Februar 27th, 2011

ANTITAINEMENT (#132, 10-2008)

Posted in interview by jörg

Subkultur brought to you by Sparkasse Hanau 

1998 schrieb der grösste Kabarettist unserer Zeit, der leider viel zu früh verstorbene Matthias Beltz, einen schenkelklopfenden Vierseiter über die menschlichen Abgründe, die einem geneigten Beobachter entgegen sprühen, wenn er Frankfurt am Main mit der Strassenbahnlinie 11 durchquert. Vom äussersten Osten (Fechenheim) bis in den äussersten Westen (Höchst) und dabei ständig durch irgendein anderes armes Arbeiterviertel fahrend, was in einer reichen Stadt wir Frankfurt natürlich aufsehenerregend ist.

Eine Fahrt mit der Linie 11 wünscht man so manchem rosa behemdeten Investmentbanker, wenn er neu in die Stadt kommt. So oder so, der grosse Beltz schrieb: „In diesem öffentlichen Verkehrsmittel siehst du, wo der Hammer hängt. Da müsste mein Nachbar täglich mitfahren, mit der Linie 11, damit er sich endlich mal mit der Wirklichkeit der Realität konfrontiert und nicht immer nur umgekehrt“. (Werksedition Gut/Böse bei 2001)

Wir hielten zunächst bei einem Wasserhäuschen in der Näher der alten Cassella-werke, tranken dort Bier und fuhren nach einiger Zeit weiter zu einem anderen Wasserhäuschen im Ostend, nahe des Zoos, wo wir auch Bier tranken. Das erste hiess einmal Uschis Babbelstubb und verfügt neben der von uns besuchten Aussenverzehrsfläche auch über einen kleinen Gastraum mit Geldspielgerät. Und dessen Geräusche erinnern an das letzte Jahr:

2007 veröffentlicht die Frankfurter (bzw. Bad Vilbeler, dazu später mehr) Band Antitainment ihre LP ‚Nach der Kippe Pogo‘, die ein hoffnungslos ausverkauftes Releasekonzert hinter sich zieht, von null auf Hundert in den meisten vernünftigen Köpfen dieser und auch deiner Stadt. Eigentlich vermute ich, dass ihr die Band sowieso kennt. Ihre Breaks, ihre geschicktes Klauen in allen Töpfen, die die Farbenmischerei noch herumstehen hatte, die Orgel (Die Orgel!), das überdrehte Moment, der sich mit Tobis prägnanter Stimme abwechselt, wenn er uns den Eulenspiegel vorhält. Gott, was soll ich sagen? Die beste Band aus meiner Stadt der letztem zwanzig Jahre.

Ich habe versucht, anderen die Band mit Nennung der Goldenen Zitronen LP Economy Class näher zu bringen, dann fehlt aber jeglicher Hardcoreinschlag, jegliches Breakgewitter – zumindest die Rastlosigkeit als Motiv bliebe aber bestehen. Ihr solltet es euch einfach anhören, myspace.com/antitainment kann dort in Auszügen helfen – vor allem mit dem Schlager der letzten Platte, ‚unkonkret vs. wahllos‘.

Nach bescheidenem Erfolg – so wurde die LP immerhin schon einmal nachgepresst – nimmt die Band eine Pause; also genau der richtige Zeitpunkt, mit ihr über den Status Quo und Vergangenes zu fabulieren. Vielleicht aber auch der Moment, die Band aufzulösen? Besser können sie kaum noch werden. Sie werden sich so oder so für das richtige entscheiden.

Darsteller:
Matze und Tobi, Musiker in der Band Antitainment, sowie Jan und Daniel von diesem Heft hier. Binding bleu, der Geschmack der Champions, später dann auch noch andere Biermarken. Over&Out.

***

1. Kiosk und Konzert

Wir stehen hier an einer Trinkhalle in einem Arbeiterviertel. Gefällt euch das? Könnt ihr dem, was ihr hier seht, etwas abgewinnen – also die Leute, die jeden Tag an der Bude rumhängen? Wenn du in die angeschlossene Kneipe als Aussenstehender rein müsstet, wie würdest du dich verhalten eher defensiv, oder mit den Zechern über Fussball unterhalten oder den Glücksspielautomat malträtieren?

Matze: Das ist nicht mein Ort und wird es nie werden, ich bin eh ungern in Kniepen, ich laufe lieber rum, von daher

Tobi: Kann ich auch sagen, wobei natürlich für die Leute das hier bestimmt auch schön ist, man fühlt sich da unter seinesgleichen und auch angenommen vom Schicksal. Ich kann mich an solchen Örtlichkeiten gut und gerne als Betrachter aufhalten, kommt es zu Gesprächen, stellt sich jedoch ganz schnell heraus, dass keine inhaltliche Schnittmenge besteht.

Ein Punkt, der mich an euch als Band sehr interessieren würde, ist, wie ihr wahrgenommen werden wollt: Zum einen in einem Interview wie diesem, zum anderem als Band auf der Bühne. Was sollen Leute von euch denken?

Tobi: Eine schwierige Frage du meinst so von wegen Aussenwirkung der Band? Das ist natürlich ein bisschen schwierig, da wir vier Leute in der Band sind, aber nur zwei an diesem Kiosk hier. Man muss ein Interview daher immer unter den Gegebenheiten sehen, unter denen es stattfindet, d.h. es stehen jetzt zwei von uns hier und zwei von euch. Man kann im Nachhinein nichts richtig stellen, während im Internet alle konzentrierter sind, eine überlegtere Antwort kommt.

Hier bin ich jetzt lockerer (trink Bier), Matze wird immer gleich antworten, weil er nicht trinkt, d.h. da verändert sich wenig da ändert sich nie was eigentlich, obwohl er irgendwann müde werden wird. um unsere Wirkung nach aussen mache ich mir eigentlich gar keine Gedanken, es macht keinen Sinn drüber nachzudenken, wie ich jetzt antworten soll und was die Leute dann drüber denken sollen

Aber es ist schon so, dass ihr nicht grossartig falsch verstanden werdet?

Tobi: Die Leute, die euer Heft lesen, haben wahrscheinlich eh schon ne Meinung.

Unabhängig von uns oder dem Heft, was sollen die Leute über euch, über dich denken, jetzt nicht als Person, sondern als Bandmitglied, was ihr Gedanke sein, wenn sie das Wort Antitainment hören?

Matze: Es gibt ja Bands, wo es immer direkt klar ist, was als Antwort kommt, mir ist das relativ egal eigentlich.

Zwei Varianten zur Auswahl: Leute, die Antitainment kennen und gut finden, wollen mehr über die „Stars“ erfahren und die, die euch nicht kennen, die sollten im besten Fall aufgrund dem was ihr sagt, in irgendeiner Form motiviert sein, eure Musik vielleicht anhören zu wollen. Ihr habt inzwischen – und das als Band aus dem Frankfurter Raum (!) – einen veritablen Erfolg und all diese Leute, die auf eure Konzerte kommen: Was kriegen die mit?

Tobi: Mittlerweile kommen so viele Leute auf die Konzerte, dass ich irgendwann aufgehört habe, drüber nachzudenken. Ich habe stattdessen überlegt, mit der Band auszusetzen, weil das alles überhaupt keine Relevanz zu haben schien. Dem Grossteil von den Leuten, die zusätzlich gekommen sind, war die Musik irgendwie egal, die kommen zum Konzert weil sie gehört haben da sollte man mal hingehen oder so, der Bezug dazu, die Kontextualität scheint da nicht wahrgenommen oder ignoriert zu werden..

Wodurch disqualifizieren sich denn die Leute auf euren Konzerten, also diejenigen, die ihr nicht erreichen möchtet? Oder wodurch qualifizieren sie sich, von dir nicht gemocht zu werden?

Tobi: Mir ist halt gerade bei den Wochenend-Konzerten aufgefallen, im Hardcore-Bereich, dass immer eine betrunkene, desinteressierte Stimmung herrscht..

Also könnte man im Umkehrschluss sagen, es wäre dir lieber, wenn es nur 50 Leute statt 500 sind, die aber dann halt irgendwie mehr deinem Konzept entsprechen?

Tobi: Es ist schon auffällig, der Unterschied, wenn du das in einem Kleinen Rahmen machst, oder wenn mehr Leute darauf aufmerksam werden, da ist ein ganz anderes Bewusstsein vorhanden Man merkt, dass es bei kleineren Sachen mehr Leute gibt, die unseren ironischen Umgang verstehen und das aufgreifen Mit einer steigenden Anzahl von Leuten steigt auch die Menge der Leute, die Texte einfach reproduzieren, ohne reflektieren zu können/zu wollen

Ein zentrales Anliegen als Band, wäre also, dass man eure Ironie nachvollziehen oder zumindest erkennen soll?

Tobi: Ja, das denke ich schon.

Wenn dir jetzt jemand sagt, Antitainment ist einfach geile Mucke, dann wäre dir das ein bisschen wenig oder?

Tobi: Naja, ich gebe der Person natürlich recht, was das Musikalische betrifft, jedoch scheint da ein wichtiger Aspekt keine Beachtung geschenkt zu bekommen. Meines Erachtens funktioniert die Musik nicht ohne die Texte.

Wenn man den Bereich „Aufzeigen von merkwürdigen Gegebenheiten unserer Welt“ betrachtet, kann man feststellen, dass das Balzverhalten in einer Grossraumdisco ähnlich wie im besetzen Haus ist. Das kann man aufzeigen Solche Dinge humorvoll darzustellen, das macht ihr ja. Oder eine zeit lang feststellen „ey guck mal, alle haben hier schwarze Tshirts an“- das ist irgendwann dreimal gesagt, was wäre das nächste? Könnt ihr den nächsten Schritt schon sehen, der sich an diese Einstellung anschliesst?

Tobi: Meine Erwartungshaltung ist: wir hören nicht auf, wir geben erst mal keine Konzerte mehr, unser letztes war am 9. Mai in Bielfeld. Wir wollen uns jetzt selbst Gedanken machen, was kommen wird; unser Set hat sich auch seit den letzten 12 Monaten kaum verändert im weitesten Sinne. Wie es jetzt die Öffentlichkeit sieht oder die „Fans“ kann ich nicht einschätzen, aber uns ging`s einfach so, dass wir uns teilweise selbst gelangweilt haben, ich meine, wir mussten uns ja auch immer jedes Mal aufs neue sehen

Jetzt werden wir irgendwann anfangen müssen uns Gedanken zu machen wie wir weiter an die Sache ran gehen, wie gehen wir mit Erfahrungen und Erlebnissen oder Erwartungshaltungen um, können wir das alles noch mehr auf die Spitze treiben, oder schenken wir dem Ganzen keine Beachtung, brechen hier und tun ganz andere Dinge.

Kurzer technischer Break, bevor wir zur zweiten Interviewstation aufbrechen, das Tape ist auch gleich zu Ende, kurze Fragen, kurze Antworten Fugazi?

Matze: Ich liebe Minor Threat.

Kiss oder AC/DC?

Matze: God gave RocknRoll to you, aber AC/DC ist doch fast besser.

Auf eurer Homepage gebt ihr an, früher mal das Angry Samoans Stück „Todd killings“ gespielt zu haben, spielt ihr noch andere Cover?

Matze: Das war totaler Zufall, nen Kumpel hatte vor seine Abschlussarbeit nen Tonstudio, und dann haben wir das da aufgenommen. Andere Cover gab`s bisher nicht.

***

2. Bad Vilbel

Kommen wir mal auf Bad Vilbel zu sprechen? Ihr seid dort sozialisiert, wie ist das, wenn man Bad Vilbel ne Band gründet?

Matze: Bad Vilbel ist ein Kaff und ein Vorort von Frankfurt/Main. Wir kommen alle daher, wir sind da zur Schule oder haben da gewohnt, Warum man da ne Band gründet ich weiss auch nicht. Das ist eine Kleinstadt und war mal aufgrund seiner vielen Quellen ein Kurort.

Tobi: Die Motivation, da ne Band zu gründen. Es gibt in Bad Vilbel ein Jugendzentrum, wo alle Bands geprobt haben, die jungen Bands dort spielen (Gothic) Death-Metal und Punk, also alles sehr langweilig, ausser Fussball ist da nix gross. Langeweile als Grund trifft es eigentlich schon ganz gut. Jeder macht da nebeneinander her, es gab von Seiten des Jugendzentrums immer zwei zentrale Konzerttermine, wo alle aufgetreten sind, ein „Rocking Christmas“ und ein „Rockig Summer“.

Aber man sagt doch immer so, hier auf dem Land, da gibt`s nix, da musste die Dinger selber in die Hand nehmen?

Tobi: Na ja, das wurde uns in gewisser abgenommen bzw. mussten wir uns nix gross erkämpfen oder erarbeiten, da es halt dort dieses städtische Jugendzentrum gab, wo jeder was machen konnte und zweimal Jahr diese Konzerte gemacht wurden.

Man sprach nun über den Unterschied zwischen Bad Vilbel und anderen Vororten („Bad Vilbel ist viel reicher“), aber Jan hat entweder sein Band nicht richtig abhören können oder wollen. Vielleicht würde es auch langweilen. Es gibt viele Möglichkeiten.

Wird diese Kleinstadt Erfahrung in euren Songs in irgendeiner Form aufgegriffen, also die Erfahrungen, die ihr dort gemacht habt lebt die Kleinstadt weiter bei euch, auch wenn ihr alle dort nicht mehr seid?

Matze: Ich habe dort 10 Jahre meiner Erwachsenenzeit verbracht, und es ist somit schon ein prägendes Teil gewesen, es gab dort nicht viel, keine HC-Szene oder so etwas, sondern nur eine dörfliche Szene, aber sonst eigentlich bleibt nix was relevant wäre, um das heute irgendwie noch zu verarbeiten das war`s. Gute Erinnerungen.

Ist ja auch immer so eine Sache im Dorf, jeder kennt jeden genau das ist dann auch manchmal dieses „Dorf Faschismus“, jeder beobachtet jeden, das ist immer so ne zweischneidige Sache

Matze/Tobi: Geht so, ich kannte meine Nachbarn nie, das war dann mehr eine anonyme Kleinstadt, die halt total einengt. Das kann auch in einer Grossstadt vielleicht sein, z.B. in Berlin, wenn die Leute nur noch in ihren Vierteln ausgehen und nicht raus kommen und sich in ihren Hot spots einrichten. Bad Vilbel ist einfach ein Punkt, wo ich nicht oft sein möchte.

Werdet ihr denn jetzt als „Frankfurter“ Band wahrgenommen, wo bis auf Matze alle hier leben?

Beide: Frankfurt ist schon anders…

***

3. DIY und die Antideutschen

Seit einigen Jahren gibt in hier in Frankfurt in der Linken grosse Diskussionen, bei der unterschiedlichen Gruppen plötzlich Gräben ziehen, nicht mehr zusammen in den gleichen Läden abhängen, Stichwort Antideutsch. Habt Ihr das irgendwie mitbekommen?

Tobi: Mehr auf einer persönlichen Ebene, halt das was du meintest, dass die Leute plötzlich bestimmte Läden meiden.

Kann man nicht sagen, Antitainment ist die Punk-Metal-Version von Egotronic?

Tobi: Nö, überhaupt nicht.

Oh, ich dachte immer, ihr würdet euch einem antideutschen Spektrum zugehörig fühlen?

Tobi: Wir sind 4 verschiedene Leute, die bestimmten antideutschen Aspekten nicht abgeneigt sind und teilweise bestimmte Sympathien haben Das spiegelt sich aber nicht explizit in der Aussendarstellung als Band wieder. Wir haben uns nie unter eine Agenda-Flagge gestellt, wie es z.b. Egotronic tun.

Wir spielen auch in Läden, die andere aufgrund inhaltlicher Differenzen meiden, weil wir denken, oder glauben, dass die Gemeinsamkeiten doch noch überwiegen. Aber insgesamt sind die Gemeinsamkeiten zu den Läden natürlich schon vorhanden, ich kann verstehen, dass Leute aufgrund persönlicher Antipathie nicht mehr in bestimmte Läden gehen.

In dem Moment, wo Leute ihre eigenen Platten produzieren und Konzerte selber veranstalten, tritt oft eine linke Sichtweise ein, ich sage mal „das falsche Leben im falschen“, dass Leute ihre Tätigkeit erhöhen

Tobi: Ich bin schon dafür, Sachen selber zu tun, ganz einfach schon um des guten Gefühls wegen, die Dinge selber im Griff zu haben. Problematisch wird das dann, wenn es zu einer Art sich hoch zu imaginieren kommt, d.h. das man Teil einer besseren Gesellschaft durch DIY ist. Denn es ist ja nicht der Fall, oft wird im Kleinen einfach das Grosse weiterbetrieben, nur mit einem revolutionärem Gestus.

Aber ich finde es trotzdem klasse, weil es einen schönen Wohlfühlaspekt beinhaltet, das Bier ist billig, die Platten billig, auf den Konzerten sind manchmal Menschen, die ich sogar kenne. Und ist es gut, wenn ich die Läden unterstützen kann. Aber mehr ist da auch nicht, es ist kein gesellschaftlicher Umschwung.

Aber andere Subkulturen haben auch ihre DIY-Vertriebswege und bieten den Teilnehmern der Subkultur auch das Versprechen der Teilnahme an der kleinen Gesellschaft abseitig von der Grossen so unterschiedlich sind, in dieser Hinsicht, rechts ausgerichtete Jugendzentren nicht.

Tobi: Das ist ja jetzt ne andere Diskussion, die Freiräume in den Selbstverwalteten Zentren sind auch Orte, wo Inhalte transportiert werden sollen und werden. Ich habe jetzt keine unmittelbare Erfahrung, was rechts ausgerichtete Jugendzentren oder national befreite Zonen betrifft, jedoch bedeutet dort „Freiraum“, frei von gehassten Personengruppen (Migranten, Homosexuelle, Linke…), während es in emanzipatorischen Freiräumen darum geht, einen Platz zu haben, in welcher ein Austausch stattfindet, Ideen entwickelt und ausprobiert werden können, ausserhalb der gesellschaftlichen Gewalt- und Normzustände. Ob das funktioniert ist dann immer eine andere Frage.

Ihr veranstaltet ja auch selber Konzerte, und da kennt ihr doch bestimmt immer die gleiche Frage seitens der Band, „wie viele Leute waren da?“ Diese Frage hat ja dann immer so den Beigeschmack, dass sie bei den Stones genauso gestellt wird.

Tobi: Das wichtigste als Konzertveranstalter ist doch, nicht selber draufzulegen, das ist dann eine Wirtschaftlichkeit in einem kleinen Rahmen, der dem grossen ähnelt, aber die Motivation ist ne ganz andere.

Aber die übergange sind fliessend..

Tobi: Wie meinst du das?

Wenn nicht viele da sind, hat der Veranstalter Mist gebaut, wenn viele das sind, war es die geile Band, die so viele gezogen hat, das ist doch wie im Grossen oder ganz andere Dinge passieren, dass eine Band trotz Erfolges bei dir auf deinem Label bleiben möchte und ’schwupp‘ bist du ein 6 Mann-Unternehmen. Was natürlich eher in den USA als hier passiert…

Tobi: Da gehen ja alle unterschiedlich mit um, Epitaph oder so was sehe ich jetzt auch nicht als Indie-Label, da geht es mehr um Geldausschöpfungspotentiale man muss unterschieden, „mache ich das noch weiter und verdiene damit Geld“ oder supporte ich Bands, die neue musikalische Aspekte bringen…

Hat so eine Denkweise auch Einfluss in euren Proberaum, so in die Richtung „Hey Mann, da müssen wir noch mehr ne fiese Orgel einbauen, das müssen wir genauso machen wie andere es gerade (nicht) machen“

Matze: Nee, da muss man einfach sehen, . wie bei uns Songs entstehen, die entstehen alle bei Tobi zu Hause und er gibt uns dann die fertigen mp3, die wir uns dann anhören, wir lieben ihn dafür!

Tobi: Na ja, ist aber schon eine Band, in der Austausch über die Musik und Texte statt findet, es ist kein Ein-Mann-Unternehmen!

(Liebe, Perfektion in der Band, Entstehung des Soundprozesses, das Bier ist kalt, die Sonne scheint wir hatten genug weitere Themen.)

***

4. Vorbilder, Konzerte und Solingen-Ost

Um die Todesfrage nach etwaigen musikalischen Heroen zu umgehen eine andere Frage: Stellt euch vor, es ist ein herrlicher Sommer, ihr könnt eine tote oder noch lebende Band auswählen und dort Musiker sein, sein es die Stones oder was aktuelles jetzt nach nen paar Bier, wo würdet ihr sagen, so als individueller Musiker „da und dort hätte ich gerne mitgemacht, Axel Rose mit Frauen und Drogen oder Blues Pianist um 3.30 morgens?

Matze: Hmh, ich sehe mich nicht als Musiker, sondern bin durch Zufall zu Antitainment gestossen. Ich lerne auch nicht nach Noten, sondern grobmotorisch, und versuche mir Folgen von Tasten einzuprägen, da trifft wohl der Begriff Handwerker am besten zu Tobi, überleg doch mal?

Tobi: Nee, so was gibt es bei mir nicht. Als Gitarrist gesprochen, finde ich technische Finessen ohne Relevanz, jeder hat die Möglichkeiten des Ausdrucks. Als Performer bzw. Sänger da fällt mir jetzt auch nichts ein.

Matze: Doch, ich hab was, bei den MONKEES der Tastentyp zu sein, Daydream believer, das ist okay.

Das war ja eine gecastete Band..

Matze: Macht ja nix, die waren trotzdem beliebt und waren ja auch in der vielen TV-Sendungen

Fändest du das interessant, das mit der TV-Sendung?

Matze: Na ja, ich muss mich jetzt ja irgendwie festlegen.

Tobi: Was ich interessant finde, ist der Aspekt des RocknRoll Todes-Tode. Das Leute live beim Konzert gestorben sind, das würde ich mir aussuchen, das wäre was. Ich habe früher Ska gehört und es mal diesen Solisten-Sänger, der mit einem Herzinfarkt auf der Bühne starb, das würde ich auch so machen, Judge Dread war das, Blut erbrechen, keine Ahnung, so was

Quasi beim Orgasmus sterben, d.h. beim Konzert nach 65 Minuten oder wie lange es halt dauert

Tobi: Genau, oder direkt beim ersten Lied.

Also ist es doch dieser exaltierte Moment auf der Bühne, der für euch entscheiden ist?

Matze: Yo, du hast halt diese Stunde, das entspricht dem Konzept, das kannste nur einmal machen, aber ja.

Also allgemeiner gesagt, die Bühne ist der Moment, für den ihr lebt jetzt macht ihr gerade eine Pause, aber der Moment, der entscheidet, ist der, wo ich auf diese kleine Bühne gehe, und einstöpsle

Tobi: Nee, man hat`s eigentlich zu oft, diesen Moment, und wo man dann Konzerte mit einem Kater spielt, und einfach runterzockt, das ist ein Widerspruch zur These vom perfekten Moment, es wird eher normal wie man morgens aufs Klo geht. Es ist kein besonderer Moment, man arbeitet jedoch schon drauf hin. Man tritt als Band abends auf, deshalb fährt man durch die Gegend.

Matze: Manchmal ist es so, man ist gut drauf, es stimmt alles, die Leute gehen ab und genau diese Momente werden dich die nächsten Wochen begleiten. Auf Tour live spielen ist jedoch nur ein Teil des Ganzen, man freut sich auf die Leute, die Band mit der man zusammen spielt, auf die Stadt, in der man vorher noch nicht war, das spielt alles mit und abends das Konzert ist nur eine Sache.

Bands sagen ja oft, dass sie mit der Band Orte gesehen haben, die sie ohne die Band nie sehen würden, ich denke dann immer „Na ja, das kann ein Vorteil sein, wenn man in einer Band ist, aber andererseits, wollte man wirklich Solingen-Ost gesehen haben?“

Matze: Solingen-Ost vielleicht nicht, ha. Ich versuche aber immer, vorher spazieren zu gehen, denn man sieht ja oft nur die Konzertorte, die auch noch in Industriegebieten liegen. In Dresden habe ich nur die Altstadt gesehen, aber ich bin eh ein oberflächlicher Typ, mir reicht das, zu sagen ich war da und dort. Im Ausland bzw. Osteuropa wäre das anders, da ist mehr Interesse für den ganzen Rahmen, in dem der Auftritt zustande kommt.

Eine Frage noch, wenn ihr auf Knopfdruck entscheiden könntet, zu welchem Label würdet ihr gehen, z.B. schön Alternative Tentacles, Plattenvertrag, 100.000 Euro im Jahr, 2x im Jahr touren?

Matze: Vom Gefühl, wie es jetzt war und ist, ist alles gut. Renke von Zeitstrafe ist ein guter Freund, wir kennen und mögen alle Bands auf dem Label. Wenn er uns jetzt eine Millionen gibt, dann nehmen wir die, aber die Frage stellt sich nicht..

Würdet ihr sagen, ist der Punkt oder sind die Punkte von Antitainment rübergekommen?

Matze: Klar, dass wir ziemlich sympathische Typen sind.

***

Ob Antitainment sich den Goldenen Zitronen ähneln, was Tobi an Jens Racchut gut findet, und was Daniel bei einem Dackelblut-Konzert festgestellt hat, das wurde noch besprochen.

Nach dem Interview trennten sich die Wege: Daniel ging Fussball gucken, Matze auch, aber wo anders, Tobi ging woanders hin als Jan, der sich in die Au zu dem Billy No Mates Konzert trank.

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