März 17th, 2007

AINA (#94, 06-2002)

Posted in interview by andreas

Spanien. Land des Flamencos und des Stierkampfes, des guten Weines und endloser Strände. Wer würde hierbei an Dischord-Sound denken? Niemand. Und dennoch kommt genau aus diesem jenem Land, genauer gesagt Katalonien, ganz genau gesagt Barcelona, ein ganz hervorragender Vertreter jenes Genres – wenn es denn Eines sein soll – Aina.

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„Soweit ich weiss, ist unsere Split-Single mit den Capitol City Dusters bisher die einzige Veröffentlichung einer europäischen Band bei Dischord. Unsere erste CD wurde für die Staaten von „First Time Records“ lizensiert und sollte dort auch letzten August erscheinen. Wir haben von dem Typen aber nie wieder etwas gehört, weder wir noch unser Label „Bcore“ hat jemals eine solche CD oder Geld gesehen…“ erzählt mir Pau, Drummer der Band.

Aber mal ganz langsam mit den jungen Pferden und Leuten. “ Schon 1991 musizierten ich und Artur (git., voc.) zusammen, nachdem wir uns in der Schule kennen gelernt hatten. Unsere Instrumente beherrschten wir damals natürlich noch nicht. 3 Jahre später kamen dann noch Xavier und Natal dazu, die auch eine unvollständige Band namens „Sheba“ hatten. Unsere erste Show spielten wir dann am 23. Februar 1995. Jordi von Bcore-Records sah unser Konzert und bald darauf begannen wir, zusammen zu arbeiten und wurden Freunde“. 

Im selben Jahr verliess dann auch Natal die Band und der Bruder von Xavier, Alvaro, nahm seinen Platz ein. 1999 dann das gleichnamige Debütalbum bei Bcore. Hier zu Landen eher unbeachtet und auch in Spanien kein Kassenschlager. Dennoch beachtlich, klein und fein verschachtelt in bester Dischord-Tradition. Es folgten europaweite Touren, beispielsweise mit den oben erwähnten Capitol City Dusters, die von Aina ein wenig in den Hintergrund gespielt wurden. Denn gehen Aina in der konservierten Form vielleicht noch als „ganz gut“ durch, so weiss die Band live völlig zu überzeugen. Energisch und ohne grosse Sperenzchen spielen, schwitzen und rocken sie dann die Häuser. Womit wir schon beim nächsten grossen Stichwort währen: ROCK!

Denn deutlich straighter und eben rockiger klingen Aina auf ihrem neuen Album, „Bipartite“. Auch die aktuellen Bandshirts ziehen da mit, wenngleich sicher auch mit einem ironische Zwinkern. Aber, dennoch, der AC/DC Schriftzug wird da auf AI/NA umgemünzt… „Es ist kein Geheimnis, dass wir AC/DC – Fans sind. Titi, Alvaro und Natal sammeln ihre Alben schon seit sie zehn oder elf Jahre alt sind. Sie besitzen wirklich eine unglaubliche Kollektion der Band. Auf Tour haben wir so oft die Alben gehört, dass Artur und ich schliesslich auch anfingen, AC/DC zu lieben. Irgendwann fingen wir alle wirklich an, mehr „Rockbands“ zu hören, wer oder was auch immer das genau sein soll. Sachen wie Wool, Scream, Foo Fighters oder Queens of the Stone Age haben uns zu einer bestimmten Zeit stark beeinflusst und damit auch unsere eigenen Songs. Wir hören aber gerne alle möglichen Arten von Rock`n`Roll, Soul, Punk und Pop…“

Gehen wir doch nochmals auf die Herkunft der Band ein. „Anscheinend passiert im Moment in der Musikszene von Barcelona mehr als früher. Neulich haben wir in Geislingen mit Maple und Half foot outside gespielt und alle drei Bands waren unabhängig voneinander auf Tour! Mehr Bands wollen ernsthaft touren und ihre Musik auf ein anderes Level hieven, nicht nur so ab und zu am Wochenende spielen, eine Platte herausbringen und sich dann wieder auflösen… Nein, Manche kündigen ihre Jobs und gehen einfach auf Tour! Auf so einen „Aufbruch“ habe ich seit Jahren gewartet. Glücklicherweise arbeiten übrigens die Meisten von uns in Familienbetrieben und können sich entsprechend frei nehmen – sonst wäre es für uns gar nicht mögliche, alles so durchzuziehen“.

Einerseits hätten sie es vielleicht leichter, d.h. mehr Leute würden auf sie aufmerksam werden, wenn sie aus Amerika kämen. Andererseits können natürlich – auch in Europa – Reaktionen wie „Hey, aus Spanien, ist ja lustig!“ zu einem kleinen Exotenbonus führen. Pau ist sich da nicht so sicher. „Ich weiss nicht so recht, was ich davon halten soll. Selbst wenn es so wäre, könnten wir es nicht ändern. Wir kommen eben aus Barcelona und machen die Musik die wir machen. Wir gehen viel auf Tour und wir haben nie versucht, Aufmerksamkeit von der spanischen Presse zu bekommen, weil wir dachten, das unsere Musik für den Mainstream sowieso keine Bedeutung hätte. Gut, als wir in Amerika spielten, fanden es vielleicht einige Leute aufregend eine Band aus Barcelona zu sehen, weil sie normalerweise keine Bands aus Europa zu Gesicht bekommen, das mag sein. Lustigerweise interessieren sich die Medien in Spanien im Moment nun doch gelegentlich für uns. Aber wir wollten einfach immer rausgehen und das richtige Publikum für uns in Spanien und Europa suchen. Britische Punkbands wurden früher schnell bekannt, dann alle möglichen Bands aus Schweden…Da stecken ja auch Leute dahinter, die wissen, wie und wem man das verkaufen kann. Wir setzten uns einfach in unseren Van und spielen Konzerte, was die meisten Leute sowieso nicht interessieren wird.“ Mich schon.

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Interview: Christoph Lottes

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