch auf No Idea.

Geis: Natürlich ist es einfacher, wenn man zu Hause ist und in „the top“ oder in anderen Bars und dann sitzt da George von Hot Water oder Tom und man grüsst sich, fragt, wie es läuft, „ihr geht auf tour? Lasst uns ein paar Shows spielen! Klar“ Das ist natürlich einfacher, als in Kalifornien irgend jemanden anzurufen, den man mal flüchtig getroffen hat oder so. WIr sehen uns alle jeden Tag und das ist natürlich von Vorteil. Es gibt eine gute Gemeinschaft, jeder ist in einer Band oder macht T-shirts oder Artwork oder managed eine Band oder hat gerade eine Band aufgelöst und versucht eine neue zu gründen und alle sind sehr an Shows und Musik interessiert.

Habt ihr irgendwelche Erwartungen an die Tour?

Jack: Wir sind letzte Woche angekommen, haben zwei Shows gespielt und hatten drei offdays. Heute startet unsere Tour offiziell und unsere Erwartungen wurden schon alle erfüllt.

Geis: Einfach neue Leute wie dich kennen zu lernen.

Habt ihr schon Unterschiede bemerkt?

Jack: Alle sind sehr nett und hilfsbereit, das Bier ist gut.

Gui: Wenn es gratis ist, ist es gut.

Geis: Naja, zB. irgendwo ankommen und Essen zu bekommen, dass sogar schon fertig ist, passiert bei uns NIE! Vielleicht 1 von 20 malen. Meistens wird man zum nächsten Taco Bell oder so geschickt und dann geht das so: plug your shit in and play, wir geben euch Rabatt aufs Bier, 2$ pro Flasche, manche sind schon angepisst, wenn man ankommt, weil der Club nicht ausverkauft ist .Dabei können die ja wenigstens zu Hause schlafen – wir müssen im Van pennen, aber wir kennen das ja auch nicht anders. Ich weiss gar nicht, wie oft ich mich auf den letzten beiden Shows bedankt habe und die Leute wissen gar nicht, warum.

Danny: Man wird einfach viel mehr unterstützt, von jedem und überall.

Jack: ältere Leute zu treffen, wie z.B. Ingo, unseren Fahrer und Booker für die Tour, er ist 41, du musst schon sehr lange suchen um einen 41-jährigen in den Staaten im Punkrock-Umfeld zu finden. Bei uns sind es meistens Kids, die sich für Punkrock interressieren. So um die 16 und noch auf der Highschool, die sind noch nicht erwachsen und noch nicht übersättigt, die älteren haben schon genug gehabt. Ingo ist wunderbar, wir waren 3 Tage in seinem Haus und haben 3 Mahlzeiten pro Tag bekommen und hatten Betten zum Schlafen..in den Staaten sagen die Leute nach dem gig „bis später“ und man schläft im Van, wenn man Glück hat, kennt man irgendwen in der nächsten Stadt und kann da hinfahren. Hier kommen wir an, essen, schlafen, essen nochmal und fahren dann weiter und das ist einfach wunderbar.

Zukunftspläne?

Danny: Mehr Platten verkaufen wäre echt nett.

Jack: Naja, No Idea kann so viele Platten verkaufen, wie man braucht, um die Musik zu unterstützen, wir haben ja Bands wie Against ME! und HWM zu grösseren Labels gehen sehen -und für die ist das gut. Aber No Idea ist riesig für uns und wenn unser neues Album rauskommt, ist es verdammt cool, unsere Anzeige auf dem Backcover von PUNKPLANET zu sehen, wir konzentrieren uns mehr aufs Plattenmachen als auf die Zukunft.

Fav. Bands?

Gui: NOFX, Lagwagon

Geis: Kid the whitney High, Kid Bob, Kid N Play

Danny: Alles, alles was nicht schlecht ist, ich bin ein Musik-Nerd

Jack: Kommt auf meine Stimmung an, auf Shows mag ich hart rockende Bands, die nach vorne gehen. Aber zu Hause will ich relaxen – alter Country und ruhige Akustikmusik. Im Moment höre ich Neutral Milk Hotel.

Noch was?

Jack: Danke!

***

So was hört man gern, AoP waren „awesome“ und haben richtig gerockt, wer die Tour verpasst hat, sollte sich jedenfalls das im Herbst erscheinende neue album geben…auf No Idea natürlich.

Interview: Philip Nee-Kotey

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