März 17th, 2007

AGORAPHOBIC NOSEBLEED (#108, 10-2005)

Posted in interview by andreas

Interview mit Richard Johnson von Agoraphobic Nosebleed

Als Soundtrack für einen sonnigen Sonntag, wo man es sich ab 11:00 mit Kaffee, Zigaretten und was Schönes zu lesen gut gehen lassen kann, sollte man unbedingt die drei Inch CD „Altered States of America“ von der amerikanischen Band Agoraphobic Nosebleed auflegen.

Was ich an dieser Platte mag und was bei dem Grindcore-Genre immer wieder sehr nett kommt, ist: Humor. Lasst die Lick von Lemonheads oder die Beach Boys Single „`I can hear music„ doch einfach mal liegen und gönnt euch ein herrliches Stück Trash-Core. Richard von der Band beantwortete mir meine Fragen per email im Mai 2004. 

***

Hi Richard, schön, dass du mit einem Inteview über Agoraphobic Nosebleed einverstanden bist. Eure letzte Platte, die „Altered States of America“, herausgekommen am 1.4.2003, ist aus meiner Sicht immer noch eine der besten neueren Platten in dem Grind-Bereich. Der Hauptgrund ist, dass ich bei eurer Musik immer so eine gute Portion Ironie und Humor spüre, denkst du, dass ist eine richtige Beobachtung?

Richard: Von unserem Material muss man einiges ernst nehmen und einiges nicht. Der Grossteil der Grindcore-Szene hat Bands, die ich selber nicht unbedingt mag – hauptsächlich deswegen, weil die Szenegrenzen so verschwommen sind und dann hast du dort Bands, wo es sich in ihren Texten und ihrem Image immer um das gleiche dreht – „shitting on women`s faces and so on“ -.

Und das nennt man dann Goregrind oder Pornogrind oder was weis ich und Grindmusic ist dann Teil ihres Sounds. Ich meine, Grindcore muss nicht per se politisch sein, aber da gibt es einfach zu viele Bands, die „just plain silly“ sind. Einige unserer Texte sind brutal und einige einfach lächerlich, aber insgesamt sind sie humorvoll.

Wie würdest einem alten Schulfreund, den du länger nicht mehr gesehen hast und nun zufällig auf der Strasse triffst, eure Musik beschreiben – Fun Grind, mellow Metal oder einfach Rock ?

Richard: Grindcore with a drum machine, simply.

Was für Musik hörst du so?

Richard: Alles mögliche, von Klassik zu Rock, (alten) Death Metal, Film-Soundtracks und Jazz.

Kann man sagen, dass ihr mit Agoraphobic Nosebleed das Konzept der frühen Naked City – kurze Lieder mit wirren Einsätzen – übernommen habt und in einem noch extremeren Zustand konzentriert habt?

Richard: Die „Torture Garden“ eine wahnsinnige Scheibe, aber ich denke, dass Naked City viel verückter und mehr psycho als wir waren. Ich glaube nicht, dass man von einem direktem Einfluss von Naked City auf unseren Sound sprechen kann. Uns haben mehr die alten Earache Platten beeinflusst.

Wo lebst du eigentlich in den Staaten und was machst du so ausserhalb der Band?

Richard: Ich lebe in Sterling, Virgina. Das ist ein Staat an der Grenze zu Washington, DC, und die Stadt Sterling ist eine halbe oder dreiviertel Sunde entfernt von DC. Manchmal hänge ich also dort ab und sonst gehe ich gerne ins Kino, schaue mir zu Hause Filme an, lese, spiele noch in meiner anderen Band und schreibe über Musik für diverse Publikationen.

Hast du dir schon Gedanken gemacht, ob du im November zur Wahl gehst?

Richard: Ja klar, ich werde auf jeden Fall für Kerry stimmen. Ich bin nicht überglücklich mit ihm, aber er ist Bush auf jeden Fall vorzuziehen! Mein Vater ist ein Republikaner. Er denkt, dass die „Constitutional Second Amendment rights“ von den Demorkaten bedroht sind und er hat in dieser Sache recht. Aber bei dieser Wahl geht es noch um ganz andere Sachen und wir beide diskutieren oft darüber.

Interessiert sich Agoraphobic Nosebleed für Politik?

Richard: Nicht als Band, aber wir als Individuen ja, in verschiedenen Formen und mit unterschiedlicher Intensität. Einige unsere Texte sind persönliche Ansichten über Politik gemixt mit dem typischen Sound unserer Band.

Sagen wir mal, du hättest ein Jahr frei und genug Geld – was würdest du machen und wo? Hast du auch so eine Stadt auf der Welt, wo du immer mal gerne leben würdest? Bei mir ist das ja z.B. Los Angeles, (immer noch) meine Traumstadt.

Richard: Ich würde reisen, Syrien, Deutschland, England und Japan kommen mir als erstes in den Sinn. Lustig das mit Los Angeles, in dem Film „Decline of Western Civilization,“ wird einer der Personen dort interviewt und als er auf LA angesprochen wird, sagt er, „the air in utopia is poisoned“, und das LA der „final joke“ ist. Aber ich habe keinen speziellen Wünsche, wo ich jetzt unbedingt leben will, ich mag es, wo ich bin, mit der Ausnahme des Verkehrs.

Ich war auf der Biographie-Sektion bei eurer Homepage, sind die aktuellen Bandmitglieder immer noch du, Scott Hull, Carl Schultz und Jay Rascall?

Richard: Right!

Bitte erzähl uns woher die einzelnen Bandmitglieder herkommen, du hattest gesagt, dass Scott bei Anal Cunt war, oder?

Richard: Ja, aber er war nur drei Monate bei Anal Cunt, immerhin lang genug, um mit ihnen einige Konzerte zu spielen und auf einer ihren Platten mitzumachen. Carl spielt in Prosthetic Cunt und Zeroand, J. Randall spielt bei Agnostronic Blunt und macht bei einigen Projekten mit, wie z..B. Unholy BMX und Servants of the Earth, die in verschiedenen Aktivitätsstadien sind, wenn überhaupt.

Und ihr spielt immer noch mit einem Drumcomputer?

Richard: Ja, und ich denke dass es so bleiben wird, es ist einfach Teil von unserem Sound.

Spielt ihr Live-Shows?

Richard: Nein, d.h. es hat bis heute noch nicht wirklich stattgefunden. Wir spielten zwei Songs und ein Intro auf einem Festival letztes Jahr am Ende des Sets von Pig Destroyer, und seitdem haben wir nicht mehr live gespielt. Wir sollten eigentlich dieses Jahr auf dem Relapse’s Contamination Festival auftreten, aber ich habe schon länger davon nichts mehr gehört.

Würdest du sagen, dass eure Texte „wichtig“ sind, d.h. habt ihr eine wie auch immer konkrete „Message“, wollt ihr den Kids irgendwas zeigen oder sagen, z.B. könnte ich mir vorstellen, das eine Aussage wäre, „play whatever you like and don`t give something about what the others call music“?

Richard: Wir versuchen nicht irgendjemanden irgendetwas zu zeigen/sagen, weil wir denken, dass die Hörer die Texte für sich interpretieren sollen. Aber ich bin einverstanden damit, dass die Leute das machen sollen, was sie selber wollen.

Ihr seid ja auf dem Relapse Label – wie kam es dazu?

Richard: Scott kannte die Leute von Relapse and die kannten Agoraphobic Nosebleed – als sie ihm einen Vertrag angeboten haben, hat Scott dann zugestimmt.

Welche anderen Label-Bands mögt ihr so, Mastodon bestimmt oder?

Richard: Ja, Mastodon ist eine davon, sie sind echt nette Menschen. Ich mag viele der Relapse Bands, aber sicherlich nicht alle. Einige der Relapse-Bands, die ich kenne, kennen dann wieder nicht alle Mitglieder von Agoraphobis Nosebleed, insofern….

Mit welchen anderen Bands seid ihr so befreundet?

Richard: Oh, keine Ahnung, ein paar Bands hier und da, z.B. die mit denen wir Split-Singles gemacht haben.

Ok, am Ende noch ein zwei kurze Fragen, was denkst du über die folgenden zwei Bands in einem Wort? Rorschach

Richard: Awesome.

David Hasselhoff

Richard: Awful.

Was hast du persönlich und was hat eure Band so für Zukunftspläne?

Richard: Glücklich sein und involviert mit Musik bleiben. Agoraphobic Nosebleed hat einige Spilts fertig, die bald rauskommen, z.B. eine mit Isis and Jesu. Und eine Doppel-CD- Discography wird noch erscheinen.

Any greetings to the trust readers ?

Richard: Thank you for reading and listening. Take care!

Lieber Richard, danke für das Interview.

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Homepage: http://www.agoraphobicnosebleed.com/ – nette Seite, mit ausfürlicher Diskographie über die ganzen Split-Singles, nette Bilder und Fotos

Interview: Jan Röhlk

Links (2015):
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